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Leseförderung a la Mißfelder

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rayuell

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#1
Derjenige, der um ein Veto zur Anhebung der Hartz4 Sätze für Kinder schreit, lädt zur Vorlesestunde des Buchs „Die Kinder aus Bullerbü“ von Astrid Lindgren. Mißfelder auf Kuschelkurs? Wohl kaum. Ein diplomatischer Zug, um seinen Ab – und Ansichten ein Alibi zu kreieren. Denn Zugang zu Kinderliteratur ist einer der wichtigsten Faktoren in der Lese- und Sprachförderung. Das wissen auch die Lehrer zu schätzen, die zur (ehrenamtlichen) Betreuung in den Leseecken die Eltern einladen. Eine Institution von (ehrenamtlichen) Lesepaten sollte ein Gegengewicht zum Nichtvorhandensein von Kinder- und Schulbibliotheken darstellen. Die sind nicht die einzigen Opfer der Einsparprogramme. Vom Urteilsvermögen des Herrn Mißfelder ausgehend gibt es in einem Hartz4-Haushalt nur Telefonbücher. (Und mehrere Ordner mit bis zu 40% fehlerfreien Bescheiden über ALGII).
Wenn man bei den 60% des Erwachsenen-Satzes für Kinder von Hartz-Empfänger bleibt und weiterhin mit Kindergelderhöhungen nur die Kinder wohlhabender Paare fördert, kann man auch bald die Lesestunden als Leistung ansehen, die die Kürzung der Transferleistungen berechtigt.[FONT=&quot][/FONT]
Die Bücher der schwedischen Autorin prägen ein Kind nachhaltig. Sie stellen eine unbeschwerte Kindheit dar. Ein Hauptproblem eines Kindes ist, etwas Ordnung in das innere Chaos seines Empfindens zu bringen, damit es sich selbst und seine Umwelt besser versteht. Wie alle großen Kunstwerke erfreuen die Astrid Lindgren Bücher und belehren zugleich. Sie erzählen von Freundschaft und Lernen, was nicht nur in der Schule stattfindet. Man muss zugleich die Kinder lieben und ein Kind geblieben sein, um solche wunderbaren Bücher zu schreiben. In dem Land, zu dessen kulturellem Erbe das Buch gehört, sieht auch Kinderbetreuung anders aus als dort, wo selbst das Wort Kind die schreckliche Abstufung durchgemacht hatte: vom „Geschenk des Himmels“ über „Armutsrisiko“ bis hin zur „Armutsgarantie“ – besonders für die Alleinerziehenden und Arbeitslosen[FONT=&quot].[/FONT] [FONT=&quot][/FONT]
Die Hartz4 Reform hat die Kinderarmut in Deutschland vervielfacht und befestigt. Während Wissenschaftler über die Definition von Armut diskutieren und gut situierte Politiker die Höhe des Satzes und die Armutsgrenze immer nach unten korrigieren, schaut fast niemand hin, welche immateriellen Schäden die kinderfeindliche Politik in den Seelen der Kinder hinterlässt. Jemand, der sein Selbstwertgefühl unter Hartz4 schon längst verloren hat, kann kaum starke und selbstbewusste Kinder erziehen. Die Kinder von Arbeitslosen sind immer Outsider in der von Konsum geprägten Welt. Sie werden wegen ihrer schlechten Kleidung von gleichaltrigen ausgelacht. Sie tragen ihre Hefte und Aldi-Stifte im abwrackprämienwürdigen Tornister. Ihre Fahrräder, wenn sie überhaupt welche besitzen, gehen ständig kaputt, weil sie alt und überholt, und nicht verkehrssicher sind. Die armen Kinder haben oft Über- oder Unterbiss und andere Fehlstellungen der Zähne, weil ihre Eltern zu arm sind, um die teure kieferorthopädische Behandlung zu bezahlen. [FONT=&quot][/FONT]
