Mehrbedarf bei Zwangserkrankung

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Virginie

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Hallo,

ich bekam die Tage eine horrorhafte Wassernachzahlung, ca 1100,-- Euro.

Wie sie zustande kam, ist mir leider sehr klar, auch wenn ich es die ganze Zeit gut verdrängt habe. Ich habe in den letzten Jahren einen regelrechten Waschzwang entwickelt; wasche zB auch Lebensmittel wie Milchpackungen ab. Betroffen ist hauptsächlich Warmwasserverbrauch.

Nun ist es so, dass ich bisher noch nicht in Behandlung deshalb war, das Problem wurde mir erschreckenderweise erst durch die Rechnung als echtes Problem bewusst. Eigentlich lebe ich ganz gut damit. Auch wenn das ständige Putzen der Wohnung und Wäschewaschen schon sehr viel Zeit frisst.
Offenbar muss aber richtiger Leidensdruck her, den hab ich nun mit dieser Horrorrechnung.

Wie sehen denn meine Möglichkeiten aus, evtl Mehrbedarf geltend zu machen?
Problem ist halt, dass ich bisher noch keine Therapie gemacht hab, auch Hausarzt weiß nichts davon. Ich hab es wohl komplett heruntergespielt und gar nicht wirklich als "Problem" wahrgenommen.
Die Abrechnung habe ich auch verdrängt. Dabei musste ich letztes Jahr schon über 500 Euro nachzahlen. Der Warnschuss hat mir wohl noch nicht gereicht :(

Habe ich auf dieser Basis überhaupt eine Chance?

Neben den finanziellen Auswirkungen möchte ich natürlich auch etwas gegen dieses zwanghafte Verhalten tun. Da ich von einer Bekannten weiß, es löst sich eher nicht von selbst in Wohlgefallen auf, sondern hat die Tendenz sich zu verschlimmern.
Ich möchte ohnehin eine Therapie wegen anderer psychischer Probleme machen; leider ist es hier sauschwer, einen Platz zu finden. Die Therapeuten führen noch nicht mal Wartelisten, bis auf eine.
 

Muzel

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Du musst nicht unbedingt einen Therapeuten haben. Es reicht, wenn du dein Problem deinem HA schildert und du ihn bittest, dir zu helfen, damit du einen Schwerbehindertenstatus erhältst. Dann hast du die Möglichkeit den Mehrbedarf über die Steuer abzusetzen. Auch wenn du jetzt vielleicht keine Steuern zahlen musst, dann du dir das Geld gutschreiben lassen für die Zeit, wenn du wieder Steuern zahlen musst. Du musst das beim Finanzamt nur übertragen lassen ins Folgejahr.
 

Muzel

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3.7 Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, Folgen psychischer Traumen Leichtere psychovegetative oder psychische Störungen 0 - 20 Stärker behindernde Störungen mit wesentlicher Einschränkung der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit (z.B. ausgeprägtere depressive, hypochondrische, asthenische oder phobische Störungen, Entwicklungen mit Krankheitswert, somatoforme Störungen) 30 - 40 Schwere Störungen (z.B. schwere Zwangskrankheit) mit mittelgradigen sozialen Anpassungsschwierigkeiten 50 - 70 mit schweren sozialen Anpassungsschwierigkeiten 80 - 100
 

Muzel

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Ich sehe das so, dass das über die Steuer als Schwerbehinderter pauschal abgegolten wird und wenn man keine Steuer bezahlt muss man sich das beim Finanzamt gutschreiben lassen, damit man das geltend machen kann, wenn man wieder steuerpflichtig wird.
 

Grashüpfer

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Harte Sau, das war ja wirklich sehr nett was du da rausgehauen hast. Wer keine Ahnung hat...

Ich erhalte Erwerbsminderungsrente aufgrund meiner Zwangserkrankung und bin dabei den Behindertenausweis zu betragen. Es wurde mir gesagt, dass es 30% werden allein aufgrund dieser Erkrankung.

Dass man aufgrund von Zwängen Mehrbedarf erhält habe ich noch nicht gehört und denke, das hat leider nicht viel Erfolg. Es gibt ja sehr viele Formen wie eben z.b. Waschzwang mit hohem Wasserverbrauch, Desinfektionszwang, Putzzwang und damit verbundene Anschaffungen wie Desinfektions- u putzmittel usw. . Wenn die da Mehrbedarf zahlen würden wären die wohl bald pleite.

