KdU zu hoch - Schreiben des Jobcenters Wohnungsvermittlung (1 Betrachter)

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ErikaMustermann

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Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich bin ganz neu hier und habe das Forum durchsucht, aber noch nicht die richtige Antwort auf meine Fragen gefunden. Daher versuch ich es jetzt mal in diesem Thread:

Ich habe vor 11 Monaten einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben gestellt, damals habe ich noch ALG I bezogen. Ich bin durch Krankheit arbeitslos geworden, möchte aber so schnell wie möglich wieder Fuß fassen im Arbeitsleben.

Nach einigem Hin und Her (Widerspruch, Gutachter) habe ich nun eine schriftliche Zusage der Rentenversicherung, dass ich an einer beruflichen Rehamaßnahme, die 12 Monate dauern wird, teilnehmen kann. Im Bescheid der Rentenversicherung steht kein fester Starttermin dieser Maßnahme, nur "Der Beginn der Leistung wird Ihnen rechtzeitig mitgeteilt". Nach mehreren VorgesprĂ€chen bei dem Anbieter dieser Maßnahme konnte man mir bis heute noch immer keinen festen Termin nennen. Es soll "spĂ€testens im Herbst" losgehen.

Da mein ALG I Anfang Juni 14 ausgelaufen ist, habe ich (alles rechtzeitig) beim Jobcenter ALG II beantragt. Dies wurde mir auch bewilligt (ab Juni 14). Der Sachbearbeiter hat mir die Auflage gemacht, mich regelmĂ€ĂŸig zu bewerben. Mein Einwand, dass ich ja bald eine berufliche Rehamaßnahme beginne und eine neue Stelle demnach dann gar nicht antreten kann, wurde nicht berĂŒcksichtigt. Ich muss Bewerbungen schreiben. Logisch ist es nicht.

Heute erhielt ich ein Schreiben des Jobcenters (per Postzustellungsurkunde), in dem ich aufgefordert werde, die Kosten der Unterbringung zu senken. "Die Fachstelle Wohnen des Amts fĂŒr Soziales und Senioren wurde eingeschaltet, damit dort die Vermittlung einer Wohnung mit angemessenen Unterkunftskosten erfolgt".

Mich ĂŒberkommt gerade eine richtige Panik und habe große Angst meine Wohnung zu verlieren. Ich wohne in einer Großstadt, meine Wohnung ist mit Sicherheit zu teuer, aber hier ist so gut wie nichts GĂŒnstiges zu finden. Und zudem steht die berufl. Reha an, in der ich Überganggeld beziehen werde, mit dem ich dann meine Miete bestreiten kann. Und mit Beginn der Maßnahme endet ja auch der Bezug des ALG II. Es ist also absehbar, dass das Jobcenter nicht ewig fĂŒr mich zustĂ€ndig ist. Das wird aber vom Jobcenter völlig ignoriert.

Kann das Jobcenter mich trotzdem zwingen, mir eine andere Wohnung zu suchen? Wenn die mir nĂ€chste Woche ein Wohnungsangebot schicken wĂŒrden, muss ich dass annehmen?

Kann ich gegen dieses Schreiben irgendwie Widerspruch einlegen? Es ist ja kein Bescheid, sondern ein "vorsorgliches Schreiben" (das Wort vorsorglich ist darin fett geschrieben und unterstrichen.

Ich danke euch im Voraus fĂŒr eure Antworten.
 

Seepferdchen 2010

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Willkommen Erika,

nun mal keine Panik, zwingen kann dich niemand.

Heute erhielt ich ein Schreiben des Jobcenters (per Postzustellungsurkunde)
Was mich sehr erstaunt ist das Jobcenter dir das per Postzustellungsurkunde zustellt.

NĂ€chste Frage was genau steht in diesem Schreiben?

Kannst du es mal ohne persönliche Daten hier in das Forum stellen?

Es ist ja kein Bescheid, sondern ein "vorsorgliches Schreiben" (das Wort vorsorglich ist darin fett geschrieben und unterstrichen.
Ja das heisst das JC macht dich darauf aufmerksam das die Kosten zu hoch sind.

Um wieviel zu hoch?

Hast du mal in die örtliche Richtlinie geschaut?

https://www.harald-thome.de/oertliche-richtlinien.html

Und lies bitte mal hier:

https://www.elo-forum.org/alg-ii/103288-gegenwehr-kostensenkungsaufforderung.html

https://www.elo-forum.org/kosten-unterkunft/72737-kostensenkungsaufforderung-gegenwehr.html
 
G

Gast1

Gast
Willkommen Erika,

nun mal keine Panik, zwingen kann dich niemand.
Sehe ich auch so.

Man kann Dich nicht dazu zwingen, dass Du in eine andere Wohnung mit "angemessenen" Unterkunftskosten ziehst. Das JC wĂŒrde bei Vorliegen einer "angemessenen" neuen Wohnung und Deiner Weigerung dorthin umzuziehen wahrscheinlich nicht mehr die kompletten Unterkunftskosten Deiner jetzigen Wohnung mehr ĂŒbernehmen, sondern nur den Teil der Kosten, den es als "angemessen" betrachtet.

Aber selbst wenn dieser Fall eintreten wĂŒrde, wĂŒrde die Dauer der Zeit, in der das JC Deine Unterkunftskosten nicht mehr komplett ĂŒbernimmt, eher gering ausfallen, eben wegen Deiner anstehenden beruflichen Reha, in der Du, wie Du schriebst, Anspruch auf Übergangsgeld hast. Welches hoffentlich höher ausfĂ€llt als Dein jetziges ALG II.
 

ErikaMustermann

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Erstmal vielen lieben Dank fĂŒr deine schnelle Antwort. Ich bin ganz begeistert, wie schnell mir hier geholfen wird!

Meine Miete liegt kalt ca. 250,00 Euro ĂŒber der Grenze, die das Jobcenter ĂŒbernimmt. Es ist mir ganz klar, dass das zuviel ist.

Die Postzustellungsurkunde verstehe ich auch nicht, es ist ja "nur" ein "vorsorgliches Schreiben". Aber damit wird doch mit Sicherheit irgendeine Frist in Gang gesetzt, oder?

Ich werde das Schreiben mal ohne pers. Informationen hier abtippen und hier einstellen.
 