Die armen Kinder leiden sehr häufig unter Schulängsten und werden öfter krank. Ihre Eltern haben oft kein Auto und können nicht immer mehrere Geschwister pünktlich in verschiedene Schulen und Kindergärten bringen. [FONT=&quot][/FONT]
Ein Bild, das nicht nur Herr Mißfelder so gern über alle verfügbaren Medien einprägen will, nach dem die arbeitslosen Eltern vom Geld der Kinder gut leben wollen, ohne sich um die Grundbedürfnisse ihrer Schutzbefohlenen zu kümmern, sollte die Erklärung liefern, weshalb der Staat beide Hände nach den sogenannten Transferleistungen strecken will. Ein Dezernent wiederholt mit Vergnügen, dass die für Kinder gedachten Leistungen nicht dorthin ankommen, wo sie am meisten gebraucht werden. Kinder gehen leer aus. Mißfelders Satz hat mehrere Nebenwirkungen. Er hat gezeigt, wie die Gesellschaft gespalten ist. Dass die Medien und die Politik sich als Ziel gesetzt haben, ein bestimmtes Bild der Hartz4-Empfänger zu pflegen. Es ist eine Beruhigungstablette für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Arbeitnehmer, dass er in die Gemeinschaft der schlecht ausgebildeten, parasitenhaften Hartz4er einfach nicht passt. Die Medien haben die Gewohnheit, Arbeitslosigkeit als Charakterschwäche zu zeigen. [FONT=&quot][/FONT]
Wenn man sich die Entwicklung der Familienpolitik in den letzten Jahren genau ansieht, wird sofort auffallen, dass die Institution der Familie als Luxus der privilegierten Klassen vorgesehen ist. Die arbeitslosen und alleistehenden Eltern dürfen in Bedarfsgemeinschaften leben. Und ein Kind solcher Eltern ist nur ein „Minderjähriger Bedürftiger“. [FONT=&quot][/FONT]
(Eine Familie verbal zur Bedarfsgemeinschaft herabzuwürdigen ist als stecke eine Absicht dahinter. Familien haben ein Ministerium, aber von einem Bedarfsgemeinschaftenministerium hat man noch nie gehört).
Um 1840 auf einer 63 Quadratmeilen großen autonomen Insel Utopianna , südöstlich von Charleston, South Carolina, wurde aus Armen und Besitzlosen eine quasi kommunitaristische Gesellschaft gegründet. Die Führung des Landes versuchte ihre farbigen und weißen Bürger durch die schönen Künste und Gelehrsamkeit zu besseren Menschen zu erziehen und so wurde die Sprache zu einer nationalen Kunstform. 1870 erklärte die Insel ihre Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten. Ein Sohn des Landes, Nevin Nollops, verfasste ein Pangramm (eine Wortfolge, die alle Buchstaben des Alphabets enthält, Quatschbriefe, je mit Syntaxspagat und viel Wortzirkus). Ihm zu Ehren wurde 1904 Utopianna in Nollop geändert. [FONT=&quot][/FONT]
In einem Briefroman von Mark Dunn kann ein Leser eine scheinbar unglaubwürdige Geschichte verfolgen: Als eines Sommertages der Buchstabe „Z“ von seinem Sockel fällt, sieht der Hohe Inselrat darin ein Zeichen und stellt die weitere Verwendung des Buchstabens unter Todesstrafe. Bevor die Inselbewohner, für die das Nollops Pangramm Grundlage ihrer Gemeinschaft und ihrer Bildung darstellt, sich vom ersten Schock erholt haben, lösen sich weitere Buchstaben, deren Verwendung ebenfalls verboten wird. Das frühere Paradies verwandelt sich in eine diktatorische Hölle. Diese Parabel visualisiert, wie eine Sprache, die der Kommunikation dient, durch Anwendung von Lipogrammen (Wortfolgen, in denen mindestens ein Buchstabe fehlt) innerhalb kürzester Zeit nicht mehr fähig ist, Gedanken zu tragen. Jedes gesprochene Wort wird für Nollopianer von Tag zu Tag gefährlicher, jeder Brief kann tödlich sein. Ein Informations- und Gedankenaustausch hört praktisch auf zu existieren. [FONT=&quot][/FONT]
