Ich möchte mich beim Arbeitsamt selbstständig melden - hat das jetzt schon Sinn, da ich noch gar keine Aufträge habe?

anatol

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Hallo!

Ich beziehe seit ein paar Monaten ALG1. Ich möchte mich nicht mehr auf die Arbeitsstellen bewerben, die mir die SA ab und zu vorschlägt. ICh möchte mich so bald wie möglich als Zeichner selbständig machen. Ich weiß jetzt nicht, ob ich warten soll, bis ich meine Website fertig habe und Aufträge annehmen kann (das kann noch ein halbes Jahr dauern) - zu dem Zeitpunkt würde ich wohl schon ALG2 bekommen.

Ist es besser, sich mit ALG1 oder mit ALG2 selbständig zu machen?

Welche Vor- und Nachteile hat beides? Verbieten können die es doch auch bei ALG2 NICHT, oder??

Seh ich das richtig: wenn ich selbständig bin (auch nur nebenberuflich), dann muss ich mich nicht auf die Jobangebote bewerben, bzw. bekomme dann keine mehr?

Außerdem steht in möglichst naher Zukunft ein Umzug an, der Liebe wegen, falls das nen Unterschied macht (selbes Bundesland, aber weiter weg).

Wer hat das schon hinter sich und gibt mir Tipps?
Soll ich die SA (ALG1) nach einem Existenzgründerseminar fragen? Oder erst mal Klappe halten und abwarten?

LG
 

HermineL

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Moderation Themenüberschrift:

Hallo ,

Ich möchte dir Forenregel 11 in Erinnerung bringen, immer eine aussagekräftige Überschrift für neue Themen zu erstellen.
Ein ganzer Satz oder eine vollständige Frage, die sich auch auf den Inhalt deines Erstpostings, bzw. dein Anliegen bezieht, soviel Zeit sollte sein.
Ergänzend verlinke ich auf Forenregel #11 und den Hinweis der Administration dazu...

Um dein Thema wieder allgemein für weitere Antworten zu öffnen, kannst du rechts oben, über deinem Beitrag, in dem 3 Punkte Menü "Deine Themenüberschrift bearbeiten" wählen und selbige aussagekräftiger gestalten.
Danach informiere bitte hier im verlinkten Forum einen Moderator
dass das Thema wieder geöffnet werden kann.

Wir bitten zukünftig um Beachtung und wünschen dir weiterhin einen angenehmen und hilfreichen Aufenthalt im Forum.


Stell dir einfach folgende Situation vor und frage dich selbst, ob du so auch mit deinen Mitmenschen kommunizierst:

Elo: "Hey du, ich brauch mal Hilfe."
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Linuxfan

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Welche Vor- und Nachteile hat beides? Verbieten können die es doch auch bei ALG2 NICHT, oder??
Die meisten Jobcenter, mit denen ich in Kontakt kam, waren so eingestellt, dass die Selbständigkeit tragfähig sein soll und ich musste einiges an Vorarbeit machen und ein Konzept erarbeiten.

Dem Businessplan sagt man ja nach, dass er ohnehin nie so aufgeht wie man es geplant hat aber trotzdem halte ich es für eine gute Übung, sich Gedanken zu machen wie beispielsweise: Wem biete ich welche Leistungen zu welchem Preis an? Habe ich vielleicht schon potentielle Kunden oder Auftraggeber? Welche Art von Zeichnungen biete ich an? Wie hoch schätze ich den Bedarf ein? Biete ich die Zeichnungen über Agenturen an? Oder möchte ich quasi eine Eigenmarke wie im Falle von Comiczeichnern etablieren? Ruthe.de fällt mir zu dem Thema ein oder die japanischen Manga-Autoren, die ihre eigenen Geschichten erschaffen. Möchte ich vielleicht einen Bildband produzieren? Was kostet so etwas? Möchte ich Ausstellungen machen?

Letztendlich hast Du halt auch gewisse Kosten, dass Du dich wegen Versicherungspflicht auch selbst versichern musst. Eventuell kannst Du über die Künstlersozialkasse etwas machen um dies etwas abzufedern. Auch musst man den Kühlschrank regelmäßig nachfüllen und von seinen Einnahmen leben.