ErikaMustermann

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D.h. bevor man mich zwingt umzuziehen, wĂŒrde ich erstmal nur nicht die kompletten Mietkosten erhalten. Das wĂ€re zwar sehr knapp, aber es ginge. Zumal ich ja doch irgendwann man die berufliche Reha starten kann.
Und das ist richtig, mit dem Übergangsgeld komme ich dann gut klar.

Muss ich denn trotzdem irgendwie reagieren auf dieses Schreiben?
Einfach mal die Sachbearbeiterin anrufen und nochmal auf die bevorstehende beruf. Reha hinweisen? Oder doch besser per Mail?

Ich danke euch fĂŒr eure Hilfe! Hier habt mir eine große Sorge abgenommen.
 

Seepferdchen 2010

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Ich werde das Schreiben mal ohne pers. Informationen hier abtippen und hier einstellen.
Mach langsam, morgen ist auch noch ein Tag!

Aber damit wird doch mit Sicherheit irgendeine Frist in Gang gesetzt, oder?
Es sind 6 Monate in der Zeit muß das JC den Betrag noch zahlen, bitte lies unbedingt
die beiden Links, das ist wichtig!

Muss ich denn trotzdem irgendwie reagieren auf dieses Schreiben?
Darum habe ich ja geschrieben, es wÀre schön wenn du das Schreiben hier mal reinstellen könntest um sicher zu gehen
was genau da gefordert wird.

Aber laß dir Zeit, morgen reicht auch noch!
 
E

ExitUser

Gast
Das ging bei mir damals auch so, dass sie mir per gelbem Brief mitgeteilt haben, dass ich an die Fachstelle Wohnen ĂŒberwiesen haben.
Dies war nachdem ich fast zwei Jahre lang erfolglos versucht habe zu deren Vorgaben eine Wohnung zu finden. Meine Miete lag damals fast 1000 Euro ĂŒber deren Satz.

Bei der Fachstelle Wohnen hatte ich sogar einen netten Mitarbeiter. Er hatte mich gefragt was ich mir denn vorstelle. Ich sagte ihm Kohleofen könne er vergessen weil ich keine Brikett schleppen kann. Habe RĂŒcken. Ausserdem hĂ€tte ich zwei Kinder die mich besuchen kĂ€men. BrĂ€uchte also ne 2Zimmer-Wohnung. War alles kein Problem. Die Wohnung die sie mir vermittelt hatten ist gar nicht so schlecht.

Ich hatte damals gehofft schneller aus dem ALG2 wieder raus zu sein. Daher hatte ich bei der Wohnungsbesichtigung der Vermieterin gesagt, dass ich bald wieder ausziehen werde. Ich hatte gehofft, dass sie mich dann nicht nimmt weil sie jemanden fĂŒr lĂ€nger sucht. Am Ende der Besichtigung fragte sie mich noch "sie wollen die Wohnung nicht?". So blöd war ich natĂŒrlich nicht ihr darauf mit Ja zu antworten. Dies hĂ€tte sie ganz schnell der ArGe mitgeteilt und die hĂ€tten mir die Miete fĂŒr die alte Wohnung auf deren Satz gekĂŒrzt. Dann hĂ€tte ich ĂŒber kurz oder lang eine RĂ€umungsklage am Hals gehabt. Sie meinte sie wĂŒrde jetzt fĂŒr 2 Wochen in Urlaub fahren und sich danach entscheiden.
Einen Tag spĂ€ter schon wurde ich vom Wohnungsamt angerufen sie hĂ€tte sich fĂŒr mich entschieden. Sie hatte mir spĂ€ter mal gesagt, dass sie bei den anderen ein unsicheres GefĂŒhl hatte und befĂŒrchtet hatte wieder einen Mietnomaden zu nehmen. Pech fĂŒr mich. Aber heute bin ich mit der Wohnung super zufrieden.


Also kurzum. Du darfst auf keinen Fall ablehnen. Dann kĂŒrzt man Dir die Miete. Wenn Du die Wohnung nicht willst lass Dir irgendwelche BegrĂŒndungen einfallen bei der Besichtigung, so dass der Vermieter Abstand von Dir nimmt.

Solltest Du aber die Wohnung nehmen mĂŒssen dann muss das JC Dir alle Kosten zahlen. Dazu zĂ€hlen die Miete der alten Wohnung bis zur KĂŒndigung, Miete der neuen Wohnung (beide Mieten hatten sich bei mir um 2 Monate ĂŒberschnitten), Kaution (war bei mir eine BĂŒrgschaft der Stadt), Renovierung der alten Wohnung (sofern laut Mietvertrag erforderlich), Renovierung neue Wohnung, Umzugsunternehmen (3 KostenvoranschlĂ€ge mĂŒssen vorgelegt werden). Da ich nur einen Teil meiner KĂŒche platzmĂ€ĂŸig gebrauchen konnte habe ich mir von denen auch eine neue Arbeitsplatte bezahlen lassen. Ging ohne Probleme. Ich war lediglich zu blöd mir einen Arbeitslohn fĂŒr die Renovierung der neuen Wohnung zahlen zu lassen. Die hatte ich selbst gemacht. Heute wĂŒrden die mir dafĂŒr auch was zahlen. Material wurde aber problemlos gezahlt.

Sollte das Amt fĂŒr Wohnen nicht in der Lage sein Dir eine geeignete Wohnung zu besorgen muss das JC die Miete fĂŒr Deine jetzige Wohnung weiterzahlen. Ohne wenn und aber. Denn wenn die schon nicht in der Lage sind Dir was zu suchen kann man es von Dir nicht verlangen.
 

ErikaMustermann

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So, nun habe ich den Text abgetippt:

Gegen Postzustellungsurkunde

Übernahme Ihrer Miete nach dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGB II)

Sehr geehrte 


im Rahmen der Ihnen bewilligten Leistungen nach dem SGB II erhalten Sie gemĂ€ĂŸ §§ 19, 22 Leistungen fĂŒr die Unterkunft in Höhe Ihrer tatsĂ€chlichen Aufwendung fĂŒr die Miete.
Unangemessen hohe Kosten fĂŒr die Unterkunft sind gemĂ€ĂŸ § 22 Abs. 1 Satz 3 SGB II nur solange anzuerkennen, als es einem Leistungsberechtigten nicht möglich oder nicht zuzumuten ist, die Kosten der Unterkunft durch einen Wohnungswechsel, durch Vermieten oder auf andere Weise zu senken, in der Regel jedoch lĂ€ngstens fĂŒr 6 Monate.

