Ich möchte als ALG2 Bezieher ein "Nebengewerbe" Gründen und habe mehrere Fragen für den Umgang mit dem Jobcenter

Timmey91

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Hallo zusammen,
wie oben bereits zu lesen ist möchte ich als ALG2 Empfänger ein Gewerbe Gründen, dieses soll erstmal als Nebengewerbe anlaufen damit ich vorerst noch Leistungen beziehen kann :)

Zu mir:
- Ich bekomme volles ALG2, und mache zur zeit auch keinen Minijob oder so etwas zusätzlich.

Zum Gewerbe:
- Ich möchte Gründen und dieses soll als Nebengewerbe Anlaufen (Kleinunternehmer ohne mwst.)
- Es wird ein extra Firmen Konto geben und nichts bei mir Privat eingehen.
- Ich möchte mir nichts Auszahlen sondern das Geld Komplett für weiteres in der Firma Lassen ( Investitionen / Ausbau etc. )

Nun zur eigentlichen Frage:
- Werden meine einnahmen Angerechnet?
- Darf ich mir nichts Auszahlen und das Geld in der Firma lassen oder Muss ich einen Teil oder alles für mich selbst auszahlen?
- Soweit mir bekannt darf ich im Nebengewerbe 15Std aufwenden, ist das Fix Pro Woche oder ein Durchschniit für Woche / Monat / Jahr?
- Dürfte ich auch z.b. 2x 7,5Std machen oder eine Woche 30std und eine Woche nichts?

Das Liebe JC:
- Was darf das Jobcenter alles abfragen?
- Müssen Kunden daten erkennlich sein oder Darf / Muss ich diese Unkenntlich machen / Schwärzen? (Auf Rechnungen / Kontoauszügen) ?
- Wie oft fragt das JC, einmal im Monat im Quartal oder alle 6 Monate?
- Wie verhält sich das mit der Arbeitszeit, ich habe mal gehört das man als Gewerbetreibender nicht mehr zu Maßnahmen geschickt werden kann da man seine Arbeitszeit braucht, andererseits habe ich hier auch geselen das einige JC die Zeit nicht anerkennen und Leute trozdem in maßnahmen stecken oder das Gewerbe unterbinden wollen :( Wie ist das richtig?
- Ich finde Online verschiedene angaben, zum einen steht da das ich mit der Firma nur den den Üblichen Freibetrag erwirtschaften darf da mir sonst die Leistungen Gekürzt werden oder aber das für die Firma die Üblichen Regelungen gelten da die einnahmen ja in der Firma landen und nicht bei mir Privat :/ ?


Ich hoffe das mir der Ein oder Andere etwas helfen kann und natürlich das die Überschrift Aussagekräftig ist :)

Lg
Tim
 

vidar

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Moin @Timmey91,

viele deiner Fragen wirst du allein schon dadurch beantwortet bekommen, wenn du dich hier in diesem Forum mal einlesen würdest.

Ich gehe aber trotzdem mal auf einige deiner Fragen ein:

Nicht deine Einnahmen, aber dein erzielter Gewinn wird auf dein ALG-2 angerechnet werden. Den Gewinn also einfach mal für deine künftigen Expansionen zu “bunkern“ wird nicht funktionieren, sondern wird vom JC dafür verwendet werden deinen finanziellen Bedarf zu senken. Inwieweit du hier einen kleinen Betrag als Rücklage für noch nicht absehbare Ausgaben verwenden darfst, muss du dann mit das JC klären

Über deine von dir erwartenden / geschätzten Gewinne wirst du das Formular “EKS“ ausfüllen müssen. Aus diesen (6) Monatsdaten wird dann der monatlich durchschnittliche Anrechnungsbetrag ermittelt. Der Betrag wird dann von deinem normalen monatlichen Leistungsbetrag abgezogen. Eine genaue Abrechnung erfolgt mit Ablauf des Bewilligungszeitraums. Danach beginnt das "Spiel" wieder von vorne (WBA, EKS etc.)

