Langer und komplizierter Fall: Umzug, ALG, Unvorhergesehenes... (1 Betrachter)

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tinyblack

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Hallo,

ich arbeite als Schulbegleiterin. Ich arbeite bei einem Träger und bin für genau ein bestimmtes Kind angestellt. Finanziert wird dem Träger das vom Jugendamt. Quasi wie Leiharbeit, Jugendamt zahlt den Löwenanteil, Träger zahlt mein (nicht schlechtes!) Gehalt.

Ich erzähle euch mal zur Erklärung, wie mein Plan ursprünglich war, und später, wie es nun gekommen ist, ansonsten ist es sehr schwer zu verstehen.
Also, ich arbeite als Schulbegleiterin. Mein Vertrag läuft immer auf ein Schuljahr, von September bis August, und wird nach Bedarf verlängert. Der Bedarf wäre bei "meinem" Kind aber für min. 3-4 Jahre da gewesen. Ich werde nach geleisteten Stunden bezahlt, aber ich bekomme nicht alles ausbezahlt. Weil ich durch die Schulferien 12,5 Wochen Urlaub habe, geht ein Teil meines Gehalts auf ein Stundenkonto, damit ich in den Ferien durchbezahlt werden kann.

Der Plan war: Ich lasse meinen Vertrag Ende August auslaufen (in Absprache mit dem Träger und Jugendamt) und ziehe um in eine andere Stadt zu meinem Verlobten. Meine Stelle wäre durch jemand anderen besetzt worden. Alles schön und gut, ich wäre in den Sommerferien bis Ende August durchbezahlt worden (habe ich mir ja vorab erarbeitet), wäre im August umgezogen, hätte in der neuen Stadt für 1-2 Monate ALG1 beantragt und dort zugesehen, wie es beruflich weitergeht. Mein zukünftiger Ehemann verdient genug für 2, ich hätte mir also selbst ohne ALG in aller Ruhe überlegen können, was ich weiter mache, ob Schulbegleitung, Studium, selbstständig... Ich wäre jedenfalls finanziell bis Ende August durch meine Arbeit abgesichert gewesen.

Nun ist aber letzte Woche von einem Tag auf den anderen plötzlich "mein" Kind in eine Klinik eingewiesen worden - sprich, mein Job war von jetzt auf gleich obsolet. Für Jugendamt und Träger war es ebenso eine Überraschung wie für mich.
Der Träger hat mich auf Anweisung des JA noch 2 Tage in die Schule geschickt, dort habe ich mich einfach um andere Kinder gekümmert, aber da ich eben nur für DIESES Kind angestellt bin, kann mein Träger das auch nicht dauerhaft bezahlen, also musste diese Woche eine Lösung her. Ein anderes Kind ist gerade nicht verfügbar. So kurz (knapp 2 Monate) vor den Sommerferien stellen auch keine Eltern mehr einen Antrag auf eine Schulbegleitung für ihr Kind - denn bis der durch ist, ist schon nächstes Schuljahr.
Es gibt eine Klausel in meinem Arbeitsvertrag, die besagt, dass der Wegfall des Unterstützungsbedarfs des Kindes zu einer Vertragsaufhebung führen kann. Soweit alles gut. Das ist ja nun passiert.

Ich bin gestern dann beim AA gewesen und habe ihnen die Situation geschildert und gefragt, ob eine Vertragsaufhebung Konsequenzen für mich haben kann, und man sagte ja, 3 Monate Sperre. Trotz ausführlicher Erläuterung der Situation beharrte man darauf, dass mein Arbeitgeber (der Träger) mir einen vergleichbaren Arbeitsplatz bereitzustellen habe. Aber WIE ohne entsprechendes, hilfsbedüftiges Kind? Und wie ohne bestehenden Antrag? Es ist also unmöglich. Mein Träger stellt nur auf Antrag Leute ein. Eine "vergleichbare Stelle" ist also nicht machbar. Ich kann mich nicht einfach in die Schule setzen und so tun, als ob ich arbeite, wenn kein "Kunde" (=hilfebedürftiges Kind) vorhanden ist.
Man beharrte beim AA dennoch darauf, dass die Unterzeichnung einer Vertragsaufhebung, egal unter welchen Umständen, 3 Monate ALG-Sperre für mich mit sich bringen würde. Null Verständnis für meine spezielle Situation. Also sollte ich mich kündigen lassen. Das habe ich dann schweren Herzens getan.

Nun ist die Situation folgende: Ich bin nun notgedrungen zum Ende des Monats gekündigt, damit ich keine Sperre und mein Arbeitgeber keine Probleme bekommt, aber da ich nach geleisteten Stunden bezahlt werde, bekomme ich 0 Stunden für den Mai bezahlt. Von meinen Überstunden und dem "Vorarbeiten" für die Ferien ergibt sich am 01.06. eine Auszahlung von ca. 600€. Die erste ALG1-Zahlung steht Anfang Juli an.
Von 600€ kann kein Mensch leben, das ist klar. Schon die Miete kostet 500€ und ich habe noch ein Kind.


