Maßnahmezuweisungen bekämpfen durch gute Argumente

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Hallo zusammen,

aus meiner Erfahrung als Arbeitsloser (bin ich nicht mehr), persönlicher Ansprechpartner (bin ich nicht mehr), Beistand (bin ich noch) und Sozialreferent (bin ich noch) möchte ich hier einige Tipps geben bzw. Fragen auflisten, die helfen können, die Begründung, die Jobcenter-Mitarbeiter einem oft auftischen, wenn sie einen zu einer Maßnahme zuweisen wollen, in sich zusammenfallen zu lassen. Es ist bekannt, dass Zuweisungen zu Maßnahmen keineswegs primär der Förderung der Kunden dienen (wenn überhaupt eher der Forderung), sondern dass sie in erster Linie ein Instrument zur Bereinigung der Arbeitslosenstatistik sind.

Bekannt ist aber auch, dass dies von den Vermittlern im Amt selten zugegeben wird. Die Zuweisung wird viel eher damit begründet, dass die Maßnahme hilfreich sei, dass sie notwendig sei, dass sie ein interessantes Angebot sei, dass dadurch Defizite aufgearbeitet werden könnten, dass Kontakte zu Arbeitgebern geknüpft werden könnten usw. Zumeist ist dies schlicht gelogen.

In diesem Thread soll es darum gehen, Erfahrungen zu sammeln, wie Zuweisungen zu Maßnahmen durch gute Argumenteim Gespräch mit dem pAp bekämpft werden können. Es sollen hier hilfreiche Formulierungen gesammelt werden, denen man sich bedienen kann, um eine Maßnahme dem pAp, der Widerspruchsstelle und dem Sozialgericht gegenüber als das zu präsentieren, was sie zumeist ist: Unsinn, Zeitverschwendung, Schikane!

Es gibt nun kein Patentrezept, wie man dies tun kann. Es gibt unterschiedliche Wege, sich gegen eine Zuweisung zu wehren. Man kann sich im Fall der Fälle über den Rechtsweg, d.h. mittels Widerspruch und Gang vors Sozialgericht gegen eine unsinnige Maßnahme zur Wehr zu setzen. Das sollte meiner Meinung nach aber der zweite Schritt sein, weil dieses Vorgehen eben immer auch mit Aufwand, Lauferei und Kosten verbunden ist. Eventuell muss man sogar erst einmal mit einer Sanktion leben, auch wenn diese dann hoffentlich vorm Sozialgericht gekippt wird. Aber das kann dauern!

Bevor der Weg übers Sozialgericht gegangen wird, sollte im Vorfeld durch gute Vorbereitung und geschicktes Argumentieren versucht werden, die Maßnahme schon zu Anfang, also im Gespräch mit dem pAp, abzuwehren, dessen Zuweisungsbedürfnis also bereits im Keim zu ersticken. Wie man das erreichen kann, soll hier im Thread aufgelistet und debattiert werden.

Kurzum fände ich es hilfreich für Interessierte und Betroffene, wenn in diesem Thread Argumente gesammelt werden, die Ihr dem pAp, der Widerspruchsstelle oder dem Richter am Sozialgericht vielleicht schon vorgetragen habt und die geholfen haben, dass Ihr um eine Maßnahmen herum gekommen seid. Ich mache mal den Anfang. Beim Versuch der Zuweisung zu einer Maßnahme sollte man dem pAp meiner Erfahrung nach z.B. die folgenden Fragen stellen bzw. Anmerkungen machen und eine Antwort/Stellungnahme verlangen:
  • Was bringt mir diese Maßnahme?

  • Waran machen Sie fest, dass ich einen Bedarf an dieser Förderung habe?

  • Ist diese Maßnahme individuell auf mich zugeschnitten?

  • Glauben Sie nicht, dass ich besser über meine Kenntnisse und Fähigkeiten Bescheid weiß als Sie? Sie kennen mich doch gar nicht!

  • Ich habe schon zwei Bewerbungstrainings absolviert. Warum glauben Sie, dass mir nun das dritte etwas bringen wird?

  • Wie kann es sein, dass diese Maßnahme individuell auf mich zugeschnitten ist, wenn da Menschen mit ganz unterschiedlichen Qualifikationen und beruflichen Hintergründen zugewiesen werden?

  • Sie schreiben, dieses Maßnahme soll mich aktivieren. Woran machen sie bitte fest, dass ich Aktivierung brauche? Wirke ich inaktiv, demotiviert, faul? Woran machen Sie das fest?

  • Wie hoch ist der Prozentsatz der Kunden, die im Zuge dieser Maßnahme in Arbeit gekommen sind? Wenn Sie das nicht wissen, woher wollen Sie dann wissen, dass diese Maßnahme etwas bringt?

  • Ich habe gesundheitliche Einschränkungen. Es mangelt mir nicht an Motivation, sondern an Gesundheit. Kann diese Maßnahme mich heilen?

  • Was bringt diese Maßnahme, wenn Arbeitgeber als Qualifikationsnachweis ein echtes qualifiziertes Zeugnis erwarten, und kein wertloses Träger-Zertifikat?

  • Wenn diese Maßnahme soll toll ist, warum haben dann so viele Kunden eine so massive Abneigung dagegen?

  • Kann es sein, dass Sie überhaupt gar nicht wissen, was bei dieser Maßnahme wirklich vermittelt wird? Waren sie jemals da?

  • Wenn Sie nie da waren, wie wollen Sie dann die Qualität beurteilen? Und wenn Sie nur mal wenige Stunden da waren, glauben Sie ernsthaft, dass das repräsentativ ist?

  • Es wird doch ein Fachkräftemangel beklagt. Warum bieten Sie mir statt dieser Maßnahme nicht eine echte qualifizierende Umschulung an?

  • Ich bin nicht gegen Weiterbildung! Ich bin hochmotiviert! Ich will aber eine Weiterbildung, dich mich wirklich weiter bildet.
***Bitte mit passenden weiteren Argumenten ergänzen***

Auch wenn diese Argumente im ersten Schritt nichts bringen sollten, der pAp darauf nicht eingeht und die Zuweisung zur Maßnahme dann per Verwaltungsakt erfolgt, ist die Auseinandersetzung mit den Argumenten keinesfalls sinnlos, weil diese später auch der Widerspruchsstelle und, wenn das nichts bringt, auch dem Sozialgericht schriftlich vortragen werden können.

