[Materialien zu:] Solidarisches Begleiten - KEINE/R MUSS ALLEIN ZUM AMT!

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ethos07

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Da immer mal wieder entsprechende Anfragen kommen, können wir in diesem Thread die uns für die Etablierung und Organisation von Begleitgruppen nützlichen Materialien zusammenstellen - und nach Bedarf auch diskutieren.

* * * *


PS
Im März 2010 wollen die KEAS aus Köln ihre Website www. zahltag-jetzt.org als Überblick-Site zu Begleit- und Zahltagen bundesweit umgestaltet haben.
Dabei ist auch ein Wiki geplant, mit dem alle Gruppen, die selbst aktiv Begleitarbeit und/oder Zahltage machen, dann miteinander in Austausch treten können.
Man darf gespannt sein, ob und wie das gelingt:)!

Bis das gut angelaufen ist, aber einfach schon mal hier ein kleine Sammlung nützlicher Arbeitshilfen etc..
 

ethos07

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AW: [Materialien zu:] Solidarisches Begleiten_ KEINE/R MUSS ALLEIN ZUM AMT!

Ein guter Workshop zum Begleiten als Initialzündung...

ist aus meiner Sicht sehr gut geeignet.

Wir starteten im letzten Sommer in Berlin - nach längerem Vorlauf - mit einem Workshop zum Belgeiten - was auf eine sehr gute Resonanz bei Betroffenen stieß.

Daraus ergab sich unser Grundstock an Begleiter/innen - die meisten mit bereits Erfahrungen und etwas Grundlagenwissen zum SGB II aus Foren wie dem Elo-forum - oder vor Ort bereits bestehenden Erwerbslosengruppen.


Wer bietet welche Workshops dafür an:

Wir hatten die ALSO aus Oldenburg eingeladen.
( Einfacher Grund für diese Wahl: zwei aus unserer ursprünglichen Initiatorengruppen kenne die Leute aus der ALSO sehr persönlich, weil sie dorther kommen.)

Wir sind ausgesprochen sehr gut mit dieser Wahl gefahren.:icon_smile:
Guido Grümer und Sigmund Stahl aus der ALSO haben eine wunderbaren Workshop-Tag für uns gestaltet.
Danach waren alle Teilnehmenden bestens in die Grundlagen des solidarischen und durchaus auch politisch motivierten Begleitens eingeführt .

Hier unser damalige Einladung zum Workshop ( die für die Ini dort angeführte Mailadresse ist übrigens nicht mehr aktuell):

Keine/r muss allein zum Amt! - Einladung zum
Schulungsworkshop: Solidarisches Begleiten im Jobcenter
Für Begleiter/innen und solche, die es werden wollen!

Samstag, 13. Juni 2009 // Haus der Demokratie, Greifswalder Straße 4 // 10:00 - 16:30 Uhr

Mit Guido Grüner & Siegmund Stahl von der ALSO (Arbeitslosenselbsthilfe) aus Oldenburg .

Jede/r Erwerbslose muss früher oder später zu einem Termin aufs Amt. Viele dieser Termine sind unangenehm und belastend. Eine Begleitung wirkt da oft Wunder. Angeblich festgefahrene Situationen lassen sich plötzlich regeln und Erwerbslose erhalten Leistungen, die ihnen bislang verwehrt wurden.

Deshalb wollen wir mehr und mehr Leute ermutigen, sich gegenseitig bei ihren Terminen im Jobcenter zu begleiten und sich selbstbewusst gegenseitig den Rücken zu stärken. Wir laden alle ein, unseren ganztägigen Schulungsworkshop für Begleiter/innen mitzumachen. Danach bist Du garantiert bestens gerüstet, Betroffene bei Terminen ins Jobcenter solidarisch zu begleiten: rechtlich, moralisch, politisch.