§ 3 - Arbeitslosengeld II/Sozialgeld-Verordnung (Alg II-V)

Selbständige

https://www.arbeitsagentur.de/datei/hinweis-selbstaendige_ba015224.pdf

... noch ein paar Tipps für den Start in die Selbständigkeit:

Selbstständig machen: In 10 Schritten zur Selbstständigkeit
.
 

Gollum1964

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Moin Timmey,

ich habe neben ALG2 auch ein Nebengewerbe laufen:

Zur Anrechnung:

die ersten 100 EUR sind frei, der Rest wird zu 80% auf ALG2 angerechnet.
sämtliche Kontoauszüge müssen jedes halbe Jahr vorgelegt werden, egal ob privat oder gewerblich.
jedes halbe Jahr muß eine EKS vorgelegt werden für den geschätzten Gewinn der nächsten 6 Monate und für den tatsächlichen Gewinn der letzten 6 Monate

Die von dir genannten 15 Std. (pro Woche) sind wohl interessant für die Frage, ob du dich weiterhin auch zur normalen Vermittlung zur Verfügung stellen musst. Hier gilt der durchschnittliche Arbeitsaufwand pro Monat.

Falls langfristig nicht erkennbar ist, dass du durch das Nebengewerbe aus dem Bezug herauskommst, wie bei mir: weiterhin VV möglich
Falls langfristig gute Chancen bestehen, lassen die dich ansonsten in Ruhe und du bekommst ggf. noch eine finanzielle Förderung

viele werden sich sicher fragen, ob es sich bei der Höhe der Anrechnung überhaupt mit dem Nebengewerbe lohnt. Ist meines Erachtens Geschmackssache.

Ich bekomme dadurch ca. 150 bis 200 EUR pro Monat mehr, was sehr viel für mich ausmacht.
Außerdem schützt es zumindest teilweise vor EEJ, kostenlose Praktika und Sinnlos-Vollzeitmaßnahmen (alles schon bei mir vor dem Nebengewerbe versucht worden).
Falls es tatsächlich mal zu Vorstellungsgesprächen kommt, steht man wegen dem Lebenslauf auch nicht mehr ganz so "nackt" da.

Häufig ist bei Nebengewerbe auch ein anderes Jobcenter zuständig, wie bei mir in Hamburg.

viele Grüße
 

Timmey91

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Hallo, danke schonmal für eure Antworten :)
*Das was oben verlinkt wurde werde ich später in ruhe Lesen :)

Das ist ja nicht so Optimal wenn es Angerechnet wird :(
Das liegt aber vermutlich daran das es so wie oben von mir Beschreiben Komplett über mich läuft und keine z.b. Gmbh ist?

Wenn ich jetzt eine Kapitalgeselschafft gründen würde, in meinem fall UG da ich keine 25.000€ auf der hohen kannte habe :/ wäre das vermutlich besser zu Händeln :) ?

Als Gesellschafter muss ich mir nichts Auszahlen (Sofern im Vertrag so festgelegt) und wäre dann Angesteller Geschäftsführer bei meiner Gmbh was auch als Mini-job machbar ist, da könnte ich mich ja warscheinlich auf die 100€ Begrenzen.
Kleinunternehmer Regelung also ohne 19% Steuer ist auch Anwendbar sofern die Umsatzgrenzen nicht überschritten wird :)

Auch der Betrieb der UG ist als "Nebenerwerb" Realisierbar sofern die Aufgewendete Zeit im vorgesehenen Rahmen bleibt.

Mir ist bewusst das die UG Aufwendiger und Teurer ist als z.b. eine Einzelunternehmung etc.

