Maßnahmezuweisungen bekämpfen durch gute Argumente

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Hallo zusammen,

aus meiner Erfahrung als Arbeitsloser (bin ich nicht mehr), persönlicher Ansprechpartner (bin ich nicht mehr), Beistand (bin ich noch) und Sozialreferent (bin ich noch) möchte ich hier einige Tipps geben bzw. Fragen auflisten, die helfen können, die Begründung, die Jobcenter-Mitarbeiter einem oft auftischen, wenn sie einen zu einer Maßnahme zuweisen wollen, in sich zusammenfallen zu lassen. Es ist bekannt, dass Zuweisungen zu Maßnahmen keineswegs primär der Förderung der Kunden dienen (wenn überhaupt eher der Forderung), sondern dass sie in erster Linie ein Instrument zur Bereinigung der Arbeitslosenstatistik sind.

Bekannt ist aber auch, dass dies von den Vermittlern im Amt selten zugegeben wird. Die Zuweisung wird viel eher damit begründet, dass die Maßnahme hilfreich sei, dass sie notwendig sei, dass sie ein interessantes Angebot sei, dass dadurch Defizite aufgearbeitet werden könnten, dass Kontakte zu Arbeitgebern geknüpft werden könnten usw. Zumeist ist dies schlicht gelogen.

In diesem Thread soll es darum gehen, Erfahrungen zu sammeln, wie Zuweisungen zu Maßnahmen durch gute Argumenteim Gespräch mit dem pAp bekämpft werden können. Es sollen hier hilfreiche Formulierungen gesammelt werden, denen man sich bedienen kann, um eine Maßnahme dem pAp, der Widerspruchsstelle und dem Sozialgericht gegenüber als das zu präsentieren, was sie zumeist ist: Unsinn, Zeitverschwendung, Schikane!

Es gibt nun kein Patentrezept, wie man dies tun kann. Es gibt unterschiedliche Wege, sich gegen eine Zuweisung zu wehren. Man kann sich im Fall der Fälle über den Rechtsweg, d.h. mittels Widerspruch und Gang vors Sozialgericht gegen eine unsinnige Maßnahme zur Wehr zu setzen. Das sollte meiner Meinung nach aber der zweite Schritt sein, weil dieses Vorgehen eben immer auch mit Aufwand, Lauferei und Kosten verbunden ist. Eventuell muss man sogar erst einmal mit einer Sanktion leben, auch wenn diese dann hoffentlich vorm Sozialgericht gekippt wird. Aber das kann dauern!

Bevor der Weg übers Sozialgericht gegangen wird, sollte im Vorfeld durch gute Vorbereitung und geschicktes Argumentieren versucht werden, die Maßnahme schon zu Anfang, also im Gespräch mit dem pAp, abzuwehren, dessen Zuweisungsbedürfnis also bereits im Keim zu ersticken. Wie man das erreichen kann, soll hier im Thread aufgelistet und debattiert werden.

Kurzum fände ich es hilfreich für Interessierte und Betroffene, wenn in diesem Thread Argumente gesammelt werden, die Ihr dem pAp, der Widerspruchsstelle oder dem Richter am Sozialgericht vielleicht schon vorgetragen habt und die geholfen haben, dass Ihr um eine Maßnahmen herum gekommen seid. Ich mache mal den Anfang. Beim Versuch der Zuweisung zu einer Maßnahme sollte man dem pAp meiner Erfahrung nach z.B. die folgenden Fragen stellen bzw. Anmerkungen machen und eine Antwort/Stellungnahme verlangen:
  • Was bringt mir diese Maßnahme?

  • Waran machen Sie fest, dass ich einen Bedarf an dieser Förderung habe?

  • Ist diese Maßnahme individuell auf mich zugeschnitten?

  • Glauben Sie nicht, dass ich besser über meine Kenntnisse und Fähigkeiten Bescheid weiß als Sie? Sie kennen mich doch gar nicht!

  • Ich habe schon zwei Bewerbungstrainings absolviert. Warum glauben Sie, dass mir nun das dritte etwas bringen wird?

