Ich bekomme Erwerbsunfähigkeitsrente und habe Befreiung von Zuzahlungen bei der Krankenkasse beantragt. Trotz gleichem Geld wie mein Freund, ist der Betrag, den ich zahlen soll höher.

Hypnose

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Hi,
Ich frage wegen meiner Verlobten. Sie bezieht EU-Rente und Arbeitet in einer Behindertenwerkstatt.
Wir haben wegen der Medikamentenbefreiung von Zuzahlungen bei ihrer Krankenkasse einen Antrag gestellt.
Ich bekomme Grundsicherung und arbeite auch in einer WfBM. Wir haben fast exakt gleich viel Geld. Sie hat vielleicht 20 euro mehr.
Trotzdem muss ich für die Medikamentenzuzahlung nur 53 euro bezahlen und sie 112 euro. Wir beide sind chronisch Krank.

Haben "wir" ( besser gesagt ihrer Betreuerin ) etwas falsch gemacht ?
 

ZynHH

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Sag uns doch bitte, was ihr jeder jährlich jeweils als Bruttoeinkommen habt. Ist bei ihr evtl noch die 2% und bei dir die 1% Regelung?
 

wheelie

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Ich fürchte, dass bei der EU Rente die komplette Rente angerechnet wird und nicht "nur" der Teil für Lebenserhaltungskosten, wie bei Grundsicherung.

Mit Glück ist es wirklich 2 %, dafür drücke ich Euch die Daumen!
 

Kerstin_K

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Erstens ist nicht jeder Schwerbehinderte kronisch krank und zeitens muesste nach disem Satz der mit dem hohen GdB mehr zahlen als der mit dem niedrigen.
 

HermineL

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Erstens ist nicht jeder Schwerbehinderte kronisch krank.....
Wenn du doch schon so ansetzt, was nahelegt das du weißt um was es sehr wahrscheinlich geht, dann erkläre doch auch vollständig worauf sich der Unterschied zwischen dem 1% und den 2% bezieht.

Bei zahlreichen Leistungen der Krankenversicherung muss der Patient Zuzahlungen leisten. Damit Patienten, insbesondere chronisch Kranke, Menschen mit Behinderungen, Versicherte mit einem geringen Einkommen und Sozialhilfeempfänger durch die Zuzahlungen zu medizinischen Leistungen nicht unzumutbar belastet werden, gibt es eine sog. Belastungsgrenze.

Diese Belastungsgrenze liegt bei 2 % der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt, d.h. wer darüber hinaus Geld für Zuzahlungen ausgeben muss(te), kann sich für den Rest des Jahres von den Zuzahlungen befreien lassen bzw. bekommt den Mehrbetrag von der Krankenkasse zurückerstattet.
Für chronisch Kranke liegt die Belastungsgrenze bei 1 % der jährlichen Bruttoeinnahmen.

Quelle:
Betanet

Auf das Eingangsposting des TE bezogen bedeutet dies das einer der beiden 2% zahlt weil er ein geringes Einkommen hat und der anderen nur 1% weil er zusätzlich noch chronisch erkrankt ist.
Wenn beide chronisch erkrankt sind kann sich der Unterschied eigentlich nur durch das Einkommen begründen. Auf den GDB bezogen kommt noch hinzu das derjenige der einen GDB von 60 hat automatisch als chronisch krank gilt (wenn wenigstens ein Jahr lang, mindestens einmal pro Quartal eine ärztliche Behandlung vorliegt) und daher nur 1% zahlen muss . Bei einem GDB unter 60 sind es 2%. Das gleiche gilt im übrigen auch für jemanden der einen Pflegegrad von 3 oder höher 3 hat. Auch dieser gilt als chronisch krank.
Nachlesen kann man das in der Chroniker-Richtlinie die ich hier als pdf anhänge.
 

Anhänge

  • RL-Chroniker_2017-11-17.pdf
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Hypnose

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Eine chroniker Bescheinigung wurde ihr vom Doktor ausgestellt und der Betreuerin gegeben. mtl haben wir jeder ca. 840 euro mit Miete und Job. Wir leben zusammen.
 

HermineL

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Dann solltest ihr gegen den Bescheid der Krankenkasse mit der Begründung das eine chronische Erkrankung vorliegt und nachgewiesen wurde einen Widerspruch einlegen. Wahrscheinlich hat dort jemand geschlafen und das nicht berücksichtigt.
 

