Ich soll über eine Maßnahme (Coaching) einen Schwerbehindertenausweis beantragen, führt das zwangsläufig in eine Werkstatt für behinderte Menschen?

balda

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Guten Tag!
Ein Schwerbehindertenausweis ist allgemein freiwillig zu beantragen. Was aber wenn das Jobcenter nun mich mit diesen Ausweis bzw. Grad der Behinderung in eine Werkstatt für Behinderte unter Zwang stecken möchte?
 

Kerstin_K

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Für einen Antrag auf Schwerbehinderung braucht man ganz sicher keine Massnahme.

Und auch mit Schwerhindertenausweis kann man ganz normal auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten.
 

balda

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In einer Einzelcoachingmaßnahme AVGS wurde ich gedrängt zum Versorgungsamt zu gehen und endlich einen Ausweis zu beantragen. Der Coach meinte, ein Schwerbehindertenausweis sei längst fällig gewesen. Ich wollte eigentlich nicht wirklich einen.
Die Bearbeitung dauert an und ich warte auf eine Nachricht des Versorgungsamtes.
 

balda

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Ich sehe keinen Sinn darin und aufwendig war es auch, vielleicht werde ich gesünder nach Willkür begutachtet als ich es wirklich bin oder von Arbeitgebern werde ich wie ein rotes Tuch gesehen (der ist behindert, wird erst gar nicht eingestellt) oder ich muss per Zwang in eine WfbM (Behindertenwerkstatt).
 

abcabc

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Schade, dass du dich jetzt erst hier meldest. Den AVGS (sofern damit der Gutschein gemeint ist) hättest du niremals einlösen müssen. Das wäre zu 100% freiwillig gewesen.
Und so lange du nichts schriftlich mit RFB hast, hättest du das Gelaber vom Coach auch ignorieren können und den Ausweis nicht beantragen müssen.

Jetzt kannst du nur noch eine Sache machen: Dem Coach und JC NICHT verraten, wenn der Ausweis kommt. Selbst wenn der angekommen ist, behauptest du weiter, dass du noch nix gehört hast, falls man nachfragt....
 

Fox29

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Zwischen einem Schwerbehindertenstatus und einer WfbM besteht kein direkter Zusammenhang. Zum einen kann man ohne SB-Ausweis in die Werkstatt zum anderen ist eine Teilnahme an der Werkstatt eine Maßnahme der beruflichen Reha und damit völlig freiwillig. Bevor das Thema Werkstatt überhaupt aufkommt würde eh mindestens eine Belastungserprobung und ein entsprechendes ärztliches Gutachten eingeleitet. So schnell kommt man da nicht rein
 

hansklein

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Ein Schwerbehindertenausweis verhindert zumindest, meiner Erfahrung nach, das dich Zaf einstellen, wenn das im Bewerbungsgespräch angegeben wird. Ansonsten muss ich das eh keinem AG mitteilen, ausser meine Behinderung wirkt sich negativ für den Beruf aus. Auch ohne Schwerbehindertenausweis, muss ich vorhandene Einschränkungen angeben, die mich bei einer konkreten Arbeitsstelle, beeinträchtigen würden.

Ich sehe da keine Nachteile durch so ein Ding.
 

Birt1959

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Guten Tag!
Ein Schwerbehindertenausweis ist allgemein freiwillig zu beantragen. Was aber wenn das Jobcenter nun mich mit diesen Ausweis bzw. Grad der Behinderung in eine Werkstatt für Behinderte unter Zwang stecken möchte?

Wenn Du mal auf diesen Seiten eines Anwalts für Sozialrecht oder auf den Seiten eines Sozialverbandes stöberst, wirst Du feststellen, dass es keine direkte Verbindung zwischen der Eigenschaft als Schwerbehinderte*r bzw. denen gleichgestellten und der Arbeit in der Werkstatt gibt. In meinem Bundesland nehmen die Werkstätten ohnehin nur Menschen, die sich dort bewerben, auf fachärztliche Empfehlung und nicht auf Wunsch des Jobcenters auf. Die haben ein ganz normales Bewerbungsverfahren wie jedes andere Unternehmen und wählen deswegen auch keine halbherzigen Bewerber*innen aus.

