Klinikum entlastet seine Mitarbeiter mit einzigartigem Tarifvertrag (1 Betrachter)

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Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

B

bibumuc

Gast
Der Vertrag ist sicherlich ein erster guter und sehr wichtiger Schritt.

Das große Problem ist halt nur, woher nimmt man, kurz- bzw. mittelfristig, die Pflegekräfte? Selbst wenn man die Arbeitsbedingungen erheblich verbessert, ist soviel freies Personal zeitnah ja gar nicht zu bekommen.

Da haben sich Politik, Sozialpartner und Arbeitgeber in eine Situation manövriert, aus der so leicht, selbst wenn man aktuell den aller beste. Willen unterstellen mag, kein entkommen ist.

Wenn da jetzt wirklich ein ernsthafter Wettbewerb ums Personal über die Arbeitsbedingungen los geht, dürfte in manchen Regionen und manchen Kliniken bald Landunter sein.
 

Heidschnucke

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Mal an dieser Stelle ein Verweis auf unsere Örtliche Tageszeitung vom 14. März 2019

Geschäftsführung begründet dies als “unverzichtbare betriebswirtschaftliche Maßnahme” / Personalquote liegt derzeit bei 85 Prozent
Heidekreis-Klinikum baut Pflegestellen ab
 

Kampfmops

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Leider wurde es ja in vielen Bereichen versäumt (viele Jahre lang) genug Nachwuchs auszubilden. Im Bereich Pflege scheinen die Jobcenter auch Umschulungen zu bezahlen, wenn jemand dafür geeignet ist (ist leider ein Bereich, den nicht jeder schafft) und es unbedingt machen mag.

Finde ich auf jeden Fall gut, das sich in einigen Bereichen nun langsam was tut, um etwas zu verbessern. Hoffe weitere ziehen nach.
 

EvaSch

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Es nützt aber auch rein gar nix, wenn jetzt Azubis ohne Ende eingestellt werden, wenn die Ausbildung ein Witz ist!
Mein Freund hat sich absichtlich an einer Schule für Altenpflege angemeldet, die einen sehr guten Ruf hat.
Die schulische Ausbildung ist Verarsche. Statt sich auf die Altenpflege Ausbildung zu konzentrieren, lernen die dort Kochen und Basteln. Stunden, die sinnvoller gestaltet werden könnten.
Im Betrieb selbst ist es ähnlich. Durch den herrschenden Fachkräftemangel läuft ein Azubi um 1. Betriebsmonat schon alleine durch den Laden, hat seine eigene Station und eigentlich von Tuten und Blasen keine Ahnung. Aber weil keine Fachkraft zur Anleitung da ist, ist der Schüler gearscht.
Und von wegen die Azubis sind zusätzlich, in Wahrheit werden die Azubis als ausgebildete Kräfte geführt und machen das Gleiche wie die ausgebildeten Kollegen, nur für einen Bruchteil des Gehaltes und mit deutlich weniger Ahnung, was sie da überhaupt tun.
So einfach ist das also Alles gar nicht.
 
G

Gelöschtes Mitglied 63650

Gast
Jahrzehntelange Versäumnisse kann man nicht in drei Tagen ungeschehen machen. Ich denke auch, dass solange Kliniken und Heime als Renditeobjekte gesehen werden, eine wirkliche Verbesserung nur schwer und mit großem Kostenaufwand für die Versicherten zu erreichen ist.
 

hansklein

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Ich denke auch, dass solange Kliniken und Heime als Renditeobjekte gesehen werden, eine wirkliche Verbesserung nur schwer und mit großem Kostenaufwand für die Versicherten zu erreichen ist.
Weniger, denn dafür werden die Kräfte aus dem Ausland genommen werden, um den - vorübergehenden - Mehrbedarf an Fachkräften zu decken. Ein größeres Problem wird es dann geben, wenn die Pflegekräfte/Klinikpersonal etc. in ausreichender Höhe vorhanden sein werden - und dann die Babyboomer einfach so wegbrechen, denn Sterben werden wir alle (vermute ich ;-) )einmal. Dann gibts auf einmal viel zu viel Personal, von dem ein Teil nicht soviel in die Staatskasse einzahlen konnte, wie es gekostet haben wird. 1964 war der Höhepunkt des Babybooms. Bis 2031 werden die meisten davon, die dann noch leben, vermutlich Rentner, ein Teil davon wird Pflegebedürftig - und wenn dieser Teil nicht mehr da ist - gibts den Bedarf an Arbeitskräften - in der Pflege - in der Höhe nicht mehr, wenn nicht genügend Einwandern, um den Ausgleich zu schaffen.
 
