Kann mich das Jobcenter zwingen, an einem Praktikum bei einem Arbeitgeber (Vermittlungsvorschlag) teilzunehmen? (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

Nina89

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Infolge eines VVs war ich bei einem Vorstellungsgespräch. Besagter AG will nun ein Praktikum durchführen um meine Eignung/Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und ich sagte ein Praktikum wäre OK. Ich habe auch gesagt dass eine Dauer von zwei Wochen akzeptabel sei. Er meinte allerdings dass dies zu wenig sei aber er würde dahingehend zunächst auf meinen SB zukommen. Nun die Frage: Ich habe gehört dass 3 Monate das Maximum sind. ABER: Ich möchte maximal zwei Wochen an einem teilnehmen. Kann mich das JC "zwingen" ein 3 Monate Praktikum bei diesem AG zu absolvieren? Sagen wir der AG will unbeding die Maximaldauer machen... Darf ich ein Praktikum ablehnen? Oder wäre das negatives Bewerbungsverhalten? Und generell: Kann ich dem AG jetzt noch das Praktikum verwehren obwohl ich mündlich gesagt habe an einem interessiert zu sein?

Wie gesagt, unterschrieben habe ich noch nichts, ich gehe mal davon aus dass der AG jetzt die Modalitäten mit dem JC klärt und ich dann noch einen Praktkumsvertrag unterschreiben darf, richtig?
 

Hannes63

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Wieso Praktikum?
Suchst du keine bezahlte Arbeitsstelle?
Der Arbeitgeber hat doch die Probezeit von 6 Monaten, in der er ausgiebig deine Fähigkeiten testen und dich bei bedarf auch wieder jederzeit vor die Tür setzen kann.
Oder will er lieber das Praktikum weil er dir dann keinen Lohn bezahlen muss? Fragen über Fragen ...
 
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Ramteid

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Er meinte allerdings dass dies zu wenig sei
Klar ist ihm das zuwenig, er braucht dich noch viel länger ohne Lohn. Dieser Arbeitgeber ist doch höchstwarscheinlich nur einer der Abzocker AG.
Unterscheiden sollte man zwischen Probezeit (bereits im Arbeitsverhältniss) und Einfühlungsverhältniss (Test ob es zwischenmenschlich passt). Letzteres reichen 1 bis 2 Tage maximal.
Praktikum dagegen macht man als Schüler oder in der Berufsfindungsphase, aber auch da steht häuffig ein Lohn zu.
 

Frank71

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Zwingen kann dich das Jobcenter nicht drei Monate umsonst zu Arbeiten, nur um festzustellen ob du für die Firma als Arbeitskraft in Frage kommst,das ist meine Meinung.

Um was für eine Tätigkeit handelt es sich denn ?
 

Gollum1964

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Nina89,

das gleiche Thema hatte ich kürzlich auch durch. Bei mir wäre es allerdings ein Praktikum ohne jegliche Option auf einen Arbeitsvertrag gewesen. Ich habe dankend abgelehnt, da ich nicht erkenne, inwieweit mich das aus dem Leistungsbezug gebracht hätte und ich schon über eine jahrzehntelange Berufserfahrung verfüge. Wurde vom JC auch ohne Murren so geschluckt.
Bei dir scheint es etwas schwieriger zu sein, falls der AG beim JC schon mit einem konkreten Arbeitsvertrag in spe wedelt.
Ich halte es allerdings wie meine Vorschreiber, das solch ein Einfühlungsverhältnis maximal 1 Woche dauern sollte. Für längere Zeiträume gibt es ja eine Probezeit.
 

Nina89

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Danke erstmal an alle. Da ich jetzt dem AG bereits gesagt hatte dass ich ein Praktikum akzeptiere (mit dem Nebensatz "zwei Wochen"), kann ich jetzt nich ohne Angst vor Sanktionen NEIN sagen? Würde den AG dann nämlich morgen noch anrufen und das klarstellen.

Klar ist ihm das zuwenig, er braucht dich noch viel länger ohne Lohn. Dieser Arbeitgeber ist doch höchstwarscheinlich nur einer der Abzocker AG.
Unterscheiden sollte man zwischen Probezeit (bereits im Arbeitsverhältniss) und Einfühlungsverhältniss (Test ob es zwischenmenschlich passt). Letzteres reichen 1 bis 2 Tage maximal.
Praktikum dagegen macht man als Schüler oder in der Berufsfindungsphase, aber auch da steht häuffig ein Lohn zu.
Fehlende Berufserfahrung. Ich bin frisch aus einer Umschulung raus und habe noch nie in dem Gebiet gearbeitet. Der AG möchte wohl die Einarbeitungszeit einsparen. Und auch schaun wie weit er meine rein theoretischen Kenntnisse denn wirklich nutzen kann.
 