Ich fürchte, dass Du um die Erarbeitung eines Konzepts nicht herum kommst um eventuelle Fördergelder genehmigt zu bekommen. Es ist einiges an Beinarbeit erforderlich, sich einzuarbeiten, was in so ein Konzept gehört.

Aber auch für ALG-II Empfänger gibt es Beratungsgutscheine wo Du dich mit einem Existenzgründercoach zusammen setzen kannst und der Dir hilft den Plan zu schreiben. Einer meiner Kunden für den ich die Webseite betreue hat öfters "Kunden vom Amt". Ich habe auch mal an einem Seminar mit jemand aus Berlin teilgenommen, der sich auf "Kunst und Kultur" spezialisiert hat. Lass dich aber nicht dazu verleiten nach dem Motto: "Ach, der Berater macht und schreibt mir das schon…" Mache Dir eigene Gedanken über die Tätigkeit - auch über die Gründung hinaus.
 

Fox29

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Seh ich das richtig: wenn ich selbständig bin (auch nur nebenberuflich), dann muss ich mich nicht auf die Jobangebote bewerben, bzw. bekomme dann keine mehr?
Das siehst du leider falsch. Wenn du nebenberuflich selbständig bist, musst du dem Arbeitsmarkt trotzdem zur Verfügung stehen, um AlG zu bekommen. Bist du hauptberuflich selbständig hast keinen Anspruch mehr auf AlG, erhältst dann auch keine Stellenangebote mehr, aber halt auch kein Geld
Soll ich die SA (ALG1) nach einem Existenzgründerseminar fragen?
Beantragen kann man alles, ob es bewilligt wird ist die andere Frage. Solche coachings laufen meist über einen AVGS. Im Rahmen dessen kann auch ein Businessplan erstellt werden.

Was man noch beantragen kann, sofern noch mehr als 150 Restanspruch AlG bei Aufnahme der selbständigen Tätigkeit sind, ist ein Gründungszuschuss. Ob der gewährt wird hängt vom Businessplan und deiner bisherigen Tätigkeit (Stichwort: Vermittlungsvorrang) ab.
 

anatol

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Danke Ihr zwei!

Hm... Also ich war der Meinung, es ist auch möglich, dass ich dem Amt einfach sage, so, bin selbständig (natürlich Anmeldung beim Finanzamt) und dann kann ich das machen, auch ohne dass ich einen Businessplan erstelle. Ich habe das finanziell durchgerechnet, dass mir das mit dem Businessplan und Gründungszuschuss halt echt nur ein paar Kröten bringt, nicht die Welt. Daher würde ich mir den Businessplan eher sparen, zumindest wenn ich ihn selber machen muss. Wenn andererseits ein Existenzgründerseminar vom Amt bewilligt wird (kostet ja auch was), wo einem dabei geholfen wird, wäre es was anderes.
VG
 

Fox29

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einfach sage, so, bin selbständig (natürlich Anmeldung beim Finanzamt) und dann kann ich das machen, auch ohne dass ich einen Businessplan erstelle.
Eine nebenberufliche Selbständigkeit kannst du immer machen, auch ohne Businessplan. Gründungszuschuss gibt es eh nur fürs Hauptgewerbe. Und du brauchst eigentlich nur einen Businessplan, wenn du die Förderung möchtest.

PS: auch wenn ein Businessplan für eine nebenberufliche Selbständigkeit nicht notwendig ist, sollte man sich vorher zumindest grundlegende Überlegungen zu seinem Vorhaben machen 😉
 

romeo1222

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Habe auch eine Selbständigkeit im Nebengewerbe. Hatte das JC mit der ersten Zahlung informiert (hatte damals auch noch keinen Gewerbeschein, da ich diesen erst bei 450€ Gewinn im Jahr brauchte, aber kommt natürlich auf die Gewerbeart drauf an, bei manchen ist es schon im Vorfeld vorgeschrieben), war sowohl für das JC, als auch das Finanzamt als auch mein Rathaus (wo es die Gewerbescheine gibt) in Ordnung.
 

anatol

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Danke liebe Leute aus dem Internet!

