Ich soll lieber Zuhause bleiben...

Daniel81

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Hallo,

ich bin in seit einiger Zeit mehr als unzufrieden wie mein berufliches Leben sich entwickelt hat bzw. ist es völlig zum Erliegen gekommen und daran wird sich wohl auch erstmal nichts ändern. Ich versuche schon seit einigen Jahren mich dort raus zu wühlen und habe dabei viel Geld (was ich eigentlich nicht habe) zum Fenster rausgeworfen, Unterstützung habe ich von Ämter Seite nie erhalten. Allerdings war ich jetzt echt erschrocken was mir beim Job Center alles erzählt wurde.

Zum Sachverhalt:

32 Jahre alt, Ausbildung als Maler und Lackierer (2003) mit anschließender Berufserfahrung 3 Jahre. Danach den Beruf nicht mehr ausgeführt. Anschließend mehrere Jahre im Fachhandel als Verkäufer, später als Sachbearbeiter im Dienstleistungsbereich.

Bis 2007 war alles in Ordnung. Dann wurde meiner Sohn geboren mit einer geistigen Behinderung. Anerkannt von allen Seiten, Integrationsstatus vom Land Berlin erhalten, Logopädie, Ergotherapie, SPZ, Psychologen, Psychiater, Kitauntauglich das volle Programm. Die Betreuung und Pflege übernahm in den ersten Jahren ich, da meine Frau zu der Zeit eine Ausbildung bei der Deutschen Post machte und diese nicht abbrechen sollte.

Meine Frau machte anschließend nochmal eine Ausbildung/Weiterbildung zur Pflegekraft und arbeitet seitdem unbefristet bei der Volkssolidarität und das wohl bis zum 67 Lebensjahr. Was natürlich gut ist.

2011 bis 2014 absolvierte ich ein Studium (Uni Hagen) was ich aber aufgrund der Pflege und Betreuung nicht unter ein Hut bekam, Leistungsscheine bis zum 5 Semester nicht geschafft, Bafög weg, Studium abgebrochen.

Nun musste ich mich zum Mai 2014 beim Job Center arbeitssuchend melden. Mein Kind besucht nach reichlich Theater und Androhung zum Verwaltungsgericht zu gehen, eine der "noch" vorhandenen Sozialpädagogischen Schulen in Berlin. Dies von 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr danach ist er wieder Zuhause. Ich muss ihn hin bringen und abholen, Schule ist weiter entfernt (Straßenbahn) da es die einzige ist.

Was tat man beim Gespräch beim Job Center:

- alles auf den neusten Stand gebracht (Daten)
- Bewerbungsunterlagen geprüft und als in Ordnung deklariert bzw.genaue Aussage "Hier besteht keine Handlung".
- Sämtliche Weiterbildungen begutachtet (Praktischer Betriebswirt, Fachkraft für Personalvermittlung und Beratung IHK, Personalmanagement, und noch einiges)
- Frage nach Betreuung des Kindes, Fahrzeiten etc.

Folgendes Gedächtnisprotokoll:

SB: Ihre Ausbildung können Sie vergessen!
Ich: Warum?
SB: Wer länger wie 4 Jahre (inzwischen wohl 2) Jahre aus seinem Beruf raus ist, gilt als faktisch ungelernt. Aber sie wollen ja sowieso nicht mehr zurück.
Ich: Ich habe Erfahrungen im Handel!?
SB: Im Handel? Ich bin für den Handel zuständig, aufgrund ihres Lebenslaufes sind Sie bei mir gelandet. Allerdings wird das heute unser erstes und letztes Gespräch sein, denn ich werde sie zu einer Kollegin weiterleiten weil ich für Sie hier nichts tun kann?
Ich: Wieso das denn?
SB: Wie soll ich Sie denn bitteschön im Handel unterbringen bei den Betreuungszeiten? Sie kennen doch bestimmt auch die Arbeitszeiten im Handelsbereich!
Ich: Teilzeit?
SB: Teilzeit? Auch da müssen Sie flexibel einsetzbar sein. Stellen von 9.00 Uhr bis 11.00 Uhr gibt es nicht.
Ich: Und was bitte macht die Kollegin denn bitte?
SB: Sie kümmert sich um Bürofachkräfte!
Ich: Ich bin keine Bürofachkraft.
SB: Sie sind doch Betriebswirt und haben als Sachbearbeiter gearbeitet, nur darin sehe ich eine Chance. Da gibt es zumindestens halbwegs feste Zeiten und auch Teilzeit Jobs.
Ich: Wie sieht es aus mit einer Weiterbildung/Fortbildung?
SB: Sie haben doch schon reichlich gemacht, was ich übrigens hier mal lobenswert erwähnen muss. Haben Sie das alles selber finanziert?
Ich: Ja insgesamt fast 4000 Euro. Deswegen würde ich mich auch mal freuen, wenn mir unter die Arme gegriffen wird, ich habe mir dir Situatuion nicht ausgesucht.
SB: Ich kann das gerne in unserer EVG erwähnen. Aber kommen Sie mir nicht mit einer Umschulung über 24 Monate das sage ich Ihnen gleich.
Ich: Ich würde alles machen auch Sicherheitsbereich oder sowas, sowas wird doch gesucht denke ich?
SB: Ja wird es auch aber nicht für Sie. Da müssen Sie im 3 Schichtsystem arbeiten das fällt alles weg bei Ihnen.
Ich: Komisch, meine Frau hat nach ihrer Ausbildung bei der Post auch hier gesessen. Genau 2 Monate danach hat Sie einen Bildungsgutschein bekommen und arbeitet jetzt im Altenpflegebereich?
SB: Ja das ist richtig. Aber die Konstellation war eine andere. Ihre Frau kann ja im 3 Schicht System arbeiten weil Sie aufs Kind aufpassen, da hat sich das ja auch gelohnt.
Ich: Achso ich würde mich auch gerne weiterentwickeln mein Kind hat Fortschritte gemacht, es wird die Zeit kommen da kann er alleine in die Schule gehen und ich habe mehr Zeit.
SB: Ja warten wir die Zeit ab!
Ich: Was soll ich Ihrer Meinung nach jetzt tun?
SB: Sie schauen nach Stundenjobs im Büro. Muttischichten oder so. Das wird zwar auch recht schwer aber mal schauen.
Ich: Haben Sie was passendes anzubieten?
SB: Nein!
SB: Sie können ja nur von 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr.
SB: Wir machen jetzt mal die EGV fertig.
Ich: Die muss ich mir allerdings erstmal in Ruhe durchlesen.
SB: Können Sie gerne tun.
Ich: Wann kann ich Kontakt zu meiner "neuen" zuständigen Arbeitsvermittlerin aufnehmen?
SB: Die wird sich mit Ihnen in Verbindung setzen.

Eingliederungsvereinbarung:

Hilfebedürftigkeit beenden (der Situation angepasst), Von 9 bis 13 Uhr vermittelbar insgesamt 20 Stunden/Woche. Bewerbungsnachweise 2 Stück/Monat. Weiterbildung prüfen.

Da ist jetzt ca 3 Monate her. Ich habe nie wieder Kontakt zu irgend jemand gehabt. Ich habe meine alte SB via E-Mail angeschrieben sie möge mir bitte die E-Mail Adresse meiner neuen SB zukommen lassen. Daraufhin erhielt ich eine Mail, dass Sie dies weiterleiten wird und meine neue SB sich bei mir melden würde. Nie was passiert. Abstellgleis. Ich schickte auch Bildungsangebote rüber, keine Antwort.

Habe nun nochmals Kontakt zu meiner alten SB aufgenommen und gefragt ob es möglich ist, die Technikerschule in Berlin zu besuchen, Kostenpunkt "Null" für das Job Center da staatlich. Die Zeit die ich fehlen würde in der Schule wegen dem Kind, könnte ich alleine nacharbeiten. Das konnte ich bereits mit der Schule klären. Soweit so gut.

Jetzt teilte mir die SB mit, dass Sie das nicht macht. Ich würde ja dem Arbeitsmarkt nicht zu Verfügung stehen?! Ich argumentierte, dass ich ja ohnehin nur ein paar feste Stunden zu Verfügung stehe und die Chance nicht sehr hoch ist etwas zu bekommen. Sie sieht das ja genauso. Also wieso denn nicht was sinnvolles machen? Vorallem mit Hinblick der auf die kommenden Jahre und die Gefahr nachher ohne was dazustehen. Zu dem Kostenfrei. ALG II zahlen Sie ja sowieso ob ich nun zuhause sitze oder eben nicht.

Ich fühle mich wie der letzte Penner. Abstellgleis ist noch Milde ausgedrückt. Am Telefon sagte man mir Rotzfrech: Bleiben Sie Zuhause und kümmern sie sich um ihr Kind und halten Sie ihrer Frau den Rücken frei?