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avrschmitz

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Wie hoch sollte diese sein?
Der Arbeitgeber hat ein halbes Jahr Zeit Dich zu testen und ggfs. wieder zu kündigen. Selbst wenn im Vertrag 3 Monate Probezeit vereinbart wurden, kann er Dir danach immer noch während des halben Jahres kündigen. Jeder halbwegs im Arbeitsrecht bewanderte AG weiss dass. Daher bedarf es keine 3 Monate kostenloses Arbeiten.
 

Nina89

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Würde schreiben,dass ich sehr an einer Anstellung interessiert bin (sollte dem den überhaupt so sein) und das eine Probearbeit hinfällig sei, da es so schon die Gesetzliche Probezeit gibt.
Wie gesagt, der AG hat Angst dass ich wegen absolut fehlender Berufserfahrung (frisch aus Umschulung, größtenteils nur Theorie) nicht gebacken kriege und will wohl ein längeres Praktikum (mein SB hat ihn wohl telefonisch auf ein Praktikum hingewiesen so wie mir zu verstehen gegeben wurde) um mich kostenlos einzuarbeiten. Eingliederungszuschuss will der AG auch vom JC für mich.

Die Frage ist jetzt: Soll ich dem AG jetzt ne Mail zukommen lassen dass ich an einem längeren Praktikum doch kein Interesse habe? Nicht dass ich dann vom JC Ärger kriege. Er steht ja mit dem SB in Kontakt. Oder soll ich einfach auf eine 1 wöchige Probearbeit hinweisen als Alternative?
 

Merse

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Warte erstmal ab, wie das JC reagiert. Denk dran, dass der SB dafür bezahlt wird, dich schnellstmöglich aus dem Bezug zu kriegen. Das JC hat also Interesse daran, dass ein Arbeitsvertrag besser heute als morgen zustande kommt. Mein AG wollte auch erst ein Praktikum, bevor er mir einen unbefristeten Vertrag gibt, da hieß es vom JC direkt, dass das im Höchstfall zwei Wochen ginge.
 

faalk

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Nicht dass ich dann vom JC Ärger kriege
Ob es die SB nicht mit einer Sanktion versucht (versuchen heist noch lange nicht, das SB auch damit durchkommt) weis hier keiner mir 100%.
Da muss man dann halt abwegen. Will man sich auf gar keinen Fall mit Sanktion und co. auseinandersätzen bzw. traut sich nicht dagegen anzugehen. Dann lässt man sich halt auf die Probezeit ein.

Ist man dagegen gewillt gegen eventuelle Willkür (Sanktionen) vorzugehen, dann verhandelt man halt entweder die Zeit der Probearbeit, oder man verweist auf die ohnehin schon Probezeit.
 

Helga40

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Ein Praktikum ist weder eine Arbeit, Ausbildung oder Arbeitsgelegenheit im Sinne des § 31 SGB II.
Vgl. LSG NRW Beschluss vom 02.05.2008 AZ: L 7 B 321/07 AS/ER

2007/8 lautete der 31 SGB II auch noch so:

.
(1) Das Arbeitslosengeld II wird unter Wegfall des Zuschlags nach § 24 in einer ersten Stufe um 30 vom Hundert der für den erwerbsfähigen Hilfebedürftigen nach § 20 maßgebenden Regelleistung abgesenkt, wenn

1. der erwerbsfähige Hilfebedürftige sich trotz Belehrung über die Rechtsfolgen weigert,

a) eine ihm angebotene Eingliederungsvereinbarung abzuschließen,

b) in der Eingliederungsvereinbarung festgelegte Pflichten zu erfüllen, insbesondere in ausreichendem Umfang Eigenbemühungen nachzuweisen,

c) eine zumutbare Arbeit, Ausbildung, Arbeitsgelegenheit, eine mit einem Beschäftigungszuschuss nach § 16a geförderte Arbeit, ein zumutbares Angebot nach § 15a oder eine sonstige in der Eingliederungsvereinbarung vereinbarte Maßnahme aufzunehmen oder fortzuführen, oder

d) zumutbare Arbeit nach § 16 Abs. 3 Satz 2 auszuführen,


Jetzt lautet er


1. sich weigern, in der Eingliederungsvereinbarung oder in dem diese ersetzenden Verwaltungsakt nach § 15 Absatz 3 Satz 3 festgelegte Pflichten zu erfüllen, insbesondere in ausreichendem Umfang Eigenbemühungen nachzuweisen,
2. sich weigern, eine zumutbare Arbeit, Ausbildung, Arbeitsgelegenheit nach § 16d oder ein nach § 16e gefördertes Arbeitsverhältnis aufzunehmen, fortzuführen oder deren Anbahnung durch ihr Verhalten verhindern,

3. eine zumutbare Maßnahme zur Eingliederung in Arbeit nicht antreten, abbrechen oder Anlass für den Abbruch gegeben haben.

