Krankheit @ SGBs

G

Garak

Gast
Hallo,

ist es, besonders unter SGB-Gesichtspunkten und in jungen Jahren ohne viel Berufserfahrung, nachteilig wenn man (öfters) arbeitsunfähig krank ist und man vom Facharzt eine gesicherte Diagnose einer Krankheit erhält, die unheilbar ist und bei der Erkrankung sich auch eine Schmerztherapie als schwierig gestaltet? Die Erkrankung ist, zumindest unter den Ärzten, bekannt dafür sowohl direkt körperliche Probleme z. B. ständige Schmerzen, Muskelschwäche als auch direkt Konzentrationsschwierigkeiten und kognitive Leistungseinschränkungen zu verursachen. D. h. als Arbeitnehmer hätte man wohl bei körperlichen Arbeiten und auch bei sitzenden Tätigkeiten (Büro) massive Schwierigkeiten den Beruf auszuüben. Die Krankheit ist noch nicht allzu lange moleku*****netisch nachweisbar und gilt auch als unheilbar. Eine sichere Diagnose würde den Therapieverlauf also nicht beeinflussen, da dann genauso wenig gemacht werden kann.

Wäre für hilfreiche Antworten sehr dankbar!
 
E

ExitUser

Gast
Hallo, ist es, besonders unter SGB-Gesichtspunkten und in jungen Jahren ohne viel Berufserfahrung, nachteilig wenn man (öfters) arbeitsunfähig krank ist und man vom Facharzt eine gesicherte Diagnose einer Krankheit erhält, die unheilbar ist und bei der Erkrankung sich auch eine Schmerztherapie als schwierig gestaltet?
Es ist - für einen selbst - wohl in den meisten Fällen nachteilig, wenn man an einer unheilbaren Krankheit leidet bzw. oft arbeitsunfähig erkrankt. Was genau meinst du denn mit dem Aspekt "besonders unter SGB-Gesichtspunkten". Im SGB II spielt eine etwaige Erkrankung insbesondere hinsichtlich Erwerbsfähigkeit und Zumutbarkeit eine Rolle.

Erwerbsfähigkeit: ALG II erhält grundsätzlich nur, wenn dem Grunde nach erwerbsfähig ist, also mindestens drei Stunden am Tag dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen kann. Wenn du z.B. angibst, dies derzeit nicht zu schaffen und es auch voraussichtlich für länger als 6 Monate nicht zu schaffen, bist du nicht anspruchsberechtigt nach dem SGB II.

Zumutbarkeit:
Wenn du krank bist, dies dem JC bekannt gibst und angibst, nicht alle Arbeiten ausführen zu können, wird in der Regel ein ärztliches Gutachten durch das JC eingeleitet, d.h. du wirst zum Amtsarzt geschickt bzw. dieser erstellt ggfs. auch ein Gutachten lediglich nach Aktenlage, wenn du deinen behandelnden Ärzten eine Schweigepflichtsentbindung für die Korrespondenz mit dem Amtsarzt des JC zukommen lässt. Im Gutachten wird dann in der Regel aufgelistet, was aufgrund deiner Erkrankung vermieden werdenn muss oder sollte.

Zusammengefasst: Ich halte ich es für sinnig, das JC über die Erkrankung zu informieren, damit du bei unpassenden Vermittlungsvorschlägen auf ein Dokument (Gutachten) verweisen kannst, das belegt, dass du bestimmte Dinge eben nicht ausführen kannst. So läufst du nicht Gefahr, im JC gleich als fault abgestempelt zu werden, wenn du dich nicht bewirbst, und du verringerst das Risiko einer Sanktion bei Nichtbewerbung, weil du einen wichtigen Grund (Krankheit) für dein Verhalten vorweisen kannst. Unabhängig vom Gutachten darfst du dich auf alle Stellen bewerben, von denen du überzeugt bist, dass du sie ausüben kannst.
 

EMRK

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@Garak

Ich rate dir, umgehend einen Termin mit dem ÄD des Jobcenters zu vereinbaren. Dieser stellt deine aktuelle Restleistungsfähigkeit fest. Anhand dieses Gutachtens entscheidet sich dann, wie es für dich weitergeht; SGB2, SGB 6 oder SGB 12.
 
R

Rounddancer

Gast
Z. B. das hier, denn wovon sollte man dann leben?:
Tja, weg SGB II mangels Arbeitsfähigkeit von mind. täglich drei Stunden nicht zuständig ist,
dann ist, wenn Verwandte oder sonstige Eigenmittel nicht in Anspruch genommen werden können, wenn also Bedürftigkeit vorliegt,
das SGB XII zuständig. Also die über die Pauschalen leider verschlimmerte Sozialhilfe.

