Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis u.m

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Praktikum:
Um ein Praktikum im eigentlichen Sinne handelt es sich nur dann, wenn das Praktikum von einer Prüfungsordnung zwingend als studien- bzw. ausbildungsbegleitend vorgeschrieben ist (Pflichtpraktikum). Die Praktikumstätigkeit hängt mit dem Studien- bzw. Ausbildungsziel zusammen und ist geprägt durch die Anforderungen der Prüfungsordnung. Es werden praktische Kenntnisse und Erfahrungen zur Vorbereitung auf einen Beruf vermittelt, die im Rahmen einer (meist akademischen) Ausbildung benötigt werden.

Einfühlungsverhältnis (Der Arbeitnehmer ist nicht zur Arbeitsleistung verpflichtet):
Vom Praktikum streng zu trennen ist auch das Einfühlungsverhältnis, das umgangssprachlich gerne als „Schnupperkurs“ oder unverbindliche Kennenlernphase bezeichnet wird und als „verlängertes Bewerbungsverfahren“ der Anbahnung eines Arbeitsverhältnisses dienen soll.
Zweck ist nicht wie beim Probearbeitsverhältnis die Erprobung der Eignung des Bewerbers, sondern es soll lediglich dem potentiellen Arbeitnehmer die Möglichkeit gegeben werden, die betrieblichen Gegebenheiten kennenzulernen. Der Arbeitgeber hat im Gegenzug die Möglichkeit festzustellen, ob der Bewerber in den Betrieb passt. Beim Einfühlungsverhältnis bestehen keine gegenseitigen Verpflichtungen zur Leistung und Gegenleistung. Der Arbeitgeber hat kein Direktionsrecht. Die Arbeitsleistung des Bewerbers wird auf rein freiwilliger Basis erbracht. Auch muss der Bewerber keine bestimmte Arbeitszeit einhalten. Er ist einzig dem Hausrecht des Arbeitgebers unterworfen. Folglich entsteht hier kein echtes Arbeitsverhältnis. Wenn keine anderweitige Abrede getroffen wird, besteht kein Anspruch auf Arbeitsentgelt. Die Höchstdauer für ein solches Einfühlungsverhältnis beträgt maximal 7 bis 10 Tage.

Tipp: Wird ein solches Einfühlungsverhältnis vereinbart, muss dringend beachtet werden, dass Weisungen des Arbeitgebers nicht zulässig sind, da ansonsten Entgeltansprüche bestehen!

Probearbeitsverhältnis:
Unter einem Probearbeitsverhältnis versteht man ein zum Zwecke der Erprobung abgeschlossenes Arbeitsverhältnis, das unter dem Vorbehalt der Beendigung steht, sofern sich herausstellt, dass eine Zusammenarbeit auf Dauer nicht in Betracht kommt. Damit kann ein doppelter Zweck erreicht werden. Der Arbeitgeber kann so prüfen, ob der Bewerber für die in Aussicht genommene Stelle dauerhaft geeignet erscheint und dem Bewerber wird vor Augen gehalten, dass er sich erst bewähren muss, wenn er auf Dauer beschäftigt bleiben will. Davon zu unterscheiden ist die gesetzliche Probezeit des Kündigungsschutzgesetzes (KSchG), die den persönlichen Anwendungsbereich des KSchG von der sechsmonatigen Bestandsdauer abhängig macht.

Ein solches Probearbeitsverhältnis steht dem normalen Arbeitsverhältnis nahezu gleich. Es ergeben sich dieselben Rechte und Pflichten einschließlich der Pflicht zur üblichen Vergütung. Einzige rechtliche Besonderheit ist die Möglichkeit der leichteren Vertragsbeendigung durch die verkürzte Kündigungsfrist von zwei Wochen. Als Faustformel für die maximale Dauer gelten sechs Monate. Bei längerer Probezeit besteht die verkürzte Kündigungsfrist nur in den ersten sechs Monaten. Die Befristung zur Erprobung ist im Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG) als Sachgrund anerkannt.

Tipp: In diesem Zusammenhang gilt es unbedingt zu beachten, dass die Befristung zwingend schriftlich vereinbart werden muss und zwar vor Arbeitsantritt. Eine mündlich vereinbarte Befristung ist unwirksam. Hat der Arbeitnehmer ohne die schriftliche Befristungsvereinbarung auch nur ganz kurz gearbeitet, entsteht ein unbefristeter Arbeitsvertrag, der nur unter Beachtung des normalen Kündigungsrechts wieder beendet werden kann!

Anlernverhältnis:
Ein Anlernverhältnis liegt vor, wenn es Ziel der Zusammenarbeit ist, dass der Anlernling in einem enger begrenzten Fachgebiet eine Spezialausbildung erhält. Er soll innerhalb des Anlernverhältnisses erst die notwendigen Kenntnisse sammeln. Im Vergleich zum Auszubildenden ist die Dauer des Anlernens kürzer und die persönliche Bindung an den Anlernenden geringer. Der Unterschied zum Praktikum besteht darin, dass in der Regel bereits eher der Austausch von Arbeitskraft und Lohn im Vordergrund und nicht der Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten. Diese Schwerpunktsetzung ist ausschlaggebend für die rechtliche Einordnung. Überwiegt die Entgeltlichkeit, handelt es sich um ein normales Arbeitsverhältnis mit üblicher Vergütungspflicht. Wiegt dagegen der Kenntniserwerb stärker, gilt 26 BBiG und damit die Pflicht zur angemessenen Vergütung. Es besteht also in jedem Falle eine Vergütungspflicht.

Leitfaden für die Einordnung:

Anhand dieser Übersicht wird deutlich, dass die unentgeltliche Einstellung eines Praktikanten nur in äußerst begrenzten Fällen zulässig ist. Sollte eine Vertragsgestaltung gewählt worden sein, die nicht zu der jeweiligen Tätigkeit passt, kann sich der Arbeitgeber nicht auf den Vertrag berufen. Es gilt dann nicht das vertraglich Fixierte, sondern die gesetzlichen Regelungen des Vertragstyps, der dem typischen Erscheinungsbild der Tätigkeit, also dem „gelebten Praktikantenverhältnis“, entspricht. Um zu vermeiden, dass eine falsche rechtliche Einordnung vorgenommen wird, ist es also unverzichtbar, die jeweiligen Charakteristika und rechtlichen Grenzen zu beachten.

Zusammenfassend erleichtert es die rechtliche Einordnung und damit die Beantwortung der Frage nach der Vergütungspflicht eines „Praktikums“, wenn Sie bei Ihren Überlegungen in folgenden Schritten vorgehen:

1. Unentgeltliche Praktika sind nur dann möglich, wenn es sich um vorgeschriebene Praktika handelt.
Fragen Sie den Bewerber daher nach seiner Ausbildungs- bzw. Studienordnung.
2. Steht der Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten im Vordergrund, gelten die Besonderheiten des BBiG und ergänzend das allgemeine Arbeitsrecht. Der „Praktikant“ hat Anspruch auf angemessene Vergütung.
3. Bildet dagegen der Austausch von Arbeitsleistung und Entgelt den Schwerpunkt, ist stets allgemeines Arbeitsrecht anwendbar.
Es besteht ein Anspruch auf die übliche Vergütung.
IHK Darmstadt - Das Praktikum und seine Alternativen: Tipps zur Vermeidung typischer Fehler

„Generation Praktikum“ – hoher Einsatz, geringe Vergütung?