Die Gesetzgebung unter und über Hartz4 mit regelmäßiger Sanktionsverschärfung realisiert die Geschichte über Nollops Vermächtnis in unserer Gegenwart. Es ist die Systematik, mit jeder neuen Regelung, die noch nicht in vollem Umfang verwirklicht ist, schon eine noch schlimmere in Kraft zu setzen. Erst verneint man öffentlich, dass in Deutschland Kinderarmut überhaupt existiert, dann findet man sich damit ohne Weiteres ab. Man schließt soziale Einrichtungen und entlässt die Schulpädagogen. Von diesen Maßnahmen sind nicht nur arme Kinder betroffen. Man erhöht das Kindergeld für die wohlhabenden Paare, und definiert das auch noch als Offensive gegen die Kinderarmut. Und jetzt entzieht man sich der Verantwortung indem man eine (noch) Minderheit der arbeitslosen Eltern als trinkende und rauchende Ungeheuer darstellt, die dem Kind sogar das Essen stehlen. Weitere Entmündigung soll daraufhin „im Namen“ oder „zum Wohle der Kinder“ stattfinden – eine Vergabe von Gutscheinen und Sachleistungen, ein neues Futter für die kolossale Bürokratie, eine neue Art, die Kinder und Eltern zu demütigen und zu entwürdigen. Man soll sich nur diese Ungeheuerlichkeit in der Praxis vorstellen – für ein Kind und dessen Eltern, die in Not sind, das Zukommen von Hilfe davon abhängig zu machen, dass sie sich zu diesen absurden Vorwürfen bekennen und eigenhändig das (Vor)Urteil zu untermauern. Eine gegen die Menschenwürde gerichtete Aktion. Man versucht, einen Keil zwischen die Eltern und ihre Kinder zu schieben und die Familie zu spalten. Man will eine Stigmatisierung der Kinder erreichen, die besonders empfindlich sind, weil schon sowieso mit Vorurteilen kämpfen müssen und täglich von ihren Gleichaltrigen ausgelacht und gemobbt werden. [FONT=&quot][/FONT]
Für ein Kind kann ein Buch Freund und Trostspender sein. Neben der bildenden hat es noch eine sehr wichtige Rolle – durch Identifizierung mit Bücherhelden kann ein Kind viele unbekannte Situationen schon alleine deshalb bewältigen, weil es durch das Lesen ein Urteilsvermögen entwickelt und schnell und mühelos die Zusammenhänge und Parallelen erkennt. Gerade heute, angesichts der Koma-Saufen und Drogenexzessen, steigernden Jugendkriminalität, die Kinderpsychologen und Pädagogen schlagen Alarm. Perspektivlosigkeit und die fehlenden Vorbilder können nicht alleine durch Leseförderung beseitigt werden, aber schon ein Märchen „nimmt diese existentiellen Ängste sehr ernst und spricht sie unmittelbar aus: das Bedürfnis, geliebt zu werden, und die Furcht, als nutzlos zu gelten; die Liebe zum Leben und die Furcht vor dem Tode (…) Heute wachsen die Kinder nicht mehr in der Sicherheit einer Großfamilie oder in einer festgefügten Gemeinschaft auf. Deshalb ist es heute noch wichtiger als zu der Zeit, da die Märchen entstanden, das Kind mit Helden zu konfrontieren die ganz allein in die Welt hinausziehen müssen und die, obwohl sie ursprünglich nichts von den letzten Dingen wissen, einen sicheren Platz in der Welt finden, wenn sie mit tieferen Vertrauen ihren Weg gehen“. (Bruno Bettelheim, „Kinder brauchen Märchen“)[FONT=&quot].