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Jobcenter nicht barrierefrei

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Nicht offen für weitere Antworten.

Kerstin_K

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#1
Hallo zusammen,

was kann man eingentlich machen, wenn das Jobcenter für Behinderte nicht erreichbar ist?

Hört sich an, wie aus Schilda, ist aber tatsächlich passiert:

Fall 1: Ein behinderter Arbeitsloser wird zum Beratungsgespräch "vorgeladen". Der Mann kann sich nur mit 2 Unterarnstützen fortbewegen. Das Büro der "Behindertenbaraterin" liegt im 2. Stock, kein Aufzug vorhanden. An der Information im Erdgeschoss weist der Mann darauf hin, dass er die Treppe nicht bewältigen kann. Antwort: "Stellen Sie sich nicht so an, Sie wollen doch arbeiten!" Er geht unverrichteter Dinge nach Hause und schreibt einen Brief, in dem er erklärt, warum er ncht erschienen ist. Ergebnis: Verhängung ener Leistungskürzung wegen fehlender Mitwirkung.

Fall 2: Eine arbeitslose, die auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen ist, soll an einer Trainingsmaßnahme ganztägig über mehrere Monate teilnehmen. Sie ruft in der Bildungseinrichtung an und erkundigt sich nach der Barrierefreiheit. Am Eingang seine drei Stufen. "Kein Problem, dann bringe ich meine Aluschinen mit, das kriegen wir schon hin." Das Problem sind die Toiletten. Die sind im Keller und so eng, dass man mit dem Rollstuhl keinesfalls reinkommt. Sie ruft darufhin Ihren Fallmanager an, und teilt ihm mit, dass sie uneter diesen Voraussetzungen an der Maßmahme leider nicht teilnehmen kann. Den ganzen Tag ohne Toilette geht halt nicht. Der FM antwortet: "Dann benutzen Sie halt Windeln oder so!" Ergebnis: Leistungskürzung wegen fehlender Mitwirkung!

Fall 3: Eine Rollstuhlfahrerin bewirbt sich wie verlangt schriflich auf eine von der ARGE vorgeschlagene Stelle. In der Bewerbung erwähnt Sie auch ihre Behinderung. Der Personalchef ruft sie an, weil er abchecken will, ob eine Einladung zu eienem Gespräch Sinn macht. Es stellt sich heraus, dass er zwar gerne Behinderte beschäftigt, für Rollstuhlfahrer ist das Gebäude jedoch total ungeeignet. In etwa einem Jahr sollen aber neue Räume bezogen werden. Man einigt sich darauf, dass er die Unterlagen behält und sich nach dem Umzug wieder meldet, wenn er Bedarf hat. Die ARGE erhält eine entsprechende Mitteilung. Resultat: Leistungskürzung. Die Frau, ausgebildete Sekretärin, wird zur Teilnahme an einem Bewerbungstraining verdonnert. Sie soll dort lernen, dass es sehr ungeschickt ist, die Behinderug in einem Bewerbungsschreiben zu erwähnen.

Die Sanktionen konnten zwar in allen Fällen durch entsprechende Rechtmittel abgewehrt werden, aber das grundsätzliche Problem ist dadurch natürlich nicht gelöst.

Was kann man da tun?

Kerstin
 

Arania

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#2
Da alle Sanktionen durch Rechtsmittel abgewehrt wurden wie Du schreibst hast Du ja selber die Antwort gegeben, klagen wenn so etwas passiert.

Ausserdem eine Behinderung zu verschweigen bei einer Bewerbung noch dazu wenn man in Rollstuhl sitzt ist wohl eine ziemlich idiotische Forderung
 

Kerstin_K

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#3
Keine Lösung

Hallo Arania,

ich suche hier nach einer grundsätzlichen Lösung.

In dem Jobcenter aus Fall 1 kommt eine große Gruppe von Behinderten nicht zu ihrem Recht auf Beratung.

In den Fällen 2 und 3 sind die FM aus meiner Sicht unfähig. Ich denke mal, man sollte erwarten können, dass die Stellenvorschläge und Trainingsmaßnahmen vorweg vom FM darauf hin geprüft werden, ob sie überhaupt passend bzw. für den "Kunden" geeignet sind.

Also Dienstaufsichtsbeschwerde oder was?

