Katja Kipping fordert radikale Aufklärung zum Hungertod eines Erwerbslosen (1 Betrachter)

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Martin Behrsing

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Pressemeldung von Katja Kipping, Sozialpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE. (mit Anmerkung der Redaktion)

Nach dem Hungertod eines Erwerbslosen aus Hannover fordert Katja Kipping "sofortige und radikale Aufklärung der Ursachen". "Die Frage lautet: Haben auch in diesem Fall die zuständigen Behörden versagt", so die sozialpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE:

"Nach dem Hungertoten in Speyer vom vergangenen Jahr ist das nun schon der zweite Fall dieser Art. Der 58-Jährige aus Hannover hatte seit Oktober 2007 kein Arbeitslosengeld mehr erhalten. Daraufhin habe er sich einen Platz zum Sterben gesucht, wie es in Medienberichten heißt. So etwas kann man nicht einfach abhaken und zu den Akten legen.

Zur Erinnerung: Die Sozialbehörden sind verpflichtet, bei Notlagen unterstützend zu handeln. Die Sanktionspraxis der Sozialgesetzgebung macht es aber möglich, dass Erwerbslosen...


weiterlesen auf: PR-SOZIAL, das Presseportal...
 
N

Nihilist

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Dieser Fall ist doch nur die traurige und extreme Spitze eines Eisbergs. Von Verzweiflung, Krankheit und Depression wollen wir gar nicht reden.

Aus Armut in den Tod?
Die Beratungsstellen sehen sich in dieser Hinsicht auch als Einrichtungen, die den Weg in den Suizid verhindern können. Nur sind sie längst nicht flächendeckend vorhanden.


Ja, sie wurden an vielen Orten abgeschafft, als 2005 das ALG II eingeführt wurde. Seitdem gibts Beratung nur, wenn man es schaft einen Beratungsschein zu bekommen, was auch nicht immer leicht ist, und einen guten Fachanwalt für Sozialrecht findet. Und selbst dann dauert und dauert das.

In meiner Nachbarschaft hat ebenfalls ein Erwerbsloser Suizid begangen, weil er aus seiner Wohnung raus musste. Einen Tag vor der Zwangsräumung. Aber der Beitrag hat ja "gestört".
 

Kaleika

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Mich macht dieser "freiwillige" (?) Tote sehr betroffen.
Er hat sich dazu entschlossen, das ist Fakt.

Warum genau wissen wohl nur die Leser und Leserinnen seines Tagebuches.
Klar aber ist, dass zum Beispiel die Energiekosten seit 2000 um 50 Prozent gestiegen sind, die Sozialhilfe, das ALG II leider nicht!

Bei den Lebensmitteln lässt sich die Explosion der Preise nicht wirklich feststellen, solange der Preisanstieg dabei mit dem Preisabstieg der Flachbildschireme verrechnet wird.So kann ich mir die Verzweiflung mancher Hoffnungsloser vorstellen!
Ab einem gewissen Allter bekommen viele nur noch mit "Vitamin B" Arbeit.
Kaleika
 
E

ExitUser

Gast
Freiwillig ist solch ein Tod nie. Ich weiß wovon ich rede. Dem geht immer ein langer Kampf um das Leben voraus. Erst, wenn der Kampf verloren geglaubt ist und man mit der aktuellen Lage nicht leben kann, beginnt das eigentliche Sterben. Erst stirbt die Hoffnung, dann der Lebensmut und am Ende nach oft vielen Monaten stirbt schließlich der Mensch selbst. Zu dem Zeitpunkt ist seine Seele längst tot.

Viele versuchen vorher Hilfe zu finden. Reden mit Freunden, Bekannten, Verwandten, die aber selten die Notlage begreifen. Noch seltener begreifen sie, daß sie zum seidenen Faden geworden sind an dem das Leben des Betroffenen hängt. Ein falsches Wort kann jetzt die letzte Phase einleiten.

