Krankheitsbedingte Lebenslauflücke, Umgang in Bewerbungen und gegenüber Behörden

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Otto27

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Angenommen man hatte in den letzten 10 Jahren eine krankheitsbedingte Lebenslauflücke von über 5 Jahren, wie geht man in folgenden Situationen am besten damit um:

a) Guter Job, den man gerne hätte.

b) ZAF-Vermittlungsvorschlag, mit Job der überhaupt nicht passt (evtl. auch Gesundheit gefährdet, wobei es schwierig/mühselig wäre, das zu beweisen) und bei offener Ablehnung Sanktionen drohen.

c) Gegenüber Jobcenter/AfA.

Meine Einschätzung: Mit der krankheitsbedingten Lebenslauflücke hat man für guten Job wenig Chancen und man müßte das verschleiern, was im Grunde ja auch zulässig ist, man muß seine Krankheitsakte ja nicht offenlegen, wenn es nicht unmittelbar den Job tangiert. Bei unpassenden Job-Angeboten könnte man dagegen einfach was wie "krankheitsbedingte Auszeit und vollständige Genesung" reinschreiben und auch bei Nachfragen weitere Details verweigern (man ist dazu ja nicht verpflichtet) und hat dann vermutlich seine Ruhe, weil unwahrscheinlich damit eingestellt zu werden. Gegenüber Jobcenter/SBs ist mein bisheriger Eindruck, je weniger Infos man ihnen gibt, umso besser, daher würde ich hier erst mal das gleiche machen.

Frage ist jetzt, kann es Probleme geben, wenn sich SB dann Bewerbungen zeigen lässt und in Bewerbungen für selbst gefundene Stellen dieser Zeitraum stark geschönt ist (oder evtl. sogar was ganz anderes steht, weil man Krankheitsteil komplett weggelassen hat...) und bei VV vom SB dagegen nur was wie krankheitsbedingte Auszeit steht? Wäre so etwas evtl. auch ein Grund eine Bewerbungstraining-Maßnahmen reingedrückt zu bekommen oder kann evtl. sogar Sanktion wegen Negativ-Bewerbung drohen? Kann man sich evtl. auf Datenschutz berufen und Vorlage verweigern? Theoretisch ist es ja meine Entscheidung wie offen und an wen ich Informationen weitergeben möchte, wenn ich z. B. einen Arbeitgeber als seriöus einstufe und es Traumjob ist, gebe ich evtl. intimere Infos an, trotzdem möchte ich aber nicht, dass diese Infos dann indirekt auch in Hände von Behörden wie Jobcenter usw. gelangen. Wie schätzt ihr das ein?
 
G

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Habe es in meinem CV mit dem folgenden Satz pauschal ergänzt
"... alle nicht aufgeführten Zeiten dienten der aktiven Arbeitssuche."
 

iSlave

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Die werden deine Unterlagen wohl nicht an das JC weiterleiten, jedoch werden sie vielleicht einige Details mit deinem Vermittler am Telefon besprechen. Ganz inoffiziell. Man muss halt abwägen, wie weit man gehen kann. Was man schreiben kann und was nicht, kann man so pauschal halt nicht sagen.

Die vollständigen Unterlagen lassen sie sich nur selten zeigen. Meistens, wenn der Vermittler wechselt.
 
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Otto27

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Warum solltest Du dem nachkommen? Und dann auch noch welche, die Dir wichtig sind?
So weit ich informiert bin, ist man halt verpflichtet seine Bemühungen nachzuweisen und der Sb hat wohl auch das Recht dazu sich Bewerbungsunterlagen anschauen zu dürfen und bei den wichtigen hat man sich meist mehr Mühe gemacht und die sind dann vorzeigbarer, nur wie gesagt etwas doof, wenn er sich evtl. wundert warum seine wunderbaren (ZAF)Vermittlungsvorschläge nie zum Erfolg geführt haben und dann halt auch diese Bewerbungen mal sehen möchte und er dann diese inhaltlich total unterschiedlichen Lebenslauflücken-Begründungen entdeckt.


