Ich bin nach langer Arbeitsunfähigkeit genesen und möchte einen Berufsabschluss erreichen. Wie sollte ich verfahren?

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BT78

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Hallo,


mein Problem ist folgendes, ich habe meine Ausbildung abbrechen müssen aus gesundheitlichen Gründen und war danach knapp 6 Jahre AU geschrieben.

Jetzt bin ich seit ca. einem Monat wieder genesen, weiß aber gar nicht, wie es jetzt weitergehen soll und kann und meine schnarchnasige SB kann/will auch nicht so recht weiterhelfen.

Ich hatte die Idee, eine Umschulung zu machen, habe aber keine Erstausbildung und mir wurde dies seitens der SB auch direkt in Abrede gestellt. Mit der Begründung, dass meine Ausbildung schon sooooo lange her ist und die dort geleistete Arbeitszeit nichts mehr zählt.

Man bot mir aber direkt an, mich in einem Kurs zu schicken, damit ich mich als LKW-Fahrer qualifizieren kann. (Unmöglich aufgrund meiner Sehschwäche)


Andernfalls sagte man mir, dass ich mich auf dem ersten Arbeitsmarkt nach einem Ausbildungsplatz umsehen soll. Generell halte ich dies auch für sinnvoll, ABER, einen vernünftigen Schulabschluss habe ich auch nicht vorzuweisen, zu mehr als Hauptschule mit dem Notendurchschnitt von 4,3 hat es damals nicht gereicht.

Wie stehen die Chancen, doch noch einen Berufsabschluss zu erlangen, evtl. sogar über eine Umschulung bzw. gibt es Möglichkeiten, wie ich weiter verfahren kann?

Danke im Voraus für die Hilfe.
 

LeopoldVonSchleck

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Hi,

Da ich mit dieser Thematik sehr vertraut bin, kann ich dir gerne morgen weitere Informationen geben. Ich müsste in dem Zusammenhang dein Alter wissen und ob du Kind(er) hast, ggf. sogar alleinerziehend.
 

abcabc

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Hallo,
gibt es denn irgendeinen konkreten Beruf oder Bereich, der dich wirklich interessiert oder geht es dir eher darum aufm Papier einen beliebigen Berufsabschluss zu bekommen?

Es gibt Branchen, in denen wirst du sicher auch mit einem nicht so guten Hauptschulabschluss problemlos einsteigen können, wenn du im Rahmen von 1-2 Wochen Praktikum den Chef überzeugst.
Es gibt allerdings auch Branchen, in denen es sehr schwer wird, wenn du den Beruf nicht schon vorher als Hobby ausgeführt hast....
 

Ruhrpottmensch

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Moin
Ich hatte die Idee, eine Umschulung zu machen, habe aber keine Erstausbildung und mir wurde dies seitens der SB auch direkt in Abrede gestellt. Mit der Begründung, dass meine Ausbildung schon sooooo lange her ist und die dort geleistete Arbeitszeit nichts mehr zählt.
Nun... Ich denke, dass eine "Umschulung" (im "klassischen" Sinne) hier nicht der "richtige" Ansatz ist...
"Umschulung" bedeutet ja, dass man schon mal einen (oder mehrere) Beruf gelernt hat, diesen nicht mehr ausüben kann (Warum auch immer) und deswegen in ein (vielleicht völlig) neues Berufsfeld "umgeschult" wird. Also das "klassische" Ding über die RV...

Man bot mir aber direkt an, mich in einem Kurs zu schicken, damit ich mich als LKW-Fahrer qualifizieren kann. (Unmöglich aufgrund meiner Sehschwäche)
Ich weiß aber auch, dass eben "Umgangssprachlich" so etwas wie hier ("Ausbildung" als "LKW-Kutscher") eben oft auch als "Umschulung" bezeichnet wird. Oder eben auch, wenn man einen (weiteren/höheren) Schulabschluss erwerben möchte. ;)
Selbst manch ein Mitarbeiter der BA spricht ja in diesen Zusammenhängen von einer "Umschulung", auch wenn das so nicht ganz richtig ist...

