Ich möchte einen Antrag auf Mehrbedarf für Ernährung ans Jobcenter stellen, wegen Vollwertkost bei einer Erkrankung. Wer kann Erfahrungen mitteilen?

Woodruff

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Hallo liebe Foris,

Mir wurde auf Grund meiner Erkrankung, durch die Ernährungsberatung, eine Vollwert- Ernährung empfohlen.

Hat es wirklich einen Sinn den MEB- Antrag zu stellen, oder wird da seitens de Jobcenters eher abgelehnt?

Welche Erfahrungen habt Ihr damit gemacht?

Für Eure Antworten bedanke ich mich im Voraus.
 

Kerstin_K

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Da gibt es eine Liste vom Deutschen Verein, bei welchem Erkrankungen welcher Mehrbedarf bewilligt wird. Ich befürchte, dass es für Vollwertkost nichts gibt, weil diese eigentlich im Regelbedarf enthalten sein sollte. Das ist ja quasi die normale Ernährung.
 

Woodruff

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Danke für die Info,

Mit "Vollwerkost" meine ich diese Ernährungsrichtung:

Das Wesen der vitalstoffreichen Vollwertkost


Quelle:
Sabine Wolfgang
Obere Amtshausgasse, 1050 Wien

 

grün_fink

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Ja, die Vollwertkost ist etwas anderes wie die Vollkost, die im Regelbedarf enthalten ist bzw. sein soll.

Hier mal ein Antrag auf Gewährung Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung.
Die "anerkannten" Krankheiten sind auf Seite 3.

https://www.betanet.de/krankenkostzulage.html
enthält auch den Link zu den Empfehlungen des deutschen Vereins.

Hier die Empfehlungen des deutschen Vereins, die ist etwas ausführlicher.
https://www.deutscher-verein.de/de/...ngnahmen/2014/dv-28-14-krankenkostzulagen.pdf
 

isso

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Wichtig ist, dass du neben dem Attest auch die Anlage MEB beifügst. Hier muss dein behandelnder Arzt auch einen Teil explizit ausfüllen. Das heißt aber leider nicht, dass es durch geht, ähnlich wie mit anderen Ernährungsformen. Bei uns im Haus ist es dann üblich dass die Anlage MEB vom ärztlichen Dienst der Agentur für Arbeit geprüft wird und dieser dann entscheidet gibt es oder gibt es nicht. (Wobei auch nicht alle Teams sich daran halten sondern manche munter selber entscheiden und gerade bei zwei so ähnlichen Begriffen kann das natürlich schnell zu falschen Einschätzungen führen).

Sollte es dann abgelehnt werden, muss man im nächsten Schritt schauen. Es gäbe sicherlich noch Argumente, die man dann anbringen kann.
 

Woodruff

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Hier mal ein Link zur Entwirrung bei den Begriffen.
Vollkost und Vollwertkost sollen mal das gleiche meinen, mal wieder nicht.

Danke @grün_fink für die Aufklärung,

meine die Vollwertkost nach dem "Arzt Dr. Max Otto Bruker (1909 - 2001)".


Ernährung aktuell
Die Bruker-Kost – Hauptsache naturbelassen


Quelle:
Deutscher Apotheker Verlag Dr. Roland Schmiedel GmbH & Co. KG, Stuttgart,
 

Helga40

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Abgesehen davon, dass diese Ermährungsform in dem Artikel nicht gerade positiv bewertet wird: wo sind die Mehrkosten, wenn man nur Frischkost zu sich nehmen soll, kein Fleisch, Eier etc? Keine (teuren) Fertigprodukte? Und keine Säfte, also wohl Wasser trinken?
 

Woodruff

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Das die Vollwertkost nach Dr. Bruker umstritten ist, ist mir durchaus bekannt. Einer Bekannten von mir hat es allerdings sehr gut getan. Bei einer Erkrankung wie z. B. Krebs favorisieren auch z. B. auch zertifizierte Brustzentren das Prinzip der "Vollwerternährung" (das muss auch nicht unbedingt von Dr. Bruker sein). Mit Dipl. Oekotropholiginnen, z. B. von einer Krankenkasse kann man auch Beratungs- Termine vereinbaren.

