Mal eine nachdenkliche Sache bez. Sachbearbeiter (1 Betrachter)

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Marzipan

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Hallo zusammen.

Ich bin etwas philosophisch angehaucht, deshalb denke ich viel nach und hinterfrage viele Dinge. Beschäftige mich in meiner Freizeit mit Rechtsangelegenheiten und der Chaosforschung. :icon_confused:

Jetzt habe ich mir mal Gedanken zu unseren Sachbearbeitern in den Argen/Sozialämtern gemacht.

Ich habe ja schon vor Hartz4 (also vor 7 Jahren) mal Sozialleistungen erhalten und sehe schon einen Unterschied zwischen damals und heute in der Beziehung zwischen Sachbearbeiter und Sozialhilfe- bzw. ALGII-Empfänger.

Meiner Meinung nach sollte ein Sachbearbeiter ein persönlicher Ansprechpartner sein, der mir mit Rat und Tat zur Seite steht, der ein offenes Ohr für meine Probleme und Wünsche hat und gemeinsam mit mir eine Lösung finden sollte.

Die Praxis sieht aber ganz anders aus und hat sich in den letzten Jahren auch immer mehr dahin entwickelt, dass ein Sachbearbeiter nicht mehr mit dem Hilfesuchenden zusammenarbeitet, sondern durch List und Tücke alles versucht, ihm irgendwie Steine in den Weg zu legen und irgendwelche Dinge anlastet um eine Sanktion oder sogar den Wegfall von Sozialgeldern zu erwirken.
Sachbearbeiter und Hilfesuchender arbeiten nicht mehr miteinander sondern immer mehr gegeneinander. Es entwickeln sich quasi immer mehr Kleinkriege zwischen beiden Personengruppen.

Natürlich arbeitet so ein Sozialamtmitarbeiter im Namen und im Auftrag des Staates und wird von diesem ja auch bezahlt, aber ist es denn wirklich seine Aufgabe seine Arbeit so auszuführen, als würde jeder Cent, den ein Hilfesuchender erhält, von seinem Gehalt abgezogen werden.

Ich finde diese Entwicklung erschreckend und zugleich traurig für alle Beteiligten und würde mir wünschen, dass ein Sachbearbeiter wieder eines Tages ein Ansprechpartner für seine "Schützlinge" ist, dem man vertrauen kann. Aber ich glaube, das wird ein Wunschtraum bleiben.
Momentan jedoch ist der Schäfer zum Wolf in seiner Schafherde geworden.

Das ist mein Wort zum Wochenanfang.

LG
Marzipan
 

Erntehelfer

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Marzipan

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Danke, Erntehelfer.

Ich sehe, ich bin mit meinen Gedankengängen nicht allein. :)
 
L

lupe

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Es entwickeln sich quasi immer mehr Kleinkriege zwischen beiden Personengruppen.
Ja sehe ich genauso. Das sind Grabenkämpfe wie bei Verdun im ersten Weltkrieg. Na ja, gut das ich Einzelkämpfer bin und im Grabenkrieg geübt bin :biggrin:
 

Bruno1st

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Die Sachberarbeiter kämpfen um ihren Platz hinter dem Schreibtisch oder wollen sich zum Fallmanager profilieren. Denn Sachbearbeiter ist dort doch Prekariat. Dazu habe ich gestern zufällig das entdeckt :

Als Fallmanager werden in Deutschland besonders qualifizierte Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit bzw. der ARGEn oder Jobcenter bezeichnet, die im Rahmen des Vollzugs des SGB II Menschen mit mehreren Hemmnissen betreuen, die der Vermittlung in den Arbeitsmarkt entgegenstehen.
Quelle : Fallmanager – Wikipedia
besonders qualifiziert :icon_lol: :icon_lol: :icon_lol:
 

Marzipan

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besonders qualifiziert :icon_lol:

Ja, der Witz ist gut. :icon_hihi:


Edit: Wenn man weiterliest, steht da "In Einzelfällen wurden zur Vermeidung von Gehaltseinbussen (Bestandsschutz) auch nicht ausreichend qualifizierte Mitarbeiter als Fallmanager eingesetzt" und das scheint in 100% der Fälle so zu sein. :rolleyes:
 
E

ExitUser

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Ich sehe, ich bin mit meinen Gedankengängen nicht allein. :)
Auf keinen Fall.
Aber um dies nun auch mal den BA-Proxys zugänglich zu machen - im OFF-Topic können nur registrierte User lesen - erlaube ich mir das in Deinem Thread als Fullquote zu posten und hoffe die MODs drücken ein Auge zu...

Anselm Querolant in Sehr geehrte Mitarbeiter der ArGen... meinte:
.ob Verbeamtet oder nicht ist hierbei unerheblich.

Wie immer wieder festgestellt werden muss, sind sich viele Mitarbeiter und Beamtete in den ArGen, ihrer Rolle als Staatsbürger und Mitglieder der Gesellschaft im Zusammenhang mit ihrem "Job" nicht wirklich bewusst.
Sie glauben - zumindest scheinen sie nach dieser Prämisse zu handeln - ihren jeweiligen Vorgesetzten in blindem vorauseilendem Gehorsam dienlich sein zu müssen - je nach politischer Mode und Nöte der Statistik. Dabei spielt es keine Rolle, ob ihre jeweilige Handlung/Entscheidung, die Menschenwürde des "Kunden" und oftmals sogar geltendes (höheres) Recht mit Füßen tritt!

Da werden Urteile der Bundesverfassungsgerichtes, immerhin mit Gesetzescharakter ignoriert und oft rein um "seinen Kopf durchzusetzen", den "Kunden" Leistungen verweigert, bis hin zu totalen Leistungsversagung weil der "Kunde" nicht (genau das vorgeschlagene) Arbeiten, oder nicht so will wie sich das der jeweilige FM vorstellt. Hierzu zwei Auszüge aus Urteilen des Bundesverfassungsgerichtes.

Das Bundesverfassungsgericht
1. a) Art. 12 Abs. 1 GG schützt unter anderem die freie Wahl des Arbeitsplatzes. Diese umfaßt neben der Entscheidung für eine konkrete Beschäftigung auch den Willen des Einzelnen, den Arbeitsplatz beizubehalten. Das Grundrecht entfaltet seinen Schutz gegen alle staatlichen Maßnahmen, die diese Wahlfreiheit beschränken (vgl. dazu im einzelnen BVerfGE 84, 133 <146>; 92, 140 <150>)
(1) Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende dienen der Sicherstellung eines menschenwürdigen Lebens. Diese Sicherstellung ist eine verfassungsrechtliche Pflicht des Staates, die aus dem Gebot zum Schutze der Menschenwürde in Verbindung mit dem Sozialstaatsgebot folgt (vgl.BVerfGE 82, 60 <80>). Diese Pflicht besteht unabhängig von den Gründen der Hilfebedürftigkeit (vgl. BVerfGE 35, 202 <235>).
Hier nun ein weiterer faszinierender Satz aus einem Urteil des höchsten Gerichtes in Deutschland, der sich zwar auf das Berufsbeamtentum bezieht, in Tenor und Sinn jedoch oberster Leitsatz aller Angestellten des Staates sein muss:

Das Bundesverfassungsgericht
Zitat:
Die Entwicklung des Berufsbeamtentums ist auch mit derjenigen des Rechtsstaats verknüpft: War der Beamte ursprünglich allein dem Regenten verpflichtet, wandelte er sich mit dem veränderten Staatsverständnis vom Fürsten- zum Staatsdiener. Seine Aufgabe war und ist es, Verfassung und Gesetz im Interesse des Bürgers auch und gerade gegen die politische Führung zu behaupten (vgl. BVerfG, Beschluss des Zweiten Senats vom 19. September 2007 - 2 BvF 3/02 -, Umdr. S. 20)
Vergleichen Sie nun was auf Ihrer ArGe Fakt ist, mit den obigen Grundsätzen.