  • Wie kann es sein, dass diese Maßnahme individuell auf mich zugeschnitten ist, wenn da Menschen mit ganz unterschiedlichen Qualifikationen und beruflichen Hintergründen zugewiesen werden?

  • Sie schreiben, dieses Maßnahme soll mich aktivieren. Woran machen sie bitte fest, dass ich Aktivierung brauche? Wirke ich inaktiv, demotiviert, faul? Woran machen Sie das fest?

  • Wie hoch ist der Prozentsatz der Kunden, die im Zuge dieser Maßnahme in Arbeit gekommen sind? Wenn Sie das nicht wissen, woher wollen Sie dann wissen, dass diese Maßnahme etwas bringt?

  • Ich habe gesundheitliche Einschränkungen. Es mangelt mir nicht an Motivation, sondern an Gesundheit. Kann diese Maßnahme mich heilen?

  • Was bringt diese Maßnahme, wenn Arbeitgeber als Qualifikationsnachweis ein echtes qualifiziertes Zeugnis erwarten, und kein wertloses Träger-Zertifikat?

  • Wenn diese Maßnahme soll toll ist, warum haben dann so viele Kunden eine so massive Abneigung dagegen?

  • Kann es sein, dass Sie überhaupt gar nicht wissen, was bei dieser Maßnahme wirklich vermittelt wird? Waren sie jemals da?

  • Wenn Sie nie da waren, wie wollen Sie dann die Qualität beurteilen? Und wenn Sie nur mal wenige Stunden da waren, glauben Sie ernsthaft, dass das repräsentativ ist?

  • Es wird doch ein Fachkräftemangel beklagt. Warum bieten Sie mir statt dieser Maßnahme nicht eine echte qualifizierende Umschulung an?

  • Ich bin nicht gegen Weiterbildung! Ich bin hochmotiviert! Ich will aber eine Weiterbildung, dich mich wirklich weiter bildet.
***Bitte mit passenden weiteren Argumenten ergänzen***

Auch wenn diese Argumente im ersten Schritt nichts bringen sollten, der pAp darauf nicht eingeht und die Zuweisung zur Maßnahme dann per Verwaltungsakt erfolgt, ist die Auseinandersetzung mit den Argumenten keinesfalls sinnlos, weil diese später auch der Widerspruchsstelle und, wenn das nichts bringt, auch dem Sozialgericht schriftlich vortragen werden können.

Das hilft dann meistens durchaus, dass der Verwaltungsakt aufgehoben wird, weil klar ersichtlich wird, dass der Kunde keinesfalls inaktiv ist, sondern er sich sehr wohl aktiv Gedanken macht und sich eine passende Förderung wünscht. Der argumentative Austausch mit dem pAp belegt, dass der Kunde die eigenen Fähigkeiten, Kenntnisse und vielleicht auch Hemmnisse sehr wohl einschätzen kann und er weder einer Aktivierung noch eines Coaching bedarf, sonder einer für ihn passenden, mit ihm gemeinsam vereinbarten und nicht aufgezwungenen Zwangsmaßnahme.
 