G

Gelöschtes Mitglied 63650

Gast
Deutschland ist nicht unbedingt ein attraktives Land für Arbeitsmigration auf hohem Niveau.

Die demographische Keule darf natürlich auch hier nicht fehlen. Nur schade, dass sich die Prognosen, mit denen man den Raubbau an den Sozialsystemen begründet hatte, nie bewahrheitet haben. Die neue Sau, die man durchs Dorf treibt heißt Digitalisierung, falls du es noch nicht bemerkt haben solltest und auch hier sind die Prognosen der Propheten äußerst fragwürdig,

Wir leben heute, nicht 2031.
 
G

Gelöschtes Mitglied 63650

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Das ist völlig am Thema vorbei. Die Arbeitsbedindungen werden doch heute nicht besser, weil es 2031 weniger Menschen geben könnte. Das sind in dem Fall die Fehler der Vergangenheit, die die heutige Generation ausbaden darf: Privatisierung, Stellenabbau, verfehlte Tarifpolitik.
 

hansklein

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Die Vergangenheit hat gezeigt, das es die Arbeitsbedingungen nicht verbessert, sondern für die arbeitenden Menschen langfristig verschlechtert, wenn man - um kurz/mittelfristigen Bedarf zu decken - eine hohe Zahl an Menschen ausbildet/Umschult/Migriert sonst woher nimmt, bis das Angebot an Arbeitskräften größer wird, wie es Arbeitsplätze in dem Bereich gibt. Das wurde früher gerne in bestimmten kaufmännischen/IT-Bereichen so gehandhabt. Ein gutes hat das auf jeden immer für die Unternehmen, langfristig betrachtet.
 
G

Gelöschtes Mitglied 63650

Gast
Da gibt es einige Beispiele für Berufe, wo man am Bedarf vorbei ausgebildet hat. Das wäre auch kein Problem bei einem funktionierenden Arbeitsmarkt, der eine Umorientierung nicht gleich zu einem sozialen Absturz werden lässt.

Deinen Vorschlag, das Thema Pflegenotstand auszusitzen halte ich für menschenverachtend, wenn man bedenkt, wieviele Menschen in diesen Berufen an der Überlastung regelrecht kaputt gehen.
 

hansklein

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Wo bitte habe ich etwas von Aussitzen geschrieben? Es gibt für alles Lösungen. Für einige Tätigkeiten benötigt man z.b. nicht unbedingt speziell ausgebildetes Fachpersonal, da könnte man hingehen und das Fachpersonal entlasten, damit es mehr Zeit hat, sich um die Menschen und ihre Belange zu kümmern. In Altenheimen in der Gegend in der bin, wäre es möglich mehr Personal zu erhalten - wenn diese die Arbeitnehmer nicht vergraulen würden und sowieso nur einen rel. kleinen Anteil an Fachpersonal einstellen , Pflegehelfer sind billiger... Da läuft vieles in den Pflegeheimen schief.
 

bernhardiner

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Die Vergangenheit hat gezeigt, das es die Arbeitsbedingungen nicht verbessert, sondern für die arbeitenden Menschen langfristig verschlechtert
Da liegt die Ursache m.M.n. aber auch auf der Arbeitnehmerseite, wenn man / Frau sich mal in seinem Arbeitsumfeld umschaut, wie viele eurer Kolleginnen / Kollegen sind da gewerkschaftlich organisiert?
Bei mir sind / waren das gerade mal etwas weniger als 10% (2), im Gesamtbetrieb deutlich weniger.
 

hansklein

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Da hast du recht Bernhardiner, leider "fliegt" auch schnell, wer sich zu wehren weiß oder bekommt bei Zeitverträgen nat. keine Verlängerung. Die anderen kuschen dann nat. eingeschüchtert. Es gibt nun mal genug Auswahl unter den Arbeitssuchenden, das stärkt nicht unbedingt die Position einzelner.
 