[/FONT] Eine in Öffentlichkeit stehende Person spricht ein Kind nicht an und kann wegen seiner Funktion nicht automatisch als Held angesehen werden. Seine wichtige Vorbildrolle wird niemand mit einer Ladung der Leeren Phrasen erfüllen. Kein Erwachsener Mensch kann so schnell einen Schwindler erkennen, als ein Kind das intuitiv tut. („Es könnte sich nur ein eingebildeter Heuchler mit der hässlichen Ameise (aus der „Ameise und der Heuschrecke“)und nur ein geistig krankes Kind mit dem Wolf identifizieren“, (Bruno Bettelheim, ibidem). Indem ein Politiker und Wirtschaftsbosse nach dem anderem in einer nie enden wollender Reihe seine wahre Gesichter zeigen, ein moralisches Kompass eines Erwachsenen hört langsam auf, zu funktionieren. Ein Kind ist durchaus in der Lage, einen Wolf in dem Schafsfell zu enttarnen.
Der Satz für ein Kind sieht die Ausgaben für die klassische Literatur nicht vor. Die Politik, eher geneigt, auf Einsparkurs die Kinderbibliotheken zu schließen, hat keine Ahnung was eine Schulbibliothek leisten könnte. Mit geeignetem qualifiziertem Personal findet man zu einem Kind durch den Gesprächsstoff, was ermöglicht, eigene Erfahrungen zu offenbaren und Probleme zu bewältigen. Es ist selten der Fall, dass mit Lehrern darüber gesprochen wird. Die Lehrer sind nicht immer bereit, zuzuhören oder stehen unter Zeitdruck. Die Lehrer sind autoritäre Personen, die mit Notenvergaben in Verbindung stehen. Das Schulsystem sieht Förderung als ein abstraktes Ziel, und ist unter Leistungsdruck nicht in der Lage, die Begabungen der einzelnen Schüler zu erkennen. Jede Abweichung wird als „Verhaltensstörung“ empfangen und zur Psychologischen Beratungsstelle weiter geschickt, was das Selbstwertgefühl der Schüler noch weiter herabsetzt. Die Lehrer selbst gehen oft unsensibel mit dem Thema Armut um. Ein Kind, das sich sehr auf den Schwimmunterricht freut, doch aus finanziellen Gründen keinen Schwimmverein besuchen kann, wird schlecht benotet[FONT=&quot],[/FONT] eingeschüchtert und demotiviert, weil es noch Nichtschwimmer ist. In den Ganztagsschulen gibt es keine Möglichkeit der freien Zeitgestaltung. Keine Möglichkeit, eigenen Interessen nachzugehen, sich als eine Persönlichkeit zu entfalten. Dennoch wird die Teilnahme an Freizeitaktivitäten über Vereine nur für die Kinder vermögender Eltern reserviert. Die Politik scheut nicht einmal davor zurück, die erzieherischen Qualitäten der Eltern[FONT=&quot],[/FONT] die nie durch Fremdpersonen ersetzt werden können, in Frage zu stellen und die Ganztagschulen als Lösung des Problems sieht – aber jedes Kind ist anders und braucht stärker denn je eine Familie, in der es (Schul-)Ängste abbaut. Die Einschränkung der Zeit mit Eltern und Geschwistern, welche ein Kind dringend braucht um stark zu werden und auch durch Konflikte seine Persönlichkeit zu entwickeln, stellt ein neues Problem dar – in der von der Betreuung geleiteten Gruppe verlernt es oft, seine Freizeit selbst zu gestalten und seinen eigenen Interessen nachzugehen. [FONT=&quot][/FONT]
