Krankenstand in Probezeit - Chefin zahlt Gehalt nicht

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Bewerberin1984

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Hallo zusammen.

Ich bin seit Februar 2019 wieder in einem Beschäftigungsverhältnis (selbst gefunden, nicht von der ARGE vermittelt). Die Zustände dort waren dermaßen schlimm (Mobbing, demütigende Aufgaben, die nix mit den Tätigkeiten im Arbeitsvertrag zu tun hatten etc.), dass ich Anfang Juli einen Nervenzusammenbruch erlitten habe. Ich habe auch privat einiges wegstecken müssen in den letzten Jahren (viele Todesfälle in der Familie, u.a. auch durch Suizid) und bin vom Nervenkostüm her ohnehin nie die Stabilste gewesen.Jedenfalls, lange Rede kurzer Sinn, ich bin seit dem 3. Juli bis kommenden Montag (5. August) krankgeschrieben wegen mittelschwerer Depression und befinde mich nun auch in Therapie und habe ein Antidepressivum verschrieben bekommen.

Meine Probezeit in dem Job würde am 1. August enden. Ich habe sofort am ersten Tag meine Krankmeldung beim Arbeitgeber eingereicht, sowohl per Mail als auch das Original per Post, habe aber seither kein Gehalt bekommen. Normalerweise wird dieses immer am 15. des Monats überwiesen, sollte also längst auf meinem Konto sein. Eine Kündigung habe ich jedoch auch nicht erhalten (meine Kündigungsfrist beträgt in der Probezeit beidseitig 2 Wochen laut Vertrag).

Die Frage ist, was kann ich nun unternehmen? Mein Arzt hat bereits angedeutet, dass er mich weiterhin krankschreiben möchte bei meinem nächsten Termin (dieser ist am Montag nächste Woche).
Eine Personalabteilung hat das Unternehmen nicht, die Gehälter werden vom Ehemann der Chefin gemacht. Beide sind merkwürdigerweise weder telefonisch noch per Mail zu erreichen und wenn ich mal einen anderen Mitarbeiter ans Telefon bekomme, heißt es jedesmal "Ich sag ihr Bescheid, sie ruft dann zurück!", was aber nie passiert.

Kann mir jemand sagen, was ich nun machen kann? Rein rechtlich steht mir das Gehalt ja zu?
 

Kerstin_K

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Fordere Nachweisbar schriftlich mit Fristsetzung das ausstehende Geld an, am besten per Einschreiben. Passiert dann nichts, gehst du zum Arbeitsgericht und lässt von der einem Rechtspfleger in der Rechtsanstragsstelle eine arbeitgerichtlichen Mahnbescheid aufnehmen, Zinsen nicht vergessen. Kostet nichts.
 

Bewerberin1984

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Fordere Nachweisbar schriftlich mit Fristsetzung das ausstehende Geld an, am besten per Einschreiben. Passiert dann nichts, gehst du zum Arbeitsgericht und lässt von der einem Rechtspfleger in der Rechtsanstragsstelle eine arbeitgerichtlichen Mahnbescheid aufnehmen, Zinsen nicht vergessen. Kostet nichts.

Der Witz ist ja, dass es sich bei meinem AG um eine Anwaltskanzlei handelt. ;) Die sollten ja eigentlich am besten wissen, dass es nicht rechtens ist, das Gehalt einfach zurückzuhalten bzw. nicht auszubezahlen
 

Bewerberin1984

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Vielleicht wollen Sie mal schauen wie gut Du den Rechtsweg kennst.

Naja. Ich hab mir überlegt, dass sie evtl. einfach behaupten können, meine Krankmeldung sei nicht eingegangen und sie deshalb kein Gehalt überweisen. Da ich selbige aber per Mail und Post (kein Einschreiben, nur normaler Brief) geschickt habe, hätte ich ja immer noch den Beweis inklusive Datum, dass sie sich in meinen gesendeten Mails befindet. Ich hoffe das wäre ausreichend.
 

apfelkuchen

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Ich würde auch mal bei der Krankenkasse anrufen. Dein AG muss nämlich auch die SV Beiträge abführen, da kann es bei dem Verhalten sinnvoll sein, frühzeitig auch die zu informieren.

Nur weil jemand Anwalt ist heisst das nicht, dass er sich ans Gesetz hält. Der Beruf sagt nichts über den Charakter aus.
 

Bewerberin1984

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Ich würde auch mal bei der Krankenkasse anrufen. Dein AG muss nämlich auch die SV Beiträge abführen, da kann es bei dem Verhalten sinnvoll sein, frühzeitig auch die zu informieren.

