Ist ein Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente wegen Depression und PTBS sinnvoll?

Bitas

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Die DRV selbst bietet Hilfe für die Antragstellung an.
Schau mal nach deiner Gemeinde und Vereinbare einen Termin.
 

HermineL

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Beim nächsten Termin beim Psychiater werde ich meinen Wunsch nachBErentung, zumindest den Versuch, ansprechen.
Ich wünsche dir wirklich sehr, sehr viel Erfolg. Bin gespannt ob du es schaffst aber stelle dich auf
einen sehr langen Kampf ein. Habe selber PTBS, chronische schwere Depri und Panikattacken aber
dazu noch vieles anderes über Herzkrank bis hin zu einem desolaten Rücken und Knie. Bin mit kurzer
Unterbrechung (6 Monate) seit Ende 2013 AU aber die DRV hält mich immer noch für erwerbsfähig.

Es gibt sehr viele bei denen es Jahre gedauert hat. Da muss man sich nur hier im Forum umschauen
wie die meisten kämpfen müssen.

Aber manchmal soll es selbst bei der DRV vernünftige Entscheidungen geben. Hoffentlich ist dein
Los dabei :icon_daumen:
 
M

Märzenbecher

Gast
Was den Therapeuten betrifft: Viele kennen sich mit einer PTBS nicht aus. Die "üblichen" Behandlungswege, die man bei einer reinen Depression oder Angsterkrankung anwenden würde, funktionieren da nicht. Mir persönlich hat eine Verhaltenstherapeutin, die von Traumatherapie keine Ahnung hatte, am Anfang meines Behandlungsweges durchaus geholfen, aber nach einem knappen Jahr ging es da nicht mehr weiter.
Es wäre gut, wenn du dir da jemanden mit entsprechender Erfahrung und/oder Ausbildung suchen würdest. Die Verbände EMDRIA und DeGPT haben online z.B. eine Liste mit Therapeuten, die ihre Fortbildungen absolviert haben, eine Liste mit PITT-Absolventen kann man in der Klinik für psychotherapeutische und psychosomatische Medizin des EvKB Johannisstift anfordern, auch die Angabe auf therapie.de, ob jemand Traumatherapie anbietet, ist schonmal ein guter Anhaltspunkt, auch wenn das da erstmal eine Selbstauskunft des Therapeuten ist, die keine besondere Qualifikation beweist.
Ich bin u.a. wegen PTBS berentet.
Wie ich das gemacht habe?

Ich habe beim 3. Gutachten (oder so, genau weiß ich die Reihenfolge nicht, es war sehr kompliziert und anstrengend alles, hat sich auch endlos lang hin gezogen) bei meinem Widerspruch (zuerst wurde Rente abgelehnt) auf die PTBS berufen. Dazu geschrieben hat meine Hausärztin, die wußte das, und meine Therapeutin.

Zum Thema Therapeuten: Verhaltensth. sind leider Gift für Traumatisch Geschädigte. Bestenfalls kommst du damit nie weiter, schlimmstenfalls schaden sie dir, aber helfen tun sie dir nicht. Sie können dich viell. ein bisschen stabilisieren, aber mehr nicht. Ihnen fehlt einfach das Wissen zum Thema Trauma.

War bei mir übrigens ähnlich, Vernachlässigung in früher Kindheit und so weiter... will ich nicht näher drauf eingehen. Die Traumatherapeutin, die ich dann hatte (mußte ich sehr lange für suchen), hat mir dann über 2 Jahre geholfen und die hat mir auch die nötigen Dinge bescheinigt. Als letzten Gutachter habe ich mir dann von der Rentenversicherung einen gewünscht, der sich mit Traumata auskennt - und so habe ich auch damals meinen Widerspruch begründet.
Das hat funktioniert.
Man muß wissen wie es geht und das dann genau so und nicht anders machen.

Also unbedingt Traumatherapeuten suchen und mit dem weiter arbeiten. Bei einem Gutachter mit der Diagnose PTBS begründen, warum man auch nur einen Gutachter haben will, der sich mit Traumata auskennt. Es lohnt die Sucherei und es lohnt sich, hartnäckig zu bleiben.
 