Ich möchte dir dringend ans Herz legen, eine Therapie zu machen. Ich weiss wie schwer es ist einen Platz u finden, aber versuchen ist echt wichtig. Bei mir wurde zu spät begonnen und nun bin ich mit 31 Jahren seit 9 Jahren daheim.
Alles Gute und viel Kraft :icon_stern:.
 

Muzel

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Das ist doch nicht schlecht, was man von der Eigentumssteuer wieder bekommt:
Bei einem Grad der Behinderung von ...

... beträgt der Pauschbetrag

25 und 30

310,00 €

35 und 40

430,00 €

45 und 50

570,00 €

55 und 60

720,00 €

65 und 70

890,00 €

75 und 80

1.060,00 €

85 und 90

1.230,00 €

95 und 100

1.420,00 €

hilflos oder blind

3.700,00 €

Dies Beträge werden direkt von der Steuer abgezogen.
 

gila

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Muzel

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Therapeuten sind auch nicht immer das, was sie zu sein vorgeben, leider. Es ist natürlich misslich, wenn man keine Steuern bezahlt und also nichts bekommt, aber man kann sich das von Jahr zu Jahr gutschreiben lassen.
 

Virginie

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Hallo nochmal,

sorry, dass ich mich erst jetzt wieder melde, es ging mir in den letzten Tagen nicht so gut.

Danke für alle Tipps und auch den Hinweis, dass es wohl schwierig werden würde, den Mehrbedarf durchzubekommen. Theoretisch könnte ja dann auch jeder Alkoholiker oder Bulimiker Mehrbedarf für seine Erkrankung beantragen.
Ich kam auch überhaupt nur auf die Idee, weil ich vor einiger Zeit bei einer Bekannten, die einen zwangserkrankten Freund (gesetzlich) betreut mal etwas von Formularen für Mehrbedarf erzählte. Allerdings weiß ich nicht wofür. Leider hab ich keinen Kontakt mehr zu ihr.

Natürlich ist Ziel eins nicht die Finanzierung der Erkrankung sondern diese therapeutisch anzugehen.
Es ging eher um die aktute Situation, die ja nun einmal nicht mehr zu ändern ist.... eine sehr hohe Nachzahlung plus eine Erhöhung der Vorauszahlungen (Nebenkosten) ab Juni.
Da ich in der letzten Phase der Privatinso bin, möchte ich die nicht mit einem Mietschuldenberg gefährden. Bisher lief alles super, keine neuen Schulden, Finanzen gut im Griff.
Aber natürlich bleibt das kaum so, wenn ich monatlich 80 oder 100 Euro weniger zur Verfügung hätte.

Deshalb meine Frage, ob überhaupt die Chance besteht, dass das JC diese Nachzahlung oder zumindest einen Teil übernimmt... und die höheren Vorauszahlungen. Meinetwegen mit der Auflage, die Kosten zu senken (daran arbeite ich schon jetzt).

die letzte Nachzahlung über 500 Euro übernahmen sie anstandslos, was mich sehr wunderte. Hatte auch zwischenzeitlich einen Anwalt eingeschaltet, als sie es beim neuen Bewilligungsbescheid wieder kürzten.

Aber nun handelt es sich um eine doppelt so hohe Nachforderung und die monatlichen Abschläge wurden ja eben schon letztes Jahr erhöht (was auch übernommen wurde). Da hab ich einfach totale Bedenken, dass die das nochmal übernehmen oder sich der Anwalt darauf einlässt, mich in der Sache zu vertreten. Seiner Aussage nach tut er das nur, wenn Aussicht auf Erfolg besteht.
Deshalb Strategie zwei, es über den Mehrbedarf zu versuchen.

Lieber wäre mir, ich würde meine Kosten langfristig wieder senken, da ich dieses Verhalten auch einfach selbst als krankhaft ansehe. Wäre ich nicht mehr abhängig vom JC, müsste ich die Kosten ja auch selbst bewältigen.... schon in meinem eigenen Interesse möchte ich also etwas gegen die Zwänge unternehmen.
Das ändert aber alles nichts an der blöden Jetzt-Situation... selbst wenn ich ab heute total sparsam mit Wasser wäre, habe ich ja erstmal diese hohe Nachforderung + Abschläge für ein Jahr am Hals.
 

verona

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So oder so ist es günstig, einen Arzt und zwar einen Psychiater aufzusuchen. Wenn du versuchen möchtest irgendetwas an Geld vom Amt zu bekommen, muss du deine Erkrankung fachlich belegen können.

