Information zur Senkung der Warmwasserkosten: Wie reagieren?

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Habinot

Gast
Hallo erstmal,

ich habe einen Brief vom Jobcenter bekommen und weiß nicht wie ich darauf reagieren soll. Laut Jobcenter betragen die Kosten für die Warmwasserbereitung in unserem Haushalt 0,92 Euro/qm abstrakt angemessene Wohnfläche. Als angemessen gelten laut Jobcenter aber nur 0,30 Euro/qm und somit gelten meine Warmwasserkosten als unangemessen hoch.

Eine Übernahme der "unangemessen" Warmwasserkosten kommt laut Jobcenter nur für höchstens 6 Monate infrage. Das Jobcenter gibt mir nun mit diesem Brief die Möglichkeit diese "unangemessen" hohen Warmwasserkosten zu rechtfertigen und sollten keine besonderen Umstände vorliegen, bin ich verpflichtet die Warmwasserkosten zu senken. Wenn ich darauf nicht reagiere, muss ich mit einer konkreten Aufforderung zur Kostenabsenkung rechnen.

Wie soll ich nun darauf reagieren? :frown: Laut Jobcenter müssten wir 3-mal weniger verbrauchen, aber das halte ich für vollkommen unrealistisch. Sollen wir uns etwa nicht mehr waschen und kein Essen mehr kochen? Ich empfinde meinen Warmwasserverbrauch nicht als unangemessen hoch (schon gar nicht 3-mal so hoch wie normal) und habe dementsprechend auch keine "Rechtfertigung" für einen "unangemessen" hohen Warmwasserverbrauch. Zumindest in diesem Jahr kann ich diesen Durchschnittswert auch gar nicht mehr erreichen und müsste somit in sechs Monaten die Kosten selber tragen (was ich nicht kann), wenn ich keine Begründung dafür finde. Wieso wird der Warmwasserverbauch eigentlich anhand der qm und nicht anhand der Anzahl der Personen gemessen?

Wie würdet ihr darauf reagieren? Danke im Voraus!


Gruß, Habinot!
 

Helga40

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Das Handeln des JC ist unverständlich. Nach der vom BSG entwickelten Produkttheorie muss in Bezug auf die Kosten der Unterkunft das Produkt aus Grundmiete und Nebenkosten (bei Hausbesitzern halt die Hauslasten) angemessen sein.

Also die SUMME. Daher ist es doch völlig egal, ob der Warmwasserverbrauch ggf. sehr hoch ist. Wenn in der Summe die Kosten der Unterkunft trotzdem noch angemessen sind, ist das in Ordnung. Es steht doch jedem frei, bei einer Nebenkostenposition zu sparen und bei der anderen verschwenderischer zu sein, wenn es insgesamt noch stimmt.

Daher die Frage: Wohnt ihr zur Miete? Wie hoch sind die Mietkosten insgesamt (bitte auch die letzte Betriebskostennachzahlung beziffern)? Was ist bei euch angemessen?
 
H

Habinot

Gast
Ja wir wohnen zur Miete. Die Mietkosten betragen 590 Euro für 66 qm (Warmmiete). Die letzte Betriebskostennachzahlung beträgt 96 Euro von denen allerdings nur 15 Euro vom Jobcenter übernommen wurden. Davor hatte ich eigentlich regelmäßig sogar Guthaben über. Ich weiß nicht genau was bei uns angemessen ist. Ich meine irgendwo im Internet gelesen zu haben, dass 8,60 pro qm KALTmiete angemessen ist. Das wären 567,60 Euro zuzüglich ca. 30 Euro für die Nebenkosten und somit mehr als wir momentan bezahlen, aber ich bin mir da nicht sicher. Wie würdest du denn nun reagieren?


Gruß, Habinot!
 

Helga40

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Herausfinden, was angemessen ist.

Dann auf die Anhörung hin mitteilen, dass sie sich bitte mit der Produkttheorie auseinandersetzen sollen.

Soweit deine Miete tatsächlich angemessen ist.

Sollte man trotzdem absenken, gehst du dann in Widerspruch (wenn der Bescheid mit der geminderten Miete da ist).
 
H

Habinot

Gast
Und wie genau finde ich heraus was angemessen ist? Danke übrigens für deine Antwort! :)


Gruß, Habinot!
 
H

Habinot

Gast
Laut den Angaben auf dieser Seite sind für die Kaltmiete 544,50 Euro und Heizkosten (wozu bei uns Warmwasser zählt) 85,80 Euro angemessen. Dies würde zusammen 630,30 Euro betragen (und somit mehr als die 590 Euro, die wir momentan bezahlen), allerdings sind die Heizkosten bei uns höher als "angemessen". Kann ich mich nun auf die Produkttheorie berufen oder hat das Jobcenter in diesem Fall recht, dass ich meine Heizkosten (bzw. meine Warmwasserkosten) senken muss? :icon_kratz:


Gruß, Habinot! :)
 

gelibeh

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Kann ich mich nun auf die Produkttheorie berufen oder hat das Jobcenter in diesem Fall recht, dass ich meine Heizkosten (bzw. meine Warmwasserkosten) senken muss?
Mit der Produkttheorie kannst Du nicht argumentieren, denn die betrifft nur die Miete ohne Heizkosten. Die sagt nur aus, dass das Produkt von Quadratmeter mal Quadratmeterpreis im angemessenen Rahmen liegen muss. Bei den Heizkosten müsste man mal sehen, was die Kommune da vorgegeben hat. Die Warmwasserkosten werden gemessen oder in der Heizkostenabrechnung irgendwie berechnet?
 
