Komplexer Sachverhalt - ALG I, II oder gar nichts beantragen? (1 Betrachter)

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Dunia

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Hallo in die Runde.

Mein Sachverhalt ist etwas komplzierter und mir ist daher nicht klar, wie ich mich am besten bezüglich ALG I, ALG II oder ggf. gar keinen Antrag auf Leistungen von Papa Staat verhalten soll.

Ich befinde mich derzeit in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis, in dem ich länger als 1 Jahr arbeite.
Nun möchte ich mich beruflich neu aufrichten und habe das Angebot bekommen ab September 2016 ein Festanstellung mit gleichzeitiger berufsbegleitenden Zusatzqualifikation anzufangen. Werde also zu voraussichtliche zu 75% oder 100% angestellt und die berufsbegleitende Ausbildung wird vom Arbeitgeber übernommen.

Allerdings möchte ich meine derzeitige Stelle nicht mehr bis dahin ausüben. Aus verschiedenen Gründen ist folgendes grob geplant (ggf. anpassbar):
Aufhebungsvertrag (Betriebsbedingte Kündigung kommt für Arbeitsgeber nicht in Frage, da mögliches Widerspruchsrecht meinerseits) zu Frühjahr 2016 (bspw. zum 31.2.2016). Von März bis Mai möchte ich ein Praktikum machen. Vergütung 175€ monatlich. Kosten Freiwillige Krankenversicherung 160€ monatlich. Ab Juni möchte ich gern reisen, bei pädagogischen Projekten Assistenzen (i.d. unentgeltlich oder sogar Kost, Logis und Reisekosten selbst zu übernehmen) machen und den ein oder anderen Auftrag als Honorarkraft/ freie Trainerin übernehmen. Seit 2010 bin ich neben Studium/Job als Kleinunternehmerin beim Finanzamt selbstständig gemeldet.

Wenn ich meine Wohnung untervermiete könnte ich die Zeit des Praktikums irgendwie über die Runden kommen, da Logis/ Kost an Werktagen frei. Im Sommer müsste ich aber so viele Aufträge annehmen, dass ich davon meine laufenden Kosten begleichen kann. Eher unrealistisch. Hier wird’s also finanziell zu eng. Vor allem, wenn ich auch mal zu Hause sein will und die Wohnung dann nicht vermieten kann.

Daher meine Fragen:
Welche Unterstützung würde für mich während des Praktikums in Frage kommen (ALG I wegen Sperrfrist raus? ALG II möglich, wenn ich ja eigentlich nicht zu Verfügung stehe, da Praktikum?)
Welche Unterstützung ist im Sommer denkbar? (ALG I und dann gut erreichbar sein und die Menschen vom Amt damit zufrieden stellen, dass ich ab September wieder Tätigkeit aufnehme und die ein oder andere Bewerbung schreiben?
Muss ich mich dann vom ALG I bei jedem Auftrag ab- und wieder anmelden oder werden die Einkünfte nachträglich gegengerechnet?
Muss ich die Einkünfte aus Vermietung versteuern, wenn ich damit nur die laufenden Kosten wie Miete, Nebenkosten, Heizung, Internet decke? Also keinen Gewinn erziele? Nur meine Wohnung von März bis Ende August untervermiete?
Kann ich mich überhaupt arbeitslos melden, wenn ich mein Gewerbe mit nicht abmelde? (zum Verständnis, ich mache 1-5 kleine Aufträge im Jahr und habe die Steuernummer nur, um Rechnungen schreiben zu können. So muss nicht jedes Mal ein Honorvertrag aufgesetzt werden).

Ich hoffe ihr könnt mir in dieser komplzierten Angelegenheit weiterhelfen und nen Tipp geben, wie ich meine Existenzsicherung am besten bewerkstellige.

[Zum Verständnis: Langfristig möchte ich mich komplett selbstständig machen also nur noch in dem Bereich des Praktikums und der Assistenzen frei arbeiten. Daher dieser vielleicht etwas komisch klingende Plan. Es geht um Erfahrungen sammeln, netzwerken und mir was Gutes tun, um nach zu vielen Jahren Bürojob wieder zu mir zu kommen.]

Vielen Dank :) dank:
 

Fritz Fleißig

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1. Bei Eigenkündigung deines Arbeitsvertrages ohne wichtigen Grund wird eine Sperrzeit von 12 Wochen verhängt. Eine Sperrzeit würde mit Aufgabe der Beschäftigung, hier also vermutlich am 01.03.2016, beginnen. Die Anspruchsdauer auf ALG mindert sich parallel dazu um drei Monate. Der geplante Berufswechsel ist kein wichtiger Grund. Aufhebungsverträge werden wie eine Eigenkündigung behandelt. Es würde freilich Anspruch auf Krankenversicherung während der Sperrzeit bestehen.

2. Du mußt während der Arbeitslosigkeit der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stehen, also beispielsweise Vermittlungsvorschlägen nachgehen und angebotene Beschäftigungen annehmen können. Wenn du ein Praktikum machst oder hinterher "viel reisen" oder Assistenzen übernehmen möchtest, wirst du gerade nicht verfügbar sein. ALG dient zur Überbrückung der Arbeitssuche, nicht unbedingt zur Förderung deiner gewünschten beruflichen Entwicklung in weiterer Zukunft. Dir wird deswegen höchstwahrscheinlich kein ALG zustehen.

3. Sollte dir ALG zustehen, würden nur Einnahmen aus unselbständiger oder selbständiger Tätigkeit (Nettobetrag!) jenseits von 165 Euro monatlich angerechnet, aber beispielsweise keine Mieteinnahmen. Die Versteuerung hat damit nichts zu tun.

4. Arbeitslos melden und ALG beziehen kannst du dich, auch wenn du ein Gewerbe angemeldet hast. Voraussetzung ist, daß es dich nicht länger als 15 Wochenstunden in Anspruch nimmt - was bei Selbständigen naturgemäß schlecht zu kontrollieren ist.

5. ALG II ist gleichfalls Grundsicherung für Arbeitssuchende. Auch hier wird also Verfügbarkeit für die Arbeitsvermittlung vorausgesetzt, es sei denn, daß dir aus wichtigen persönlichen Gründen (Kindererziehung, Pflege von Angehörigen und dergleichen) eine Tätigkeit derzeit nicht zumutbar ist.

6. Insgesamt sieht das eher schlecht für dich aus. ALG und ALG II sind nun einmal vom Konzept her primär keine Geldmittel für die Verwirklichung beruflicher Entwicklungswünsche. Möglicherweise könnte es anders aussehen, wenn die Fortbildung von der Arbeitsagentur offiziell gefördert oder wenigstens genehmigt wird. Da kann ich dir mangels Kenntnis aber leider nicht viel weiterhelfen. Ich habe auch meine Zweifel, ob man das bewilligen würde, da du ja zuvor eine Beschäftigung hattest und sie ohne zwingenden Grund selbst gekündigt hattest.
 
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