Abgesehen davon muss dem Antrag erst einmal stattgegeben werden - und häufig geschieht das ohnehin erst nach einer Begutachtung durch das Versorgungsamt. Bis dahin musst Du Dir deswegen eigentlich keine Gedanken machen. Außerdem kann jeder Antrag auch zurückgezogen werden.

Ich vermute, dass die meisten Schwerbehinderten ganz normale Arbeitsplätze haben und eine Erleichterung bei der Jobsuche ist eigentlich nur im öffentlichen Dienst zu finden,

Deswegen würde ich mich eher fragen, warum ich keinen Schwerbehindertenausweis will. Als ich meinen aus ziemlich freien Stücken nach langer Krankheit beantragte, stellte ich für mich fest, dass ich vorher Schwierigkeiten damit hatte, mir einzugestehen, den zu brauchen. Und das, obwohl mein Vater schwerbehindert war, aber ganz normal als in seinem Beruf erfolgreicher Beamter arbeitete.

Für einen Antrag auf Schwerbehinderung braucht man ganz sicher keine Massnahme.

Und auch mit Schwerhindertenausweis kann man ganz normal auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten.

Da hast Du vollkommen recht - die meisten gehen zur Kommune, holen sich die Antragsformulare oder laden sich die auf den Seiten des Versorgungsamtes herunter, füllen sie aus und schicken sie dem Versorgungsamt. Die meisten Behinderten, die ich kenne, arbeiten so wie ich im ganz normalen Arbeitsmarkt - egal ob ÖD oder in der freien Wirtschaft. Entscheidend sind der konkret ausgeübte Job und das berufliche Profil des*der Arbeitnehmer*in. Oder aber der behinderungsgerechte Arbeitsplatz und den fördern entweder DRV oder das Integrationsamt.

Der Coach meinte, ein Schwerbehindertenausweis sei längst fällig gewesen.

Ein Coach und ein*e SB*in darf viel meinen, wenn der Tag lang ist. Solange er*sie nicht mit einschlägigen Paragrafen begründen kann, warum irgendein Antrag gestellt werden soll, nähme ich die Meinung als Vorschlag zur Kenntnis. Einen Vorschlag kann ich gut oder schlecht finden und ihn dementsprechend berücksichtigen.

Ich wollte eigentlich nicht wirklich einen.
Die Bearbeitung dauert an und ich warte auf eine Nachricht des Versorgungsamtes.
Überlege es Dir, warum Du keinen Antrag stellen wolltest und wenn Dir klar ist, warum und Dir das völlig unabhängig von irgendwelchen Maßnahmen immer noch so geht, kannst Du den auch wieder zurückziehen. Solltest Du unter Betreuung stehen, kläre das mal mit dem*der Betreuer*in ab. Der*die kennt Dich meist besser als irgendein*e Coach*in.

Dass die Bearbeitung des Antrags dauert, ist eigentlich relativ normal. Und jetzt in Corona-Zeiten sind ohnehin viele Behörden im Home-Office, was die Antragsbearbeitung unter Umständen herauszögert, weil einiges umständlicher geworden ist.

Ich sehe keinen Sinn darin und aufwendig war es auch, vielleicht werde ich gesünder nach Willkür begutachtet als ich es wirklich bin oder von Arbeitgebern werde ich wie ein rotes Tuch gesehen (der ist behindert, wird erst gar nicht eingestellt) oder ich muss per Zwang in eine WfbM (Behindertenwerkstatt).