Bei einem 1-Personenhaushalt liegt der personenbezogene Mietrichtwert bei 412,50 Euro. FĂŒr diesen Haushalt gilt eine WohnungsgrĂ¶ĂŸe von 
 bis 50 mÂČ als angemessen. Der Mietrichtwert pro mÂČ liegt bei 8,25 Euro.

Die von Ihnen zu zahlende und bei der Bedarfsberechnung der Leistungen nach dem SGB II seit dem 01.06.2014 berĂŒcksichtigte Miete in Höhe von zurzeit monatlich 665,00 Euro kann nicht mehr als angemessen im Sinne der oben genannten Vorschrift anerkannt werden.

Ich habe daher die Fachstelle Wohnen des Amtes fĂŒr Soziales und Senioren der Stadt
 eingeschaltet, damit von dort die Vermittlung einer Wohnung mit angemessenen Unterkunftskosten im Sinne der obigen AusfĂŒhrungen erfolgt oder eine andere Möglichkeit zur Senkung der Unterkunftskosten gefunden wird.

Sie sollten sich darauf einstellen, dass Sie gegebenenfalls sehr zeitnah eine Einladung zu einer persönlichen Vorsprache von der Fachstelle Wohnen (Fachdienst „Senkung der KdU“) erhalten werden.

Ich weise Sie bereits jetzt vorsorglich darauf hin, dass fĂŒr den Fall, dass eine Wohnungsvermittlung alleine deshalb nicht zustande kommt, weil Sie ein Wohnungsangebot nicht angenommen haben und die von Ihnen vorgetragenen AblehnungsgrĂŒnde nicht anerkannt werden konnten, die Kosten der Unterkunft zukĂŒnftig nur noch in Höhe des Wohnungsangebotes bzw. in angemessener Höhe und nicht mehr in der tatsĂ€chlichen Höhe der zurzeit von Ihnen angemieteten Wohnung bei der Berechnung der Sozialleistungen nach dem SGB II berĂŒcksichtigt werden können.

DarĂŒber hinaus weise ich Sie darauf hin, Ihre BemĂŒhungen im Zusammenhang mit der notwendigen Senkung Ihrer Unterkunftskosten (Wohnungssuche, Suche nach Untermieter etc.) nachvollziehbar und nachweislich schriftlich zu dokumentieren, etwa durch FĂŒhren eines „BemĂŒhungsprotokolls“. Darin wĂ€re z.B. Folgendes festzuhalten: von Ihnen durchgefĂŒhrte Presse- bzw. Internetrecherchen einschl. entsprechender sich hieraus ergebender Korrespondenz; regelmĂ€ĂŸige Anfragen bei Wohnungsanbietern wie Hausverwaltungen, Wohnungsgenossenschaften mit Nennung des Datums/eines Ansprechpartners; wahrgenommene Wohnungsbesichtigungen mit Nennung des Datums/der Hausadresse(eines Ansprechpartners; Vorsprachen von Bewerbern fĂŒr eine Untervermietung bei Ihnen.

Die von Ihnen dokumentierten BemĂŒhungen sowie die Ihnen hierzu vorliegenden Dokumente sind auf Aufforderung vorzulegen. In diesem Zusammenhang verweise ich auf Ihre Mitwirkungspflichten im Sinne von § 60 SGB I sowie die möglichen Folgen bei fehlender Mitwirkung gem. § 66 SGB I.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an die oben genannte Telefonnummer. Ihre Anfrage wird entsprechend der ZustÀndigkeit weitergeleitet.

MfG



§ 60 SGB I – Angabe von Tatsachen

(1) Wer Sozialleistungen beantragt oder erhÀlt, hat
1. alle Tatsachen anzugeben, die fĂŒr die Leistung erheblich sind, und auf Verlangen des zustĂ€ndigen LeistungstrĂ€gers der Erteilung der erforderlichen AuskĂŒnfte durch Dritte zuzustimmen,
2. Änderungen in den VerhĂ€ltnissen, die fĂŒr die Leistung erheblich sind oder ĂŒber die im Zusammenhang mit der Leistung ErklĂ€rungen abgegeben worden sind, unverzĂŒglich mitzuteilen,
3. Beweismittel zu bezeichnen und auf Verlangen des zustÀndigen LeistungstrÀgers Beweisurkunden vorzulegen oder ihrer Vorlage zuzustimmen.
Satz 1 gilt entsprechend fĂŒr denjenigen, der Leistungen zu erstatten hat.

(2) Soweit fĂŒr die in Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 und 2 genannten Angaben Vordrucke vorgesehen sind, sollen diese benutzt werden.


§ 66 SGB I - Folgen fehlender Mitwirkung

(1) Kommt derjenige, der eine Sozialleistung beantragt oder erhÀlt, seinen Mitwirkungspflichten nach den §§ 60 bis 62, 65 nicht nach und wird hierdurch die AufklÀrung des Sachverhalts erheblich erschwert, kann der LeistungstrÀger ohne weitere Ermittlungen die Leistung bis zur Nachholung der Mitwirkung ganz oder teilweise versagen oder entziehen, soweit die Voraussetzungen der Leistung nicht nachgewiesen sind. Dies gilt entsprechend, wenn der Antragsteller oder Leistungsberechtigte in anderer Weise absichtlich die AufklÀrung des Sachverhalts erheblich erschwert.

(2) Kommt derjenige, der eine Sozialleistung wegen PflegebedĂŒrftigkeit, wegen ArbeitsunfĂ€higkeit, wegen GefĂ€hrdung oder Minderung der ErwerbsfĂ€higkeit, anerkannten SchĂ€digungsfolgen oder wegen Arbeitslosigkeit beantragt oder erhĂ€lt, seinen Mitwirkungspflichten nach den §§ 62 bis 65 nicht nach und ist unter WĂŒrdigung aller UmstĂ€nde mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß deshalb die FĂ€higkeit zur selbstĂ€ndigen LebensfĂŒhrung, die Arbeits-, Erwerbs- oder VermittlungsfĂ€higkeit beeintrĂ€chtigt oder nicht verbessert wird, kann der LeistungstrĂ€ger die Leistung bis zur Nachholung der Mitwirkung ganz oder teilweise versagen oder entziehen.