Tut mir Leid das es so extrem lang geworden ist ich musste wahrscheinlich auch mal Frust ablassen. Meine Frau meinte jetzt zu mir: Warum besuchst du die Schule nicht heimlich? Ob du zuhause hockst oder da bist. Was könnte mir dort im schlimmsten Falle passieren wenn das rauskommt? Ist das Betrug oder so?

Sie bieten auch Teilzeit an, dass dürfte ich wohl auch ohne Zustimmungs des Job Centers machen, allerdings geht das nicht da die Unterrichtszeiten denn auf Abends gelegt werden und auch Samstags. Meine Frau arbeitet aber im 3 Schichsystem. Das geht leider auch nicht. Vielleicht kann mir jemand dazu was sagen?

gruß Daniel
 

Julchen68

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Bei solchen Gesprächsverläufen möchte man sich echt vor lachen am Boden wälzen wenn es nicht gar zu weh täte :icon_neutral:

Die versuchen ja nicht einmal mehr zu vertuschen, daß sie selbst es sind, die auf ganzer Linie versagen.
Wer sind denn hier die angeblichen Profis? Und wenn schon ein solcher Profi frank und frei seine Unfähigkeit als Schild vor sich herträgt und einem auf den Kopf zusagt, wie wenig da zu machen sei .... was soll man als ungelernt-gemachter Laie da mit Bewerbungen ausrichten.

Ich würde mir den Spaß machen und das Protokoll genauso am Nürnberg schicken.
Einfach aus Spaß, mich nach dem Ausbildungsstand dieser Mitarbeiter erkundigen und um die Zuweisung einer/s kompetenten SB bitten. Und zwar Kompetenz in Sachen Vermittlung unter Einbeziehung der individuellen Bedürfnisse anstelle von stupider Gleich- und Niedermachung.

Nürnberg schickt das dann schön an das zuständige JC weiter, aber direkt ganz nach oben, so das das dann durch alle "Instanzen" wieder nach unten durchsickert.
hat bei mir mal durchschlagenden Erfolg gezeitigt nachdem man sich in meinem Fall wochenlang um Zuständigkeiten gestritten hat.
 
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ExitUser

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Was soll man dazu groß sagen? Der SB hat Recht.

So geht es sehr vielen. Sei froh, dass du für viele Drecksjobs nicht in Frage kommst. Du kannst dich in aller Ruhe und ohne Druck nach einem passenden Teilzeitjob umschauen. Das würden sich viele wünschen.

Für die Technikerausbildung gibt es auch Fernstudien. Allerdings macht es nicht unbedingt Sinn, immer mehr Qualifikationen anzuhäufen. Du brauchst Praxis ...
 

Daniel81

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Für die Technikerausbildung gibt es auch Fernstudien. Allerdings macht es nicht unbedingt Sinn, immer mehr Qualifikationen anzuhäufen. Du brauchst Praxis ...
Fernstudien kosten eine Menge Geld. Das Job Center würde sich darüber tot lachen. Mit der Praxis gebe ich dir recht. Aber das wird ja bei den Zeiten noch schwerer.

Was soll man dazu groß sagen? Der SB hat Recht.
Ich kann den tieferen Sinn des SB schon nachvollziehen. Frau arbeitet im 3 Schichsystem in einem Pflegeberuf und das jetzt unbefristet. Das ist Gold! Das kann Sie alles nur, weil ich die Backen zusammenkneife und alles übernommen habe. Kein Problem. Das sagt sich das Job Center natürlich auch. Und vor vorgehaltenen Hand wollen Sie auch nicht, dass ich noch irgendwas "größeres" Anfange es könnte ja sein, dass es mir Spass macht und auch ich noch ins Berufsleben einsteigen will. Wenn das passieren würde, zerfällt das ganze Konstrukt. Das wollen Sie nicht. Also faktisch, tja einer hat die Arschkarte und verreckt.

Das heisst für mich aber nicht zeitgleich, dass ich Zuhause kaputt gehe. Nach Angaben des SB bin ich jetzt "ungelernt". Das wird sich also in den kommenden Jahren ohne neuen Abschluss nicht ändern.

Ich habe Ihr gesagt, dass der Zustand meines Kindes besser geworden ist und enorme Fortschritte zu erkennen sind. Ich rechne also fest mit einer weiteren Verbesserung und irgendwann geht er auch alleine in die Schule etc.

Und denn? Denn stehe ich nach weiteren 2-3 Jahren Nichts tun im Lebenslauf genau dort wo ich jetzt auch schon stehe. Nichts in der Hand. Praxis sammeln OK in Verbindung mit Theorie macht das Sinn.
 