Manche sprechen sogar kurz vor der letzten Entscheidung noch mit Menschen die ihnen wichtig sind. Würde hier das Richtige gesagt und getan, dann könnte noch die Weiche zurück ins Leben gestellt werden. Aber meist erfolgt hier die letzte Zurückweisung, die letzte Demütigung, die letzte Verständnislosigkeit. Und dann ist der Schmerz groß genug um nur noch durch den Tod abgestellt werden zu können. Die Gedanken kreisen nur noch um die Erlösung von der Qual.

Der Tod wird nicht gesucht um zu sterben. Der Tod wird gesucht, weil das Leben unerträglich geworden ist und man keine andere Option mehr sieht. Man flüchtet in den Tod, man flieht vor dem Leben.
 

Kaulquappe

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Mich macht dieser "freiwillige" (?) Tote sehr betroffen.
Er hat sich dazu entschlossen, das ist Fakt.
Nein, das sehe ich nicht so. Er hat sich einfach ergeben, weil es nicht anders geht. Weil es in keinem Verhältnis mehr steht, was man dazu alles tun muss, um am Leben zu bleiben und wie wenig effektiv das ist, wie frustrierend und letzendlich erfolglos. Man hat keine kraft mehr, weder körperlich noch psychisch noch seelisch.

Es bleibt nur, aufzugeben. Vielleicht siehst du es nicht so, weil du, warum auch immer, noch weit von dieser Situation bist. Ich kann es aber sofort verstehen. So etwas kann mir jeden Moment passieren.


Warum genau wissen wohl nur die Leser und Leserinnen seines Tagebuches.
Warum "genau" habe ich gerade geschrieben.

Klar aber ist, dass zum Beispiel die Energiekosten seit 2000 um 50 Prozent gestiegen sind, die Sozialhilfe, das ALG II leider nicht!
Da siehste mal ...

Bei den Lebensmitteln lässt sich die Explosion der Preise nicht wirklich feststellen, solange der Preisanstieg dabei mit dem Preisabstieg der Flachbildschireme verrechnet wird.So kann ich mir die Verzweiflung mancher Hoffnungsloser vorstellen!
Siehste ...

Ab einem gewissen Allter bekommen viele nur noch mit "Vitamin B" Arbeit.
Kaleika
So ab dreißig meinst du? Ja! Stell' dir dann vor ab 40! Und ab 50! Und dann kurz vor dem 60ten !!! Ohne Vitamin B (man hat sich damit nicht eingedeckt, dafür hat man genug Berufe gelernt und auch immer viel gearbeitet) und logischerweise hoffnungslos ... MAN HÖRT EINFACH AUF ZU KAEMPFEN UM AM LEBEN ZU BLEIBEN. DA KANN MAN DAS LEBEN LIEBEN WIE SONST WAS ... IRGENDWANN IST ES ENDE.

Ich finde den Platz, an dem er sich zurückgezogen hat so was von vielsagend ...
 

Kaulquappe

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@ Tom
Ich postete und sah danach dein posting, das vorher noch nicht da war.

Ja, genau so ist es wohl.
 
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Mich wundert das nicht...

Der Bruder eines Freundes hat vor zwei Jahren versucht, sich zweimal das Leben zu nehmen. Er wurde aus fadenscheinlichen Gründen entlassen. Hat bein Amt Stress bekommen und sich einschüchtern lassen, ist dann später zu einem Termin nicht erschien und hat promt eine Sanktion bekommen.

Dann kam noch der Druck der Familie dazu, die ihn noch dazu Schuldgefühle eingehämmert hat, nach dem Motto, du "Versager" bringst es nicht....anstatt ihn zu unterstützen, weil, ein Deutscher hat gefälligst Arbeit zu haben und sich zu bemühen, einzuordnen und zu fügen!

Aus Scham und Verzweiflung hat er halt versucht sich das Leben zu nehmen....