Wenn diese Art und Weise der Ernährung (Vollwerternährung) anderen Frauen in der gleichen gesundheitlichen Situation geholfen hat, dann kann man es ja mal ausprobieren!

Corona-Krise lässt Obst- und Gemüsepreise kräftig steigen



Quelle:
Proplanta GmbH & Co. KG
Grüneisenstr. 6
70184 Stuttgart


Auch mal weitere gesunde Lebensmittel zu essen, kann ja auch nicht schaden

Frischer Fisch gehört z. B. auch zu einer gesunden Ernährung dazu


Quelle:
Victor Tsygankov
Parkstr. 11
13086 Berlin

Und vielleicht auch mal ein Stück Fleisch, dass nicht aus Massentierhaltung stammt


Martinshof Bio-Metzgerei GmbH
In der Brombach 6
66606 St.Wendel-Osterbrücken
 

Lelek

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Frischer Fisch.....

Da würde das JC bestimmt argumentieren, dass der Erwerb eines Angelscheins und einer Angelgrundausrüstung auf Dauer günstigere wäre, als den Fisch im Laden zu kaufen.
 

SusaHa

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Frischer Fisch.....

Da würde das JC bestimmt argumentieren, dass der Erwerb eines Angelscheins und einer Angelgrundausrüstung auf Dauer günstigere wäre, als den Fisch im Laden zu kaufen.
So ein Quatsch. Ich frage mich warum User hier immer wieder irgendeinen Unsinn in den Raum stellen.
wenn das wirklich jemals vorgekommen ist solltest du sicher eine Quelle dafür haben.
 

Woodruff

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@all,

vielen Dank für Eure Antworten.

Habe in der kommenden Woche einen Termin bei meinem Gynäkologen und werde mit ihm den MEB- Antrag besprechen. Sicherlich wird es dann auch auch eine für mich sinnvolle Lösung geben, ich vertraue da ganz auf meinen Arzt.
 

isso

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Schau einfach, meine persönliche Einschätzung (nachdem ich auch etwas mehr darüber gelesen habe) ist aber, dass es eher nicht bewilligt werden wird. Du kannst es versuchen, aber die Grenzen des MEB sind schon sehr eng gestrickt. Und es ist ja eher eine Lifestyle Ernährungsform als eine (schulmedizinisch) indizierte Diät, die zwingend z.B. aufgrund einer verzehrenden Erkrankung erfolgen müsste, oder weil eine andere Form der Ernährung z.B. mit dem normalen TK-Lamm aus dem Supermarkt zu einem schweren Krankheitsverlauf führen würde.
 

Woodruff

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Bei uns im Haus ist es dann üblich dass die Anlage MEB vom ärztlichen Dienst der Agentur für Arbeit geprüft wird und dieser dann entscheidet gibt es oder gibt es nicht. (Wobei auch nicht alle Teams sich daran halten sondern manche munter selber entscheiden und gerade bei zwei so ähnlichen Begriffen kann das natürlich schnell zu falschen Einschätzungen führen).

"bei uns im Haus"?
Welches Haus meinst Du, das Jobcenter?
Wieviele Anträge werden denn nach Deinen Erfahrungswerten so abgeschmettert?

Interessant ist auch die Tatsache, dass kaum jemand der ernsthaft erkrankt ist, diesen MEB- Antrag kennt!

Ich habe diesen auch erst durch das ELO- Forum kennengelernt.
In keinem meiner WBA- Anträge des Jobcenters gibt es einen Punkt:
"Benötigen Sie einen MEB- Antrag", auf Grund einer schwerwiegenden Erkrankung?

Für mich heißt das ganz eindeutig, diese Anträge sind auch seitens des Jobcenters gar nicht gewollt, das Geld sparen wir (Jobcenter) uns doch lieber ein!