Ein Probearbeitsverhältnis ist ein „normales Arbeitsverhältnis“, das vom Arbeitgeber zu vergüten ist

Das Einfühlungsverhältnis ist unentgeltlich – eine Arbeitsleistung muss nicht erbracht werden
Im Gegensatz zum Probearbeitsverhältnis wird der zukünftige potentielle Arbeitnehmer in dem Unternehmen aber aufgenommen, ohne dass er irgendwelche Pflichten zu erfüllen hätte. Insbesondere muss er dem Unternehmen seine Arbeitskraft nicht zur Verfügung stellen oder sich an bestimmte Arbeitszeiten halten.

Auch bei einem Einfühlungsverhältnis bzw. „Schnupperpraktikum“ darf ein Praktikant nicht wie ein Arbeitnehmer eingesetzt werden. Denn ansonsten könnte auch hier – wie das obige Beispiel zeigt – schnell ein „normales Arbeitsverhältnis“ angenommen werden, mit der Folge, dass eine Vergütung zu zahlen ist.
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E

ExitUser

Gast
AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

so und was versteht man im ARGE-Deutsch unter betriebliche Erprobung?

Förderungsfähiger Personenkreis

Das Angebot richtet sich an Jugendliche und
Erwachsene, die aufgrund einer Behinderung
besondere Unterstützung zur Eingliederung in
das Berufsleben benötigen und zum Zeitpunkt
der Teilnahme an Unterstützter Beschäftigung
keine Aus- bzw. Weiterbildung absolvieren
/können.

.
.
.

- Orientierungsphase:
Suche nach geeigneten Qualifizierungsplätzen
und betriebliche Erprobung

- Qualifizierungsphase:
Unterstützte Einarbeitung und Qualifizierung
im Betrieb

- Stabilisierungsphase:
Festigung im betrieblichen Alltag mit dem Ziel
der dauerhaften sozialversicherungspflichtigen
Beschäftigung im Betrieb
https://www.arbeitsagentur.de/zentr...Unterstuetzte-Beschaeftigung-Arbeitnehmer.pdf

Nachtrag: Mglw. gibts da noch mehr.
 

Roter Bock

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Hallo "Arbeitgeber"

Du versteckter Massnahmen Coach! Soll ich mich mal bei Dir bewerben - ich habe eine "positive" Ausstrahlung und bin absolut wild drauf bei Dir zu arbeiten! :icon_klatsch:

Gut als Praktikant gehöre ich in andere Altersklasse so als gut abgehangener 50er, der leicht humpelt mit meinen Kreuzschaden - aber ich habe viel Humor, (brauch ich auch um so jemanden wie Dich zu ertragen).

Ich bin sogar "gebildet" Abitur 77, Diplom 84, IHK Abschluss 90 und 30 Jahre Berufserfahrung-

Na wie wär's den Kleiner.

Is doch ne Lachnummer oder?

Roter Bock
 
G

gast_

Gast
AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Wieso aber "unentgeltlich"? Zitat:
Praktikum: Um ein Praktikum im eigentlichen Sinne handelt es sich nur dann, wenn das Praktikum von einer Prüfungsordnung zwingend als studien- bzw. ausbildungsbegleitend vorgeschrieben ist (Pflichtpraktikum).
Eine Einstiegsqualifizierung ist auch ein Praktikum...und nicht zwingend vorgeschrieben....
 
E

ExitUser

Gast
AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

:icon_kinn:DANKE!Gerade die Erklährung zum Praktikum und den Umgang damit hat mich Nachdenklich gestimmt!Werde ich gut gebrauchen können ,-
für meinen letzten Rechtsstreit gegen das JOBCENTER!:biggrin:Und ich werde es bei der Gerichts-Verhandlung auch verwenden!:biggrin:
 

Mariann

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Mein Mann hatte eine Massnahme (8 Wochen Bewerbungstraining), für die restlichen 4 Wochen musste er sich eine Praktikumsstelle suchen. Ich habe den Vertrag mal angehängt.
Bei Nichtunterschrift wäre wohl eine Sanktion gekommen.
Klar hatte der Inhalt der Massnahme rein garnichts mit dem Praktikum zu tun. Da wurde nichts vertieft. Er wurde nur als kostenlose Arbeitskraft missbraucht. Wie auf Blatt 1 eine Massnahme nach §46 Abs.1, Satz 1 Nr.2 der lautet:
2.Feststellung, Verringerung oder Beseitigung von Vermittlungshemmnissen
Mein Mann ist 55 hat also ein schwerwiegendes Vermittlungshemmnis!
 

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Bernd Köster

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Praktika und Probearbeit boomen

Gerade wieder jetzt zur Weihnachtszeit boomen sogenannte Probearbeitsverhältnisse. Viele Betriebe vor allem im Dienstleistungssektor wie Kurierdienste, Versand, oder aber auch kleinere Handwerksbetriebe lassen sich ihr Geschäft nochmals richtig vergolden durch kostenlose Arbeitskräfte. Wie das? Bewirbt sich jemand zum Beispiel auf eine Aushilfsstelle oder Arbeitsstelle zum Beispiel bei verschiedenen namenhaften Kurierdiensten ist aufgefallen, das man gerne zur einer kostenlosen Probearbeit für ca. eine Woche eingeladen wird. Da es sich hier nicht um besonders Hochkomplexe Tätigkeiten handelt, wie Pakete zu scannen, sie zu verladen und eventuell zu den Adressaten zu überführen wundert es doch das so viele Bewerber erstmal Probearbeiten sollen und das kostenlos. Hier wird dann, da ja die meisten voneinander nichts wissen gerne vertröstet oder nach einer Woche gesagt, das man sich angeblich für einen anderen Kandidaten entschieden hat. Komischerweise tauchen dann ein paar Tage später wieder diese Stellenanzeigen auf und man verweist erstmal wieder auf die Probearbeit um zu schauen wie sehr sich ein Kandidat eignet. Klar sagt der Gesetzgeber was ganz anderes wenn es um erbrachte Arbeitsleistung geht, doch zwischen Gesetz und Einhaltung von Gesetzen besteht ein gewaltiger Unterschied. Wenn man dann noch auf sein Recht pocht und entlohnt werden möchte, dann hat man halt Pech gehabt. Es gibt genügend die gerne zur kostenlosen Probearbeit kommen möchten. So kann man in Spitzenzeiten ganz legal sein Geschäft überbrücken und zahlt am Ende nicht einen Cent dafür. Und sowas wird sehr oft praktiziert und findet immer mehr Nachahmer. Praktikumsstellen und billige Stellen, bei denen zum Beispiel Diplomanden sich einer hochkomplexen Aufgabenstellung widmen die den Unternehmen so gut wie gar nichts kosten, aber satte Profite beschert, auch das wird zusehends immer mehr. Und solange in Deutschland nur Gesetze dazu da sind um die Unternehmer zu schützen wird sich dahingehend auch nichts ändern.:icon_neutral:
 
E

ExitUser

Gast
AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Mein Mann hatte eine Massnahme (8 Wochen Bewerbungstraining), für die restlichen 4 Wochen musste er sich eine Praktikumsstelle suchen. Ich habe den Vertrag mal angehängt.