Gallnstein

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Hallo zusammen,
Wenn ich doch nur so viel Kraft zum Widerspruch und gute Argumente hätte gehabt dann...
wäre vieles einfacher.
Leider bin ich zur Zeit Krank von all den Misserfolgen das ich mich hier und heute angemeldet habe um nach vorn zu schauen. Licht am Ende des Tunnels. hmm ja klar wenn der Zug auf einen zukommt kein Wunder. Ja das ist sarkasmus. Sorry aber irgendwas muss mich halt ablenken.
Das Jobcenter und die Bedingungen ( Massnahmen) haben mich krank gemacht.
Wie kann ich kurz beschreiben wie alles angefangen hat?
Vielleicht später heute gerade nicht weil ich erst mal mit dem eigenen Aufbau meiner Seele beschäftigt bin.
Zur Zeit muss ich in einer Bewerbungsmassnahme teilnehmen.
Ja , habe geglaubt mir wird das nötige Rüstzeug auf den Weg gegeben um den aller neuesten "Schrei" So Bewerben Sie sich wie ein Profi" quasi schon 10 Jahre in der Zukunft das perfekte Bewerbungschreiben des Jahrhunderts zu schreiben.
Leider ....
Tatsache ist,
nachdem ich beim Sachbearbeiter war der mir diese Massnahme wärmstens und "Unabdingbar" zur Unterschrift vorlegte und meinte das ist gar kein Problem diese zu Unterschreiben weil es doch für mich eine ganz gute Gelegenheit wär mir die neuesten EDV Kenntnisse zu unterbreiten. Sie werden sich darauf freuen ,kein Ding also hier Unterschreiben und ..... Tja.
Ich bin nun mitte 50 und für mich ist es leider nicht ganz so einfach. Nicht das Schreiben... nein das bevormunden lassen, das anpöbeln, das für blöd gehalten zu werden, die Angst und Sorge wenn ich die Auflagen 6 Bewerbungen im tadelsosem Zustand die Woche zu Meistern. In dieser Massnahme sind Bewerbungstrainer die zu Beginn des Unterrichtsmodus gleich mal sagen packen Sie das nicht , wehrte Damen und Herren werden Sie mit 30% sanktioniert! Das Ihnen das gleich klar ist! Ach ja und ist Ihr Bewerbungsschreiben nicht Top können Sie gleich einpacken. Die ersten 20 Minuten also erst mal Einschüchtern bis auch der letzte starke in sich zusammen fällt.
Ist das erst mal gelungen, ( merkt man das alle Teilnehmer nur noch atmen ohne zu leben)
Dann kann es ja losgehen mit dem Kurs.
Leider kann man dann schreiben was man will, es wird jedes Schreiben kontrolliert und je nach "Profi" abgesegnet. Will sagen der "Meister" streicht Worte, fügt seine eigenen dazu... Was leider dafür sorgt das man sein Schreiben immer wieder neu Aufsetzen muss.
Schikane abgestimmt auf die Allüren des jeweiligen "Profis".
Jetzt kann ich nicht mehr weil ich vorher noch guter Dinge war, jetzt aber von Zweifeln zerfressen.
All die Sorgen die eh schon irgendwie gemeistert werden müssen werden durch diese " Massnahme" nur noch verstärkt.
Angst es in der Vorgegebenen Zeit und den damit verbundenen Auflagen nicht zu packen und am Ende als der ganz große Verlierer dazustehen macht mich krank. Krank an der Seele.
Wie komme ich da raus? Diese Massnahme pack ich nicht.
Was soll, kann ich tun?
 
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Hallo zurück,

versteh mich nicht falsch, aber bitter eröffne für deine Frage einen Extra-Thread, in dem dir dann sicher geholfen wird (Ich poste da dann auch gerne).

Hier im Thread soll es nicht um Einzelfall-Tipps gehen, sondern um allgemeine Gegenargumente und grundsätzliche Strategien, die man ggfs. anbringen kann bzw. die schon geholfen haben.

Wenn hier ganz viele individuelle Einzelfragen zu der eigenen Maßnahme kommen, auf die dann eingegangen wird, wird der Thread völlig unübersichtlich. Damit wäre dann niemandem geholfen. :wink:
 

Dagegen72

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@ AnonNemo: im Prinzip tun alle was: entweder für eine Sache oder gegen eine Sache :icon_hihi: oder man enthält sich.


@ Gallnstein: wenn du Lust hast, um dir den ganzen Spaßnahmen-Mist rauszuschreiben könntest du einen neuen Thread eröffnen, wenn dir dieser Thread hier genügt, dann ist es auch ok :) Einfach mal im Forum stöbern, wer hier was wie schreibt und welche Tipps schon bestehen.

