Klage beim Arbeitsgericht, was tun? (1 Betrachter)

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Kate79

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Hallo liebes elo-Forum,

leider habe ich von meinem letzten Arbeitgeber kein qulifiziertes Arbeitszeugnis, sondern nur einen Beschäftigungsnachweis bekommen. Habe das Zeugnis in der zwischenzeit schriftlich und mit Fristsetzung angefordert aber immer noch nichts erhalten. Nun hat mir die Rechtsberatung der Linken (Danke Wolliohne!) dazu geraten vor dem Arbeitsgericht auf Abänderung des Zeugnisses zu klagen (Abänderung deshalb, weil über dem Beschäftigungsnachweis "Zeugnis" steht). Damit ich bei der Klage benennen kann was ich geändert haben will, habe ich ein selbstgeschriebenes qualifiziertes Zeugnis (Danke Borgi!), das ich der Klage beilegen werden.

Nun meine Frage: Hat jemand Erfahrung mit einer solchen Klage? Muss ich bestimmte Dinge beachten? Kann ich das Zeugnis (so, wie von mir geschrieben) einfach der Klage beilegen (habs unten angehängt)? Gibt es zu dem Zeugnis, wie ich es mir Vorstelle, noch Verbesserungen? Soo viele Fragen...

Vielen lieben Dank!

Liebe Grüße
David
 

Musterfrau

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Zunächst einmal dürfte der AG seiner Pflicht nachgekommen sein, indem er (zumindest) einen Beschäftigungsnachweis erstellt hat. Daß da "Zeugnis" drüber steht, halte ich übrigens für einen Patzer, der ihm wahrscheinlich selbst nicht klar ist.

Allerdings hast Du bekanntermaßen ein Recht auf Erteilung eines qualifizierten Zeugnisses. So würde ich es auch in der Klage formulieren. "Abändern" würde aus meiner Sicht bedeuten, daß unzutreffende Angaben zu Arbeitsleistung etc. enthalten sind. Hier ist aber nur die Begrifflichkeit mit Zeugnis falsch gewählt. Du sagst ja selbst, daß es sich um einen B-Nachweis handelt.

Soweit Unklarheiten in der Formulierung bestehen, kannst Du auch zur Rechtsantragsstelle des Arbeitsgerichtes gehen.

Den eigenen Entwurf eines Zeugnisses legt man der Klageschrift auf keinen Fall bei. In erster Linie willst Du ja, daß der AG selbst aus den Pötten kommt. Möglicherweise vergleicht man sich aber auch darauf, daß Du ihm (außergerichtlich) einen Entwurf vorlegst. Das wäre also der früheste Zeitpunkt, mit seiner selbst formulierten Bewertung an Land zu kommen.

M. E. benötigst Du so oder so auf jeden Fall noch einen Experten, der sich das Endprodukt schließlich ansieht und auf Fehler überprüft (der Richter wird dies nicht tun). Hast Du die Möglichkeit, Prozeßkostenhilfe zu bekommen?
 

avalon

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Zeugnis

Zunächst einmal: Musterfrau hat Recht, zur Klage gehört der Zeugnisentwurf nicht.

Trotzdem den vorsorglichen Hinweis, dass dieser Entwurf sein Tücken hat.
Sprachlich ist einiges im Argen, in der ersten Aufzählung tauchen "Informationen über Informationen" auf.
Die Erfolgswünsche für die Zukunft sind ohne ein "weiterhin" ein Zeugniskiller. Also entweder ganz weglassen, oder das weiterhin ergänzen!

Das war das wichtigste, aber nicht alles. Am besten wäre es, Du suchst Dir dabei etwas professionelle Unterstützung. Leichter gesagt als getan, weils Geld kostet, ich weiss! Trotzdem, wenns irgendwie möglich ist, wär das eine gute Investition!

avalon
 

Kate79

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Hallo Ihr Beiden,

danke für eure Antworten.

Ich war bereits bei einer kostenlosen Beratungsstelle deren Anwalt mir zur Fristsetzung per Brief (hatte keinen Erfolg) und dann zur Abänderung des "Zeugnisses" via Klage geraten hat. Er ist nicht sehr zuversichtlich, daß es Prozesskostenhilfe vor dem Arbeitsgericht gibt, darum muß ich mich selbst vertreten.