Aber zurück zu eigentlichen Thema...
Wie stehen die Chancen, doch noch einen Berufsabschluss zu erlangen, evtl. sogar über eine Umschulung bzw. gibt es Möglichkeiten, wie ich weiter verfahren kann?
Wie die "Chancen" stehen, kann Dir hier wohl niemand zu 100% beantworten. Dazu ist das halt auch von viel zu vielen Faktoren abhängig (Auch beim JC).

Aber wie schon von meinen "Vorschreibern" geschrieben, könntest Du Dich ja primär "selbstständig" in der "freien Wirtschaft" um einen Ausbildungsplatz kümmern. Sicherlich muss man da -ab einem gewissen Alter- etwas "NoNo in der Hose" haben, sich nicht so schnell entmutigen lassen und bestimmt auch das ein oder andere Mal erklären, warum man so "spät" noch eine Ausbildung sucht. Meiner Erfahrung nach aber alles "händelbar"...

Ob man sich hinsichtlich einer Ausbildung auf ein JC "verlassen" möchte... Hmm... Meiner Erfahrung nach, sind JC da bei Leistungsbezieher über 25 Jahren tatsächlich nicht wirklich z gebrauchen. Das ist in dem Bereich halt dann einfach nicht mehr deren Zielsetzung, die wollen die LE dann nur so schnell wie möglich aus dem Leistungsbezug rausbringen. Ebenso mit dem Erwerb eines höheren Schulabschluss. Da arbeiten die Mühlen sehr langsam...

Ich würde Dir wahrscheinlich an ehesten raten, sich selbst "schlau" zu machen, entsprechende Bildungsträger für einen Schulabschluss raus zu suchen (oder eben eigeninitiativ eine Ausbildung suchen) und dann mit Nachdruck (und vielleicht sogar "gemeinsam") beim JC nach "Förderungsmöglichkeiten" zu pochen/fragen...
 

Woodruff

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Hallo BT78,

Ich hatte die Idee, eine Umschulung zu machen, habe aber keine Erstausbildung und mir wurde dies seitens der SB auch direkt in Abrede gestellt. Mit der Begründung, dass meine Ausbildung schon sooooo lange her ist und die dort geleistete Arbeitszeit nichts mehr zählt.

da Du Deine Ausbildung aus gesundheitlichen Gründen abbrechen mustest, sehe ich da doch noch eine Chance für Dich. Gerade für Menschen mit Vorerkrankungen bietet ein Berufsförderungswerk viele Vorteile. Beispielsweise wenn Du Internatsweise dort bist hast Du eine Vollverpflegung, zu hause müstest Du ja Dein Essen selbst bezahlen. Alle 14 Tage wird eine heimfahrt vom Kostenträger übernommen. Dort wirst Du auch viele Umschüler in Deinem Alter kennenlernen.

Die Situation bei einer abgebrochenen Ausbildung​


Wenn Sie eine Ausbildung begonnen haben, diese jedoch nicht abschließen konnten, sind die Aussichten für eine Finanzierung der Umschulungsmaßnahme in vielen Fällen recht gut. Allerdings hängt dies stets davon ab, aus welchem Grund Sie die Ausbildung nicht beenden konnten. Wenn Sie beispielsweise einen Arbeitsunfall erlitten oder an einer Berufskrankheit leiden, muss die Berufsgenossenschaft für die Umschulung aufkommen.

Wenn Sie hingegen die Ausbildung vorzeitig beendeten, weil sich die Arbeitsmarktsituation so verändert hat, dass die entsprechenden Fachkräfte nicht mehr benötigt werden, können Sie sich wegen der Umschulung an das Arbeitsamt wenden. Hier müssen Sie genau begründen, weshalb die Chancen auf eine Anstellung im Beruf, den Sie in der Erstausbildung erlernen wollten, schlecht sind und weshalb sich diese durch eine Umschulung verbessern würden.

Relativ schlechte Erfolgsaussichten haben Sie immer dann, wenn kein triftiger Grund dafür bestand, dass Sie die Erstausbildung abgebrochen haben. Wenn Sie beispielsweise feststellten, dass Ihnen der erlernte Beruf keinen Spaß macht und Sie deshalb die Erstausbildung abgebrochen haben, kann es recht schwer sein, eine Finanzierung der Umschulung zu erhalten.
 

