Ich bin im ALG2-Bezug und habe mit über dreißig einen Studienplatz erhalten. Soll ich den Wechsel auf einen Studienkredit wagen?

Judikate

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Hallo liebe Gemeinde,

Ich habe überraschend einen studienplatz erhalten und kann endlich anfangen Pharmazie zu studieren.

Ich befinde mich aber derzeit im Alg2 Bezug, dieses würde nun direkt zum 1.11.20 wegfallen, wenn ich den studienplatz annehme.

Ich war so lange krankgeschrieben, dass ich auf der einen Seite sehr glücklich bin einen Platz zu haben auf der anderen Seite habe ich Angst es nicht zu schaffen.
Der worst case wäre natürlich, wenn man mitten im Studium wieder zurückkehren müsste zum. Jobcenter und dann auch noch mit Schulden, da ich ja einen studienkredit aufnehmen muss, um zu studieren.

Ist denn eine Rückkehr und antragstellung einfach? Ich bin jetzt so lange im Bezug, dass ich nicht mal mehr das weiß.
Ich habe eine Ausbildung im laborbereich abgeschlossen und bin mir unsicher, ich das Studium jetzt mit Corona und allem drum und dran beginnen soll. Was würdet ihr tun, denkt ihr es lohnt sich?

Oder meint ihr es ist ein zu großes Risiko im Moment ein Studium zu beginnen?
 

Uhus

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Ich war so lange krankgeschrieben, dass ich auf der einen Seite sehr glücklich bin einen Platz zu haben auf der anderen Seite habe ich Angst es nicht zu schaffen.
Inwieweit dich deine Krankheit beim Studium beinträchtigen kann, wissen wir nicht.

Die meisten Studienanfänger scheitern an ihrer Selbstorganisation oder - bei Studiengängern, wo es darauf ankommt - an ihren bescheidenen Mathematikkenntnissen, die sie tatsächlich nicht für ein Hochschulstudium befähigen.

Tipp: Bewirb dich auf Stipendien bei diversen Organisationen, Stiftungen etc. Selbst ein Teilstipendium würde dein finanzielles Risiko minimieren.
 

grün_fink

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Herzlichen Glückwunsch :love:

Für Pharmazie hätte ich kein besonderes Interesse gehabt, und hätte es auch wegen fehlendem Biologie (und Latein) im Abi auch nicht studieren dürfen.
Schulden hätte ich persönlich nicht nochmal gemacht, war ich doch jahrelang bis knapp über das dreißigste Lebensjahr hinaus nur damit beschäftigt, Schulden zurückzuzahlen für einen privaten Fehler, und schon nicht mehr gesund.

Die Idee mit dem Teilstipendium finde ich super, das nimmt jede Menge Druck raus.
Mittlerweile gibt es auch Studienfinanzierung über so eine Art Organisation, wo man später wenn möglich die nachfolgenden Generationen an Studierenden finanziell unterstützt. Las ich mal zum Medizinstudium, ob das bei anderen Studienrichtungen auch möglich ist, weiß ich nicht. Mir fällt auch nicht der passende Suchbegriff ein.
 

Kerstin_K

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Ich erzähl dir mal was: Ichhabe, weil ich wegen meiner Behinderung auf dem damals sehr engen aisbildungsmarkt keine Stelel bekommen habe, meine erstausbildung in einem Berufsförerungszentrum gemacht. Wenige Tage bevor eslosgehen sollte, fragte mich meine Berufsberaterin am Telefon, ob ich nicht lieber BWL studieren wolle. Ichhabe das abgelehnt. Ichh war schon die erste in meiner Familie, die überhaupt Abi gemacht hat, Studium, das konnte ich mir nicht vorstellen. Ausserdem fand ich, dass man so eine Entscheidung nicht mal eben von jetzt auf gleich am Telefon trifft.

Ichhabe erst in ser Ausbildung erfahren, was BWL eigentlich ist und ich fand und finde das noch heute mega interessant. Ich hätte dieses Studium gerne später nachgeholt, aber die Gelegenheit bot sich einfach nicht.

Meine Nichte hat nach dem Abi erst ein Soziales Jahr im Ausland gemacht. Als sie aus Micronesien zurückkam , hatte se kein <elternahaus mehr, weil die Ehe ihrer Eltern kaputt war und das Haus verkauft. Sie hatte sich aber schon aus dem Ausland für eine Ausbildung zur Karankenschwester beworben und konnte unter drei Stellen wählen. SIe hat dann die Ausbildung durchgezogen, während deser zeit im Schwestenheim gewohnt un auch nach der Ausbildung noch einige Jahre in dem Beruf gearbeitet. Aber richtig glücklich war sie nie damit, dass man Patienten heute nicht mehr so versorgen kann, wie es eigentlich gut wäre. Sie hat dann angefangen Wirtschaftspsychologie zu studieren. Am Anfang hatte sie noch eine Untermieterin in der Wohnung und hat in der Pflege gejobbt, um sich zu finanzieren, später bekam sie ein Stipendium von der Stuftung des Deutschen Volkes, Da muss man eine Prüfung bestehen, die nicht ganz einfach ist. Den BAchelor hat sie schon, den Master macht sie jetzt in den Niederlanden. Das Mädchen lebt meinen Traum!
 

grün_fink

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Bei uns war auch ich die Erste mit Abi. Und wäre nicht "der Staat" dahinter gewesen, dass wir Mädels studieren, wüsste ich nicht, ob mich der Mut verlassen hätte.
Meine Nichte studiert auch in die Richtung, die ich hätte in Westdeutschland studieren sollen. Sie hat einige Vorteile gegenüber mir: Sie hat westdeutsche Schulzeugnisse, wurde in Westdeutschland sozialisiert, konnte ihre "Hilfsarbeiterkarriere" noch vor dem 25. Lebensjahr beenden (und musste nicht noch Wahnsinnsarbeitswege in Kauf nehmen, um überhaupt arbeiten zu können) - und man sagte ihr nicht erst mit 50, was mit ihr los ist (und gab ihr Jahrzehnte vorher schon Psychodiagnosen).
Allerdings hat das auch für sie einen Preis: Sie muss trotzdem Psychopharmaka schlucken, und hat einen Wahnsinns finanziellen Druck. Ob ich selber mit über 30 Jahren mich nochmal so hätte einschränken können - oder besser gesagt mich immer länger einschränken - glaube nicht.

Dem Threaderöffner viel Erfolg, Spaß und Glück wünsche 💐
 

Judikate

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Ooh ich danke euch vieeelmals für eure Einschätzungen, Tipps und Erfahrungen :)

Das mit den stipendien schaue ich mir auf jeden Fall an.
Ich habe jetzt die Immatrikulation und alles soweit erledigt und abgeschickt.

Ich habe große Ängste aber, wer nicht wagt der nicht gewinnt :)

Herzlichen Dank nochmal an alle
 
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