Warst du in der Zeit denn bei der AfA gemeldet und oder AU mit Krankengeld?

Waren die fünf Jahre zusammenhängend?

Bist du jetzt vollständig davon genesen?
Also muß nicht um mich gehen, evtl. frage ich auch nur für einen Freund. Es war zusammenhängend, Krankengeld/Sozialleistungen hat er keine bezogen und bei AfA/Jobcenter war er nicht gemeldet (hat auch zeitweise im Ausland gelebt). Vollständig genesen ist er nicht, aber hat sich stabilisiert und verbessert.
 
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iSlave

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Der wird sich nicht wundern, wieso auf seine VVs keine Einstellung folgt. Vermittlungsvorschläge haben eine Erfolgsquote um die 1%.
 

Otto27

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Naja, gibt evtl. auch paar Sb-Streber die da glänzen wollen und die schönste Vermittlungsstatisik haben möchten...und glaube 1% ist auch etwas zu niedrig, habe kürzlich irgendwo was von um die 16% oder so gelesen, aber nimmer ganz sicher...mir gehts aber hauptsächlich darum einfach auf alles vorbereitet zu sein...

Edit: Ok, theoretisch könnte man die ZAF-Bewerbung in diesem Punkt natürlich auch gleich machen und sich dann andere Punkte suchen (evtl. auch im Vorstellungsgespräch...) um dem ZAF verständlich zu machen, dass man nicht das größte Interesse hat für sie zu arbeiten...noch andere Frage, die mir spontan einfällt, wenn man dem Sb einfach verweigert die Bewerbung zu zeigen, kann er dann direkt sanktionieren, oder muß er das wie bei anderen Aktionen vorher erst ankündigen, einschl. Rechtsfolgebelehrung? Wenn ja, dann wäre das natürlich ganz praktisch, weil man dann erst mal warten könnte bis diese SB-Ankündigung kommt und erst ab da, dann schönere ZAF-Bewerbungen schreibt...
 
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franzi

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In den letzten Jahren hat ein SB nur ein einziges Mal eine Muster-Bewerbung von mir sehen wollen. Da bekam er natürlich auch nur ein Muster und nicht die Version, die ich tatsächlich versende (Kontaktdaten wie Tel und Email entfernt, Lebenslauf stark gekürzt etc.).

Wenn es sich um eine zusammehängende Zeit über 5 Jahre handelt, in der er keine Leistungen bezogen hat und im Ausland war, wovon hat er in der Zeit dann seinen Lebensunterhalt bestritten, seine krankheitsbedingten Kosten gedeckt (ärztliche Behandlungen etc.)?
Das Problem betrifft wohl nicht nur den Lebenslauf, sondern auch den Versicherungsverlauf für die spätere Rente.

@Otto27: Die 1% können durchaus hinkommen. Wenn man auf VVs in 90 % der Fälle keine Antwort auf die Bewerbung bekommt, kann auch keine hohe Vermittlungsquote dabei herauskommen ... Aus meiner Sicht sind das meiste Fake-Stellen.
Mein SB hat sich übrigens nie darüber gewundert, warum ich in 90 % der Bewerbungen auf VVs keinerlei Antwort erhalten habe. Allein das stimmt mich schon nachdenklich.
Er hat diesbezüglich nie näher nachgefragt.

Die Lücke im Lebenslauf kann wegen der Länge nicht geschönt oder verschwiegen werden. Ich würde sie ordnungsgemäß chronologisch einordnen und ehrlich schreiben, dass man in dieser Zeit krankheitsbedingt ausgefallen ist, sich aber intensiv um die Wiederherstellung der Gesundheit gekümmert hat. Vielleicht warst du in der Zeit in einer Reha, Klinikaufenthalt etc., dann würde ich das eventuell auch stichwortartig nennen.

Um weitere Tipps geben zu können, müsste man Näheres über die Art der Erkrankung wissen (chronisch etc.). Sind dauerhafte Einschränkungen verblieben, die dich bei der Eingliederung ins Berufsleben behindern? Eventuell wäre die Beantragung eines GdB hier sinnvoll.
 

