Kreis und Hartz-IV-Behörde vermitteln Therapien für Langzeitarbeitslose

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BAD BELZIG - Ein frühes Gläschen zum Mutantrinken, einen Joint am Morgen zum Lockerwerden und dann ab zur Arbeitsagentur: Immer häufiger sitzen den Job-Vermittlern benebelte Antragsteller gegenüber. Viele von ihnen leiden an psychischen Erkrankungen, haben ein Alkohol- oder Drogenproblem und sind kaum fit für eine neue Stelle. Depressionen, Antrieblosigkeit und Bummelei sind dann oft die Folge.

„Wir haben seit 2009 sehr viele schwere Fälle bekommen“, berichtet Christine Leicht. Sie ist Leiterin der vier ambulanten Beratungsstellen der Salus-Kliniken GmbH im Landkreis Potsdam-Mittelmark. „Und es werden immer mehr.“

Während Alkohol bei Erwachsenen die Droge Nummer eins sei, nehme bei Jugendlichen vor allem der Konsum von Cannabis rasant zu. „Vor allem im ländlichen Raum ist das der Fall“, sagt die Psychologin.
Um den Teufelskreis aus Abhängigkeit, psychischen Erkrankungen und langer Arbeitslosigkeit zu durchbrechen, betreibt die Kreisverwaltung gemeinsam mit der Mittelmärkischen Agentur für Integration in Arbeit (Maia) und den Salus-Ambulanzen als Träger ein Pilotprojekt. „Es gibt eine direkte Verbindung von Arbeitslosigkeit und Suchtproblematiken“, erläutert Gertrud E. Meißner, Leiterin des Fachdienstes Soziales und Gesundheit im Bad Belziger Landratsamt. Sie hat zudem einen Vormarsch der seelischen Defekte ausgemacht. „Die psychischen Erkrankungen nehmen nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern und Jugendlichen zu“, berichtet Meißner. Laut Maia-Sprecher Kai-Uwe Schwinzert schickte die Hartz-IV-Behörde voriges Jahr 157 Menschen zum Psychotherapeuten und 159 Hilfeempfängern wurde die Suchtberatung empfohlen. „Wir bewerten diese Angebote als sehr positiv für unsere Kunden“, sagte der Maia-Mitarbeiter. Es würden keine Sanktionen ausgeübt, versicherte er. „Sonst geht bei vielen gar nichts mehr.“ Deshalb würden auch die Berater entsprechend geschult. „Es muss gelingen, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen“, erklärt Kai-Uwe Schwinzert. „Für die Mitarbeiter vom Kreis und der Maia gibt es Schulungen, um sie zu sensibilisieren und für den Umgang mit Betroffenen zu stärken“, erklärt auch Gertrud E. Meißner.
Ohne Rausch zum neuen Job - Kreis und Hartz-IV-Behörde vermitteln Therapien für Langzeitarbeitslose*-*Märkische Allgemeine - Nachrichten für das Land Brandenburg

an den Symptomen herumdoktern nennt man das, während Politik, Medien und andere weiter machen.

Falscher Ansatz.
 

ladydi12

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Hallo sancho,

zum Teil gebe ich dir recht. Allerdings können bzw. sollten solche Maßnahmen parallel zur Vermittlung in eine reguläre Arbeitsstelle laufen.

meint ladydi12

 
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Hallo sancho,

zum Teil gebe ich dir recht. Allerdings können bzw. sollten solche Maßnahmen parallel zur Vermittlung in eine reguläre Arbeitsstelle laufen.

