Ist die Tätigkeitsbezeichnung in der Arbeitsbescheinigung relevant für die Jobvermittlung der AfA bei ALG1 nach § 136 SGB III? - In welche Jobs wird bei "ungerader" Erwerbsbiographie vermittelt? (1 Betrachter)

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Schlafmütze

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Hallo liebes Forum,

Hintergrund meiner obigen Frage ist, dass in meiner Arbeitsbescheinigung bei "zuletzt tätig als" eine Berufsbezeichnung steht, die ca. 95 % der Belegschaft des Unternehmens haben. Ich jedoch nicht.

Ich bin dort vor langer Zeit als Branchenfremde in eine Fachabteilung eingestiegen, für die man meine Berufsausbildung benötigte.
Im Laufe der Zeit habe ich dann noch ein Studium drauf gesattelt, allerdings mit einem Schwerpunkt, der auch nur für eine spezielle Fachabteilung passt.

Da meine dortige Berufslaufbahn von Rationalisierung, Outsourcing, Umstrukturierung etc. geprägt war, bin ich zuletzt in der bescheinigten Tätigkeit gelandet.
In der Praxis könnte ich dieses Berufsbild allerdings zu deutlich weniger als 1 % abdecken.

Ich frage mich jetzt in welche Jobs die SB der AfA mich vermitteln wird. Ist die bescheinigte letzte Tätigkeit hierfür ausschlaggebend?
Ich möchte die Diskussionen mit denen möglichst gering halten ....

Nachdem ich hier schon viel gelesen habe, befürchte ich fast, dass sie mich als ungelernt sieht: aus der ursprünglichen Ausbildung bin ich seit Jahrzehnten raus, mit dem Studium habe ich nur ganz kurz gearbeitet und den bescheinigten letzten Beruf habe ich weder gelernt, noch habe ich auch nur ansatzweise die Kenntnisse dieses Berufsbildes.

Zu allen drei - theoretisch - in Frage kommenden Berufsfeldern haben die ZAF diverse Jobs in der Jobbörse - inseriert.
Allerdings hoffe ich, dass ZAF nicht an mir interessiert sind (ü50 und gesundheitlich angeschlagen).

Ich weiß, dass sind natürlich "Glaskugel-Überlegungen" und es ist vermutlich immer individuell von der jeweiligen SB abhängig.
Ich würde mich aber über Eure Erfahrungen/Vermutungen/Einschätzungen etc. sehr freuen.

Viele Grüße
Schlafmütze
 

iSlave

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Informiere dich über die Zumutbarkeit beim ALG 1. Da geht es soweit ich mich erinnern kann um die Bezahlung und man kann Job ablehnen die um x% schlechter bezahlt werden. Da die AfA sowieso nicht in gute Jobs vermittelt dürfte die Bezeichnung wohl nebensächlich sein. Hast du ein Arbeitszeugnis in dem die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit beschrieben wird?
 

Schlafmütze

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Zum Thema Arbeitszeugnis hatte ich vor einiger Zeit schon einen anderen Thread eröffnet, mich aber nicht weiter darum gekümmert, weil mich das Thema sooooo aufregt.

Inzwischen habe ich mein Zeugnis mit einer ehemaligen Kollegin verglichen und festgestellt, dass es eine ziemliche Unverschämtheit ist.
Aber das gehört dann wohl besser in den anderen Faden.

Ich lese aber aus Deinen Zeilen, dass die AfA-SB sich an den aufgeführten Tätigkeiten orientieren wird?
Dann hätte sie - sofern das Zeugnis nicht geändert wird - ein Problem: es wimmelt von Haus-internen Abkürzungen (ohne ausformulierten Erklärungen), die selbst Kollegen außerhalb meiner Ex-Abteilung nicht verstehen, für Branchenfremde komplett unverständlich ...
--> dann sollte ich mich wohl mal dringend um das Zeugnis kümmern ...

Danke für den Hinweis!
 

BerndB

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Nachdem ich hier schon viel gelesen habe, befürchte ich fast, dass sie mich als ungelernt sieht: aus der ursprünglichen Ausbildung bin ich seit Jahrzehnten raus, mit dem Studium habe ich nur ganz kurz gearbeitet und den bescheinigten letzten Beruf habe ich weder gelernt, noch habe ich auch nur ansatzweise die Kenntnisse dieses Berufsbildes.
Dafür gibt es eine ganz einfache Formel: Wenn du mindestens 4 Jahre in an- oder ungelernter Tätigkeit gearbeitet hast, gilst du als "wieder ungelernt". Aber: Wenn du in einem neuen Gebiet angelernt wurdest und Arbeiten ausgeführt hast, für die man üblicherweise eine Ausbildung benötigt, hast du in gelernter Tätigkeit gearbeitet.