Vielleicht könnten Einzelheiten über die Maßnahme und zu deiner Situation helfen zu klären, um dir einen eventuellen vorzeitigen und sanktionsfreien Ausstieg zu ermöglichen, falls das je möglch sein kann bei unterschriebener EGV ( = alle Rechte abgegeben) und Maßnahme-Unterlagen (Vertrag is Vertrag genau wie die EGV ein Sanktionierungsvertrag ist) ? Warst du gesund, als die EGV mit dir abgeschlossen wurde? Wurde das vorher geklärt? Und beim nächsten Mal: keine EGV unterschreiben, das ist nicht sanktionierbar. Um auf deinen Fall konkret einzugehen könnte ein eigener Thread sinnvoll sein - du solltest aber tun wie du magst meiner Meinung nach.:wink:

Hast du schon mal die Zumutbarkeits-Auflistung in § 10 SGB II gelesen? Diese gelten sowohl für eine Tätigkeits-Aufnahme oder eine Spaßnahme, weil Spaßnahme glaube ich wie eine Tätigkeit geführt wird, weshalb man auch verlogenerweise aus der Erwerbslosenstatistik herausgestrichen wird um so die Erwerbslosenzahlen zu schönigen, was der Bundesrechnungshof bereits vor Jahren veröffentlichte und kritisierte.

Die von dir beschriebenen Schikane-Spinnereien bezüglich eines Bewerbungsanschreibens kenne ich. Spiel das Spiel einfach mit, solange du drin bist. Die verdienen an dir ihren Lebensunterhalt - nimm es als Spiel. Mach dir einen Spaß draus. Das schont die Nerven.
Einen persönlichen Lebenslauf mit deinen Daten (Datenschutz!) bist du nicht gezwungen vorzulegen. Gibt ein SG-Urteil dazu. Es informiert bloß niemand darüber. Niemand. Auch im Rahmen der Ämterauskunftspflicht der SBs und sonstiger Ämterfuzzis nicht. Die vonner Spaßnahme natürlich auch nicht. Nutze Phantasie und "Muster-" - Daten, ist aber vermutlich schon ums Eck. Kannste ja vielleicht trotzdem noch aus der Maßnahme entziehen, wer weiß.

Lies dich durch das Grundgesetz und SGB II und SG-Urteile die es divers im Internet nachzulesen gilt.

Und kümmer dich um dich und um deine Gesundheit. Setze dich in der Spaßnahme nicht unter Druck. Gespräch mit Teilnehmern können vielleicht auch helfen, dich mehr zu entspannen. Entspanne dich und sammel Kraft. Jetzt hast du unterschrieben, beim nächsten Mal wirst du nicht mehr unterschreiben - und das ist AUCH nicht sanktionierbar !! Du gehst hin, unterschreibst nicht mehr. Denke, das Gleiche gilt beim Unterschreiben beim SB. Du willst ja hin - aber das Risiko einer Unterschrift vor allem beim Schadensersatz im Fall des Falles kannst du alles nicht unterschreiben.

Nimm dir Kaffee, Tee und was zu essen mit. :wink:

Gute Besserung :)
 
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ExitUser

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... dann wundert es mich, dass du die Aktionen von RB kritisierst.

Da das Thema RaBo in diesem Thread offtopic ist, halte ich mich kurz: Die Tatsache, dass ich zivilgesellschaftliches Engagement, welches Widerstand gegen empfundenes Unrecht mit einschließen kann, grundsätzlich befürworte, heißt doch nicht, dass ich jede Art des Widerstandes von jeder Person bei jedem Thema vollumfänglich gutheißen muss. Dass Herr Boes zivilgesellschaftlich engagiert ist, habe ich nie bestritten, sondern selbst hervorgehoben. Er tut etwas, das stimmt! Aber ich muss und werde nicht jedes Tun befürworten. Die Ultra-Linken und Ultra-Rechten im Land tun auch etwas gegen dieses System, aber das unterstütze ich ebenfalls nicht.

Die Gründe, warum ich Herrn Boes Aktion nicht unstütze, sind, dass ich RaBo für unglaubwürdig halte und seine diffamierende Rhetorik sogar für schädlich im Kampf gegen Sanktionen erachte. Ferner pauschalisiert Herr Boes extrem und hat die Situation, die er nun als verbrecherisch bezeichnet, nicht nur selbst aktiv herbeigeführt, sondern er hat sich beim Jobcenter sogar darüber beschwert, dass er so lange nicht (!) sanktioniert wurde und einfach in Ruhe gelassen wurde.