Ich habe auch recherchiert, dass man, wenn man während ALG 1 einen größeren Auftrag bekommt (nebenberuflich kann man ja eh bis 15 Stunden arbeiten und bis 165 Euro verdienen, aber wenns mal mehr wird), den Bezug "unterbrechen" kann, sehr interessant. Man bekommt dann anscheinend weiter ALG, wobei das Einkommen durch den Auftrag nicht abgezogen wird, muss aber die Krankenkasse selber zahlen.

"Selbständigkeit auf Zeit" hier gut beschrieben: https://www.deutschland-startet.de/alg1-selbststandig-aufzeit/

naja... bis jetzt hab ich ja noch nicht mal mein Portfolio online, so dass mit Aufträgen noch lange nicht zu rechnen ist. Ich hoffe, ich kriege es bis Ende Februar hin, wenn mein ALG1 ausläuft, aber gesagt ist es nicht.
 
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anatol

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Und jetzt zu ALG2: Anscheinend kann man auch aufstockendes ALG2 kriegen, wenn die Einkünfte aus der selbständigen Tätigkeit (dann ist wohl nur haupt-, nicht nebenberuflich gemeint?) niedriger als Hartz4 liegen.
Würde das dann nicht so laufen, dass ich, wenn ich ab Februar ALG2 kriege, das so machen kann? Oder muss ich erst mal aus dem Bezug völlig raus, selbständig werden und kann DANN erst diese Aufstockung bekommen? Weiß das jemand von Euch?
VG
 

Garamond

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Ist es besser, sich mit ALG1 oder mit ALG2 selbständig zu machen?
Mit ALG1, würde ich sagen. Es gibt die Möglichkeit, einen so genannten Gründungszuschuss zu beantragen. Dann bekommst du monatlich etwas mehr Geld vom Amt. Bei mir waren es sechs Monate und es waren 300 Euro mehr. Das ist aber schon eine Weile her und mag sich geändert haben.
Ich wüsste nicht, dass es so etwas bei ALG2 auch gibt. Aber Vorsicht: Das zusätzliche Geld wird eventuell von deiner Krankenversicherung aufgefressen. Die zahlt das Amt dann nämlich nicht mehr. So jedenfalls war es bei mir. Hier rate ich einfach mal zu einer KSK-Mitgliedschaft (Künstlersozialkasse). Wenn die dich aufnehmen, dann zahlst du in Zukunft deine Krankenkassenbeiträge und auch andere Sozialbeiträge (Rentenversicherung) nicht mehr an deine Kasse, sondern an die KSK, die wiederum an deine Krankenkasse bezahlt. Der Vorteil ist, dass dein KSK-Beitrag nach deinen jährlichen Einkünften bemessen wird - je weniger du verdienst, desto geringer ist der Beitrag. Außerdem übernimmt für dich die KSK dann die Rolle des Arbeitgebers im Hinblick auf die Sozialabgaben, schießt also wie es sonst der Arbeitgeber bei einer Festanstellung tut die Hälfte der Sozialabgaben zu. Dieses Geld kommt natürlich nicht aus dem Nichts: Die KSK holt es sich von solchen Unternehmen, die Selbständige beauftragen zurück. Ein KSK-Antrag ist aber eine Sache für sich. Es ist nicht einfach, hineinzukommen, nämlich musst du deine Tätigkeit nachweisen können, und zwar recht umfassend.

Für den Gründungszuschuss musst du ebenfalls idealerweise schon Auftraggeber haben oder zumindest mal angefragt haben, ob Interesse bestünde. Du musst in dem Antrag nämlich darlegen, inwiefern dein Unterfangen Aussicht auf Erfolg hat und da macht es ich gut, wenn du schreiben kannst, dass du schon Aufträge hast oder in Aussicht hast. Eine Website ist ebenfalls gut. Außerdem braucht es einen Businessplan, der von einer fachkundingen Stelle begutachtet werden muss und abgesegnet werden muss. Das ist im besten Fall irgendein Berufsverband, bei dir also einer für Zeichner.