Das hilft dann meistens durchaus, dass der Verwaltungsakt aufgehoben wird, weil klar ersichtlich wird, dass der Kunde keinesfalls inaktiv ist, sondern er sich sehr wohl aktiv Gedanken macht und sich eine passende Förderung wünscht. Der argumentative Austausch mit dem pAp belegt, dass der Kunde die eigenen Fähigkeiten, Kenntnisse und vielleicht auch Hemmnisse sehr wohl einschätzen kann und er weder einer Aktivierung noch eines Coaching bedarf, sonder einer für ihn passenden, mit ihm gemeinsam vereinbarten und nicht aufgezwungenen Zwangsmaßnahme.
 

Buerosklave

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Heist auf deutsch,genau das gleiche was ich zu hause mache ?

Ich soll lediglich nur meine Bewerbungsunterlagen in Papierform oder digital
(CD,USB-Stick) mitbringen.

hier die Rückseite des Flyers,die mir vom Jobcenter ausgehändigt wurde.
auf der vorderseite stehen nur die Kontaktdaten und die Checkliste.

Genau das dachte ich mir...ein Bewerbungskurs. Ich muss meine Glaskugel nicht mal auspacken,um dir sagen zu können,was dort passiert: die werden deine Bewerbungsunterlagen als vollkommen untauglich einstufen. Das tun sie aber nicht,weil sie wirklich schlecht wären,sondern weil sie so die Durchführung dieses erneuten Kurses als Notwendigkeit rechtfertigen können. Das ist in faktisch jedem dieser Bewerberkurse so. Mach 10x so einen Kurs bei 10 verschiedenen Dozenten und du bekommst 10 verschiedene Meinungen,wie die optimale Bewerbung auszusehen hat.
 

0zymandias

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Vorsicht, bitte, denn man wird versuchen, Dich in Zeitarbeit oder ähnliches zu vermitteln.

Beim MT nichts unterschreiben. Kein Foto im Lebenslauf, keine Herausgabe einer anderen Kontaktmöglichkeit als der Briefkastenadresse.

"Neueste Internettechnologie" ist ein simples Bewerber-Portal, also allerunneuest.

"Stabilisierung der Beschäftigung": Vorsicht noch einmal, denn das wird wohl eine Nachbetreuung sein.
Damit der MT mehr Geld abgraben kann, könnten die Spinner bei einem neuen Arbeitgeber, den Du Dir vielleicht selbst gesucht hast, auftauchen.
Das könnte den Job gefährden, denn warum braucht der neue Mitarbeiter solche komischen Betreuer?
 
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Smoky Joe

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Wenns wichtig ist,hier die EGV.
 

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ladydi12

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Hallo in die Runde,

evtl. helfen ja auch meine beiden Fragebriefe, wo auch Fragen an den Maßnahmeträger nach entsprechenden Vorgaben und Vorschriften für das jeweilige Tun von denen enthalten sind. Einen von den beiden habe ich grade hochgeladen, der andere war eine Mail an den Träger.
Schließlich wollen wir Elos alles mögliche wissen und sollen uns bislang immer noch selber über zukünftige Arbeitgeber, worunter meiner Meinung nach auch die Maßnahmeträger fallen, informieren.....
Zu dieser Informationseinholung gehören, meiner Meinung nach, die vom Maßnameträger angewendeten Vorschriften, die Qualifikation der jeweiligen Coaches und Ausbilder, Firmenreferenzen usw....
schließlich hat unsereiner genauso wie der jeweilige Arbeitgeber bzw. Maßnahmeträger das Recht zu wissen, mit wem man es auf der jeweils anderen Seite zu tun hat...

meint ladydi12
 

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  • ladydi12 anonymSchreiben vom 03.09.2014 an das Bildungszentrum des Handels wegen BKAV Los2 GemiA.pdf
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Ich habe heute genau diese Punkte abgearbeitet (sogar ohne sie zu kennen :icon_hihi: ) und nein, sie ging nicht drauf ein, trotz noch folgender Argumente dazu.

-518.000 freie Stellen und Sie meinen, genau ICH bekomme eine davon nach so langer Zeit?
-ich kenne bereits alle Word-Versionen, welches kann mir denn bitte noch beigebracht werden? (Edv Grundlagen gibts da im Kurs)
-ich lerne, wie ich mit wenig Geld wirtschafte? Meinen Sie nicht, dass ich das bereits können MUSS?
-wieso wird das Geld so dermaßen verschwendet? Mit dem Geld könnte ich schon mind. 3 richtige Weiterbildungen/Umschulungen haben.
-auf ihr "Argument" dass ich sogar städtisch damit reinkomme, hab ich sie gefragt, ob die Stadt mich ernsthaft mit einem Zertifikat vom Kurs nehmen würde :biggrin:
-und das schlimmste: das ist ein Kurs für ungelernte, ja ich habe zwar eine abgeschlossene Ausbildung, aber nach der Zeit gilt das als unglernt. Da könntest nur noch ko....


könnt ihr ja oben mit hinzufügen, gebracht hats nichts (bei ihr jedenfalls nicht mehr).
ich häng euch mal den Flyer mit an, für etwas Amusement :icon_mrgreen:
(ich warte übrigens auf den VA, EGV hab ich mit genommen, natürlich ununterschrieben)
 

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Sorata

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Da eine Maßnahme zielgerichtet und dem "Kunden" etwas bringen soll, bin ich über folgendes Gedankenkonstrukt von mir gestolpert. Wenn der Fallmanager die angebotene Maßnahme gar nicht näher kennt (nur den Werbeflyer liest aber sonst nichts darüber weiß), kann der FM doch gar nicht wissen, ob die Maßnahme für den "Kunden" zumutbar ist bzw. ob des in diesem Einzelfall tatsächlich dem "Kunden" etwas bringt. Es besteht also der Verdacht, dass die Maßnahme den "Kunden" unterfordert oder gar kein neues Wissen vermitteln kann. Eine Zuweisung bzw. ein Zwangsangebot würde demnach doch aus dem "Kunden" ein sog. "Objekt staatlichen Handelns" machen, was gegen die Menschenwürde verstößt und den Zwang zur Maßnahme damit als rechtswidrig darstellt.