Da ist ein noch restriktiver Grenzbereich, als vorhandene Eigenmittel angeht (Ersparnisse, Restvermögen, Wert des Autos, etc.) als im SGB-II, und Verwandte werden öfter und intensiver in Regreß genommen, als beim SGB-II.
Leistungsumfang ist im SGB-XII praktisch der selbe, wie beim SGB-II,
das heißt der selbe Regelsatz wie beim SGB-II, also für Alleinstehende diese derzeit 382 € monatlich, die zum Leben zu wenig, zum Sterben zuviel sind. Dazu "angemessene" Kosten der Unterkunft wie dort.
Allerdings: Während man bei SGB-II fast automatisch bei seiner bisherigen Krankenversicherung _Kranken- und Pflegeversichert ist, muß man sich bei SGB XII extra beim Sozialhilfeträger darum kümmern, wie die das lokal mit Krankheitskostendeckung halten und dann schauen, daß man einen Nachweis bekommt, wer für die Krankheitskosten eintritt.
Früher waren da automatisch die jeweiligen Sozialämter zur Zahlung verpflichtet. Ärzte rechneten die an Sozialhilfeempfängern erbrachen Leistungen wie Privatpatienten ab. Darum waren Sozialhilfeempfänger auch bei den Ärzten beliebter als Kassenpatienten. Bis dann die Zeitung, von der man sagt, daß man sie richtig rum halten sollte, damit das Blut nicht rausliefe, davon Wind bekam. Und zusammen mit der AOK loshetzte, es könne ja nicht sein, daß die ganzen Malocher sich im Job den Hintern aufrissen, dann, weil nur Kassenpatient bei den Ärzten ewig warten müßten, aber Nichtstuer und andere Sozialhilfeempfänger hofiert würden.
Seit der Zeit sind die Sozialhilfeträger gehalten, ihre Sozialhilfe-Empfänger bei der AOK oder sonstwo zu versichern, damit auch sie nun genauso schlecht (gut?) versichert wären, wie normale Pflichtversicherte.

Wenn es denn gar nicht anders geht, dann gibts dann auch noch der Weg, in einem Pflegeheim eingewiesen zu werden,- da gibts mitlerweile auch welche, die unterscheiden in "junge Pflege", Patienten 60 und darunter, und "alte Pflege", Patienten über 60 Jahre alt. Wenn das Amt die zahlen muß, dann wird man da eingewiesen in ein ein bis vier-Bett-Zimmer, muß alle Einkünfte und alles Vermögen abgeben, und kriegt ein Taschengeld von 80 € im Monat, mit dem man für alles, was so anfällt, vom Päckle Taschentücher, über Porto, die Tasse Kaffee außerhalb, die Unterwäsche, und evtl. gar die Selbstbeteiligung im Krankheitsfall, etc. zahlen muß. Und darf/muß dann auf den Tod irgendwann warten.

Ich drück Dir die Daumen, und wünsche Dir trotz allem gute Besserung.
 
G

Garak

Gast
Spielt es bei der Sozialhilfe dann auch eine Rolle ob die Krankheit angeboren oder erworben ist?
 
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ExitUser

Gast
Spielt es bei der Sozialhilfe dann auch eine Rolle ob die Krankheit angeboren oder erworben ist?
Nein, das ist völlig irrelevant. Wenn du nicht erwerbsfähig, aber mittellos und damit hilfebedürftig bist, hast du einen Anspruch auf Sozialhilfe, egal, ob die Krankheit angeboren oder erworben ist.
 
G

Garak

Gast
Wenn man nun angibt mehr als drei Stunden täglich arbeiten zu können, kann der Amtsarzt dann trotzdem im Gutachten sagen, dass man bei der Krankheit dies aber doch nicht kann und man somit nur Sozialhilfe bekommt?
 

ZynHH

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Wenn man nun angibt mehr als drei Stunden täglich arbeiten zu können, kann der Amtsarzt dann trotzdem im Gutachten sagen, dass man bei der Krankheit dies aber doch nicht kann und man somit nur Sozialhilfe bekommt?
Was willst du eigentlich erreichen?

Wenn du dich so gesund fühlst, dass du arbeiten kannst, kann dich keiner davon abhalten.

Selbst wenn die DRV dich als Erwerbsunfähig einstuft, kannst du trotzdem arbeiten gehen.

Wenn du mehr als 3 Stunden täglich arbeitest, landest du nicht in der Sozialhilfe sondern bei ALG II wenn dein einkommen nicht ausreicht.
 
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Garak

Gast
Ich möchte halt nicht Gefahr laufen in die Sozialhilfe abzurutschen. Wenn ich also eine gewisse Zeit im ALGII bin, erstmal keine Arbeit finde und der Arzt mich für weniger als 3Std einstuft kann mich das JC in die Sozialhilfe abschieben zumindest solange bis ich eine Stelle gefunden habe und mehr als 3 Std arbeiten würde?
 
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