Bitas

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@Märzenbecher,

Kann die DRV einen Antragsteller zum passenden Gutachter schicken oder muss sie das, bei Anfrage.
Ich habe auch eine spezielle psychische Erkrankung und hätte gerne ein Mitspracherecht zu welchem Gutachter ich gehen muss.
Kannst du den Ablauf genauer beschreiben?
Danke
 

Muzel

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Märzenbecher, welches Therapieverfahren wendet denn dein Therapeut an? Ich habe einen beantragt, der sich in tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie auskennt. Was meinst du dazu? Ich bin auch wegen traumatischen Störungen in Rente.
 

wheelie

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Moin,

in Hamburg ist der Weiße Ring bei frühkindlichen Traumatisierungen eher kontraindiziert.

Im UKE gibt es in der Institutsambulanz Trauma- Erfahrene, das ist oft eine gute Anlaufstelle für wirklich verschiedenste Probleme. Früher hatten die auch Listen von traumaerfahrenden Therapeuten quer in der Stadt.

Eventuell könnte auch die Krankenkasse weiter helfen, die haben manchmal auch gute Erfahrungen, das hat auch schon mehrfach Erfolge gebracht.

Wenn Du Geld aufbringen kannst/ willst, wäre eventuell eine private Rentenberatung sinnvoll. Ich weiß nicht, ob hier Namensnennung erlaubt ist, aber wenn Du bei google Rentenberatung und Norderstedt eingibst, solltest Du auf maps einen guten Treffer haben ;), die kennen sich auch mit Frührente wegen PTBS aus.

Wegen der privaten: ich hoffe, dass es kein Hindernis ist, dass es frühkindlich ist, bzw. , dass es zu Versicherungsabschluss noch nicht bekannt war, eventuell könnte das ein Ausschlußgrund sein.

Medikamente sind bei PTBS oft sehr schwer, Benzodiazepine würde ich komplett die Finger von lassen, die Suchtgefahr ist oft erheblich höher als bei nicht traumatisierten.

Anrufe jeglicher Art von KK und ähnlichem würde ich komplett untersagen, das macht nur unnötigen Druck.

Das waren jetzt meine spontanen Gedanken. Ach ja, noch was, es gibt im ehemaligen Hafenkrankenhaus eine wirklich richtig gute Praxis für Ergotherapie, in der sich mehrere Therapeuten explizit und gut mit Trauma auskennen. Und wenn 30 Minuten funktionieren drin ist, und schreiben leichter als reden, lassen sich sicher auch viele drauf ein, dass Du etwas schreibst und mitbringst. Wichtig ist ja, dass Deine Behandler wissen, was ist, wie, ist erstmal egal ;)

Viel Glück und Kraft, und volles Verständnis, Druck weg kann sehr viel gutes auslösen!

wheelie
 
M

Märzenbecher

Gast
Kann die DRV einen Antragsteller zum passenden Gutachter schicken oder muss sie das, bei Anfrage.
Ich habe auch eine spezielle psychische Erkrankung und hätte gerne ein Mitspracherecht zu welchem Gutachter ich gehen muss.
Kannst du den Ablauf genauer beschreiben?
Ich war im Laufe meines Rentenantrages bei mehreren verschiedenen Gutachtern. Ich schildere das aus meiner Erinnerung heraus, es ist schon etwas her:
der erste GA von der Rentenversicherung war, glaube ich, nur Psychiater und der hatte keine Erfahrung mit Traumata. Er hat mir irgendwas anderes angedichtet. Zu der Zeit war ich aber schon länger in Behandlung bei der Traumatherapeutin und hatte auch die Diagnose PTBS. Auch meine HA hat mich dabei unterstützt, in Widerspruch zu gehen; sie wußte das ja mit der PTBS. Sie hat mich sogar unterstützt einen Traumatherapeuten zu finden, mit der Begründung, Verhaltenstherapie sei re-traumatisierend - das habe ich schriftlich.

Gegen das GA habe ich dann Widerspruch eingelegt mit ausführlicher Begründung. Dazu habe ich alles zur Hilfe genommen, was ich hatte. U. A. hieß es in dem GA auch, ich habe eine "depressive Verstimmung", dabei stimmte auch das nicht, das konnte ich belegen, anhand von alten Attesten, daß ich eine chronische Depression, mittelgradig, habe. Für die PtBS hatte ich natürlich auch Belege von der Therapeuten. Mit diesen Belegen habe ich um einen Gutachter gebeten, der sich mit der Thematik TRAUMA auskennt.
Das hat funktioniert.

