info-grafik: Warum bleiben "Aufstocker" bedürftig?

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ethos07

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Nachdem neulich das Forschungsinstitut der Agentur für Arbeit IAB die Bedürftigkeit von 'Aufstockern' empirisch untersucht hat und zum nicht sauber belegten Schluss kam, dass diese nur mehr Arbeitszeit zu investieren hätten, um ohne ALG II-Leistungen über die Runden zu kommen, widerlegt diese These einmal mehr brillant Jochen Steffen von der Arbeitnehmerkammer Bremen mit einer sehr klaren Info-Grafik

.... Über die Hälfte (55,2%) – bei den Singles
sogar 64,7% – der abhängig beschäftigten Aufstocker arbeitet
zwar wöchentlich weniger als 15 Stunden und nur
20,1% (Singles: 12,2%) 35 Stunden oder mehr.

Die Ursachen
für das unter vollschichtige Arbeitsvolumen sind
vielfältig; gesundheitlichen Einschränkungen, geringer
Qualifikation oder fehlender Kinderbetreuung auf der einen
Seite steht vor allem der Angebotsmangel an Vollzeitstellen
auf der anderen Seite gegenüber.

Dennoch: Selbst wenn alle Aufstocker zum jeweils gegebenen
Stundenlohn einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen
könnten, würde die Mehrheit von ihnen dadurch
Hilfebedürftigkeit nicht überwinden.

Der Grund: Die
Löhne der Aufstocker sind (viel) zu gering. Von allen abhängig
bschäftigten »Hartz IV«-Singles erhalten im
Westen fast 70 Prozent und im Osten mehr als 80 Prozent
einen Stundenlohn von unter 7,50 € – so die IABDaten.

Damit aber lässt sich selbst bei Vollzeitbeschäftigung
Hilfebedürftigkeit in aller Regel nicht vermeiden.
Der Bedarf nach SGB II setzt sich im Wesentlichen zusammen
aus der Regelleistung – das sind bei Alleinstehenden
und Alleinerziehenden zur Zeit 351 € monatlich
– sowie den Kosten der Unterkunft (KdU), also Kaltmiete,
Heiz- und Nebenkosten. Ein Single kommt so
gegenwärtig auf einen typisierten »Hartz IV«-Bedarf von
monatlich 668 €.3

Um diesen Bedarf mit dem nach SGB II anrechenbaren
Nettoentgelt decken zu können, muss ein Single derzeit
einen Bruttolohn von mindestens 1.280 € im Monat erzielen.
Hiervon bleiben ihm 948 € Nettoentgelt. Davon
wiederum sind 280 € anrechnungsfrei; dieser Freibetrag
für Erwerbstätige soll zum einen pauschal die Werbungskosten
sowie private Versicherungs- und Vorsorgeaufwendungen
abdecken und zum anderen als finanzieller
Arbeitsanreiz dienen.

– Um mit einer Vollzeitbeschäftigung
Hilfebedürftigkeit zu vermeiden, muss der
Stundenlohn demnach mindestens 7,40 € (40 Stunden-
Woche) bzw. 8,45 € (35 Stunden-Woche) betragen.


Bei
Mehrpersonen-Haushalten steigt der Bedarf. Da in diesen
Fällen aber idR auch weitere Transferleistungen hinzu
kommen – bspw. Wohngeld, Kindergeld, Unterhaltsleistungen
oder Kinderzuschlag – variiert die Existenz
sichernde Lohnhöhe beim Alleinverdiener um die genannten
Werte; jedenfalls sinkt sie nicht signifikant.

Die IAB-Untersuchung gibt zweifellos einen Einblick in die....
Zum Verständnis lohnt es sich, auch die sehr anschaulich aufbereitete Infografik im Original-pfd heranzuziehen!


Gut machen sich ein paar Ausdrucke davon bestimmt auch als kleiner bunter Nachdenk-Wandschmuck für dein Jobcenter - oder wie wär's zur Abwechslung mal mit einen Mitbringsel für die nächste 'Einladung' bei deiner Integrationsfachkraft/SB :icon_twisted:?... insbesondere wenn du Aufstocker bist - endlich mal ein sinnvoller Gesprächsstoff auf gleicher Augenhöhe.
 

Kaleika

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Klar, es müssen offenbar mal wieder individuelle Gründe an den Tag gelegt werden, weshalb Menschen das ALG II zusätzlich beantragen müssen! Indirekt wird so getan, als ob die überall die anständig bezahlten Vollzeitjobs auf der Straße lägen und nur wegen der genannten persönlichen Handicaps nicht zugegriffen würde!

Kaleika
 

penelope

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Was ist das denn wieder für ein Spinner:icon_kotz:

auf Erden gibt es nur ein 24 Std Tag, das sollte auch er begreifen:icon_neutral:

Menschen dir gerne ihren Job verrichten, und Verantwortung tragen
sollten endlich anständig bezahlt werden!

Es ist entwürdigend, wenn man 40 Stunden in der Woche arbeitet und trotzdem zum Amt rennen muss.

Der Staat beliefert die Arbeitgeber mit billigen Sklaven.

10 € Stundenlohn ist das mindeste was kommen muss, um einigermaßen über die Runden zu kommen.
 
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