Was denkt ihr dazu?
 

Buerosklave

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Wenn der Fallmanager die angebotene Maßnahme gar nicht näher kennt (nur den Werbeflyer liest aber sonst nichts darüber weiß), kann der FM doch gar nicht wissen, ob die Maßnahme für den "Kunden" zumutbar ist bzw. ob des in diesem Einzelfall tatsächlich dem "Kunden" etwas bringt. Es besteht also der Verdacht, dass die Maßnahme den "Kunden" unterfordert oder gar kein neues Wissen vermitteln kann.

Wenn ich mal auf meine Maßnahmen zurückblicke (hatte weißgott mehr als 1 davon),dann muss ich sagen,daß wohl nicht einer der Teilnehmer wirklich passend in dieser Maßnahme war. Muss jemand,dem jegliches kaufmännisches Grundwissen fehlt, wirklich eine "Fortbildung" in Sachen Rechnungsführung machen ? Muss jemand,der eine IT-Ausbildung hat,wirklich nochmal lernen, eine Computermouse zu bedienen ? Muss eine ausgebildete Bürokauffrau wirklich einen Office-Kurs machen ?
Solche Inhalte sind selbst den Werbeflyern zu entnehmen,insofern halte ich es für eine Lüge,daß die JC-Schergen nicht beurteilen können,ob jemand für so eine Maßnahme geeignet sind. Aber darum gehts ja auch nicht, der wahre Grund ist einzig und allein die Statistikschönigung.
 

Sorata

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Sehr richtig. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein absoluter Großteil aller Kursteilnehmer nichts bei den Kursen lernen konnten und daher ausschließlich wegen der Statistikverfälschung hingezwungen wurden. Ich bin kein Experte in dem Gebiet, aber für mich klingt das nach massenhaftem "Objekt staatlichen Handelns" was sogar gegen unsere Rechte und Würde verstößt.
 
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Da eine Maßnahme zielgerichtet und dem "Kunden" etwas bringen soll, bin ich über folgendes Gedankenkonstrukt von mir gestolpert.

Rein offiziell hast du natürlich Recht, dass Maßnahmen zielgerichtet für den jeweiligen Elo sollen und ihm/ihr berufsperspektivisch was bringen sollen. Unter der Hand ist aber allen Beteiligten folgendes bekannt:

Wirklich leisten tun Maßnahmen sehr oft nur was für die dortigen Dozenten (als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme), für die JC-Mitarbeiter (als Arbeits- und Fleißnachweis durch Bestückung), für die ZAF-Wirtschaft (durch Indoktrinierung und Umerziehung der Zwangsteilnehmer) sowie für die Politik (durch Schönung der Alo-Statistik).

Wenn der Fallmanager die angebotene Maßnahme gar nicht näher kennt (nur den Werbeflyer liest aber sonst nichts darüber weiß), kann der FM doch gar nicht wissen, ob die Maßnahme für den "Kunden" zumutbar ist bzw. ob des in diesem Einzelfall tatsächlich dem "Kunden" etwas bringt.

Auch damit hast du Recht. Aber der pAp/FM wird ja kaum sagen „Ich hab auch keine Ahnung, was da passiert“ oder „Außer dieser Flyer-Info weiß ich darüber nix“. In der Regel wird der JC-Mitarbeiter die Wundertüte als Genialitäts-Faktotum anpreisen und dir gegenüber felsenfest die (ihm aufgetragene) Meinung vertreten, dass das Maßnahme-Ding für dich jetzt bestens geeignet und hochgradig passgenau sei.

Es besteht also der Verdacht, dass die Maßnahme den "Kunden" unterfordert oder gar kein neues Wissen vermitteln kann.

Dieser Verdacht kann mittlerweile in den Rang von empirischer Evidenz erhoben heben, denn dass dem so ist, hat selbst das IAB, das wissenschaftliche Hausorakel der BA, in diesem aktuellen Kurzbericht quasi indirekt bestätigt. Zitat daraus (von Seite 6; rot, fett und kursiv von mir):
[FONT=&quot]„Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung bei einem Träger (ohne Heranführung an eine selbstständige Tätigkeit und Stabilisierung einer Beschäftigungsaufnahme sowie ohne die rein erfolgsorientierte Vermittlung) [/FONT][FONT=&quot]wirken sich weitestgehend neutral auf die Beschäftigung aus[/FONT][FONT=&quot]. Bei kürzeren Förderdauern zeigt sich ein leicht positiver,[/FONT][FONT=&quot]bei Förderdauern von [/FONT][FONT=&quot]drei bis sechs Monaten, die aber deutlich seltener zu beobachten sind, ein leicht negativer Effekt.[/FONT][FONT=&quot] Bei diesen Maßnahmen ist eine weitergehende Differenzierung nach Varianten nicht sinnvoll, da sie häufig verschiedene Elemente kom*binieren – z. B. können Träger beraten, Bewerbungs*trainings durchführen und fachliche Kenntnisse vermitteln.“[/FONT]
Ich plädiere durchaus dafür, solche Argumente (und viele weitere) im Gespräch mit dem pAp/FM ins Feld zu führen, um die Maßnahmezuweisung zu bekämpfen. Später vorm Sozialgericht braucht man schließlich auch gute Argumente und kann dem Richter so gleich nachweisen, dass man sich mit den Maßnahme-Inhalten durchaus kritisch auseinandergesetzt hat und die nicht einfach so pauschal ablehnt. Daher ja auch dieser Thread.

Es ist aber ein Gebot der Ehrlichkeit, zu sagen, dass sich viele pAps/FMs davon dennoch nicht abschrecken lassen und sie dennoch an der Maßnahmezuweisung festhalten. Denn dass diese Maßnahmen oft nichts bringen, wissen die JC-Mitarbeiter ja. Sie bestücken sie trotzdem, weil sie sie bestücken müssen.