In dem in letzter Zeit so oft in verschiedenen Konstellationen zitierten Satz von Mißfelder steckt ein Fehler, der die ambivalenten Reaktionen erklärt. Die These, dass Alkoholismus und Tabakkonsums ein für Hartz4-Empfänger spezifisches Problem sie, ist absurd. Man solle das unterschwellig so verstehen, dass die Kinderarmut in Deutschland ist von der Arbeitslosen selbst verursacht. Mißfelder, wie viele von seinen Politiker-Kollegen[FONT=&quot],[/FONT] versucht damit eine Politik zu legitimieren, die den Kindern verschiedene Transferleistungen längst weg nimmt (Unterhaltsgeld, Halbweisengeld, Weihnachtsgeld wenn die Eltern arbeiten und ALGII Leistungen als Aufstockung beziehen, ja sogar Kommuniongeld von Verwandten wird voll als Einkommen angerechnet), sodass zum Schluss ein Kind einen verfassungswidrigen Satz bekommt, der auf gar keinen Fall seinen reellen Bedarf decken kann. Das Einsparprogramm unter dem Titel „Hartz4“ ist unabhängig vom Verhalten der Eltern eine Konjunkturspritze für asiatische Produkte aus 1-Euro-Läden. Ein Programm, das Recycling zwar begünstigt, weil die Armen den Wohlstandsmüll bis zum geht nicht mehr wieder verwerten. Andererseits die Hartz4-Haushalte mit verschobenen Unterdeckung - die Folgen der ersatzlos gestrichener Sonderleistungen – sind alles anderes als klimafreundlich: die veralteten Geräte, und damit meine ich z.B. die Strom-, Wasser- und Sockenfressenden Waschmaschinen, können nicht durch neue Inlandprodukte ersetzt werden und so kein Aufschwung hierzulande schaffen[FONT=&quot].[/FONT] [FONT=&quot][/FONT]
Es kommt aber nicht darauf, den Kindern aus armen Verhältnissen mehr zu geben, sondern ihnen weniger zu stehlen. [FONT=&quot][/FONT]
Eine Pflichtlektüre für Herr Mißfelder und solche, die Alkoholismus als Charakterschwäche darstellen wollen, für die Kinderarmut in Deutschland verantwortlich machen und mit einem Zug den von der Krankheit betroffenen Kinder aus gut situierten Familien absprechen[FONT=&quot],[/FONT] sollte „Die Asche meiner Mutter“ von Frank McCourt sein. Das sind ein erschütterndes Dokument einer verlorenen Kindheit und zugleich eine lebensnahe Beschreibung der Symptomatik der Alkoholkrankheit, von der eine ganze Familie betroffen ist. Die Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit, Armut, Existenzängste, soziale Unreife, Unmäßigkeit, Gruppenzwang, Stress, schicksalhafte Begegnungen, Familientragödie, Beziehungsprobleme, Tod – das sind einige wenige Beispiele, wie dazu kommen kann, dass die Menschen Trost in Alkohol suchen und mitsamt seiner Angehörigen sich plötzlich in einer Spirale ganz nach unten finden. Sogar ein Mißfelder könnte danach begreifen, dass keinem einzigen Kind ein Lebensmittelgutschein als ernst gemeinte Hilfe angeboten werden kann. Man sollte präventiv Aufklären, so gut es geht die Ursachen bekämpfen. Wenn man ein Problem erkennt, wie das der Herr Mißfelder in seiner verbalen Attacke tut, soll er alles in Bewegung setzen, um es praxisnahe und wirksam zu bekämpfen. Es mit Gutscheinen zu regeln ist nicht