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Ich war ein solcher Jobber...

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Gast
  Th.Starter/in  
#1
Ein-Euro-Jobs sollten nicht die erste "Leistung der Eingliederung in Arbeit", sondern das letzte Mittel sein.

Im § 2 Abs. 1 Satz 3 des SGB II heißt es:

"Wenn eine Erwerbstätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in absehbarer Zeit nicht möglich ist, hat der erwerbsfähige Hilfebedürftige eine ihm angebotene Arbeitsgelegenheit zu übernehmen."

Irgendwo im Internet habe ich nachgelesen, dass die Arbeitsgemeinschaft eine Prognose anstellen muß, ob ich als Langzeitarbeitsloser in absehbarer Zeit eine Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt finden könnte. Es sei von einer „absehbaren Zeit“ von 6 Monaten auszugehen. Diese „absehbare Zeit“ wurde bei meinem Einzelfall mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht angesetzt. Denn ich mußte bereits im April 2005 meinen ersten Ein-Euro-Job antreten. Dieser scheiterte im Übrigen an der gesetzeswidrigen Mehraufwandsentschädigung für die Nachtbereitschaft in „Höhe“ von sage und schreibe 0,25 Euro pro Stunde.

Nun sollte es sich ja so verhalten, dass eine Arbeitsgelegenheit erforderlich sein muß und sie hätte das Ziel mich wieder in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern. Sie müsse im öffentlichen Interesse liegen und zusätzlich sein. Das alles mag sich in der Theorie als „einleuchtend“ anhören. Doch in der Praxis sieht das völlig anders aus.

Im Juni trat ich meinen zweiten Ein-Euro-Job an – und dies sogar auf freiwilliger Basis. Vielleicht hätte ich aber das „letzte Mittel“ nicht dem „ersten Mittel“ vorziehen sollen? Ist es denn nicht meine oberste „Arbeitslosenpflicht“ mir sofort wieder einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt zu beschaffen? Aber die Arbeitsgemeinschaft nimmt es mit der Reihenfolge ja auch nicht so genau, ob zuerst, zuletzt oder doch umgekehrt? Auf jeden Fall läuft dieser Tage mein zweiter Ein-Euro-Job ganz regulär und gesetzeskonform aus.

Das Klassenziel, mich wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, wird dieser Ein-Euro-Job nicht erreichen. Aber eines möchte ich kurz einflechten: Dieser „Clement-Job“ spricht bzw. sprach mich vom Parasiten- und Schmarotzertum frei, zumindest für den Zeitraum von sechs Monaten. Der nächste Punkt: Das öffentliche Interesse. Das war sicherlich irgendwo vorhanden – nur wo? Die Zusätzlichkeit bringt mich da auch ein wenig ins Straucheln. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter mussten den Ein-Euro-Jobbern reihum den Weg frei machen. Warum bloß?

Da stellt sich mir die Frage, ob der Ein-Euro-Job für die „Wiedereingliederung“ in die Gesellschaft für mich überhaupt erforderlich ist bzw. war?

Ich dachte immer, dass das Angebot eines solchen miesen Jobs nur dann zulässig ist, wenn mir der „Clement-Job“ bei der Eingliederung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt konkret weiterhilft.

Frage ich hierzu das Gesetz um Rat:

"Leistungen zur Eingliederung in Arbeit (also auch die Ein-Euro-Jobs) können erbracht werden, soweit sie zur Vermeidung oder Beseitigung, Verkürzung oder Verminderung der Hilfebedürftigkeit für die Eingliederung erforderlich sind." (§ 3 Abs. 1 Satz 1 SGB II)

Demnach soll bei mir die Hilfebedürftigkeit durch die Ausübung einer Arbeitsgelegenheit irgendwie verändert worden sein? Im Einzelnen: Der Ein-Euro-Job soll die Bedürftigkeit vermeiden. Das hat er aber nicht. Der Ein-Euro-Job soll die Bedürftigkeit beseitigen. Aha! Der Ein-Euro-Job soll die Bedürftigkeit verkürzen. Die Bedürftigkeit wurde um ein halbes Jahr verlängert. Der Ein-Euro-Job soll die Bedürftigkeit vermindern. Trugschluß.

Ein-Euro-Jobs setzen also ein Mindestmaß an Eignung für eine bessere Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt voraus, um erforderlich zu sein.

Betrachten wir noch einmal das Gesetz:

"Bei den Leistungen zur Eingliederung in Arbeit sind 1. die Eignung, 2. die individuelle Lebenssituation, insbesondere die familiäre Situation, 3. die voraussichtliche Dauer der Hilfebedürftigkeit und 4. die Dauerhaftigkeit der Eingliederung der erwerbsfähigen Hilfebedürftigen zu berücksichtigen." (§ 3 Abs. 1 Satz 2 SGB II)

Mein Fallmanager hat mir den ersten Ein-Euro-Job zugewiesen, weil just zu diesem Zeitpunkt kein anderer für mich zur Verfügung stand. Eine Aussage, warum gerade ich für diesen Ein-Euro-Job geeignet bin, traf der Fallmanager auf Wischiwaschi-Basis. Ich nahm an, dass die Ausgestaltung des Zusatzjobs auf meine individuellen Erfordernisse abgestimmt wird. Eine dauerhafte Eingliederung sei durch keinen Ein-Euro-Job garantiert, führte der Fallmanager weiter aus.