Eine Zuweisung bzw. ein Zwangsangebot würde demnach doch aus dem "Kunden" ein sog. "Objekt staatlichen Handelns" machen, was gegen die Menschenwürde verstößt und den Zwang zur Maßnahme damit als rechtswidrig darstellt

Ja. Wenn der pAp/FM ohne jede Kenntnis des genauen Maßnahmeinhalts zu einer Maßnahme zuweist (und das passiert wirklich oft), ist dem so. Es obliegt dir aber, das zu beweisen. Und das wird schwer, denn wenn du dieses Argument bringst (Sozialgerichte haben es schon erfolgreich gebracht), wird der pAp/FM sich vermutlich einfach schnell noch eine schriftliche Begründung für deine Zuweisungsnotwendigkeit [durchgestrichen] aus den Fingern saugen [/durchgestrichen] einfallen lassen und die nachschieben.

Was denkt ihr dazu

Mein Tipp: Du solltest gegen die Zuweisung dann kämpfen und alle Argumente ins Feld führen, die dir einfallen, wenn du (1) davon überzeug bist, dass die Maßnahme unsinnig ist und du (2) nicht bereit bist, die Zeit dort abzusitzen. Wenn du allerdings derzeit nicht so konfliktfähig bist, wenn du angeschlagen bist und du nicht imstande bist, eine etwaige Sanktion aufgrund eines Nichtantritts oder Abbruchs zu verkraften (die erst mal kommen kann, wenn deine Argumente auf taube Ohren stoßen), musst du eine andere als die argumentative Strategie der Maßnahme-Abwehr fahren.

Wie die aussehen kann, hat die Userin Pixelschieberin hier im Forum schon oft beschrieben. Die solltest du dann ggfs. mal kontaktieren bzw. nach deren diesbezüglichen Postings suchen.

Wenn ich mal auf meine Maßnahmen zurückblicke (hatte weißgott mehr als 1 davon),dann muss ich sagen,daß wohl nicht einer der Teilnehmer wirklich passend in dieser Maßnahme war.

Ja. Deine Erfahrung deckt sich in der Tat mit der der meisten Teilnehmer solcher Maßnahmen. Aber obgleich der fragwürdige Nutzen und die unpassende Teilnehmerzusammensetzung hinlänglich bekannt sind, ändert sich nichts. Das Gros der Mittel für die aktive Eingliederung wird nach wie vor in solche Trainings- und Aktivierungsmaßnahmen gepumpt. Eben weil die Alo-Statistik dadurch besser aussieht und weil so der ganze sumpf der Hartz-IV-Industrie am Leben gehalten wird.

Muss jemand,dem jegliches kaufmännisches Grundwissen fehlt, wirklich eine "Fortbildung" in Sachen Rechnungsführung machen ? Muss jemand,der eine IT-Ausbildung hat,wirklich nochmal lernen, eine Computermouse zu bedienen ? Muss eine ausgebildete Bürokauffrau wirklich einen Office-Kurs machen ?

In den Augen der BA (und des BMAS) ja, denn die Person gilt für die Zeit der Maßnahme eben nicht als arbeitslos. Außerdem müssen die Maßnahmen, wenn sie eingekauft wurden, auch vollgemacht werden. Zuerst versuchen die pAps/FMs natürlich in der Regel durchaus, die „passenden“ Kandidaten für solche Maßnahmen zu finden. Da es davon aber so gut wie immer viel zu wenige (oder gar keine) gibt, wird das schnell ausgeweitet.

Dann erreichen den JC-Mitarbeiter Bettel-E-Mails von Kollegen im Amt, die für die Maßnahme-Betreuung abgestellt wurden. Die fordern dann ständig auf, die Maßnahme voll zu machen. Und wenn das nix hilft, kommt irgendwann die Order vom Teamleiter oder gar Bereichsleiter, dass jeder Vermittler bis zum Wochenende gefälligst einen Teilnehmer in Maßnahme X und einen in Maßnahme Y zugewiesen haben muss!

Unter anderem daran, am Zwang der Vermittler, die Vorgaben bedienen zu müssen, liegt es, dass ganz oft so völlig unpassende Leute in diese Maßnahmen zugewiesen werden. Sie werden oftmals nicht deshalb zugewiesen nicht, weil der pAp/FM wirklich denkt, dass ihnen das was bringt. Denn er sieht ja, dass unter seinen „Kunden“ viele sind, die schon diverse Maßnahmen durchlaufen haben. Sie werden zugewiesen, um interne Controlling-Vorgaben zu bedienen.

Aber darum gehts ja auch nicht, der wahre Grund ist einzig und allein die Statistikschönigung

Statistikaufhübschung ist einer der Gründe, ja. Der andere, der die zuweisenden Mitarbeiter noch viel direkter veranlasst, viel in Maßnahmen zuzuweisen, sind die Anweisungen der Vorgesetzten und der implizite Druck durch Teamvergleichs-Zahlen. Bei den wöchentlichen Teamsitzungen wird jedem Vermittler-Team nämlich präsentiert, wie es gerade steht (jedenfalls war das in drei JCs so, wo ich tätig war). Da heißt es dann „Team 555 G hat schon 12 Zuweisungen mehr hingekriegt als wir letzte Woche“ oder „Wir sind schon wieder gelb im Soll, da müssen noch 3 Zuweisungen kommen bis morgen“.

Sehr richtig. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein absoluter Großteil aller Kursteilnehmer nichts bei den Kursen lernen konnten und daher ausschließlich wegen der Statistikverfälschung hingezwungen wurden.

Siehe oben. Es stimmt: Die Statistik ist für die BA als Institution sehr bedeutend. Aber für den kleinen pAp/SB ganz unten, der diese Zuweisungen tätigt, spielt die Statistik weniger eine Rolle. Der pAp/FM profitiert auch nicht von Boni, welche es in der BA ab Bereichsleiter-Level gibt. Dem Mitarbeiter mit „Kundenkontakt“ geht es darum, zuweisungstechnisch auszuführen, was ihm befohlen wird. Gerade befristete Kräfte können sich über viele Zuweisungen natürlich profilieren und dem Teamleiter ihren Gehorsam, ihren Fleiß und ihr BA-konformes Agieren beweisen.

Ich bin kein Experte in dem Gebiet, aber für mich klingt das nach massenhaftem "Objekt staatlichen Handelns" was sogar gegen unsere Rechte und Würde verstößt.