BT78

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@LeopoldVonSchleck Keine Kinder, 27 Jahre alt.

@abcabc Generell würde ich gerne die damals angefangene Ausbildung beenden bzw. wieder anfangen, damals war ich im IT-Bereich tätig.

@Ruhrpottmensch

Du hast natürlich recht, meine Aufgabe ist es, mich selbstständig nach einem Ausbildungsplatz zu bemühen, aber ich dachte, dass es gerade für Leute wie mich, die sehr lang Krank waren, eine Möglichkeit zur "Wiedereingliederung" gibt. Ich werde mich jetzt aber selbst darum kümmern, meinen Realschulabschluss nachzuholen, weiterhin aber an der Idee festhalten, eine durch das Amt geförderte Ausbildung zu kriegen.

@Woodruff

Die Idee mit dem Berufsförderungwerk klingt sehr gut, sowas hatte ich gar nicht auf dem Schirm.

Wie gehe ich denn jetzt am besten vor?
Ich bin, was Anträge angeht, an das Jobcenter gar nicht firm, da ich die letzten Jahre keinerlei Schriftverkehr oder sonstigen Kontakt mit der Behörde hatte.

Danke an euch alle für eure Hilfe.
 

user_0815

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aber ich dachte, dass es gerade für Leute wie mich, die sehr lang Krank waren, eine Möglichkeit zur "Wiedereingliederung" gibt.
Das sollte es geben. Da musst du aber selbst recherchieren und nicht darauf hoffen, dass man dir etwas anbietet.

Eine schulische Ausbildung beim Bfw kommt in Frage, wenn du Teilhabe am Arbeitsleben bewilligt bekommst.
Hast du durch deine lange Erkrankung denn bleibende Schäden, sprich eine Behinderung zurückbehalten?

In deinem Alter könntest du dich noch regulär um einen Ausbildungsplatz zu bewerben.

meinen Realschulabschluss nachzuholen
Das ist eine sehr gute Idee.
 

Woodruff

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Hallo BT78,

Jetzt bin ich seit ca. einem Monat wieder genesen, weiß aber gar nicht, wie es jetzt weitergehen soll und kann und meine schnarchnasige SB kann/will auch nicht so recht weiterhelfen.

warst Du vielleicht in der letzten Zeit im Krankenhaus? Falls das der Fall sein sollte und Du ein Entlassmanagement im Krankenhaus unterschrieben hast ist es möglich das Du von dort noch Hilfestellung bekommen kannst. Der Sozialdienst des Krankenhauses unterstützt bei Anträgen auf Umschulung, Medizinischen Reha- Maßnahen und Rentenanträgen etc. Das ist wirklich sehr hilfreich, besonders wenn man eine längere Zeit krank war.

Die Idee mit dem Berufsförderungwerk klingt sehr gut, sowas hatte ich gar nicht auf dem Schirm.

Wie gehe ich denn jetzt am besten vor?
Ich bin, was Anträge angeht, an das Jobcenter gar nicht firm, da ich die letzten Jahre keinerlei Schriftverkehr oder sonstigen Kontakt mit der Behörde hatte.

Meine Berufliche Reha habe ich bei der DRV beantragt, allerdings müssen mindestens 15 Rentenversicherungs- Jahre vorhanden sein. Es war nicht so schwer den Antrag auszufüllen.

Wichtig ist auch, dass Deine behandelnden Ärzte Dich unterstützen und eine Berufliche Reha befürworten.

Wo kann man eine geförderte Umschulung beantragen?

Die meisten denken bei einer finanzierten Umschulung an die Agentur für Arbeit und an die Rentenversicherung. Es gibt hier jedoch mehrere Möglichkeiten. Die Zuständigkeit kann sich doppeln, dann hat jedoch ein Leistungsträger eine Spezialzuständigkeit.