0zymandias

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Wenn die Erkrankung Einfluss auf die Arbeit haben könnte, würde ich sie in jedem Fall erwähnen.
Bei ZAFen würde die möglichst düster dräuende Erwähnung reichen, potentiell seriöse Arbeitgeber
bekämen noch obendrein die Zusicherung, dass die Geschichte im Griff ist, was ein ungeschöntes,
nicht photogeshoptes Bild ergibt, aus dem man sich Vertrauenswürdigkeit erhoffen kann.

2015 war die Erfolgsquote von Vermittlungsvorschlägen 1,07 %, Link.
2011 war sie 2,1 % mit der Anmerkung "bewegt sich konstant auf niedrigem Niveau mit fallender Tendenz seit Jahren",
vgl. Link, #3 und begründender Linkeslink in #7.
Kurz: Das (rund) Fünfzehnfache in (rund) vier Jahren könnte die Innovationskraft eines gewissen Dinosauriers übersteigen. :wink:
 
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franzi

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Das bedeutet: Wer nicht selbst einen Job findet, findet ihn garantiert nicht übers Jobcenter (auch wenn es so heißt) ...
 

Otto27

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2015 war die Erfolgsquote von Vermittlungsvorschlägen 1,07 %, Link.
2011 war sie 2,1 % mit der Anmerkung "bewegt sich konstant auf niedrigem Niveau mit fallender Tendenz seit Jahren",
vgl. Link, #3 und begründender Linkeslink in #7.
Kurz: Das (rund) Fünfzehnfache in (rund) vier Jahren könnte die Innovationskraft eines gewissen Dinosauriers übersteigen. :wink:
Danke für die Info, wußte nicht, dass die wirklich so niedrig ist, also 1% ist ja lächerlich niedrig. Und dafür dann der ganze Aufwand mit Sanktionen, Sperre usw. weil SB unbedingt "Lass-uns-mal-über-deine-berufliche-Situation-reden"-Termin reindrücken möchte und seine ganzen Bemühungen dann zu 1% erfolgreich sind, dafür dann noch riesiger Verwaltungs- und Maßnahmenapparat haben, also das ist ja lächerlich...

Wenn es sich um eine zusammehängende Zeit über 5 Jahre handelt, in der er keine Leistungen bezogen hat und im Ausland war, wovon hat er in der Zeit dann seinen Lebensunterhalt bestritten, seine krankheitsbedingten Kosten gedeckt (ärztliche Behandlungen etc.)?
Das Problem betrifft wohl nicht nur den Lebenslauf, sondern auch den Versicherungsverlauf für die spätere Rente.
Hat seine Ersparnisse verwendet, auf weitere ärztliche Behandlung verzichtet und sich für eigenen, selbstbestimmten Weg entschieden (evtl. Rente-Nachteile interessiert ihn aktuell nicht wirklich und nimmt er gerne in Kauf).

Die Lücke im Lebenslauf kann wegen der Länge nicht geschönt oder verschwiegen werden. Ich würde sie ordnungsgemäß chronologisch einordnen und ehrlich schreiben, dass man in dieser Zeit krankheitsbedingt ausgefallen ist, sich aber intensiv um die Wiederherstellung der Gesundheit gekümmert hat. Vielleicht warst du in der Zeit in einer Reha, Klinikaufenthalt etc., dann würde ich das eventuell auch stichwortartig nennen.
Kann schon verschwiegen werden, weil er halt wirklich nirgends offiziell gemeldet war, Arbeitgeber/Behörden auch nie Gegenbeweis hätten und man Auslandsaufenthalt auch nutzen könnte um fehende Unterlagen zu erklären. Und ja, die meisten Personalentscheider werden das natürlich trotzdem negativ aufnehmen, es vermutlich auch als geschönte Lebenslauflücke einordnen und paar Minuspunkte vergeben, nur das volle Ausmaß erkennen sie halt nicht und es wären trotzdem noch weniger Minuspunkte, als wenn man ihnen was von über 5 Jahre Krankheit erzählt (und das weitere ärztliche Behandlung abgelehnt wurde...).

