Im Leistungsbezug nach SGB XII und Praktikum in einer regulären Firma. Ist das rechtens?

kerosin

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Hallo,

ein Bekannter befindet sich im Rechtskreis SGB XII mit Heimunterbringung. Derzeit absolviert er eine Ergotherapie, 20h pro Woche. Die Spezialisten dort wollen ihn nun in ein Praktikum in einer regulären Firma unterbringen, es geht dabei um Büroarbeit. Für mich klingt das sehr suspekt.

Ist das Ansinnen überhaupt rechtens? Wenn ja, was muß beachtet werden und welche Konsequenzen könnten sich ergeben?
 

Kerstin_K

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AW: SGB XII und Praktikum in regulärer Firma

Wie lange soll das gehen? Wird das bezahlt? Arbeitszeiten?

Ist er voll oder teilweise erwerbsgemindert? Befristet oder unbefristet? Arbeitsmarktrente?
 

kerosin

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AW: SGB XII und Praktikum in regulärer Firma

Er ist unbefristet voll erwerbsgemindert, keine Berentung über DRV, daher auch keine Rente.

Zum Praktikum selbst kann er noch nicht viel sagen, nur dass das als Arbeitserprobung verkauft werden soll und er in der Firma Engpässe im Büro abfedern soll.

Firmenchef ist Bekannter vom Ergotherapiechef.
 

Kerstin_K

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Zum Praktikum selbst kann er noch nicht viel sagen, nur dass das als Arbeitserprobung verkauft werden soll und er in der Firma Engpässe im Büro abfedern soll.

Firmenchef ist Bekannter vom Ergotherapiechef.
Das hoert sich alles nicht rechtmäßig an.

Auf jeden Fall muss er unter drei Stunden am Tag bleiben.

Will er das machen? Ich denke nicht, dass man ihn zwingen kann.

Wer zahlt eigentlich die Ergo?
 

kerosin

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AW: SGB XII und Praktikum in regulärer Firma

Er will das wohl machen, nächste Woche geht die Bewerbung raus. 4h pro Tag will er schaffen.

Ergotherapie zahlt nach seiner Auskunft die Krankenkasse.
 

Kerstin_K

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AW: SGB XII und Praktikum in regulärer Firma

Keine KK zählt 20 Stunden Ergotherapie in der Woche.

Wenn er 4 Stunden am Tag Praktikum macht, koennte man die Erwerbsminderung anzweifeln.
 

kerosin

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AW: SGB XII und Praktikum in regulärer Firma

Er absolviert momentan 20h/Woche Ergotherapie, wer das letztendlich bezahlt, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, da ich die Unterlagen dazu nicht kenne und er wohl dazu auch keine hat.

Und dass man seine Erwerbsminderung anzweifeln könnte, befürchte ich auch. Das könnte zur Statusänderung weg vom SGB XII mit allen Konsequenzen (z.B. Verlust Heimunterbringung) hin zum SGB II bedeuten. Dem ist er definitiv nicht gewachsen und das wäre der worst case.
 
E

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AW: SGB XII und Praktikum in regulärer Firma

Das könnte zur Statusänderung weg vom SGB XII mit allen Konsequenzen (z.B. Verlust Heimunterbringung) hin zum SGB II bedeuten. Dem ist er definitiv nicht gewachsen und das wäre der worst case.
Also muss ihm das klargemacht werden! Das SGBXII ist bestimmt froh wenn es die Chance sieht darauf hin eine Verbesserung seiner Erwerbsfähigkeit zu sehen.

Und dann geht das ganze Theater von vorne los...

Keiner kann ihn zwingen eine Tätigkeit auszuüben aufgrund dessen er seinen Status als voll Erwerbsgeminderter verlieren könnte/würde. Wenn dann schön im Rahmen also unter 3 Stunden/Tag...


liesa
 

dagobert1

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AW: SGB XII und Praktikum in regulärer Firma

Zum Praktikum selbst kann er noch nicht viel sagen, nur dass das als Arbeitserprobung verkauft werden soll und er in der Firma Engpässe im Büro abfedern soll.

Firmenchef ist Bekannter vom Ergotherapiechef.
Klingt hochgradig unseriös.

Etwas schriftliches dazu hat er natürlich nicht ... ?
 

Fairina

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AW: SGB XII und Praktikum in regulärer Firma

Kerstin du irrst hier. Ergotherapie ist auch malen, basteln, handarbeiten, Musik hören, Backen, Kochen, Bücher besprechen usw. Und das geht durchaus auch mit 20 Wochenstunden.

Unseriös ist das auf alle Fälle. Das Wort abfedern stinkt geradezu ebenso wie die Verflechtungen da.
 