Der Arzt in der Psychatrie hatte damals zur Mutter und zum Bruder gesagt: "Das haben wir jeden Tag hier!

Auch wenn solche Fälle nicht unbedingt alleine durch Hartz IV ausgelöst werden sollten, meine ich, dass es vor Hartz IV, zumindest mit der Sozialhilfe, noch eine gewisse Sicherheit gab, die einem noch hoffen lassen konnte....

In der Öffentlichkeit und in den Medien geht es immer nur ums Geld und Zahlendrehereien....ich habe noch nie eine Talkshow in der es um Arbeitslose ging erlebt, dass mal über das Befinden der Betroffenen gesprochen wurde, nein, immer nur, was soll er tun, was soll er nicht tun, kriegt er zuviel der andere zuwenig...oder, Arbeitsplätze - Chancen - Vorahrt für Arbeit und Flexibilität.....:-(

Und was ich ja schon öfters mitgeteilt hatte: Ein Freund von mir ist ende letzten Jahres an den Folgen einer schweren Krankheit gestorben, die er sich, weil er keine Kraft zur Abwehr gegen die Behördenschikanen mehr hatte, dann später durch das Leben auf der Strasse zugezogen hatte....
 

Kaulquappe

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Nun, mit dieser Art vor "Scham" sollte man endlich aufräumen ! :icon_neutral:

Das beste dagegen ist INFORMATION. (*)

Wir sind nicht schuld daran, dass es keine Arbeitsplätze mehr gibt !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Auch nicht daran, dass es immer noch, trotz der desolaten Lage, kein Bürgergeld gibt.

Die Lage ist grausig genug, um sich auch noch selbst fertig zu machen :icon_eek: und dann auch noch völlig grundlos !!!

(*) Dazu gehört auch das Verhindern von Desinformation und Lügen und Hetze, die von so vielen Medien völlig unbestraft verbreitet werden. Und wie das zu schaffen ist, weiß ich (noch) nicht :-(.
 
D

dr.byrd

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Es ist an der Zeit dieses Tabu zu durchbrechen.
Es sollte eine Anlaufstelle eingerichtet werden, wo solche Fälle dokumentiert werden.
Aber wer soll das machen?

Selbst in diesem Forum ist es ja nicht leicht, dieses hässliche Thema auf die Tagesordnung zu setzen.
 
N

Nihilist

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Die Lage ist grausig genug, um sich auch noch selbst fertig zu machen :icon_eek: und dann auch noch völlig grundlos !!!

Nicht grundlos - Hoffnungslos - der Mensch lebt, solange er noch Hoffnung hat, sie ist der Triebkraft.

Nimm einen Menschen die Hoffnung, dann kannst du ihn auch gleich selber erschlagen.

So gesehen sind die Menschen verantwortlich, die ihm die Hoffnung zerstört haben. So wie auch beider Frau, die ohne Hoffnung einen Rentner erschlagen hat.

Denn es gibt nur drei Methoden des Frustabbaus, von denen aber in der Regel nur zwei Wege genutzt werden. Gewalt gegen sich selbst (intropunitiv), oder Gewalt gegen andere (extrapunitiv).

Der dritte ist der schwere (impunitiv) und somit seltenste Weg. Leider. Der würde nämlich dazu führen das sich was ändert.
 

Kaulquappe

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Die Lage ist grausig genug, um sich auch noch selbst fertig zu machen :icon_eek: und dann auch noch völlig grundlos !!!
Nicht grundlos - Hoffnungslos - der Mensch lebt, solange er noch Hoffnung hat, sie ist der Triebkraft.
Bitte lies' richtig !

Grundlos = ohne Grund sich fertig machen, in dem man sich "schämt" (!?!) weil man arbeitslos ist.

Ich hab's richtig und klar geschrieben: nicht wir sind an dem Verschwinden der Arbeitsstellen schuld. Es gibt keinen Grund, sich deswegen zu schämen !!!
 