Und, NEIN, nur weil da unter den "Kunden" eine ganze Reihe "fertiger Gestalten" sind, gibt dies niemandem das Recht alle Kunden über einen Kamm zu scheren und sein Geld mit der Durchsetzung rechtswidriger Vorgehensweisen, Anordnungen und Regeln zu verdienen. Macht man dies dennoch, ist man nicht mehr Wert als das, was man doch sonst zu bekämpfen müssen glaubt.

Gruß, Anselm
Gruß, Anselm
 

Curt The Cat

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Auf keinen Fall.
Aber um dies nun auch mal den BA-Proxys zugänglich zu machen - im OFF-Topic können nur registrierte User lesen - erlaube ich mir das in Deinem Thread als Fullquote zu posten und hoffe die MODs drücken ein Auge zu...



Gruß, Anselm
Also Anselm, ich drücke zwei Augen zu ...

:icon_wink:

 

Kaulquappe

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AW: KEINE Fallmanager mehr

Die Sachberarbeiter kämpfen um ihren Platz hinter dem Schreibtisch oder wollen sich zum Fallmanager profilieren. Denn Sachbearbeiter ist dort doch Prekariat.
Mir hat vor ein paar Tagen jemand von der ARGE mitgeteilt, dass es keine Fallmanager mehr gibt!

Auf die Frage, wie sie jetzt genannt werden lautete die Antwort: Arbeitsvermittler/in

Schön wär's wenn sie wirklich das täten :icon_question:
 

Erntehelfer

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AW: KEINE Fallmanager mehr

Schön wär's wenn sie wirklich das täten :icon_question:
Sie tun es manchmal, bei mir wurden auch schon Verleihfirmen in Pforzheim und Freiburg vermittelt, alles zumutbar, jedoch hab ich leider kein Auto. An Kompetenz mangelt es also auch bei dieser Bezeichnung.
 

Curt The Cat

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AW: KEINE Fallmanager mehr

Mir hat vor ein paar Tagen jemand von der ARGE mitgeteilt, dass es keine Fallmanager mehr gibt!

Auf die Frage, wie sie jetzt genannt werden lautete die Antwort: Arbeitsvermittler/in

Schön wär's wenn sie wirklich das täten :icon_question:

Mein Teamleiter heißt auch nicht mehr Teamleiter, sondern Standortleiter.

Ich weiß ja nich', ich bin Kriegsdienstverweigerer und möglicherweise deshalb etwas empfindsam, aber mich erinnert diese Umbenennung doch sehr an militärirsche Dienstgrade...

:icon_psst:

 

Kaulquappe

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AW: KEINE Fallmanager mehr

Sie tun es manchmal, bei mir wurden auch schon Verleihfirmen in Pforzheim und Freiburg vermittelt, alles zumutbar, jedoch hab ich leider kein Auto. An Kompetenz mangelt es also auch bei dieser Bezeichnung.
Aaah, ja, das stimmt! Man hat mir auch eine Verleihfirma in großer Entfernung nahegelegt. Von dort sollte ich täglich bzw. wöchentlich oder monatlich wechseln, in viele andere Städte, ziemlich weit voneinander entfernt! Hatte nie einen Führerschein und bin inzwischen alles andere als "gut zu Fuß" ... Die ellenlangen Treppen vom Bahnhof als ich zum Vorstellungsgespräch fuhr haben mir gereicht. Sicher wollen all die jüngeren Mädels mit meinem Beruf (und wahrscheinlich Auto) den Sch... nicht machen, deshalb geht man jemanden in meinem Alter an! "Vielleicht macht sie es, aus lauter Verzweiflung" (und bleibt irgendwann in einem der Bahnhöfe liegen).
 