Und Jürgen Hesse (bekannter Karriereberater) empfehlt z. B. „Sie können Auszeiten tarnen, und Sie sollten sie auch tarnen“ und wenn nötig sogar kranke Schwester in Spanien erfinden, die man gepflegt hat, Link
 
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E

ExitUser

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Und Jürgen Hesse (bekannter Karriereberater) empfehlt z. B. „Sie können Auszeiten tarnen, und Sie sollten sie auch tarnen“
Schleimer sterben nicht aus, was ich kann ist das eine, was ich gegenüber meinem Gewissen verantworten kann was ganz anderes
Ich habe zwei Worte : "keine Tätigkeit" für alles was zeitlich nicht Erwerbsarbeit war und das ist bei mir am Anfang viel
Heute würde ich auch nichts mehr belegen was älter ist als 10 Jahre, macht dann beim mir null Belege
Was kann ich aktuell, wie fit bin ich noch, allein darauf kommt es an ab einem bestimmten Alter, nicht ob ich im Kindergarten war
Wenn eine Bewerbung angepasst und geschönt wird ist das Schrott, ein fähiger Personaler/Unternehmer merkt das und möchte dann nicht weiter lesen
Wenn also Bewerbungen keinen Erfolg haben kann es also auch am wie liegen und wenn die Fachleute was verzapfen das 1% Erfolg bringt liegen sie falsch
Also wenn ich jemand suchen würde und die Bewerberin ist 50 da möchte ich nicht lesen wo die in der Schule war, Schule bis Klasse reicht völlig wenn überhaupt
wegen mir noch den höchsten Abschluss, aber bitte nicht wenn ich eine Putzfrau suche, gern mit Abi auch mit Diplom aber nicht damit bewerben wenn es niemand wissen muss.
Mir würde es völlig reichen das mal bei einem Kaffee im persönlichen Gespräch zu erfahren.
 

Einfachicke

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Hallochen,

ich habe in meinem Lebenslauf nie einen Hehl aus den Lücken in meiner Erwerbstätigkeit gemacht. Das ist eben mein LEBENSLAUF - so ist mein Leben gelaufen. Bei den wenigen Vorstellungsgesprächen, die ich im Laufe meiner HartzIV-Karriere erreicht habe, habe ich mich dann vom Gefühl leiten lassen, ob ich diesen Job wollte oder eher nicht. Wobei ich schon immer mehr Wert auf Arbeitsatmosphäre, sprich das Mit- oder schlimmstenfalls Gegeneinander am Arbeitsplatz, als auf die Bezahlung gelegt habe.
Bei Fall a): Ich wollte den Job habe ich die Lücken sachlich und wahrheitsgemäß begründet. Kindererziehungszeiten und dadurch solange aus dem Beruf raus, dass man für potentielle AG uninteressant war.
Bei Fall b): Ich wollte den Job nicht habe ich ebenfalls alles wahrheitsgemäß erläutert, bin aber irgendwie in "Plauderlaune" geraten (was sich mein Gegner/Gegenüber vermutlich noch als große Leistung seiner NLP-Schulung angerechnet hat) und habe über diversen Wehwehchen und Zipperlein (immer amtsärztlich abgesegnet) "geklagt". Ich habe es angesprochen - "mein Rücken ist ja schon soviel besser geworden, war vor Jahren noch viel schlimmer" etc. pp.

Grundsätzlich mache ich es wie jeder schlechte Lügner. Ich halte mich immer so dicht wie möglich an die Wahrheit.

In der Sinnlos-Bewerbungsschikane, in die ich Anfang des Jahres gesteckt wurde, hatte ich eine über fast 2 Stunden führende interessante Diskussion mit meiner "Lieblings-Doofzentin". Diese war nämlich der Meinung ich sollte im Lebenslauf die MAE-Maßnahmen als "richtige Arbeit" verkaufen.