Ein weiterer Vorteil bei der Selbständigkeit in ALG-I mit Gründungszuschuss ist, dass du eine freiwillige Arbeitslosenversicherung abschließen kannst. Die gibt's beim Amt und kostet monatlich nur etwa dreißig Euro oder so. Dir kann dann aus der Zeit der Selbständigkeit erneut ein Anspruch auf ALG-I erwachsen: Wenn du die Selbständigkeit nämlich mindestens ein Jahr durchhältst oder zumindest ein halbes Jahr und dann aber eine weiteres halbes Jahr irgendwo festangestellt - sozialversicherungspflichtig beschäftigt also - warst. Dann kannst du, wenn das Jahr voll ist, erneut ALG-I beantragen und dazu deine Arbeitslosenversicherung in Anspruch nehmen. Dann wird außerdem dein Einkommen - denn das ALG-I bemisst sich ja am vorigen Einkommen - geschätzt anhand deiner Qualifikation, wenn du Glück hast. Das ALG-I kann dann also weitaus höher ausfallen, weil du 70 oder so Prozent eines Listengehalts für deinen Beruf bekommst und nicht 70 Prozent oder so deines tatsächlich in der Selbständigkeit erwirtschafteten Gehalts.

Welche Vor- und Nachteile hat beides? Verbieten können die es doch auch bei ALG2 NICHT, oder??

Bei ALG2 kann es dir auch nicht verboten werden, soweit ich weiß. Nur die Option mit dem Gründungszuschuss gibt es meines Wissens nicht. Hier ist außerdem der bürokratische Aufwand etwas größer, weil du regelmäßig nachweisen musst, was du verdient hast und was nicht und dir der Zuverdienst, wenn er zu hoch ist, von der Unterstützung abgezogen wird, nachträglich. Du machst also Schulden bei der BA, je mehr du verdienst. Diese kannst du aber meist in Raten und zinslos zurückzahlen. Es gibt des Weiteren allerdings keinen so genannten Berufsschutz - das heißt, dass die ALG2-Betreuer dich auch in Jobs vermitteln können, die deiner Qualifikation so gar nicht entsprechen oder dich in Maßnahmen stecken können, die deine Selbständigkeit behindern oder entgegenstehen.

Seh ich das richtig: wenn ich selbständig bin (auch nur nebenberuflich), dann muss ich mich nicht auf die Jobangebote bewerben, bzw. bekomme dann keine mehr?

Das siehst du leider absolut nicht richtig. So lange deine Selbständigkeit nicht für dich zum Leben reicht, du also Hartz-IV oder ALG-I bekommst, ist es Sache deines Arbeitsvermittlers, dir Vermittlungsvorschläge zu machen oder dir im Rahmen einer so genannten Eingliederungsvereinbarung monatlich eine bestimmte Anzahl von Bewerbungen auf feste Stellen abzuverlangen. Ich bin selbständig und bekomme mittlerweile Hartz-IV und bislang hat kein Arbeitsvermittler von den Bewerbungen und Vermittlungsversuchen abgesehen und ich denke nicht, dass das bei dir anders wäre. Es könnte lediglich sein, dass die dich für die Zeit, in der du noch ALG-I bekommst und einen Gründungszuschuss bekommst - sofern er bewilligt wird - in Ruhe lassen.

Außerdem steht in möglichst naher Zukunft ein Umzug an, der Liebe wegen, falls das nen Unterschied macht (selbes Bundesland, aber weiter weg).
Da kenne ich mich nicht so gut aus. Das verkompliziert das ganze, weil dein Vorgang dann woanders hin umgezogen werden muss. Was ich sagen kann ist: Der Erstwohnsitz muss dort liegen, wo du arbeitest und dich die meiste Zeit über aufhältst. Stichwort ist hier der Lebensmittelpunkt. Der wäre in deinem Fall dann sicherlich dort, wo du der Liebe wegen hinziehst.