Nun tun sich diverse Probleme auf:

1. Ich möchte AUF KEINEN FALL zum Jobcenter zum Aufstocken. Ich möchte mit dem Verein nach Jahren schlechter Erfahrung absolut gar nichts mehr zu tun haben, außerdem würden die mir wieder Kindergeld + Unterhalt als Einkommen anrechnen. Kommt überhaupt nicht in Frage. Das brauchen wir zum Leben.

2. Wohngeld beantragen - ok, kann ich machen, wird nicht viel sein, aber ein wenig. Kann ich bei 600€ netto Kinderzuschuss beantragen, oder ist das dafür zu wenig? Zudem wird mein Sohn Ende des Monats 18. Gilt da ein Kinderzuschuss überhaupt noch? Ich bin ja "offiziell" noch bis Ende Mai beschäftigt, obwohl ich de facto nichts zu tun habe.

3. Ich habe den geplanten Umzug im August beim Arbeitsamt nicht erwähnt, aus Angst, dass sie mir dann kein ALG zahlen, weil mich eh keiner mehr für 2-3 Monate nimmt (Ich bin halt Jobcenter-geschädigt). Was vermutlich auch der Fall sein wird... Aber...

4. ... die kamen mir direkt mit Umschulung, Fortbildungsmaßnahmen usw., da es ja als Schulbegleiter schwer ist, direkt wieder was zu finden vorm nächsten Schuljahr. Was auch alles Sinn macht, aber nicht, wenn man im Hinterkopf hat, dass man eh im August wegziehen will...

5. hat man mir beim AA erstmal nahegelegt, mich krankschreiben zu lassen, wenn ich mich "mit der Situation nicht wohl fühle" - klar, dann müssen die nix zahlen, und ich darf mich mit der Krankenkasse rumärgern oder mir einen Burnout ausdenken oder sowas...

Ok, die ersten Fragen stehen ja schon oben, Kinderzuschuss usw., aber die wichtigste ist eben, wann und wie eröffne ich nun dem AA, dass ich im August umziehen will?
Und wenn ich das tue, habe ich dann trotzdem Anrecht auf ALG1, auch wenn absehbar ist, dass ich in der Zwischenzeit vermutlich keine neue Anstellung finde?
Man merkt vielleicht, dass ich ALG2-geschädigt bin, denn da hätten sie mir sämtliche Leistungen gestrichen, wenn ich "aus Liebe" umgezogen wäre und nicht wegen eines unterschriebenen Arbeitsvertrags...

Oder soll ich mich tatsächlich krankschreiben lassen, bis der Umzug über die Bühne ist und Krankengeld kassieren? Würde ich mich auch schlecht mit fühlen...

Ich weiß, ich habe vermutlich Mist gebaut, dass ich von dem geplanten Umzug nichts erzählt habe, aber darum schreibe ich ja auch hier. Ich weiß einfach nicht mehr weiter und habe tausend Fragen (siehe oben). Vielleicht kann mir ja jemand etwas Klarheit in die verzwickte Situation bringen. Für Rückfragen bin ich jederzeit verfügbar. Danke schön.
 
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Katzenfan

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Hallo tinyblack,

ich antworte mal auf die "Umzugsfrage":
aber die wichtigste ist eben, wann und wie eröffne ich nun dem AA, dass ich im August umziehen will?
Du kannst ohne Wenn und Aber umziehen (bist ja z. Zt. kein ALG2-Bezieher), zumal ein Umzug ja nicht ursächlich für Deine Arbeitslosigkeit ist. Du kannst der AfA Deine Umzugspläne also ohne irgendwelche Befürchtungen mitteilen.

Liegt der neue Wohnort im Zuständigkeitsbereich einer anderen AfA, muss die jetzt zuständige AfA Dich unverzüglich darüber informieren, dass Dir Leistungen erst ab dem Zeitpunkt Deiner persönlichen Meldung bei der für den neuen Wohnort zuständigen AfA gewährt werden können.

Wenn Du unnötigen Komplikationen aus dem Weg gehen möchtest, teilst Du der noch zuständigen AfA unaufgefordert, spätestens eine Woche vor dem Umzug Deine neue Anschrift mit.

Hat sich zu Deiner geschilderten Situation inzwischen irgendetwas (anderes) ergeben?
 

Agent

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Hallo tinyblack,

teile deinen geplanten Umzug einfach zeitnah schriftlich mit, sobald der konkrete Umzugstermin und die Adresse feststehen.

Du kannst der Vermittlung doch trotzdem zur Verfügung stehen. Nur solltest du dich dann bereits auf Stellen am neuen Wohnort bewerben. Im Idealfall kannst du dann mit dem Umzug auch gleich einen neuen Job anfangen.

Beim Kinderzuschuss bin ich leider raus - da habe ich überhaupt keine Ahnung von...

Krankschreiben lassen solltest du dich dann, wenn du tatsächlich krank bis. Ist das nicht der Fall, dann ist das mMn Blödsinn.

Umschulungen oder Fortbildungen würden doch auch mindestens bis August dauern. Was genau hat man dir denn diesbezüglich vorgeschlagen? Ich denke, wenn du deine Umzugspläne mitteilst, wird es sich sowieso von selber erledigen.

Viele Grüße
Agent
 
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