Ich wurde in einem Vorstellungsgespraech nicht nach gesundheitlichen Einschraenkungen gefragt und habe einen Vertrag erhalten. Soll ich der Personalabteilung trotzdem einen Bescheid ueber meine Behinderung zukommen lassen?

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MrAnthony

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Hallo zusammen,

nach laengerer Suche nach einem Arbeitsplatz habe ich heute einen Vertragsentwurf fuer ein Projekt als Datenbankentwickler bekommen.
Im Gespraeche wurde nichts hinsichtlich gesundheitlicher Einschraenkungen gefragt oder angesprochen.
Meine Behinderung hat meiner Einschaetzung nach auch wenig bis keinen Einfluss auf die Taetigkeit, so wie sie mir dargestellt wurde.

Nun koennte aber "peripher" ja mal ein Thema kommen wie "wir müssen heute mal zum Kunden".
An dieser Stelle wäre ich auf Grund meiner Behinderung ( Grad 30, Gleichgestellt) auf oeffentliche Verkehrsmittel angewiesen, da ich keinen PKW fahren kann. Die Oeffentlichen Verkehrsmittel sind im Zweifel aber dann so, dass ich deutlich unflexibler bin und ggf. eine Vorabendanreise etc. benötige oder eben auch einfach gefragt wird, warum ich nicht mit dem Auto fahre, das geht ja viel schneller.

Was wäre denn hier das sinnvollste (und auch fairste) Verhalten für beide Seiten? Bei der Ruecksendung des Vertrages einfach die Information ueber den GdB und die Gleichstellung mit an die Personalabteilung senden?

VG
Anthony
 

HermineL

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Es kommt darauf an ob du den Job wirklich haben willst oder nicht. Denn es könnte sein das der AG es sich anders überlegt wenn er Kenntnis davon hat. Verpflichtet ihm das mitzuteilen bist du jedenfalls nicht.
 

abcabc

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An dieser Stelle wäre ich auf Grund meiner Behinderung ( Grad 30, Gleichgestellt) auf oeffentliche Verkehrsmittel angewiesen, da ich keinen PKW fahren kann.
1. Hast du in den Bewerbungsunterlagen den Besitz eines Führerscheins oder PKWs angegeben oder wurdest du nach einem Führerschein gefragt?
2. War in der Stellenausschreibung angegeben, dass ein Führerschein wünschenswert/zwingend erforderlich/.... ist?
Falls die Antwort 2x Nein lautet, ist das vollkommen egal und du machst dir grundlos Gedanken darüber...
 

Ruhrpottmensch

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Nun... Gleichstellung bedeutet ja aber auch, dass man selbst (aber auch der -zukünftige- AG ) durchaus von den "Vorteilen" profitieren könnte.
Wenn Du den Eindruck hast, dass man mit dem potenziellen AG vernünftig reden kann... Warum sollte man darauf verzichten?
 

Liane17

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Es gibt auch Arbeitgeber, die Vorurteile haben wie "dann ist der immer krank geschrieben" und deshalb ihre Zusage zurück ziehen, wenn sie von einer Behinderung erfahren.
Deshalb solltest du das nur angeben, wenn es für dich ok ist, wenn er dann nicht mehr will.
Sonst sagst du halt du hast nie Führerschein gemacht oder einfach kein Auto. Das ist bei vielen so, auch ohne Behinderung. Wenn du dann mal im Job irgendwo hin musst kannst du immer noch sagen, dass du mit den Öffis fahren musst. Dann wird sich schon eine Lösung finden oder sie kündigen dir und du kannst dann noch etwas Geld bekommen für die Monate, die du da gearbeitet hast.
 

Ruhrpottmensch

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@HermineL
Klar... In die Köpfe kann man (leider) nie schauen...

Aber ich werfe mal etwas "Spekulatius" in die Runde (@MrAnthony - Verzeih mir bitte wenn ich gänzlich daneben liege!):
"Datenbankentwicklung", also durchaus ein "nerdiger" Beruf, der GdB vielleicht ja aufgrund einer psychischen Erkrankung, was aber nicht heißt, dass man deswegen keine besonderen Stärken hat (Vielleicht ja sogar gerade deswegen). Das könnte man einem AG natürlich auch durchaus "positiv" verkaufen... ;)