Guido & Siegmund, die diesen Workshop leiten, bringen langjährige Erfahrungen aus der selbst organisierten Gegenwehr von Erwerbslosen und Prekären in Deutschland mit. Das ALSO gibt es bereits seit 27 Jahren. Dort wurden auch die ersten wöchentlichen berühmt-berüchtigten Aktionen vor und im Jobcenter ausgeheckt; unter dem Begriff „Zahltag“ selbst wurde diese Aktionsform vom ALSO von den aktiven Erwerbslosen in Köln übernommen, die unter diesem Begriff erstmals im Oktober 2007 das Kölner Amt ‚erstürmten’. Teil des Workshops wird der 17-minütige Film „Dienstag ist Zahltag“ sein, der Erfahrungen mit Beiständen, auch mit Beistand in der Gruppe, dokumentiert.

Inhalte des Workshops :
0. Kurze Einleitung: Wer ist und was will die Berliner Aktions-AG
Start in den Workshop mit der ALSO/Oldenburg:

I. Warum machen wir Begleitung? Was hat sich geändert seit Hartz IV?
II. Verfassungsrechtliche Rahmenbedingungen des Begleitens

III. Rechtliche Feinheiten, die für eine gute Begleitarbeit nützlich sind.
Mit aktuellen Beispielen aus den Berliner Jobcenter.

IV. Welche Gegenstrategien haben die Jobcenter bisher gegen Begleitschutz aufgefahren?
Wie gehen Begleiter/innen am besten damit um?


Im Anschluss an den Workshop können sich alte & neue Solidarische Begleiter/innen noch zu einem kleinen Austausch zusammensetzen, um zu besprechen, wie der Begleitpool nun über die neue Mailliste organisiert wird und wann das nächste ausgiebige Arbeitsfrühstück der Begleiter/innen stattfinden soll.

Und dann kann's auch schon losgehen, mit Deinem Begleiten im JC-Dschungel!
Alles ist gar nicht so schwierig. Ideen haben wir viele - fangen wir mit diesem ersten einfachen Schritt endlich an: Aufbau eines funktionierenden Solidarischen Begleitschutzes für alle Hartz IV-Empfänger/innen!

--------------
Verpflegung: Bitte bringt selber eine Kleinigkeit für ein einfaches Buffet mit.
Die Teilnahme am Workshop ist kostenlos.

Wir freuen uns auf Euch und hoffen auf eine ausdauernde & kämpferische Zusammenarbeit.
Für einen Widerstand gegen die Dreistigkeiten von Hartz IV.


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Samstag 13. Juni // 10:00 - 16:30 Uhr // Haus der Demokratie, Havemann-Saal // Greifswalder
Straße 4, 10405 Berlin // Tramlinie M4, Buslinien 200 und 240. Haltestelle "Am Friedrichshain"
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Eine Initiative der Aktions-AG im Bündnis "Wir zahlen nicht für eure Krise!"
Kontakt: jobcenter.begleitung@....

V.i.S.d.P. Maja Binder, Erdmannstr. 11, D-10827 Berlin


* * *

Sicher kommen alternativ auch hier vom Erwerbslosenforum Martin und sein Leute sehr gut für einen solchen Starter-Workshop in Frage.

* * *

Empfohlen wurde uns auch noch jemand aus der ehemaligen BAG-Shi/ heute BAG-Plesa, dessen Namen mir entfallen ist. Wenn das jemand interessiert, kann ich das nochmals heraus suchen ...
 

ethos07

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AW: [Materialien zu:] Solidarisches Begleiten_ KEINE/R MUSS ALLEIN ZUM AMT!

Auf dem Workshop haben wir dann zu einem monatlich jeweils am letzen Samstag im Monat stattfindenden Arbeitsfrühstück für Begleiter/innen eingeladen.

Ausserdem gibt es seither einen schön gestalteten Flyer zu uns, der das Solidarische Begleiten von "KEINE/R MUSS ALLEIN ZUM AMT" darstellt.

Da dieser Flyer zur Zeit nochmals überarbeitet wird, hier nur der Haupttext daraus:

KEINE/R MUSS ALLEIN ZUM AMT!