Die "Begutachtung" war dann "etwas unangenehm", aber schließlich mußte der gute Mann ja auch rauskriegen, was Sache war .... Inwieweit PTBS nun den Anteil an meiner Verrentung hat, weiß ich nicht, ich hab ja noch andere chronische Krankheiten und Arthrose in den Knien.

Märzenbecher, welches Therapieverfahren wendet denn dein Therapeut an? Ich habe einen beantragt, der sich in tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie auskennt. Was meinst du dazu? Ich bin auch wegen traumatischen Störungen in Rente.
Ich bin nicht mehr in Therapie. Die Th. hat 2 Jahre gedauert und es war eine sogenannte "Traumatherapie". Traumatherapie ist eine Zusatzausbildung; es gibt keine eigentliche Ausbildung, die "Traumatherapeut" heißt. Dh. jeder Therapeut kann diese Zusatzausbildung zu seiner eigentlichen Ausbildung machen.

Analytisch würde ich abraten. VT auch. Bleibt ja nur noch das eine Verfahren. Es gibt da im Netz spezielle Seiten, wo man suchen kann.
 

wheelie

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@Muzel Traumatherapeuten kennen zusätzlich noch Techniken, allen voran EMDR, und viele Besonderheiten von Traumafolgestörungen. Das ist gerade bei weiterer Behandlung oft nicht unwichtig, gerade da manche Verfahren ihrerseits wieder traumatisierend wirken können, und der Therapeut das a) erkennen und b) damit umgehen können sollte....

Ich weiß nicht, ob es in anderen Gegenden ebenso wie in Hamburg ist, dass man über die Institutsambulanz gute Ansprechpartner finden kann.

Lg wheelie

Bei mir war PTBS auch einer der Gründe für die Berentung. Ich habe eine absolut engagierte Hausärztin, sie ist mit mir zu dem Gutachter gegangen, was im Nachhinein ein absoluter Segen war, denn der hatte so überhaupt keine Ahnung und war wie ein Trampeltier unterwegs. Sie musste sich an mehreren Stellen aktiv einmischen, dadurch war es dann möglich für mich, das irgendwie durchzuhalten.

Es hat am Ende dann auch im ersten Anlauf geklappt, ich weiß allerdings nicht, was es ohne Unterstützung geworden wäre. Aus Erfahrung mit Freunden weiß ich, dass es insgesamt doch einfacher ist, wenn man eine stationäre Reha macht, zumal man da meist auch wirklich noch gut etwas für sich selber und das Leben lernen kann. Das ging bei mir aus anderen Gründen aber nicht.

Vielleicht wäre es ja auch eine Möglichkeit, in einer ambulanten Therapie so weit Fortschritte zu erreichen, dass Du Dich auf stationär einlassen kannst, vor allem für Dich selber, denn das Leben ist ja doch erheblich leichter, wenn die Sozialphobie kleiner werden kann... Zwischen kleinerer Sozialphobie und wieder arbeiten können liegen dann auch noch Welten, aber vielleicht kann das erste Ziel sein, wieder ein lebenswerteres Leben führen zu können.

Lg wheelie
 

Caye

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Gibt es verlässliche Beratungsstellen ,die einem dabei helfen ,dass man nichtins offene Messer läuft? beim VDK bin ich noch mitglied, habe dort vor Monaten aber auch keine verwertbaren Infos erhalten, oder ist nur der Psychiater mein Ansprechpartner?
Zumindest, was das Ausfüllen des ewig langen Antrags und die Klärung des Rentenkontos angeht, sind die Beratungsstellen der DRV vollkommen tauglich.

Ansonsten solltest du dich mit dem Stichwort Leistungsfall beschäftigen und selbst schonmal schauen, ob und wann du die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für die Rente erfüllst. Aber von dem, was du geschrieben hast, sollte das bei dir unkritisch sein.