Eigentlich ist das Ziel so einens Praktikums ja,daß man das vorher Erlernte vertieft bzw mal praktisch anwenden kann. Ich frag mich gerade, wie denn wohl ein Praktikum für ein Bewerbungstraining auszusehen hat ? :icon_kinn: Daß dieses Praktikum überhaupt existiert, zeigt selbst dem Dümmsten, daß hier was nicht stimmt und ist ein Zeichen dafür, wie sehr die Abzockmenthalität der "Bildungseinrichtungen" immer noch zunimmt.
Derartig sinnlose Praktika haben für den Maßnahmeträger gleich mehrere Vorteile:
a) die dem Maßnahmeträger während des Praktika entstehenden Unkosten (Dozentenhonorare etc.) liegen genau bei 0,
b) die Kohle für die Teilnahme fließt trotzdem vom Amt,
und c) im unwahrscheinlichen Fall einer Übernahme kann sich der Maßnahmeträger dies auch noch als eigenen Ermittlungserfolg auf die Fahnen schreiben,was vom JC auch noch mit einem 4stelligen Betrag honoriert wird. Und das meines Wissens nach sogar noch bis 1 Jahr nach Beendigung der ganzen Maßnahme.
 

DirkH

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Schon vom Kieler Arbeitsgericht-Urteil gehört:

Wann Sie auch für einen Praktikanten Lohn zahlen müssen - Arbeitsrecht

Interessant für alle die bereits Praktika absolviert haben.

Auch wenn es zur Ausbildung gehört (z.B. Altenpflegehelfer) muss die Ausbildung im Vordergrund stehen und nicht das selbstständige Arbeiten als normale Arbeitskraft nur um Lohnkosten zu sparen (in der Altenpflege standart selbst bei Kommunalen Trägern!). Hatte dazu vor kurzem eben wegem dem Kieler Urteil einen langen Artikel gelesen, und da hat ein Anwalt das so ähnlich erklärt.

Dirk
 

caromotte

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Hallo,

mein Maßnahmeträger (Bewerbungstraining) will mich auch unbedingt in ein 4-wöchiges Praktikum stecken. Aus den Erfahrungen anderer Teilnehmer weiss ich, dass es hierbei schlichtweg um kostenloses Arbeiten handelt, nix mit Reinschnuppern oder lernen. Das mit den Praktika kriegt man schon seit dem ersten Tag ständig unter die Nase gerieben.
Wir müssen uns von Anfang an gleich für Praktika bewerben.
Da hilft nur eins, gleich ab zum Arzt und AU einreichen.
Ich hebe im Prinzip nichts gegen ein vernünftiges Praktikum, wenn es dann was bringt. Aber ich lasse mich nicht ausbeuten und ich brauche nach 30 Jahren Berufserfahrung auch kein Praktikum in meinem erlernten und lange ausgeübten Beruf.Und schon gar nicht, damit der Maßnahmeträger mit mir noch richtig Kohle macht.Ich finanziere doch nicht durch meine Arbeitskraft deren Jobs !

LG Caromotte
 

DirkH

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Hmm, hatte da nicht jemand auf Lohnzahlung geklagt und letztlich musste nicht der AG sondern die ARGE den Lohn nachzahlen weil sie mist gebaut hat? Weis das leider nicht mehr genau, aber google mal danach.
 

Mariann

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Man sollte sich mal das letzte Blatt der Anhänge durchsehen.
Man sei in den Betriebsablauf des Betriebes eingegliedert und unterliegt den Weisungen des Betriebs. Im Praktikumsvertrag ist davon nicht die Rede!
 
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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Nur dann, wenn keine Verpflichtung zur
Erbringung einer Arbeitsleistung besteht – so genanntes
Einfühlungsverhältnis -, ist die Unentgeltlichkeit nicht zu
beanstanden. Entscheidend für die Abgrenzung von
Probearbeitsverhältnis und Einfühlungsverhältnis ist der
Umstand, ob der Betreffende dem Direktionsrecht des
Arbeitgebers unterliegt.

Der
Schutzzweck des Arbeitsrechts verbiete Vereinbarungen,
wonach der Arbeitnehmer Leistungen ohne Gegenleistung des
Arbeitgebers erbringen muss.
Nur bei einem
„Einfühlungsverhältnis“, das für die Vertragsparteien eine
unverbindliche Kennenlernphase darstelle, gelte etwas
anderes: Hier bestehe keine Verpflichtung zur Erbringung der
Arbeitsleistung. Derjenige, der den Betrieb kennen lernen soll,
unterliege keinem Direktionsrecht des Arbeitgebers und müsse
auch keine festen Arbeitszeiten einhalten oder Arbeiten
verrichten.
 

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Reiner79

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Hallo,

Ich habe im Prinzip nichts gegen ein vernünftiges Praktikum, wenn es dann was bringt. Aber ich lasse mich nicht ausbeuten und ich brauche nach 30 Jahren Berufserfahrung auch kein Praktikum in meinem erlernten und lange ausgeübten Beruf. Und schon gar nicht, damit der Maßnahmeträger mit mir noch richtig Kohle macht. Ich finanziere doch nicht durch meine Arbeitskraft deren Jobs !

LG Caromotte

Ich selber habe schon meine fünfte Bildungsmaßnahme absolviert und habe schon viele Praktikas abgeleistet.

Meine persönliche Erfahrungen, die ich gemacht habe sind die, dass sich die Jobcenter (und auch früher die Arbeitsagentur) gar nicht dafür interessieren, wie die Praktikas verlaufen sind. Es wurde beim nächsten Ladungstermin seitens meines Arbeitsvermittlers noch nie angesprochen, wie das Praktikum verlief - auch wurde nie über den Sinn- und Zweck darüber gesprochen.

Es ist meiner Meinung nach kontraproduktiv, Arbeitslose einfach in Praktikas zu stecken. Auch nach der Ableistung eines sog. Ein-Euro-Jobs ist es fraglich, das Argument zum "Testen der Arbeitsfähigkeit" anzuführen, obwohl man doch bereits in einer Anstellung dieser Beschäftigungsmöglichkeit tätig gewesen ist und somit gezeigt hat, dass man auch arbeiten kann.

Es ist schlichtweg Leistungsmissbrauch seitens der Behörde, einen arbeitsfähigen Leistungsberechtigten (früher erwerbsfähigen Hilfebedürftigen) über steuerfinanzierte unentgeltliche Praktikas zu beschäftigen! Das ist nicht der gesetzliche Vermittlungsauftrag!

In § 2 Abs. 1 Nr. 1 SGB II heißt es: "Erwerbsfähige Leistungsberechtigte und die mit ihnen in einer Bedarfsgemeinschaft lebenden Personen müssen alle Möglichkeiten zur Beendigung oder Verringerung ihrer Hilfebedürftigkeit ausschöpfen."

Dies aber gelingt mit der Verpflichtung durch Aufnahme eines kostenlosen Praktikums seitens des Jobcenters nicht, weil eben nicht die Möglichkeit besteht die Hilfebedürftigkeit zu verringern oder gar zu beenden!