Solidarisches Begleiten ins JobCenter

Jede/r Erwerbslose muss früher oder später zu einem Termin aufs Amt. Viele dieser Termine sind unangenehm und schikanierend. Eine Begleitung bewirkt da oft Wunder. Der Umgangston auf dem Amt wird entspannter, scheinbar festgefahrene Situationen lassen sich plötzlich regeln und Erwerbslose erhalten Leistungen, die ihnen bislang verwehrt wurden.

Gegenseitiges Begleiten ist eine Möglichkeit, sich im Alltag solidarisch zu unterstützen. Deshalb haben wir die Idee eines „Begleitpools“ ins Leben gerufen. Hier können sich Menschen vernetzen und austauschen. Sowohl diejenigen, die eine Begleitung für einen Termin aufs Amt benötigen als auch die, die sie dorthin solidarisch begleiten wollen, können sich hier finden und absprechen.

Die gesetzliche Grundlage für eine Begleitung ins JobCenter findet sich in §13, Absatz 4 des Sozialgesetzbuches 10 (SGB X). Im juristischen Jargon nennen sich die Begleitpersonen „Beistände“ und können von uns allen in Anspruch genommen werden, ohne dass sie von dem/ der Sachbearbeiter/in 'zugelassen' werden müssen. Wer als Beistand mitkommt, entscheidet jede und jeder für sich selbst.

Vom individuellen Begleiten zum „Zahltag“

Das Begleiten ins JobCenter ist praktizierte Solidarität im Alltag. Es ist Gegenwehr gegen die Zumutungen von Hartz IV und setzt bei den Bedürfnissen der betroffenen Menschen an. Aber gleichzeitig ist es auch wichtig, dass der Protest öffentlich sichtbar gemacht wird. Deshalb haben wir in den letzten Monaten u.a. vor den JobCentern in Pankow, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg öffentliche Aktionen durchgeführt. Dort haben wir unabhängige Rechtsberatung und „Begleitschutz“ angeboten. Wir haben dabei mit vielen Menschen vor dem Amt gesprochen und die unterschiedlichen Erfahrungen im JobCenter gesammelt. So fragten wir nach Erlebnissen, wie die Einzelnen das System Hartz IV konkret erfahren und welche Strategien sie sich ausgedacht haben, um sich dagegen zur Wehr zu setzen. Diese Erfahrungen geben wir weiter. Denn eines der Ziele ist es, die individuellen Erfahrungen zusammen zu bringen, die Isolation aufzubrechen und daraus Ansätze für kollektiven Protest und Widerstand zu entwickeln.

Frühstück zum Austauschen und Vernetzen

Neben dem Begleitpool und den Aktionen vor den JobCentern haben wir angefangen, uns regelmäßig zum Frühstück zu treffen. Dort lernen wir uns kennen, können Erfahrungen, die bisher beim Begleiten gemacht wurden, austauschen: Worauf müssen wir beim Begleiten ganz besonders achten? Was funktioniert gut, was schlecht? Auch technische Fragen zum Email-Verteiler klären wir hier und natürlich gibt es genug Raum für den persönlichen Austausch.

Schulungsworkshops „solidarisches Begleiten“

Die rechtlichen Grundlagen des solidarischen Begleitens sind komplex und es gibt durchaus einige Fallstricke. Deshalb haben wir angefangen, „Schulungsworkshops für Begleiter/innen und solche, die es werden wollen“ anzubieten. (...)

Wenn ihr Termine für Aktionen oder Workshops erfragen wollt oder einfach eine Begleitung braucht, kontaktiert uns unter: solidarisch-begleiten@riseup.net


Initiative
„Keine/r muss allein zum Amt!“



Impressum...
Auf der Rückseite des Flyers befinden sich dann die wichtigsten lokalen, mehr oder weniger 'unabhängigen' und im Sinne der Betroffenen parteilich arbeitenden Beratungsstellen.
 

ethos07

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AW: [Materialien zu:] Solidarisches Begleiten_ KEINE/R MUSS ALLEIN ZUM AMT!