Diese Ruhe vor dem Amt wollte er nicht länger, weil er ja die Sanktionen brauchte, um dagegen dann vorgehen zu können. All das findest du auf seiner Site. RaBo hat schließlich in diversen Interviews geschildert, wie er aktiv für seine Sanktionierung eingetreten ist, damit er danach öffentlichkeitswirksam dagegen sein kann. RaBo stilisiert sich als politisches Opfer, ist ein solches aber nicht. Sein Fall ist meilenweit entfernt von Leuten, die aufgrund von Nachlässigkeit oder der Nicht-Akzeptanz wichtiger Gründe seitens des Jobcenters sanktioniert werden.

Was ich kritisiere, ist zudem folgendes: Herr Boes verprellt durch seine Art genau jene Menschen, die er eigentlich von der Falschheit von Sanktionen überzeugen will. Aber das hier soll wie gesagt nicht zu einer zweiten Boes-Spielwiese werden. Ich habe meinen Standpunkt zu RaBo im Boes-Thread auchsführlich geschildert. @AnonNemo: Wenn du mir hierauf antworten willst, mach das bitte im Boes-Thread. Dieser Beitrag von mir kann meinetwegen auch dahin verschoben werden.
 

Dagegen72

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sage den Jobcenter-Ausführern: du willst das nicht - dann bekommst du es :rolleyes:

so auch bei Sanktionen im Falle von Boes, der daraus kein Geheimnis machte, mit den verhängten Sanktionen gegen ihnen vorzugehen, was er auch so mitteilte.

"Diffamierende Rhetorik" beinhaltet eine Unterstellung, nämlich das die angewandte Rhetroik diffamierend sein soll - aber ab wann ist Rhetorik diffamierend und ab wann entspricht sie der persönlichen Meinung von dem, der sie anwendet :rolleyes:

Schönsprech ist auch diffamierend !! Denn sie verschleiert Tatsachen !! Oder suggeriert manipulativ falsche Zustände und Verhältnisse. "Einladung statt Vorladung usw. usw. (Euphemismus) Maßnahme statt Bewerbungskurs - suggeriert soll werden: Strafmaßnahme, Erziehungsmaßnahme, Maßnahmenvollzug ..

hm - oder ist etwa dieser öffentlich publizierte Artikel auch eine Diffamierung? :icon_kinn:

https://www.freitag.de/autoren/fhp-freie-hartz-iv-presse/hartz-iv-frau-nahles-die-sozialmoerderin

Hartz IV: Frau Nahles die "Sozialmörderin"




Und Herr Boes kann mit seiner Meinung niemanden verprellen - denn zigtausend andere äußern seit Jahren auf ihre Weise die gleiche Meinung bereits ebenfalls (Sanktionen abschaffen u.ä.) - und zwar ohne zu hungern (nicht nur) - und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln wie offene Briefe (abgeordneten.watch , Theater spielen, Aktionen, Mahnwachen usw. usw. )

Boes Aktion ist eine von vielen - um eine Veränderung in der Haltung zu ALG II zu erreichen muss man sich nicht zwingend auf die Aktion von Boes versteifen - man kann auch Forderung nach Abschaffung von Sanktionen von der Diakonie, Caritas, Bag Plesa, Aufrecht Bestehen, Harald Thomé usw. usw. in Erwägung ziehen

Ralph Boes hat das ganze deutlich noch mehr in den Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt - mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln.

Man muss sich also nicht auf Boes versteifen. Wenn man sich mit ihm solidarisiert dann solidarisiert man sich auch mit den Forderungen von Diakonie, Caritas, Netzwerk Armutskonferenz, ehemaliger Sozialrichter Nescovic, Ökonom Kohvce usw. usw. Denn diese solidarisieren sich auch mit Ralph Boes. Und das Hungern ist vorbei (dazu war niemand gezwungen es gut zuheißen - aber mit der Forderung Abschaffung von Sanktionen erklären sich viele solidarisch weil es auch ihr Anliegen ist - und meins auch !! ) - der Widerstand geht weiter ! Auch von denen, die Boes allein durch diese diesjährige Sommerkation mit ins Boot holen konnte !



