Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis u.m

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Praktikum:
Um ein Praktikum im eigentlichen Sinne handelt es sich nur dann, wenn das Praktikum von einer Prüfungsordnung zwingend als studien- bzw. ausbildungsbegleitend vorgeschrieben ist (Pflichtpraktikum). Die Praktikumstätigkeit hängt mit dem Studien- bzw. Ausbildungsziel zusammen und ist geprägt durch die Anforderungen der Prüfungsordnung. Es werden praktische Kenntnisse und Erfahrungen zur Vorbereitung auf einen Beruf vermittelt, die im Rahmen einer (meist akademischen) Ausbildung benötigt werden.

Einfühlungsverhältnis (Der Arbeitnehmer ist nicht zur Arbeitsleistung verpflichtet):
Vom Praktikum streng zu trennen ist auch das Einfühlungsverhältnis, das umgangssprachlich gerne als „Schnupperkurs“ oder unverbindliche Kennenlernphase bezeichnet wird und als „verlängertes Bewerbungsverfahren“ der Anbahnung eines Arbeitsverhältnisses dienen soll.
Zweck ist nicht wie beim Probearbeitsverhältnis die Erprobung der Eignung des Bewerbers, sondern es soll lediglich dem potentiellen Arbeitnehmer die Möglichkeit gegeben werden, die betrieblichen Gegebenheiten kennenzulernen. Der Arbeitgeber hat im Gegenzug die Möglichkeit festzustellen, ob der Bewerber in den Betrieb passt. Beim Einfühlungsverhältnis bestehen keine gegenseitigen Verpflichtungen zur Leistung und Gegenleistung. Der Arbeitgeber hat kein Direktionsrecht. Die Arbeitsleistung des Bewerbers wird auf rein freiwilliger Basis erbracht. Auch muss der Bewerber keine bestimmte Arbeitszeit einhalten. Er ist einzig dem Hausrecht des Arbeitgebers unterworfen. Folglich entsteht hier kein echtes Arbeitsverhältnis. Wenn keine anderweitige Abrede getroffen wird, besteht kein Anspruch auf Arbeitsentgelt. Die Höchstdauer für ein solches Einfühlungsverhältnis beträgt maximal 7 bis 10 Tage.

Tipp: Wird ein solches Einfühlungsverhältnis vereinbart, muss dringend beachtet werden, dass Weisungen des Arbeitgebers nicht zulässig sind, da ansonsten Entgeltansprüche bestehen!

Probearbeitsverhältnis:
Unter einem Probearbeitsverhältnis versteht man ein zum Zwecke der Erprobung abgeschlossenes Arbeitsverhältnis, das unter dem Vorbehalt der Beendigung steht, sofern sich herausstellt, dass eine Zusammenarbeit auf Dauer nicht in Betracht kommt. Damit kann ein doppelter Zweck erreicht werden. Der Arbeitgeber kann so prüfen, ob der Bewerber für die in Aussicht genommene Stelle dauerhaft geeignet erscheint und dem Bewerber wird vor Augen gehalten, dass er sich erst bewähren muss, wenn er auf Dauer beschäftigt bleiben will. Davon zu unterscheiden ist die gesetzliche Probezeit des Kündigungsschutzgesetzes (KSchG), die den persönlichen Anwendungsbereich des KSchG von der sechsmonatigen Bestandsdauer abhängig macht.

Ein solches Probearbeitsverhältnis steht dem normalen Arbeitsverhältnis nahezu gleich. Es ergeben sich dieselben Rechte und Pflichten einschließlich der Pflicht zur üblichen Vergütung. Einzige rechtliche Besonderheit ist die Möglichkeit der leichteren Vertragsbeendigung durch die verkürzte Kündigungsfrist von zwei Wochen. Als Faustformel für die maximale Dauer gelten sechs Monate. Bei längerer Probezeit besteht die verkürzte Kündigungsfrist nur in den ersten sechs Monaten. Die Befristung zur Erprobung ist im Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG) als Sachgrund anerkannt.

Tipp: In diesem Zusammenhang gilt es unbedingt zu beachten, dass die Befristung zwingend schriftlich vereinbart werden muss und zwar vor Arbeitsantritt. Eine mündlich vereinbarte Befristung ist unwirksam. Hat der Arbeitnehmer ohne die schriftliche Befristungsvereinbarung auch nur ganz kurz gearbeitet, entsteht ein unbefristeter Arbeitsvertrag, der nur unter Beachtung des normalen Kündigungsrechts wieder beendet werden kann!