Unsere monatlichen Arbeitsfrühstücke wurdenim Juli sehr anschaulich und aus meiner Sicht zutreffend von Daniel Steinmeier beschrieben:

aus einem Artikel von Daniel Steinmeier
“Radikaler sind die Jobcenter“
in: Jungle World Nr.30 , 23. Juli 2009



..... »Mittlerweile sind wir skeptisch, ob es gut ist, Hartz IV mit Fallgeschichten zu skandalisieren«, sagt Guido Grüner von der ALSO. »Dadurch leistet man dem Vorschub, was dieses System bezweckt: den Menschen, die Arbeit haben, so große Angst vor Arbeitslosigkeit zu machen, dass sie jeden Lohn akzeptieren.« Deshalb sei es wichtig, auf die Erfolge des Widerstands gegen das Hartz-Regime aufmerksam zu machen. Rainer Wahls und Daniel Knopp sind zwei Berliner, die solchen Widerstand organisieren. Die Kampagne, in der sie sich engagieren, heißt »Keine/r muss allein zum Amt«. Das Prinzip ist einfach: Wer sich zum Termin beim Jobcenter einen »Beistand« mitnimmt, fühlt sich sicherer und hat einen Zeugen. »Der Beistand muss gar nichts tun, es reicht, wenn er sich Notizen macht«, sagt Wahls. »Meist ist die Atmosphäre dann entspannter, die Sachbearbeiter sind höflicher.«
Der »Begleitschutz«, den die Kampagne »Keiner muss allein zum Amt« mittels einer E-Mail-Liste organisiert, hat eine einfache rechtliche Grundlage. Im Sozialgesetzbuch X, Paragraf 13 heißt es: »Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit einem Beistand erscheinen.« Der Beistand muss keine bestimmten Kriterien erfüllen, muss sich nicht ausweisen und kann auch aus mehreren Personen bestehen. Aber »die Sachbearbeiter kennen dieses Gesetz oft nicht, dann verlangen sie die Ausweise des Beistandes oder versuchen, diese erst gar nicht mit in den Raum zu lassen«, sagt Daniel Knopp.

In einem Mieterladen in Berlin-Friedrichshain, in dem sauber gerahmte Politplakate an den Wänden hängen, trifft sich die Initiative »Keine/r muss allein zum Amt« zum Arbeitsfrühstück, Menschen, die als Beistände andere Erwerbslose ins Amt begleiten oder dies tun möchten. »Wir möchten das nicht als eine Dienstleitung organisieren, bei der die Arbeit an wenigen hängenbleibt und die anderen eine Art Klientenstatus haben«, sagt Knopp. Denn nicht selten läuft es in der Erwerbslosenbewegung so, dass Erwerbslose wie Klienten auf jene vertrauen, die ihr »Schicksal als Profession an*nehmen und daraus Würde und Selbstbewusstsein schöpfen«, wie Rainer Wahls sagt, der selbst einer der Profis ist, die die Paragrafen und die Terminologie des Hartz-Regimes bestens beherrschen.

Rund 20 größtenteils erwerbslose Begleiterinnen und Begleiter sitzen um einen Frühstückstisch, in der Mitte steht ein Blumenstrauß, die meisten haben einen Notizblock auf den Knien. Ziel ist es, zu besprechen, welche Probleme es bei den Jobcenter-Begleitungen gab, und zu beraten, wie sich diese lösen lassen. »Unsere rechtlichen Ansprüche verteidigen, das ist ja wohl das Mindeste«, sagt eine Frau mit Dreadlocks bei der Vorstellungsrunde. »Ich finde dieses System moralisch und juristisch hochproblematisch und denke, wenn es da etwas mehr Sand im Getriebe gäbe, müssten die sich etwas anderes ausdenken«, sagt ein eloquenter Mittdreißiger mit schwarzem Hemd, die Arme verschränkt, den Blick starr auf den Tisch gerichtet.
Draußen vor dem Schaufenster des Mieterladens laufen derweil Menschen vorbei, denen man ihre Arbeitslosigkeit um einiges deutlicher ansieht als den drinnen versammelten. Gerade die Schwächsten, die Sanktionen am häufigsten treffen, erreicht die Erwerbslosenbewegung kaum. Aufgrund von Sprachbarrieren, mangelnder Bildung und fehlender Motivation sind viele nicht in der Lage, sich selbst zu organisieren. Die hier beim Arbeitsfrühstück Versammelten könnten Sozialpädagogen, Lehrerinnen oder Webdesigner sein. Aber fast alle sind deutsch und über dreißig. »Die Jungen erreicht man schlecht«, sagt Wahls, obwohl die unter 25jährigen generell härter behandelt werden. »Die traditionelle Erwerbsloseninitiative ist 40 plus«, ein wenig »verschnarcht« erscheine vieles, was da so laufe: »Peppigere Formen könnten nicht schaden.«