Es ist absolut wichtig, mind. einen Arzt hinter sich zu haben, der die Rente befürwortet. Sonst wird es wirklich verdammt schwer.

Zum Thema Therapeuten: Verhaltensth. sind leider Gift für Traumatisch Geschädigte. Bestenfalls kommst du damit nie weiter, schlimmstenfalls schaden sie dir, aber helfen tun sie dir nicht. Sie können dich viell. ein bisschen stabilisieren, aber mehr nicht. Ihnen fehlt einfach das Wissen zum Thema Trauma.
Jein. Es gibt "nur" drei bei der Kasse anerkannte Abrechnungsverfahren. Einzig eine Ausbildung in einem dieser drei Verfahren, die der Therapeut abrechnen darf, taugt inzwischen in den meisten Fällen allgemein nicht viel. Die Therapeuten erwerben allerlei Zusatzqualifikationen, und die sind für alle Abrechnungsverfahren zugänglich.
Das Abrechnungsverfahren sagt nichts darüber aus, ob ein Therapeut Ahnung von Trauma hat. Der einzige Nachteil von Verhaltenstherapeuten ist, dass die das kleinste Stundenkontingent abrechnen können.

Wie ich schon schrieb, war meine erste Therapeutin eine klassische Verhaltenstherapeutin ohne traumaspezifische Ausbildung. Obwohl wir an einigen Punkten sicher nicht perfekt miteinander arbeiten konnten, war sie durchaus hilfreich. Wir haben Entspannungstechniken geübt, viel über Alltagsstruktur gesprochen, über den Umgang mit Ängsten... Wie gesagt, es ging nach einem knappen Jahr eindeutig nicht weiter, aber sie war dennoch hilfreich. Ein fähiger Verhaltenstherapeut sollte es hinbekommen, im Rahmen seiner Fähigkeiten hilfreich zu sein, bis man einen geeigneteren Therapeuten gefunden hat, auch wenn seine Methoden bei Traumata nur begrenzt funktionieren.

Und mein jetziger Therapeut ist auch Verhaltenstherapeut und sehr erfahrener und guter Traumatherapeut. ;) Allerdings hat die Therapie, die er er mit seinen Traumapatienten macht, auch nicht viel mit Verhaltenstherapie zu tun. Dafür hat er eben andere Qualifikationen.

Wegen der privaten: ich hoffe, dass es kein Hindernis ist, dass es frühkindlich ist, bzw. , dass es zu Versicherungsabschluss noch nicht bekannt war, eventuell könnte das ein Ausschlußgrund sein.
Bei mir war das kein Problem bei der privaten Versicherung. Ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass Versicherungen versuchen, sich mit dem Argument aus der Sache rauszuwinden, meine eigene Erfahrung ist aber zum Glück eine andere. Da ja aber die Ursache einer PTBS lange in der Vergangenheit liegen kann, die Erkrankung aber erst deutlich später auftritt, lässt die schädigende Ursache ja keine Rückschlüsse darauf zu, ob die Erkrankung bei Versicherungsabschluss schon bestanden hat und man sie rechtswidrig verschwiegen hat. Vor Gericht würde die Versicherung damit wohl nicht durchkommen, aber auf einen Rechtsstreit hat man da natürlich auch keine Lust.

Der Weiße Ring ist eine Möglichkeit, aber ähnlich wie VDK und SoVD stark von der Region abhängig. Ich denke auch, dass die für reine Rentenfragen jetzt nicht der ganz ideale Ansprechpartner sind.

Sofern deine versicherungsrechtlichen Voraussetzungen unproblematisch sind, sollte es kein Problem sein, den Antrag selbst mit der DRV-Beratungsstelle zu stellen. Allerdings ist dein bisheriger Behandlungsweg recht "kurz", von daher kann es gut sein, dass die DRV sich sträubt und auf jeden Fall erstmal eine Reha fordert.

Bei einer Reha solltest du dann auf jeden Fall darauf achten, selbst eine Klinik auszuwählen, und zwar eine, die nicht nur die PTBS auf ihrer Indikationsliste hat (das haben sie alle), sondern die tatsächlich ein traumatherapeutisches Konzept hat.