Kaulquappe

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Der Tod wird nicht gesucht um zu sterben. Der Tod wird gesucht, weil das Leben unerträglich geworden ist und man keine andere Option mehr sieht. Man flüchtet in den Tod, man flieht vor dem Leben.
Das ist so was von wahr. Ich hätte niemals in meinem Leben gedacht, dass man es so empfinden kann, es ist genau so.
 
N

Nihilist

Gast
Bitte lies' richtig !

Grundlos = ohne Grund sich fertig machen, in dem man sich "schämt" (!?!) weil man arbeitslos ist.

Ich hab's richtig und klar geschrieben: nicht wir sind an dem Verschwinden der Arbeitsstellen schuld. Es gibt keinen Grund, sich deswegen zu schämen !!!
Sorry, aber für mich gibt es KEINEN Grund sich das Leben zu nehmen oder jemanden zu töten.

Er (Suizid) und Sie (Mord) hatten einen Grund, ihre Hoffnungslosigkeit. Wer diesen Grund geliefert hat, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Das hatte ich auch dort in dem Text geschrieben:

So gesehen sind die Menschen verantwortlich, die ihm die Hoffnung zerstört haben. So wie auch beider Frau, die ohne Hoffnung einen Rentner erschlagen hat.

Und wie Menschen mit Frustrationen, die in Aggression umschlagen umgehen, hab ich auch erwähnt.
 
E

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Die letzte Hoffnung des Peter Z.

Er schien noch einmal Hoffnung zu haben. Als Peter Z. seine Wohnung im Stadtteil Burg kündigte, erzählte er seinem Hauswirt euphorisch von einer neuen Stelle in Köln. Endlich hätten seine Bewerbungen Erfolg gehabt, und das sogar in seiner alten Branche, im Messebau. Er zahlte seine letzte Miete, ließ ein paar Kartons im Keller zurück und erklärte, er werde sie später abholen. Das war das Letzte, was Peter Z. zu seinem Vermieter sagte. Die Kartons stehen noch heute in dem Keller am Clausthaler Weg.

Die Aussicht auf die Stelle in Köln muss sich offenbar im letzten Moment zerschlagen haben – und möglicherweise war dies die letzte Enttäuschung, die ihm die Entschlossenheit verlieh, auf einen Hochsitz im Solling zu steigen und sich zu Tode zu hungern. Es ist ein schockierender Fall, der inzwischen die Republik bewegt – und die Details, die am Mittwoch über den 58-Jährigen bekannt wurden, bestätigen, dass es neben dem verlorenen Kontakt zu seiner Tochter vor allem der Verlust der festen Arbeit war, der ihn am Leben verzweifeln ließ.
Quelle: Die letzte Hoffnung des Peter Z.
 

isabel

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Zitat:
Zur Erinnerung: Die Sozialbehörden sind verpflichtet, bei Notlagen unterstützend zu handeln. Die Sanktionspraxis der Sozialgesetzgebung macht es aber möglich, dass Erwerbslosen bis zu 100 Prozent der Leistungen gekürzt werden, Menschen also verhungern können. Ich fordere die Bundesregierung auf, unverzüglich alle Sanktionsparagrafen auf den Prüfstand zu stellen und Sanktionen abzuschaffen."
Anmerkung der Redaktion: Katja Kipping hat das Problem zu sehr eingeengt. Viel schlimmer ist, dass durch die rigorose Einsparpolitik der Agenda-Politik der Sozialbereich radikal abgebaut wurde, so dass viele Menschen inzwischen durch alle Raster der Hilfsangebote fallen. Die brutale Sanktionspolitik durch Hartz IV kommt dann noch hinzu. Verantwortlich sind die „schlimmen Einsparer“ im sozialen Bereich, sie haben alle professionellen „Netze des Auffangens“ zerstört. Dabei bleiben immer mehr Menschen auf der Strecke. (Martin Behrsing)

Das ist schon richtig. Es bleiben sehr viele Menschen auf der Strecke liegen. Vor allem die, die keine Kraft mehr haben, um zu kämpfen: Chronischkranke, Behinderte, Alleinerziehende, Ältere, Psychisch-labile, Einsame (wobei Einsamkeit meistens das Ergebnis von vorher genannten ist), u.s.w....

