Kann Gericht Kind vom Vater trennen? (1 Betrachter)

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sgrund

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Hallo,

folgender Fall: eine 14jährige Tochter lebt bei ihrem Vater. Beide Elternteile haben das Sorgerecht. Eine Familienhilfe ist seit längerem in der Familie. Es kam zu einer Eskalation zwischen Vater und Tochter in dessen Verlauf der Vater durch Halten eines Messers in der Hand die Herausgabe eines ihm gehörenden Gegenstandes von der Tochter erreicen wollte. Die Tochter ging am selben Abend zur Mutter, will dort aber nicht bleiben sondern zum Vater zurück, was dieser auch möchte. Das Jugendamt sieht eine "Kindesgefährdung" und plädiert für die Unterbringung im Heim, da dieses die Mutter nicht in der Lage sieht, sich adäquat um die Tochter zu kümmern.
Wenn die Eltern nicht zustimmen will das Jugendamt einen Antrag beim Familiengericht stellen. Eine Entscheidung könne bis zu "mehreren Monaten" dauern. Kann das Gericht das Kind gegen dessen Willen und des Vaters in ein Heim stecken?​
 
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Pichilemu

Gast
Ja. Das Kind kann sich noch so sehnlich wünschen, zu seinem Vater zurückzukehren, aber dass er das eigene Kind mit einem Messer bedroht, geht gar nicht. Da liegt eindeutig eine akute Kindeswohlgefährdung vor und da hat das Gericht keine Wahl. Wenn die Mutter auch nicht zur Erziehung fähig ist, bleibt nur das Heim.
 

sgrund

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Das Kind kann aber bis zu einer Entscheidung zurück zum Vater. Das passt dann doch nicht.
 
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Pichilemu

Gast
Ja, aber eine Inobhutnahme vonseiten des Jugendamtes geht nur mit Einverständnis des Kindes. Es gäbe zwar noch die einstweilige Anordnung aber die ist an strenge Anforderungen geknüpft, die hier vermutlich nicht gegeben sein dürften.
 

sgrund

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Dann kann ich mir nicht vorstellen das die Entscheidung des Gerichts von vorne herein so klar feststeht.
 
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Pichilemu

Gast
Ich kann jetzt natürlich nicht in die Köpfe der Familienrichter hineingucken. Aber mit der Sache hat der Vater schon den Straftatbestand der Bedrohung erfüllt, und das ist beileibe kein Kavaliersdelikt. Es gibt auch grundsätzlich keine Notwehr gegenüber seinem eigenen minderjährigen Kind, die es rechtfertigen könnte, den gestohlenen Gegenstand (was auch immer das ist) mit Waffengewalt zurückzuholen.

Da verstehen die Richter überhaupt keinen Spaß, und so ein Verhalten wird in der Regel auch nicht toleriert. Eventuell gibt es später eine zweite Chance, die Heimunterbringung ist ja keine endgültige Entscheidung für immer und ewig, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht zum Wohle des Kindes, es bei seinem Vater zu belassen.
 

sgrund

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So wie du das schreibst wäre eine Inobhutnahme unumgänglich. Es macht doch keinen Sinn das Kind noch ewig beim Vater zu belassen und dann irgendwann raus zu nehmen wenn das Kind gefährdet sein soll.
 

Buchfan

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Das sehe ich auch so.
Wenn der Vater zum Messer greift um einen Konflikt zu bewältigen, zeugt das nicht gerade von erzieherischer Kompetenz und noch weniger von Liebe und Fürsorge für sein Kind.

Wenn er schon vorher Schwierigkeiten mit der Tochter hatte, was anzunehmen ist (schließlich greift man nicht mal eben zum Messer, da war vorher schon was), hätte es ihm freigestanden um Hilfe zu bitten. Die Tatsache, dass er getan hat, was er getan hat, zeugt von Täterschaft.

Klar will die Tochter beim Vater bleiben. Lieber das Vertraute, auch wenn es nicht gut ist, als ins Heim.

Zum Heim: Häufig drohen Täter genau damit: "Du kommst ins Heim, wenn Du Dich nicht besserst!"
Damit sitzt ein Kind in der Falle, denn dort will es unter keinen Umständen hin.

Alternative zum Heim ist die Pflegestelle. Es gibt solche mit mehreren Pflegekindern in der Familie, was manchmal schon Richtung Unternehmen geht und solche, wo nur 1 - 2 Pflegekinder zu den eigenen Kindern aufgenommen werden. Als Eltern hat man Einfluß darauf, wo das Kind hinkommt. Eltern können auch selbst Vorschläge für eine potentielle Pflegefamilie machen. Im letzteren Fall prüft das Jugendamt und bewilligt, wenn die Voraussetzungen gegeben sind.

Den größten Gefallen würden die Eltern ihrem Kind tun, wenn sie den Prozess vorwärtsorientierend begleiten würden. Dazu ist ja noch Zeit.
 

Homer450

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Ich bin selber Vater, und wenn ein Vater ein Messer gegen seine Kinder zieht dann hat er das Recht verwirkt ein Kind zu haben. In diesen Fall die Tochter. Solange die Tochter minderjährig ist wird, wenn es ein gutes Gericht ist den Vater von der Tochter fern halten, auch wenn die Tochter zurück möchte.
Hier steht die Sicherheit der Tochter an erster Stelle, ob es ihr nun passt oder nicht.
 
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