Wer hat das schon hinter sich und gibt mir Tipps?
Soll ich die SA (ALG1) nach einem Existenzgründerseminar fragen? Oder erst mal Klappe halten und abwarten?

Tja, ich hab's hinter mir, inklusive Umzug, aber leider nicht der Liebe, sondern der Arbeit wegen. Meine Tipps habe ich ja schon geschrieben. Bitte beachte, dass auch ich kein Anwalt bin und meine Erfahrungen etwas zurückliegen. Da mag sich also etwas geändert haben. Aber wenn du noch Fragen hast, dann frag' gerne nach.

Was das Existenzgründerseminar betrifft: Hier würde ich eher nach einem Gründungszuschuss fragen und nach einer freiwilligen Arbeitslosenversicherung für den Fall, dass der Gründungszuschuss genehmigt wird. Die Seminare der Ämter taugen meist nicht soviel.

Was du noch im Blick haben solltest ist die Steuer: Hier kann auf dich zukommen, dass du monatlich eine Umsatzsteuervoranmeldung durchführen musst. Das verlangt das Finanzamt meist von Selbständigen und eine Befreiung davon gibt's nur in Ausahmen. Du musst also für dich klären, ob du Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen erheben willst. Das darfst du nur bleiben lassen, wenn du unter die Kleinstunternehmerregelung fällst. Da gibt es eine Bemessungsgrenze der jährlichen Einkünfte. Wenn du also jährlich besonders wenig verdienst, kommst du darum herum. Aber dann wird dir kein Amt und keine fachkundige Stelle gute Aussichten bei der Exitenzgründung bescheinigen. Denn die soll ja dazu dienen, deinen ALG-I oder ALG-II-Bezug überflüssig zu machen. Außerdem hat die Umsatzsteuerpflicht, die ja ohnehin erstmal für alle besteht, den Vorteil, dass du Ausgaben gegenrechnen kannst, also die gezahlte Umsatzsteuer, wenn du Arbeitsmaterialien einkaufst, mit der durch dich bei Auftraggebern erhobenen Umsatzsteuer verrechnen kannst. Die Differenz musst dann monatlich an das Finanzamt abführen und vorher eben die erwähnte Umsatzsteuervoranmeldung machen. Das geht mit der Software des Amtes auch ganz gut. Da musst du nur einen Übermittlungsschlüssel für die Online-Übermittlung beantragen, was Tücken hat, aber eigentlich funktionieren sollte. Der wird dann nämlich an deine Meldeadresse wie sie im Personalausweis vermerkt ist gesandt. Also Vorsicht im Zusammenhang mit dem Umzug: Wenn das Finanzamt oder die Meldebehörde noch nicht weiß, dass du umgezogen bist, landet der Key dann bei deiner vorigen Wohnung und nutzt dir nichts! Denn du kannst bei der Beantragung keine separate Adresse angeben.

Noch etwas: Ich habe mich damals zunächst tageweise beim Amt abgemeldet, wenn ich selbständig tätig war. Beim ALG-I bekommst du ja auch Tagessätze. Du kannst dann also, wenn du schon einen Auftrag hast, einfach deinem Betreuer schreiben, dass du dich für diesen oder jenen Tag abmeldest, weil du als Selbständiger einen Auftrag hast. Dir wird das dann natürlich abgezogen, also der Satz für die entsprechenden Tage von der Unterstützung gestrichen. Dafür bekommst du dann eben das, was du für deine Aufträge in diesem Tagen in Rechnung stellen kannst und darfst es erstmal behalten - jedenfalls war das bei mir bei ALG-I so. Bei ALG-II sieht das schon anders aus. Dies macht außerdem einen guten Eindruck, weil wenn du dann mit dem Anliegen ums Eck kommst, dass du gerne einen Gründungszuschuss möchtest, hat dein Betreuer schon mitbekommen, dass du teilweise frei oder selbständig tätig bist.