(3) Sozialleistungen dĂŒrfen wegen fehlender Mitwirkung nur versagt oder entzogen werden, nachdem der Leistungsberechtigte auf diese Folge schriftlich hingewiesen worden ist und seiner Mitwirkungspflicht nicht innerhalb einer ihm gesetzten angemessenen Frist nachgekommen ist.
 

ErikaMustermann

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Danke fĂŒr die ausfĂŒhrliche Antwort. Wann war das denn bei dir? "Damals" hört sich nach Jahre her an. Evtl. hat sich ja schon wieder vieles geĂ€ndert seit dem.

Und ich habe ja in absehbarer Zeit vor, eine berufliche Reha zu beginnen, die wiederum durch die Rentenversicherung getragen wird. D.h. ich hoffe, nicht allzu lange vom Jobcenter abhĂ€ngig sein zu mĂŒssen.
 

Seepferdchen 2010

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Danke @Erika fĂŒr deine MĂŒhe, nun zu deinem Problem:

Kann ich gegen dieses Schreiben irgendwie Widerspruch einlegen? Es ist ja kein Bescheid, sondern ein "vorsorgliches Schreiben" (das Wort vorsorglich ist darin fett geschrieben und unterstrichen.
Du wirst bestimmt schon in den o.g. Links gelesen haben.

Teilt ein TrĂ€ger von Leistungen der Grundsicherung fĂŒr Arbeitssuchende einem LeistungsempfĂ€nger mit, er werde nur noch lĂ€ngstens bis zu einem genau benannten Zeitpunkt die tatsĂ€chlichen Kosten der Unterkunft tragen und danach nur noch die aus seiner Sicht angemessenen Kosten, so handelt es sich nach Auffassung des Bayerischen Landessozialgerichts, Urteil vom 22.10.2008, Az.: L 16 B 508/08 AS PKH, rechtlich nicht um einen Verwaltungsakt.
Eine schriftliche Kostensenkungsaufforderung seitens des LeistungstrÀgers stellt keinen Verwaltungsakt nach § 31 SGB X dar.

Anmerkung: Bei dem Schreiben des GrundsicherungstrĂ€gers ĂŒber die Unangemessenheit der Unterkunftskosten und Aufforderung zur Kostensenkung handelt es sich um ein Informationsschreiben mit AufklĂ€rungs- und Warnfunktion und nicht um einen Verwaltungsakt(BSG, Urteil vom 19.2.2009, B 4 AS 30/08 R, Rdnr. 40; BSG, Urteil vom 7.11.2006 - B 7b AS 10/06 R, BSGE 97, 231 = SozR 4-4200 § 22 Nr 2).
Anwaltskanzlei Sven Adam | Tacheles-Rechtsprechungsticker | Rechtsprechungsticker von Tacheles 38/2010

Es ist ja kein Bescheid, sondern ein "vorsorgliches Schreiben" (das Wort vorsorglich ist darin fett geschrieben und unterstrichen.
Genau darum habe ich dir das mal von Tacheles e.V- plus Anwalt Zitat reingestelt.

Jetzt stellt sich die Frage fĂŒr dich kannst du ggf.notfalls nach den 6 Monaten 250€ z.B.
aus deinem Schonvermögen begleichen?

Das ist schon ein ganz schöner Betrag.

Nun stellt sich die Frage wie hoch ist dein Übergangsgeld?
 
E

ExitUser

Gast
Ich habe damals (vor 3 Jahren) exakt dasselbe Schreiben, mit anderen Zahlen, erhalten. Auch als gelber Brief. Bis heute hat sich nichts daran geÀndert.

Jetzt stellt sich die Frage fĂŒr dich kannst du ggf.notfalls nach den 6 Monaten 250€ z.B.
Das wĂŒrde ich nicht machen. Ich wĂŒrde einen anderen Weg gehen. Siehe unten

DarĂŒber hinaus weise ich Sie darauf hin, Ihre BemĂŒhungen im Zusammenhang mit der notwendigen Senkung Ihrer Unterkunftskosten (Wohnungssuche, Suche nach Untermieter etc.) nachvollziehbar und nachweislich schriftlich zu dokumentieren,...
FĂŒr die ersten 6 Monate mĂŒssen die die Miete ohne Wenn und Aber ĂŒbernehmen. Danach muss die volle Miete und Nebenkosten weiter ĂŒbernommen werden wenn es Dir nicht gelungen ist eine gĂŒnstigere Wohnung zu finden. Du musst auch nur Deine BemĂŒhungen um eine Kostensenkung nachweisen. Diese muss nicht erfolgreich sein.
Ich wĂŒrde denen eine Liste vorlegen mit Wohnungen die in der (kostenlosen) Wochenzeitung annonciert wurde. Alle mit Datum, Telefonnummer, qm- Angaben und Miete. Die Miete liegt natĂŒrlich immer ĂŒber deren Vorgaben. Ausserdem wĂŒrde ich mich bei verschiedenen Wohnungsgesellschaften vormerken lassen und mir darĂŒber eine BestĂ€tigung geben lassen. Das erhĂ€lst Du problemlos von den Wohnungsgesellschaften. Dies hatten die bei mir auch gemacht. Wenn dann nach dem halben Jahr nichts gefunden wurde mĂŒssen die auch danach weiterzahlen.
Gegen Untervermietung hat sich mein Vermieter geweigert. Hatte ich schriftlich von ihm. Bei mir hat das mit dem Vorlegen der Liste 2 Jahre funktioniert. Bis eben der gelbe Brief kam. Aber wie bereits geschrieben, die Wohnung die mir dann vermittelt wurde lag deutlich ĂŒber deren Satz.

Ausserdem wird vom Amt fĂŒrs Wohnen eine Wirtschaftlichkeitsberechnung durchgefĂŒhrt. Wurde bei mir damals auch. Wenn Die wissen, dass Du demnĂ€chst eine Reha machst und Übergangsgeld erhĂ€lst dann werden die von sich aus schon darauf verzichten die ganzen Kosten fĂŒr Umzug, doppelte Miete, Renovierung usw. zu ĂŒbernehmen.

