"Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht"

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"Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht"

Der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Sell zum oben genannten Thema:

... »Zwar gibt die Rentenversicherung immer mehr für Rehabilitation aus. Seit 2008 stiegen die Ausgaben um mehr als ein Fünftel auf 6,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Trotzdem landen immer noch die meisten Menschen in einer Frührente, ohne dass vorher versucht wurde, sie mit einer medizinischen Reha davor zu bewahren.« ...
https://aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de/2018/05/immer-mehr-kranke-arbeitnehmer-werden-in-fruehrente-geschickt.html
 

Dagegen72

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Vorbeugen statt Reha fände ich noch besser. Eher mal Kur bewilligt bekommen.

Die Linke forderte letztes Jahr Verbesserungen am Arbeitsplatz wie eine "Anti-Stress-Verordnung"
Berlin: (hib/CHE) Die Fraktion Die Linke verlangt von der Bundesregierung, eine Anti-Stress-Verordnung zu erlassen. In einem Antrag (18/10892) schreibt sie, der beschleunigte Arbeitsalltag vieler Beschäftigter sei von einer Zunahme psychischer Belastungen geprägt. Eine Anti-Stress-Verordnung könne den betrieblichen Akteuren im Dialog mit den Beschäftigten garantieren, die Ursachen psychischer Belastungen zu benennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Als mögliche Gefährdungsfaktoren müsse eine solche Verordnung mindestens die Gestaltung der Arbeitsaufgabe, die Arbeitsorganisation, die sozialen Einflussfaktoren, die Bedingungen des Arbeitsplatzes, die Arbeitsumgebung sowie die Arbeitszeit berücksichtigen, heißt es in dem Antrag.
https://www.bundestag.de/presse/hib/2017_01/-/489932 Dieses Jahr bin ich über Medieninfos darauf aufmerksam geworden.

Ist auch ein Thema der Gewerkschaften:
22.12.2016 Ι Ausufernde Arbeitszeiten, unsichere Jobs, steigender Leistungsdruck und schlechtes Betriebsklima: für viele Beschäftigte leidvoller Arbeitsalltag. Die Konsequenz: Psychische Belastungen und Erkrankungen haben in den Betrieben ein besorgniserregendes Ausmaß angenommen. Nicht nur die Folgen für die Betroffenen sind gravierend, sondern auch die Kosten für die Sozialsysteme und die Unternehmen.
https://www.igmetall.de/anti-stress-verordnung-eine-initiative-der-ig-metall-10336.htm
 

Kerstin_K

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Irgendwie widersprict sich das doc mit dem Fakt, dass die meisten jahrelang um die Rente kämpfen müssen. Und zur Reha müssen die meisten vorher auch.

Ich denke, hier muss man an 2 Stellen ansetzen:

Einmal muss man schon am Arbeitsplatz ansetzen. Die immerstärkere Arbeitsverdichtung usw. führt dazu, dass immer mehr Menschen nicht mehr bis zur Altersrente durchhalten. Da muss geengesteuert werden.

Und dann brauchen wir wiede echte Rehas, nicht nur Langzeitgutachten. Es muss auch in der Reha im Vordergrund stehen, was dem Patienten guttut, nicht, was der Rentenversucherung am meisten Geld spart. Aus meiner Sicht gehören auch die Rehas nicht unter Kostenträgerschaft der Rentenversicherung, sondern auch bei Erwerbstätigkeit müsste hier die Krankenkasse ahlen. Dann erledigt sich auch gleich das Problem mit dem Krankengeld sparen.

Im Vordergrund muss immer stehen, wie man es erreichen kann, dass es dem Pationten besser geht. Dann kommt der Kostenspareffekt von ganz alleine. Für alle Kostenträger.
 
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Gast1

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Irgendwie widersprict sich das doc mit dem Fakt, dass die meisten jahrelang um die Rente kämpfen müssen. Und zur Reha müssen die meisten vorher auch.
Vielleicht haben wir hier in diesem Forum und in anderen Foren, die sich mit der Problematik rund um die Erwerbsfähigkeit befassen, ja eine verzerrte Wahrnehmung? Weil sich gerade in solchen Foren Leute melden, die ungemeine Probleme damit haben eine EM-Rente bewilligt zu kriegen, obwohl sie wirklich zu krank bzw. zu leistungeingeschränkt für eine Erwerbsarbeit sind?

Die Mehrheit der Leute, die einen Antrag auf EM-Rente gestellt haben, die melden sich ja nicht in den Foren. Gehen die vielleicht alle zur Beratung beim VdK oder beim SovD? Oder kriegen die alle ihre Anträge sofort bewilligt? Letzteres glaube ich nicht. Ich vermute, dass die DRV die meisten Anträge auf irgendeine Leistung der DRV (Ausnahme: Antrag auf Altersrente) erst einmal ablehnt, und dass deswegen die meisten Antragsteller in Widerspruch gehen müssen.

Ich denke, hier muss man an 2 Stellen ansetzen:

Einmal muss man schon am Arbeitsplatz ansetzen. Die immerstärkere Arbeitsverdichtung usw. führt dazu, dass immer mehr Menschen nicht mehr bis zur Altersrente durchhalten. Da muss geengesteuert werden.
Das sehe ich auch so. Meiner Meinung nach ist der Grund hierfür unser Wirtschaftssystem, das u. a. auf Wachstum basiert. Das bedeutet für den Arbeitnehmer, dass er immer mehr Leistung pro Zeiteinheit erbringen muss.

Ich habe übrigens Letztens folgendes Buch gelesen, das ist recht interessant:

Nina Verheyen: "Die Erfindung der Leistung"Ein Hoch auf den Leistungsbegriff

Was für ein weites Feld der Begriff "Leistung" beschreibt, zeigt die Historikerin Nina Verheyen mit ihrem rundum lesenswerten Sachbuch "Die Erfindung der Leistung". Kritisch zerlegt sie den Begriff in alle Einzelteile und verteidigt ihn.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/nina-verheyen-die-erfindung-der-leistung-ein-hoch-auf-den.1270.de.html?dram:article_id=412445

Ich finde das Buch aber etwas zu akademisch geschrieben, so von der Ausdrucksweise her.