Doch das Thema Hartz IV macht es schwer, »peppigere Formen« zu entwickeln. Denn das, wogegen man sich wehrt, drängt auch die Form auf. Die Sprache der Jobcenter, meist in herme*tischen Textbausteinen aufs Papier gespuckt, hat es in sich, die Gesetze sind kompliziert. »Ich bin schon auf dem Weg zur Laienrechtsgelehrten«, klagt eine der Frauen, »beim Verstehen der Rechtslage geht wahnsinnig viel Zeit drauf.« Dass der Widerstand gegen die Willkür nur »systemimmanent« ist und weit vom Ziel entfernt, das nun seit fünf Jahren existierende Hartz-IV-System zu verändern, wollen die Betroffenen nicht gelten lassen. »Das Moment der Solidarität macht den Unterschied zur bloßen Sozialarbeit«, sagt Guido Grüner. Das »Mindeste«, die eigenen Rechtsansprüche durchzusetzen, bekommt in einem System, dass die Rechtsansprüche der Betroffenen strukturell unterläuft und darauf angelegt ist, immer neue Zumutungen hervorzubringen, bereits einen radikalen Charakter."
 

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Kleine Anleitung für das Solidarische Begleiten

Die wichtigsten Grundlagen für Solidarische Begleiter/innen haben wir von den KEAS aus Köln übernommen und für Berlin angepasst.

(Eine weitere Version dieser Anleitung, die dann auch noch im einzelnen mit den KEAS abgesprochen wurde und einige Punkte mehr zum Selbstverständnis unseres Netzwerkes enthielt, konnte bisher lnoch nicht von der Berliner Initaitve verabschiedet werden.)

Anleitung für Begleiter/innen


Das Sozialgesetzbuch X (SGB X) sagt eindeutig: „Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit einem Beistand [Begleiter] erscheinen“ (§13 Abs. 4 SGB X). und bedürfen keiner besonderen Legitimation oder Anmeldung. Es genügt, dass der Beteiligte „mit ihnen“ zu Verhandlungen oder Besprechungen erscheint.


Auch mehrere Begleiter/innen sind möglich
Wenn mensch wiederholt zu zweit nichts erreicht, kann es manchmal sinnvoll sein, mehr als eine Person mitzunehmen. Diese Möglichkeit wird ausdrücklich in einem Kommentar zum Gesetzestext benannt. Das sollte jedoch gemeinsam gründlich vorbereitet werden! Das kann durchaus bei einem unser regelmäßig stattfindenden Arbeitsfrühstücke gemacht werden.


Jede/r kann Begleitschutz leisten
Grundsätzlich kann jede/r Begleitschutz leisten. Familienangehörige sollten jedoch nur im Notfall bemüht werden, da ihnen als Zeugen leicht „Parteilichkeit“ unterstellt werden kann und sie oft auch emotional (zu) sehr eingebunden sind.