Was lustig war, wir hatten ja dort Zugriff aufs Internet und ich habe bei der Gelegenheit die Definition von ARBEITSGELEGENHEIT ausgedruckt. Und trotzdem hat sie weiter diskutiert. Immer weiter. Irgendwann hatte ich sie soweit.
Das habe ich solange mitgemacht, wie ich Spaß daran hatte. Als es langweilig für mich wurde, habe ich sie aufgefordert mir schriftlich zu geben, dass ich MAE-Maßnahmen in meinem Lebenslauf nicht als solche erwähnen DARF und aufgrund welcher Rechtsgrundlage. Aus mir völlig unverständlichen Gründen hat sie das nicht gemacht. Und hat sich hinfort bemüht, mit mir nicht mehr in ein Wortgefecht zu geraten.
:devilish:

Ich halte mich immer soweit wie möglich an die Wahrheit. Besonders bei offiziellen Anlässen.

Was nicht heißen soll, dass ich nicht meinem Schatz mitten ins mollige Antlitz lüge, wenn er mich fragt, ob ich ihn dick finde. :icon_lol:
 

franzi

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Plauderlaune beim Vorstellungsgespräch über die gesundheitliche Situation kann aber auch gefährlich werden.
Ich habe meine Erkrankungen bei Vorstellungsgesprächen nie erwähnt, außer es war körperlich schwere Arbeit (die ich ohnehin nicht machen kann).
Eingestellt wurde ich trotzdem nicht ...

Ich meine, wenn man aus Sicht der Arbeitgeber ein "gesunder" Bewerber war, und man dennoch nicht genommen wurde, würde sich die Chance auf Einstellung nach einer Genesung nicht wesentlich erhöhen.
 

Einfachicke

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Plauderlaune beim Vorstellungsgespräch über die gesundheitliche Situation kann aber auch gefährlich werden

Vielleicht hätte ich vorgetäuschte Plauderlaune schreiben sollen. Auch wenn ich in solchen Situation den Eindruck erwecke, vom hundertsten ins tausendste zu kommen und einfach nur vor mich hin zu plappern, so lasse ich meinen Gegenüber dennoch nur das wissen, was ich möchte.
Ich wüsste jetzt nicht inwiefern das gefährlich sein sollte? Ich halte mich buchstabengetreu ans Gesetz. Ich weiß z. B. dass Nachfragen nach politischer Ausrichtung, Religion, Gesundheit, Schwangerschaft etc. pp. in Vorstellungsgesprächen verboten sind. Und das der potentielle Arbeitnehmer sogar lügen darf.

Achtung Ironie!!!
Der potentielle Arbeitgeber empfängt mich zu einem Vorstellungsgespräch und hat an der Wand hinter sich ein überlebensgroßes Porträt von Horst Seehofer zu hängen. So er mich denn (widerrechtlich) nach meiner politischen Ausrichtung fragt, werde ich einen Teufel tun und ihm wahrheitsgemäß berichten, dass ich vollkommen unpolitisch bin, weil die Linke mir noch nicht links genug ist. Ich werde wahrscheinlich tränenreich bekunden, wie sehr ich es bedaure, mein Schicksal in Berlin fristen zu müssen und nicht im Traumland Bayern unter Gnade und Fürsorge vom gütigsten aller Landesväter ever.
 

franzi

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Hier in Bayern bin ich noch nie einem Arbeitgeber begegnet, der in seinem Büro ein Bild von Horst Seehofer hängen hatte :icon_mrgreen:
Allerdings hatte ich auch nicht besonders viele Vorstellungsgespräche ...
 

Zermürbt38

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Ich habe auch eine Krankeitslücke von 5 Jahren. Ich schreibe es klar in meinen Lebenslauf und auch das ich seit dann und dann voll genesen bin. Wer mir für eine Ausbildung deswegen eine Absage schickt, der hat so eine wertvolle und motivierte Azubine nicht verdient.