Bei mir selbst wurde inzwischen übrigens ganz frisch die DRV-Rente bewilligt. :) Dass ich erwerbsunfähig bin, war seit der Antragstellung in 2017 nie strittig (komplett ohne persönliche Gutachten, alles nur nach Aktenlage), allerdings hing es bei mir am Leistungsfall, da ich nur zu wenigen Zeitpunkten bisher die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt habe. Mit dem Anerkenntnis der DRV wurde der Leistungsfall bei mir nun in 2007 festgestellt. Man kann also auch zehn Jahre rückwirkend noch Erfolg haben... Es ist aber eher ein Roulettespiel als alles andere.
 
M

Märzenbecher

Gast
Um mit einem Therapeuten arbeiten zu können, muß erst mal eine Vertrauensbasis erschaffen werden. Dies ist bei traumatisierten Menschen schwierig. Verhaltenstherapeuten, die nicht mal unbedingt erkennen können, ob jemand traumatisiert sein könnte, benehmen sich, was Vertrauensaufbau zum Patienten angeht, oft wie die sprichwörtliche "Axt im Walde". Vielleicht gehen diese Th. auch davon aus, daß das Vertrauen seitens des Patienten zum Therapeuten schon per se da sei? Dieses Benehmen "Wie die Axt im Wald" hat bei mir über Jahre dazu geführt, daß ich mit VT nicht mehr vertrauensvoll zusammen arbeiten konnte. Bis ich dies erkannte, wie da die Mechanismen sind, hat es lange gedauert.
Bei jemand, der in die Richtung "Sozialphopie" "tendiert", könnte dies ähnlich sein. Deshalb schreibe ich dies hier.
Also bitte Vorsicht bei der Therapeutenwahl.

Es gibt drei Therapieverfahren, von denen zwei als Traumatisierter mit Vorsicht zu genießen sind (bzw. abzulehnen sind), und nur ein Verfahren ist bedingt geeignet, wenn der Therapeut die Zusatzausbildung zum Traumatherapeut gemacht hat. Denn nur dann, wenn er diese Ausbildung gemacht hat, kennt er sich mit Traumata aus. Und erst dann kann er ganz anders arbeiten.

Natürlich wird über die Krankenkasse dann nur die eigentliche Therapieform abgerechnet.
Als Patient muß man halt nur wissen, daß es bezüglich Therapien gewaltige Unterschiede gibt und daß man da auch viel falsch machen kann.
 

wheelie

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märzenbecher, das hast Du sehr gut beschrieben, die Mechanismen. Eigentlich kann man das für viele Traumatisierte auf viele Hilfsberufe ausweiten, und wenn man sich dessen bewußt ist, für sich selber enorm viele Stolperfallen unschädlich machen.

Für Hamburg kann ich ganz klar empfehlen, was ich oben geschrieben habe, denn dort gibt es im UKE einiges an Wissen, das sicher weiter angezapft werden kann. Damit kann man sich hoffentlich einiges an Enttäuschungen ersparen.

Denn wenn man erstmal so fertig ist, dass das Überlebensmuster des Funktionierens nicht mehr funktioniert, ist man ganz einfach so dermaßen verletzbar, dass das den meisten Menschen überhaupt nicht klar ist, und einem selber natürlich erst recht nicht...

Ich wünsche dem TE, dass er gute Unterstützung suchen und finden kann

Lg wheelie
 

Michel

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Die Krankenkasse hat die ganze Woche über versucht mich anzurufen. Dummerweise sitze ich auch als Krankenr nicht neben oder auf dem Telefon.

Per Post kam heute der Vorschlag einer stufenweiser Wiedereingliederung. Nach Aktenlage würde der MDK dies befürworten. Heute morgen, als ich meinen Terin beim Psychiater hatte, war die Post noch nicht da. Habe der KK jetzt mitgwteitl, dass ich den Vorschlag beim nächsten Termin mit dem Psychiater besprechen werde.

Zudem habe ich heute endlich mal etwas Mut gehabt und dem Doc meine Probleme eingehender geschildert, insbesondere meine Ängste und auch drauf verwiesen, dass ich mich mit der Psychotherapie im Kreis drehe. Habe ihm auch gesagt, dass ich es oft nicht schaffe, klar zu sagen, was meine Probleme sind. habe gelernt mich bei einem Terminm zusammen zu reissen, Haltung zu bewahren etc.