meint ladydi12
"Trocken werden" und "Trocken bleiben" sind keine Maßnahmen, sondern ein lebenslanges arbeiten an sich selbst. Von daher gehört ein solches Programm auch nicht in die Hände von Trägern, deren vorrangigstes Ziel es ist, sich selbst durch staatliche Unterstützung zu erhalten. Suchtkranke gehören in Fachkliniken, zu den AAs oder anderen (Sellbst)hilfeeinrichtungen.
Es ist einfach widerwärtig zu lesen, wenn hier Menschen ausschließlich für ihre Verwertung auf dem (faktisch nicht vorhandenen) Arbeitsmarkt entziehen soll, statt für sich selbst.
Denn nur wenn der Suchtkranke den Entzug für sich macht, für sich neue Perspektiven entwickelt, für sich das Leben neu entdeckt, hat die Abstinenz eine Aussicht auf (lebenslangen) Erfolg.
Liest man sich allerdings das Angebot der Salusklinik durch, wird man vom technokratischen Neusprech des Trägers regelrecht erschlagen. Hier kann man sich den Rest antun.
Aufgabe der zielorientierten Suchtberatung ist, die berufliche Leistungs- bzw. Arbeitsfähigkeit zu verbessern bzw. wiederherzustellen.
Wir streben dabei eine möglichst engmaschige Terminierung an, um durch einen zeitlich überschaubaren Beratungsprozess eine Verzahnung mit Maßnahmen des Arbeitsmarktes planbar und umsetzbar zu machen.
Die meisten Angebote sind dagegen Gruppenangebote, bei denen lediglich im Einzelfall weitere Einzelberatung und ggf. gemeinsame Gespräche mit dem Arbeitsvermittler erfolgen.
:icon_kotz:
Das ganze Projekt ist austauschbar mit denen anderer Träger. Nur lässt man hier die Menschen nicht sinnlos puzzeln, um sie zu qualifizieren, sondern legt sie nach den Modulen des Trägers trocken.
Bei Bedarf Dreiergespräche (z.B. Fallmanager/persönlicher Ansprechpartner, Bezugspersonen)
:icon_kotz: Allein der Gedanke, dass ausgerechnet die Menschen, die uns sanktionieren, schickanieren, drangsalieren, die sich durch unqualifiziertes Arbeiten am Menschen disqualifizieren, sollen Ansprechpartner, wichtige Begleiter eines Kranken auf dem Weg in dessen Genesung werden? :icon_kotz:


Das ganze Programm ist eine pervertierte Zurichtung für den Arbeitsmarkt, und hat nichts mit seriöser Arbeit mit Suchtkranken zu tun.

LG :icon_smile:
 

Linchen0307

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Danke

Du liegst mit deinen Einschätzungen völlig richtig...

Hier sollte man sich eventuell an die Ärztekammer wenden....
 

warpcorebreach

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erst kohle kassieren und den elo krank machen und dann kohle kassieren um den elo (angeblich) zu therapieren. :icon_kotz:
 

HartzDieter

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erst kohle kassieren und den elo krank machen und dann kohle kassieren um den elo (angeblich) zu therapieren. :icon_kotz:

Ein harter Satz, aber sehr treffend.

Leute, Hartz IV und seine Eingliederungsmaßnahmen machen krank, auch suchtkrank. Und wenn man mal die negativen Seiten der Suchtstoffe kurz beiseite schiebt, kann es durchaus sein, daß der Stoff den einen oder anderen sogar vor dem Selbstmord bewahrt hat. Der Stoff ist auch ein Helferlein. Und mal ehrlich, wer kann ein Leben in Hartz IV nüchtern über lange Zeit ertragen? Wir sind doch keine Maschinen, die man einfach abstellen und verrotten lassen kann, wenn man sie nicht mehr braucht.
Nur wie wollen diese Leutchen mich vom Alk runterbringen, wenn sie mich gleichzeitig mit irrsinnigen Forderungen in Angst und Verzweiflung halten? Und wenn ein Suchtkranker ein paar Wochen in die Psychiatrische geht, und dadurch der Alltagskacke entzogen ist, wird er genau in dieselbe wieder entlassen. Er wird sozusagen in der Klinik immer nüchterner und bekommt ein immerklareres Bild und Gefühl seiner Situation und von dem, was ihn spätetsens am Entlassungstag wieder erwartet, nämlich der SB unmd der Fallmanager...:eek:
 