Stauer

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Hallo,
bereits 2007 erschien ein Buch von Markus Breitscheidel und Günter Wallraff. Es heißt Abgezockt und totgepflegt- Alltag in deutschen Pflegeheimen. Was der deutsche unter pflegen versteht, nennt man anderswo Verbrechen gegen die Menschheit. Das würden andere Nationen nicht einmal mitten im Krieg tun. Da kann man lesen, was mit Pflegepersonal passiert und welche Verbrechen Hilf-und Wehrlosen angetan werden.
Mittlerweile sind 12 Jahre vergangen. Es hat sich fast nichts geändert.
@cibernauta , es ist schön, das Du einen kleinen Lichtblick reinbringst. Wir sollten uns nichts vormachen, es fehlt viel mehr Personal.
 

hansklein

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Wenn Personal fehlt, stellt sich erstmal die Frage: Wo genau fehlt welches Personal. Es Sind solche Sachen merkwürdig und die passieren nicht nur da: Stellenabbau im KH .
Ich denke, das es erstmal an vernünftigem Personal in den obersten Etagen mangelt, die vernünftig Entscheiden, Planen - da vor allem Personalplanung - und Wirtschaften können. Nützt nix, wenn man um anderweitige Mißstände zu verdecken, massiv mehr Personal einsetzt und die Kosten erhöht, statt erstmal zu schaun, wo von ganz oben Angefangen Änderungen gemacht werden müssen und Arbeitsabläufe optimiert. Dann schaun, welches Fachpersonal gebraucht wird, in welchem Bereich. Was ist das für ein Widerspruch:
Im Würselener Rhein-Maas Klinikum ist 17 Mitarbeitern während der Probezeit gekündigt worden.
Dass die Lage aktuell schwierig ist, liegt für den Klinikmanager zum einen daran, dass die Geburtshilfe seit März wegen Personalmangels geschlossen ist...

...Deutlich lieber als über die aktuellen 17 Kündigungen spricht er über die ebenfalls aktuellen 17 Absolventen der eigenen Pflegeschule, die man übernommen hat. Über die Ideen, das Haus medizinisch zu spezialisieren. Oder über die neuen OP-Säle, die gebaut werden sollen, die Stationen, die noch modernisiert werden, das neue Parkhaus, für das er gerade den Bauantrag eingereicht habe.
oder Krankenhaus Mitarbeiter Kündigung
. Ein „stationäres Angebot zur Grundversorgung“ – was immer das heißen mag – soll es in Zell geben. Sind das fünf Betten, zehn oder mehr? Klar ist auch, dass es zu einem massiven Personalabbau kommen wird. Dabei haben die Mitarbeiter wegen des Personalmangels in den vergangenen Jahren Tausende Überstunden geleistet, die sie kaum abbauen konnten. Sie haben erst die Klinik mit ihrem Einsatz am Laufen gehalten und sind jetzt die Leidtragenden eines miserablen Managements.
Wie ein Spruch sagt: ein Fisch fängt oben an zu stinken.
 

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Ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Arbeitsbedingungen hierzulande werden eigenbtlich immer schlimmer und schlimmer, da die Unternehmer den Hals nicht voll bekommen können.
 
G

Gelöschtes Mitglied 63650

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Kliniken oder Pflegeheime dürften keine Unternehmen sein, zumindest keine profitorientierten. Das ist problematisch, wie wir anschaulich derzeit auch in der Wohnungswirtschaft sehen.

Wie lange wollt ihr das den Eliten noch durchgehen lassen?
 

Kerstin_K

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Das Problem fängt doch schon damit an, dass ein hoher Pflegegrad für ein Heim lukrativer ist als ein niedriger. Gute, aktivierende Pflege, bei der sich der Zustand verbessert, müsste belohnt werden.
 
G

Gelöschtes Mitglied 63650

Gast
Ja, das wäre mittel- und langfristig sogar ökonomisch nachhaltig. Vorbeugung findet zu wenig statt und oft muss man sie selbst organisieren.
Wenn ich so meine Krankengeschichte betrachte, habe ich die Maßnahmen, die wirklich geholfen haben, überwiegend selbst organisiert und teilweise auch finanziert.
 

Kerstin_K

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In virlrm Pflegeheimen wird doch regelrecht auf hohe Pflegestufe hingepflegt. Das darf nicht sein.
 
G

Gelöschtes Mitglied 63650

Gast
Das ganze System ist menschenverachtend und korrupt. Leider wird das nicht hinreichend thematisiert und immer nur an Kleinigkeiten herumgedoktort. Es geht uns ja so gut, wenn wir nicht gerade krank, alt und in irgendeiner Form bedürftig sind, muss man dabei immer ergänzen.
 
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