Fraggle

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Schau doch mal in SGBIX ob es da nicht Möglichkeiten für eine Betreuung für deinen Sohn gibt.
So was würde unter Inclusion fallen.
 

Daniel81

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Hallo,

er gehört offiziell zum Personenkreis nach SGB IV Abs.2 das wurde vom Bezirksamt festgelegt. Inklusion das Wort kann ich schon nicht mehr hören.

Sie wollten das Kind im Zuge der Inklusion in eine ganze normale Grundschule stecken. Es wird hier sicherlich eine Menge Befürworter geben, was diese Inklusionsgeschichte angeht, ich bin ein Gegner!

Die Theorie hat man sich gut ausgedacht aber unten an der Basis wo die Umsetzung erfolgt herrscht grenzenloses Chaos. Die Grundschule war nach vielen Gesprächen mit mir und Vorlage der Gutachten über den Gesundheitsstatus völlig überfordert und hat das auch offen kommuniziert. Der Klassenverbund besteht aus 27 Schülern. Aufgrund der Inklusion bestehen diese nun auch aus Gehörlosen, Blinden, Rollstuhlfahrern, geistig und körperlichen Behinderten, Migranten die kein Deutsch sprechen etc.

Mittendrin kerngesunde, normal entwickelte Kinder. Demgegenüber stehen eine Lehrerin und eine Erzieherin!

Sonderpädagogen steht der Schule einer zu Verfügung. Es gibt einfach auf dem Markt keine und die Direktorin meinte zu mir, sie arbeite jetzt schon am Kostenlimit. Diese Kinder können nur untergehen und das werden sie in den meisten Fällen auch.

Für eine sonderpädagogische Einrichtung / Schule wie Sie in Berlin alle angeschafft wurden aufgrund der Inklusion gibt es nur noch 2-3. Dafür war der IQ aber mit 1-2 Punkten leider zu hoch. Also Grundschule und zu sehen wie er kaputt geht.

Erst nach monatelangen Diskussionen sogar mit der Bezirksstadträtin und Androhung den Bezirk vor das Verwaltungsgericht zu zerren zeigte man sich auf einmal ganz Einsichtig mit den Worten "Aber das kann man doch bezirksintern regeln" und innhalb eines Tages wurde ein Platz reserviert. Im übrigen besteht der Klassenverbund jetzt aus 7 Kindern demgegenüber sind 1 Lehrerin, 1 Sonderpädagogin und 2 Erzieher!

Allerdings stellt sich mir die Frage was mir das jetzt bringt mit dem SGB IV ???
 

Daniel81

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Nochmal abschließend eine Frage:

Macht es denn Sinn nochmal beim Job Center anzufragen ob die Möglichkeit besteht, die Schule zu besuchen, weiterhin ALG II zu erhalten und mich im System halt auf "Maßnahme"umzudeklarieren?
Eine Bekannte von mir hat sogar eine neue Ausbildung begonnnen über 2 Jahre und weiterhin ihr ALG II erhalten. Und andere Leute gehen doch auch in eine Maßnahme und erhalten weiter Leistungen.
Mir erzählen Sie immer das liege natürlich an den hohen Kosten (Lehrgang, Fahrkosten etc.) da kommen ja schnell tausende Euro zusammen. Aber das will ich ja garnicht. Bei mir kostet es nichts.
Ich brauche lediglich die Zustimmung weil ich kein Ärger haben will. So sagen Sie, es wird sehr schwer werden für mich was zu finden, was für mich im Umkehrschluss bedeutet ich soll mich mal schön auf die Couch legen,
auf der anderen Seite agumentieren Sie, wenn ich die Schule besuche stehe ich dem Arbeitsmarkt nicht zu Verfügung! Also lieber fürs nichts tun bezahlt werden als für das tun ????
 
E

ExitUser

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Wenn du das wirklich machen möchtest, musst du dir eine andere Geldquelle suchen. Für die Technikerausbildung gibt es ja auch Bafög, oder? Dann hättest du keinen Anspruch mehr auf Alg-II.

Den Fernlehrgang musst du natürlich selbst zahlen, aber du könntest bei einer Teilzeitausbildung weiterhin Alg-II beziehen.

Ansonsten gibt es komplette Ausbildungen eigentlich fast nur noch im Rehabereich oder seltener für Menschen ohne Abschluss. Die meisten Maßnahmen nach SGB II sind ja eher unsinnige Disziplinierungs- oder Beschäftigungstherapien.
 

Daniel81

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Hallo,

gute Idee vielen Dank werde ich mir mal anschauen. Ein versuch ist es Wert!
 
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