HundeHütte als Unterkunft: angemessen?

*kampfpaar*radikal.A

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Liebe Leutz,

da ich mich selber in einem stressigen Umzug befinde, hab' ich nicht
so voll die Zeit, mich mit den UmzugsSchwierigkeiten eines Freundes
intensiv zu befassen.

Hier die ProblemStellung:

Der Mann wohnt seit 12 Jahren in einer MiniWohnung von 18 qm.
Nun möchte er in das gleiche Haus ziehen, in das auch ich ziehe.
Dort hätte er etwas mehr als 40 qm - und die Wohnung ist glatt
paradiesisch.
Soweit - so gut.
Doch das hiesige JobCenter bockt & windet sich.

1) Sie behaupten, jetzige 18 qm-Wohnung wäre kein Grund, als
Notwendigkeit einen Umzug genehmigt zu bekommen.

2) Die neue Wohnung kostet 400 Euronen (knapp 13 Euro mehr als
hiesige Angemessenheit).
Da in ihren Augen keine "UmzugsNotwendigkeit" vorliegt, würden sie
eh nur den Preis der alten Wohnung übernehmen (312 Euro) ...

- - - - -

Die Sache mit den 13 Euro mehr als "angemessen" kriegen wir selbst
gebacken.
Doch das der "HundeHütten"-Charakter der alten Wohnung nicht als
UmzugsGrund anerkannt wird: nervt gewaltig.
Irgendwo (finde es aber nicht wieder) las ich mal: Unter 32 qm wäre
halt per se: UmzugsGrund (>auch für eine teurere neue Wohnung).

Wer kann hier helfen? (Urteile, §§, Vorschriften, etc) ?

- - - - -

Gut, der Mann macht nun einen Termin bei einer Psycho- & Nerven-
Ärztin, ihr erklärend, aufgrund von jetziger RaumEnge fix & foxi zu
sein ... und depressiv bereits in den ALK abzurutschen.
Ziel: Attest der Notwendigkeit eines Umzuges in eine größere Bude.

Doch eigentlich wollen wir das JobCenter über`s RECHT knacken.

Wir bitten um Eure Mithilfe.

.
 
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Wohnt eine arbeitslose Frau seit Jahren in einem 35 qm großen Einzimmer-Appartement, so muss die Agentur für Arbeit ihr als Langzeitarbeitslose und Bezieherin von Arbeitslosengeld II nicht den Umzug in eine um 10 qm größere Wohnung und der daraus resultierenden höheren Miete finanzieren. (Hier von der Arbeitslosen verlangt, weil ihr die bisherige Wohnung »zu klein geworden« sei und sie als Alleinstehende Anspruch auf 45 qm Wohnfläche habe. Das Thüringer Landessozialgericht sah aber nicht ein, der Frau nur deshalb mehr Wohnraum als bisher zuzugestehen sei, weil sie arbeitslos geworden ist und die »Angemessenheitsgrenze« mit der aktuellen Wohnung nicht ausgeschöpft werde. Ihre Wohnung entspreche »einfachen, grundlegenden Bedürfnissen für einen Hartz IV-Empfänger« und sei »durchaus zumutbar«. (AZ: L 9 AS 586/ 09)
D. h. für mich im Umkehrschluß, dass es unter 35 m² eng wird...
(für´s JC)
Als erstes beim Sozialleistungsträger die aktuellen KDU-Richtlinien anfordern.
Das Ersuchen ggf. gerichtlich durchsetzen.
Wohnflächenerhöhung und damit verbunden die höheren KDU - wenn es nicht anders geht, einklagen.

 

lpadoc

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Hi, bitte gebe mal nähere Angaben zur "Wohnung". Handelt es sich um eine "abgeschlossene Wohnung" ? Die Wohnfläche von 18 Quadratmeter schließt Toilette/Bad/Dusche ein - falls nein, wo befindet sich dies ? Die Person ist wie alt ?

Ich persönlich habe einen Fall (LPA) begleitet, wo sich Bad/Toilette nicht in der "abgeschlossenen Wohneinheit" (32 Quadratmeter) befand und allein aus diesem Grunde eine Notwendigkeit erkannt werden musste (Baurecht). Zuvor kam immer das Argument; die Person habe doch jahrelang und ohne Beanstandung dort gelebt (!) Gruß nach L
 

*kampfpaar*radikal.A

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Zwischendurch mal hier reingeguckt:
Wow, soviele Tips schon. Ihr seid klasse!
Werd ich alles in Ruhe durchschauen :icon_klatsch:

@ Kiwi:

Alte HundeHütte kostet mtl Euro 312 (incl Heiz- & NK)
Siehe die Daten in meinem Beitrag #1.