Die Behörde zahlt zwar weiter den Regelsatz und die Unterkunftskosten, die Unternehmen werden aber staatlich davon abgehalten die eigentlich zu vergütende Tätigkeit [angemessen] zu entlohnen! Sie werden hier letztlich sogar rechtsmissbräuchlich subventioniert!

Wenn als Druckmittel Leistungskürzung in Verbindung zur Aufnahme einer unentgeltlichen Tätigkeit (auch wenn man es mit der Definition Praktikum gerne schmückt) gegeben ist, kann § 138 BGB (sittenwidriges Rechtsgeschäft) vorliegen. Dies hat dann zur Folge, dass die Anordnung oder gar die Beschäftigung nichtig ist. Es liegt kein gültiges Beschäftigungsverhältnis vor. Aber immerhin besteht ein Vergütungsanspruch gegen den Arbeitgeber für die geleistete Arbeit. Das bedeutet, dass das tarifliche oder immer das ortsübliche Entgelt [sei es auch wie eine Ausbildungsvergütung zu bemessen] eingeklagt werden kann. Da es sich hier um eine komplexe Materie handelt, ist ein Rechtsanwalt dringend zu empfehlen! Vor allem auch, gegen wen der Vergütungsanspruch entstanden ist (Jobcenter oder Arbeitgeber; hängt auch maßgebend von der Vertragsgestaltung ab).

Als Hartz IV-Empfänger kann man Beratungshilfe bei i.d.R. dem für den Wohnort zuständigen Amtsgericht beantragen. Dies habe ich auch schon gemacht.

Die Freibeträge der Tätigkeit (des bezahlten "unentgeltlichen" Praktikums) dürfte man dann behalten. Der Rest dient zur Minderung der staatlichen Aufwendung zur Sicherung des Lebensunterhaltes. Überschlagen gerechnet mit der sehr niedrigen Entgeltvariante von 5,00 EUR die Stunde [nur der Verdeutlichung der Berechnung wegen!] ergäbe sich bei einer 40-Stunden-Woche ein Bruttovergütungsanspruch von 200,00 EUR. Bei i.d.R. 2-wöchigen Tätigkeit sind das dann schon 400,00 EUR brutto! Diese Anrechnungsmöglichkeit [unter Berücksichtigung der Freibeträge] ließe sich die Behörde entgehen!

Man hat also auch als Arbeitsloser etwas für die Allgemeinheit getan.
 
E

ExitUser

Gast
AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Es wurde beim nächsten Ladungstermin seitens meines Arbeitsvermittlers noch nie angesprochen, wie das Praktikum verlief - auch wurde nie über den Sinn- und Zweck darüber gesprochen.

Das ist nicht nur bei dir so,sondern wohl bei allen Leuten,die ein solches Zwangspraktikum machen mussten. Dem JC (und den Maßnahmeträgern) ist es piepegal,ob das Praktikum sinnvoll ist, ob es überhaupt den eigenen Qualifikationen oder gar dem Maßnahmeziel entspricht. Das eigentliche Ziel ist bekannt: Leute mit dem Ziel der Statistikbereinigung eine Zeit lang los zu sein. Daß ein Job daraus resultiert ist da nur ein seltener, aber gern gesehener Nebeneffekt.Insbesondere für den Maßnahmeträger,der dann auch noch den Vermittlungsgutschein abgreift.


Es ist meiner Meinung nach kontraproduktiv, Arbeitslose einfach in Praktikas zu stecken.
Natürlich sind Praktika nur Augenwischerei.Das weiß der Hartzer,daß weiß der Maßnahmeträger und das weiß auch der Fallmanager,der den Mist veranlasst hat.


Auch nach der Ableistung eines sog. Ein-Euro-Jobs ist es fraglich, das Argument zum "Testen der Arbeitsfähigkeit" anzuführen, obwohl man doch bereits in einer Anstellung dieser Beschäftigungsmöglichkeit tätig gewesen ist und somit gezeigt hat, dass man auch arbeiten kann.
Hach ja...das schöne Märchen vom "Testen der Arbeitsfähigkeit" und der "Gewöhnung an einen regelmäßigen Tagesablauf". Dumm nur,daß das Klischee des rumgammelnden Hartzers bei den meisten Leuten wirklich nur ein Klischee ist. Ein Großteil der Hartzer hat irgendwelche Beschäftigungen, die einen mehr oder minder regulären Tagesablauf erfordern. Wer z.B. einen Minijob hat, ein Ehrenamt ausübt oder Kinder hat, der ist durchaus in der Lage, pünktlich zu sein und seinen Pflichten nachzukommen. Damit ist m.E. genug bewiesen,daß man kein "Training" dieser "Fähigkeiten" benötigt. Trotzdem werden auch sie mit dem Argument der "Gewöhnung an einen regelmäßigen Tagesablauf" zu 1€-Jobs verdonnert. In der Praxis werden 1€-Jobs eher nach dem Gießkannenprinzip vergeben,obwohl der 1€-Job rechtlich gesehen den Qualifikationen des Teilnehmers entsprechen muss, da sonst nicht erfolgversprechend.
Manchmal ist es schon arg abenteuerlich,was für mögliche Berufswege manche Fallmanager für ehemalige 1€-Jobber "planen". Wenn ich mal von mir ausgehe: Weil ich im 1€-Job in allererster Linie Rasen gemäht habe, "plant" meine Fallmanagerin nun für mich eine "Karriere" in der Hausmeisterservice-Branche. Ein Kumpel,der die meiste Zeit Holzbänke gestrichen hat,soll jetzt nach dem Willen seiner Fallmanagerin als Maler&Lackierer arbeiten. Welche Firma stellt eigentlich jemanden ein,der gerade mal einen Bruchteil der erforderlichen Kenntnisse der Branche hat ?


Es ist schlichtweg Leistungsmissbrauch seitens der Behörde, einen arbeitsfähigen Leistungsberechtigten (früher erwerbsfähigen Hilfebedürftigen) über steuerfinanzierte unentgeltliche Praktikas zu beschäftigen! Das ist nicht der gesetzliche Vermittlungsauftrag!
Wie ich schon sagte: Ziel ist es allein, die Leute eine Weile aus der Statistik zu kriegen. Wenn es in Ausnahmen tatsächlich aufgrund so einer Maßnahme zu einer Beendigung der Hilftbedürftigkeit kommt,ist das eher ein netter Nebeneffekt.



In § 2 Abs. 1 Nr. 1 SGB II heißt es: "Erwerbsfähige Leistungsberechtigte und die mit ihnen in einer Bedarfsgemeinschaft lebenden Personen müssen alle Möglichkeiten zur Beendigung oder Verringerung ihrer Hilfebedürftigkeit ausschöpfen."
Tja..da ist das Problem: Obwohl es mittlerweile ja nun schon einige Studien gibt,die das Gegenteil beweisen, halten die Jobcenter noch immer an der grauen Theorie fest,daß eine Maßnahme oder ein Praktikum zu einer Einstellung führt. Und solange sich das nicht ändert,werden die Jobcenter weiter derartige Maßnahmen weiterhin mit besagtem Paragraphen rechtfertigen.