Nur weil jemand Anwalt ist heisst das nicht, dass er sich ans Gesetz hält. Der Beruf sagt nichts über den Charakter aus.

Stimmt, das mit der Krankenkasse ist eine gute Idee.. krankenversichert bin ich jedenfalls noch über meinen AG, andernfalls hätte sich die Kasse längst selber bei mir gemeldet, mit dem obligatorischen "Wie sind Sie weiterhin bei uns versichert, Frau X?"
 
Zuletzt bearbeitet:

avrschmitz

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Naja. Ich hab mir überlegt, dass sie evtl. einfach behaupten können, meine Krankmeldung sei nicht eingegangen und sie deshalb kein Gehalt überweisen.
Selbst wenn dem so ist, dann können sie Dir nur die Tage einbehalten, wo Du "unentschuldigt" gefehlt hast. Den Rest des Monats müssen die dann trotzdem bezahlen.

Ich würde genau das machen, was @Kerstin_K Dir in #2 empfohlen hat. Du musst bedenken, bis das Geld bei Dir ist, dauert es noch. Es könnte auch sein, dass die das aussitzen wollen.
 

grün_fink

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Ich würde auch mal bei der Arbeitsagentur nachfragen. Glaube, die können auch in Vorleistung gehen und sich das Geld vom Arbeitgeber auf dem Rechtsweg holen. Das würde gerade einer Anwaltskanzlei nicht gefallen, auch nicht wenn du das mal nebenbei erwähnst, dass du jetzt dann zum Amt musst oder (vllt noch besser) einen Anwalt einschalten möchtest.
Viel Erfolg und alles Gute für die Gesundheit.
 

Agent

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@grün_fink Das ist nicht möglich. Die AfA kann nur im Falle einer Insolvenz Insolvenzgeld zahlen, aber sie übernimmt nicht sämtliche Lohnausfälle.
 

OldieButGoldie

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Und wie wäre es, erst mal beim AG anzurufen, statt gleich einen Mahnbescheid zu schicken?
Die Ausschlussfrist - sofern es eine gibt - ist noch nicht abgelaufen.
Kündigung in Probezeit mit 2 Wo geht zwar auch nicht mehr, aber eine Kündigung ist trotzdem noch möglich. Der Anwalt dürfte vermutlich nicht mehr als 10 Angestellte haben.

Zur Not eine Kopie der AUB nochmal durch Boten dort abgeben und quittieren lassen.
 

avrschmitz

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Mahnbescheid und parallel Insolvenzantrag gegen den Arbeitgeber stellen da er ja auch zahlungsunfähig sein kann
 

grün_fink

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@grün_fink Das ist nicht möglich. Die AfA kann nur im Falle einer Insolvenz Insolvenzgeld zahlen, aber sie übernimmt nicht sämtliche Lohnausfälle.
Das mag stimmen, oder nur teilweise. Ich kannte jemanden, da ging es beim Arbeitsgericht um die Art der Kündigung, und der ausstehende Lohn wurde (aufgrund der Konstellation) vom Arbeitsamt schon vorher gezahlt.
Bei ausstehendem Krankengeld magst du (sehr wahrscheinlich) recht haben.
Nebenbei zu erwähnen, dass man aufgrund des ausstehenden KG aus Amt muss, könnte den Prozess doch etwas beschleunigen.

Kündigung in Probezeit mit 2 Wo geht zwar auch nicht mehr, aber eine Kündigung ist trotzdem noch möglich. Der Anwalt dürfte vermutlich nicht mehr als 10 Angestellte haben.

Zur Not eine Kopie der AUB nochmal durch Boten dort abgeben und quittieren lassen.
Fristgemäße Kündigung wäre das dann, und bis dahin wäre Krankengeld zu zahlen.
Die Frage danach, ob man dort weiter arbeiten kann, wird aufkommen.
Mir kommt gerade die Frage nach den rechtlichen Pflichten eines Arbeitgebers, wenn jemand (vorausgesetzt der kennt in diesem Fall keine AU, weil die nicht angekommen wäre) dann womöglich "unentschuldigt fehlt", und das noch in der Probezeit. Da wäre doch schon lange eine Anfrage oder eine Kündigung gekommen.