Wenn bar jeden Ansehens der Person E-Mails wie „Pack da noch zwei rein“ oder „Der nächste, der ohne Termin ins Büro kommt, wird da zugewiesen“ durchs JC geistern, ist das zweifellos ein Beleg für die These, dass Menschen im JC zum „Objekt staatlichen Handelns“ verkommen. Aber wie gesagt: Das zu beweisen ist oft ein Ding der Unmöglichkeit. Denn wenn man das ankreidet, kommt alsbald ein blumiger Ist-ja-gar-nicht-so-Brief vom Teamleiter oder Kundenreaktionsmanager.
 

Sorata

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Toller Beitrag:icon_klatsch:
Wenn bar jeden Ansehens der Person E-Mails wie „Pack da noch zwei rein“ oder „Der nächste, der ohne Termin ins Büro kommt, wird da zugewiesen“ durchs JC geistern, ist das zweifellos ein Beleg für die These, dass Menschen im JC zum „Objekt staatlichen Handelns“ verkommen. Aber wie gesagt: Das zu beweisen ist oft ein Ding der Unmöglichkeit. Denn wenn man das ankreidet, kommt alsbald ein blumiger Ist-ja-gar-nicht-so-Brief vom Teamleiter oder Kundenreaktionsmanager.
Wenn eine Maßnahme dem "Kunden" nachweislich nichts bringt (der Teilnehmer war unterfordert), hilft doch auch ein Brief des Kundenreaktionsmanagers/Teamleiter nichts. Die kennen mich und meine Stärken und Fähigkeiten nicht also können sie auch nicht wissen, ob eine Maßnahme nützlich für den Einzelfall/"Kunden" ist. Eine gute Verteidigung für das JC kann so ein Brief doch gar nicht sein.
 

Pixelschieberin

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[...] Wenn eine Maßnahme dem "Kunden" nachweislich nichts bringt (der Teilnehmer war unterfordert),
"Nachweislich" ist hier das Zauberwort.
Mir ist es im Vorfeld nie gelungen, nachzuweisen, daß mich das BASIS-Kursniveau mehr als nur unterfordert.
Berufsabschlüsse, weiterführendes Studium und Diplome interessierten SBs nicht - vielmehr wußte keiner der "professionellen" Arbeitsvermittler etwas damit anzufangen!
Wenn dir ein Wesen gegenübersitzt, das auf Autopilot und gleichgeschaltet durchs Leben kurvt, dessen Augen erkennen lassen, daß dahinter so gar keine Funzel brennt, wird jedes Argument - egal wie stichhaltig - verpuffen.
Und SO ist auch deren Plan.
[...] Die kennen mich und meine Stärken und Fähigkeiten nicht also können sie auch nicht wissen, ob eine Maßnahme nützlich für den Einzelfall/"Kunden" ist. [...]
Selbst wenn sie die genau kennen!!!
Das eingekaufte Kontingent soll - lt. Vorgabe - gefüllt werden.
Dein hübsches Argument führen diese Zombies mit umgekehrtem Vorzeichen ins Feld. Sie rechtfertigen sich damit, daß das alles - bei der Überlastung - nicht mehr "im Interesse des Kunden" von ihnen bewerkstelligt werden könne, sondern nur extern, von "professionellen Dienstleistern" in Erfahrung gebracht werden könne.
Entkräfte DAS mal.
Der Verweis auf ihre Verpflichtung (Profiling hatte stattgefunden), meine Unterlagen (Abschlußzeugnisse) wurde schulterzuckend quittiert.
Mir ist vor Ort nichts mehr eingefallen und ich habe endlich erkennen müssen, daß das Vorgehen System hat.
SB: Ich könne doch gar nicht wissen, was mir da Tolles beigebracht werden solle!!!
Auf meine Frage - SIE möge es mir JETZT endlich erzählen - ich HÖRE...
Verärgertes Rumgeeier.
Ergebnis: Sie wußte es nicht.
Daraufhin habe ich sie sogar in meinem Beisein beim Träger anrufen lassen.
Ging keiner ran. Zu ausgewiesenen Bürozeiten.
SB: ich könne mich ja hinterher beschweren und bei der nächsten Maßnahme vortragen, daß das nichts für mich (gewesen) sei.
Daß sowas im Vorfeld zu klären sei - wie es jeder verantwortungsvolle Mensch täte - ist an SB abgeperlt.
Es sei alles besprochen.
Basta.
Zuweisung.
Mit oder ohne Beistand - es ist als wenn du versuchst, einen Pudding an die Wand zu nageln.
Bisher mußte ich jede Verblödungs-Maßnahme auf kreative Touren abwehren.
Da sich die wechselnden SBs mittlerweile herausgefordert fühlten - es gab deutliche Anzeichen, daß ein interner Wettbewerb lief, wer zwingt diese "Kundin" in die Knie - nutzte mir mein Laufzettel zur Maßnahmeabwehr auch nichts mehr.
Die hatten nach jedem Winkelzug dazugelernt.
Wie auch immer das hintenrum geregelt wurde, hat sich ein Träger-Amigo Willens gezeigt, mich ohne jedwede Unterschrift maßnehmen zu wollen.
Okeeeeeee, Dann hab ich den Laden - mit engagierter Foristen Hilfe - von mehreren Seiten gleichzeitig durchleuchten lassen - und - dabei so viel Humankapital an den Fall gebunden, wie uns eingefallen ist... :icon_wink:
Die ganze Ulk-Nummer ist im Thread nachzulesen, hier nur ein Schnipsel mit deren "Bildungsplan"
 

Sorata

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Hallo Pixelschieberin, mir ist deine Erfahrung mit solchen Aktionen bekannt, da ich seit geraumer Zeit regelmäßig deine Erfolgsgeschichten hier im Forum lese. Wenn ich so zugebombt werden würde wie du, wäre ich wohl schon richtig psychisch und folglich physisch erkrankt. Deinem Beitrag glaube ich komplett, will es aber nicht als die einzige Möglichkeit akzeptieren, wie man mit uns umgeht.