Diese Stellen übernehmen die Kosten der Umschulung:
  • die Rentenversicherung
  • eine Berufsgenossenschaften
  • die gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)
  • die Arbeitsagentur
  • der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr (BFD)
  • das Jobcenter/ die ARGE
  • der Arbeitgeber
  • oder man finanziert die Umschulung selbst

Beispiel: IT- Berufe im BFW Bad Wildbad
 

LeopoldVonSchleck

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Hallo BT78,

In deinem Alter ist es auf dem ersten Arbeitsmarkt mit einem solchen Zeugnis relativ schwierig, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Was zum Beispiel Ruhrpottmensch schrieb oder die anderen, kann ich nicht bestätigen. Bei mir war es damals so: Ich ging zum damaligen SB des JC, äußerte ich möchte eine Berufsausbildung zum Einzelshandelskaufmann machen und bekam sofort die Aussage "ok. Machen wir!" Ich musste lediglich zu einem Eignungstest bei der AfA. Bei mir wurde es auch als Umschulung deklariert, obwohl ich bis dato noch keinen Beruf erlernt hatte. Drei Monate später ging es los. Es muss aber klar sein, dass es sich hierbei nicht um eine klassische Ausbildung handelte. Ich habe binnen 24 Monaten eine verkürze schulische Ausbildung, davon 8 Monate Praktikum bei einem Arbeitgeber, absolviert. Der IHK-Abschluß ist der "normalen" Ausbildung aber völlig gleichgestellt. Es lief über das sog. "Virtuelle Klassenzimmer" Unterricht, das bedeutet, zwar in der Schule Anwesenheitspflicht aber Unterricht nur über PC, den man oftmals vergessen konnte. Man muss sich, insbesondere vor den Prüfungen, gewaltig auf den Hintern setzen und sich vieles selbst beibringen, ich hatte zum Glück in der Mehrheit tolle Mitschüler, demnach lief es. Das Alter war bunt gemischt, von der 19jährigen Teenagerin über Leute um die 30 (so auch ich) bis hin zum 50jährigen ehemaligen Bäcker war alles dabei. Jedwede Couleur war vertreten, aber bis auf einige Ausnahmen die man überall hat sehr angenehme Menschen.

Du möchtest gerne im IT Bereich arbeiten. Diese Umschulungen werden definitv angeboten und vom JC bezahlt. Bei dir ist es allerdings eine "Kann"-Leistung, wie es bei mir auch war, also es ist Ermessen des JC, ob sie dir sowas bezahlen, denn billig ist es nicht. Beim eben erwähnten Bäcker war es eine "Muss"-Leistung, der musste umgeschult werden (Klassiker: Mehlstauballergie entwickelt).

Es ist bei dir, je nach Ort, JC und SB also in dieser Hinsicht ein Glücksspiel. Du kannst gezielt nach einem Träger suchen, der solche Umschulungen im IT Bereich anbietet und beim JC beantragen, dass dieses bezahlt wird. Am Besten dort das Angebot des Trägers vorlegen.

Was deine Erkrankungen betreffen, ist es sogar möglich, eine solche Umschulung in Teilzeit zu absolvieren. Das waren bei mir damals in "der Klasse" allerdings hauptsächlich junge alleinerziehende Mütter Mitte 20. Aber auch ein chronisch Kranker war dabei.



Bei Rückfragen melde dich gerne. Ich habe sogar zu jemanden, der eine Umschulung im IT Bereich damals machte, bis heute Kontakt. Wenn ich mich Recht erinnere: Systemadministrator oder sowas.
 
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Woodruff

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Zur Info


IT-Berufe: Vorraussetzung Schulabschluss​

Im Prinzip steht aber einem Berufsleben in der Welt der Informatik und Informationstechnologie nichts entgegen, wenn man zumindest einen Hauptschulabschluss mitbringt. Viele Ausbildungsberufe sind gerade für diejenigen interessant, die eben “nur” diesen Abschluss vorweisen können.

Der überwiegende Teil der Ausbildungsberufe in diesem Sektor ist aber für alle vorgesehen, die einen Realschulabschluss erreichen konnten. Für diejenigen, welche erfolgreich ein Gymnasium oder Fachgymnasium mit der Allgemeinen (Fach-)Hochschulreife abgeschlossen haben, eröffnet sich zudem die Möglichkeit, ein Studium der Informatik anzutreten. Abiturienten können sich aber auch auf die meisten Ausbildungsstellen bewerben oder – was für die meisten besonders attraktiv ist – ein duales Studium beginnen, welches Studium und Berufsausbildung miteinander verbindet.
Quelle: https://it-talents.de/it-karriere/it-berufe/
 
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