Eines habe ich daraus gelernt, der „Anzug“ Ein-Euro-Job passt hinten und vorne nicht. Das nächste Mal gehe ich nicht zu meinem Fallmanager, sondern zum Schneider und ich lasse mir dort einen maßgeschneiderten Anzug anfertigen.

Maßnahmeträger und Politiker neigen dazu, die Ein-Euro-Jobs als Selbstzweck anzusehen. Aber Ein-Euro-Jobs sind nicht schon für sich selbst die Eingliederung in Arbeit, sie sind nur Mittel zum Zweck, das „letzte Mittel“ zur Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt – und nicht einmal diese Funktion kann dieses abenteuerliche Konstrukt "Zusatzjob" in ausreichendem Maße erfüllen.

Die Träger haben ein starkes Interesse, die „Clement-Jobs“ ohne Rücksicht auf die Eingliederungschancen der Arbeitslosen zu besetzen. Sie können damit die Lücken stopfen, die sinkende Zuschüsse und Personalabbau hinterlassen haben. Denn die Jobber sind für die Träger völlig kostenlos. Sie bekommen eine Pauschale, die sich zwischen 150 und 500 EUR bewegt.

Bei meinem jetzigen Träger sind die Interessen nicht anders gelagert. Denn der nächste Ein-Euro-Jobber steht schon Gewehr bei Fuß.

Ich war ein solcher Jobber…

Endlich wieder frei... :lol:
 

achim2

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#3
Vor allen Dingen ist der Ein-Euro-Job als nachrangige Leistung zu sehen, also erst, wenn andere Massnahmen wie Fortbildung, Weiterqualifizierung und ABM keine gewünschten Ergebnisse erzielt haben.

Statt dessen wird nicht weitergebildet oder umgeschult, sondern die Massnahme, die am Ende der möglichen Wiedereingliederungsleistungen, die der Arbeitsagentur als Förderungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen angewendet.

Und da viele das nicht wissen und Angst vor Kürzungen haben, was man ja verstehen kann, machen sie das mit.

Man wird bewußt dumm gehalten!!!

Der informierte und mündige Bürger existiert nur auf dem Papier, leider!!!
 

achim2

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#4
Catweazle sagte :
Eine Aussage, warum gerade ich für diesen Ein-Euro-Job geeignet bin, traf der Fallmanager auf Wischiwaschi-Basis.
Was ja nicht anders zu erwarten ist, bei diesem Wischiwaschi-Gesetz!!!
 
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#5
Ich wollte die Wahrheit dieser Ein-Euro-Jobs in jeder Faser meines Körpers verspüren. (Uuh - das ist ja richtig pervers!)

Dieser Selbstversuch ist mir in mancherlei Hinsicht gut gelungen. Mir macht niemand mehr etwas vor, denn ich weiß nun aus eigener Erfahrung, was ein derartig mieser Job bringt: Nichts!!!
 

listche

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#6
@Catweazle

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter mussten den Ein-Euro-Jobbern reihum den Weg frei machen. Warum bloß?

Na weil man für die kein Kopfgeld kassieren kann.
Da wäre übrigens genug Einsparpotenzial bei Hartz IV gegeben. Die Kopfprämien weg und gut iss.

Gruß Listche
 
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#7
listche sagte :
@Catweazle

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter mussten den Ein-Euro-Jobbern reihum den Weg frei machen. Warum bloß?

Na weil man für die kein Kopfgeld kassieren kann.
Da wäre übrigens genug Einsparpotenzial bei Hartz IV gegeben. Die Kopfprämien weg und gut iss.

Gruß Listche
Diese Fakten sind mir bekannt:

Die Träger haben ein starkes Interesse, die „Clement-Jobs“ ohne Rücksicht auf die Eingliederungschancen der Arbeitslosen zu besetzen. Sie können damit die Lücken stopfen, die sinkende Zuschüsse und Personalabbau hinterlassen haben. Denn die Jobber sind für die Träger völlig kostenlos. Sie bekommen eine Pauschale, die sich zwischen 150 und 500 EUR bewegt.
 

listche

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#8
Und im neuen Jahr soll ja die Pauschale nach oben offen sein. Da werden noch mehr unsinnige EEJ blühen und noch mehr Beitäge aus der Arbeitslosenversicherung und aus Steuergeldern den Bach runtergehen. Und selbst die Gewerkschaften, die sich eigentlich gegen EEJ stellen müßten, halten auch eifrig die Hand auf.

Gruß Listche
 
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