Sollte ich mir die qualifizierte Hilfe bei einem Anwalt für Arbeitsrecht holen oder gibt es da noch andere Stellen?
Gruß, David
 

Remhagen

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Hallo liebes elo-Forum,

leider habe ich von meinem letzten Arbeitgeber kein qulifiziertes Arbeitszeugnis, sondern nur einen Beschäftigungsnachweis bekommen. Habe das Zeugnis in der zwischenzeit schriftlich und mit Fristsetzung angefordert aber immer noch nichts erhalten. Nun hat mir die Rechtsberatung der Linken (Danke Wolliohne!) dazu geraten vor dem Arbeitsgericht auf Abänderung des Zeugnisses zu klagen (Abänderung deshalb, weil über dem Beschäftigungsnachweis "Zeugnis" steht). Damit ich bei der Klage benennen kann was ich geändert haben will, habe ich ein selbstgeschriebenes qualifiziertes Zeugnis (Danke Borgi!), das ich der Klage beilegen werden.

Nun meine Frage: Hat jemand Erfahrung mit einer solchen Klage? Muss ich bestimmte Dinge beachten? Kann ich das Zeugnis (so, wie von mir geschrieben) einfach der Klage beilegen (habs unten angehängt)? Gibt es zu dem Zeugnis, wie ich es mir Vorstelle, noch Verbesserungen? Soo viele Fragen...

Vielen lieben Dank!

Liebe Grüße
David

Ich habe eine Zeugnisklage hinter mir.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dir ein
qualifiziertes Zeugnis auszustellen.

Das qualifizierte Zeugnis ist zwar nur beschränkt gerichtlich überprüfbar. Voll überprüfbar sind aber die Tatsachen, die der Arbeitgeber dem Zeugnis zugrunde gelegt hat. So hat das BAG bereits 2003 entschieden.

Du kannst ohne Anwalt eine Klage auf Zeugniserteilung stellen. Als erster Satz nach dem Rubrum beantragst du die Beiordnung deines Anwaltes. Die Klageschrift kannst du auch in der Rechtstantragsstelle des Arbeitsgerichts zu Protokoll geben. Die kennen sich aus und helfen dir bei der Formulierung.

Lege der Klageschrift diesen "Beschäftigungsnachweis" bei.

Interessant wäre der genaue Wortlaut dieses Beschäftigungsnachweises.

Du kannst das von dir erstellte Zeugnis auch vorschlagen, hier aber mal ein Tipp: Übersende dieses Zeugnis dem Arbeitgeber und bitte ihn, es so für dich zu schreiben. Weigert er sich oder reagiert er nicht, kannst du die Klage immer noch einreichen. Warte nicht länger als 1 - oder 2 Monate auf eine Reaktion.

Du schreibst: "(habs unten angehängt)". Finde nichts :redface:

Gruß Remhagen


Sorry, habs jetzt gefunden. Ich finde das Zeugnis bis auf diesen Satz i. Ordnung:

"Herr X übertraf mit seinen Arbeitsergebnissen stets unsere Erwartungen. " Dieser Satz erscheint sehr übertrieben und sollte einen neuen Arbeitgeber fragen, warum der letzte Arbeitgeber ihn nicht fest -angestellt hat. Zu große Übertreibungen machen den möglichen neuen Arbeitgeber stutzig ;)
 
E

ExitUser

Gast
Ich finde das Zeugnis bis auf diesen Satz i. Ordnung:

"Herr X übertraf mit seinen Arbeitsergebnissen stets unsere Erwartungen. " Dieser Satz erscheint sehr übertrieben und sollte einen neuen Arbeitgeber fragen, warum der letzte Arbeitgeber ihn nicht fest -angestellt hat. Zu große Übertreibungen machen den möglichen neuen Arbeitgeber stutzig ;)
Würde ich nicht als große Übertreibung sehen (sofern es stimmt!) und halte ich auch nicht für kritisch. Wichtig ist bloß, daß der Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses klar ist. Ablauf eines Zeitvertrages ist nichts Negatives. Für die Nichtübernahme in ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis kann es vielerlei Gründe geben, z.B. Auftragsmangel beim Arbeitgeber, Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Geschäftsentwicklung usw. Es muß bloß der Eindruck vermieden werden, daß das Arbeitsverhältnis unbefristet angelegt war, aber hier jemand nach der Probezeit nicht übernommen wurde.
 
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