Er schlug vor, dass ich ihm alles mal aufschreiben sollte damit er sich ein kompletteres Bild machen kann. Ich glaube, dass ich dadurch keinen nachteil habe, sondern eher die Gelegenheit innerhalb von ein paar Tagen oder auch Wochen so detailliert wie möglich meine Lage zu beschreiben.

Über Rente habe ich mit ihm noch nicht gesprochen. Dennoch überlege ich, ob es sinnvoll ist, sich einen Beratungstermin bei der DRV zu holen. Was meint ihr dazu? machne oder lieber sein lassen, ohne dass man ein konkrete Empfehlung vom Doc hat?
 

Michel

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siehe Anhang. Ich halte das Schreiben für unverfänglich, aber man weiß ja nie. Allerdings habe ich die KAsse bisher nicht um die möglichkeit einer Wiedereingleiderung gebeten
 

Anhänge:

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Märzenbecher

Gast
Würde ich nicht machen.
Es gibt für Dich nur einen Weg: Traumatherapie und an diese Dinger ran gehen. Vorher wieder arbeiten gehen wird nichts bringen, Du wirst Dir so langfristig nur selbst schaden.

Ist allerdings Deine Entscheidung. Ich würde es nicht machen.
 

Michel

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Mir ist nicht ganz klar, was sich aus einem Versuch für Konsequenzen ergeben können. Letztlich möchte ich den Versch der Berentung wagen, da wäre arbeiten eher kontraproduktiv glaube ich.

Was wäre, wenn ich den Versuch nach einer Woche abbrechen würde? Ich arbeite eh nur Teilzeit. Im Arbeitsversuch wäre das dann 1 Stunde am tag. Länger kan nich mich auch nicht konzentrieren.
 
E

ExitUser

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Über Rente habe ich mit ihm noch nicht gesprochen. Dennoch überlege ich, ob es sinnvoll ist, sich einen Beratungstermin bei der DRV zu holen. Was meint ihr dazu? machne oder lieber sein lassen, ohne dass man ein konkrete Empfehlung vom Doc hat?
Du solltest - und musst eigentlich - deine Entscheidung nicht in die Hand von deinem Arzt legen. Es ist zwar wichtig Arzt/Ärzte an der Seite zu haben welche dir Unterstützung geben, aber eine Entscheidung/Empfehlung darfst du nicht von ihnen abhängig machen.
Es ist ganz alleine dein Leben, deine Zukunft, dein Weg. Oder glaubst du das dir ein Arzt hilft wenn es zu Problemen/Schwierigkeiten während des ganzen Prozesses kommt.

Wichtig sind Ärzte die dich unterstützen, aber von einer "Empfehlung" kann deine Entscheidung nicht abhängen.
 
M

Märzenbecher

Gast
Was wäre, wenn ich den Versuch nach einer Woche abbrechen würde? Ich arbeite eh nur Teilzeit. Im Arbeitsversuch wäre das dann 1 Stunde am tag. Länger kan nich mich auch nicht konzentrieren.
Das kannst Du ja versuchen.

Wenn Du dann abbrichst, solltest Du aber auch dabei bleiben und Dich nicht dazu "überreden" lassen, trotzdem weiter zu arbeiten.
Ich war damals auch nicht so "fest" in meinen Entscheidungen, ich habe selber immer viel zu lange und zu viel und vor allen Dingen, weit über meine Grenzen hinaus, gearbeitet. Vor allen Dingen im Kunstbereich betrug mein Tag jahrelang mehr als 12 Stunden, ich habe oft, eigentlich regelmäßig, bis mitten in die Nacht hinein, gearbeitet, und das jeden Tag, über jede Erschöpfungsgrenze hinaus.

Dies macht man so, weil das in dieser Gesellschaft ja so erwartet wird - und wenn der Druck vom Jobcenter oder vom Gutachter oder vom Rententräger oder von sonstwo her kommt, neigt man dazu, diesem Druck gegen die eigene Leistungsfähigkeit, also weit über die eigenen Belastungsgrenzen hinaus, nach zu geben.
Das ist ja das kriminelle am gesamten System: Es treibt die Menschen in die Ausbeutung bis zu ihrer absoluten Erschöpfung. Dabei macht es auch vor Krankheit keinen Halt.