realistisch. Es beweist einfach nur eine schreckliche Ignoranz. Wenn ein Arzt Einem Rentner eine Hüftoperation abgelehnt hätte, weil früher man auch an den Krücken ging (und Hartz4 ist auch nicht Erfinder der Alkoholkrankheit), wäre es gleich zu stellen mit unterlassener Hilfeleistung. Die Politik setzt sich für die große Autokonzerne und Banken so bereitwillig ein, während die Zahlen der Kinderarmut ständig mit wachsender steigern. Das ist auch eine unterlassene Hilfeleistung gegenüber der Schutzbefohlenen. [FONT=&quot][/FONT]
„Die Kinder aus Bullerbü“ ist eine Geschichte von Kindheit, die in von Hartz4 geprägter Realität nicht mehr möglich ist. Ein in künstlicher Isolierung der Armut wachsendes Kind kann vieles in Buch nicht nachvollziehen; eine Unbeschwertheit bleibt nur ein Wunsch, dass nicht erfüllt bleiben kann, so lange sich die Umstände, auf die es – und auch seine Eltern - kein Einfluss hat, nicht grundlegend ändern. Es kann auch kein so sensibles wie die Kindheit selbst Thema so unsensibel behandelt werden. Kinder brauchen Bücher, weil die Kinder manchmal sogar intensiver als Erwachsene nach Sinn suchen. Vielleicht ist der Kreuzzug gegen der Kindheit, dass schon länger betreiben wird – mit z.B. Minderung der Bildungschancen und Verschleierung der Fakten der Kinderarmut oder immer größer werdende Kluft zwischen Reich und Arm – deswegen für die Politik so wichtig, weil man das in Wahlkampagnen so einfach, so kinderleicht instrumentalisieren kann. Wer systematisch gegen die Kinder vorgeht und treibt kinderfeindliche Kampagnen, braucht nicht zu fürchten, dass in der Menge eine Kinderstimme ruft „Der Kaiser ist nackt!“ Sogar Kinderschutzbund und Junge Union interpretiert die „auf der Punkt gebrachten“ Motive der Politiker als empfehlenswert. Ja, und kollektiver Irrtum ist leichter zu tragen.
Ich als Mutter finde es pervers, wenn Kinder von solchen „Lesepaten“ in die Welt der Literatur eingeführt werden sollten. Politiker schieben am dringendsten notwendige Lösungen auf eine lange Bank, während jeden Tag, der unsere Kinder dem Wahnsinn der Hartz4 schutzlos ausgeliefert werden, ist für die Kindheit unwiderruflich verloren. Die Herren in grauen Anzügen scheinen nicht zu wissen, dass ein Jahr im Leben eines Kindes, das sich so vielfältig entwickelt, nie und niemals mit einem Jahr im Leben eines Erwachsenen vergleichen lässt. Die traumatischen Auswirkungen lassen nicht lange auf sich warten. Die Verarbeitung kann über Generationen dauern. Ein Buch über unbeschwerte Kindheit dem Kinder vorzulesen, denen das Kindheit gestohlen worden ist? Herr Mißfelder hat sich im Bücherregal vergriffen – die Geschichte, die er am glaubwürdigsten vorzutragen hätte, wäre das Märchen „Der Rattenfänger von Hameln“, und zwar nicht in der Leserkreis der Kinder, sondern bei seinem Parteigenossen, erschöpft von der nächsten Frühshoppen. [FONT=&quot][/FONT]
Die Märchen schrieb mal einst, um die Wahrheit unters Volk zu bringen. Die moderne Märchen, die unserer Gegenwart entsprungen, könnten statt „und wenn sie nicht gestorben sind, …“ so enden: „Vorsicht – hinter jede Hecke kann ein Mißfelder lauern“[FONT=&quot].[/FONT]
[FONT=&quot] [/FONT]
[FONT=&quot][/FONT]
 