HajoDF

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Hier wird wieder einmal die klassische Gelddruckmaschine mit dem Namen "Trägerschaft" angeworfen.
Die ARGE hat auch keine Möglichkeit, Entziehungskuren zu veranlassen.
Da hat sie auch personell nichts zu suchen, denn es handelt sich auch bei Süchten um Erkrankungen, die ausschließlich in die Hände der entsprechenden Fachleute (Ärzte u. Therapeuten) gehören (s. Hamburgeryn)
 
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Erschreckend finde ich die Vermischung zwischen Aufgaben am Arbeitsmarkt und der sogenannten Psychohygiene. Wie sich das mit der Position eines Fallmanager und ff. vereinbart ist mir völlig unklar.
Haben zunächst nicht wenige FM unzureichende bis gar keine Ausbildung im Umgang mit Arbeitslosen, sollen sie nun auch noch als Laienmediziener im Amt schalten und walten.

Das ist ein weiterer Baustein in der Fremdbestimmung der ALs.
Jedem Amt seine Supernanny, oder worauf läuft dies hinaus?
 

HartzDieter

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...
Da hat sie auch personell nichts zu suchen, denn es handelt sich auch bei Süchten um Erkrankungen, die ausschließlich in die Hände der entsprechenden Fachleute (Ärzte u. Therapeuten) gehören (s. Hamburgeryn)

Da gebe ich Dir recht, aber andererseits hängt das eine mit dem anderen zusammen. Lerne ich in der Therapie vielleicht, wie ich die Schikanen und die Ohnmacht gegenüber dem SB und dem FM aushalten kann, ohne Amok zu laufen, oder wie ich mit den Ungerechtigkeiten so umgehen kann, daß ich nicht mehr trinken muß, oder, wenn ich nicht mehr trinke, aus Verzweiflung vor einen Zug laufe?!?...
 
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Ein harter Satz, aber sehr treffend.

Leute, Hartz IV und seine Eingliederungsmaßnahmen machen krank, auch suchtkrank. Und wenn man mal die negativen Seiten der Suchtstoffe kurz beiseite schiebt, kann es durchaus sein, daß der Stoff den einen oder anderen sogar vor dem Selbstmord bewahrt hat. Der Stoff ist auch ein Helferlein. Und mal ehrlich, wer kann ein Leben in Hartz IV nüchtern über lange Zeit ertragen? Wir sind doch keine Maschinen, die man einfach abstellen und verrotten lassen kann, wenn man sie nicht mehr braucht.
Nur wie wollen diese Leutchen mich vom Alk runterbringen, wenn sie mich gleichzeitig mit irrsinnigen Forderungen in Angst und Verzweiflung halten? Und wenn ein Suchtkranker ein paar Wochen in die Psychiatrische geht, und dadurch der Alltagskacke entzogen ist, wird er genau in dieselbe wieder entlassen. Er wird sozusagen in der Klinik immer nüchterner und bekommt ein immerklareres Bild und Gefühl seiner Situation und von dem, was ihn spätetsens am Entlassungstag wieder erwartet, nämlich der SB unmd der Fallmanager...:eek:

Genau so ist es!
Ich habe als sehr junge Frau in der damaligen Drogenszene Ffm versucht, den junkies zu helfen oder sie wenigstens vor Repressalien zu schützen (speziell die Mädels).
Ich begleitete widerholt kalte Entzüge, war bei Klinikeinweisungen dabei, habe "meine" Mädels dort auch besucht.
Im Endergebniss war die Rückfallquote sehr sehr hoch, und in vielen Gesprächen mit den Betroffenen zeigte es sich dann, dass die mangelnde Perspektive der Grund war, weswegen sie wieder angefangen haben zu drücken.Was sollten sie mit klaren Gedanken in einer Welt, die sie nicht wollte? Die sie vorverurteilte (Vorstrafen), die sie mangels perfekter Optik (fehlende Zähne) nicht wertschätzte usw. O-Ton einer Betroffenen:"Scheißegal was ich versuche, bei "denen" bin und bleib ich ne dreckige Fixerin!Also drück ich weiter..."
Selbst nach erfolgreichem Entzug war das Erwachen in der wirklichen Welt so hart, dass man sie sich erneut wieder erträglich fixen musste!
Und da will so ein eingekauftes Programm mit Billig-Therapie Wirkung zeigen? Lächerlich!!
Und mal so ganz ehrlich unter uns (ohne diesbezüglich eine Antwort zu erwarten) :
Bei vielen von uns funktioniert der "handelsübliche" kapitalismushörige Selbstbeschiss in Form von TV,Glamour-Lesen usw. nicht mehr, und das ist auch gut so!
Andere Mechanismen wie Frustkäufe oder Frustfressen sind mangels monetärer Möglichkeiten auch keine Option.
Was tun, wenn es zu unerträglich wird, wenn man einfach mal, und sei es nur für ein paar Stunden, einfach nicht mehr denken,grübeln,sondieren,kämpfen will ?
Wenn man den Wunsch hat, kurzfristig mental aus der Negativ-Maschinerie auszusteigen, wenn man sich nach einer LMAA-Haltung sehnt? Ist da ein Griff zur Flasche oder zum joint nicht irgendwie verständlich? Oder sich "frühmorgens" vor dem Argestress die Angst mit ein paar Schlückchen oder Zügen dämpfen möchte?
Für mich ist das nur allzu verständlich!
Natürlich möchte ich die Gefahr der Abhängigkeit nicht in Abrede stellen, ganz sicher nicht!
Ich will nur sagen, dass ein Entzug mit anschließender Therapie ohne darauf folgende positiv erlebte Neuordnung des eigenen Lebens und ohne Perspektiven meist relativ schnell zum Rückfall führen.
Und auf die Maßnahmen der Argen hier zu vertrauen impliziert einen ähnlich naiven Glauben wie den, dass die kath. Kirche das Zölibat aufheben wird, weil es "evtl." den Missbrauch an Kindern forciert!
E.
 

HartzDieter

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Genau so ist es!
Ich habe als sehr junge Frau in der damaligen Drogenszene Ffm versucht, den junkies zu helfen oder sie wenigstens vor Repressalien zu schützen (speziell die Mädels).
Ich begleitete widerholt kalte Entzüge, war bei Klinikeinweisungen dabei, habe "meine" Mädels dort auch besucht.
Im Endergebniss war die Rückfallquote sehr sehr hoch, und in vielen Gesprächen mit den Betroffenen zeigte es sich dann, dass die mangelnde Perspektive der Grund war, weswegen sie wieder angefangen haben zu drücken...
E.