^^ - habe hier gerade eine Brainstorming-website zum Thema "Maßnahme boykottieren" gefunden - vielleicht ist was Inspirierendes ("gute Argumente") dabei :icon_hihi:

Wie boykottiert man eine Hartz iV Zwangs-B... - Online Brainstorming
 

ichich

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der Sachbearbeiter ist nicht so wichtig, der Kampf muss sich gegen die Maßnahmeträger richten. Strafanzeigen gegen die Maßnahmeträger wegen § 266a
Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt Anzeige, illegaler Arbeitnehmerüberlassung bei Praktikers usw. macht mich sehr unattraktiv für Maßnahmeträger.

Unterschriften unter Hausordnung und Maßnahmeverträgen sind sowieso gegenstandslos und zu unterlassen! wer den Maßnahmeträger obendrein auch noch persönliche Unterlagen zur Verfügung stellt, hat nicht alle Tassen im Schrank.
 

Hans78

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Ich bin noch auf der ersten Seite (lesen) und habe folgende wichtige Frage.

Was ist eigentlich, wenn man zu einer Maßnahme geht (aus Zwang) und dort Tagebuch führt wie z.B.

8.00 Uhr bis 10.00 Uhr alleine rumsitzen
10.00 Uhr bis 10.30 Uhr alleine Pause machen
10.30 Uhr bis 12.30 Uhr Zeit totschlagen
12.30 Uhr bis 13.30 Uhr Mittagspause (wieder alleine)
13.30 Uhr bis 14.30 Uhr Jobbörse anschauen
14.30 Uhr bis 16.30 Uhr rumsitzen

???

Kann man dann wenigstens im Nachgang etwas gegen das JC unternehmen, weil Vertraglich vereinbarte Inhalte nicht vermittelt wurden und das JC einfach GELOGEN hat?

Es muss doch eine Möglichkeit geben sich richtig zu wehren?
 

yukiko

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Kann man dann wenigstens im Nachgang etwas gegen das JC unternehmen, weil Vertraglich vereinbarte Inhalte nicht vermittelt wurden und das JC einfach GELOGEN hat?

Es muss doch eine Möglichkeit geben sich richtig zu wehren?
Ja genauso. immer akribisch Protokoll führen mit Inhalten, Daten, Fakten, Personen. Möglichst beweissicher, dh durch Zeugen belegt oder/und sonstwie (z.B. fotografisch)
Dann immer alles dokumentieren, z.B.

  • die Räumlichkeiten hinsichtlich z.B. Brandschutztechnik, Fluchtwegen, Verfügbarkeit und Aktualität von Verbandskästen/Feuerlöschern etc.
  • Zusätzlich Baumängel dokumentieren, Gefahrenstellen etc.. Und ganz wichtig:
  • Computerlizenzen überprüfen (welche MS-Versionen vorhanden), Software hinsichtlich Lizenzen überprüfen
  • und last but not least: "Lehrmittel" hinsichtlich Urheberrecht überprüfen und dokumentieren (werden z.B. Kopien aus Büchern verteilt ohne Kopiergenehmigung)

Die JC sind als "Leistungsträger" dafür verantwortlich, dass die "Bildungs-/Maßnahme-Träger" die Steuermittel fachgerecht einsetzen, die sie abgreifen. Zudem muss jeder MT oder BT einer sog. "Unbedenklichkeitsbescheinigung" vorweisen und die Voraussetzung dafür erfüllen können, um überhaupt eine Lizenz als "M- oder B- Träger" zu erhalten..

Es gibt hier im Forum einen schönen Thread vom User Demolier, der schon ziemlich alt ist, aber wunderbar Mittel und Wege beschreibt, evtl. mal in der SuFu suchen :wink:
 

Buerosklave

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Was Hans78 da beschreibt,dürfte wohl der mehr oder weniger typische Tagesablauf in den meisten Maßnahmen sein. Unterricht findet selten bis nie statt,denn das kostet Geld und schmälert den Gewinn des Veranstalters. Beschwert man sich beim Jobcenter über das,was dort los ist (oder besser: nicht los ist),dann kucken die üblicherweise einfach nur in die offizielle Maßnahmebeschreibung und stempeln einen als Lügner ab,weil schließlich nicht sein kann,was nicht sein darf. Dabei wissen die Jobcenter ganz genau,daß es wohl faktisch keine Maßnahme gibt,die dem angekündigten Bild entspricht. Aber das ist dem JC auch egal,denn Ziel ist nicht die Verbesserung der Jobchancen der Zwangsteilnehmer,sondern ausschließlich die Statistikschönigung. Und der Statistik ist es egal,ob die Leute den ganzen Tag Däumchen drehen.


