Hollande-Berater: “Nicht Frankreich, Deutschland ist das kranke Kind Europas”

wolliohne

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Deutsche Arroganz

  1. Attali: Frankreich befindet sich im Gegensatz zu Deutschland in einer guten Situation. Deutschland ist in einigen Punkten das kranke Kind Europas…
    Die geringe deutsche Arbeitslosigkeit ist ein Witz, wenn Leute für fünf Euro pro Stunde arbeiten. Das deutsche Bankensystem ist bankrott, weshalb die Regierung auch keine Kontrolle durch eine europäische Instanz will. Deutschland ist ein veraltendes Land mit katastrophalen Grundschulen und sinkender Produktivität, weil die meisten Exportprodukte gerade kopiert werden.
    Quelle: Focus.de
  2. Deutschland als wirtschaftspolitischer Lehr- und Zuchtmeister Europas – eine gefährliche Selbstüberschätzung
    Eine weitverbreitete Haltung hierzulande lautet in etwa so: Deutschland ist der wirtschaftspolitische Vorreiter in Europa… Durch Agenda 2010 und harte Sparpolitik mussten sie zwar eine Durststrecke aufsich nehmen, doch nun zahle sich der mutige Reformwille aus.
    Daraus leitet sich für viele auch die Legitimation Deutschlands als Lehr- und Zuchtmeister für die Krisenstaaten im Euroraum ab, denen nun anscheinend mit gutem Recht Ähnliches abverlangt wird…
    Nicht richtig ist, erstens, schon die positive Einschätzung der Lage in Deutschland: Zwar steht die deutsche Wirtschaft relativ zu den europäischen Partnerländern sehr gut da. Auch hat sich die Lage seit den Stagnationsjahren 2001 bis 2005 stark verbessert. Dennoch stagnierte die Wirtschaftsleistung auch hierzulande de facto fast zwei Jahre lang…
    Zweitens wird die brutale Austeritätspolitik in vielen Euroländern verharmlost. Den Staaten wurden in wenigen Jahren Ausgabenkürzungen und Abgabenerhöhungen von über 10% des Bruttoinlandsproduktes abverlangt…
    Drittens ignoriert die gängige Erklärung für die relativ positive Entwicklung in Deutschland die zentralen makroökonomischen Ursachen: Die deutsche Wirtschaft wies während der schlechten Jahre keineswegs überdurchschnittlich „verkrustete“ Arbeitsmärkte auf, sondern wurde durch eine ungewöhnlich schwache Binnennachfrage aufgrund relativ hoher Realzinsen, einer ausgabenseitig restriktiven Finanzpolitik und einer extrem schwachen Lohnentwicklung ausgebremst…
    Die große Krise im Jahr 2009 wurde vor allem aufgrund von Kurzarbeit und flexiblen Arbeitszeitkonten so schnell überwunden: Durch sie wurde der Einbruch in der Exportindustrie ohne Massenentlassungen überbrückt, bis die Exporte wieder ansprangen…
    Es handelte sich aber gerade nicht um „Strukturreformen“, sondern um eine antizyklische makroökonomische Politik. Und es ist gerade eine solche Politik, die den Krisenstaaten seit 2010 vor allem vonseiten der deutschen Regierung verwehrt wird…
    Quelle: WSI-Mitteilungen [PDF - 57 KB]
  3. Die nicht nachvollziehbare deutsche Ignoranz
    Bertrand Groslambert, am 20.11.2013 in der Pariser Online-Zeitung Mediapart.fr erschienener Artikel
    Originaltitel: L’incompréhensible incompréhensiion allemande
    Warum „stürzten sich“ Anfang der 2000er Jahre Spanier, Griechen, Iren oder Portugiesen auf deutsche Produkte?
    In dieser Zeit floss viel ausländisches Kapital, insbesondere auch deutsches Kapital, in diese Länder mit der Folge stark sinkender Zinssätze. Das billige Geld löste in den Südländern einen Nachfrageboom aus, der insbesondere dem deutschen Export zugute kam.
    Warum?
    In der Antwort liegt auch die besondere Verantwortung Deutschlands: weil im ersten Jahrzehnt der 2000er Jahre die deutsche Wirtschaftspolitik darauf ausgerichtet war, im Vergleich zu den Nachbarländern wettbewerbsfähiger zu werden.
    Entgegen landläufiger Meinung beruhte die Verbesserung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit aber nicht primär auf höheren Produktivitätszuwächsen, sondern auf Einfrieren deutscher Reallöhne (statt an Produktivitätszuwächsen orientierten Reallohnerhöhungen), auf (finanzpolitischer) Schwächung des Binnenkonsums durch eine (3%-ige) Umsatzsteuer-Erhöhung und auf einer Güterpreis-Inflationsrate unterhalb des von der EZB vorgegebenen Ziels von 2%.
    Deutschland bremste also politisch ganz bewusst seine eigene Binnennachfrage mit dem Ziel, Exportüberschüsse einzufahren.
    Quelle: Übertragung von Gerhard Kilper [PDF - 31.2 KB]
 

edelweiß

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Danke!