Und es ist ja eher eine Lifestyle Ernährungsform als eine (schulmedizinisch) indizierte Diät, die zwingend z.B. aufgrund einer verzehrenden Erkrankung erfolgen müsste, oder weil eine andere Form der Ernährung z.B. mit dem normalen TK-Lamm aus dem Supermarkt zu einem schweren Krankheitsverlauf führen würde.

Bist Du auch Diplom- Oecotrophologin und kannst die Zusammenhänge zwischen einer schwerwiegenden Erkrankung und dem Einfluss einer bestimmten Ernährungsweise beurteilen?
 

isso

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Ja, ich meine das Jobcenter. Und eine pauschale Antwort gibt es nicht. Da keine zwei Erkrankungssituationen gleich sind. Ich frage alle Neukunden, ob sie eine besondere Ernährung benötigen, manche Kollegen tun das nicht.

Bist Du auch Diplom- Oecotrophologin und kannst die Zusammenhänge zwischen einer schwerwiegenden Erkrankung und dem Einfluss einer bestimmten Ernährungsweise beurteilen?
Nein, aber es gibt noch mehr Berufe, wo das relevant ist und einen großen Stellenwert einnimmt und ich war nicht immer im Jobcenter. Außerdem kenne ich mich gezwungener Maßen selber mit dem Thema unabhängig von meiner Ausbildung aus.

Als ich selber noch im Leistungsbezug war, bin ich zwar nicht darauf hingewiesen worden, ich habe mir aber immer die Anlagen angeschaut, die dort am Rand im Neuantrag standen. Ich selber habe eine Erkrankung bei der es ausnahmslos den MEB Stufe 2 gibt und den habe ich auch völlig problemlos erhalten.

Für mich heißt das ganz eindeutig, diese Anträge sind auch seitens des Jobcenters gar nicht gewollt, das Geld sparen wir (Jobcenter) uns doch lieber ein!

Mit wollen oder nicht wollen hat das nichts zu tun. Die Gründe warum Anträge abgelehnt werden sind völlig verschieden. Da ist dann aber auch manchmal von der veganen Ernährung bis hin zu religiösen Gründen (z.B. koscher) alles dabei. Die Grenzen sind da leider sehr streng was einen MEB auslöst und was nicht. Und zugleich können individuelle Umstände zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

So kann es sein, dass eine Person mit Substanzmittelmissbrauch einen MEB bekommt, weil z.B. der Darm Nahrung nicht mehr verwerten kann und deswegen bestimmte Sonderkost notwendig ist (kräftezehrende Erkrankung oder Erkrankungsfolge bzw. Gewichtsverlust von X kg. in Zeitraum X) aber die Person nach bariatrischer OP nicht. Weil immer die medizinische Gesamtsituation zu betrachten gilt, hat sowas nun mal (egal wie und wo er ausgebildet ist) kein Sachbearbeiter zu entscheiden (außer es gibt z.B. bestimmte Verfahrensvorschriften wie u.a. in Bezug auf Kost bei Diabetes), sondern der ärztliche Dienst.

a)Voraussetzung für die Gewährung des Mehrbedarfs ist eine gesundheitliche Beeinträchtigung, die eine Ernährung erfordert, deren Kosten aufwändiger sind als dies für Personen ohne diese Einschränkung der Fall ist (BSG vom 24.2.2011 - B 14 AS 49/10 R - zur Veröffentlichung vorgesehen; Düring in Gagel, SGB III mit SGB II, Stand Juli 2010, § 21 RdNr 19). Es muss also ein ursächlicher Zusammenhang zwischen einer bestehenden oder drohenden Erkrankung und der Notwendigkeit einer besonderen kostenaufwändigen Ernährung vorliegen
[...]

dd) Die Ernährung mit einer sog "Vollkost" bei Diabetes mellitus I/II unterfällt nicht § 21 Abs 5 SGB II, da es sich nicht um eine Krankenkost handelt, auf die die Vorschrift abzielt, sondern um eine Ernährungsweise, die auf das Leitbild des gesunden Menschen Bezug nimmt.