Kaulquappe

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AW: KEINE Fallmanager mehr


Mein Teamleiter heißt auch nicht mehr Teamleiter, sondern Standortleiter.

Ich weiß ja nich', ich bin Kriegsdienstverweigerer und möglicherweise deshalb etwas empfindsam, aber mich erinnert diese Umbenennung doch sehr an militärirsche Dienstgrade...

:icon_psst:

Tst ! Kenne mich bei militärischen Sachen nicht aus (mir fällt dazu nur den Einsteinchen Spruch ;) ein) aber sicher ist es so wie du es empfindest.
 

Bruno1st

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AW: KEINE Fallmanager mehr

Mein Teamleiter heißt auch nicht mehr Teamleiter, sondern Standortleiter.

Ich weiß ja nich', ich bin Kriegsdienstverweigerer und möglicherweise deshalb etwas empfindsam, aber mich erinnert diese Umbenennung doch sehr an militärirsche Dienstgrade... :icon_psst:
damit kenne ich mich zwar auch nicht aus - sehe es abe rnicht als Bildungslücke. Ich habe deshalb der Einfachheit halber eingedeutsch :

Teamleiter = Gruppenführer

Die direkte Übersetzung Teamleiter = Gruppenleiter, paßte nicht, weil ein Leiter sich um die Mitglieder seiner Gruppe und auch deren Opfer kümmern muß. Da aber offensichtlich die Gruppe dem Anführer blind folgen muß, ergab sich nur Gruppenführer.

Standortleiter dürfte doch eher dem Geschäftsführer entsprechen.
 

Bruno1st

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AW: KEINE Fallmanager mehr

Mir hat vor ein paar Tagen jemand von der ARGE mitgeteilt, dass es keine Fallmanager mehr gibt!

Auf die Frage, wie sie jetzt genannt werden lautete die Antwort: Arbeitsvermittler/in

Schön wär's wenn sie wirklich das täten :icon_question:
msachen sie doch : Sklavenjobs - im Dutzend billiger; von Bezahlung ausreichend zum Leben ist ja nirgendwo die Rede - es geht nur um Arbeit,

Doch egal wie die heißen, meine Meinung bleibt : zui allem fähig, zu nichts zu gebrauchen.
 

Eagle

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Meiner Meinung nach sollte ein Sachbearbeiter ein persönlicher Ansprechpartner sein, der mir mit Rat und Tat zur Seite steht, der ein offenes Ohr für meine Probleme und Wünsche hat und gemeinsam mit mir eine Lösung finden sollte.

Die Praxis sieht aber ganz anders aus und hat sich in den letzten Jahren auch immer mehr dahin entwickelt, dass ein Sachbearbeiter nicht mehr mit dem Hilfesuchenden zusammenarbeitet, sondern durch List und Tücke alles versucht, ihm irgendwie Steine in den Weg zu legen und irgendwelche Dinge anlastet um eine Sanktion oder sogar den Wegfall von Sozialgeldern zu erwirken.
Sachbearbeiter und Hilfesuchender arbeiten nicht mehr miteinander sondern immer mehr gegeneinander. Es entwickeln sich quasi immer mehr Kleinkriege zwischen beiden Personengruppen.
ich möchte mal behaupten, dass aufgrund der menge die sachbarabeiter dieses gar nicht schaffen. es scheint wichtig zu sein die "kunden" zu vermitteln, um ruhe vor dem kunden zu haben. denn wenn der kunde vermittelt ist, so braucht der sb diesen nicht mehr einladen. ob die vermittlung nun in einen job oder in einer massnahme endet, scheint egal. hauptsache vermittelt.
und die kleinkriege werden abschliessend vor sozialgerichten entschieden, daher sind die wohl derzeit nicht arbeitslos :smile:
 
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