Ja genauso. immer akribisch Protokoll führen mit Inhalten, Daten, Fakten, Personen. Möglichst beweissicher, dh durch Zeugen belegt oder/und sonstwie (z.B. fotografisch)
Dann immer alles dokumentieren, z.B.

Absolute Zustimmung. Besser noch: jeden "Sonderauftrag" schriftlich geben lassen, denn selbst vor der versammelten Runde mündlich gegebene Aufträge zu irgendwelchen Sachen werden von Maßnahmeträgern rigoros abgestritten,wenn es zu Problemen kommen sollte.Ich hab mal ne Abmahnung kassiert,weil ich im Auftrag der Maßnahmeleitung deren Computer repariert habe, da "unser Admin dafür keine Zeit hat". Als der dann viele Wochen später tatsächlich Zeit hatte,war ich dann der ****, der vors Loch geschoben wurde, weil die Maßnahmeleitung natürlich nicht zugeben wollte, daß ich in ihrem Auftrag gehandelt habe.


[*]Computerlizenzen überprüfen (welche MS-Versionen vorhanden), Software hinsichtlich Lizenzen überprüfen

Wieder: absolute Zustimmung. Die Träger sind verpflichtet, die Rechtmäßigkeit der Unterrichtsmaterialien sicherzustellen. Und dazu gehört es auch, Lizenzen für verwendete Programme nicht nur zu besitzen,sondern sie auch einzusetzen. Bei meiner letzten Maßnahme war noch WinXP aktuell, sowohl die Windows- als auch die Office-Seriennummer waren jedem bekannt,der sich ein wenig in der Warez-Szene auskennt ("FCKGW..."). Will sagen: keine der Installationen,die da liefen,waren wirklich legal.
Leider war ich damals so dämlich,das NICHT zu dokumentieren.

Ergänzend waren die Rechner dermaßen mit Viren verseucht,daß irgendjemand mit Admin-Rechten einfach das installierte Antivir stillgelegt hatte,um Ruhe zu haben. Echt tolle Logik. Das ist so,als würde man im Falle eines Brandes nicht die Feuerwehr rufen,sondern einfach den Rauchmelder stillegen :-D
 

yukiko

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Buerosklave meinte:
Aber das ist dem JC auch egal,denn Ziel ist nicht die Verbesserung der Jobchancen der Zwangsteilnehmer,sondern ausschließlich die Statistikschönigung. Und der Statistik ist es egal,ob die Leute den ganzen Tag Däumchen drehen.
Ja, das ist denen logischerweise so lange "egal", wie sich der "Rechtfertigungsdruck" allein auf das Abwiegeln von "mündlichem Gejammer" beschränkt :wink:. *Gebetsmühle anschmeiß*: deshalb immer alles nachweisbar, ausführlich und schriftlich (Zeugen und Beweise)! :flame:


...vor Allem hat man dann wenigstens was Halbsinnvolles dort zu tun.


Ergänzend waren die Rechner dermaßen mit Viren verseucht,
mir sind i.d.R. schon die Tastaturen und Mäuse äusserlich viel zu virenverseucht und vergammelt, als dass ich sie auch nur ansatzweise anfassen mag.

