Meine erste Privatsinsolvenz - Fragen wegen Treuhänder

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Trixi2011

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Kurz zu meine Fall: Also ich bin vor einen Jahr auf einen Betrüger aus sehr nahen Bekanntenkreis reingefallen. Der hat uns alle getäuscht, mit gefälschten Papieren u.s.w. Andere wurden auch geschädigt (die eigene Oma, die Tante, der Onkel, der Vater), aber mich hat es am extremsten getroffen. Ich dumme Kuh, habe ihm Geld geliehen, einen Handyvertrag auf meinen Namen für ihn gemacht... Man müsste mich für meine Dummheit erschlagen, aber die Person ist wirklich kein Fremder gewesen, wer sollte ahnen, dass aus dieser Richtung Gefahr droht? :icon_cry:

Jedenfalls stehe ich bei 4-5 Gläubigern mit rund 7800€ in der Kreide und habe nicht gezögert Privatinsolvenz anzumelden, weil mir die anderen Alternativen mit weiterlaufenden Mahnungen und Gerichtsvollzieher im Haus noch schlimmer erschienen.

Ich habe heute den Brief erhalten, dass ich kommenden Mittwoch bei meiner Treuhänderin im Büro antanzen soll, um dort gewissermaßen die Hosen runter zu lassen. Hört sich hart an, aber so kommt es mir vor, wenn ich lese, was die alles von mir haben will.

Vollständige Inventarauflistung meiner Wohnung - Reicht es wenn ich meine Möbelstücke nenne oder will die auch die Anzahl aller Töpfe und Pfannen wissen bzw. wie viele Bücher ich im Regal habe... Einen Wohnungsbesuch wird wohl auch noch geben oder? Meine, wer sagt, dass ich nicht doch irgendwelche Rembrands und Picassos an der Wand zu hängen habe :biggrin:

Meine Bankverbindung :icon_eek: Was will die damit? Kontrolliert die jetzt meine Finanzen, welche Eingänge und Abhebungen ich mache oder was und wofür mein Geld drauf geht?

Kontoauszüge... naja da stellt sich mir nur die Frage, ob ich Ärger bekommen kann, weil ich vor einpaar Monaten vom JobCenter Geld überwiesen bekommen habe, welches mir nach Prüfung rückwirkend zugestanden hat. Waren an die 300€, die ich natürlich auch schon ausgegeben habe!

Anschrift meines Vermieters - Davor graust es mir, weil ich Angst habe, dass die mir die Wohnung kündigen, weil sie solche Menschen wie mich nicht im Haus haben wollen. War damals mit Hartz IV schon ein Kampf gewesen die dazu zu bringen mir die Wohnung zu geben. Mein Onkel und meine Tante mussten wirklich für mich bürgen, obwohl die Miete vom Amt kam und ich schon 28 Jahre war.

Sonstige Sachen, wie Versicherungen (habe eine Hausratsversicherung), Mietvertrag, Bewilligungsbescheid vom Amt... Das ist keine große Sache in meinen Augen.

Einen aktuellen Lebenslauf soll ich auch parat halten - Was soll den der Blödsinn???? Ich bin in einer Behindertenwerkstatt, weil ich als erwerbsunfähig gelte. Soll ich mich im Rahmen meiner Pflichten jetzt etwa noch um reguläre Arbeit bewerben, obwohl ich nicht im Stande bin die auszuführen oder was???

Worüber kann so eine Treuhänderin in den nächsten 6 Jahren meines Lebens bestimmen? Kann sie bestimmen, ob ich mir von den paar Kröten, die ich bekomme einen Urlaub ansparen darf oder ob ich z.B. 50€ für ein Geburtstagsgeschenk investieren?

Bin dankbar für Informationen!!!!!
 

rechtspfleger

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Die Frage nach dem Wohnungsinventar ergibt sich aus § 811 Abs. 1 Nr. 1 ZPO. Was wegen Unangemessenheit pfändbar ist, kann der Treuhänder verwerten. Da er natürlich nicht wissen kann, was sich in der Wohnung befindet, ist danach zu fragen.

Die Bank ist vom Insolvenzverfahren zu unterrichten, damit etwaige pfändbare Gutschriften auf dem Konto an die Treuhänderin ausgekehrt werden.

Die Frage nach den Kontoauszügen zielt auf die Erforschung ggf. nicht angegebener Vermögenswerte (z.B. Zahlungen auf eine Lebensversicherung).

Der Vermieter muss wegen § 109 InsO unterrichtet werden.

Bei den sonstigen Sachen geht es vor allem darum, Versicherungen zu kündigen, bei denen sich ein Guthaben ergeben kann.