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Habinot

Gast
Mit der Produkttheorie kannst Du nicht argumentieren, denn die betrifft nur die Miete ohne Heizkosten. Die sagt nur aus, dass das Produkt von Quadratmeter mal Quadratmeterpreis im angemessenen Rahmen liegen muss. Bei den Heizkosten müsste man mal sehen, was die Kommune da vorgegeben hat. Die Warmwasserkosten werden gemessen oder in der Heizkostenabrechnung irgendwie berechnet?
Gut, das mit der Produkttheorie habe ich jetzt auch so verstanden. Die Warmwasserkosten werden gemessen und sollten laut Jobcenter 0,30 Euro/qm und die Heizkosten insgesamt 1,30 Euro/qm betragen. Gibt es gar keine Möglichkeit dagegen zu argumentieren oder wenigstens den Zeitraum von 6 Monaten zu verlängern, wenn ich versuche meine Warmwasserkosten schrittweise zu senken? Ich bin gerade ein wenig am verzweifeln und weiß nicht wie wir unsere Warmwasserkosten um zwei Drittel senken sollen (zumal es dieses Jahr schon nicht mehr möglich ist den vorgegeben Wert zu erreichen). :frown:


Gruß, Habinot!
 

gelibeh

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Ich kann mir nicht vorstellen, dass das so richtig ist. Du kannst aber im Moment noch nicht viel tun. Erst wenn die weniger zahlen, kannst Du aktiv werden und Widerspruch einlegen. Dazu würde ich mir beim Amtsgericht einen Beratungshilfeschein holen und mir einen Anwalt für Sozialrecht suchen. Die können doch WW-Kosten nicht auf Quadratmeter umlegen. Die müssen das pro Person machen. Verbraucht Ihr denn wirklich zu viel Wasser?
Durchnittlicher Wasserverbrauch: Durchnitt im x Personenhaushalt/Familie Musst die Punkte raussuchen, die warmes Wasser betreffen.

Bei den Heizkosten kommt es auch auf Dinge wie die Bausubstanz an, da können die auch nicht einfach pauschalieren, sondern müssen das notfalls durch Gutachten ermitteln, ob Du wirklich verschwenderisch heizt. Also auch hier gibt es also Angriffspunkte.
 

lpadoc

Neu hier...
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Ja wir wohnen zur Miete. ... Die letzte Betriebskostennachzahlung beträgt 96 Euro von denen allerdings nur 15 Euro vom Jobcenter übernommen wurden.
Könntest Du die Heiz- und Nebenkostenabrechnung mal bitte anonymisiert hier hochladen ?
 

Helga40

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Dies würde zusammen 630,30 Euro betragen (und somit mehr als die 590 Euro, die wir momentan bezahlen), allerdings sind die Heizkosten bei uns höher als "angemessen". Kann ich mich nun auf die Produkttheorie berufen oder hat das Jobcenter in diesem Fall recht, dass ich meine Heizkosten (bzw. meine Warmwasserkosten) senken muss? :icon_kratz:
Ok, ich unterlag einem Irrtum. Warmwasserkosten sind Bestandteil der Heizkosten, wenn es eine zentrale Warmwasserversorgung gibt.

Was du nachfragst, nennt sich "erweiterte Produkttheorie". Bisher wurde vom BSG immer verneint, dass man ein Produkt auf Basis der Bruttowarmmiete bilden kann, d. h. das BSG hat bisher nur bestimmt, dass Kaltmiete und kalte Betriebskosten sowie Heizkosten getrennt auf Angemessenheit zu prüfen sind.

Aktuell liegt die Frage "erweiterte Produkttheorie" wieder beim BSG, geführt unter AZ B 14 AS 21/13 R.

Gehe mal davon aus, dass es das nicht geben wird.

Allerdings ist damit noch längst nicht Hopfen und Malz verloren. Die Frage ist nämlich, ob die von deinem Amt bestimmten 1,30 Euro/qm angemessen sind. Nach ständiger Rechtsprechung des BSG sind nämlich die Werte des Bundesweiten Heizspiegels zugrunde zu legen, soweit es keinen Kommunalen Heizspiegel gibt.

Womit heizt du, wie groß ist deine Wohnung, welche Wohnungsgröße gilt als angemessen für die Personenzahl und wie groß ist die gesamte Heizfläche der Liegenschaft in der du wohnst (müsste in der Heizkostenabrechnung drin stehen)?
 
E

ExitUser

Gast
Also ich habe letztens ein Urteil gelesen, da sollte laut Jobcenter eine Frau mit ganz geringer Grundmiete und überhöhten Heizkosten wegen der überhöhten Heizkosten umziehen.

Das Gericht sagte "Unsinn", weil die Warmmiete unter den örtlichen Richtlinien läge.
Vielleicht findet das Urteil jemand.


Ansonsten, 0,92 Euro/qm finde ich tatsächlich verdammt hoch.
 
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