@ Ipadoc:

* Es ist eine "abeschlossene Wohnung".
* Von den 18 qm gehen noch 4 qm runter für BadeLokus alldort.
* Der Mann ist around 47 Jahre alt.
* Ca 2,40 m lange KleinKüchenzeile ebenfalls in den 18 qm.

Erweiternd:

* Beide SeitenWände der HundeHütte haben Schrägen.

* In einer SeitenSchräge befinden sich 2 GaubenFenster.

* Die 18 qm resultieren aus Herausrechnung der Seitenschrägen-
Anteile >unter Höhe von 1,40 m.

- - - - -

So, DANKE erstmal ... und vorab für weitere Tips.

.
 

pinguin

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* Beide SeitenWände der HundeHütte haben Schrägen.

* In einer SeitenSchräge befinden sich 2 GaubenFenster.

* Die 18 qm resultieren aus Herausrechnung der Seitenschrägen-
Anteile >unter Höhe von 1,40 m.
Ist also eine klassische 1-Raum-Wohnung, die sich lediglich unterm Dach des Hauses befindet? :icon_kinn:

Altbau? Modernisiert? Neubau? Baumängel?
 

lpadoc

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Ich persönlichlich sehe zur Zeit leider keine Gründe eine "Notwendigkeit", mit den beabsichtigten Zielen, zu erkennen.
 

*kampfpaar*radikal.A

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Quasi auch als DANK für die HelferInnen hier, geben wir mal ein
ZwischenFeedback in der Sache ... das vll auch seinen Nutzen hat ...
haben andere mal eine ähnliche Situation.

- - - - -

Die alte Wohnung, aus der der Betroffene rauswill, hat neben der nur
18 qm (wovon obendrein noch 4 qm BadeLocus abgehen), somit der
reine WohnRaum sich auf 14 qm reduziert ... noch einen erheblichen
Mangel (über den wir gemäß pinguin`s Frage unten stießen),
der in unserer Argumentation (neben Euren hilfreichen Urteilen)
entscheidend sein wird:

Landesbauordnung NRW für Wohnungen (BauO NRW),
dort § 49 Abs. 4 (nachfolgend im Wortlaut):

"Jede Wohnung muß eine Küche oder KochNische haben, sowie
über einen AbstellRaum verfügen.
Der Abstellraum soll mindestens 6 qm groß sein; davon soll außer in
Wohngebäuden mit nicht mehr als zwei Wohnungen eine Abstell-
fläche von mindestens 0,5 qm innerhalb der Wohnung liegen."

- - - - -

Da das entsprechende WohnGebäude über 7 Wohnungen verfügt,
gilt eben hier auch die >innerwohnliche AbstellFläche.
Sie muß "RaumCharakter" haben - mithin eine Tür.
Im hier entsprechenden Fall ist garnix vorhanden - weder ein Abstell-
Raum innerhalb noch außerhalb der Wohnung.

Da die ?Wohnung? selber letztlich nur 14 qm (nach Abzug des Bade-
Locusses) hat, der Betroffene obendrein wegen DachSchrägen nicht
mal überall stehen kann, reduziert sich "LaufRaum" in der Wohnung
auf weniger als 10 qm.

Zusätzlich mit der oben erwähnten "AbstellProblematik" und der Tat-
sache, daß keine KochNische, geschweige denn Küche vorhanden ist
(2,40 lfd Meter KüchenZeile befindet sich >einfach so< im Raum),
sind wir nunmehr froher Zuversicht, dem JobCenter beizubiegen,
das sich hier eben doch & trotzalledem eine Notwendigkeit eines
Umzuges abbildet.

Dieses nun, zusammen mit Euren herausgesuchten Urteilen, werden
wir den RechtsFreaks des hiesigen JC unter die Nase reiben ...

:cool: ... und wir werden gewinnen! *lach*,
wie fast immer ...

... und natürtendlich berichten ... :icon_daumen:

.
 

Regelsatzkämpfer

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Das Nürnberger SG sieht das identisch. Man muß nehmen was man kriegt und wenn es nur eine 25qm Wohnung ist, dann hat man die zu nehmen. Man kann sich bei der Wohnungssuche nicht auf größere Wohnungen beschränken, sonst hat man schlechte Karten, wenn man innerhalb von 6 Monaten keine andere Wohnung gefunden hat.

Man hat auch keinen Anspruch auf Umzug in eine größere Wohnung wenn man dann irgendwann doch eine findet. Solange es keine weiteren Umzugsgründe gibt bleibt man in der Wohntoilette.