Wenn Du in einer Behindertenwerkstatt bist, wird man von Dir keine Bewerbungsbemühungen verlangen können. Die Ausführungen zum Lebenslauf dürften darauf beruhen, dass es sich bei dem Anschreiben um eine vorgefertigte Vorlage handelt, die in allen Verfahren Verwendung findet.

Im eröffneten Verfahren empfiehlt sich für Ansparungen die Keksdose, in der WVP spielt das keine Rolle mehr.

Ich bitte darum, mich nicht zu steinigen, aber Dein Insolvenzverfahren wird den Steuerzahler ca. € 900,00 - € 1.000,00 kosten. Da solltest Du dann auch hinnehmen, gewisse Auskünfte erteilen zu müssen.
 

arbeitslos in holland

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@rechtspfleger

zunächst werden die nächsten 6 jahre für @trixi knüppelhart, weil-wie sie richtig bemerkte-sie nämlich zur regulierung, entsprechend ihrer leistungsfähigkeit, herangezogen wird.

deine keksdosen-metapher ist dagegen harmlos...........

ob denn die kosten beim steuerzahler hängenbleiben, steht auch noch nicht fest. wenn nämlich @trixi über erwerbseinkommen verfügt, muß sie einen teil der (vorgestreckten)kosten berappen.

bleibt nur zu hoffen, dass dieser *zensiert* für seine tat zur verantwortung gezogen wird-wobei dann für die haft, wieder der steuerzahler den kopf hinhalten darf..............:icon_neutral:
 

rechtspfleger

Technische-Moderation
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Ich hatte die Dinge vielleicht etwas hart formuliert. Das war nicht gegen Trixi2011 gerichtet, aber wenn man beruflich jeden Tag damit befasst ist, stumpft man irgendwann ab.

Dass es knüppelhart werden könnte, sehe ich nicht, da sie nach eigener Angabe wegen Erwerbsunfähigkeit in einer Behindertenwerkstatt arbeitet. Eine Erwerbsobliegenheit dürfte daher nicht in Betracht kommen.

Der Beitrag #1 war eventuell aus einer Situation der Verärgerung heraus geschrieben. Was ich mit meiner Anmerkung zum Ausdruck bringen wollte, ist der Punkt, dass eine Verbraucherinsolvenz vielfach über die Stundung aus öffentlichen Mitteln finanziert wird. Das bedeutet natürlich nicht, dass man sich seiner Rechte begibt. Man sollte aber nicht vergessen, dass das Verfahren mit sich bringt, dass man gewisse Verpflichtungen zu erfüllen hat.
 

Trixi2011

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Gestern hatte ich also meinen Termin bei der Insolvenzverwaltung und er war überhaupt nicht so schlimm, wie ich dachte. Ich musste da drei Formulare unterschreiben:
  • Abtretungserklärung von pfändbaren Einkommen, wenn ich es mal haben sollte
  • Schweigepflichtentbindung gegenüber der Bank, dass die sich auch Kontoauszüge vergangener Tage holen dürfen.
  • Zustimmung, dass ich während des Verfahrens, halt meinen Pflichten nachkomme und meine Angaben wahrheitsgemäß sind.
Dann stellte sie mir noch Fragen zu meiner Person, ob ich schon mal eine Insolvenz hatte, ob ich selbständig bin oder gewesen bin...

Nach etwa 15 Minuten war der Spuk vorbei und meine einzige Pflicht ist halt die wahrheitsgemäße Informationspflicht bezüglich Veränderungen was meinen Wohnort, Einkommen, Erbschaft, Lottogewinn... betrifft.

Die werden auch nicht zu mir in die Wohnung kommen und kontrollieren, ob nicht doch irgendwelche Gemälde, Diamanten oder einen teuren Flatscreen TV habe, was ja nicht der Fall ist.

Die Sache ist jetzt am Laufen und in sechs Jahren ist die Sache überstanden.

PS. Habe gestern erfahren, dass der Typ, der mir die ganze Schei§§e eingebrockt hat, sich für 20.000€ bei einen großen Möbelhaus Möbel bestellt hat, sich die Möbel liefern ließ und sie nicht bezahlt hat. Für seine teure Wohnung ist er die Miete schuldig und hat schon die Räumungsklage am Hals.

Was soll man dazu sagen?
 

vagabund

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... meine einzige Pflicht ist halt die wahrheitsgemäße Informationspflicht bezüglich Veränderungen was meinen Wohnort, Einkommen, Erbschaft, Lottogewinn... betrifft.
.....

Die Sache ist jetzt am Laufen und in sechs Jahren ist die Sache überstanden.

.....
Was soll man dazu sagen?

Wenn Du diese Pflichten erfüllst, geht das alles ziemlich problemlos über die Bühne; alles andere hak' als Lebenserfahrung ab.

Schau in die Zukunft, Du regelst Deine Angeleghenheit und bist nach den 6 Jahren schuldenfrei :icon_mrgreen:
 
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