Dies aber gelingt mit der Verpflichtung durch Aufnahme eines kostenlosen Praktikums seitens des Jobcenters nicht, weil eben nicht die Möglichkeit besteht die Hilfebedürftigkeit zu verringern oder gar zu beenden!
Wie ich gerade schrieb: In der Theorie ist eine Einstellung nach einem Praktikum üblich. Und deswegen ist ein Praktikum in den Augen der Jobcenter als Vorbereitung der Beendiung/Verringerung der Hilfsbedürftigkeit geeignet.


Sie werden hier letztlich sogar rechtsmissbräuchlich subventioniert!
Praktikumsfirmen werden indirekt dadurch staatlich subventioniert, andere Firmen durch 1€-Jobs vom Markt gedrängt. Wozu dienen denn 1€-Jobs ? Der Zusätzlichkeit doch wohl in den seltensten Fällen. Primär soll damit die klamme Kommunalkasse saniert oder zumindet geschont werden. Sprich: reguläres Personal wird abgebaut und durch 1€-Jobber ersetzt. Oftmals geben sich der Arbeitnehmer und der 1€-Jobber förmlich die Klinke in die Hand. Da ist es offensichtlich,daß der 1€-Jobber der Ersatz des Arbeitnehmer ist...und das ist nunmal illegal.Oft reden sich die Kommunen dann damit raus,daß das Personal auch ohne die Existenz von 1€-Jobs rausgeschmissen worden wäre,weil die Kassen leer sind. In dem Fall wären aber die unabdingbaren Arbeiten an private Unternehmen gefallen. Und da 1€-Jobs keine Konkurrenz für die normale Wirtschaft sein dürfen, sind diese auch an dieser Stelle illegal.
 

Hamburgeryn1

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Schon vom Kieler Arbeitsgericht-Urteil gehört:

Wann Sie auch für einen Praktikanten Lohn zahlen müssen - Arbeitsrecht

Interessant für alle die bereits Praktika absolviert haben.

Auch wenn es zur Ausbildung gehört (z.B. Altenpflegehelfer) muss die Ausbildung im Vordergrund stehen und nicht das selbstständige Arbeiten als normale Arbeitskraft nur um Lohnkosten zu sparen (in der Altenpflege standart selbst bei Kommunalen Trägern!). Hatte dazu vor kurzem eben wegem dem Kieler Urteil einen langen Artikel gelesen, und da hat ein Anwalt das so ähnlich erklärt.

Dirk
Ich frage mich beim lesen, ob diese Regelung auch bei den sog. Schulpraktikas greift. :icon_kinn:

Hier in Hamburg sind die Schulen vielfach dazu übergegangen, dass Schüler an drei Tagen die Woche über einen Zeitraum von mehreren Monaten (id.R. 3-6 Monate) in Hinsicht auf einen Ausbildungsplatz ein Praktikum absolvieren müssen.
I.d.R. sieht es dann so aus, dass die jungen Leute täglich bis zu acht Stunden malochen - um am Ende wegen irgendwelcher angeblicher Auffälligkeiten nicht eingestellt zu werden (Unpünktlichkeit, Widerworte, mangelnder Teamgeist, fehlendes Engegament, usw). Selbstverständlich werden die "Mängel" erst zum Ende des Praktikum thematisiert. Mit den Lehrern ist da kein Reden - selbstverständlich hat der Jugendliche sich als unzureichend erwiesen und daher zu Recht den erhofften Ausbildungsplatz nicht erhalten,......:icon_kotz:

Mir gehen diese Schulpraktikas ungemein auf den Geist.
Für mich stellen sie einfach eine ideale Ausbeutungsgrundlage dar, schließlich ist ein 16jähriger, der an drei Tagen die Woche jeweils für 8 Stunden für mindestens 3 Monate in den Betrieb kommt, eine ideale Hilfskraft. Und dazu kostenlos!
Und dazu die vertane Zeit. In diesen Monaten hätte man schon in der Ausbildung sein können. Doch von seiten der Schule wird immer wieder argumentiert, dass die Betriebe in Ruhe prüfen wollen, ob der Kandidat wirklich als Azubi geeignet ist. Und dazu braucht es drei, vier, sechs und z.T. zwölf Monate????? :icon_dampf:

Meine Töchter machen diesen Unfug jetzt schon eine Ewigkeit mit, rausgekommen ist bis heute nichts weiter als Frust, und die Erkenntnis, dass die geleistete Arbeit nicht die geringste Anerkennung erfährt.
Ich hätte jedenfalls kein Problem den jeweiligen Betrieb in welchem meine Tochter als Praktikantin in Hinsicht auf eine Ausbildunsgsstelle arbeiten musste, auf Lohn zu verklagen.

Ehrlich - es muss doch einen Weg geben diesen Praktkumsunsinn ein für alle mal zu unterbinden!
Das einzige was Jugendliche lernen, ist, dass ihre Arbeit sowenig wert ist, dass sie nicht einmal einer anständigen Bezahlung würdig ist.
Und mit diesem Wissen werden sie dann ins Leben geschickt..... Die Folgen kann sich jeder selbst ausmalen. :cool:
 

Mariann

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Ich frage mich: Wenn mein Mann diesen Vertrag #31 einfach nicht unterschrieben hätte, was hätten die gegen Ihn ins Feld führen können?
Abbruch der Massnahme weil Praktikum Bestandteil davon ist?
 
E

ExitUser

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

... um am Ende wegen irgendwelcher angeblicher Auffälligkeiten nicht eingestellt zu werden (Unpünktlichkeit, Widerworte, mangelnder Teamgeist, fehlendes Engegament, usw).

Das ist aber nicht nur in Schülerpraktika so,sondern die Standardfloskeln in allen Praktika, wo eigentlich niemand wirklich gesucht wird. Unpünktlichkeit ist nicht zu entschuldigen, der Rest hingegen ist Ansichts- und Auslegungssache. Letztendlich kann man's dem Chef sowieso nicht Recht machen,weil seine Meinung sowieso schon feststeht,egal wie gut oder schlecht man wirklich war. Sagt man seine Meinung zu irgendeiner Sache,wirds als Widerworte ausgelegt....sagt man nix, heißt es "fehlendes Engagement". Macht man jede Zigarettenpause der Kollegen mit, heißt es auch schon wieder "fehlendes Engagement"....macht man die Kippenpausen nicht mit,heißt es "mangelnder Teamgeist".

Selbstverständlich werden die "Mängel" erst zum Ende des Praktikum thematisiert.

Das ist eine echte Sauerei. Wenn man z.B. wochenlang ganz allein an eine Maschine im Wert eines Ferraris gestellt wird und dann plötzlich hören muss,daß man für den Job zu dämlich ist,dann riecht das nicht nur nach Ausrede, das stinkt sogar danach.


Das einzige was Jugendliche lernen, ist, dass ihre Arbeit sowenig wert ist, dass sie nicht einmal einer anständigen Bezahlung würdig ist.

Tja..leider ist das so. Da wunderts einen auch nicht mehr,daß in den Köpfen vieler Jugendlichen als Zukunftsvision ein Leben in Hartz IV herumschwirrt. Wer kann es ihnen verdenken ? Auch Jugendliche kapieren,daß einer der arbeitet, mehr Geld in der Tasche haben sollte als einer,der nicht arbeitet. Indem man ihnen suggeriert,daß ihre Arbeit sowieso nichts wert ist, zwingt man sie förmlich in die Hartz IV-Schiene hinein, die "Geld ohne Arbeit" verspricht.
 