Vom Maßnahmeträger her sollte ich die Krankheit schönigen, indem ich Orientierungs-und Familienphase schreibe. Erstens weiß ich aber genau was ich will und muss mich nicht orientieren. Pauke nämlich nicht umsonst 18Jahre Theorie für den Beruf. Zweitens habe ich keine eigene Familie, bin Single!
 

franzi

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5 Jahre für Orientierung wären auch etwas lang. Das wäre auch nachteilig. Der Arbeitgeber würde dann denken: Die weiß nicht, was sie will, ist nicht zielstrebig, lebt in den Tag hinein etc. Zu viel "Familie" ist auch schlecht. Der denkt dann, der Bewerber habe seinen Lebensschwerpunkt nicht bei der Arbeit, sei geistig nicht bei seiner Tätigkeit, vielleicht familiäre Verpflichtungen, die sich nachteilig auf die Arbeit auswirken können etc.
 

franzi

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Wenn man längere Zeit nicht berufstätig war, gibt es auch noch andere Möglichkeiten, z. B.
- man hat von einem Erbe gelebt
- man hatte sonstige Einkünfte (z. B. Vermietung, Erträge aus einem Betrieb etc.)
- Schenkung
- Unterstützung durch Verwandte etc.
- Lottogewinn
- Verkauf von Unternehmensanteilen, Markenrechten etc.
- Sabbat-Jahr
- Auslandsaufenthalt zum Zweck der Weiterbildung etc., Sprachkenntnisse aneignen ... (Finanziert durch Stipendium oder sonstige Förderungen)
- Leben von Zinsen eines Vermögens
- Leben von Ersparnissen
- Leben als Aussteiger im Urwald mit einfachsten Mitteln (gehört wieder zur Rubrik "Selbstfindungs-Phase")
- Weltreise, von den Eltern finanziert (kann durchaus mal 1 Jahr oder länger dauern, wobei man sich diese auch durch Arbeiten im Ausland finanzieren kann)
- Teilnahme an internationalen Projekten, die z. B. von Sponsoren finanziert werden (Forschungsprogramme etc.)
- Auslands-Rückkehrer (nach gescheiterter Auswanderer-Phase). Ob man dort Kokospalmen gezüchtet hat oder sonstiges, ist letztlich nicht interessant, außer die erworbenen Kenntnisse wären für die Bewerbung irgendwie relevant.
- Ehe im Ausland, die gescheitert ist und man deswegen wieder nach D zurückkehrt (wobei man zuvor vom Ehepartner versorgt wurde und bei ihm versichert war). Gilt insbesondere für Frauen, die "nur" Hausfrau waren.
- Mithilfe im Betrieb des Ehepartners ohne Entlohnung. Kommt öfter mal in Familienbetrieben vor ...
- Pflege von Angehörigen

Wenn man finanziell in der glücklichen Lage war, unabhängig zu sein (wodurch auch immer), muss man das nicht im Lebenslauf angeben. Ich würde dann schreiben "Privatier". Die Details gehen letztlich bei einer Bewerbungen niemanden etwas an.
Es kann niemand zum Arbeiten gezwungen werden, wenn er es wirtschaftlich nicht muss.
 
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JuleSH

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Brüche im Lebenslauf zu heilen/zu integrieren ist eine Spezialität von mir. Mit meinem feinen/feinstofflichem Gespür erstellte ich gemeinsam für/mit Elos Lebensläufe, die aufrichtig im wahrsten Sinne des Wortes den ganzen Menschen aufrichteten.

In einem 1-€-Job im Bewerbungsbüro hatte ich so einige Kunden, deren Selbstwertgefühl in Bezug auf eine qualifizierte und damit gut bezahlte Arbeitsstelle quasi unterm Teppich bzw. im Keller war.

Hierzu ein Beispiel: Elo männlich, Mitte 40, ohne Schulabschluss und Berufsausbildung, hat im Alter von 16 Jahren als Hilfsarbeiter im Lager angefangen. Er hat sich bis zum Lagerist/Lagerverwalter/Weisungsbefugter hochgearbeitet und wurde sehr gut bezahlt.