Du wirst irgendwann in den nĂ€chsten Tagen eine Einladung von dem Fachbereich Wohnen erhalten. Wie ich bereits geschrieben hatte, war es ein Ă€ußerst verstandnisvoller Sachbearbeiter. ErzĂ€hl ihr/ihm von Deiner Reha. Sie/Er wird schon wissen was er dem JC zurĂŒckschreibt. NĂ€mlich dass ein Umzug unwirtschaftlich ist
 

Seepferdchen 2010

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Das wĂŒrde ich nicht machen.
Darum habe ich ja die Frage gestelt und gleichzeitig nachgefragt ob der TE die o.g.
Links gelesen hat.

In den Links wird die Vorgehensweise ja so Àhnlich beschrieben wie du sie jetzt
schilderst.:icon_pause:
 

Caso

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FĂŒr die ersten 6 Monate mĂŒssen die die Miete ohne Wenn und Aber ĂŒbernehmen.
Das ist definitiv und ohne Wenn und Aber falsch.
Eine Frist, bis wann die hohen KdU gezahlt werden, steht in dem Schreiben nicht drin.
Also könnte das, was im Gesetz mit --in der Regel lÀngstens 6 Monate-- beschrieben ist, schon ab dem nÀchsten Monat nicht mehr so sein.
Aber erst muß sich mal diese Fachstelle melden.
Da kann man ein wenig auf Zeit spielen, denn die haben auch keine angemessenen Wohnungen im Ärmel.

Außerdem wird ggfls. nicht das Amt fĂŒr Wohnen und Soziales die Kosten tragen, sondern das JC.
 

Caso

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Bitte: Du schreibst fast ausschließlich zu KDU-Fragen. Gut so.
Aber jetzt bist du ernsthaft der Meinung, diese gesetzliche Regelung aus § 22 (1)SGB II wÀre hier in diesem Falle die Frist?
Ich muß mich jetzt doch sehr wundern.:icon_confused:
Es geht mit dieser *Regel* immer sowohl kĂŒrzer, wie auch 6 Monate, wie auch lĂ€nger.
Hier im o.g. Falle wird der Ball an die Fachstelle Wohnen gegeben. Und sobald die falsches Signal geben ans JC, ist Ende mit der Frist.

Deswegen war der Hinweis von @Rmanske schon gut, das mit gleich beginnenden Reha zu verkĂŒnden. Als gutes Signal eines nicht erforderlichen Umzugs.
 

Erolena

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Ausserdem wird vom Amt fĂŒrs Wohnen eine Wirtschaftlichkeitsberechnung durchgefĂŒhrt. Wurde bei mir damals auch. Wenn Die wissen, dass Du demnĂ€chst eine Reha machst und Übergangsgeld erhĂ€lst dann werden die von sich aus schon darauf verzichten die ganzen Kosten fĂŒr Umzug, doppelte Miete, Renovierung usw. zu ĂŒbernehmen.
Ja, öffentliche Ämter sind verpflichtet, wirtschaftlich zu handeln. Das habe ich vor Jahren dem Jobcenter geschrieben, als es uns zu einem fragwĂŒrdigem Umzug aufforderte, dem ein Jahr spĂ€ter vielleicht schon ein zweiter Umzug hĂ€tte folgen mĂŒssen, wenn mein Kind nach Ausbildungsende vielleicht außerhalb eine Arbeit sucht und unsere neue Wohnung dann erneut unangemessen wĂ€re fĂŒr mich alleine.

Und prĂŒf, ob die Angaben ĂŒberhaupt stimmen in dem Schreiben.
Sind die BetrĂ€ge korrekt, stehen sie so in der aktuellen KdU_Richtlinie? Mit oder ohne Heizkosten usw. ? Steht drin, dass in EinzelfĂ€llen ĂŒberhöhte KdU zu ĂŒbernehmen sind, z.B. wenn jemand kurz vor der Rente steht (das wĂ€re vielleicht??? ein analoger Fall, der auch auf dich anzuwenden wĂ€re). Was steht in eurer KdU_Richtlinie ĂŒber die Kostensenkung/Umzug drin? Weißt du schon wo die Rehamaßnahme sein soll - wĂŒrdest du gern dahin umziehen? Und was dir sonst noch einfĂ€llt.

Ich habe damals in der KdU-Richtlinie (nicht in einem kleinen Merkblatt!) etliche Hnweise gefunden, die ich dem Bearbeiter schriftlich aufgezÀhlt habe. Ich habe mein Schreiben "Widerspruch gegen die Kostensenkungsaufforderung" genannt. (egal ob es ein Verwaltunsakt ist oder nicht) Die Antwort war: wir erkennen den "Einzelfall" an, teilen sie VerÀnderungen an uns mit, bla bla. Das war etwa vor 5 Jahren.
 
E

ExitUser

Gast
Schreib denen erst mal zurĂŒck damit die BeschĂ€ftigung haben

Ich hab das so gemacht:
Mit dem Schreiben wie Du es erhieltest Beratungshilfeschein geholt beim Amtsgericht, dann zum RA und dem das zum Beraten vorgelegt:

https://www3.mjv.rlp.de/rechtspr/DisplayUrteil_neu.asp?rowguid={10556AD1-9C43-48E5-B91B-3B60A0F20E11}
(kopieren und in die Adressleiste vom Browser einfĂŒgen, enter..

In Ihrer Aufforderung mangelt es an der notwendigen Verwaltungstransparenz.

Ich kann insbesondere nicht nachprĂŒfen, ob die Kosten fĂŒr Unterkunft/Heizung zutreffend sowie „angemessen“ sind und der „zeitlich, örtlichen Gegebenheit, Lage und GrĂ¶ĂŸe“ angepasst wurde.