Meine Meinung: "Professionelle Dienstleister" haben entsprechende Qualifikationen im Vorfeld vorzuweisen. Hier sind Leute im Forum, die nicht für die Verblödungsindustrie arbeiten, aber weit mehr Ahnung von deren angeblichen Tätigkeiten haben. Es kann doch einfach nicht sein, dass jeder daher gelaufene **** sich bei so einer Firma als Coach, Wissensvermittler und sonst was ausgeben kann ohne wirklich was auf dem Gebiet zu wissen.

Wenn das JC im Interesse des Kunden handelt, sollte das wahre und tatsächliche Interesse des Kunden auch berücksichtigt werden. Wenn das nicht geschieht, wird nur das Interesse des JC und der Statistikverfälschung vertreten. Ob das aber wirklich entkräftet?

Ich finde es persönlich als untragbar, dass wir dem JC beweisen müssen, dass die Maßnahme uns nichts bringt. Es sollte doch eher so sein, dass das JC uns überzeugen müsste, daran teilnehmen zu wollen. Da ist man erwachsen und wird wie ein Kind behandelt und noch nicht mal bei einem Kind wäre das akzeptabel.
 

Pixelschieberin

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[...] Wenn ich so zugebombt werden würde wie du, wäre ich wohl schon richtig psychisch und folglich physisch erkrankt.
Wie heißt es so schön?
Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. :icon_wink:
Nee, Psychosoma meldet sich sofort wenn's hier am Briefkasten klappert.
Mein Partner hat die Aufgabe, JC-Einladungen herauszufiltern und mir erst kurz vor Zapp bekannt zu geben.
[...] Deinem Beitrag glaube ich komplett, will es aber nicht als die einzige Möglichkeit akzeptieren, wie man mit uns umgeht.
Glaubst du ich AKZEPTIERE DAS? (Das war nur eine rhetorische Frage)
[...] Es kann doch einfach nicht sein, dass jeder daher gelaufene **** sich bei so einer Firma als Coach, Wissensvermittler und sonst was ausgeben kann ohne wirklich was auf dem Gebiet zu wissen.
Von welchen "Gebieten" reden wir?
Das, was dort angeboten wird, ist zwei Mausklicks entfernt und kann in 10 Min in Eigenregie reingeholfen werden.
Sofern einen interessiert - gar beruflich weiterbringt - warum der alte Fritz den Oderbruch hat trocken legen lassen oder wie Müll zu trennen sei.
[...] Wenn das JC im Interesse des Kunden handelt, sollte das wahre und tatsächliche Interesse des Kunden auch berücksichtigt werden.
Soweit die schöne Theorie und was unsere Sonntagsredner in Hochglanzbroschüren schreiben lassen...
[...] Wenn das nicht geschieht, wird nur das Interesse des JC und der Statistikverfälschung vertreten.
So der Plan und Ausführung der JCs.
[...] Ob das aber wirklich entkräftet?
Das wird doch nicht grundlos alles mit nicht greifbaren Worthülsen transportiert.
Du kannst dich an deren Rhetorik und Manipulationstechniken - so wie die meisten denkenden Mitmenschen hier - aufreiben - oder - nasse Seife spielen.
Nein, das Argument lassen die nicht gelten, sie haben das X Mal gehört und eine schicke NLP-Antwort parat, die dich ausbremst. Schließlich hat der, der was behauptet, die Beweislast. Da wir jedoch nicht an die ungefälschten Ergebnisberichte der Maßnahmeindustrie heran kommen, wird das Spiel solange weiter gehen, bis das Sozialsystem crasht.
[...] Ich finde es persönlich als untragbar, dass wir dem JC beweisen müssen, dass [...]
Bei mir rennst mit dem frommen Wunsch offene Türen ein.
Bisher habe ich noch keine Handhabe gefunden, deren bunten Treiben ein Ende zu bereiten.
Ich schaffte es halt nur, denen zu entwischen indem ich überraschend und in unerwarteter Weise auf Dummfug reagierte.
Fortbildungen, die ich vorschlug - und freudig mitmachen würde - bekomme ich nicht.
SB: Ich möge den AG nennen, der mich einstellt, wenn ich die und die Qualifikation vorweisen könne.
Daß so 'n SB-Phlegma nicht 1+1 zusammenzählen kann - sie die Konsequenzen nicht erkennen wollen wenn ein AG, der jetzt und sofort jemanden braucht, nicht auf SBs Kursbewilligung und Durchführung warten wird...
Was rede ich...
 
Z

ZarMod

Gast
Die ganze Ulk-Nummer ist im Thread nachzulesen, hier nur ein Schnipsel mit deren "Bildungsplan"
Boah Pixel, ich habe mir den Trööt mal reingezogen. :icon_kratz: Da haste ja was hinter Dir.
Und ganz ehrlich: Meine Hochachtung für diesen zähen Kampf! :icon_klatsch:
Dabei noch gute (sarkastische) Miene zu zeigen, beweist eine große Stärke.
Bin ich schon ein wenig geplättet, kann mich nämlich gut emotional in andere Menschen hineinversetzen.
Auch wenn der unheimliche Aufwand in keinem Verhältnis zum Ergebnis steht,
war er nicht umsonst. Weil beispielhaft und exzellentes Lehrstück. :danke:
Leerprediger bzw. Mitläufer wie berlinerbär machen das System leider zu dem, was es ist. :icon_kinn:
 

libertad

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Aus der IAB-Studie:
bei Förderdauern von drei bis sechs Monaten, die aber deutlich seltener zu beobachten sind, ein leicht negativer Effekt

Deutlicher kann man nicht sagen, daß es nicht die Aufgabe der Jobcenter ist Arbeit zu vermitteln.
Der Satz "Fördern und fordern" wird als böser Scherz entlarvt.
Jobcenter haben die Funktion über Schikane die Löhne zu drücken.
Die "Föderung" der Jobcenter wirkt sich negativ auf die Integration in den Arbeitsmarkt aus.
 