Jesaja

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#2
Sehr schön geschrieben, haste das auch mal an Mistfelder und Konsorten geschickt ?
 

rayuell

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#3
hi Jesaja :) meinst Du, sollte ich? Wenn mir die Kids die Fehler korrigieren, such' ich die Adressen ;)
 

Jesaja

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#4
hi Jesaja :) meinst Du, sollte ich? Wenn mir die Kids die Fehler korrigieren, such' ich die Adressen ;)
Wieso nicht ? Viel hilft viel, sagt man ja. Spannend wäre es auch, das Ganze nochmal an den würdigen Deutsche Kinderhilfe e.V. zu senden.
 

Arania

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#5
Ich habe überhaupt nichts gegen Lesepaten, das hat auch nichts mit Hartz IV zu tun, es gibt auch genügend Kinder deren Eltern wohlhabend sind und ihnen trotzdem nichts vorlesen

Ich würde mir wünschen das es mehr Vorleseaktionen geben würde, wir versuchen das ganze gerade in unserer Stadt zu etablieren, damit Kinder mal wieder Bücher kennenlernen
 

rayuell

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#6
Das ist richtig, aber ein paar Lesepaten können nicht alleine Schul- und Kinderbibliotheken, ja sogar die Bücher auf Räder ersetzen! Aber recht hast Du - besser die Lesepatenaktionen als gar nichts. LG :)
 

Arania

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#7
Natürlich sollen sie das nicht ersetzen, aber ergänzen, das geht doch
Zumal das Angebot auch immer gut angenommen wird, die Kinder oder Jugendlichen erleben das gemeinsam auch ganz anders, als einsam zuhause mit dem Buch:icon_smile:

Und es können Bücher vorgelesen werden für die mancher halt kein Geld hat um sie sich zu kaufen und die es nicht zu leihen gibt
 

Jesaja

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#8
Nur mal so am Rande :
Ich kann mich erinnern in einem aktuelleren Vorwort zu einer Ausgabe der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen mal ein Zitat aus einem Vorwort zum gleichen Buch aus dem 19. Jh. gelesen zu haben, dass dort empfohlen wurde, Kindern aus armen Verhältnissen lieber keine Märchen vorzulesen, da das die Phantasie der Kinder nur mit Träumen von Glanz, Schönheit, Pracht und Reichtum anreichern würde und all das für die Kinder in ihrem Leben sowieso nicht erreichbar wäre. Das moderne Vorwort hat natürlich diese Aussage kritisch kommentiert.
Ich glaube anders herum kann das aber genauso in die Irre leitend sein, wenn gerade Kinder aus armen oder sozial isolierten Familien durch manche Sendeformate zu größenwahnsinnigen Wunschträumen wie dem Ruhm als Popstar, Model und ähnlich Langweiliges animiert werden.
Anstatt dass sie schauen, wie man die Welt ein klein bißchen gerechter gestalten kann, werden die Kinder hier nur mit billigen Träumen abgefüttert.
 

Arania

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#9
Es geht ja nicht um Märchen, es geht um alles was es in der Literatur gibt
 

Jesaja

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#10
Es geht ja nicht um Märchen, es geht um alles was es in der Literatur gibt
Das habe ich schon verstanden, habe auch nur ne Randnotiz gemacht dazu, was mir weitläufig zu dem Thema eingefallen ist.
 

rayuell

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#11
Mir gefällt die Idee der Lesepaten, wenn die Lektüre altersgemäß gut gewählt ist. Aber "Die Kinder aus Bullerbü" ist ab 6-7 Jahren eigentlich besser für Schulkinder geeignet. Und bitte nicht vergessen, dass es darin um eine Welt geht, indem die Kinder ihre Freiheit voll ausleben dürfen. Es gibt kaum Konfliktsituationen und die Erwachsenen lassen sich nicht blicken. Ein Vorschulkind kann sich so eine Situation erst gar nicht vorstellen, es kann ihm sogar Angst einjagen.
Mit der Einstellung "egal was, hauptsache Lesen" kann man bei einem Kind manchmal mehr Schäden einrichten, als Gutes bewirken. Und ungeeignete Bücher lehnen die Kinder ab, weil es motiviert niemandem, wenn es wenig bringt. Ein Kind muß selbst zu Schlüssen kommen. So reift es.