Kerstin_K

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AW: SGB XII und Praktikum in regulärer Firma

Fairina, natürlich ist Ergotherapie vielfältig, aber zu Therapie gehört ein Therapeut. Und 20 Wochenstunden sind extrem viel.
 

Fairina

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AW: SGB XII und Praktikum in regulärer Firma

Nöh, glaub mir, das kriegen die hin. Ich spreche aus eigener Erfahrung.
 

kerosin

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AW: SGB XII und Praktikum in regulärer Firma

kleines update:

Für die Praktikumsstelle existiert weder eine Ausschreibung noch ein Inserat oder sonstiges. Der Bekannte wurde vom Ergochef bequatscht, eine Initiativbewerbung zu schreiben. Das hat er getan und die Bewerbung ist raus. Natürlich weiß er nichts über Aufgaben/Lehrinhalte, Arbeitszeiten und Vergütung und dergleichen. Aber, ich nehme an, es wird zu einem "Vorstellungsgespräch" kommen. Die Sache muß im Auge behalten werden.

p.s.: Für die Ergo gab es ein Rezept vom Facharzt und die KK scheint das so in dem Umfang zu akzeptieren.
 

isabel

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Hallo,
ich denke, das Angebot für das Praktikum ohne nähere Angaben ist höchst unseriös. Ergotherapie als solche ist auch zu betrachten, wie Fairina beschrieben hatte. Aber nicht ein Praktikum ohne Angaben, die ganz sicher nicht zu Ergother. gehört. Ich schätze mal, da sollte jemand ausgenutzt werden, der sich gar nicht richtig wehren kann, unter Vorwand weiterer Therapie, was in fiesen Fall nicht stimmt.
Wenn er nichts oder nur Aufwandentschädigung verdient, schätze ich mal, gibt es keine Gefahr, dass er von seineier <bleibe oder von Grundsicherung wegfliegt. Mir Sicherheit kann er von seinen Ärtzten auch Bescheinigung bekommen, dass diese Arbeitspensum (was mit Ergoth. nichts zu tun hat),viel zu viel ist. Ich glaube, es kann nichts schlimmes passieren. Na,ja ich hoffe es zumindest.
LG
isabel

PS:
ich werde auch ein ganz kleines Minijob ab nächste Woche anfangen (worauf ich mich sehr freue), aber es werden 2drittel auf meine Grundsicherung angerechnet und nicht mehr - dem Gesetz nach. Also, eine ubezahlte Praktikum kann keine Auswirkung auf Grundsicherung haben, aber, selbstverständlich, auf die Gesundheit. Bitte, sehr darauf anpassen.

Leider, kann ich die richtigen Seiten nicht finden, aber im Forum war das auch ein Thema (wann?, weiss ich nicht so genau).
Es geht darum, dass man bei ER mit Grundsich. pro Jahr einen bestimmten Beitrag verdienen darf. Nach genauer Betrachtung ist das nicht mehr, als bis jetzt: 450,00 plus zwei mal noch was dazu - aber niemand fragt, wieviel Stunden pro Tag man arbeitet.
Ich persönlich arbeite lieber 8ST und dann schlafe ich z.B. 2 Tage: das erspart mir die Fahrkosten und Fahrzeiten für jeden Tag 3 Stunden. Je nach dem, wo mann die Arbeit bekommt (wenn überhaupt), kann sich die Arbeitszeit zusammen mit Fahrzeit bis beispielweise 5 oder 6 Stunden hinziehen. Das würde ich nicht in Kauf nehmen.
Ich hoffe, ich finde die entsprechende Artikel oder das Thema im Forum - dann stelle ich das auch ein. Aber nicht heute: bin zu erschöpft und voller Gedanken über den Arbeitsvertrag und weitere Vorgehensweise in nächster Woche.
LG
isabel
 
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AW: SGB XII und Praktikum in regulärer Firma

Hi Isabel,

Dein Minijob - bleibst Du da bei einer Arbeitszeit von unter 3 h täglich? Falls nicht, wird Dich meiner Meinung nach das Sozialamt ans Jobcenter abgeben wollen. Und das gilt meiner Meinung auch dann, wenn Du z.B. innerhalb von 7 Kalendertagen an 1 Tag 8 h arbeitest.

