Hilfsbedürftige soll der Stadt Bochum Einkäufe offenlegen

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Woodruff

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Wattenscheid. Stellen Sie sich vor, Sie müssten einer Behörde gegenüber detailliert offen legen, wieviel Geld Sie für Kondome, Binden, Putzmittel, Alkoholika, Lebensmittel oder andere Dinge des täglichen Bedarfs ausgeben. Die Stadt Bochum verlangt von hilfsbedürftigen Bürgern genau solch eine Aufstellung.

[...]

Sie würden sagen: Das ist ein schlechter Scherz, das geht doch niemanden etwas an. Genau das aber verlangt das Sozialamt der Stadt Bochum von einer 55 Jahre alten Frau, die nach Beschluss des Amtsgerichtes unter die Obhut, früher hieß das Vormundschaft, von Ralf Wochermaier gestellt worden ist.

Der 44-jährige diplomierte Sozialarbeiter, der seit 14 Jahren für gehandicapte Menschen als Berufsbetreuer tätig ist, mochte nicht glauben, was ihm und seiner Klientin dieser Tage von Amts wegen zugestellt worden ist. Zitat aus dem behördlichen Schreiben: „Ab dem 01.05.2010 sind auch die Einkaufsquittungen dem Sozialamt vorzulegen.“ Jeglicher Hinweis auf eine Rechtsgrundlage des Begehrens oder eine Rechtsmittelbelehrung fehlt. [...]
Soziales: Hilfsbedürftige soll der Stadt Bochum Einkäufe offenlegen - Wattenscheid - DerWesten
 
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Das geschieht sicherlich im Auftrag der Regierung zur Ermittlung der verfassungskonformen Regelsätze. :biggrin:
 
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Die Äusserung des Sozialarbeiters bringt es auf den Punkt:

„Das ist nach meiner Meinung ein unhaltbarer Angriff auf die Persönlichkeitsrechte und eine Verletzung der Intimsphäre. Es ist zudem ein völlig respektloser, von Misstrauen geprägter Umgang mit der Würde des Menschen.“
Auch der Kommentar des Mitarbeiters der WAZ sollte ordentlich nachhallen.
 
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Die Äusserung des Sozialarbeiters bringt es auf den Punkt:



Auch der Kommentar des Mitarbeiters der WAZ sollte ordentlich nachhallen.
Du hast aber eine komische Art, dich auf Kommentare zu beziehen. :biggrin:
Oder war vielleicht dieser Kommentar gemeint:

So wie es verstanden habe, geht es nur darum, zu prüfen ob der Pflegedienst tatsächlich den Einkauf getätigt hat. Dabei spielen die einzelnen Position keine Rolle. Im Prinzip würde eine Bestätigung des Geschäftes oder eine in den Positionen geschwärzte Quittung auch reichen.

#12 von popeye2 , am 27.04.2010 um 18:39
Einem Jeden seinen eigenen Betrachtungswinkel.
 
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Einem Jeden seinen eigenen Betrachtungswinkel.
Der Versuch mir etwas unterzujubeln ist gründlich in die Hose gegangen, da Du offensichtlich Beiträge nicht richtig liest.

Ändere Du mal Deinen "Betrachtungswinkel", dann wird es vielleicht mal was.

:cool:
 

ela1953

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Beim ersten Überfliegen des Artikels dachte ich Was ist denn dabei? Die wollen sicherlich überprüfen, ob der Pflegedienst ein Teil für einen Euro kauft und dafür 5.55 abkassiert.

Beim nochmaligen Lesen ist mir aber aufgefallen, dass der Pflegedienst nur ein Mal in der Woche diese Einkäufe bezahlt bekommt.

Also bekommt der Pflegedienst nur gut 20 Euro im Monat.

Da ist das Verlangen nach den Einkaufsbons wirklich so was von daneben.

Vor allem sagt ein Bon nicht aus, ob tatsächlich die Einkäufe für den Kranken waren.
 

Martin Behrsing

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Der 44-jährige diplomierte Sozialarbeiter, der seit 14 Jahren für gehandicapte Menschen als Berufsbetreuer tätig ist, mochte nicht glauben, was ihm und seiner Klientin dieser Tage von Amts wegen zugestellt worden ist.
Wer als Betreuer unterweges muss natürlich alle Ausgabe des ihm anvertrauten Geldes belegen, insbesondere gegenüber den zu Beteuenden. Äh????, was sonst. Manchmal habe ich sehr große Zweifel, was ich für Kollegen habe.
 
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Ich glaube, da ist wohl ein wenig aus dem Artikel großzügig an dir vorbei gegangen. Einfach nochmal lesen und konzentrieren - vielleicht morgen früh ...
 