Deshalb erster Kontakt mit Literatur sollen die klassische Märchen sein, und moderne Geschichten - aus entwicklungspsychologischen Gründen - eher eine Ergänzung.
Man soll auch dem Kinder keine vorgekaute Kost (gekürzte, gemilderte und/oder zu intensiv und bunt illustrierte Ausgaben) servieren, weil die Fantasie und persönliche Bedeutung geht oft daran verloren.
Ob die Kommentatoren der moderner Ausgabe der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen mit moderner Form der Armut konfrontiert waren? Aber ich glaube nicht, dass die Märchen der armen Kinder vorenthalten werden sollen. Im Gegenteil - wenn Hänsel und Gretel im Wald ausgesetzt werden, doch eine böse Hexe überlisten und zum Schluß finden sie nach Hause, dann gibt das einem Kind die Hoffnung, dass es braucht. Das kann ein Kind viel besser und schneller begreifen, als viele moderne Geschichten, die das Thema zwar direkter ansprechen können, aber die Fantasie nicht genug anregen können, und zugleich so unmittelbar sind, dass ein Kind sich vorstellen kann, dass durch eigenes Werden eine böse Hexe besiegen kann.

Die Vorlesestunden mit Lesepaten sind nur bedingt gut. Wenn ein Kind keine Gelegenheit hat, über das Gelesene nachzudenken, der Eindruck löscht schnell aus. Kinder wollen oft ein Märchen wiederholt hören und nacherleben - das bekommen sie von der Paten nicht. Meine Tochter mochte in bestimmten Alter ihre Lieblingsmärchen so oft vorgelesen haben, dass sie mir manchmal ganze Passagen vorgesagt hatte, in exakten Wortlauf. Und ein Buch soll für einem Kind ein sehr begeehrtes Geschenk sein, und ein Kind soll sich selbst ein Buch aussuchen dürfen. Es gibt Bücher, die mit einem Kind "wachsen", weil eine Geschichte kann viele Dinge liefern, die je nach Alter und Situation unterschiedliche Wirkung haben.

Eine pauschal-Vorlesung und ein Gutschein für pauschal-Bedarf fördert nicht individuelle Entwickung der Persönlichkeit eines Kindes.

"Ich glaube anders herum kann das aber genauso in die Irre leitend sein, wenn gerade Kinder aus armen oder sozial isolierten Familien durch manche Sendeformate zu größenwahnsinnigen Wunschträumen wie dem Ruhm als Popstar, Model und ähnlich Langweiliges animiert werden.
Anstatt dass sie schauen, wie man die Welt ein klein bißchen gerechter gestalten kann, werden die Kinder hier nur mit billigen Träumen abgefüttert.
"

:icon_klatsch:

Die Tatsache, dass Bohlen zwei Hartz4-Empfänger aus der Not geholfen hat, läßt viele Teeneger hoffen ;)
 

Jesaja

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#12
Hab mich da wohl ein bißchen verquast ausgedrückt.
Die moderne Kommentatorin hat aus einem Vorwort zu den Grimmschen Märchen aus dem 19 Jahrhundert zitiert, und die Forderung, armen Kindern keine Märchen vorzulesen, als abschreckend und ungerecht präsentiert und kommentiert.
Ich glaube übrigens, dass Märchen auch für Kinder deswegen interessant sein können, weil sie eine erste Auseinandersetzung mit dem "Bösen" ermöglichen und sie ihnen das Bewusstsein dafür vermitteln, dass es da draußen halt schlechte Menschen gibt. Für mich war es schon immer schlimmer, wenn von Anderen die Existenz von Schlechtem oder schlechten Menschen verleugnet wird als die Existenz von Bösartigkeit an sich.
Ich hoffe, ich mache hier Sinn.

P.S. : Die Begriffe Gut und Schlecht verwende ich nur in Ermangelung differenzierter Ausdrucksweisen. Kein Mensch ist (nur) gut oder schlecht.
 
E

ExitUser

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#13
Ich glaube übrigens, dass Märchen auch für Kinder deswegen interessant sein können, weil sie eine erste Auseinandersetzung mit dem "Bösen" ermöglichen und sie ihnen das Bewusstsein dafür vermitteln, dass es da draußen halt schlechte Menschen gibt.
Genau so seh ich das auch.
Denn oft genug wird doch die Gutgläubigkeit von Kindern ausgenutzt. Da ist es wichtig ihnen nahe zu bringen, dass nicht jeder, der nett schaut, auch nett ist... ohne den Kindern Angst zu machen.
 
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