Sorata

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Nee, Psychosoma meldet sich sofort wenn's hier am Briefkasten klappert.
Mein Partner hat die Aufgabe, JC-Einladungen herauszufiltern und mir erst kurz vor Zapp bekannt zu geben.
Das kenne ich nur zu gut. Jeden Tag, wenn ein Auto mit dem Post-typischen Dieselmotorklappern vorm Haus hält halt ich fast dem Atem an und lausche, ob ich den Briefkasten höre. Wenn ich dann noch dieses Klappern höre, steigt Angst hoch. Ich warte dann einfach bis die Post wieder weggefahren ist, gehe dann zum Briefkasten und greife einfach blind rein und nehme alles mit ins Haus.
Von welchen "Gebieten" reden wir?
Das, was dort angeboten wird, ist zwei Mausklicks entfernt und kann in 10 Min in Eigenregie reingeholfen werden.
Sofern einen interessiert - gar beruflich weiterbringt - warum der alte Fritz den Oderbruch hat trocken legen lassen oder wie Müll zu trennen sei.
Soweit die schöne Theorie und was unsere Sonntagsredner in Hochglanzbroschüren schreiben lassen...
So der Plan und Ausführung der JCs.
Das wird doch nicht grundlos alles mit nicht greifbaren Worthülsen transportiert.
Du kannst dich an deren Rhetorik und Manipulationstechniken - so wie die meisten denkenden Mitmenschen hier - aufreiben - oder - nasse Seife spielen.
Nein, das Argument lassen die nicht gelten, sie haben das X Mal gehört und eine schicke NLP-Antwort parat, die dich ausbremst. Schließlich hat der, der was behauptet, die Beweislast. Da wir jedoch nicht an die ungefälschten Ergebnisberichte der Maßnahmeindustrie heran kommen, wird das Spiel solange weiter gehen, bis das Sozialsystem crasht.
Auf den Crash warte ich sehnsüchtigst. Ich kann es gar nicht glauben, dass so ein System überhaupt so lange bestehen konnte. Kommt wohl wenn bösartige Politiker an der Macht sind, denen das alles nicht im Weg steht so wie uns.
Bei mir rennst mit dem frommen Wunsch offene Türen ein.
Bisher habe ich noch keine Handhabe gefunden, deren bunten Treiben ein Ende zu bereiten.
Ich schaffte es halt nur, denen zu entwischen indem ich überraschend und in unerwarteter Weise auf Dummfug reagierte.
Fortbildungen, die ich vorschlug - und freudig mitmachen würde - bekomme ich nicht.
SB: Ich möge den AG nennen, der mich einstellt, wenn ich die und die Qualifikation vorweisen könne.
Daß so 'n SB-Phlegma nicht 1+1 zusammenzählen kann - sie die Konsequenzen nicht erkennen wollen wenn ein AG, der jetzt und sofort jemanden braucht, nicht auf SBs Kursbewilligung und Durchführung warten wird...
Was rede ich...
Genau das habe ich heute erlebt. Ich versuchte diplomatisch und rational zu sein, aber der war nur daran interessiert, seine Maßnahmen-Schleußer-Quote zu erfüllen. Wir haben wegen solcher Vorgaben auf der Strecke zu bleiben. Hauptsache auf einem Einhorn namens Maßnahme raus der Statistik. Ich wollte eine richtige Weiterbildung, aber um darüber zu reden hatte er keine Zeit. Es war schon Mittagspause.
 

AnonNemo

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Sorata meinte:
Da eine Maßnahme zielgerichtet und dem "Kunden" etwas (... und der Rest ...)
Auch schon bemerkt? :icon_hihi:

Wenn die BA schon ihre gesetzlichen Pflichten ignoriert ... warum sollte sich ein SB anders verhalten (vor allem, wenn er/sie entsprechende Vorgaben von höherer Stelle hat)?

Wenn die (meisten) Zugewiesenen klaglos mitmachen?

=> Wo kein Kläger ist, gibt es keinen Richter.

D. h., die AfA / das JC kann munter so weitermachen!

Sorata meinte:
nach massenhaftem "Objekt staatlichen Handelns" was sogar gegen unsere Rechte und Würde verstößt.
... da, nach dem Glauben der BA, das SGB über dem GG steht :icon_evil:,
... wie willst du, als vom Staat alimentierter Sozial-Schmarotzer, da etwas Ändern?

Dummerweise sind (immer mehr) SozialGesetzB ... ähm (von den jungen) SozialGesetzRichtern auf korrekt geschriebene Klagen (Wie, falsche Kommasetzung? Abgelehnt wegen (Schrift-)Formfehler! Das habe ich vom BR-Schriftführer nach seiner Schulung) fixiert und nicht mehr am Sinn der SozialGesetzParagrafen.
 

deepsleeper

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Nicht an dem Maßnahme-Pack aufreiben und sachlich argumentieren, sondern deren Ignoranz etc. reflektieren. Stellen die ihre Ohren auf Durchzug- auch alles überhören.

Denen geben, was sie brauchen.:icon_stop:
 
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Gast
Wenn die (meisten) Zugewiesenen klaglos mitmachen?

=> Wo kein Kläger ist, gibt es keinen Richter.

D. h., die AfA / das JC kann munter so weitermachen!

Ich glaube leider auch, dass dem so ist. Denn warum kann es zuweisungstechnisch im JC so laufen, wie es läuft? Weil zu viele Leute sich den ganzen Maßnahme-Murks einfach so gefallen lassen und nach dem Gusto fahren, man könne eh nix machen. Und sicher: Dafür, warum sie sich das gefallen lassen, gibt es Gründe. Die naheliegensten sind wohl Angst vor Sanktionen und Unwissen darüber, dass man dagegen überhaupt vorgehen kann und darf.

Des Weiteren haben gerade Erstzugewiesene (also Leute ohne Maßnahme-Erfahrung) mitunter wirklich die Hoffnung, die Maßnahme brächte ihnen etwas. Das ist ja auch kein Wunder, da der pAp die Wundertüte so anpreist. Umso mehr trägt die erfahrene Diskrepanz von Anspruch ("Wir fördern Sie durch sowas") und Wirklichkeit ("Wir sanktionieren Sie, wenn Sie das stumpfsinnige Zeitabsitzen nicht mitspielen") zur Verstimmung gegenüber dem JC bei.