Anlernverhältnis:
Ein Anlernverhältnis liegt vor, wenn es Ziel der Zusammenarbeit ist, dass der Anlernling in einem enger begrenzten Fachgebiet eine Spezialausbildung erhält. Er soll innerhalb des Anlernverhältnisses erst die notwendigen Kenntnisse sammeln. Im Vergleich zum Auszubildenden ist die Dauer des Anlernens kürzer und die persönliche Bindung an den Anlernenden geringer. Der Unterschied zum Praktikum besteht darin, dass in der Regel bereits eher der Austausch von Arbeitskraft und Lohn im Vordergrund und nicht der Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten. Diese Schwerpunktsetzung ist ausschlaggebend für die rechtliche Einordnung. Überwiegt die Entgeltlichkeit, handelt es sich um ein normales Arbeitsverhältnis mit üblicher Vergütungspflicht. Wiegt dagegen der Kenntniserwerb stärker, gilt 26 BBiG und damit die Pflicht zur angemessenen Vergütung. Es besteht also in jedem Falle eine Vergütungspflicht.

Leitfaden für die Einordnung:

Anhand dieser Übersicht wird deutlich, dass die unentgeltliche Einstellung eines Praktikanten nur in äußerst begrenzten Fällen zulässig ist. Sollte eine Vertragsgestaltung gewählt worden sein, die nicht zu der jeweiligen Tätigkeit passt, kann sich der Arbeitgeber nicht auf den Vertrag berufen. Es gilt dann nicht das vertraglich Fixierte, sondern die gesetzlichen Regelungen des Vertragstyps, der dem typischen Erscheinungsbild der Tätigkeit, also dem „gelebten Praktikantenverhältnis“, entspricht. Um zu vermeiden, dass eine falsche rechtliche Einordnung vorgenommen wird, ist es also unverzichtbar, die jeweiligen Charakteristika und rechtlichen Grenzen zu beachten.

Zusammenfassend erleichtert es die rechtliche Einordnung und damit die Beantwortung der Frage nach der Vergütungspflicht eines „Praktikums“, wenn Sie bei Ihren Überlegungen in folgenden Schritten vorgehen:

1. Unentgeltliche Praktika sind nur dann möglich, wenn es sich um vorgeschriebene Praktika handelt.
Fragen Sie den Bewerber daher nach seiner Ausbildungs- bzw. Studienordnung.
2. Steht der Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten im Vordergrund, gelten die Besonderheiten des BBiG und ergänzend das allgemeine Arbeitsrecht. Der „Praktikant“ hat Anspruch auf angemessene Vergütung.
3. Bildet dagegen der Austausch von Arbeitsleistung und Entgelt den Schwerpunkt, ist stets allgemeines Arbeitsrecht anwendbar.
Es besteht ein Anspruch auf die übliche Vergütung.
IHK Darmstadt - Das Praktikum und seine Alternativen: Tipps zur Vermeidung typischer Fehler

„Generation Praktikum“ – hoher Einsatz, geringe Vergütung?

Ein Probearbeitsverhältnis ist ein „normales Arbeitsverhältnis“, das vom Arbeitgeber zu vergüten ist

Das Einfühlungsverhältnis ist unentgeltlich – eine Arbeitsleistung muss nicht erbracht werden
Im Gegensatz zum Probearbeitsverhältnis wird der zukünftige potentielle Arbeitnehmer in dem Unternehmen aber aufgenommen, ohne dass er irgendwelche Pflichten zu erfüllen hätte. Insbesondere muss er dem Unternehmen seine Arbeitskraft nicht zur Verfügung stellen oder sich an bestimmte Arbeitszeiten halten.

Auch bei einem Einfühlungsverhältnis bzw. „Schnupperpraktikum“ darf ein Praktikant nicht wie ein Arbeitnehmer eingesetzt werden. Denn ansonsten könnte auch hier – wie das obige Beispiel zeigt – schnell ein „normales Arbeitsverhältnis“ angenommen werden, mit der Folge, dass eine Vergütung zu zahlen ist.
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Theon Graufreud

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Ich mußte leider auch zwei sinnlose Praktika im Einzelhandel machen während jeweils einer Maßmahne. Hat es mir was gebracht? Antwort: Nein.:icon_motz:
Habe ich dadurch Arbeit bekommen? Antwort: Nein!
Oh ja, doch. Es hat doch etwas bewirkt! :icon_daumen: :icon_daumen:
Und zwar: Einen Arbeitslosen in der Statistik weniger. :icon_klatsch:
Ist das nicht toll!??
Wunderschön war das, wie damit durch das SGB II das Grundgesetz ausgehebelt wurde. Ich könnte vor lauter "Freude" :icon_kotz2:...