Menschen, denen der Fußboden weggezogen wurde, ganz plötzlich und unerwartet – Arbeitsverlust…

Menschen, die auf keine Hilfe hoffen dürfen - genau durch unüberschaubaren Einsparmaßnamen der Agenda-Politik und erfolgreichen Streichung von Beratungsstellen. Wenn dazu noch Sanktionen kommen, die als Strafe für Kriminelle verstanden wurden, (soweit ich weiß, die Gefängnis Insassen werden viel besser betreut, als EL), wobei man bei sich nichts Kriminelles feststellen konnte…

Und wenn auf Grund der Sanktionen die ganze Familie leidet, und man vermutet, ohne eigene Person und eigenes „Versagen“ ginge der Familie doch besser….

Menschen, bei denen die eigene Erfolge und Arbeit der Vergangenheit zu null und nichts erklärt wurde und die Zukunft als Bettler ohne jede Chance vorprogrammiert wird….

Menschen, die sehr hohen Anspruch für sich selbst stellen, deren Pläne und Träume aber durch Schuld von Anderen (z.B. Nokia) in tausende Scherben zerfallen sind….

Menschen, die durch Erziehung und Beispiel von eigener Familie sehr hohe moralische Maßstäbe auch auf sich selbst stellen…

Die alle sind mehr oder weniger verloren!!!

Nicht jeder hat die Kraft, mit Faust auf dem Tisch der SB zu hauen und eigene Rechte (von denen man nicht mal im Klaren ist), zu fordern.

Scham- Schuld- und Versager-Gefühle, schön durch Propaganda genährt und durch ignorante Blöd-Z.-Leser-Gesellschafft in Form von gesellschaftlichen Mobbing umgesetzt, haben meistens lähmende und vernichtende Wirkung. Krankmacher.

Bei mir kommt noch Migrationshintergrund und damit verbundene Probleme, wie z.B Berufserlaubnis für ein Jahr für 110,-€, die ich schon mehrmals selbst bezahlen dürfte, alleine für z.B. 2-monatiges unentgeltliches Praktikum. Da bin ich nicht alleine.

Die Problematik ist sehr umfangreich und darüber muß man reden.
Es geht nicht, die Suizid Fälle zu verschweigen und sich auf Bratwurst und Sauerkraut zu konzentrieren. Das ist nicht die richtige Niveau.


58-Jähriger im Wald vermutlich zu Tode gehungert 12.02. Woodruff. Geschlossen.


Musste erst Katia Kipping das Thema aufgreifen, damit wir, User, auch diskutieren dürfen?


Noch ein sehr treffender Zitat von Tom:


Der Tod wird nicht gesucht um zu sterben. Der Tod wird gesucht, weil das Leben unerträglich geworden ist und man keine andere Option mehr sieht. Man flüchtet in den Tod, man flieht vor dem Leben.

Mit freundlichen Grüßen
Isabell
 

isabel

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Danke, Isabell. Ich kapiere das auch nicht
Hallo, Woodruff, ich habe das auch nicht kapiert.
Du hast als erste das Thema gefunden.
Ich habe es gelesen, als schon geschlossen wurde.
Ich finde das Thema nicht zum "afgeilen", sondern zum diskutieren. Für mich und für viele ist solche Diskusion sehr wichtig.
Vor allem, dass sehr viele Depressive Menschen gibt, und denen muß geholfen werden. Es ist eine Tragödie.
Mit sicherheit nicht mit Bratwurst und Sauerkraut-Diskusion zu vergleichen.
Gerade die finde ich Nieveulos.