Aus meiner Sicht gehören auch die Rehas nicht unter Kostenträgerschaft der Rentenversicherung, sondern auch bei Erwerbstätigkeit müsste hier die Krankenkasse ahlen. Dann erledigt sich auch gleich das Problem mit dem Krankengeld sparen.
Dann hättest Du aber einen direkten Interessenkonflikt in den Krankenkassen. Denn die Rehabilitanden würden dann ja während der medizinischen Reha Krankengeld kriegen (normalerweise bekommen sie Übergangsgeld von der DRV), und da die Krankenkassen nicht wollen, dass sie nach der medizinischen Reha weiter Krankengeld bezahlen müssen, würden sie darauf hinwirken, dass die meisten Rehabilitanden aus den Reha-Kliniken als arbeitsfähig entlassen werden. Was übrigens, so mein Eindruck, heute schon der Fall ist, auch wenn die DRV die medizinischen Rehas zur Zeit bezahlt (die Leistung als solche und den Lebensunterhalt der Rehabiltanden).
 

RobbiRob

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Irgendwie widersprict sich das doc mit dem Fakt, dass die meisten jahrelang um die Rente kämpfen müssen. Und zur Reha müssen die meisten vorher auch.
Kam mir auch direkt in den Sinn, auch der Grundsatz „Reha vor Rente“.

Vielleicht haben wir hier in diesem Forum und in anderen Foren, die sich mit der Problematik rund um die Erwerbsfähigkeit befassen, ja eine verzerrte Wahrnehmung?
.
Ja, in der Menge schon. Gilt ja auch für andere verzerrte Wahrnehmungen hier.

Aber trotzdem glaube ich schon, dass der Trend eher schon stimmt, dass viele Probleme bei der Durchsetzung der Rente haben.

Das mag einerseits an der Definition liegen, die ja sehr stark geändert wurde ab 2001.
Andererseits darf man nicht vergessen, dass speziell die Krankenkassen ja eben nicht 78 Wochen Krankengeld zahlen, sondern fast schon Standardmäßig erst Ruhe geben, wenn man einen Rehaantrag / Rentenantrag gestellt hat.

Die immerstärkere Arbeitsverdichtung usw. führt dazu, dass immer mehr Menschen nicht mehr bis zur Altersrente durchhalten. Da muss geengesteuert werden.
Das ist ein sehr großes Problem, vor allem auch der hohe Anstieg der psychischen Erkrankungen.
Da können die KK noch so oft behaupten, dass es auch an der veränderten Krankschreibung der Ärzte liegt.
Natürlich ist das auch ein Grund, aber der Hauptgrund liegt doch in der heutigen Arbeitswelt.

Und das ist durchgängig in nahezu jedem Job so, trotz kürzeren Arbeitszeiten.
Früher hat man sich hauptsächlich die Knochen kaputtmalocht, heute die Seele.

Und sei es nur wegen überbordender Regeln, die aufgrund Gesetzgebung erfüllt werden müssen.
Was da teilweise heute abläuft ist schon irre.

„Völlig überzogene, theoretische und von Juristen ausformulierte Arbeits- und Sicherheitsanweisungen von Unternehmen (und Berufsgenossenschaften besonders) für ihre Mitarbeiter (Versicherten) sollen nur dafür sorgen, das im Falle eines Unfalls das Unternehmen juristisch aus dem Schneider ist.“

Ich will keine Zustände wie früher, aber speziell amerikanischen Unternehmen haben hier die Mitarbeiter zu Kindern degradiert.
Amazon nenne ich mal als Beispiel.
Und da kann man ja eigentlich nichts gegen sagen, denn es geht ja primär um Sicherheit, die wir alle wollen.
 
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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Natürlich prüft die DRV den Grundsatz Reha vor Rente ehe eine solche auch bewilligt wird ob sich dadurch überhaupt noch etwas verbessern ließe.

Wenn der sozialmedizinische Dienst nach vorliegen aller Unterlagen zu dem Schluss kommt das eine Reha absolut nix mehr bringen würde dann wird auch schon mal die Rente ohne Reha gewährt.

Allerdings bin ich bis jetzt davon ausgegangen das dieses Vorgehen eher äußerst selten ist auch in Hinsicht auf das Langzeitgutachten welches dort als Entlassungsbericht erstellt und maßgeblich dann in die Entscheidung der DRV mit einbezogen wird.

Daher kann ich die Zahlen (weniger als 30 Prozent der Arbeitnehmer bekamen vorher eine solche Kur also müssten ja 70 Prozent die Rente ohne Reha bekommen haben...) nicht so richtig glauben...:wink:

Das würde ja bedeuten das man seitens der DRV in den letzten Jahren immer mehr von dem ehernen Grundsatz Reha vor Rente abrücken würde...:icon_eek:


liesa
 

RobbiRob

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Nach nochmaligem Lesen denke ich wir interpretieren das auch falsch.

48.744 Rehabilitationen von 173.996 genehmigten EMR-Renten.
Das sind diese <30%.

Es gab aber 355.572 Anträge in dem Jahr.
Wie man weiß, wird ja ein Großteil abgelehnt. 2016> 42%.
https://www.eurente.org/antraege-abgelehnt/

Ob diese Personen vorher eine Reha hatten, sagt der Bericht ja nicht aus.

Denn das ist ja auch aus den Beiträgen hier und in anderen Foren zu lesen, dass nach Reha schon mal Spontanheilung auftritt.
 

Hexe45

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Irgendwie widersprict sich das doc mit dem Fakt, dass die meisten jahrelang um die Rente kämpfen müssen. Und zur Reha müssen die meisten vorher auch.
Aus meiner Sicht würde ich jetzt jein sagen.

Bei einigen meiner Pat. kenn ich das Problem:-- Mitten im Berufsleben sehr schwer krank geworden. Teure mediz. Behandlung und dann eine REHA die auch sehr teuer werden würde-.
Was meines Erachtens denoch Sinn machen würde, Menschen wieder ins Berufsleben zurückzuführen.