Des weiteren berĂŒcksichtigen Sie mit Ihrer Aufforderung zur Senkung der Kosten fĂŒr die Unterkunft nicht, dass:

1. alleinstehend bin und den Umzug nicht selbst bewerkstelligen kann und somit auf Helfer angewiesen bin, die aber fĂŒr ihre Arbeit entlohnt werden mĂŒssen,
2. welche BemĂŒhungen von Seiten Ihrer Behörde unternommen werden, damit ich Ihre „Angemessenheit“ befriedigen kann.
3. Welche Wohnung gilt in meinem Fall als angemessen?
a) Welche Quadratmeterzahl steht mir zu?
b) Welches Baujahr ist als angemessen anzusehen, bis zu welchem Baujahr werden die Mietkosten ĂŒbernommen?
c) Welche MaßstĂ€be gelten hinsichtlich der Ausstattung (Bad, Dusche, Heizungsart, Dachboden, Kellerraum, Garage, Kabelanschluss)?
d) In welcher Höhe werden welche Nebenkosten ĂŒbernommen und welche werden nicht ĂŒbernommen?
d) Welche Rolle spielen die Förderung durch öffentliche Mittel und das Baujahr bei der Fertigstellung einer Wohnung und welche Auswirkungen hat das auf die Zusage zur KostenĂŒbernahme und die Höhe der vom Amt zu ĂŒbernehmenden Kosten?
e) Sind fĂŒr den besonderen Einzelfall der Antragstellerin Überschreitungen der Angemessenheit möglich oder treffen andere Besonderheiten zu?
4. In welchem Umkreis muss eine Wohnung gesucht werden?
5. In welcher Höhe und wie oft werden welche Kosten der Wohnungssuche ĂŒbernommen?
a) Suchanzeigen in Zeitungen?
b) Telefonate?
c) Kauf von Tageszeitungen, AnzeigenblÀttern?
d) Fahrten zur Wohnungsbesichtigung und zum Mietvertragsabschluss?
6. Werden die Umzugskosten ĂŒbernommen?
a) In welcher Höhe werden die Umzugskosten ĂŒbernommen?
b) Wie ist das Verfahren? Sollen KostenvoranschlÀge von Umzugsfirmen eingereicht werden? Wenn ja, wie viele?
c) Werden die Kosten fĂŒr einen Mietwagen ĂŒbernommen?
d) Wird bei einem Mietwagen die verlangte Kaution vom Amt vorgestreckt?
e) Werden die Arbeitskosten fĂŒr Helfer ĂŒbernommen? Wenn ja, fĂŒr wie viele Helfer fĂŒr wie viele Stunden und in welcher Höhe?
7. Werden im Zusammenhang mit dem Umzug entstehende Kosten ĂŒbernommen und in welcher Höhe? Soll ich erforderliche BetrĂ€ge vorab beantragen?
a) Werden die Renovierungskosten fĂŒr die alte Wohnung ĂŒbernommen?
b) Werden ggf. die Renovierungskosten fĂŒr die neue Wohnung ĂŒbernommen?
c) Werden Renovierungskosten fĂŒr die alte und die neue Wohnung ĂŒbernommen, wenn dies nötig ist?
d) Wie viele KostenvoranschlĂ€ge mĂŒssen fĂŒr eine sachgemĂ€ĂŸe Renovierung eingereicht werden, die durch mich nicht selbst durchgefĂŒhrt werden können?
e) Muss eine Firma beauftragt werden oder kann die Renovierung von Helfern durchgefĂŒhrt werden?
e) Werden die Kosten fĂŒr Helfer ĂŒbernommen? Verpflegung / GetrĂ€nke/ Haftpflicht
f) Wenn ja: FĂŒr wie viele Helfer, fĂŒr wie viele Stunden, in welcher Höhe? Welche Nachweise sind notwendig?
8. Werden sonstige Kosten ĂŒbernommen?
a) Wird die Kaution fĂŒr die neue Wohnung ĂŒbernommen? Wenn diese darlehensweise ĂŒbernommen wird: wann soll dies von mir zurĂŒckgefordert werden?
b) Wird die ggf. doppelte Miete ĂŒbernommen, wenn sich KĂŒndigungsfrist und Neuvertrag ĂŒberschneiden?
c) Wenn die doppelte Miete nicht ĂŒbernommen wird, bitte ich um eine genaue ErklĂ€rung, wie bei der Wohnungssuche vorzugehen ist, um eine Doppelzahlung der Miete zu verhindern.
d) Werden Kosten fĂŒr eventuell nötige neue Gardinen, Teppichboden, Möbel, Waschmaschine, KĂŒhlschrank ĂŒbernommen? (Umzugsbedingte Anschaffungen sind im Regelsatz nicht vorgesehen!)
9. Wie muss die Mitwirkungspflicht nachgewiesen werden?
a) Welche Art von Nachweisen?
b) Wie viele Nachweise?
c) In welchen ZeitrÀumen sollen sie eingereicht werden?


Ich beantrage daher mir die Leistungen in voller Höhe weiter zu bewilligen und eine nachvollziehbare und begrĂŒndete Aufforderung zuzusenden, welche einer ÜberprĂŒfung zum Einzelfall beim zustĂ€ndigen Gericht als Ausgangspunkt standhĂ€lt, sowie die „Angemessenheit“ definiert ausgefĂŒhrt wurde. Als zeitlichen Rahmen, erwarte ich, entsprechend der Eile der Notwendigkeit - Ihre BegrĂŒndung zur Entscheidung sowie dazu entsprechende AusfĂŒhrungen – 14 Tage nach Zustellung dieses Schreibens fĂŒr „angemessen“.
Angemessenheit der KdU im Sozialhilferecht


1. Die Konkretisierung des Angemessenheitsbegriffs des § 35 Abs. 2 S. 1 SGB XII anhand der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG) zum "schlĂŒssigen Konzept" ist nicht mit dem Grundrecht auf GewĂ€hrleistung eines menschenwĂŒrdigen Existenzminimums aus Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz (GG) in Verbindung mit dem Sozialstaatsprinzip des Art. 20 Abs. 1 GG vereinbar, wie es im Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 09.02.2010 (Az. 1 BvL 1/09, 1 BvL 3/09, 1 BvL 4/09) nĂ€her bestimmt worden ist (vgl. SG Mainz, Urt. v. 08.06.2012 - S 17 AS 1452/09).


2. FĂŒr eine Bestimmung des Unterkunft -bezogenen Existenzminimums durch am einfachen Wohnstandard orientierte Mietobergrenze fehlt es auch im SGB XII an einer den prozeduralen Anforderungen des BVerfG genĂŒgenden und hinreichend bestimmten parlamentsgesetzlichen Grundlage.


3. Die Kammer konkretisiert den Angemessenheitsbegriff deshalb nach Maßgabe des Grundsatzes der verfassungskonformen Auslegung in der Weise, dass unangemessen im Sinne des § 35 Abs. 2 S. 1 SGB XII lediglich Kosten der Unterkunft sind, die deutlich ĂŒber den ĂŒblichen Unterkunftskosten fĂŒr der GrĂ¶ĂŸe und Struktur nach vergleichbare Haushalte im geografischen Vergleichsraum liegen.