Die Vollkost ist jedoch aus der Regelleistung zu bestreiten. Auch insoweit gilt, dass für die allgemeine Kritik, eine ausgewogene Ernährung sei aus dem Regelsatz nicht zu finanzieren, § 21 Abs 5 SGB II kein Auffangtatbestand ist


BSG Urteil vom 10.05.2011 - B 4 AS 100/10 R


(Ja, es ist mir bewusst, dass Vollwert und Vollkost nicht das gleiche ist)

Wie gesagt, du kannst es versuchen und ich wünsche dir viel Erfolg, aber ich bleibe dabei, dass ich die Erfolgschancen mit dieser Ernährungsform ganz nüchtern als eher gering einschätze
 

Helga40

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In keinem meiner WBA- Anträge des Jobcenters gibt es einen Punkt:
"Benötigen Sie einen MEB- Antrag", auf Grund einer schwerwiegenden Erkrankung?

Stimmt doch gar nicht. Im WBA Formular steht unter "5. Es sind weitere Änderungen eingetreten"
Sie möchten oder ein Mitglied Ihrer Bedarfsgemeinschaft möchte nun Anspruch auf Mehrbedarf geltend ma-chen (z. B. Mehrbedarf für Schwangere (12), Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung (14)).


Bist Du auch Diplom- Oecotrophologin und kannst die Zusammenhänge zwischen einer schwerwiegenden Erkrankung und dem Einfluss einer bestimmten Ernährungsweise beurteilen?

Zum einen schreibst du selbst nur von Empfehlung, zum anderen bleibst du immer noch die Antwort schuldig, wo hier bei Ernährung mit Frischkost ohne Fleisch, Fertigprodukten, Saft usw. die Mehrkosten sein sollen.

Ich sehe es wie isso, da gibt es keine Grundlage für eine Bewilligung.
 

Woodruff

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HermineL

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- Dieser nachfolgende Satz kommt in meinem WBA- Antrag nicht vor -
Was kein Wunder ist denn bei deinem Jokecenter handelt es sich um eine sogenannte Optionskommune. Diese stricken sich sehr gerne eigene Formulare und glauben das SGB gilt nur für Jokecenter der BA. Dies ist dann auch der Grund das deren Formulare sich häufig nicht mit der gültigen Rechtslage decken. Was man in Teilen bei diesem Antrag auch erkennen kann.
Ganz davon abgesehen das es den Punkt "Sonstige Veränderungen" unter römisch V auch in diesem selbstgestrickten Antrag gibt. Nur ohne den Hinweis auf den Mehrbedarf.

Den offiziellen WBA den die Mehrheit der Jobcenter einheitlich nutzt findest du im untenstehenden Link. Dort findest du auch den Punkt den Helga ansparch.
 

musiker01

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Es ist ein guter Witz, das die Kosten für eine "vollwertige Ernährung" vom Regelsatz gedeckt sein sollen, darunter fällt ja z.B. mittlerweile die Ernährung bei Diabetes.

Seitdem ich meine Diabetes-Diagnose habe und versuche mich halbwegs konform zu Ernähren, sind meine Lebenshaltungskosten für Lebensmittel förmlich explodiert. Ok, ich bekomme keine JC-Leistungen, aber wenn ich mir vorstelle, ich sollte das davon finnzieren? No way...........
 

Helga40

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Erstmal liegen zwischen "notwendig" und "empfohlen" ganze Welten. Notwendig bedeutet, dass du genau diese Ernährungsform beachten musst, sonst passieren gesundheitlich böse Dinge. Bestes Beispiel ist die Phenylketonurie. Wenn du da nicht eiweißarm isst, dann drohen Hirnschädigungen. Eine Empfehlung ist einfach "Ihr BMI liegt bei 28, essen Sie mal ein bisschen fettärmer und weniger Zucker.".

Deine Vollwertdiät beruht auf frischer Rohkost. Da ist nichts kostenaufwändig. Das ist doch der Knackpunkt. Eine "Diät" allein reicht nicht. Die muss auch nachweislich mehr kosten als eine normale Vollkost-Ernährung.
 
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