Danke elena für diesen Beitrag. Ich hatte noch bis in die 90ziger Jahre mit Abhängigen zu tun und bin mit Deinem Beitrag zu 100%
einverstanden und kann dies nur bestätigen.
Der Bevölkerung wird vorgegaugelt, daß ein Abhängiger nur eine Therapie machen muß und dann ist er clean. Ist er es nicht, dann ist er selber schuld, oder so ähnlich.
Aber auch wenn das noch so blöde klingt, ich könnte mir tatsächlich vorstellen, daß eine zusätzliche Hilfestellung in Sachen Arbeitsvermittlung, nach oder noch während einer Therapie in ein, nennen wirs Arbeitsleben, sehr hilfreich sein könnte. Denn zumindest in früheren Jahren waren die Leute bis zu 9 Monaten in einer Einrichtung und wurden dann entlassen und mußten plötzlich ihr Leben von heute auf morgen mehr oder weniger selber in die Hand nehmen. Gut, es gab Nachsorgeeinrichtungen, aber gerade in Sachen, 'sein eigenes Geld verdienen', und 'im Arbeitsleben ohne Stoff'' zu sein, war zu wenig Hilfe da. Der Rückfall war sozusagen vorprogrammiert. Wenn nun endlich die Vorurteile über die Medien abgebaut werden würden, und es genug Arbeitsplätze gäbe, könnte über Sozialarbeiter in den Agenturen einiges an Hilfe bewirkt werden. Natürlich dürften hier keine Sanktionen oder Repräsalien stehen. Es ist eine Sache des Vertrauens und der Schweigepflicht...
Übrigens sind viele 'Exjunkies', die in der 'Gesellschaft angekommen sind' sehr beliebt bei Arbeitgebern und auch in der Gesellschaft selber. Viele bringen beachtliche Eigenschaften mit, die man beim Durchschnittmenschen garnicht mehr findet. Bemerkenswert ist zum Beispiel der Umgang mit Kindern. Werden Kinder von Exjunkies betreut, sind sie sehr gerne mit den Leuten zusammen und mögen sie nicht missen. Warum das so ist, weiß ich noch nicht.

Nur so, wie die Argenb heute aufgebaut sind und in denen es nur darum geht, Leute aus dem Leistungsbezug zu drücken und Arbeitslosenzahlen zu schönen ist das keine Hilfe, sondern gleich wieder eine Rutschbahn ins alte Suchtverhalten.
 

HajoDF

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Hi Hartzdieter,
Lerne ich in der Therapie vielleicht, wie ich die Schikanen und die Ohnmacht gegenüber dem SB und dem FM aushalten kann, ohne Amok zu laufen, oder wie ich mit den Ungerechtigkeiten so umgehen kann, daß ich nicht mehr trinken muß, oder, wenn ich nicht mehr trinke, aus Verzweiflung vor einen Zug laufe?!?...

Das ist sicher ein Ziel einer guten Therapie: Aushalten lernen und Konfliktbewältigung realitätsnah und ohne Stoff.
Du hast sicher recht, dass eine stützende soziale Begleitung zumindest zeitweise nach der Therapie sehr hilfreich wäre, denn gerade bei Arbeitslosen ist der "Aufprall in der Wirklichkeit" schon ziemlich brutal.

Thema "gute Arbeitnehmer nach erfolgreicher Therapie" oder Umgang mit Kindern:
der abstinente und im Geiste genesende Süchtige entwickelt ein hohes Maß an Empathie.
 