Auszug Amtseid des dt. Bundeskanzlers
„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

Quelle Wikipedia
 
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Hollande ist wegen seiner Kamikaze-Wirtschaftspolitik bei den Franzosen durch.
siehe z.B. hier:
Frankreich: Zehntausende protestieren gegen Hollande | ZEIT ONLINE

Die einzige Möglichkeit, sein politisches Überleben zu ermöglichen ist,
die Schuldfrage an Andere weiterzureichen.

Da kommt Deutschland gerade recht - seien die Anschuldigungen noch so absurd.
Wie in der deutschen Medienlandschaft, so auch in der französischen Medienlandschaft:
Meistens stimmt immer genau das krasse Gegenteil von dem, was die Medien unters Volk mischen möchten.

Unsere Medien posaunen doch auch ständig "Der deutschen Wirtschaft geht es gut!".
Okay, der Waffenindustrie, der geht es sicherlich gut. Aber doch nicht der allgemeinen Wirtschaft dort draußen in der deutschen Landschaft. Überall schließen die Läden, die Innenstädte veröden wegen Geschäftskonkurse, Massenentlassungen allenthalben; ganz aktuell OPEL. Karstadt steht jetzt immer näher am Aus. Das viel besungene Jobwunder, wo ist das bitte?! Die deutschen Arbeitslosenzahlen werden frisiert bis zum geht nicht mehr.

Wenn die Medien berichten, Hollande ist "böse" für das Land, dann sollte man getrost das Gegenteil annehmen.
 
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Gast
Die geringe deutsche Arbeitslosigkeit ist ein Witz, wenn Leute für fünf Euro pro Stunde arbeiten.
Ganz zu schweigen davon, dass immer mehr Erwerbslose aus der offiziellen Arbeitslosenstatistik rausgerechnet werden.

Und selbst wenn nicht - bei derzeit ca. 400.000 offenen Stellen vs. 2,8 Millionen Erwerbslosen (offiziell) von "geringer Arbeitslosigkeit" zu sprechen ist schon Hohn.

Fakt ist, wir haben seit Jahrzehnten eine Massenarbeitslosigkeit in unserm Land, die von der Politik entweder ignoriert oder schöngeredet wird.
 

galadriel

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Hollande ist wegen seiner Kamikaze-Wirtschaftspolitik bei den Franzosen durch.
siehe z.B. hier:
Frankreich: Zehntausende protestieren gegen Hollande | ZEIT ONLINE

Die einzige Möglichkeit, sein politisches Überleben zu ermöglichen ist,
die Schuldfrage an Andere weiterzureichen.

Da kommt Deutschland gerade recht - seien die Anschuldigungen noch so absurd.

Hollande macht nicht weniger "Kamikaze"-Politik als Merkel, nur dass sich die Franzosen das nicht so alternativlos wie der deutsche Michel gefallen lassen.
 

2010

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Erst dieses hier:

Attali: Die geringe deutsche Arbeitslosigkeit ist ein Witz, wenn Leute für fünf Euro pro Stunde arbeiten. Das deutsche Bankensystem ist bankrott, weshalb die Regierung auch keine Kontrolle durch eine europäische Instanz will. Deutschland ist ein veraltendes Land mit katastrophalen Grundschulen und sinkender Produktivität, weil die meisten Exportprodukte gerade kopiert werden”.

Jacques Attali im Interview: Hollande-Berater: "Nicht Frankreich, Deutschland ist das kranke Kind Europas" - Hollande-Berater: "Nicht Frankreich, Deutschland ist das kranke Kind Europas" - FOCUS Online - Nachrichten


Dann das hier:


Attali: Die Umfragewerte für Präsident Hollande spielen keine Rolle. Es kann auch ein Zeichen guter Politik sein, nicht beliebt zu sein. Schauen Sie auf Gerhard Schröder und seine guten Reformen. Er wurde dann abgewählt. Hollande hat noch vier Jahre vor sich.

Jaques Attali: "Die Umfragewerte für Präsident Hollande spielen keine Rolle" - Hollande-Berater: "Nicht Frankreich, Deutschland ist das kranke Kind Europas" - FOCUS Online - Nachrichten
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