Bei der im Thread angesprochenen Wohnung sehe ich aber gute Chancen beim Gericht durchzukommen. Wichtig: Fotos und Skizzen der Wohnung mit exakten Maßangaben.
 

*kampfpaar*radikal.A

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:cool: ... und wir werden gewinnen!
*lach*,
wie fast immer ...

... und natürtendlich berichten ... :icon_daumen:
So war es geschrieben - und so gewannen wir.

- - - - -

Wußte jene Frau SB noch vor Tagen resolut
anzumerken:
"Umziehen kann der Mann ja nun jederzeit,
aber von mir gibt`s nur das Geld für Miete,
was er in seiner alten Wohnung auch zahlt."

Das aber war ein Satz mit X,
denn so wurd' das nunmal nix.

Von wegen, Miete wie bisher für die HundeHütte in Höhe von 312
Euronen mtl. Nun werden gemäß der "Angemessenheit" 386 Teuros
bezahlt.
Und da der MietVertrag obendrein ein reiner "PauschalMietVertrag"
ist und Strom in Höhe von ca. 30 Euronen bereits enthält, freuen wir
uns gemäß des BSG-Urteils aus Ende 2011, daß das JC diesen
StromAnteil nicht rausrechnen darf.
( Bundessozialgericht in Kassel mit dem Aktenzeichen:
B 14 AS 151/10 R. )
Somit hat unser Freund 2malig StromGeld.
Einmal im RegelSatz und einmal in der Miete :icon_klatsch:

- - - - -

Wir bedanken uns nochmal für Eure Hilfe und speziell bei pinguin,
über den wir auf die "Landesbauordnung NRW für Wohnen" stießen.
Das war klar von Vorteil. Unser Verweis, auch flott vor`s
SozialGericht zu tappern, war möglicherweise mit Grund für unseren
Sieg.
Egal - der DurchBruch durch ihre Front gelang trefflich und der
Mann, um den es geht, macht jetzt in unserer Gruppe mit :icon_daumen:.

Gleich morgen geht es mit ihm wieder auf`s Amt,
eine anstehende EGV zu zertrümmern :icon_party:

:cool: ... so, watt bleibt nu noch zu sagen?
Genau!: Wehret Euch redlich - und täglich!
Warum? ... nun, weil`s besser ist ...

.
 

ixwogurm

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So war es geschrieben - und so gewannen wir.

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Wußte jene Frau SB noch vor Tagen resolut
anzumerken:
"Umziehen kann der Mann ja nun jederzeit,
aber von mir gibt`s nur das Geld für Miete,
was er in seiner alten Wohnung auch zahlt."

Das aber war ein Satz mit X,
denn so wurd' das nunmal nix.

Von wegen, Miete wie bisher für die HundeHütte in Höhe von 312
Euronen mtl. Nun werden gemäß der "Angemessenheit" 386 Teuros
bezahlt.
Und da der MietVertrag obendrein ein reiner "PauschalMietVertrag"
ist und Strom in Höhe von ca. 30 Euronen bereits enthält, freuen wir
uns gemäß des BSG-Urteils aus Ende 2011, daß das JC diesen
StromAnteil nicht rausrechnen darf.
( Bundessozialgericht in Kassel mit dem Aktenzeichen:
B 14 AS 151/10 R. )
Somit hat unser Freund 2malig StromGeld.
Einmal im RegelSatz und einmal in der Miete :icon_klatsch:

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Wir bedanken uns nochmal für Eure Hilfe und speziell bei pinguin,
über den wir auf die "Landesbauordnung NRW für Wohnen" stießen.
Das war klar von Vorteil. Unser Verweis, auch flott vor`s
SozialGericht zu tappern, war möglicherweise mit Grund für unseren
Sieg.
Egal - der DurchBruch durch ihre Front gelang trefflich und der
Mann, um den es geht, macht jetzt in unserer Gruppe mit :icon_daumen:.

Gleich morgen geht es mit ihm wieder auf`s Amt,
eine anstehende EGV zu zertrümmern :icon_party:

:cool: ... so, watt bleibt nu noch zu sagen?
Genau!: Wehret Euch redlich - und täglich!
Warum? ... nun, weil`s besser ist ...

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Tach zusammen,

ich bin der um den es in diesem Fall geht.

Bedanke mich ebenfalls bei allen die geholfen haben.

Bin total happy.

Ich finde dieses Forum ist eine sehr gute Sache.

Was das A-Amt mit einem macht hilft selten weiter, also muß man selbst machen.
Gemeinsam ist man stärker.

Ich werde das Forum auf jeden Fall weiter empfehlen.

Ich wünsche allen die ähnliche Probleme mit dem Staatsapparat haben viel Glück bei der Lösung.

Tschüß
 
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