Aber oft wird der Reha- Antrag dann in einen Rentenantrag umgewandelt, ohne das Antragssteller das möchte. Und diese Praxis ist meines Wissens sogar legal.
Aber dazu können hier vielleicht noch Menschen etwas beitragen, die sich in dieser Thematik besser als ich auskennen.
 

Doppeloma

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Hallo schlaraffenland,

Vielleicht haben wir hier in diesem Forum und in anderen Foren, die sich mit der Problematik rund um die Erwerbsfähigkeit befassen, ja eine verzerrte Wahrnehmung?
Das sehe ich etwas anders, man braucht sich doch nur die genauen Zahlen der Berentungen wegen Erwerbsminderung mal genauer ansehen (kein Problem, direkt auf der DRV - Seite, es gibt zu viele, um die hier alle zu verlinken).

Da spricht doch schon die gleichbleibend niedrige (eher noch sinkende) Zahl von EM-Neurentnern jährlich ihre eigene Sprache ...

Im Vergleich zur alten Regelung (bis 2000 / Rente wegen Erwerbs-Unfähigkeit) ist die Zahl der Neuzugänge pro Jahr fast halbiert worden ... das spricht eher nicht für massive "Abschiebungen" zumindest nicht in die EM-Rente. :icon_evil:

Weil sich gerade in solchen Foren Leute melden, die ungemeine Probleme damit haben eine EM-Rente bewilligt zu kriegen, obwohl sie wirklich zu krank bzw. zu leistungeingeschränkt für eine Erwerbsarbeit sind?
Soweit richtig aber das sagt ja NICHTS zur Gesamt-Zahl der Berentungen wegen Erwerbsminderung aus und sogar hier kannst du überall sehr oft noch nachlesen, dass eine Reha (vor Berentung oder im Zuge einer Verlängerung) das probate Mittel der Wahl (für die DRV !!!) ist, eine "drohende EM-Rente" zu vermeiden ... oder eine mit Befristung wieder zu beenden.

Ich denke auch, dass die Reha-Kliniken insgesamt viel unabhängiger von der DRV sein müssten, ebenso wie wirklich NEUTRALE (von der DRV unabhängige) EM-Renten-Gutachter zu fordern sind, die nicht nur so "begutachten", wie es die DRV gerne lesen möchte, um den Ablehnungsbescheid rausschicken zu können.

Wir diskutieren doch hier im Forum auch an vielen "Fronten" (KK/ AfA/ JC) und stellen immer wieder fest, dass JEDER der gerade zahlen muss versucht die Kranken "abzuwimmeln" und an einen anderen "Zahlemann" los zu werden...

Die Rehas dienen in erster Linie den Kassen von KK und AfA, wenn sie (durch ihren ÄD) feststellen lassen, dass man unbedingt eine Reha machen sollte auch wenn das gesundheitlich (noch) gar keinen SINN ergibt.

Oft sind (nach Beginn einer AU) noch nicht mal klare Diagnosen gestellt, geschweige denn Behandlungen Therapien schon annähernd "erfolgreich" abgeschlossen ... da wird man trotzdem zur Reha "genötigt" ob man will oder nicht ... :icon_evil:

Dort bekommt man dann (meist) genau das "Langzeit-Gutachten" was die DRV auch noch (oft) viele Jahre davor bewahren kann, überhaupt an Zahlung von EM-Rente denken zu müssen.

In anderen Fällen sind die Betroffenen dann auch schon so FERTIG, dass ihnen eine Reha auch nicht mehr helfen wird und dann bekommen sie eben die EM-Rente auch mal ohne "KUR" vorher ...

Zudem sehe ich in dieser Anfrage (und der Antwort) gar nicht thematisiert, wie lange es bis zu dieser Berentung (ohne vorherige Kur) so gedauert haben soll .. an diesem Punkt endet die Neugierde der Politik dann auch schon wieder ...

Wer eine EM-Rente bewilligt bekommt, muss ja da nicht völlig problemlos" und DIREKT in wenigen Monaten hin gekommen sein ... von AfA und JC "geforderte" Anträge auf EM-Rente werden jedenfalls auch in hoher Zahl direkt abgelehnt.

Weil die DRV diese "versuchte" Abschiebe-Praxis von Älteren Arbeitslosen / gesundheitlich Eingeschränkten / Schwerbehinderten (also ALLEN die potentiell "als schwer vermittelbar" gelten) durchaus auch schon lange kennt.

Das ist auch nicht besonders neu, sondern wird schon seit (spätestens) 2005 besonders von den JC praktiziert, wenn die Politik da erst nach 13 Jahren bemerkt, dass da was "oberfaul" ist ... :sorry:

Es schadet jedenfalls immer mehr denen, die gesundheitlich wirklich schon "auf dem letzten Loch pfeifen", die DRV gibt selber zu, dass rund 50 % aller Erst-Anträge auf EM-Rente abgelehnt werden, meist genügt dafür schon der Reha-Bericht aus dem DRV-Archiv-Keller, EGAL wie alt der schon sein mag ...

Schon die Fragestellung ist also mal wieder völlig daneben, es geht nicht, um mehr Reha sondern um mehr Arbeit für die welche (eigentlich) noch arbeiten könnten, viele der (besonders auch psychischen Probleme) sind doch seit Hartz 4 "hausgemacht" ... dagegen hilft nur anständige Arbeit für die, die das WOLLEN und auch noch KÖNNEN ...

Wer nachgewiesenermaßen NICHT mehr KANN sollte nach einer DRV-Reha nicht noch jahrelang, um die Anerkennung der Erwerbsminderung kämpfen müssen ... da sollte besonders den behandelnden Ärzten viel mehr Beachtung geschenkt werden.