Mahnbescheid und parallel Insolvenzantrag gegen den Arbeitgeber stellen da er ja auch zahlungsunfähig sein kann
Mahnbescheid: Würde ich erst machen, wenn am Monatsende noch kein Geld da wäre.
Bezüglich Insolvenzantrag würde ich mich gründlich beraten lassen beim Gericht oder Anwalt, oder der Arbeitsagentur.
Es könnte sich nämlich auch nur um eine Chaostruppe handeln, und das Auszahlen schon am 15. des Monats um ein Entgegenkommen des Arbeitgebers.
Und Depression bringt oft suboptimales Verhalten mit sich, weil sie den Blick vernebelt.

Beitrag Nummer 2 von Kerstin.K. dürfte am meisten zielführend sein.
 

avrschmitz

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parallel Insolvenzantrag gegen den Arbeitgeber stellen da er ja auch zahlungsunfähig sein kann
Das halte ich nicht für sinnvoll, denn man sollte sich aber auch zum Einen im klaren darüber sein, dass man die Kosten tragen muss.
  • Gerichtskosten: Für den antragstellenden Gläubiger fällt zunächst eine 0,5-Gebühr für den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens – mindestens 150 EUR – an (KV-Nr. 2311). Maßgeblich für die Berechnung ist der Wert der Forderung, es sei denn, der Wert der Insolvenzmasse ist geringer (§§ 35 InsO, 58 Abs. 2 GKG). Stellt der Schuldner ebenfalls einen Antrag, weil er die Restschuldbefreiung erreichen will (vgl. §§ 20 Abs. 2, 287 Abs. 1 InsO), fällt hierfür eine weitere 0,5-Gebühr an (KV-Nr. 2310). Für Letztere kann der Gläubiger als Zweitschuldner in Anspruch genommen werden, wenn der Schuldner – wie dies regelmäßig der Fall ist – zahlungsunfähig ist.

  • Auslagen: Die Auslagen (z.B. Sachverständigenkosten, Kosten des vorläufigen und des endgültigen Insolvenzverwalters) sind ebenfalls im GKG (KV-Nr. 9000 ff.) bzw. JVEG geregelt (KV-Nr. 9005).
Quelle

und zum anderen:

Es müssen also folgende Bedingungen erfüllt sein:


  • Rechtliches Interesse des Gläubigers an der Insolvenzeröffnung
    Dieses Interesse fehlt, wenn die Forderung völlig unbedeutend ist oder der Insolvenzantrag durch den Gläubiger als Druckmittel missbraucht wird. Auch insolvenzfremde Zwecke dürfen damit nicht verfolgt werden. Das wäre z. B. dann der Fall, wenn der Gläubiger damit den Schuldner als Wettbewerber ausschalten will.
  • Eröffnungsgrund, z. B. die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners oder dessen Überschuldung
    Die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners kann der Gläubiger z. B. dadurch belegen, dass er eine Bescheinigung über einen erfolglosen Pfändungsversuch vorlegt, die nicht älter ist als ein bis sechs Monate. Auch die Vorlage einer Vermögensauskunft des Schuldners ist möglich.
  • Glaubhaftmachung einer geldwerten Forderung einschließlich deren Höhe
    Hierfür sind zusammen mit dem Antrag entsprechende Belege vorzulegen, z. B. Rechnungen und Mahnungen.
Quelle

Da das nur als Druckmittel zur Zahlung ist, funktioniert das Ganze nicht. Und wenn die Kanzlei nicht Zahlungsunfähig ist, hat man die Kosten am Bein, genauso, wenn die Masse die Kosten für das Verfahren nicht hergibt. Von daher würde ich mir das schön überlegen.
 

Agent

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Das mag stimmen, oder nur teilweise. Ich kannte jemanden, da ging es beim Arbeitsgericht um die Art der Kündigung, und der ausstehende Lohn wurde (aufgrund der Konstellation) vom Arbeitsamt schon vorher gezahlt.
Bei ausstehendem Krankengeld magst du (sehr wahrscheinlich) recht haben.
Nebenbei zu erwähnen, dass man aufgrund des ausstehenden KG aus Amt muss, könnte den Prozess doch etwas beschleunigen.

Ich habe mich wirklich nicht korrekt ausgedrückt, war nur kurz im Tiefflug gestern hier :) Im Rahmen der Gleichwohlgewährung hast du recht, da kann durchaus bei ausstehenden Zahlungen die Agentur ALG I zahlen, das ist zB regelmäßig der Fall, wenn eine Kündigung unwirksam ausgesprochen wurde. Hier gibt es aber keine Kündigung und der Arbeitgeber wurde noch nicht mal aufgefordert zu zahlen.
 
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