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Kein Bildungsbegriff für die Unterschicht

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klaus1233

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#1
Tagung des Bayerischen Lehrerverbands: Kein Bildungsbegriff für Unterschicht - taz.de

Das kann man schön in Brandenburg beobachten. Das Bundesland war einst das gerechteste, gemessen an den Pisa-Ergebnissen. Aber seit 2000 findet dort ein regelrechter Absturz auf der Gerechtigkeitsskala statt. Und das liegt nicht etwa an den bösen Privatschulen (die in Brandenburg den deutschen Spitzenwert von 16 Prozent einnehmen) oder statusbewussten Bildungsbürgern. Nein, die Unterschicht hat ihre Lektion aus Pisa nicht gelernt, verraten die Bildungsforscher, die die Bewegungen in Brandenburg beobachten
Wat is los? Wir haben die staatliche Zwangsschule und die Lerninhalte und Organisation entmündigt jede Form von Bürger- und Elternbeteiligung. Mit der Begründung, wir wissen und können alles besser, wir sind die Profis. Dat sehen wir seit langem. Die sind lernresistent, stammen ja auch überwiegend alle aus der Mittelschicht und möchte nicht, dass die knappen Plätze für ihre eigene Kinder jetzt noch durch Gleichmacherei im Bildungswesen zunichte gemacht werden.

Es ist Aufgabe eines neutralen Staates Bildungschancen gleichmäßig zu verteilen und Schulunterricht so durchzuführen, dass keine Siebung stattfindet, dass alle Kinder gleiche Chancen haben und bestmöglich auf die Zukunft vorbereitet werden. Da kommt dann wieder die Begabungskeule. Die einen Eltern füttern ihre Kinder mit Ritalin, Nachhilfe und agressive Management, damit sie in der Schulklasse sich asozial verhalten und die anderen abhängen und Eltern die das nicht tun, haben ihre Lektion nicht gelernt.

Wir haben hier seit 20-30 Jahren Kinder, die die Hauptschule verlassen, die können kein Musikinstrument spielen, können ihre Partizipationsrechte an Politik, Kultur nicht wahrnehmen, weil sie so verdummt wurden, dass sie kaum Artikel in einer besseren Zeitung verstehen. Die Bildung reicht oft nicht aus, Überblick über Einnahmen und Ausgaben zu führen und die Berufsfähigkeit ist auch oft nicht gegeben. Und die Bildung reicht meist nicht , um mit Hartz IV fertig zu werden und sich mit den eingestellten Akademikern als Fallenmanager auf gleicher Augenhöhe auseinander zu setzen. Leute blöd halten, war schon immer ein Motto der Herrschenden. Das ist kein Zufall. Und wenn es aufkocht, machen wir eine Tagung und Alibiprogramm in der Politik und alles bleibt seit 30 Jahren beim Alten. Im Gegenteil die Innovationen aus den 60er und frühen 70er wurde doch alle wieder eingestampft.
Humboldt und andere Reformpädagogen haben einen superanspruchsvollen Begriff von ganzheitlicher Persönlichkeitsbildung. Aber wie kann es eigentlich sein, dass man diese umfassende Bildung den bis in die Million gehenden Sonder- und Hauptschülern konsequent vorenthält? Für die gilt der Begriff nicht. Denn sie sind ja lernbehindert oder nur "praktisch begabt" - eine Formel, die CDU-Kultusminister noch heute benutzen.
Mangelnde Begabung, Geniekult, das sind auch so die Klassenargumente.

Politik hat das Problem angeblich erkannt und setzt bei den Kleinen an. Was aber ist mit den Millionen, die hier zu kurz gekommen sind, die pisageschädigt herum laufen, ob mit Arbeit oder ohne und die Entwicklung ihres Potenzial durch die staatliche Zwangschule im Klasseninteresse betrogen wurden. Dafür haben wir kein Geld.
 
E

ExitUser

Gast
#2
Humboldt und andere Reformpädagogen haben einen superanspruchsvollen Begriff von ganzheitlicher Persönlichkeitsbildung.
Diese Form der Bildung wollen die Herrschenden um jeden Preis vermeiden.

Denn, man stelle sich vor, die Menschen würden sich wirklich emanzipieren und von der Volksverblödung unabhängig machen.

Was dann passieren würde ...
 

Kleeblatt

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#3
Vor einigen tagen habe ich mich mit einer langjährigen Bekannten über die staatlichen Schulen unterhalten. Grund war das sie mit der dortigen Ausbildung ihrer Enkelin (3. Klasse) unzufrieden ist.

Nachdem sie mir so Einiges erzählte stellten wir fest das wir (und auch ihr Sohn = der Vater des Mädchens) überhaupt nichts mehr in Richtung gründliche Bildung feststellen können.

Wobei ich damit ohnedies so meine Probleme habe, da ich leider gestehen muß das sowohl ich als auch mein Sohn seinerzeit bereits auf Privatschulen gingen, jedoch immer Kontakt zu Bekannten mit Kindern in staatlichen Schulen hatten.

Ihre beiden Kinder gingen auf staatliche Schulen, aber so grottenschlecht wie heutzutage soll das nach einhelliger Meinung der Beteiligten damals nie gewesen sein, obschon auch früher dort nicht gerade alles prima für die Kinder lief (jedoch beide Kinder ein gutes Abi ablieferten).

Jetzt will ihr Sohn die Kleine in eine Privatschule "umtopfen" weil er trotz häuslicher Weiterbildung der Kleinen ihre Zukunft in Gefahr sieht. Sie wird dann ab dem kommenden Jahr in die ehemalige Schule meines Sohnes gehen (Empfehlung macht es möglich).