Die Fälle wo Jemand (wegen "Arbeitslosigkeit und begrenzten gesundheitlichen Einschränkungen") eine EM-Rente bekommt von der DRV ... die würde ich gerne mal hier nachlesen dürfen ... da bekommt man nämlich die Antwort (von der DRV) für die Vermittlung in "geeignete" Arbeit ist die AfA / das JC zuständig ... das ist nicht Aufgabe der Renten-Versicherung. :icon_evil:

Die aktuelle Situation für viele gesundheitlich angeschlagene Langzeit-Arbeitslose ist ganz sicher NICHT mit noch mehr "Pseudo-Reha-Maßnahmen" zu beseitigen ... :icon_evil:

MfG Doppeloma
 

Kerstin_K

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Dann hättest Du aber einen direkten Interessenkonflikt in den Krankenkassen. Denn die Rehabilitanden würden dann ja während der medizinischen Reha Krankengeld kriegen (normalerweise bekommen sie Übergangsgeld von der DRV), und da die Krankenkassen nicht wollen, dass sie nach der medizinischen Reha weiter Krankengeld bezahlen müssen, würden sie darauf hinwirken, dass die meisten Rehabilitanden aus den Reha-Kliniken als arbeitsfähig entlassen werden. Was übrigens, so mein Eindruck, heute schon der Fall ist, auch wenn die DRV die medizinischen Rehas zur Zeit bezahlt (die Leistung als solche und den Lebensunterhalt der Rehabiltanden).
Man könnte es ja vileicht so lösen, dass während der Reha zwar übergangsgeld gezahlt wird und die DRV weiter Kostenträger bleibt, aber eben der Krankengeldanspruch für die Zeit der Reha hinten angehängt wird. Dann hätten die KKS keinen Grund mehr, vorzeitige Rehas zu fordern um Karnkengeld zu sparen. Dieses ganze arbeitsfähig/arbeitsunfähig entlassen ist sowieso überflüssig. Das sollte man den weiterbehandelnden Ärzten überlassen.

Das ganze Geflecht ist nicht so leicht aufzulösen. es fängt ja schon im Krankenhaus an. Früher hatten die Krankenhäuser Interesse daran, die Patienten lange dazubehalten, weil es für jeden Tag Geld gab. deshalb hat man die Fallpauschalen eingeführt. Das hat aber wiederum dazu geführt, dass viele Patienten zu früh in die AHB abgeschoben werden. Ich würde mir Akutklinik und AHB aus einer Hand wünschen. Es gibt ja auch Rehakliniken, die mit beiden Kostenträgern zusammenarbeiten.

Und ansonsten bin ich wie Doppeloma auch für unabhängige Gutachter. Und das in ALLEN Bereichen.
 

saurbier

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Nun ja, ich hab mir mal den Beitrag von Prof. Dr. Sell durchgelesen und ganz so mag ich damit nicht übereinstimmen.

Mir scheint das ganze mal eben auf die schnelle zusammen gestellt, ohne die echten Hintergründe zu durchforsten.

Wie komme ich darauf, nun er schreibt:

»Nur 15 Prozent der Arbeitnehmer, die 2013 an einer Reha teilgenommen haben, schieden anschließend aus dem Erwerbsleben aus.«
Quelle Prof. Dr. Sell

Hört sich toll an, nicht war. Aber hat er dabei auch mal durchforstet wie viele davon einen Rentenprozeß geführt haben und wie viele dabei dann mehr oder weniger freiwillig das Handtuch geworfen haben.

Ich erinnere mich da an die Worte der Gerichtspräsidentin bei meinem Prozeß um die BU-Rente. Von 100 ziehen doch im Endeffekt nur noch 5 den Prozeß bis zum bitteren Ende durch und die obsiegen dann. Der Rest gibt entnervt vorzeitig auf. Das ganze hat schon irgendwie System. Das sagte mir eine Gerichtspräsidentin und die sollte wohl wissen was Sache ist, denn sie sitzt ja direkt an der Basis, oder.

Auf der anderen Seite sollte man genauso wenig vergessen, daß für die Rentenkasse die frühzeitige Gewährung einer vollen EMR auch nicht immer ein Verlustgeschäft sein muss, wenn man sich dabei die Höhe mancher Frührenten anschaut.

In meinen Augen wird heute nicht mehr auf den Menschen geschaut, sondern nur noch auf den Kostenfaktor. Dabei kann es dann mitunter sogar zu Perversitäten kommen - nämlich dann wenn jemand mit sehr geringem Einkommen kurz entschlossen
in eine Rente geschickt wird, anstatt ihm eine anständige Rehabilitation zu ermöglichen nach welcher er wohlmöglich wieder mit guter Arbeit ein weit besseres Einkommen erzielen könnte und daraus resultierend im Alter eine weit besser Rente -.

Oder wie in meinem und vieler gleich gearteter Fälle - wo man ein Urteil des BSG falsch zugunde legt, worauf die DRV dann tausende von Euros an Geld (Rentenrückforderung) vom Betroffenen zurück verlangen dürfte und auch es auch macht. Wie viele haben dagegen wohl einen Widerspruch eingelegt und sich durch geklagt. Ich hab nur wenige Urteile seitens des LSG dazu gefunden, also ist die Mehrzahl wohl eingeknickt und hat nachgegeben.

Was wollen die Grünen mit Ihrer Anfrage denn erreichen, diese frage wäre ja auch mal interessant.

Will man das die Betroffenen mehr Rehas bekommen, ja dann müsste man schon das gesamte System der diversen Zuständigkeiten umstellen.

Genauso wie Doppeloma schon schrieb müsste man die Gutachter seitens der DRV, der AfA und der KV und nicht zu vergessen der BG zuerst einmal völlig unabhängig machen, damit diese nicht nach dem > wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing < verfahren. Nur damit kämen da ja wieder neue Entscheidungsträger hinzu, die dazu auch bestimmt nicht billig wären. Aber genauso gut blieb dann da wieder die Frage offen, wer prüft dann deren Entscheidungen. Zu guter letzt kreist da auch wieder der Geldgeier umher, nur davon haben ja bekanntlich alle Kassen immer zu wenig.