Den Halt kannst nur Du veranlassen.

Also ich würde mir das an Deiner Stelle sehr sehr gut überlegen. Auch wenn Du eine Stunde arbeiten kannst, kommt ja auch noch die Fahrzeit dazu, als Belastung. Und, natürlich, wenn Du abbrichst, wird ein ellenlanger Rattenschwanz von Rechtfertigungen und Erklärungsnot auf Dich zu kommen, was auch belastend ist.

Ein Arzt kann für Dich nicht entscheiden, das kannst nur Du selber, aber Du kannst es auch erst dann, wenn Du fähig bist, unmittelbar zu Deinen Bedürfnissen zu stehen, sie zu artikulieren (ohne gehemmt zu sein), und sie dann auch durch zu setzen. Das ist erfahrungsgemäß schwierig bei Menschen, die traumatisiert sind, denn das Trauma ist ja nichts anderes, um es auf einen Nenner zu bringen, als eine gewaltige Grenzüberschreitung beim Traumatisierten, eine massive psychische Verletzung des Traumatisierten gegen seinen Willen. Und das muß erst mal verarbeitet werden - idealerweise in der richtigen Therapie.
 

Muzel

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Du bist doch noch jung. Vielleicht klappt das doch mit der Wiedereingliederung. Du scheinst doch Hilfe zu bekommen. Meine Rente ist wegen dieser Erkrankung durch. Welcher Weg nun schwieriger ist, der in das Erwerbsleben oder der in die Rente kann ich dir auch nicht sagen und auch nicht wie du dich fühlst, sollte dir die Rente bewilligt werden.
 

Caye

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Jung sein ist kein Argument gegen eine Berentung. Ich bin voll erwerbsgemindert seit 2007. Da war ich 23.

Rein rechtlich ist der Versuch einer stufenweisen Wiedereingliederung für einen Rentenantrag nicht schädlich.
Zum einen bist du während der Wiedereingliederung offiziell weiter krankgeschrieben, zum andren hat die DRV noch zusätzlich die Weisung, dass eine versuchte Wiedereingliederung keine Unterbrechung der Erwerbsminderung bedeuten darf.

Wenn du das tatsächlich versuchen willst, kannste das machen.
Mit dem Arzt darüber reden bringt meiner Erfahrung nach nur begrenzt was, zumindest mein Psychiater lässt zwar seine jeweilige Meinung zu meinen Ideen durchscheinen, unterstützt aber das, was ich will, auch wenn er es nicht optimal findet. ;)
Manchen Menschen tut die Arbeit ja auch so gut, dass sie sie neben einer Therapie einfach brauchen.
Den Eindruck, hab ich bei dir aber eher nicht, Michel, eher im Gegenteil, aber das musst du selbst entscheiden.

Den Brief der Krankenkasse kannste ignorieren, Telefonate mit denen würd ich auch nicht führen.

Was deinen Psychiater angeht, das hört sich sehr gut an, finde ich.
Ich hab das teils auch schon so gemacht, wenn ich wusste, dass mein Psychiater einen wichtigen Bericht schreiben muss, habe ich ihm vorher ein paar Stichpunkte dazu aufgeschrieben und gegeben oder gemailt. Er freut sich darüber immer wie ein kleines Kind über den Weihnachtsbaum. ;) Teils weiß er nicht genau, welches Amt gerade wegen was von ihm nen Bericht will, und dann sehen wir uns eh nur alle drei Monate für vielleicht 20-30 Minuten, da kann er nicht alles wissen, obwohl ich schon über zehn Jahre bei ihm bin.

Von daher gehe ich davon aus, dass es deinem Psychiater auch total helfen wird, wenn du ihm deine Probleme und Symptome in ihrem vollen Umfang aufschreibst.

Pass aber dabei bitte auf dich auf, so eine "Bestandsaufnahme" ist hart. Setz dir Grenzen, wie lange am Stück du dich jeweils mit dem Negativen beschäftigst, und nimm dir auch bewusst Zeit, deine Stärken etwas zu "streicheln" oder dir etwas Gutes zu tun.
 
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