Anmerkungen aus dem Urteil:

Die Regelung des § 35 SGB XII ist bereits aus GrĂŒnden der Gleichbehandlung insbesondere im Hinblick auf den Angemessenheitsbegriff in gleicher Weise zu konkretisieren, wie die Regelung des § 22 SGB II, so dass die hierzu ergangene Rechtsprechung im allgemeinen ĂŒbertragbar ist.

Mit den Leistungen fĂŒr die Aufwendungen fĂŒr die Unterkunft nach § 22 Abs. 1 S. 1 SGB II und nach § 35 SGB XII wird das GrundbedĂŒrfnis "Wohnen" gedeckt, welches Teil des durch den Staat zu gewĂ€hrleistenden Existenzminimums ist (BVerfG Urt. v. 09.02.2010 - 1 BvL 1/09 Rn. 135).

Im Unterschied zu den in § 27a ff. SGB XII im Grundsatz pauschalierten Regelbedarfen werden die Kosten der Unterkunft gem. § 35 Abs. 1 S. 1 SGB XII grundsĂ€tzlich in tatsĂ€chlicher Höhe erbracht, gemĂ€ĂŸ § 35 Abs. 2 S. 2 SGB XII jedoch nur, soweit sie angemessen sind.

Mit dem Urteil vom 09.02.2010 hat das BVerfG die auf Art. 1 Abs. 1 GG i. V. m. Art. 20 Abs. 1 GG (Sozialstaatsprinzip) gestĂŒtzte staatliche Pflicht zur Existenzsicherung subjektivrechtlich fundiert und ein Recht auf parlamentsgesetzliche Konkretisierung in strikten einfachgesetzlichen Anspruchspositionen konstituiert (Rixen SGb 2010, S. 240).

Das BVerfG stellt somit nicht nur prozedurale Anforderungen an die Bestimmung des menschenwĂŒrdigen Existenzminimums an einen beliebigen (staatlichen) Akteur, sondern weist die Bestimmung des Anspruchsinhalts einem konkreten Adressaten, dem (Bundes-)Gesetzgeber zu.

Der Bundesgesetzgeber steht demnach in der Verantwortung, das Sozialstaatsprinzip selbst durch ein Gesetz hinreichend zu konkretisieren und zu gewĂ€hrleisten, dass auf die zur Sicherung des menschenwĂŒrdigen Existenzminimums erforderlichen Leistungen auch ein entsprechender Rechtsanspruch besteht (Berlit in LPK-SGB II § 22a Rn. 6, 4. Aufl.).
Die Bedarfe der Unterkunft und Heizung gehören, wie das BVerfG ausdrĂŒcklich festhĂ€lt, zur GewĂ€hrleistung eines menschenwĂŒrdigen Existenzminimums (BVerfG Urt. v. 09.02.2010 - 1 BvL 1/09 Rn. 135).

Dementsprechend hat die Bestimmung der Leistungen bzw. der Bedarfe fĂŒr Unterkunft ebenso wie die Bedarfe, die Bestandteil der Regelleistung sind, mit einer Methode zu erfolgen, die gewĂ€hrleistet, dass die existenznotwendigen Aufwendungen realitĂ€tsgerecht und nachvollziehbar in einem transparenten und sachgerechten Verfahren ermittelt werden (Knickrehm SozSich 2010, S. 193; Piepenstock in jurisPK-SGB II, § 22 Rn 31, 3. Aufl. 2012).

Es dĂŒrfen keine SchĂ€tzungen bzw. AbschlĂ€ge „ins Blaue hinein“ vorgenommen werden, Richtwerte dĂŒrfen nicht freihĂ€ndig geschĂ€tzt werden und mĂŒssen auf empirisch ermittelten Daten beruhen.

Besondere BegrĂŒndungsanforderungen sind auch an die gesetzlichen und untergesetzlichen Normen zu stellen, die die Höhe der angemessenen Kosten der Unterkunft und Heizung betreffen (Mutschler NZS 2011, 481).


S.a. Sozialrechtsexperte:Sozialgericht Mainz, Urteil vom 08.06.2012,- S 17 AS 1452/09 -

sozialrechtsexperte: Angemessenheitsregelung der Unterkunftskosten im SGB XII ist verfassungswidrig - Es dĂŒrfen keine SchĂ€tzungen bzw. AbschlĂ€ge „ins Blaue hinein“ vorgenommen werden

§ 22b Inhalt der Satzung

§ 22b des SGB II hat 1 frĂŒhere Fassung und wird in 1 Vorschrift zitiert

(1) 1In der Satzung ist zu bestimmen,

1.
welche WohnflÀche entsprechend der Struktur des örtlichen Wohnungsmarktes als angemessen anerkannt wird und
2.
in welcher Höhe Aufwendungen fĂŒr die Unterkunft als angemessen anerkannt werden.
2

In der Satzung kann auch die Höhe des als angemessen anerkannten Verbrauchswertes oder der als angemessen anerkannten Aufwendungen fĂŒr die Heizung bestimmt werden. 3Bei einer Bestimmung nach Satz 2 kann sowohl eine Quadratmeterhöchstmiete als auch eine Gesamtangemessenheitsgrenze unter BerĂŒcksichtigung der in den SĂ€tzen 1 und 2 genannten Werte gebildet werden.
4

Um die VerhĂ€ltnisse des einfachen Standards auf dem örtlichen Wohnungsmarkt realitĂ€tsgerecht abzubilden, können die Kreise und kreisfreien StĂ€dte ihr Gebiet in mehrere VergleichsrĂ€ume unterteilen, fĂŒr die sie jeweils eigene Angemessenheitswerte bestimmen.
1

Der Satzung ist eine BegrĂŒndung beizufĂŒgen.
2
arin ist darzulegen, wie die Angemessenheit der Aufwendungen fĂŒr Unterkunft und Heizung ermittelt wird.
3
Die Satzung ist mit ihrer BegrĂŒndung ortsĂŒblich bekannt zu machen.


1
In der Satzung soll fĂŒr Personen mit einem besonderen Bedarf fĂŒr Unterkunft und Heizung eine Sonderregelung getroffen werden.
2
Dies gilt insbesondere fĂŒr Personen, die einen erhöhten Raumbedarf haben wegen

1.
einer Behinderung oder
2.
der AusĂŒbung ihres Umgangsrechts.

nach § 22 SGB II sind von der Grundsicherungsstelle angemessene Kosten der Unterkunft anzuerkennen.