2 Dies gilt nicht, wenn erwerbsfähige Leistungsberechtigte einen wichtigen Grund für ihr Verhalten darlegen und nachweisen.

Die Rechtsprechung ist daher überholt. Gerade so alte Rechtsprechung sollte man immer auf Aktualität prüfen.
 

Helga40

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Sehe ich nicht so, zwar ist der Wortlaut nun ein anderer, destotrotz - Bei einem Praktikum handelt es sich auch nicht um eine zumutbare Maßnahme im Sinne des § 31 SGB II.
Aber natürlich. Das ist - soweit eine Zuweisung erfolgt - eine Maßnahme nach § 16 Abs. 1 SGB II iVm. § 45 SGB III. Früher auch gern "Trainingsmaßnahme" genannt.

Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 überträgt den Tatbestand des Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 auf zumutbare Maßnahmen zur Eingliederung in Arbeit. Das sind alle Maßnahmen zur Eingliederung in Arbeit nach den §§ 16 ff.
 

Helga40

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Das vorrangige Maßnahmeinstrument namens Probezeit stünde hier jedoch zur Verfügung.
Ohne Frage. Obwohl es kein Maßnahmeinstrument ist. Es ist nicht Aufgabe des JC, Arbeitgebern wochenlang kostenlose Arbeitskräfte zu spendieren (außer bei 16i und e, private Meinung: :sick:). Ein bis zwei Wochen maximal. Die TE hat gerade erfolgreich eine Umschulung abgeschlossen, bereits das erste Angebot. Da gibt es bestimmt auch noch andere Arbeitgeber, die suchen und nicht nur ausbeuten wollen. Reicht doch, wenn er dann EGZ bekommt.

Nichtsdestotrotz ist die oben genannte Entscheidung nicht mehr relevant.
 

Ghansafan

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Hallo,

es dürften rechtliche Zweifel bestehen, dass ein Praktikum als Maßnahme deklariert sein darf. Es handelt sich ja um eine ( unentgeltliche) Arbeit. Ist für mich somit auch keine zumutbare Maßnahme gemäß § 31 SGB II.

Ob ein unentgeltliches Praktikum eine "Arbeit" im Sinne des § 31 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1c SGB II darstellt, ist zweifelhaft. Denn § 2 Abs. 2 Satz 2 SGB II bestimmt, dass erwerbsfähige Hilfebedürftige ihre Arbeitskraft zur Beschaffung ihres Lebensunterhaltes einsetzen müssen. Da unentgeltliche Tätigkeiten aber diesen Zweck nicht unmittelbar zu erreichen vermögen, dürften diese - falls sie nicht Bestandteil eines abgestuften und genauen Eingliederungsplanes sind - schwerlich als Arbeit qualifiziert werden können (Hauck/Noftz, SGB II - Kommentar, Stand: November 2011, § 31 Rdz. 94 mit weiteren Hinweisen) .
Vgl. Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen 7. Senat, Beschluss vom 12.01.2012, L 7 AS 242/10 B
 
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Nina89

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Was ist aber wenn durch das verweigern des Praktkums eine Einstellung abgelehnt wird die durch das Praktkum erfolgt wäre? Würde das JC da evtl. eine Sanktion wegen negativem Bewerbungsverhalten erwirken können?
 

Hannes63

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Was ist aber wenn durch das verweigern des Praktkums eine Einstellung abgelehnt wird die durch das Praktkum erfolgt wäre? Würde das JC da evtl. eine Sanktion wegen negativem Bewerbungsverhalten erwirken können?
Was hat ein Praktikum mit deinem Bewerbungsverhalten zu tun?
Du bewirbst dich doch für einen bezahlten Arbeitsplatz und nicht für ein Praktikum oder?

Wenn der Arbeitgeber dich nicht einstellen möchte weil du ihm zu viel kostest dann ist das doch nicht dein Problem.
Du bietest an das du gerne bei ihm arbeiten möchtest, aber natürlich nur gegen Bezahlung, so wie das in Deutschland üblich ist.
 
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