„Bei dem weitaus größten Anteil der Rehabilitanden wird das Ziel einer dauerhaften Erwerbsfähigkeit aber erreicht“, heißt es in der Antwort der Regierung. Nämlich bei 85 Prozent.
Quelle Prof. Dr. Sell

Diese Zahl mag ich eher nur bedingt zustimmen, denn nach meiner mehrmaligen Erfahrung in diversen Rehahäusern mag dies wohl eher so aussehen, daß bereits 50% sozusagen die "Schnauze voll hatten, von der DRV und ihrem System", denn diese 50% klagten auch nach der Reha über immer noch massiv vorhandene gesundheitliche Probleme und glaubten nicht ernsthaft daran dauerhaft wieder voll arbeitsfähig zu werden. Nur wenn diese Menschen durch systemischen Druck schon von vornherein zum aufgeben gedrängt werden, nun dann können sich nur solch positive Ergebnisse ergeben.

Dem Beitrag von Prof. Dr. Sell kann ich einzig als echte Rüge den Hinweis entnehmen:

»Ihnen bleibt auch erspart, dass sie wegen des vorzeitigen Rentenbeginns im Alter mit weniger Geld auskommen müssen, als wenn sie bis zur regulären Altersgrenze weitergearbeitet hätten. Die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente lag 2016 bei 704 Euro – trotz bereits beschlossener Verbesserungen.«

Wobei man zu den hier angesprochenen Verbesserungen einschränkend sagen muss, dass die nur die jeweils zukünftigen Erwerbsminderungsrentner betreffen, die Bestandsfälle sind in der Vergangenheit immer leer ausgegangen
Quelle Prof. Dr. Sell

Nun das stimmt und wird sich wohl auch nicht ändern, solange die davon Betroffenen eine Regierung damit bei jeder Wahl durchkommen lassen.

Ich möchte mal nur daran erinnern, es war die Linkspartei welche der damaligen SPD als Regierungspartner (2013) angeboten hatten gemeinsam mit dieser für eine Mehrheit zur entsprechenden Gesetzesänderung (Anhebung der EMR für alle) zuzustimmen. Die SPD lehnte jedoch mit der Begründung auf den Koalitionsvertrag ab.


Grüße saurbier
 
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RobbiRob

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Auf der anderen Seite sollte man genauso wenig vergessen, daß für die Rentenkasse die frühzeitige Gewährung einer vollen EMR auch nicht immer ein Verlustgeschäft sein muss, wenn man sich dabei die Höhe mancher Frührenten anschaut.

Ich möchte mal nur daran erinnern, es war die Linkspartei welche der damaligen SPD als Regierungspartner (2013) angeboten hatten gemeinsam mit dieser für eine Mehrheit zur entsprechenden Gesetzesänderung (Anhebung der EMR für alle) zuzustimmen. Die SPD lehnte jedoch mit der Begründung auf den Koalitionsvertrag ab.
Kein „Verlustgeschäft“? Äquivalenzprinzip gilt im weitesten Sinne auch bei der EMR.
Glaubst Du die letzte Anhebung von 60 auf 62 Jahre bei den Zurechnungszeiten kann die vorhergehende Biografie ändern?
Es sind die verschiedensten Ursachen wie Teilzeit, wenig Verdienst, gar kein Verdienst, Alg1 -oder Alg2-Bezug.

Natürlich ist die nächste Anhebung auf 65/8 im Vergleich zu vor 2014 dann schon eine signifikantere Sache.
Trotzdem sollte jedem die Berechnungsweise mal vor Augen geführt werden, anscheinend wissen das die meisten gar nicht.

Zur „vergifteten Aktion“ der Linken:
Ich bin ja auch persönlich für eine Anhebung der Altfälle, aber so eine Aktion der Linken ist doch Plump.
Jeder der sich auch nur ein wenig mit dem Thema befasst, weiss doch was das für die Koalition bedeuten würde.

Die Linke ist eine reine Oppositionspartei und auch die ständigen kleinen Anfragen sind teilweise nur Populismus.

Wie oben beschrieben bin ich auch für eine Ausweitung auf die Altfälle, mir ist aber trotzdem klar, dass es nur um Geld geht.
Die Kosten sind immens, der Fehler war die Mütterrente.
Und das sage ich, obwohl meine Mutter mit 3 Kindern sich immer noch freut und bald wieder strahlen wird.

Die letzte jetzt wahrscheinlich kommende Stufe der Mütterrente mit den Ausnahmen ist wieder so eine Krücke.

Man hätte es lassen sollen und stattdessen die EMR für alle einheitlich, bezüglich der Zurechnungszeiten umsetzen sollen.
 

Doppeloma

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Hallo RobbiRob,

48.744 Rehabilitationen von 173.996 genehmigten EMR-Renten.
Das sind diese <30%.
Es gab aber 355.572 Anträge in dem Jahr.
Wie man weiß, wird ja ein Großteil abgelehnt. 2016> 42%.
Das Problem liegt vor Allem auch darin, dass diese Statistiken nicht berücksichtigen, wie viele "Alt-Anträge" (zunächst als abgelehnt) noch laufen und oft erst nach Jahren am Gericht (nur selten im Widerspruchsverfahren) entschieden werden.

Als Bewilligt gehen die dann natürlich in die aktuelle Jahresstatistik ein und wen interessiert es nach mehreren Jahren Kampf darum wirklich noch, ob man davor mal eine Reha gemacht hatte, die eben nicht mehr zur "echten" Besserung geführt hat.

Die Berichte sprechen von "Erfolg", man wird oft weiterhin AU aber trotzdem Voll Erwerbsfähig entlassen ... man darf lt. Reha weiter (mindestens) am allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein.

Wer davon geht aber wirklich irgendwann wieder arbeiten oder muss statt dessen den Kampf gegen diesen "positiven" Reha-Bericht und die DRV aufnehmen, weil der einfach NICHT den Tatsachen entsprochen hat ???

Das steht alles NICHT in diesen Statistiken ... :icon_evil:

Auch die diversen Gerichtsverfahren dazu sind "Augenwischerei" für die Öffentlichkeit (Statistisch) gibt es die gar nicht, denn EM-Renten-Verfahren werden überwiegend per Vergleich beendet, damit das "Ansehen der DRV" nicht durch verlorene Prozesse beschädigt wird.