Helga40

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Nee, wahrscheinlich trifft das zu, was wheelie schrieb. Während beim TE nur 1% des Regelsatzes (ohne KdU) als Grundlage der Belastungsgrenze herangezogen wird, ist es bei seiner Verlobten die volle Rente. Also 432 x 12 = 5184 Euro x 1 % = 51,84 EURO. Während bei ihr wahrscheinlich ca. 933 Euro Rente die Grundlage bilden (933 x 12 = 11196 x 1% = 111,96 Euro).

Vielleicht weiß der TE ja, wie hoch die Rente ist.
 

Kerstin_K

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Auf den GDB bezogen kommt noch hinzu das derjenige der einen GDB von 60 hat automatisch als chronisch krank gilt und daher nur 1% zahlen muss. Bei einem GDB unter 60 sind es 2%.
Auch das ist leider so nicht richtig. Auch ein Schwerbehinderter mit GsB 60 und höher ist nicht automatisch chronisch krank, sondern nur dann, wenn er wegem der Erkrankung mindestens einemal im Quartal in Behandlung ist. Und das ist längst nicht bei allen Behinderungen der Fall, weil eben eine Behinderung nicht zwingend eine Krankheit ist.

Ich habe GdB 100 und ihc bin seltenst beim Arzt. Gibt da nämlich nichts zu behandeln. Ich kenne auch keinen Blinden, der jedes Quartal zum Augenarzt rennt, beinamputierte brauchen auch nicht jedes Quartal einen Arzt....
 
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ABSW

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Hermine hat die Chronikerregelung eingestellt.


Chroniker-Richtlinie (§ 62 SGB V)​


Als "schwerwiegend chronisch krank" gilt, wer wenigstens ein Jahr lang wegen derselben Krankheit mindestens einmal pro Quartal in ärztlicher Behandlung ist (Dauerbehandlung) und mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt:


  • Pflegebedürftig mit Pflegegrad 3 oder höher.
  • Grad der Behinderung (GdB) oder Grad der Schädigungsfolgen (GdS) von mindestens 60. Der GdB oder GdS muss durch die schwerwiegende Krankheit begründet sein.
  • Eine kontinuierliche medizinische Versorgung (ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, Arzneimitteltherapie, Versorgung mit Hilfs- und Heilmitteln) ist erforderlich, ohne die aufgrund der chronischen Krankheit nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der Erkrankung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität zu erwarten ist.

Versicherte, die an einem strukturierten Behandlungsprogramm (DMP) teilnehmen, gelten ebenfalls als schwerwiegend chronisch erkrankt.


Das Vorliegen einer schwerwiegenden chronischen Erkrankung und die Notwendigkeit der Dauerbehandlung müssen gegenüber der Krankenkasse durch eine ärztliche Bescheinigung nachgewiesen werden.



Quelle:

https://www.g-ba.de/downloads/62-492-1530/RL-Chroniker_2017-11-17.pdf
 

HermineL

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Auch das ist leider so nicht richtig. Auch ein Schwerbehinderter mit GsB 60 und höher ist nicht automatisch chronisch krank, sondern nur dann, wenn er wegem der Erkrankung mindestens einemal im Quartal in Behandlung ist.
Ja klar ist falsch. Vielleicht sollte man erst einmal richtig lesen was geschrieben wurde. Davon abgesehen reicht es nicht mindestens einmal im Quartal in Behandlung gewesen zu sein wie du schreibst sondern wenigstens 1 Jahr lang mindestens einmal im Quartal in Behandlung zu sein.

Das hätte man aber auch Beitrag #10 sowie der dort angehangenen Chroniker-Richtlinie entnehmen können. Sei es drum. Aber schön das wir mal drüber geredet haben.
Hauptsache der TE kann anhand der Informationen eruieren was der Grund ist.

Nee, wahrscheinlich trifft das zu, was wheelie schrieb..Während beim TE nur 1% des Regelsatzes (ohne KdU) als Grundlage der Belastungsgrenze herangezogen wird, ist es bei seiner Verlobten die volle Rente. Also 432 x 12 = 5184 Euro x 1 % = 51,84 EURO. Während bei ihr wahrscheinlich ca. 933 Euro Rente die Grundlage bilden (933 x 12 = 11196 x 1% = 111,96 Euro).
Dem wird wohl so sein. Deshalb schrieb ich ja:
Wenn beide chronisch erkrankt sind kann sich der Unterschied eigentlich nur durch das Einkommen begründen.
 