Besten Dank schonmal und Lg Tim
 

avrschmitz

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Das ist ja nicht so Optimal wenn es Angerechnet wird
Du musst auch vorsichtig sein, was Dir angerechnet wird. Du bist der Willkür von irgendwelchen Typen ausgeliefert, die es in der freien Wirtschaft zu nichts gebracht haben, aber jetzt über Selbständige entscheiden. Ich hatte mal einen Auftrag über eine Software, die ich schreiben sollte. Als ich das meinem SB gesagt hatte, fand es das gut, aber dafür war er nicht zuständig und wurde zu einem anderen geschickt. Literatur, die ich mir über diese Programmiersprache gekauft hatte, wollte er mir nicht als Kosten anerkennen. Für Folgeaufträge, die mir schon durch den Kunden in Aussicht gestellt wurden, benötigte ich einen Laptop. Der Typ vom JC meinte, er würde nach Ermessen entscheiden wenn ich den gekauft hätte. Er käme aus der IT-Branche und würde sich auskennen. Das war mir alles zu blöd, bin aufgestanden und habe das Gespräch beendet und das JC durfte auf eine vierstellige Einnahme verzichten.
 

Sodele

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Zu mir:
- Ich bekomme volles ALG2, und mache zur zeit auch keinen Minijob oder so etwas zusätzlich.
...
- Soweit mir bekannt darf ich im Nebengewerbe 15Std aufwenden, ist das Fix Pro Woche oder ein Durchschniit für Woche / Monat / Jahr?
- Dürfte ich auch z.b. 2x 7,5Std machen oder eine Woche 30std und eine Woche nichts?

Eine 15-Stunden-Grenze bzgl. Nebenbeschäftigung (egal ob selbständig oder abhängig beschäftigt) gibt es ausschließlich im §155 SGBIII - also beim Bezug von Arbeitslosengeld von der Agentur für Arbeit. Im SGBII (Arbeitslosengeld II) ist der zeitliche Aufwand völlig nebensächlich! Da ist maßgebend der finanzielle Input!
Was aber passieren kann, dass Du - trotz Nebengewerbe - Vermittlungsvorschläge bekommst.
 

Uhus

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@Timmey91: Selbständigkeit und ALG II sind nicht wirklich miteinander kompatibel. Es verursacht viel zusätzlichen Stress. Selbst deine unternehmerischen Entscheidungen kann das Jobcenter teilweise indirekt mitbestimmen. Viele Jobcenter versuchen auch Druck auf die ALG-II-Bezieher auszuüben, damit die gewerbliche Tätigkeit möglichst schnell wieder aufgegeben wird. Schließlich ist auch der Verwaltungsaufwand für die Behörde enorm und die gesamte Materie mehr als kompliziert.

Wirklich helfen würde dir ein Bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger. Dieses könnte enorme Ressourcen und Kreativität freisetzen, die durch chronische Existenzangst und irre Bürokratie blockiert werden.
 

Spanky112

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Das mit der UG würde ich nicht machen, du hast ein paar Nachteile dadurch.
- Bilanzierungspflicht (hohe Steuerberaterkosten)
- ca. 30% Steuern (Dein Steuersatz sollte darunter liegen beim ALG2 ;) )
- 25% Gewinn müssen zurückgestellt werden bis 25.000 EUR zusammen sind.
- GF Gehalt kann dazu führen das dein Sozialversicherungsstatus geprüft werden muss (ggf. musst du dich dann selber Versichern)
- bei einer 100% Beteiligung ist es möglich das dein Unternehmen zu deinem vermögen gezählt wird. So das du aufgefordert wirst das Unternehmen zu verkaufen ggf. Anteile um dein Vermögen "aufzubrauchen"

Und das wichtigste, es gibt der Zeit keine Urteile vom Sozialgericht ob und wie das Jobcenter nun Kapitalgesellschaften Händeln soll. Du kannst glück haben oder Pech und dann lange Klagen (meine Klage dauert schon 1 1/2 Jahre) bevor du dann auch nur 1 Cent ohne EKS etc. bekommst.

Ich habe mich Monatelang damit beschäftigt und geplant eine GmbH zu Gründen, aber mit dem JC im Nacken ist das kaum möglich. Wenn Gründen dann wenn auch genug Geld reinkommt oder Rücklagen da sind.
 
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