Oder wem soll es sonst dienen, wenn der Antragsteller nach 2 - 3 oder mehr Jahren bei Gericht endlich zur Bewilligung der Rente kommt, die er von Beginn an gebraucht hätte ???

Vergleich annehmen bedeutet Klage und Widerspruch zurückziehen, die DRV steht da als wäre NIX geschehen, die wenigstens Antragsteller verzichten dann auf diese Lösung, schon weil sie ENDLICH ihre Ruhe haben werden.

Ich selbst habe das auch so "angenommen" und ich kenne viele andere Fälle wo das dann auch so beendet wurde ... mit einem Vergleich, weil die DRV keine Argumente mehr dagegen hatte (meist nach den gerichtlichen Gutachten) ...und der Richter (wie bei mir) ein "Angebot" verlangt hat, um das auch selber "vom Tisch zu bekommen" ...

Die EM-Rente geht dann als bewilligt in das gerade laufende Jahr ein, die wurde aber schon vor vielen Jahren beantragt und nicht im gleichen Jahr (hat also mit den NEU-Anträgen aus dem laufenden Jahr gar nichts zu tun) ... das macht diese ganzen Zahlen komplett undurchsichtig ...

Da "hinkt" also auch schon der Vergleich mit den aktuellen Bewilligungen und den 30 % die davon (angeblich) nur eine Reha gemacht haben ... wie viele Altfälle dabei sind weiß niemand.

Wir haben beide erst kurz vor der Antragstellung eine Reha gemacht, da wurden wir ja als Erwerbsfähig entlassen, wozu soll man dafür schon wieder Geld ausgeben müssen wenn wir dann trotzdem einen Antrag auf EM-Rente stellen (müssen) ??? :idea:

Man hatte doch gerade erst bestätigt, dass wir KEINE EM-Rente brauchen ... zumindest meine Reha war aber auch gar nicht dafür bewilligt worden das ernsthaft herauszufinden, wie es MIR geht ... :icon_evil:

Die letzte Reha von Männe war auch schon eine "Farce", er wurde ständig "fitt gespritzt" und konnte trotzdem kaum an den Therapien teilnehmen, man bescheinigte ihm unbeirrt, eine Besserung durch diese Reha = Voll Erwerbsfähig.

Gab aber Hinweise im Bericht, dass seine Erwerbsfähigkeit sehr gefährdet wäre wenn er mehr als 8 Stunden täglich arbeiten müsse und Nachdienste sollten ganz "vermieden" werden ...

Na-Ja, er war in einer Sicherheitsfirma beschäftigt und hatte lt. Arbeitsvertrag 12-Stunden-Schichten zu leisten, abwechselnd natürlich auch Nachts ... andere Möglichkeiten gab es nicht, außer arbeitslos zu werden ... :doh:
Er hätte sich sehr gerne "in EM-Rente abschieben lassen" ... aber das dauerte dann noch fast 5 Jahre und 2 EM-Renten-Anträge ...

Wenn man sich einfach mal die "absoluten" Zahlen ansieht und sie für "realistisch" halten möchte, kann von "massenhafter Abschiebung noch Erwerbsfähiger in EM-Rente" sicher nicht die Rede sein ... :icon_evil:

https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/6_Wir_ueber_uns/03_fakten_und_zahlen/03_statistiken/02_statistikpublikationen/03_rv_in_zeitreihen.html

Es gibt viel zu lesen für den der es wirklich mal genauer wissen will ...

Vor 2000 (also nach den Gesetzen zur Rente wegen Erwerbsunfähigkeit) gab es etwa 350.000 Neuzugänge mit einer bewilligten EU-Rente (bei ca. 500.000 Anträgen jährlich), klar gab es damals auch schon Ablehnungen aber eben auch deutlich mehr Anträge und Bewilligungen ...

Inzwischen werden also schon deutlich weniger Anträge überhaupt gestellt (um die 350.000 im Jahr), meine letzten Infos lagen auch bei aktuell ca. 170.000 Bewilligungen von EM-Rente im Jahr, also sind wir generell ALLE viel "gesünder" geworden. :bigsmile:

Das entspricht etwa 50 % Ablehnungen, die selbst von der DRV nicht bestritten werden ... :icon_evil:
ODER es ist eben deutlich schwerer geworden eine Rente aus rein gesundheitlichen Gründen überhaupt zu bekommen ... da regen sich bei mir dann doch leichte Zweifel an der Fragestellung ... :icon_kinn:

MfG Doppeloma
 

RobbiRob

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Ja, sehr komplexes Thema.

Gerade von Sell hätte ich einen detaillierteren Artikel darüber erwartet.
Gerade EM-Rentner haben keine starke Lobby, nur Interessierte kriegen von der Thematik überhaupt was mit.

Bin sehr gespannt auf die Diskussionen im Gesetzgebungsverfahren bezüglich der Zurechnungszeiten.

Vielleicht überrascht uns ja das „Strucksche Gesetz“ ;-)
 

deori1

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Aber oft wird der Reha- Antrag dann in einen Rentenantrag umgewandelt, ohne das Antragssteller das möchte.
Ich hätte das gewollt eine Umdeutung,eine LTA von 9 Monaten(integration für Arbeit)nicht erfolgreich abgeschlossen und nur noch höchstens 3,5 Stunden arbeiten,steht im Abschlussbericht,jetzt muss ich zum Gutachter(hatte gehofft das es eine Umdeutung gibt).
Zählt die LTA auch als Reha?Hatte schon Rehas,allerdings ist die letzte 5 Jahre her.
Aber laut dem Artikel stehen ja meine Chance nicht schlecht.:bigsmile:
 
G

Gast1

Gast
AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

deori1, bei den LTA handelt es sich um berufliche Reha-Maßnahmen. Das sieht man schon am Dokumententitel folgender Webseite der Rentenversicherung:

https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navigation/2_Rente_Reha/02_Rehabilitation/02_leistungen/07_berufliche_reha/berufliche_reha_node.html

Mit dem Begriff "Dokumententitel" meine ich den Titel der Webseite, der in der Titelzeile in Deinem Web-Browser angezeigt wird, also ganz ganz oben im Browser-Fenster.
 