Dienstanweisung 2/2011
Angemessene Kosten der Unterkunft werden nach der stÀndigen
Rechtsprechung der Sozialgerichte nach der „Produkttheorie“ festgelegt.
Die Stadt Mainz hat als zustÀndiger AufgabentrÀger im Vorgriff auf den im Mai zu
veröffentlichenden Mainzer Mietspiegel neue Festlegungen getroffen.

Da sich aus der Entscheidungspraxis der Sozialgerichte abzeichnet, dass eine nach Baujahrund Ausstattung differenzierte Beurteilung von angemessenen Kosten der Unterkunft dauerhaft nicht haltbar ist und feste Höchstgrenzen fĂŒr die jeweiligen HaushaltsgrĂ¶ĂŸen vorgegeben werde, wird die bisherigen Staffelung der als angemessenen bezeichneten Kosten aufgegeben.

Auf der Grundlage des in KĂŒrze erscheinenden Mietspiegels 2011 wurden die aus der
beigefĂŒgten Tabelle „Berechnung der angemessenen Kosten der Unterkunft“
ersichtlichen HöchstbetrÀge nach Personenzahlen festgelegt.
Somit spielt es ab sofort keine Rolle mehr, welche Ausstattung und welches Baujahr die einzelne Wohnung hat. Ebenso spielt auch die WohnungsgrĂ¶ĂŸe keine Rolle mehr, da alleine die nach Personenzahl festgelegte Maximalmiete maßgeblich ist.
FĂŒr den Fall, dass in einem Widerspruchs- oder gerichtlichen Verfahren das
Zustandekommen der HöchstbetrÀge hinterfragt wird, gilt folgendes Berechnungsmodell als Grundlage:
Bei der Ermittlung der durchschnittlichen mÂČ-Preise wurden die Wohnungen mit mittlerer und guter Ausstattung fĂŒr die Baujahre 1969 bis 2010 berĂŒcksichtigt und jeweils die sich nach mÂČ ĂŒberschneidenden WohnungsgrĂ¶ĂŸen wie z.B. bis 40 mÂČ und 40 bis 60mÂČ
zusammengefasst.

Die einzelnen Medianwerte (5,17 € + 4,80 € + 5,87 € + 6,18 € +7,80 € +
7,24 € + 7,29 € + 8,13 € +10,09 € + 8,79 € + 8,14 € + 9,16 € = 88,66 € : 12 = 7,38 €) wurden
addiert und durch die Anzahl der Mediane (in €/mÂČ) geteilt.

Aufgrund der Neufestlegung kann es vorkommen, dass die derzeit bewilligten Kosten der
Unterkunft nicht den neuen Festlegungen entsprechen. In diesen FĂ€llen gilt ein
Bestandsschutz, d.h. eine neue Feststellung bezogen auf die neuen
Angemessenheitskriterien erfolgt grundsÀtzlich nicht. Unsere bisherigen Entscheidungen
wirken weiterhin fort; die Kosten der Unterkunft gelten damit weiterhin als angemessene Kosten der Unterkunft i.S.d. § 22 SGBII. Dies gilt auch in den FĂ€llen, in denen wir von der Angemessenheit abweichende Kosten der Unterkunft aus individuellen GrĂŒnden des Einzelfalles akzeptiert haben.

Bei Änderung der Personenzahl ist nach den neuen
Angemessenheitskriterien zu entscheiden; der Bestandsschutz verwirkt.
Wurden bei unangemessenen Kosten der Unterkunft KĂŒrzungen vorgenommen, sind diese ab dem nĂ€chsten Bewilligungsabschnitt anhand der neuen Festlegungen zu ĂŒberprĂŒfen und die nicht mehr gerechtfertigten KĂŒrzungen aufzuheben bzw. auf die neuen BetrĂ€ge anzupassen. Bei laufenden Kostensenkungsverfahren ist das Belehrungsschreiben neu auszufertigen; der Zeitraum in dem die Kosten gesenkt werden mĂŒssen beginnt ab diesem Zeitpunkt erneut.
 

Caso

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Schreib denen erst mal zurĂŒck damit die BeschĂ€ftigung haben

Auhaha...
zuerst und zuletzt:
-Warum sollte es einen Beratungsschein geben?
-wie können >250,- mehr noch angemessen sein?
-wird hier die Fachstelle W eingesetzt, das JC macht erst mal nichts.

Nimm die Kanonen aus dem Rohr, der Spatz sitzt noch nicht mal auf dem Draht!
 
E

ExitUser

Gast
Auhaha...
zuerst und zuletzt:
-Warum sollte es einen Beratungsschein geben?
Um sich beraten lassen zu können und weil die finanziellen und rechtlichen Voraussetzungen vorliegen. Ein Jobcenter oder die FS Wohnen wird niemals
UmstÀnde zugunsten des Betroffenen preisgeben.
-wie können >250,- mehr noch angemessen sein?
Genau darum geht es. Wieso sollten die es nicht sein?

-wird hier die Fachstelle W eingesetzt, das JC macht erst mal nichts.
Irrelevant.

Nimm die Kanonen aus dem Rohr, der Spatz sitzt noch nicht mal auf dem Draht!
Besser gleich die Drahtpfosten umballern!
 

Caso

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Um sich beraten lassen zu können und weil die finanziellen und rechtlichen Voraussetzungen vorliegen.
Die liegen ganz sicher nicht vor. Bitte lies mal nach, wann ein BHSchein ausgegeben wird.
Genau darum geht es. Wieso sollten die es nicht sein?
Fragen mit Gegenfragen zu beantworten, bringt nicht weiter.
Doch, die Einschaltung der Fachstelle ist hier total relevant- das wird lĂ€ngst nicht immer gemacht und hat also die Funktion, eine andere Behörde zu involvieren. Deswegen ist das relevant. Deswegen wĂŒrde das JC auf so einen Schwall wie deinen gar nicht reagieren und lediglich auf laufendes bei der Fachstelle verweisen.
Besser gleich die Drahtpfosten umballern!
Fliegt evtl. der Spatz weg???

edit:
Dies gilt insbesondere fĂŒr Personen, die einen erhöhten Raumbedarf haben wegen
Auf der Grundlage des in KĂŒrze erscheinenden Mietspiegels 2011 --- nur mal so;-)
 
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