Habe auch eine Selbständigkeit im Nebengewerbe. Hatte das JC mit der ersten Zahlung informiert (hatte damals auch noch keinen Gewerbeschein, da ich diesen erst bei 450€ Gewinn im Jahr brauchte, aber kommt natürlich auf die Gewerbeart drauf an, bei manchen ist es schon im Vorfeld vorgeschrieben), war sowohl für das JC, als auch das Finanzamt als auch mein Rathaus (wo es die Gewerbescheine gibt) in Ordnung.
Das mit dem Gewerbeschein ist so eine Sache. Soweit ich weiß, geht es da ja letztlich auch um die Gewerbesteuer, die in manchen Bereichen fällig wird. Da es jedoch in diesem Fall um eine Tätigkeit als Zeichner geht, ist vermutlich nicht mal ein Gewerbeschein nötig und auch keine Gewerbesteuer. Denn die so genannten freien Berufe sind davon soweit ich weiß ausgenommen. Es mag noch sein, dass ein Unterschied ist, ob es um eine eher künstlerische Tätigkeit geht - also das Zeichnen von Illustrationen zum Beispiel - oder um eine eher technische Tätigkeit - also Bauzeichnerei zum Beipiel oder so. Da bin ich kein Experte, wollte aber darauf hinweisen.
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Daher würde ich mir den Businessplan eher sparen, zumindest wenn ich ihn selber machen muss.
Kann ich verstehen. Dafür gibt's aber ganz gute Vordrucke im Web, die dir die Arbeit echt einfach machen. Es geht ja auch nicht um eine Unternehmensgründung oder Firmierung, sondern um eine Soloselbständigkeit. Da braucht es dann auch keine komplizierten Rechenverfahren und so weiter. Ich bin damals gut damit gefahren, mir einen Beispiel-Businessplan aus dem Web zu besorgen und den entsprechend meiner Situation und meinen weiteren Annahmen und meiner Tätigkeit anzupassen. Vielleicht findest du sogar einen für Zeichner.

Ob du die Förderung beantragst oder nicht ist echt deine Sache. Die hat Vor- und Nachteile - siehe auch meinen langen Beitrag weiter oben. Der große Fallstrick sind die Kosten für die Krankenversicherung, die du dann selber tragen musst. Ich würde nur dazu raten, das zu machen, wenn du sicher bist, dass du auch in die Künstlersozialkasse kommst oder da schon drin bist.
 
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anatol

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Hey, super Tipps hier, z.B. das mit der freiwilligen Arbeitslosenversicherung! Da ich extrem langsam starte grade, lohnt es sich für mich wohl nicht, den Aufwand mit Gründungszuschuss etc. zu betreiben wie gesagt, ALG1 läuft Februar aus...

Irgendwie weiß ich auch nicht, wies laufen wird, aber ich muss jedenfalls erstmal meine Website haben, sonst keine Aufträge und somit sinnlos, Papierkram anzufangen...

Businessplan-Modell für Zeichner hab ich schon, ja, ist kein Hexenwerk wohl...
 

Linuxfan

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aber ich muss jedenfalls erstmal meine Website haben
Ich mache momentan einen kostenlosen Kurs von Google namens "Grundlagen des Online-Marketing". Dort wird mehr von Webpräsenz gesprochen. Auch ein Start über eine facebook-Seite oder Google MyBusiness ist durchaus denkbar. Finde diesen Ansatz auch ganz gut aber Homepage mit eigener Domain ist immer noch die Königsklasse. Sag gerne Bescheid wenn Du Hilfe bei der Erstellung oder Beratung brauchst.
 

Garamond

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Hey, super Tipps hier, z.B. das mit der freiwilligen Arbeitslosenversicherung!
Gern geschehen. Ich hatte die damals nur, als ich noch im ALG-1-Bezug plus Gründungszuschuss war. Kann leider nicht sagen, ob es die auch für ALG-2 gibt.

Für Websites gibt's recht günstig Kits. Ich kann ein bißchen Programieren, deshalb habe ich mir meine selbst gebaut und zahle nur den Webspace, was vielleicht etwas billiger ist als so Komplettpakete. Aber da gibt's unendlich viel, was auch Laien erlaubt, eine gute Website zu haben.
 
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