Übrigens, bei uns in Hannover wurde sogar schon einem Rollstuhlfahrer ein Job als Dachdeckerhelfer vorgeschlagen. Das ging bis vors SG, da der Widerspruch erstmal abgewiesen wurde. Muß sowas wirklich sein?

Kerstin
 

Arco

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#4
Re: Keine Lösung

Kerstin_K sagte :
Hallo Arania,

ich suche hier nach einer grundsätzlichen Lösung.

In dem Jobcenter aus Fall 1 kommt eine große Gruppe von Behinderten nicht zu ihrem Recht auf Beratung.

In den Fällen 2 und 3 sind die FM aus meiner Sicht unfähig. Ich denke mal, man sollte erwarten können, dass die Stellenvorschläge und Trainingsmaßnahmen vorweg vom FM darauf hin geprüft werden, ob sie überhaupt passend bzw. für den "Kunden" geeignet sind.

Also Dienstaufsichtsbeschwerde oder was?

Übrigens, bei uns in Hannover wurde sogar schon einem Rollstuhlfahrer ein Job als Dachdeckerhelfer vorgeschlagen. Das ging bis vors SG, da der Widerspruch erstmal abgewiesen wurde. Muß sowas wirklich sein?
Kerstin
Nein Kerstin .....

im Fall 1 = es ist ein öffentliches Gebäude und das muß behindertengerecht sein .... also ein Fall für den Behindertenbeauftragten etc....

in den Fällen 2 + 3 = da diese Mitarbeiter ihre Unfähigkeit bewiesen haben hilft (außer der Klage natürlich) auch noch eine Dienstaufsichtsbeschwerde und zwar in Kopie ganz ganz oben abgestuft eingereicht....

Es könnte sein das die Nachfolge-Alg2-Empfänger bessere Bedingungen dann antreffen ....
 

kalle

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#5
Zu Fall 1: Da würde ich ml ganz dringend den Behindertenbeauftragten Eurer Stadt, wenn Ihr denn einen habt, einschalten. Öffentliche Gebäude müssen behindertengerecht ausgestattet sein. Und Schwerbehindertenberater müssen erreichbar sitzen. So sie denn im 2.Stock sitzen muß ein Fahrstuh vorhanden sein. Ansonsten muß der SB zum Behinderten herunterkommen.
Ich habe meine SB, die auch im 2.Stock ohne Fahrstuhl saß freundlich darauf hingewieen, das ich erst vorbeikomme, wenn sie in einem Büro mit Fahrstuhl sitzt. Hat ohne Sanktionen geklappt.

Und bei den anderen Fällen: Was wollt Ihr, die kennen sich mit Behinderten doch überhaupt nicht aus. Da würde ich mal eine Beschwerde bei der AfA machen oder beim oberen Dienstherren. Aber auch der Behindertenbeauftragte ist hier ein dankbares Opfer. Gern genommen werden solche Fälle auch manchmal von den Zeitungen. Die Behinderten gelten ja noch nicht als Schmarotzer. :twisted:
 

Arco

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#6
hallo mein lieber Pinguin, mußt du immer abschreiben ? ? - ab in die Ecke ;) ;)
 

Manuela

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#7
Hallo Ihr Lieben.

Gerade Punkt 1 wird in naher Zukunft für mich sehr interessant werden! Ich rechne jeden Tag damit eine Einladung von ProJob zu bekommen. Und da fängt mein Problem auch schon an.
Von mir bis zum Bahnhof ca. 1 km Fußweg. Ca. 15 Minuten Bahnfahrt. Dann 1,5-2 km Fußweg. Büro der Tante im 2. Stock ohne Fahrstuhl. Unten keine Information wo ich mich melden könnt, dass ich da bin. Mit'm Auto wirds nix, is kaputt. Wie soll ich dann den Weg zum Propheten schaffen? Ich quäl mir einen ab mit zwei Unterarmgehstützen und den allseits beliebten Zinkleimverbänden an beiden Knien und beidseits schmerzende entzündene Schultern. Das laufen ist derzeit fast unmöglich.
Gut, ich könnt mir 'ne AU besorgen, die befreit mich allerdings nicht von dem Termin soweit ich Kenntniss habe. Denn hier heißt es... Du kannst zum Arzt Dir 'ne AU holen, also kannst Du auch zum Propheten.
Ich kenne die Örtlichkeiten bereits von den Erzählungen meines Freundes, der dort zur Zeit betreut wird.