Hamburgeryn1

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Nein.
Das ist der einzige Grund, ein unbezahltes Praktikum zu machen... um in einem Beruf, den man lernen möchte, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.
Ich kann mich ja noch damit arrangieren, wenn eine Praktikumsdauer von maximal vier Wochen verabredet wird, damit beide Seiten herausfinden, ob der Betreffende für diesen Beruf geeignet ist, bzw. in den Betrieb passt.

Schließlich hat einer meiner Söhne auch über ein Praktikum einen Ausbildungsplatz erhalten - zwei Wochen sollte es dauerm, doch bereits nach Ende der ersten hatte der Meister seine Entscheidung getroffen, und die Ausbildung begann.

Meine Jüngste stellte innerhalb eines einwöchigen Praktikums fest, dass der bisherige Wunschberuf doch nicht das richtige für sie ist.

Meine Zweitälteste besuchte eine berufsbildende Schule, und da war Teil des Ausbildungsplans mehrere berufsbezogene Praktika zu absolvieren - um eine Ausbildung erfolgreich zu beenden.

Ich halte es für unglaubwürdig, dass es angeblich Monate braucht um herauszufinden ob der Jugendliche ausbildungsfähig, berufsgeeignet, ect., ist.
Monatelang arbeiten die jungen Leute in Betrieben, stets mit der vagen Aussicht, dass ihnen am Ende der ersehnte Ausbildungsplatz winkt - doch am Ende kommen die immer gleichen Beschwerden über die mangelnde Kooperationsereitschaft des Jugendlichen, ect.pp.

Auffällig ist hierbei auch, dass es den Betrieben durchaus gestattet ist, durch monatelang zu "prüfen", ob er den Jugendlichen künftig in den Betrieb übernimmt.
verhält es sich, wenn der Jugendliche nach zwei, drei Wochen feststellt, dass die Berufssparte überhaupt nichts für ihn ist, und abbrechen möchte/abbricht.
Da hagelt es seitens der Schule sofort Briefe, es gibt Konferenzen, Hinweise, über die Gefährdung eines Schulabschlusses, usw.

Ich kann das so nicht akzeptieren. Meiner Ansicht nach dürften auch Schulpraktika nicht länger als vier Wochen dauern, und es sollte vorher seitens der Schule festgestellt werden, ob der Betrieb tatsächlich einen künftigen Azubi sucht. Meine Jüngste machte bereits in zwei Betrieben ein mehrmonatiges Praktikum, wo sich am Ende herausstellte, dass man gar nicht ausbilden wollte. Ein Betrieb hatte kurz vor der Pleite gestanden, und schnell noch einen billigen Handlanger gesucht, der die bereits gekündigten AN ersetzen sollte, um die letzten Aufträge abzuarbeiten.
Daher sollte verbindlich festgelegt werden, dass der Schüler in ein Ausbildungsverhältnis übernommen wird, wenn er es erfolgreich abschließt.

Anders kann man diesen Mißbrauch doch gar keinen Einhalt gebieten!
 

Reiner79

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Ich kann mich ja noch damit arrangieren, wenn eine Praktikumsdauer von maximal vier Wochen verabredet wird, damit beide Seiten herausfinden, ob der Betreffende für diesen Beruf geeignet ist, bzw. in den Betrieb passt.

Schließlich hat einer meiner Söhne auch über ein Praktikum einen Ausbildungsplatz erhalten - zwei Wochen sollte es dauerm, doch bereits nach Ende der ersten hatte der Meister seine Entscheidung getroffen, und die Ausbildung begann.

Meine Jüngste stellte innerhalb eines einwöchigen Praktikums fest, dass der bisherige Wunschberuf doch nicht das richtige für sie ist.
...

Nichts gegen ein freiwilliges von sich aus gewünschten Praktikum an sich.

Aber wenn ein Praktikum zur Arbeitserprobung anstatt dem zielgerichteten unterstützenden Bildungsauftrag unter Androhung von Leistungskürzung gemacht werden muss, dann ist das staatlich geförderter Leistungsmissbrauch. Im Arbeitsrecht gibt es die sogenannte Probezeit. In dieser kann der Arbeitgeber (natürlich bezahlt) erkennen, ob er die betreffende Person auch einstellen möchte.

In der Regel fällt die Probezeit im Arbeitsverhältnis nicht weg, auch dann nicht, wenn dem Arbeitsverhältnis ein Praktika vorausgegangen ist. Es liegt doch auf der Hand, dass Praktikas auf dem Gebiet des Sozialrechts überflüssig sind, da man für die Zeit des Praktikas Geld dazuverdienen hätte können (wenn das Praktika nichts mit dem Bildungsauftrag zu tun hat).

Für sogenannte "Bildungsmaßnahmen" sind auch immer Praktikas vorgesehen. Das ist ein Praktika in Blaue, da von Amts wegen gar keine Zielrichtung vorgesehen ist.

Ich absolvierte einmal eine Qualifizierungsmaßnahme (eine von vielen!!) als Büroassistent mit dem Schwerpunkt Buchhaltung. Der Bildungsträger aber hat mich zum Praktikum als Autowäscher verdonnert! Sollte ich das nicht machen, drohen leistungsrechtliche Konsequenzen. Was bitte schön hat das gewerbliche Autoputzen mit der begleitenden Bildungsmaßnahme gemeinsam? Ich hätte vielmehr ein Unternehmen gebraucht, in diesem ich in der realen Praxis die Buchungsvorgänge z.B. über Lexware erklärt bekomme.

Das schließt natürlich ein, dass sich der Arbeitgeber auch die Zeit nimmt, die Schritte zu erklären. Schließlich möchte man auch etwas dazulernen und einmal für den weiteren Bewerbungsprozess gebrauchen.

Der Autoputzservice übrigens hat mich nicht genommen (die typischen Ausreden: zu langsam; hätte mehr Autos putzen können etc), obwohl man für etwas zur Gewinnmaximierung beigetragen hat. Während der Maßnahme erfuhr ich, dass der Bildungsträger schon vor mir Arbeitslose zu diesem unseriösen Betrieb geschickt hat und keiner genommen wurde, weil man ja kostenlos arbeitet! Weiter so Deutschland...

Garantier ist aber: Der Staat zahlt sinnlose und fragwürdige Bildungsmaßnahmen und verhindert somit die Aufnahme einer Beschäftigung.

Zum Thema Arbeitserprobung: Die findet ja auch nur für den Arbeitgeber statt. Wenn der Arbeitgeber etwas auszusetzen hat, dann kann er sofort und ohne Konsequenzen das Praktikum beenden. Anders verhält es sich wenn ein Arbeitsloser für sich die Erkenntnis gewonnen hat, dass ihm die Tätigkeit oder der Arbeitgeber (Arbeitsumfeld) etc. nicht liegt, so macht er sich einer Sanktion (Leistungskürzung) strafbar. Von der Arbeitserprobung profitiert der Arbeitgeber - nicht der Arbeitnehmer! Und hier liegt das eigentliche Problem.