Doppeloma

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Hallo Hexe45,

Bei einigen meiner Pat. kenn ich das Problem:-- Mitten im Berufsleben sehr schwer krank geworden. Teure mediz. Behandlung und dann eine REHA die auch sehr teuer werden würde-.
Wird aber in der Regel trotzdem von der DRV bezahlt, denn JEDE EM-Rente wird auf die Dauer teurer sein, als eine (med.) Reha ...

Was meines Erachtens denoch Sinn machen würde, Menschen wieder ins Berufsleben zurückzuführen.
Das klappt aber nur über "berufliche Reha" (Teilhabe am Arbeitsleben) und das auch nicht wirklich ... zumindest muss man dafür ja auch erst wieder gesund genug sein.
Wer keine Arbeit mehr hat wenn er krank ist oder langfristig krank wird, der bekommt inzwischen (meist) auch Keine mehr :icon_evil:
Die Fälle wo (z.B.) über BEM beim AG) doch noch Wege gefunden werden weiter arbeiten zu können, landen ja NICHT in der Statistik von EM-Rente mit Reha davor ...

Aber oft wird der Reha- Antrag dann in einen Rentenantrag umgewandelt, ohne das Antragssteller das möchte.
Das passiert in der Form eher ziemlich selten, ich habe ja Kontakte zu vielen Antragstellern, die nun teilweise auch auf sehr verschiedenen Wegen die EM-Rente erhalten haben, oft genug erst nach mehr oder weniger langen Kämpfen.

Einige Wenige mussten praktisch (aus dem Erwerbsleben heraus) zunächst mal selber bereit sein, überhaupt eine med. Reha mal in Anspruch zu nehmen, dabei spielt auch schon wieder die Sorge um den Arbeitsplatz eine Rolle (besonders auch ab Ende 40 und Älter).

Es kommt ja Keiner und stellt den Antrag wenn man es nicht selber tut und vom AG wird man dazu bestimmt NICHT "aufgefordert". :icon_evil:

Ich meine damit KEINE med. Reha-Maßnahmen nach Unfällen oder Operationen, auch AHB führen nicht zwangsläufig in eine EM-Rente, die sollen ja zurück an den Arbeitsplatz führen.

Dort wird auch meist noch intensiver was dafür getan, dass die Betroffenen schneller wieder "auf die Beine" kommen können.

Ein behandelnder Arzt kann das ansonsten "anraten" aber nicht dazu zwingen und so lange man kein Krankengeld (von der KK) oder ALGI (von der AfA) oder gar Hartz 4 bezieht, interessiert sich keine Institution wirklich dafür wie krank oder gesund man ist.

So kenne ich durchaus einige Wenige dort, die auch über viele Jahre noch glaubten eine med. Reha nicht zu benötigen und sich damit wohl selber gesundheitlich am meisten geschadet haben, um ihre Erwerbsfähigkeit am Ende in einer Reha (eigentlich) noch wieder bestätigt zu bekommen.

Da erfolgte dann doch mal (sehr überraschend) die Umdeutung in eine EM-Rente in oder nach der Reha und sie sind inzwischen froh darüber, weil sie gar nicht merken WOLLTEN, dass sie schon lange "reif" dafür waren.
Es hat sie aber Niemand gezwungen, denn diese Reha hatten sie ja freiwillig selber beantragt und hätten die Berentung durchaus ablehnen können (anders als wenn man von KK oder AfA / JC dazu aufgefordert wurde EM-Rente zu beantragen) ...

Welches Interesse hätte aber nun die DRV daran haben können ihnen EM-Rente zu zahlen, wenn sie das gewollt / gekonnt hätten wären sie wohl gerne an den Arbeitsplatz zurückgekehrt, wo sie vorher auch gearbeitet hatten.

Da stört mich schon ein wenig, dass es "Arbeitnehmer" sein sollen, die werden in der Regel NICHT aus dem aktiven Arbeitsleben in EM-Rente abgeschoben. :icon_evil:

Die werden bei AG-Entlassungen höchstens (indirekt) in eine vorzeitige Altersrente (die sie vielleicht auch noch gar nicht in Anspruch nehmen wollten) "abgeschoben" ... und das hat wieder mit EM-Rente nichts zu tun. :icon_evil:

Und diese Praxis ist meines Wissens sogar legal.
Die Umdeutung einer Reha oder eines Reha-Antrages in eine EM-Rente ist legal aber die kommt deutlich seltener vor als es hier scheint, besonders dann nicht wenn man schon arbeitslos ist.
Das ist zwar oft die "stille Hoffnung" von KK oder AfA, wenn die Kranken zum Antrag auf Reha aufgefordert werden, die DRV hat aber kein Eigeninteresse daran, den Hoffnungen von KK oder AfA auch zu folgen. :icon_evil:

Letztlich zeugt ja auch mein Beispiel schon wieder davon.

Die KK hat mich zur Reha aufgefordert, um wenigstens in dieser Zeit das Krankengeld zu sparen, mehr wurde es auch nicht, denn meine "erfolgreiche" Reha mit AU-Entlassung wurde nicht in EM-Rente "umgedeutet", die KK musste weiter zahlen bis zur Aussteuerung.

Dann wurde ich bei der AfA "begutachtet" und praktisch (aus deren Sicht) schon für EM befunden ... Forderung EM-Rente beantragen (denn in Reha war ich ja gerade erst mit "positivem Ausgang")...

EM-Rente wurde natürlich abgelehnt, das "Gutachten" der AfA interessierte die DRV gar nicht dabei ... :icon_evil:
Eine erneute med. Reha hat man mir da auch nicht mehr angeboten, ich sollte mir einfach "andere Arbeit" suchen ... um die schädlichen Belastungsfaktoren (lt. vorliegenden Reha-Berichten) zu vermeiden.

Man anerkannte also, dass ich nur noch sehr eingeschränkt beruflich belastbar war, aber für eine EM-Rente reichte das noch lange nicht ... ich selber hatte nach fast 40 Jahren aus gesundheitlichen Gründen kein großes Bedürfnis mehr noch wieder arbeiten gehen zu "müssen"... das wurde mir eher "vorgehalten" als Motivationslosigket (schon in der Reha, später von den DRV-Renten-"Gutachtern").