MfG
Isabell
 

Woodruff

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Ihr habt recht - gestern war Martin das Thema nicht genehm - nur wenn es von ihm selbst aufgegriffen und dargestellt wird :icon_wink:
Na ja, die Artikel von PR-SOZIAL werden hier ja automatisch reingestellt. Ich bin auch niemand, der gleich herumheult, wenn einer seiner Threads geschlossen wird.

@ isabel: Ich finde das Thema wichtig, weil es hier um das Schicksal eines Menschen geht, und weil es zeigt, wie weit Verzweiflung einen Menschen treiben kann. Das Thema hat meiner Meinung nach auch nichts mit Sensationsgier zu tun. Deswegen kann ich Martins Kommentare in den beiden geschlossen Threads nicht verstehen, aber ich muss auch nicht alles verstehen...

Lesenswert finde ich diesen Spiegel-Artikel:

Hungertod auf dem Hochsitz: Der unglaubliche Selbstmord des Hans-Peter Z. - Panorama - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten
 

Martin Behrsing

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lest bitte mal, was ich dazu geschrieben habe.
Anmerkung der Redaktion: Katja Kipping hat das Problem zu sehr eingeengt. Viel schlimmer ist, dass durch die rigorose Einsparpolitik der Agenda-Politik der Sozialbereich radikal abgebaut wurde, so dass viele Menschen inzwischen durch alle Raster der Hilfsangebote fallen. Die brutale Sanktionspolitik durch Hartz IV kommt dann noch hinzu. Verantwortlich sind die „schlimmen Einsparer“ im sozialen Bereich, sie haben alle professionellen „Netze des Auffangens“ zerstört. Dabei bleiben immer mehr Menschen auf der Strecke. (Martin Behrsing)
Es ist nicht Hartz IV. die sozialhilfe war vorher schon genauso brutal, wie Hartz IV jetzt ist. Ich bin ja nun sehr lange Sozialarbeiter und kenne Sozialämter auch von früher her. Die waren schom immer so und es hat sich nichts geändert, außer dass die Hartz IV-Behörden und Mitarbeiter diese Unarten übernommen haben.

Nur früher (bis ca. Jahr 2000) gab es wenigsten genügend professionelle Beratungsstellen und Sozialdienste, die von sich auf die Menschen zu gingen. Dort konnte so etwas leichter aufgefangen werden. Und genau das gibt es nicht mehr.
Wenn wir solche Sachen schließen, dann weil hier immer wieder die Gefahr besteht, dass alles auf Hartz Iv abgestellt wird. Dem ist aber nun mal nicht so. Ein Suizid ist eine finale Sache und da kommt vieles zusammen und überwiegend sind dies persönliche bzw. familiäre Probleme. Und die Kette der vielen Umstände macht es aus.
Katja Kipping hat es leider auch nicht verstanden. Sie insturmentalisiert den Suizid anstatt sie die tatsächliche soziale Misere in der "Gänze" aufgreift. Es kommt auch noch hinzu, dass ein Suizid auch respekt verdient. Es ist eine freie Willensentscheidung, die uns zwar nicht immer passt, aber für manche Menschen der abgeschlossene Weg ist.
 

mo

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Es sollte eine Anlaufstelle eingerichtet werden, wo solche Fälle dokumentiert werden.
Aber wer soll das machen?
so eine art "dokumentationsstelle der folgen von staats- und regierungskriminalität"? die würde ich allerdings nicht auf die (anti-)sozialpolitik beschränken wollen - und eine solche institution müsste in jeder hinsicht sehr gut abgesichert sein.