Dieses System ist für die Wohlhabenden und Reichen geschaffen. Die Ziele der Armen spielen überhaupt keine Rolle. Man kann nicht einmal während des Leistungsbezuges etwas ausprobieren und bei Nichtgefallen ein Praktikum beenden, da man immer damit rechnen muss, sanktioniert zu werden. Derjenige, der von sich aus ein Praktikum machen möchte, muss das ja dem Jobcenter vorher anmelden.

Ein freies Land, in dem man etwas ausprobieren, sowie auch frei von Angst und staatlichen Repressalien leben kann, sieht anders aus.
 

friedhof

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Hallo ralfmjg

na da hat deine freundin ja mal so richtig die ********* karte gezogen :icon_klatsch::icon_klatsch:
also das mit dem fahrten buch ist absoluter nonsens... ihr stehen die vollen fahrt kosten zu und das ohne nachweise... auch vollkommen egal ob es ihr eigener pkw ist oder geliehen.. wenn sie mit bus oder bahn fahren müßte, würde das ja auch bezahlt... aber die versuchen es halt immer wieder... leider gibt es auch genug die nicht dagegen angehen und somit wird viel geld gespart...
was das praktikum betrifft ist es leider so das es rechtens ist... ein praktikum ist unentgeltlich.. manche betriebe zahlen am ende einen kleinen betrag auf freiwilliger basis...
den pc kann sie steuerlich absetzen (natürlich nur mit beleg) genauso wie eventuell angeschaffte bücher oder sonstiges lernmaterial..
 
E

ExitUser

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Aber wenn ein Praktikum zur Arbeitserprobung anstatt dem zielgerichteten unterstützenden Bildungsauftrag unter Androhung von Leistungskürzung gemacht werden muss, dann ist das staatlich geförderter Leistungsmissbrauch. Im Arbeitsrecht gibt es die sogenannte Probezeit. In dieser kann der Arbeitgeber (natürlich bezahlt) erkennen, ob er die betreffende Person auch einstellen möchte.

Stimmt genau.


Für sogenannte "Bildungsmaßnahmen" sind auch immer Praktikas vorgesehen. Das ist ein Praktika in Blaue, da von Amts wegen gar keine Zielrichtung vorgesehen ist.

Grundgedanke eines Praktikums ist es, das Erlernte zu vertiefen und auch mal praktisch anzuwenden. Heißt im Endeffekt: Sinnlose "Bildungsmaßnahme" ohne Lerneffekt-->kein Praktikum notwendig.


Ich absolvierte einmal eine Qualifizierungsmaßnahme (eine von vielen!!) als Büroassistent mit dem Schwerpunkt Buchhaltung. Der Bildungsträger aber hat mich zum Praktikum als Autowäscher verdonnert!

Das ist ein wunderbares Beispiel dafür,wie sehr die Maßnahmeträger an der tatsächlichen Einsetzbarkeit im "erlernten" Beruf interessiert sind.



. Was bitte schön hat das gewerbliche Autoputzen mit der begleitenden Bildungsmaßnahme gemeinsam?

Nichts. Vielmehr zeigt es,daß auch die Maßnahmeträger wissen,daß der vermittelte "Beruf" auf dem regionalen Arbeitsmarkt nicht zu gebrauchen ist. Wenn schon keine Praktikumsstellen in dem Bereich da sind, wo sollen dann erst Jobs herkommen ? Und solange der Teilnehmer anwesend ist,kriegt der Maßnahmeträger auch Kohle vom Amt,weswegen es ihm piepegal ist, was der Teilnehmer nun im Praktikum wirklich macht. In manchen Fällen dürften wohl auch private Verflechtungen zwischen Maßnahmeträger und Praktikumsfirma der Grund für derartige Sinnlos-Praktika sein.


Ich hätte vielmehr ein Unternehmen gebraucht, in diesem ich in der realen Praxis die Buchungsvorgänge z.B. über Lexware erklärt bekomme.
Das schließt natürlich ein, dass sich der Arbeitgeber auch die Zeit nimmt, die Schritte zu erklären. Schließlich möchte man auch etwas dazulernen und einmal für den weiteren Bewerbungsprozess gebrauchen.

Viel Erfolg! Ich hab schon etliche Praktika gemacht...aber wirklich was gezeigt hat mir nur höchst selten mal jemand etwas. Als Praktikant ist man meist voll in die Gewinnkalkulation mit eingeplant, da ist nichtmal Zeit dafür einkalkuliert,daß dir jemand mal was beibringt.


Der Autoputzservice übrigens hat mich nicht genommen (die typischen Ausreden: zu langsam; hätte mehr Autos putzen können etc), obwohl man für etwas zur Gewinnmaximierung beigetragen hat.

Und das wundert dich ? Als Praktikant arbeitet man kostenlos und wird fast nahtlos durch den Nachfolger ersetzt. Als Festangestellter kostet man hingegen Geld.


Garantier ist aber: Der Staat zahlt sinnlose und fragwürdige Bildungsmaßnahmen und verhindert somit die Aufnahme einer Beschäftigung.

Ich hab auch schon Maßnahmen gemacht,die mir Spaß gemacht haben,nur lernt man in 6 Monaten halt nicht viel, geschweige denn kann man sich auf irgendwas spezialisieren. Wenn man wirklich eine (wenn auch geringe) Chance in dem Beruf haben will, muss eine tiefergehendere Weiterbildung her, nicht der oberflächliche Mist wie bisher. Ich hab schon 2x probiert,sowas zu bekommen,wurde beides abgelehnt...angeblich ist dafür kein Geld da. Dafür durfte ich die (noch teurere) nächste Sinnlosmaßnahme ohne Zukunftsperspektive machen.
 

margotsch

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AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Genau, so sehe ich das auch. Wozu gibt es eine Probearbeitszeit? Einen Probezeit vor der Probezeit ist absolut überflüssig!
 
M

Minimina

Gast
AW: Info´s zu: unentgeltliche Praktika, Einfühlungsverhältnis, Probearbeitsverhältnis

Da der erste Link von #1 nicht mehr verfügbar ist, quotiere ich mal die wichtigsten Teile des zweiten Links von #1, da ich annehme dieses Thema wird uns noch einige Zeit beschäftigen:

„Generation Praktikum“ – hoher Einsatz, geringe Vergütung?



Das Schlagwort „Generation Praktikum“ belegte 2006 bei der Wahl zum Wort des Jahres den zweiten Platz. Dies verdeutlicht, dass ein oder mehrere Praktika für Berufsanfänger – vor allem für Hochschulabsolventen – mittlerweile oftmals Vorraussetzung für den Einstieg in das Berufsleben sind. Wie hoch die Anzahl von Praktikanten tatsächlich ist, war lange Zeit unbekannt. Eine vom DGB und der Hans-Böckler-Stiftung in Auftrag gegebene Studie nennt nun erstmals Zahlen. Danach absolvieren 37 % der Hochschulabsolventen ein unbezahltes oder bezahltes Praktikum. Dies gibt Anlass, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob der Arbeitgeber ein so genanntes Einfühlungs-, Praktikums- oder Probearbeitsverhältnis zu vergüten hat.