Ich kenne auch einige Fälle wo die med. Reha "als unnötig" zunächst abgelehnt wurde von der DRV aber sofort bewilligt wurde, wenn die gleiche Person dann EM-Rente "haben wollte", weil sie gesundheitlich nicht mehr KONNTE.

Aus dieser Reha kamen sie dann auch OHNE Aussicht auf EM-Rente zurück, jedenfalls vorläufig.
Sie waren vielleicht noch immer "Behandlungs-Fälle" (also auch weiter AU) aber bestimmt keine EM-Renten-Fälle ...

So hat die DRV dann doch lieber die Kosten für eine Reha übernommen, um feststellen zu lassen, dass eine EM-Rente gar nicht nötig sei ...
Auch hier im Forum gibt es solche Fälle und ebenso die Forderungen nach einer med. Reha zur Prüfung des bereits gestellten Antrages auf EM-Rente ...

Das Prinzip "Reha VOR Rente" wird also durchaus angewendet, die Frage ist leider immer wieder "WEM nützt es" letztlich ...

Aber dazu können hier vielleicht noch Menschen etwas beitragen, die sich in dieser Thematik besser als ich auskennen.
Als Mitglied zweier Foren (seit gut 9 Jahren) beschäftige ich mich sehr intensiv mit dieser Thematik und kann (leider) immer wieder nur feststellen, dass eine "Abschiebung" in EM-Rente wohl die absolute Ausnahme darstellen dürfte ... :sorry:

Denn die DRV lässt sich Niemanden zuschieben, von dem sie nicht selbst überzeugt ist, dass er diese Rente auch benötigt ... die DRV-Reha-Kliniken sind (aus meiner persönlichen Sicht) aktuell (und schon länger) vorrangig dafür da, EM-Berentungen möglichst zu vermeiden.

In meinem Ablehnungsbescheid stand wörtlich drin, man sei NICHT für die Vermittlung in "andere Arbeit" zuständig, das sei Aufgabe der AfA.

Erst am Gericht wurde dann bestätigt, dass ich bereits zur Antragstellung (fast 3 Jahre zuvor) gar nicht mehr gesund genug war überhaupt noch arbeiten zu gehen ..., und dass der Reha-Bericht medizinisch / gerichtlich auch nicht akzeptabel war.

Ich fühlte mich als Beitragszahler (fast 40 Jahre lang auch für diesen Fall), eher komplett alleine gelassen, als ich die EM-Rente beantragt hatte ... mich hätte man sehr gerne irgendwie noch wieder in den "Arbeitsmarkt" geschoben ... nur um keine EM-Rente zahlen zu müssen.

Da bin ich keineswegs ein "bedauerlicher Einzelfall", wie es dazu gerne von der DRV behauptet wird, an die häufigere "Abschiebung" von Arbeitnehmern in die EM-Rente vermag ich da nur schwer zu glauben, so lange rund 50 % aller Anträge auf EM-Rente zunächst abgelehnt werden.

Diese Antragsteller sind bestimmt nicht alle fitt genug, um tatsächlich noch weiter arbeiten zu können ... und nur ein Bruchteil davon legt überhaupt Widerspruch ein, es gibt sicher auch keine Zahlen dazu wie Viele dann versterben, ehe ihre Erwerbsminderung mal anerkant wird ...

Mindestens 2 Fälle sind auch mir bekannt wo der Kampf, um die EM-Rente auf diese Weise vorzeitig "verloren" wurde ... :icon_cry:

MfG Doppeloma
 

hostdreamer

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Denn das ist ja auch aus den Beiträgen hier und in anderen Foren zu lesen, dass nach Reha schon mal Spontanheilung auftritt.
Mir hatte die Sachbearbeiterin der KK schon vor Antritt meiner Reha mitgeteilt, durch die ich nach bereits 8 Monaten AU aufgefordert wurde, dass ich wohl entweder durch Wiedereingliederung oder Arbeitsfähigkeit zurückkehren würde. ( erwartete Spontanheilung ? )

Doch leider aus ihrer Sicht ( KK ) wurde ich weiterhin AU entlassen was ja wohl ein seltener Fall zu sein scheint und die KK muss für mich 78 Wochen KG zahlen.

Ich las hier im Forum, dass die DRV sowie die KK es einem nicht leicht macht, mit Hilfe von Krankengeld die Zeit bis zur Altersrente zu überbrücken.

Gruß
Hostdreamer
 

RobbiRob

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

AU entlassen ist nicht selten, da die AU sich ja immer auf den zuletzt ausgeübten Beruf bezieht, falls man nicht arbeitslos ist.

Der Haken ist eher, dass man >6h arbeitsfähig für den allgemeinen Arbeitsmarkt entlassen wird.
„Pförtnerklausel“ nenn ich das mal.

Zumindest hat die KK ja nicht zahlen müssen während der Reha und bei einer direkt der Reha anschließenden Wiedereingliederung zahlt auch die DRV.

Die wollen das aber auch ungern, deswegen versuche mal eine Wiedereingliederung >4 Wochen in der Reha zu bekommen.
Alles eine inhumane Verschiebeaktion der SV-Träger.
 

hostdreamer

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AW: "Immer mehr kranke Arbeitnehmer werden in die Rente abgeschoben. Eigentlich sollte es anders sein. Ist es aber nicht

Der Haken ist eher, dass man >6h arbeitsfähig für den allgemeinen Arbeitsmarkt entlassen wird.
„Pförtnerklausel“ nenn ich das mal.
Aber wie hier im Forum mehrfach beschrieben wurde ist das mit der Verweisung einen Pförtnerposten anzunehmen trotz >6Std. auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht wirklich realitätsnah, da bereits bei dieser Arbeit hohe körperliche Anforderungen gestellt werden, wie körperliche Belastbarkeit und Bereitschaft zur Schichtarbeit und da man auch noch einen sehr guten nachweisbaren Leumund besitzen sollte, gestaltet sich eine Bewerbung recht schwierig für viele von uns.
 
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