Es gibt auch Arbeitgeber, die Vorurteile haben wie "dann ist der immer krank geschrieben" und deshalb ihre Zusage zurück ziehen, wenn sie von einer Behinderung erfahren.
Deshalb solltest du das nur angeben, wenn es für dich ok ist, wenn er dann nicht mehr will.
Sonst sagst du halt du hast nie Führerschein gemacht oder einfach kein Auto. Das ist bei vielen so, auch ohne Behinderung. Wenn du dann mal im Job irgendwo hin musst kannst du immer noch sagen, dass du mit den Öffis fahren musst. Dann wird sich schon eine Lösung finden
Zuerst einmal gibt es ja so etwas wie "Probezeit"... Und dann sollte man seine Ohren eh "spitzen", wenn man (vielleicht ganz offensichtlich) Kenntnis von solchen "Vorurteilen" hat. Das mit dem "Sag einfach.." ist auch so eine Sache... Warum nicht "offen" damit umgehen?!
"Hey Leute... Ihr seid echt super als potentieller AG , ich kann aber leider wegen meiner "Behinderung" nicht Auto fahren und bin dementsprechend eventuell nicht wie gewünscht flexibel. Wir finden da aber sicherlich gemeinsam eine Lösung."
Ggf. könnte man den zukünftigen AG ja sogar auf gewisse "Förderungsmöglichkeiten (auch der BA ) hinweisen... Wobei ich glaube, dass eine "fähige" Personalabteilung da schon durchaus Bescheid weiß...
oder sie kündigen dir und du kannst dann noch etwas Geld bekommen für die Monate, die du da gearbeitet hast.
Was ja im Grunde gerade für die "Offenlegung" der Gleichstellung sprechen würde... ;)
 

HermineL

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Nun wir können hier jetzt noch ellenlang weiter darüber philosophieren was das Beste wäre das ändert aber nichts daran das keiner von uns weiß wie der AG tickt und reagiert. Die Entscheidung ob der TE angibt einen GDB zu haben oder nicht kann ihm keiner abnehmen. Fakt ist nur das er dazu nicht verpflichtet ist.
 

MrAnthony

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Ich entnehme euren Antworten, dass es letztlich eine Abwaegung von Vor- und Nachteilen ist.
Daher stellt sich mir an diesem Punkt die Frage, ob ich von der Bekanntgabe denn ueberhaupt irgendwelche Vorteile haben koennte?

Zum Thema "ich besitze keinen PKW" etc:
Ich denke da eher auch an so einen Fall, wo wegen schlechter Anbindung der Arbeitgeber vorgibt, dass mit einem Mietwagen gefahren werden soll.
 
E

ExUser 43005

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Solange es keine direkte Auswirkung auf die zu verrichtende Arbeit hat und dort evtl zu Unfällen kommt, muss der AG davon auch nichts wissen.
 

abcabc

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Zum Thema "ich besitze keinen PKW" etc:
Ich denke da eher auch an so einen Fall, wo wegen schlechter Anbindung der Arbeitgeber vorgibt, dass mit einem Mietwagen gefahren werden soll.
Hast du irgendwann behauptet oder angegeben, dass du einen Führerschein besitzt, aber verschwiegen, dass du nicht fahren darfst????
 

bondul

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Nun koennte aber "peripher" ja mal ein Thema kommen wie "wir müssen heute mal zum Kunden".
Bis zu diesem "könnte" würde ich einfach erst mal arbeiten, wenn AG zufrieden mit dir ist, werden weder GdB 30 noch fehlende Fahrerlaubnis ein Problem darstellen, das sich nicht lösen ließe. Man kann immer über alles reden, muss dies aber nicht sofort tun - wenn nicht für die Tätigkeit relevant.
 

saurbier

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Sorry, dass ich das hier ein bisschen anders sehe.

Was bitte bringt Mr.Anthony denn seine GdB30 mit Gleichstellung, wenn er seinem Arbeitgeber nicht darüber informiert - doch nichts -.


Und ja es ist immer ein 50/50 Risiko, dass der zukünftige Arbeitgeber da gleich absagt.

Nur wer hier jetzt von GdB30 und Gleichstellung redet/schreibt, der dürfte für sich doch offensichtlich diese Rechte in Anspruch nehmen wollen, oder. Wenn er dann seinen zukünftigen Arbeitgeber darüber nicht informiert hat jedoch nicht davon, da er sie schlicht verliert.

Ob es nun ein Problem ist, ob man nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist oder mit PKW steht auf einem ganz anderen Blatt, denn wenn dem Arbeitgeber daran gelegen wäre, hätte er das ja bereits im Bewerbungsverfahren vortragen können.
 

Lucky Luke

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...Daher stellt sich mir an diesem Punkt die Frage, ob ich von der Bekanntgabe denn ueberhaupt irgendwelche Vorteile haben koennte....
Na ja, bei einem GDB von 30 und einer sog. "Gleichstellung" sind der Vorteile hiervon überschaubar... primär gibt's dafür meines Wissens eigentlich nur den "höheren" Kündigungsschutz (also dass im Falle einer Kündigung durch den AG noch der Integrationsfachdienst mit ins Boot geholt werden muss). Wobei man oftmals diese "Hilfe " dann auch in der Pfeife rauchen kann.

Die fünf Tage Mehrurlaub gibt es ja erst ab einem GDB von 50.

@MrAnthony - weshalb hattest DU denn eigentlich diese Gleichstellung beantragt?! Weil wirklich etwas bringen tut sie - wenn überhaupt - nur was bei einem bestehenden Arbeitsverhältnis und dann auch nur (siehe oben) in Sachen Kündigungsschutz.
 

atasteofbunny

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Gehören denn regelmäßige Kundenbesuche zu deinen Aufgaben? Oder wird das eher die Ausnahme sein?

Ansonsten müsstest du mit GdB 30 einen höheren Steuerfreibetrag haben.
 
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