Warum solltest Du als Schwerbehinderte*r ein rotes Tuch für einen Arbeitgeber sein? Die meisten Absagen beruhen auf Fragen der Qualifikation oder darauf, ob ein*e Bewerber*in ins vorhandene Team passt, selten aber auf der Tatsache, dass jemand behindert ist. Die einzige Ausnahme besteht darin, dass die Behinderung die Ausübung des konkreten Jobs beeinträchtigen könnte und nur dann musst Du zur Behinderung Auskunft geben. Das gilt aber auch bei einer chronischen Erkrankung. Genaueres dazu findest Du entweder in den einschlägigen Ratgebern zum Thema Bewerbung oder aber auf diversen Seiten zum Thema Arbeitsrecht.

Jetzt kannst du nur noch eine Sache machen: Dem Coach und JC NICHT verraten, wenn der Ausweis kommt. Selbst wenn der angekommen ist, behauptest du weiter, dass du noch nix gehört hast, falls man nachfragt....

Sorry, aber das ist leider Blödsinn. Kein Mensch muss die Eigenschaft als Schwerbehinderte*r bei der Bewerbung offenlegen. Insofern ist es völlig wurscht, ob dieser Coach oder AfA und JC das wissen oder nicht.

Allerdings: die Agentur für Arbeit und auch der JC hat im Bereich Arbeitsvermittlung eine eigene Abteilung für Schwerbehinderte, die weniger Kund*innen hat und von daher manchmal effektiver vermittelt. Wobei ich sagen muss, dass ich mir nahezu alle Jobs selbst suchte. Einen einzigen bekam ich durch das JC und da auch nur, weil diese Vermittlungsabteilung noch weitere Fördermittel zur Verfügung hatte mit denen sie "winken" und die Zwangsbewerbung fördern konnte. Bis auf das Gehalt war der Job klasse.

Zwischen einem Schwerbehindertenstatus und einer WfbM besteht kein direkter Zusammenhang. Zum einen kann man ohne SB-Ausweis in die Werkstatt zum anderen ist eine Teilnahme an der Werkstatt eine Maßnahme der beruflichen Reha und damit völlig freiwillig. Bevor das Thema Werkstatt überhaupt aufkommt würde eh mindestens eine Belastungserprobung und ein entsprechendes ärztliches Gutachten eingeleitet. So schnell kommt man da nicht rein

Stimmt.

Ein Schwerbehindertenausweis verhindert zumindest, meiner Erfahrung nach, das dich Zaf einstellen, wenn das im Bewerbungsgespräch angegeben wird. Ansonsten muss ich das eh keinem AG mitteilen, ausser meine Behinderung wirkt sich negativ für den Beruf aus. Auch ohne Schwerbehindertenausweis, muss ich vorhandene Einschränkungen angeben, die mich bei einer konkreten Arbeitsstelle, beeinträchtigen würden.

Die Abneigung der ZAFs Behinderte einzustellen, hat einen enormen Vorteil, wenn mann*frau sich die Jobbörse der Arbeitsagentur anschaut. Es gibt den "Kund*innen" die innerliche Freiheit, eine Zwangsbewerbung, etwas lockerer zu sehen als eine andere. Natürlich setze ich das Anschreiben und den Lebenslauf so auf, dass mir kein Bewerbungstraining droht. Aber der versteckte Hinweis auf die Schwerbehinderung wirkt Wunder. Allerdings sollte ich mich vorher schlaumachen, ob die ZAF nicht gerade im Bereich der Beschäftigung Schwerbehinderter unterwegs ist. Solche ZAFs gibt es und die freuen sich dann über den Hinweis.

Ich sehe da keine Nachteile durch so ein Ding.

Eben, denn es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, sich als Schwerbehinderte*r zu outen. Allerdings verzichte ich dann auf die Rechte, die dieser Personenkreis im Arbeitsrecht hat.
 

Bonze

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Hast Du dich schon mal über die Vorteile schlau gemacht?

Erhöhter Kündigungsschutz am Arbeitsplatz. Begleitende Hilfe im Arbeitsleben. Freistellung von Mehrarbeit. Eventuell frühzeitiger Übertritt in die Rente. usw.
 
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