Und wenn ich die putzen sollte, würde ich das auch entsprechend dokumentieren. Und dann natürlich den Auftrag "fachgerecht erfüllen", so mit viel Schaum und Schwamm und den Monitor schön mit Glitzi-Schrubb-Schwamm und VIM oder Meister Proper Scheuermilch :cheer2:
 

Pixelschieberin

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Ich ginge noch einen Schritt weiter und ließe mir das Protokoll jeden Tag vom "Superweiser" abzeichnen.
Das ginge als täglicher Report per Fax ans JC - mit der Frage, wann SB seinen Job macht, den MT einzuphasen - und ob, wenn ja wann, mit Besserung zu rechnen sei.
Ganz lakonisch.
Alle Amigos wissen lassen, daß ein (von wem auch immer) bezeugtes Berichtsheft geführt wird.
Wenn sich von den Mitgefangenen keiner traut, dann halt bluffen.
 

Stadtkind

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So, nachdem ich das Thema Maßnahme etc hier las, würde ich auch gerne etwas dazu beisteuern.
Meine FM laberte mich erneut für eine Maßnahme voll, malte diese in den buntesten Farben für mich aus. Ich könnte dort sogar meinen FS erlangen!! Und überhaupt...was dieser MT so alles bewirken kann. Wahnsinn!! (Allerdings würde ich bereits beim Sehtest durchfallen, da ich dringend eine neue Sehhilfe benötige). Und diese kann ich leider nicht aus eigener Tasche bezahlen.
Natürlich ist das eh alles nur heiße Luft. Denn wenn dem so wäre, dann müsste man diesem MT die Türen einrennen. In Wirklichkeit sieht es aber so aus, dass die Teilnehmer Laub fegen müssen..Müll einsammeln...etc.
Und die Betreuer lassen einen immer wieder wissen im Lebenslauf nu ja nicht zu erwähnen, dass man an besagter Maßnahme teilgenommen hat.
Bevor ich an dieser überhaupt teilnehmen konnte, war ich in einem Cafe zur Probe tätig, musste diese Arbeit aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Zur Zeit bin ich immer noch krank geschrieben, da lag heute ein Schreiben meiner FM im Briefkasten mit der Info, dass ich ab nächsten Monat sanktioniert werde.
Im Widerspruch ließ ich sie u.a wissen, dass ich momentan krank geschrieben sei. (Natürlich habe ich stets meine Krankmeldungen ans JC geschickt).Zudem will ich von ihr wissen, warum sie mir den Namen des MT verschwiegen hat. Denn hätte sie mir diesen genannt,dann wäre ein deutliches NEIN von mir gekommen.
Zur Info: dieser MT ist wirklich der letzte Dreck. Aber das würde natürlich vom JC keiner glauben, bzw zugeben. Es geht wie immer nur um die Prämie für die FM, oder JC.
Am Montag geht mein Widerspruch als Einschreiben raus.Ich gehe stark davon aus das die Dame auf ihren Standpunkt bestehen wird,so wie ich auch. Im schlimmsten Fall werde ich mir einen Anwalt nehmen.
Allerdings las ich mal davon, dass so eine Maßnahme nicht länger als 8 Wochen dauern darf. Alles andere wäre rechtswidrig! Wenn dem so wäre...super.
 

Buerosklave

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Normalerweise ist es doch eher andersrum..die Maßnahmeveranstalter betonen doch sonst immer so gerne, wie hoch sie doch in der Wirtschaft angesehen seien und dass man unbedingt jeder Bewerbung das Stück Lokuspapier beilegen solle, welches sie zum Maßnahmeende als "Zertifikat" verteilen. Ich überlege gerade, WIE schlecht wohl der Ruf eines Maßnahmeträgers sein muss, wenn sie die Teilnehmer auffordern, die Teilnahme unbedingt zu verheimlichen.
 

Stadtkind

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Die reden viel wenn der Tag lang ist. Wenn aber so ein AG im Lebenslauf lesen muss, dass der Bewerber in besagter Maßnahme war werden seine Unterlagen sofort auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Allerdings stellt sich mir dann die Frage, WAS sollte man dann für die Zeit im Lebenslauf angeben??
Meine FM kann sich meinetwegen auf den Kopf stellen, ich werde an dieser Maßnahme nicht teilnehmen. Zumal mein letzter AG mich immer noch nicht gekündigt hat.
Sollte ich wie angekündigt ab nächsten Monat sanktioniert werden bin ich definitiv beim Anwalt.
 
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