Internetfreiheit: Titanenkampf mit hilflosen Zuschauern (1 Betrachter)

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Die Freiheit im Internet ist längst zur Illusion geworden. Google grast derzeit pro Tag zwanzig Milliarden Websites ab, um seine Suchalgorithmen zu füttern. Jede der drei Milliarden Suchanfragen am Tag soll dem Nutzer aus dreißig Billionen gespeicherten Links möglichst die Informationen anbieten, die er sucht. Doch entgegen der ursprünglich postulierten Google-Politik, die eine faire Berücksichtigung „relevanter“ Websites bei der Ergebnisliste anstrebt, werden zukünftig Websites, gegen die besonders viele sogenannte DMCATakedown-Notices vorliegen, irgendwo auf den hinteren Seiten der Suchergebnisse begraben. Um die Dimension dieser Entscheidung zu verstehen, muss man sich kurz mit der Natur solcher DMCATakedowns auseinandersetzen. Sie sind im amerikanischen Recht ein Instrument, mit dem Inhalte ausschließlich aufgrund von Behauptungen des Absenders aus dem Netz entfernt werden. Ein Betroffener kann erst danach auf dem vergleichsweise beschwerlichen Rechtsweg die Wiederherstellung widerrechtlich entfernter Inhalte erzwingen. Natürlich werden die Schnittstellen zur Sperrung auch missbraucht, um unter dem Vorwand einer Urheberrechtsverletzung missliebige Inhalte zu zensieren. Menschen sind bei der Abarbeitung solcher Begehren kaum mehr beteiligt; man benötigte auch eine halbe Armee, um die Unmengen zu bewältigen.

Bei anderen Problemfällen, etwa Mobbing auf Facebook, zeigt sich die drastische Unausgewogenheit des Prinzips. Facebook ist sehr zögerlich, etwa Videos von Schulhof-Quälereien zu sperren – es sei denn, das Opfer behauptet schlicht Urheberrechtsverletzungen. Dann ist das Filmchen tatsächlich schnell verschwunden: nicht etwa, weil Persönlichkeitsrechte verletzt wurden, sondern um Ärger mit den Verwertern zu vermeiden. Selbstverständlich wären ausgewogene und praktikable rechtliche Regelungen dem derzeitigen Zustand vorzuziehen. Doch die Grundhaltung der Gesetzgeber, die noch keinen Sinn für moderne Methoden entwickelt haben, die die freie Kommunikation nicht strangulieren, lässt für die Zukunft nichts Gutes erahnen. ...
Aus dem Maschinenraum: Titanenkampf mit hilflosen Zuschauern - Aus dem Maschinenraum - FAZ
 
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