Immer vorbereiten
Der/ die Begleiter/in muss sich vor dem Termin gemeinsam mit dem zu Begleitenden gründlich vorbereiten. Dies gilt insbesondere, wenn der/ die Begleiter/in mehrt als nur anwesend und still Protokoll führen soll. Denn wichtig: „Das von dem Beistand Vorgetragene gilt als vom Beteiligten vorgebracht, soweit dieser nicht unverzüglich widerspricht“ (SGB X, §13, Abs. 4). Deshalb ist es wichtig, vor dem Termin genau abzusprechen, welches Ziel erreicht werden soll (z.B. Abwendung einer Sanktion, Barauszahlung, etc.) und welche Rolle der Beistand dabei spielen soll (ruhig und lediglich beobachtend oder gar aktiv eingreifend).



Vorher informieren
Auch Teilziele, wie ein realistischer Abschlag oder der eigene Verhandlungsspielraum sollten vorher besprochen werden. Erfahrungsgemäß ist die Lektüre von Gesetzen meist nur ebi sehr komplexen Fällen notwendig. Aber man sollte sich seiner Rechtslage inhaltlich sicher sein.


Protokoll führen
Wichtig ist meistens beim Jobcenter-Besuch, ein Protokoll zu führen. Schnell werden Details entscheidend, wenn es beispielsweise um die Auszahlung der ALG II-Leistungen geht. Tonaufnahmen sind aber nicht erlaubt.


Nicht abwimmeln lassen
Ganz wichtig ist es, sichg während des Termins nicht abwimmeln zu lassen, sondern sachlich sein Recht zu fordern. Dabei ist Recht häufig Verhandlungssche, deshalb ist vorbereitung so wichtig. Wenn man beim Sachbearbeiter auf taube Ohren stößt, ein Gespräch mit dem Teamleiter einfordern. Sofern von dort auch keine Abhilfe kommt, zur Beschwerdestelle gehen oder ein gespräch mit dem Geschäftsführer des JobCenters einfordern. Bewährt hat sich, das Einschalten der Presse, des Kundenreaktionsmanagements der Bundesagentur für Arbeit, der Gewerkschaft oder des Sozialgerichtes anzukündigen.


Nichts sofort unterschreiben – immer Bedenkzeit einfordern
Grundsätzlich ist es ratsam, bei einem JobCenter-Besuch nichts sofort zu unterschreiben, sondern immer erst Bedenkzeit einzufordern.



Immer Kopien – immer Quittungen verlangen
Muss doch etwas (nach angemessener Bedenkzeit) unterschrieben weden, vergesst nicht, euch eine Kopie für eure Unterlagen aushändigen zu lassen.
Müsst oder möchtet ihr ein Schriftstück abgegeben, vergesst bitte nicht, euch das quittieren zu lassen (z.B. in Form eines Stempels auf einer mitgebrachten Kopie).


[SIZE=-2]Dieser Text basiert auf den entsprechenden Punkten der KEAS e.V. Köln, von M.Binder/ Erwerbslosenforum für Berlin adaptiert. Dieser Text kann gemäß CC-Lizenz weiterverbreitet werden – die Urheber sind zu nennen.[/SIZE]
 

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Ein auf zwei Seiten erweiterter Flyer umfasst die wichtigsten Grundregeln für Solidarische Begleiter/innen .

Dieser Flyer ist im einzelnen zwischen den KEAS e.V. aus Köln und dem Erwerbslosenforum/Berlin abgestimmt.

Am Ende enthält er zwei Punkte zum Selbstverständnis für die lokalen (Berliner) Initiative, welche von den Verfassern als wichtig erachtet werden.

Weil aber diese beiden letzten Punkte in der Initiative "Keine/r muss allein zum Amt" bisher in Berlin nie abschließend diskutiert werden konnten, kann dieser Flyer zur Zeit für das Berliner Begleiter/innen-Netzwerk nicht als Konsens gelten.

Aber was nicht ist, könnte ja vielleicht irgendwann noch werden... :cool: .
Ansonsten müssen dann eben diese beiden letzten Absätze gelegentlich einfach weichen. Damit das gute Köln-Berlin-Kooperationsprodukt auch mal zum Einsatz gelangen kann :icon_smile:.

Hier der Flyer (für Berlin) Anhang anzeigen 29075.
 
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