Dies meine ich dem Beschluss des Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags hinsichtlich der folgenden Petition entnehmen zu können:

https://www.openpetition.de/petition/online/sozialrecht-flexiblere-gestaltung-der-arbeitszeit-fuer-empfaenger-von-leistungen-nach-dem-sgb-xii?rt=petition/online/sozialrecht-flexiblere-gestaltung-der-arbeitszeit-fuer-empfaenger-von-leistungen-nach-dem-sgb-xii
 

isabel

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AW: SGB XII und Praktikum in regulärer Firma

Arbeit mit 3 ST täglich finde ich nicht. Aber, irgendwie, bin ich überzeugt, dass die Stundenzahl am Tag nicht so grosse Rolle spielt, solange man nicht mehr, als vorgegeben, verdient.
LG
isabel
 
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AW: SGB XII und Praktikum in regulärer Firma

Arbeit mit 3 ST täglich finde ich nicht.
Ich auch nicht. Ich bin ja Bezieher einer Rente wegen voller Erwerbsminderung.

Aber, irgendwie, bin ich überzeugt, dass die Stundenzahl am Tag nicht so grosse Rolle spielt, solange man nicht mehr, als vorgegeben, verdient.
Wenn Dich das Sozialamt nicht mehr voll erwerbsgemindert sieht im Sinne von § 43 Abs. 2 Satz 2 SGB VI:

Voll erwerbsgemindert sind Versicherte, die wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande sind, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein.
, dann wird das Sozialamt davon ausgehen, dass Du erwerbsfähig bist im Sinne des § 7 Abs. 1 Nr. 2 SGB II in Verbindung mit § 8 SGB II. Der § 8 SGB II sagt:

§ 8 Erwerbsfähigkeit

(1) Erwerbsfähig ist, wer nicht wegen Krankheit oder Behinderung auf absehbare Zeit außerstande ist, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein ...
Ich will Dir auf keinen Fall Deinen zukünftigen Minijob in irgendeiner Weise schlecht reden. Ich glaube, er hat für Dich auch eine große Bedeutung dahingehend, dass er Dein Wohlbefinden verbessern und zu Deiner Gesundung beitragen würde.

Nur solltest Du Dich auf einen Wechsel vom Sozialamt zum Jobcenter vorbereiten, der mit einer Menge an Papierkram verbunden ist. Dieser Wechsel wird aber nicht von heute auf Morgen stattfinden.

Dem Jobcenter müsstest Du dann Deine Leistungseinschränkungen mitteilen, damit das Jobcenter Dich nicht in (weitere) x-beliebige Jobs zu vermitteln versucht.

Teile Deine Leistungseinschränkungen und Diagnosen aber nicht direkt dem Arbeitsvermittler, sondern dem Ärztlichen Dienst der Agentur für Arbeit mit, der Deine Leistungseinschränkungen in Form eines Gutachtens festhalten würde, wobei dieses Gutachten dann auch bindend wäre für Deinen Arbeitsvermittler.

LG

schlaraffenland
 

isabel

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AW: SGB XII und Praktikum in regulärer Firma

Ich habe sehr kleine Erwerbsminderungsrente wegen voller Erwerbstminderung, also bis zu Altersrente, durch Gutachten von Rentenversicherung festgestellt.
Grundsicherungsamt hat damit gar nichts zu tun - da bekomme ich lediglich den fehlenden Beitrag von Rente bis angemessenen, bescheidenen Lebensunterhalt.
Die würden sich nicht interressieren, wieviel Stunden ich pro Tag arbeite. Früher war das gantz anders mit Rentenvers., aber das hat sich auch irgendwann letztes Jahr erledigt.
Ich habe momentan wirklich nicht die Kraft, überall zu suchen - nächste Tage.
LG
isabel
 
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Die würden sich nicht interressieren, wieviel Stunden ich pro Tag arbeite.
Aber die DRV interessiert das sicher! Und gerade die Stundenanzahl am Tag ist entscheidend! Du bekommst deine volle EM-Rente nur weil du keine 3 Stunden am Tag mehr arbeiten kannst!

Nun willst du 8 Stunden am Tag arbeiten...

Auch unbefristete EM-Renten können jederzeit entzogen werden sollte die DRV eine Besserung feststellen das steht in jedem Bescheid und natürlich musst du jedwede Aufnahme einer Beschäftigung der DRV mitteilen.

Jeder auch noch so kleine Verdienst kann zum Wegfall der Erwerbsminderungsrente führen sollte dieser mit einem erhöhten Stundenaufwand ab 3 Stunden/Tag erzielt werden.


liesa
 
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Fairina

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Isabel,
ich verstehe dich nur zu gut. Aber du musst weniger als 3 Stunden täglich arbeitsfähig sein und schau dir diesbezüglich deinen Rentenbescheid an. Ich bin selbst voll erwerbsgemindert bis zur Altersrente geschrieben und würde gerne was machen. Aber wer A sagt, muss eben auch B sagen. Also pass auf was du tust.
 
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