Bei der Frage einer Vergütungspflicht des Arbeitgebers sind zunächst die Begrifflichkeiten und inhaltlichen Anforderungen eines Einfühlungs-, Praktikums- und Probearbeitsverhältnisses zu unterscheiden:


Ein Probearbeitsverhältnis ist ein „normales Arbeitsverhältnis“, das vom Arbeitgeber zu vergüten ist

Die überwiegende Anzahl der Berufstätigen kennt die Vereinbarung einer Probezeit aus ihren Arbeitsverträgen. Ein Probearbeitsverhältnis verfolgt den Zweck, sowohl dem Arbeitgeber wie auch dem Arbeitnehmer die Möglichkeit zu geben, die Voraussetzungen der Zusammenarbeit zu klären, bevor eine endgültige Bindung herbeigeführt wird. Bei einem Probearbeitsverhältnis vereinbaren die Parteien daher einen kalendermäßig bestimmten Zeitraum als Probezeit, der in der Regel bei sechs Monaten liegt. Wird das Probearbeitsverhältnis über die Dauer der Probezeit hinaus fortgesetzt, verlängert sich das Arbeitsverhältnis. Charakteristisch an einem Probearbeitverhältnis ist, dass sich der Arbeitnehmer – aufgrund des Arbeitsvertrages - vom ersten Tag seiner Beschäftigung an zur Erbringung seiner Arbeitsleistung verpflichtet. Er hat dabei den Weisungen des Arbeitgebers zu folgen und wird organisatorisch in die Arbeitsabläufe des Unternehmens eingebunden. Es handelt sich daher bei einem Probearbeitsverhältnis um ein ganz „normales Arbeitsverhältnis“. Ein Arbeitsverhältnis aber ist, selbst wenn eine Vergütung nicht vereinbart wurde (§ 612 I BGB), stets angemessen zu bezahlen.


Das Einfühlungsverhältnis ist unentgeltlich – eine Arbeitsleistung muss nicht erbracht werden
Das Einfühlungsverhältnis oder auch „Schnupperpraktikum“ verfolgt einen ähnlichen Zweck wie das Probearbeitsverhältnis. Auch hier soll dem „Arbeitnehmer“ Gelegenheit gegeben werden, sich mit den betrieblichen Verhältnissen und den Arbeitsabläufen des Unternehmens vertraut zu machen. Im Gegensatz zum Probearbeitsverhältnis wird der zukünftige potentielle Arbeitnehmer in dem Unternehmen aber aufgenommen, ohne dass er irgendwelche Pflichten zu erfüllen hätte. Insbesondere muss er dem Unternehmen seine Arbeitskraft nicht zur Verfügung stellen oder sich an bestimmte Arbeitszeiten halten. Er unterliegt auch nicht dem Direktionsrecht des Arbeitgebers, sondern nur dem Hausrecht. Das Einfühlungsverhältnis ist somit kein echtes Arbeitsverhältnis, sondern ein so genanntes „loses Rechtsverhältnis eigener Art“. Demzufolge besteht hier auch kein Anspruch auf eine Vergütung.


Der Vergütungsanspruch der Praktikanten
Nach dem Bundesarbeitsgericht ist Praktikant, wer sich einer bestimmten Tätigkeit und Ausbildung in einem Betrieb unterzieht, weil er diese im Rahmen einer Gesamtausbildung, z. B. um die Zulassung zum Studium oder zur Hochschulreife zu erlangen, nachweisen muss. Kennzeichnend ist also, dass der Praktikant nur vorübergehend im Betrieb tätig ist und der Ausbildungszweck im Vordergrund steht.

Eine Vergütungspflicht des Arbeitgebers besteht, zumindest nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts dann nicht, wenn die Praktikanten bestimmte Praktika im Rahmen ihrer universitären Ausbildung ablegen müssen. Auf diesen Bereich soll das Arbeitsrecht keine Anwendung finden. In der Praxis zahlen Unternehmen trotzdem oftmals eine Vergütung in Höhe einer Aufwandsentschädigung oder einer Beihilfe zum Lebensunterhalt.

Ein Praktikant hat allerdings dann einen Vergütungsanspruch, wenn er in dem Unternehmen eingestellt wurde, um berufliche Kenntnisse, Fähigkeiten oder Erfahrungen zu erwerben, ohne dass es sich um eine klassische Ausbildung handelt. Auf derartige Praktikantenverhältnisse bestehen nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) Vergütungs- und auch Urlaubsansprüche.

Als Fazit lässt sich somit festhalten, dass ein Probearbeitsverhältnis immer und ein Praktikumsverhältnis in der Regel zu vergüten ist. Nur bei einem Einfühlungsverhältnis bzw. „Schnupperpraktikum“ im obigen Sinne, ist es dem Arbeitgeber freigestellt, eine Vergütung zu entrichten.


Was sollten die Parteien bei der Vereinbarung von Praktikums- oder Einfühlungsverhältnissen beachten?
Bei der Vereinbarung von Praktikumsverhältnissen sollten die Parteien beachten, dass der für das Praktikumsverhältnis prägende Ausbildungszweck, Ziel der Zusammenarbeit sein sollte. Wird dieser Ausbildungszweck mit dem Praktikum tatsächlich nicht verfolgt, kann es sich um ein normales Arbeitsverhältnis halten, dass entsprechende Vergütungszahlungen auslöst. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Praktikant tatsächlich Aufgaben wahrnimmt, die ansonsten von Vollzeitarbeitskräften des Unternehmens erledigt werden. In diesem Zusammenhang hatte das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein bereits in 2005 eine interessante Entscheidung erlassen. Dort hatte ein Speditionsunternehmer mit einem LKW-Fahrer ein „unentgeltliches Praktikum“ vereinbart. Nach einer zweitägigen Einweisung, übernahm der LKW-Fahrer auf Weisung des Speditionsunternehmers ganztägig Liefertouren. Nach etwa zwei Wochen wurde ihm mitgeteilt, dass er nicht mehr eingesetzt werde. Der Fahrer klagte daraufhin auf Gehaltszahlung. Das Gericht gab dem Fahrer Recht und ließ dabei offen, ob zwischen den Parteien vorab ein „unentgeltliches Praktikum“ vereinbart worden war. Denn laut Gericht handelte es sich um ein „normales“ Arbeitsverhältnis: Der Fahrer hat während der zwei Wochen eine vollständige Arbeitsleistung auf einem Vollzeitarbeitsplatz erbracht und er war weisungsabhängig und unter Beachtung des Direktionsrecht des Speditionsunternehmers tätig.


Auch bei einem Einfühlungsverhältnis bzw. „Schnupperpraktikum“ darf ein Praktikant nicht wie ein Arbeitnehmer eingesetzt werden. Denn ansonsten könnte auch hier – wie das obige Beispiel zeigt – schnell ein „normales Arbeitsverhältnis“ angenommen werden, mit der Folge, dass eine Vergütung zu zahlen ist.


Martin Gottschewsky ist Partner der Kanzlei GM-Rechtsanwälte in Hamburg (www.gm-rechtsanwaelte.de). Er leitet dort das zivilrechtliche Dezernat und hat sich insbesondere auf Unternehmens- Marken-, Wettbewerbs- und Arbeitrecht spezialisiert.



Letztes Update 10/10/2007 - 11:11 AM
 
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