Wie und wo kann ich herausbekommen ob meine Stadt einen Behindertenbeauftragten hat, bzw. wie und wo finde ich den zuständigen Menschen?

Mir graut vor dem Termin, denn das nächste wird dort sein, dass die gute Tante einen Eingliederungsplan vorlegt, der vor Ort unterschrieben werden muss, sonst Telefonat mit SB beim Sozi wegen Sperre.
 

Nov

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#8
Also wenn Dein Arzt Dir eine AU austellt bist Du erstmal Krank geschrieben " AU an die ARGE bzw. die Stelle "
Wenn Du Deinen Arzt fragst denke ich mal das er Dir ohne die Kosten für ein Attest auf zu erlegen einen 2-3 Zeiler das Du nicht ohne Hilfe usw. in der Lage bist Treppen zu bewältigen!

Ich denke mal es werden ansonsten hier noch mehr Tips kommen :)
 

Martin Behrsing

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#9
Kerstin_K sagte :
Hallo zusammen,

was kann man eingentlich machen, wenn das Jobcenter für Behinderte nicht erreichbar ist?

Hört sich an, wie aus Schilda, ist aber tatsächlich passiert:

Fall 1: Ein behinderter Arbeitsloser wird zum Beratungsgespräch "vorgeladen". Der Mann kann sich nur mit 2 Unterarnstützen fortbewegen. Das Büro der "Behindertenbaraterin" liegt im 2. Stock, kein Aufzug vorhanden. An der Information im Erdgeschoss weist der Mann darauf hin, dass er die Treppe nicht bewältigen kann. Antwort: "Stellen Sie sich nicht so an, Sie wollen doch arbeiten!" Er geht unverrichteter Dinge nach Hause und schreibt einen Brief, in dem er erklärt, warum er ncht erschienen ist. Ergebnis: Verhängung ener Leistungskürzung wegen fehlender Mitwirkung.

Fall 2: Eine arbeitslose, die auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen ist, soll an einer Trainingsmaßnahme ganztägig über mehrere Monate teilnehmen. Sie ruft in der Bildungseinrichtung an und erkundigt sich nach der Barrierefreiheit. Am Eingang seine drei Stufen. "Kein Problem, dann bringe ich meine Aluschinen mit, das kriegen wir schon hin." Das Problem sind die Toiletten. Die sind im Keller und so eng, dass man mit dem Rollstuhl keinesfalls reinkommt. Sie ruft darufhin Ihren Fallmanager an, und teilt ihm mit, dass sie uneter diesen Voraussetzungen an der Maßmahme leider nicht teilnehmen kann. Den ganzen Tag ohne Toilette geht halt nicht. Der FM antwortet: "Dann benutzen Sie halt Windeln oder so!" Ergebnis: Leistungskürzung wegen fehlender Mitwirkung!

Fall 3: Eine Rollstuhlfahrerin bewirbt sich wie verlangt schriflich auf eine von der ARGE vorgeschlagene Stelle. In der Bewerbung erwähnt Sie auch ihre Behinderung. Der Personalchef ruft sie an, weil er abchecken will, ob eine Einladung zu eienem Gespräch Sinn macht. Es stellt sich heraus, dass er zwar gerne Behinderte beschäftigt, für Rollstuhlfahrer ist das Gebäude jedoch total ungeeignet. In etwa einem Jahr sollen aber neue Räume bezogen werden. Man einigt sich darauf, dass er die Unterlagen behält und sich nach dem Umzug wieder meldet, wenn er Bedarf hat. Die ARGE erhält eine entsprechende Mitteilung. Resultat: Leistungskürzung. Die Frau, ausgebildete Sekretärin, wird zur Teilnahme an einem Bewerbungstraining verdonnert. Sie soll dort lernen, dass es sehr ungeschickt ist, die Behinderug in einem Bewerbungsschreiben zu erwähnen.

Die Sanktionen konnten zwar in allen Fällen durch entsprechende Rechtmittel abgewehrt werden, aber das grundsätzliche Problem ist dadurch natürlich nicht gelöst.

Was kann man da tun?

Kerstin
Schicke mir bitte per e-mail Infos und wie ich die Leute erreichen kann. Da können wir dann schon eine Menge tun.
 
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