Gerade bei Maßnahmezuweisungen kann der Einzelne sehr wohl was machen. Er kann dagegen argumentativ und rechtlich vorgehen. Er kann sich weigern, nicht zu seinen Mitwirkungspflichten zählenden Anweisungen nachzukommen und er kann sich weigern, seine Sozialdaten einem gewinnorientierten Unternehmen (Maßnahmeträger) preiszugeben. Der Einzelne kann zeigen, dass er nicht alles mit sich machen lässt und sich nicht zum Objekt staatlichen Handelns degradieren lässt bzw. durch eine Ich-tue-alles-was-die-sagen-Haltung selbst dagradiert.

Dass dieser Widerstand anstrengend und teuer (durch Sanktionierung) sein kann, dass er das System Hatz IV vermutlich (erst einmal) nicht ändern wird, wenn es bei vereinzelnten Widerständen von Individueln bleibt, ist schon oft skizziert worden. Ich teile die Auffassung auch, dass Einzelproteste oft ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Jedenfalls sind sie es dann, wenn keine kollektive Gegenbewegung daraus folgt. Aber ich teile ebenfalls die Auffassung, dass sich gar nichts ändert, wenn keiner irgendwas tut. Denn ohne das Engagement von Einzelnen wird ein Kollektiv sich kaum je bewegen. Die Einzelnen - also: Individuen - sind ja immer die Initiatoren von Massenbewegungen.

Wenn plötzlich zehntausende von ALG II Beziehern gegen Maßnahmezuweisungen vorgehen würden, wenn sie die pAps mit kritischen Fragen zu der Maßnahme bombadieren würden, wenn sie in Widerspruch gegen VA-Zuweisungen gingen und gegen Sanktionen klagen würden, dann würde sich - über kurz oder lang - etwas ändern. Das sieht man ja auch an der Flüchtlingskrise, die das Prozedere, wie mit Asylbewerbern zu verfahren ist, radikal verändert hat. Wenn der Protest zu groß wird, knickt das JC regelmäßig ein. Dass er so groß wird, ist aber leider sehr selten.

Derzeit gilt im JC und unter vielen ALG II Beziehern: Weiter wie gehabt. Das ist nachvollziehbar und ich will niemanden dazu aufrufen, per se gegen alle Maßnahmezuweisungen zu kämpfen. Denn solche Tipps a la "Verweigere dich, spiele da nicht mit" geben sich vom Schreibtisch aus leicht. Unter etwaigen Sanktionen in Folge solcher Tipps leiden müssen dann aber die Betroffenen und nicht die anonyme Tippgeber.

Ich will aber auch sagen: Gegen erlebte Unsinnigkeit vorzugehen, kann (1) das eigene Selbstwertgefühl stärken und (2) dazu beitragen, dass diese Unsinnigkeit überkommen wird. Denn wenn keiner irgendwas tut, tut sich gar nichts. In diesem Sinne verweise ich auf ein sehr interessantes Buch des Sozialpsychologen H. Welzer. Das hat mit Hartz IV nicht wirklich was zu tun, aber darin wird nachvollziehbar aufgezeigt, dass Ausreden wie "Da kann man nichts machen" so einfach nicht greifen und dass der Einzelne für sich und für die Gestaltung des Systems durchaus Verantwortung hat. Das Buch heißt "SELBST DENKEN. Eine Anleitung zum Widerstand" (eine Leseprobe findet man hier).

In diesem Sinne: Wer Widerstand gegen Maßnahmen leisten will, findet in diesem Forum gute Anregungen dazu. Ich bin nun weiß Gott kein Antifa-Anhänger, wie ich überhaupt kein Anhänger irgendwelcher linken, rechten oder sonstigen Extreme bin, aber eines der Antifa-Mottos trifft es wohl ganz gut: Widerstand muss praktisch werden. :wink:
 

AnonNemo

Super-Moderation
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Klasse Beitrag!!!

BurnsTorn meinte:
Wenn plötzlich zehntausende von ALG II Beziehern gegen Maßnahmezuweisungen vorgehen würden, wenn sie die pAps mit kritischen Fragen zu der Maßnahme bombadieren würden, wenn sie in Widerspruch gegen VA-Zuweisungen gingen und gegen Sanktionen klagen würden, dann würde sich - über kurz oder lang - etwas ändern.
... da das Amt (einschließlich AfA!) problemlos hergehen kann (und tut) und unsere einzelnen Aktionen unter den Teppich kehrt, ist es in der Lage unsere (Einzel-)Erfolge nicht publik werden zu lassen.

Wie oft schreiben User
(oder habe ich es - mehrfach durch verschiedene MTs oder im Zusammenhang mit EGVs - selber erlebt);
Sie sind der Erste, der hier nicht unterschreibt!

Eben die alten Grundsätze: Teile und Herrsche / Brot und Spiele / Halte die Untertanen dumm.

dass Ausreden wie "Da kann man nichts machen" so einfach nicht greifen und dass der Einzelne für sich und für die Gestaltung des Systems durchaus Verantwortung hat.
... dann wundert es mich, dass du die Aktionen von RB kritisierst.

Er macht etwas!
Und das nicht erst seit gestern und sein Sanktions-Hungern war auch nicht die erste Aktion.
Ob er den richtigen Weg eingeschlagen hat ... muss die Zukunft zeigen.

Aber wie er von vielen anderen angegangen wird :)icon_evil:) erinnert mich an einen Arbeitskollegen:
WAS, in die Gewerkschaft eintreten? Da fehlen mir doch jeden Monat 35EUR!
Die Gewerkschaft und der BR schaden nur unserer Firma! Am besten verbieten!
Die ganzen BR-Sitzungen ... da muss ich wieder Überstunden (die er wegen Ü-h-Zuschlag gerne macht) machen und die sitzen sich die Hintern, beim Kaffeesaufen (aber selber einer der größten Koffein-Junkies im Betrieb), breit ... und bringen eh nichts.

Da schaut selber ... uns wurden 8% mehr Lohn versprochen ... bekommen habe ich (nicht wir!) nur 2,4 ... das ist doch der beste Beweis, dass die keinen Nutzen haben.
Die 2,4% Lohnerhöhung, 30 Tage Urlaub, Urlaubs-, Weihnachtsgeld und sonstigen gewerkschaftlichen Errungenschaften nimmt er - kommentarlos - mit.
 
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