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Hi Hartzdieter,
Das ist sicher ein Ziel einer guten Therapie: Aushalten lernen und Konfliktbewältigung realitätsnah und ohne Stoff.
Du hast sicher recht, dass eine stützende soziale Begleitung zumindest zeitweise nach der Therapie sehr hilfreich wäre, denn gerade bei Arbeitslosen ist der "Aufprall in der Wirklichkeit" schon ziemlich brutal.
In dieser fragwürdigen Salusklinik bleiben auch die Angehörigen außen vor. Dabei haben die oft die Hölle hinter sich, und sind genauso behandlungsbedürftig, wie der Kranke selbst.
Für sie wäre es besonders wichtig, Wege zu erlernen, ihr Leben unabhängig vom Suchtkranken zu gestalten, um den sich in Suchtfamilien i.d. R. alles dreht. Sie brauchen Unterstützung, um zu akzeptieren, dass sie nichts, aber auch gar nichts tun können, um ihrem kranken Familienmitglied zu helfen. Sie brauchen liebevolle Anteilnahme, Verständnis, Hilfe - das gleiche gilt auch für die Kinder!!! Die Angehörigen brauchen Menschen, die die schweren Gewissenskonflikte, den Wut, den Hass und die absolute Hilflosigkeit, in der diese und andere Gefühle ihren Ursprung haben, verstehen. Menschen, die sie ein Stück begleiten, ein Stück tragen, zuhören und zupacken. Sie müssen genauso unabhängig werden, wie der Kranke selbst. Nur so haben alle - sollte die Genesung erfolgreich sein - eine Chance als Familie zusammenzubleiben.
Wichtig dabei ist, dass jedes einzelne Familienmitglied für sich selbst an sich selbst arbeitet. Nur so kann - jedes einzelne Familienmitglied ganz individuell - neu die Freude am Leben entdecken. Unabhängig davon, ob ihr krankes Familienmitglied weitertrinkt, mit seiner Trockenheit kämpft oder sich auf dem Weg in die Genesung befindet. Nur wenn jedes einzelne Familienmitglied sich unabhängig vom "Pegelstand" des Kranken entwickelt, hat er die Freiheit sich zu entscheiden, ob er weiter an der Seite des Kranken leben oder sich trennen möchte. Und auch für den Kranken birgt die innere Unabhängigkeit seines Lebenspartners oft die Chance seinem Leben eine neue Wendung zu geben.
Daher ist das, was diese Salusklinik anbietet, ist in meinen Augen unprofessionell und unseriös.
Das Wesen der Suchterkrankung in all´ seinen Facetten bleibt hier völlig unbeachtet. Angehörige bleiben außen vor. Dem Suchtkranken wird ein Ziel vorgegeben, welches ihm erstrebenswert zu sein hat, unabhängig davon, ob der Betreffende seinen persönlichen Tiefpunkt bereits erreichte, vor seiner Krankheit kapitulierte, um aus eigenem Willen heraus einen Neuanfang ins Leben zu starten. Hier wird die Diagnose gestellt, die Therapie aufgestellt, das Ziel festgelegt und gemeinsam, mit völlig Fachfremden wie einem Fallmanager, dessen Intention eine ganz andere ist und sein muss als die des Kranken, an der Trockenheit des Aspiranten gearbeitet.
Statt Leben, Zuversicht, Freude, Gesundheit, wird ausschließlich die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit anvisiert. In welches tiefe Loch, wird ein derart Zugerichteter fallen, wenn sich herausstellt, dass ihn der Arbeitsmarkt nicht mehr will? Wenn ihm klar wird, dass er seine Fähigkeiten nur noch weit unter Wert als Niedriglöhner oder Ein-Euro-Jobobber anbieten soll? Wenn ihm aufgeht, dass sich sein Fallmanager, sein persönlicher Ansprechpartner, als Oppurtunist erweist, der ihn nun mit aller Gewalt aus der Statistik entfernen will?
Nach meinem Dafürhalten ist das Angebot der Salusklinik verantwortungslos, weil hier unter dem Deckmantel der Gesundheits -und Lebenshilfe mit z.T. schwerkranken Menschen im Rahmen einer Maßnahme herumexperimentiert wird. Es gehört sofort eingestellt, und die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.


LG :icon_smile:


PS:
In punkto Alkoholismus habe ich mich gezwungenermaßen zur "Fachfrau" entwickeln müssen, denn ich war 14 Jahre mit einem Alkoholiker verheiratet.
Ich lebe noch heute nach den 12 Traditionen al anon und den 12 Schritten al anon. :icon_smile:
 

Bambi_69

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Wir sind doch keine Maschinen, die man einfach abstellen und verrotten lassen kann, wenn man sie nicht mehr braucht.

Oh aber genau DAS sollen wir alle doch sein! Wir sollen funktionieren, nein wir HABEN zu funktionieren. Immer und überall und unter allen Umständen! Und dann, wenn man einen nicht mehr braucht, dann haben wir still und leise zu verschwinden. Das IST das System das angestrebt bzw. das jetzt schon umgesetzt wird. Und es gilt wie gesagt für ALLE, nicht nur für ELOs...

Liebe Grüße
Bambi_69
 
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