Zu deiner Frage: Meines Wissens bekommt dein Arbeitsvermittler die Arbeitsbescheinigung nicht zu Gesicht. Die geht zum SB für Arbeitslosengeld. Der Vermittler notiert die Kenntnis, die du ihm angibst und ggf. im Zeugnis nachweist. Und es gibt keinen Berufsschutz bei der Vermittlung. Der Vermittler wird das notieren, wo er dich nach deinen Aussagen und seinen Arbeitsmarktkenntnissen am besten vermittlen kann.

Wenn du "wieder ungelernt bist" hast du mehr oder weniger Anspruch auf eine neue Ausbildung.
 

grün_fink

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Wenn du "wieder ungelernt bist" hast du mehr oder weniger Anspruch auf eine neue Ausbildung.
Hi, kannst du mir sagen, wo das steht? Ich staune nur gerade sehr darüber, wie das bei mir vor Jahren lief. Hätte ich das so regeln können, hätte mir das allerhand ersparen können.
 

BerndB

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Die kurze Version im SGB III: Der Vorrang der Vermittlung (§4) gilt nicht gegenüber dem Nachholen eines Berufsabschlusses. So zumindest meine Auslegung des Paragraphen.

Vermutlich deshalb gilt als wichtiger Grund für eine Eigenkündigung auch die Kündigung wegen Nachholen einer Ausbildung.

Nachtrag: Die Regelung "wieder ungelernt" findet man in §81 Abs. 2 Nr. 1 SGB III.
 

Gollum1964

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Dafür gibt es eine ganz einfache Formel: Wenn du mindestens 4 Jahre in an- oder ungelernter Tätigkeit gearbeitet hast, gilst du als "wieder ungelernt". Aber: Wenn du in einem neuen Gebiet angelernt wurdest und Arbeiten ausgeführt hast, für die man üblicherweise eine Ausbildung benötigt, hast du in gelernter Tätigkeit gearbeitet.

Wenn du "wieder ungelernt bist" hast du mehr oder weniger Anspruch auf eine neue Ausbildung.
Wegen dem "ungelernt" aus Sicht der Jobcenter trotz vorhergehender Ausbildung sollte eigentlich nur der letzte Satz entscheidend sein. Man müsste (theoretisch) dann den persönlichen Voraussetzungen entsprechend eine neue Ausbildung oder Umschulung anbieten. Das man praktisch beim Jobcenter jedoch durch die Blume gesagt bekommt, man kann absolut garnichts mehr und daher den letzten Mist zum Mindestlohn oder gar darunter annehmen muß, das ist allerdings eher die Realität. Wenn mir wieder ein SB meint, mir das vorwerfen müssen, lege ich dann umgehend meine angeborene Bescheidenheit ab und beginne Klartext zu reden. Das Thema wechselt dann auch recht schnell.
 

Kerstin_K

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Es mag ja sein, dass Informatikkentnisse nach 4 Jahren veraltet sind, dass ein Steuerberater nicht mehr die aktuellen Gesetze kennt, aber in vielen Handwerksberufen bewegt sich wenig und oft wenig bis nichts und wenn doch, sollte es möglich sein, gezielt nachzuschauen.

Ein Tischler weiss auch nach 4 Jahren noch, wie man mit Holz umgeht. Den Umgang mit der computergesteuerten Saege kann er lernen.
 

alteschachtel

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In der Praxis könnte ich dieses Berufsbild allerdings zu deutlich weniger als 1 % abdecken.
Ist auch nicht zwingend notwendig. Wenn du den Part der bisherigen Tätigkeit erfüllt hast, reicht das grundlegend aus, sich auch in der Zukunft für gleichartigen Job zu bewerben.
Ich bin Industriekauffrau und habe nur im Vertrieb gearbeitet in den unterschiedlichsten Branchen, ich habe nie in der Industrie gearbeitet und auch in keinem anderen Bereich der möglich gewesen wäre aufgrund der Ausbildunginhalte Industriekauffrau.
Dann hab ich mich in Sachen Marketing und Vertrieb weitergebildet und eine Zusatzqualifikation erworben. Im Bereich Marketing und Industrie wäre ich eine Graupe, ich bin nur Affin im B2C. Heuballen könnt ich nicht an den Markt bringen.
Ich will damit nur aufzeigen, für manchen Tätigkeit ist es nicht erforderlich, das ganze Berufbild mit einem Ausbildungsabschluss unter Beweis zustellen.

befürchte ich fast, dass sie mich als ungelernt sieht:
Das ist bullshit!!!
 
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