Vom Finanzamt bekommst du nichts, da du vermutlich keine Steuern zahlst.

Eine Therapie halte ich schon von daher günstig, weil nächstes Jahr sehr wahrscheinlich eine vergleichbare Rechnung ins Haus flattert. Auf Dauer kann das sehr kritisch werden.
 

Muzel

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Geld, was man möglicherweise nach vielen Jahren bekommt , nützt einem, wenn das Wasser zum Hals steht, wenig. Wenn man wegen der Zwangserkrankung einen Waschzwang hat, ist natürlich der Bedarf an Wasser erhöht. Aber da wird sich ohne ohne Gerichtsurteil kaum etwas machen lassen. Ist die Zwangserkrankung wenigstens anerkannt? Das wäre die die Mindestanforderung für deine Forderung.
 

Virginie

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Geld, was man möglicherweise nach vielen Jahren bekommt , nützt einem, wenn das Wasser zum Hals steht, wenig. Wenn man wegen der Zwangserkrankung einen Waschzwang hat, ist natürlich der Bedarf an Wasser erhöht. Aber da wird sich ohne ohne Gerichtsurteil kaum etwas machen lassen. Ist die Zwangserkrankung wenigstens anerkannt? Das wäre die die Mindestanforderung für deine Forderung.

nein, dieses Problem wurde erst in den letzten 1,5 - 2 Jahren so richtig akut. Davor war ich depressiv und verbrauchte nicht viel Wasser, weil ich den ganzen Tag kaum was machte.

Mir ist das Problem mit diesem Waschzwang erst jetzt durch die hohe Nachforderung so richtig bewusst geworden. Davor hab ich das verdrängt, es schien mir gegen meine vorherigen Abhängigkeiten und Depressionen recht harmlos. Ein bisschen exzessiv putzen und häufiger Wäsche waschen ist ja nicht so hemmend und krankmachend wie eine schwere Depression oder Drogen/eine Essstörung (was ich früher hatte, inzwischen überwunden).

Ich möchte es aber nicht mehr verharmlosen - spätestens jetzt macht es ja Probleme existentieller Natur.

Meint ihr, es hat überhaupt Sinn, die Abrechnung beim JC einzureichen?

vielleicht sollte ich ja erstmal herausfinden, wieviel Wasser ich überhaupt verbraucht habe im Vergleich zu den Vorjahren und wie weit das über der Norm liegt.
Wahrscheinlich war mein Wasserverbrauch vorher auch eher unter dem Durchschnitt, wie gesagt, wenn man den ganzen Tag nichts oder kaum was macht, verbraucht man ja auch nicht viel Wasser.
 

Muzel

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Die Idee ist gut, dass du den Wasserverbrauch angibst und dem Jobzentrum die Rechnung präsentierst. Die sind erst einmal für deine Belange zuständig. Wenn die nicht zahlen wollen, dann wird es über das Gericht weiter laufen müssen.
 

Tine2008

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Ich würde mir das mit dem Waschzwang auch von einem Arzt bescheinigen lassen. Dann hat man wenigstens etwas in der Hand. Auch wenn er einem zum Psychologen schickt, aber dann sehen die vom Amt wenigstens das dies in Behandlung ist.

Ich habe zwar keinen Waschzwang wie man das in Dokus immer sieht, aber ich arbeite auf Arbeit viel mit Wasser (Ich mische u.a. Chemie an) und da werden die Hände von dem vielen waschen nicht nur sehr trocken, sondern knallrot und nach einer Weile beginnen die Knöchel des Handrückens zu bluten. Das sollte jeder Arzt problemlos bescheinigen und dann würde ich das samt Abrechnung erstmal so einreichen und abwarten.

MfG
 

Virginie

Elo-User*in
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Hallo Ihr,

wollte mal kurz Bescheid geben, das jc hat sowohl die Nachzahlung als auch die Erhöhung der Vorauszahlungen übernommen. Mietkonto ist inzwischen ausgeglichen.
Belehrung gabs hinsichtlich zukünftiger Unwirtschaftlichkeit und auch wegen fehlender Mitwirkung (zu spätes Einreichen der Abrechung), was ja beides im Kern stimmt.

danke nochmal für die Unterstützung!
 
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