Seitdem habe ich beschlossen: Sollte man mir wieder so ein Maßnahme anbieten mit dem Zwang zur Praktikumssuche, werde ich eben keins finden.
Sollte man mir ein Praktikum gegen meinen Willen aufzwingen mit solchen Sprüchen wie "Da wird Ihre Arbeitsleistung und Ihr Willen dafür getestet", "Um die Arbeitsabläufe in einem Betrieb anzuschauen" etc. - nun, da werde ich mich nicht scheuen, den Arzt aufzusuchen und mir ein "Rückenleiden" diagnostizieren zu lassen.
Und wenn die mir mit einem vom Amt gestellten Arzt kommen - sollen sie doch!
Dannn werde ich erneut meinen Hausarzt aufsuchen. Denn wenn man krank ist, ist man krank!
Alles andere entspräche einer gewissen Form von Erpressung und Zwang!!!
(Das reimt sich sogar - ist aber ungewollt)...
 

dummwiebrot

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Ich habe bei meiner letzten Sinnlosmaßnahme gelernt, das auch ein Praktikum was gutes haben kann. Das obligatorische Praktikum hat mir quasi das Leben gerettet, denn:
Ohne Praktikum hätte ich keine AU gebraucht, wäre also nicht zum Arzt gegangen und der Krebs hätte sich in aller Ruhe weiter ausbreiten können.


Im Übrigen leb(t)e ich bei zwangsangeordneten Praktika, Ein-Euro-Job, Probearbeiten etc. nach dem Motto:
Wie die Verpflegung, so die Bewegung!
 
L

lola montez

Gast
AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Das scheint überall bei den Arbeitgebern beliebt zu sein.
Hatte letzte Woche so einen Probetag als Telefonistin in einem Kleinbetrieb.
Arbeitszeit von 9Uhr bis 21 Uhr.
Am Anfang hat es mir Spass gemacht, doch später war es stressig.
Und dann 12 Stunden an einem Stück. Die Zeit zog sich wie Gummi.

Gestern war ich wieder dort, musste auch noch für meine "Chefin" Wäsche waschen, wenn Leerlauf war.
Dann habe ich zuviel Termine angenommen, was von meiner Seite gut gemeint war wegen des Umsatzes. das war aber ihr nicht recht. :icon_sad:
Kurz nach 21 Uhr durfte ich Feierabend machen und bekam meine "Gage".
50€ Festgeld und 16€ Provision. War meiner Meinung nach zu wenig, ich muss noch 25 km nach hause fahren.
Am kommenden Samstag will sie mich anrufen, wegen weiterer Tage.
Ehrlich gesagt, bin ich mir nicht sicher, ob ich mir das auch noch mal antue.
Soll ein Minijob draus werden, gebrauchen könnte ich schon das Geld.
Doch die 12 Stunden sind eine lange Zeit und die Fahrt.
Die Nacht habe ich wie eine Tote geschlafen, war gestern Abend totmüde.
 

Theon Graufreud

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

lola montez;1462303Kurz nach 21 Uhr durfte ich Feierabend machen und bekam meine "Gage". 50€ Festgeld und 16€ Provision. War meiner Meinung nach zu wenig meinte:
Zu wenig? Verdammt wenig sogar. Da würd nicht mal ein Schwein für arbeiten! :icon_cry:
Und das für 12 Stunden am Tag!? Ich glaub es hackt... :icon_motz:
Die nutzen Dich da ganz schön aus. :tongue:
Dann sollen die Dir zumindest noch das Benzingeld oder die Fahrkarte erstatten, vorher würd ich da nicht mehr antreten...

Und als Minijob bei der miesen Bezahlung würde ich es auch nicht machen. Dann sollen die eben halt einen Teilzeitvertrag anbieten, wo Du auch noch Probezeit hast. Alles andere wäre sinnlos...
 
L

lola montez

Gast
AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Die "Chefin" hat mich auch nicht mehr gestern angerufen.
Ich glaube ich war nicht so das Wahre, ins Bezug auf vemasselten Termin.
Egal, es war zu wenig Geld und dann die Fahrerei, 12 Stunden sind eine sehr, sehr lange Zeit.
Einen Minijob würde ich trotzdem gerne machen, aber es müssen die Konditionen stimmen.
Doch mir scheint, so einfach findet man das nicht.
Alles Betrüger und Ausbeuter, die die Menschen ausnutzen.
 
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