Lucky Luke

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Also so wie ich diese Chroniker-Richtlinie aus # 15 lese, ist doch entscheidend (ich zitiere) aus Par. 62 SGB V:

"Das Vorliegen einer schwerwiegenden chronischen Erkrankung und die Notwendigkeit der Dauerbehandlung müssen gegenüber der Krankenkasse durch eine ärztliche Bescheinigung nachgewiesen werden."

Und dies muss zusätzlich zu den anderen Voraussetzungen gegeben sein; oder sehe ich das falsch?

Liegt diese ärztliche Bescheinigung der Krankenkasse vor?
 
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Atze Knorke

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Hallo Hypnose,

bitte, damit du dich in diesem Dschungel zurecht findest, gebe ich dir mit auf den Weg, hier
sind die Positionen strukturiert erklärt:

Belastungsgrenze bei chronischer Erkrankung​

Wann ein Versicherter als chronisch krank gilt, regelt die Richtlinie zur Umsetzung der Regelungen in § 62 SGB V für schwerwiegend chronisch Erkrankte (Chroniker-Richtlinie) des Gemeinsamen Bundesausschusses. Nachzuweisen ist die chronische Erkrankung durch eine Bescheinigung (Muster 55) vom behandelnden Arzt.

Die Chronikerbescheinigung - Vordruck 'Muster 55' - im Sinne des § 62 SGB V. :


1601823371840.png



Zuvor bereits angemerktes, noch mal kurz zur jährlichen Zuzahlungsbefreiung für (schwerwiegend)
chronisch Kranke wiederholt:
Die Voraussetzungen: Die selbe Krankheit muss dauernd behandelt werden - mindestens 1 x
pro Quartal und mindestens 1 Jahr lang - oder einer dieser Punkte trifft zu:
- es liegt mindestens die Pflegestufe 2 vor
- es liegt eine Behinderungsgrad (GdB) von mindestens 60 Prozent vor
- die Erwerbsfähigkeit ist um mindestens 60 Prozent gemindert
- der Krankheitszustand verschlimmert sich, wenn keine kontinuierliche, medizinische Versorgung gewährleistet wird.

Diesen M-55 Vordruck - ausgefüllt von behandelnden Arzt - im Original (vorab bitte Kopie davon fertigen)
und der jeweilige Bescheid in Kopie bei der zuständigen Krankenkasse nachweislich einreichen, damit
dann die korrekte Belastungsgrenze berechnet werden kann.

Für 2021:
Dieser Regelsatz liegt bei 446€ (5.352€ jährlich) - Die Bedarfsgemeinschaft hat daher Zuzahlungen
in Höhe von 107,04€ oder 53,52€ bei einer chronischen Erkrankung an die KK zu leisten.

Bitte bei der Betreuerin zur Sachverhaltsklärung nachfragen.
 

HermineL

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Dieser Regelsatz liegt bei 446€ (5.352€ jährlich) - Die Bedarfsgemeinschaft hat daher Zuzahlungen
in Höhe von 107,04€ oder 53,52€ bei einer chronischen Erkrankung an die KK zu leisten.
Das dürfte hier nicht nicht zutreffend sein. Es zählt das Einkommen eines jeden. Wenn der eine ALG II bekommt sind das 2 respektive 1% vom Regelsatz und bei dem anderen Partner muss von der Rente ausgegangen jeweils mit 2 oder 1% gerechnet werden. Das passende Beispiel dazu hat @Helga40 schon in Beitrag #13 gebracht.
 

Atze Knorke

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Das dürfte hier nicht nicht zutreffend sein. Es zählt das Einkommen eines jeden. Wenn der eine ALG II bekommt sind das 2 respektive 1% vom Regelsatz und bei dem anderen Partner muss von der Rente ausgegangen jeweils mit 2 oder 1% gerechnet werden. Das passende Beispiel dazu hat @Helga40 schon in Beitrag #13 gebracht.

Beitrag #13 betrifft das Zahlenwerk für das Jahr 2020. Für 2021 sind die Zahlen im Beitrag #23 insoweit zutreffend.

Die Rentenberechnung der Verlobten und die Grundsicherung des TE - jedoch beide sind chronisch krank - sind hier erwähnt worden.
Das fehlende 'Muster 55' für die Rentenberechnung der Verlobten für die Belastungsgrenze zur Zuzahlungsbefreiung an die zuständige KK ist notwendig.
 
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