momentan hilft vermutlich nur, selbst augen und ohren offenzuhalten - dadurch lässt sich schon viel (leider) herausfinden - der link zum folgenden beitrag war zwar schon mal im letzten jahr hier im forum vorhanden, aber ich möchte nochmals dran erinnern:

sehr unvollständige liste bekanntgewordener todesfälle im zusammenhang mit antisozialer politik: es gibt viele arten, um einen menschen zu töten...


soll immerhin niemand behaupten können, er/sie habe nichts wissen können!
 

ladydi12

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Hallo Martin,

das mit den Sozialämtern stimmt voll und ganz. Habe das als kleines Kind schließlich jahrelang am eigenen Leib mitgemacht, einschließlich Ausgrenzung (Klamotten nicht nach dem "letzten Schrei", Klassenfahrten nicht immer mitmachen können, perfekter Umgang mit dem SB, Lehrstellenmangel ( es gab damals ja angeblich soviele), Stundenausfall in der Schule usw.). Habe daher also auch jahrelange Kampferfahrung und leide an den Spätfolgen (Gruppenhaß etc.) bis heute. Mich ärgert es auch jedesmal, daß nur im Zusammenhang mit Hartz4 von solchen Dingen (Ausgrenzung usw.) gesprochen wird und ich hätte manchesmal nicht übel Lust, so manch einem dafür permanent in die Fresse zu hauen:mad:,
weil einige Leute, die heute Hartz4 beziehen , sowas früher auch selber gemacht haben (andere ausgrenzen usw.)

Es gehört immer wieder erwähnt, daß es das bei der Sozialhilfe auch gab.
Du hast mir damit (bis auf die Beratungsstellen) voll aus der Seele gesprochen und ich unterstreiche daher fast jedes Wort in diesem Beitrag von dir sehr dick!!

LG
ladydi12

lest bitte mal, was ich dazu geschrieben habe.
Es ist nicht Hartz IV. die sozialhilfe war vorher schon genauso brutal, wie Hartz IV jetzt ist. Ich bin ja nun sehr lange Sozialarbeiter und kenne Sozialämter auch von früher her. Die waren schom immer so und es hat sich nichts geändert, außer dass die Hartz IV-Behörden und Mitarbeiter diese Unarten übernommen haben.

Nur früher (bis ca. Jahr 2000) gab es wenigsten genügend professionelle Beratungsstellen und Sozialdienste, die von sich auf die Menschen zu gingen. Dort konnte so etwas leichter aufgefangen werden. Und genau das gibt es nicht mehr.
Wenn wir solche Sachen schließen, dann weil hier immer wieder die Gefahr besteht, dass alles auf Hartz Iv abgestellt wird. Dem ist aber nun mal nicht so. Ein Suizid ist eine finale Sache und da kommt vieles zusammen und überwiegend sind dies persönliche bzw. familiäre Probleme. Und die Kette der vielen Umstände macht es aus.
Katja Kipping hat es leider auch nicht verstanden. Sie insturmentalisiert den Suizid anstatt sie die tatsächliche soziale Misere in der "Gänze" aufgreift. Es kommt auch noch hinzu, dass ein Suizid auch respekt verdient. Es ist eine freie Willensentscheidung, die uns zwar nicht immer passt, aber für manche Menschen der abgeschlossene Weg ist.
 
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Katja Kipping fordert radikale Aufklärung

das ist das Mindeste was man diesem Betroffenen schuldig sein es ist eine schlimme tragische Sache das ein Mensch aufgrund politischer Gesetze keinen anderen Ausweg mehr sieht als seinem Leben ein Ende zu setzen, jedes Schicksal ist es wert das man sich ihrer annimmt und ihn als was Besonderes betrachtet was jeder Mensch ist egal was er macht.
Es ist eine schande und ich glaube ich wüßte nicht wie ich reagieren würde wenn das einer aus meienr Familie betreffen würde, aber ich schweige lieber.
darauf können die großen Parteien die Geselslchaft die ihn hat vergessen Stolz sein,
 
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