Mit Ende 30 kam die Lebenskrise. Frau und Kinder weg, Haus weg, daraus resultierend Schulden, aus alledem resultierend Absturz in Krankheiten und die Alkoholsucht. In der Folge Verlust des Arbeitsplatzes.

In dieser Situation wurde er Kunde im Bewerbungsbüro und mir zugeteilt bzw. von meinen „Kollegen“ an mich empfohlen. Sein Leid war groß und seine Meinung über sich desolat. Er hatte den Glauben an sich/in sich verloren und war der festen Überzeugung, dass er nur noch Aussicht auf eine Anstellung als Hilfsarbeiter hätte.

Ich habe mit meinem Kunden seinen Lebenslauf neu auf die Beine gestellt und dazu geraten, ehrlich mit sich zu sein und zu sich zu stehen.

Frei nach dem Motto: Jeder Mensch hat ein angeborenes Recht auf seine Lebenskrise/n habe ich mit ihm den Lebenslauf erstellt:

Von MonatJahr bis heute: Berufliches und privates Krisenmanagement
>Unterpunkt in etwa so: Bewältigung von/Gewachsen an Krankheit und Sucht

Es ist meine volle Überzeugung, dass man mit bewältigter Lebenskrise als Vorbild und wertgeschätzter Mitarbeiter auch wieder „oben“ einsteigt. Das habe ich ihm bei jedem Termin vorgebetet bzw. ihn damit geimpft.

Auf seinen Wunsch haben wir den geschönten Lebenslauf natürlich auch erstellt. Der aufrichtige Lebenslauf war für den Probelauf bei den nicht favorisierten Bewerbungen vorgesehen. Dem Mann war mulmig und mutig hat er für sich entschieden, bei einem Vorstellungsgespräch zu schauen, wie sein Gegenüber gestrickt ist und was, wie und wieviel er von sich preisgibt,

Dieser Mann ist aufgerichtet seinen Weg weitergegangen. Er hat eine gut bezahlte Arbeit als Lagerverwalter aufgenommen.
 
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Einfachicke

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Mit Ende 30 kam die Lebenskrise.

Einer von den vielen Millionen, die eines Morgens aufgewacht sind und sich gedacht haben: "Heute schmeiße ich mal aus lauter Jux und Dollerei mein Leben auf den Müll, weil ich es einfach nicht mehr ertrage wie gut es mir und meiner Familie geht. Diese vollkommene soziale Sicherheit, ohne Angst morgen meinen Arbeitsplatz an einen 1-Euro-Jobber/Paragraph-16i-Teilhabechancler zu verlieren. Die Gewissheit auch morgen noch die Miete meiner Wohnung bezahlen zu können."
Die sich völlig frei und selbstbestimmt entschieden haben, in den sozialen Abgrund zu springen?

Oder vielleicht doch jemand, der im Laufe der Jahre an den immer schlechter werdenden sozialen Verhältnissen zerbrochen ist und dem die Motivation verloren gegangen ist, jeden Tag ums Überleben zu kämpfen? Der an der TÄGLICHEN Existenzangst zugrunde gegangen ist?

Und der schlussendlich auch noch an jemanden geraten ist, der unter dem Vorwand von Hilfe und Unterstützung, auch noch vom Elend der Ärmsten der Armen profitiert?
 

franzi

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Ich glaube nicht, dass man mit derartiger Offenheit irgendetwas verbessert ...
Es mag Einzelfälle geben, aber es ist sichern nicht die Regel.

Die Bezeichnung "Krisenmanagement" finde ich etwas abgehoben / salopp. Das kann von einem Personaler auch als nicht ernstgemeinte Bewerbung ausgelegt werden.
Längere Krankheitsphasen würde ich nur dann ehrlich nennen, wenn anschließend eine weitgehende oder vollständige Genesung erfolgte.

Schwierig wird es bei Suchterkrankungen, Gefängnisaufenthalten etc.
 
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