Es ist eine ausgemachte Schande für dieses Land das für jeden Krieg, für jedes noch so undemokratische Land (u.a. auch für China) z.B. hohe Entwicklungshilfe gezahlt wird, das D das von seinen Bürgern schwer erarbeitete Geld seit Jahrzehnten in aller Welt an Jeden für jeden Murcks verstreut und die eigenen Kinder mit immer weniger und schlechter Bildung abgespeist werden ect. pp.

Vielleicht aber ist diese Entwicklung in Richtung Privatschulen auch durchaus so gewollt, so daß in naher Zukunft alle Kinder aus einfacheren Finanzverhältnissen nur noch rudimentäre Grundausbildung bekommen.
Ich glaube seit Jahren an genau diese Entwicklung und frage mich dabei, - welches Land dieser Welt kann (und darf) es sich leisten ganze Teile von auch teilweise hochbegabten aber eher nicht finanzstarken Kindern nicht angemessen zu fördern und auszubilden.
Es ist doch nun wirklich nicht wahr das nur wer Geld hat auch die intellegenten Kinder vorweisen kann. Intellekt richtet sich eben NICHT nach dem Geldbeutel der Eltern.
Bereits seit vielen Jahren fallen u.a. auch genau diese Kinder hinten runter, wie man so sagt. Sie sind vielfach aufgrund von schwerer Unterforderung verhaltensauffällig, teilweise agressiv oder auch depressiv. Ihre Förderung wird und muß ausschließlich noch immer privat von den Eltern gezahlt werden. Können sie das finanziell nicht leisten, dann gehen diese Menschen uns allen bereits als Kinder "verloren" oder setzen ihren Intellekt irgendwann im schlimmsten Fall zu kriminellen Zwecken ein.

Was D hier seit Jahren zunehmend betreibt ist hochgradig dämlich und gesellschaftsschädlich.
Es muß nun wirklich ganz dringend ein Umdenken einsetzen.
Wir brauchen die Talente aller Menschen in diesem Land, völlig egal wieviel Geld die Eltern nach Hause bringen.
Und alle Menschen haben ein Anrecht darauf entsprechend ihres Könnens und ihrer Fähigkeiten gefördert und ausgebildet zu werden.
 

klaus1233

Elo-User/in

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#4
Was D hier seit Jahren zunehmend betreibt ist hochgradig dämlich und gesellschaftsschädlich.
Es muß nun wirklich ganz dringend ein Umdenken einsetzen.
Wir brauchen die Talente aller Menschen in diesem Land, völlig egal wieviel Geld die Eltern nach Hause bringen.
Und alle Menschen haben ein Anrecht darauf entsprechend ihres Könnens und ihrer Fähigkeiten gefördert und ausgebildet zu werden.
So sehe ich das auch. Man schaue nur nach Finnland, Korea, Japan ... welche Anstrengungen dort unternommen wurden und diese Wirtschaften stehen famos da.

Andererseits gibt es da das Kapitel bei R. Sennett über den Zusammenhang zwischen Nutzlosigkeit und Bildung in Kritik des modernen Kapitalismus. Er zitiert die Ökonomen, die Arbeitslosigkeit und Bevölkerungswachstum untersucht haben, und von denen keiner der Meinung war, das Bildung ein Mittel wäre, um Massenarbeitslose zu verhindern oder gar zu beseitigen. Und als Ausblick bietet er pessimistisch die Vermutung an, dass aufgrund der fortgeschrittenen Automation in der Wissensgesellschaft nur noch ganz wenig hochqualifizierte Spitzenkräfte gebraucht werden. Und in der Tat, arbeiten schon heute viele der Leute, die gut ausgebildet wurden, in ganz anderen Jobs, ein Verdrängung von oben nach unten findet Akademiker nehmen die Facharbeitstellen zunehmend ein und Facharbeiter kloppen sich um die letzten Hilfsarbeitsjobs, daneben dann die Jungen gegen die Alten oder umgekehrt, jeder klammert sich auf dem sinkenden Boot an den Balken, der ihn zumindest für ein kurzes Weilchen über Wasser hält.

Vielleicht ist Bildung nur ein Ablenkungsmanöver der Politik und kein Rettungsboot gegen Massenarbeitslosigkeit in einer globalisierten Welt mit hochautomatischen Produktionsprozessen?

Wenn wir zukünftig vielleicht auch alle mehr und drastischer verarmen, dann können wir zumindest uns die Zeit mit Bach, Shakespeare ... vertreiben, statt uns gegenseitig an die Kehle zu gehen, das wäre auch ein Fortschritt gegenüber vorherigen Jahrhunderten: die kulturell veredelte Verelendung als Alternative zu barbarischen. Aber ist das realistisch?
 

Michelle H

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#5
Vielleicht ist Bildung nur ein Ablenkungsmanöver der Politik und kein Rettungsboot gegen Massenarbeitslosigkeit in einer globalisierten Welt mit hochautomatischen Produktionsprozessen?
Es ist ein Ausleseprozess, sonst gar nichts. Es gibt viel zu viele Menschen auf diesem Planeten, und es werden täglich mehr. Wozu? Wie Du richtig sagst: die Produktionsprozesse werden weiter automatisiert. Und ob Du nun arbeitslos rumsitzt und den "Faust" rezitieren kannst oder nicht, bringt Dir an der Kasse vom Supermarkt nicht mal Bonuspunkte.
 
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