Martin Behrsing

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Ich glaube, da ist wohl ein wenig aus dem Artikel großzügig an dir vorbei gegangen. Einfach nochmal lesen und konzentrieren - vielleicht morgen früh ...
ich halte so etwas in diesem Bereich für selbstverständlich. Auch und gerade wenn Menschen an psych. Störungen leiden.

um Hintergrund: Wochermaiers Klientin, nennen wir sie aus datenschutzrechtlichen Gründen Lieschen Müller, leidet unter erheblichen psychischen Störungen, die ihr nach Angaben ihres Betreuers auch vom städtischen Gesundheitsamt testiert worden sind. Deshalb bekommt Lieschen Müller neben der amtlichen Stütze, 359 Euro monatlich, Hilfeleistungen zur Pflege, die auch einen Einkauf pro Woche einschließen. Pro Einkauf stellt ein von Lieschen Müller beauftragter Pflegedienst dem Sozialamt 5,55 Euro in Rechnung. Dazu Zitate aus dem Verwaltungsschreiben: „Die Quittungen dienen dem Nachweis der tatsächlich erbrachten Leistungen des Pflegedienstes... Ich bitte Sie daher, nach Abrechnung der Einkäufe mit dem Pflegedienst Ihre einzelnen Original-Einkaufsquittungen zu sammeln und mir monatlich zu übersenden... Sollten mir die Quittungen nicht vorliegen, ist eine Abrechnung... mit dem Pflegedienst nicht möglich.“
Ich kenne nun mal meine Beruf sehr genau und was anderes kenne ich seit den 80iger Jahren nicht anderes.

Wir möchten doch auch, dass irgendwelche Bildungsträger genausten belegen, für was sie Geld und wofür ausgeben. Insbesondere möchten wir dies, wenn wir Zweifel haben. Warum soll denn nicht jemand das Recht haben genau informiert zu werden, wenn sie/er gerade an psych. Störungen leiden und deswegen verstärkte Zweifel hat.

Eigentlich muss man den Gerichten so etwas regelmäßig vorlegen. Auch Behörden haben ein Anspruch darauf, wenn es sich um Menschen handelt, die über ihr täglichen Umgang mit Geld nicht alleine entscheiden können. Da ist es ihre fürsorgliche Pflicht. Wir sprechen hier nicht über Menschen, die selbstverantwortlich über ihr Geld verfügen können.
 

vagabund

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Ich hab da zwar keine Ahnung, aber wenn hier ein langjähriger Berufsbetreuer ob der Anforderung aus den Latschen kippt, muss das ja dann doch außergewöhnlich und untypisch sein?
 

biddy

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@Martin

Aber es kann ja wohl nicht sein, dass - damit das Sozialamt die Dienstleistung "Einkaufen", die der Pflegedienst mit wöchentlich 5,55 € in Rechnung stellt (diese Dienstleistung, nicht der Preis der Artikel selbst) - Belege über die einzelnen eingekauften Produkte vorgelegt werden müssen. Ich frag' mich, wie die Sozialämter das früher abgerechnet haben, wenn doch plötzlich der Nachweis über eingekauftes Klopapier nötig sein soll, nur um den in Rechnung gestellten Aufwand "Einkaufsdienstleistung" zu belegen.
 

Martin Behrsing

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hier bleibt die Frage, ob das Sozialamt die geeignete Behörde ist, um dies zu überprüfen. Aber grundsätzlich gilt, dass gegenüber den Gerichten (die ja für die Anordnung einer Betreuung zuständig sind) eine derartige Offenlegung sein muss.

Es wäre hier halt die Frage, ob das Sozialamt (aber auch dies hat eine Verpflichtung, dass mit den anvertrauten Geldern ordnungsgemäß umgegangen wird) hierfür geeignet ist. Ganz bestimmt sollten wir nicht jedem Pflegedienst blind vertrauen.
 

Martin Behrsing

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schon mal überlegt, dass man zur gleichen Zeit für 10 Leute gleichzeitig einkaufen kann und dann zehn mal einen indivieullen Einkauf inRechnung stellen kann?

@Martin

Aber es kann ja wohl nicht sein, dass - damit das Sozialamt die Dienstleistung "Einkaufen", die der Pflegedienst mit wöchentlich 5,55 € in Rechnung stellt (diese Dienstleistung, nicht der Preis der Artikel selbst) - Belege über die einzelnen eingekauften Produkte vorgelegt werden müssen. Ich frag' mich, wie die Sozialämter das früher abgerechnet haben, wenn doch plötzlich der Nachweis über eingekauftes Klopapier nötig sein soll, nur um den in Rechnung gestellten Aufwand "Einkaufsdienstleistung" zu belegen.
 

biddy

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Aber im Endeffekt zählt nur "Hat der Pflegedienst Ihnen heute ihre Einkäufe gebracht?" - "Ja".
Wie dieser es organisiert, effektiv oder nicht, ist doch dem Leistungserbringer überlassen und düfte nicht zu Einbußen führen, oder? Ich weiß es nicht, ich frag' nur ... weil doch diese 20 € im Monat vermutlich auch nur eine Pauschale sind.
 

Martin Behrsing

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Aber im Endeffekt zählt nur "Hat der Pflegedienst Ihnen heute ihre Einkäufe gebracht?" - "Ja".
Wie dieser es organisiert, effektiv oder nicht, ist doch dem Leistungserbringer überlassen und düfte nicht zu Einbußen führen, oder? Ich weiß es nicht, ich frag' nur *schulterzuck*
Eine Abrechnung kann ja immer nur indivuell erfolgen und keineswegs damit, ob ein Leistung im Zusammenhang mit anderen Einkäufen erbracht wurde. Dann müsste ein anderes Abrechnungssystem erfolgen. Sehe ich zumidnest so. Mir ist es aber wichtig, dass die betreuten Menschen aus den Abrechnungen (ob berechtigt oder nicht) ihre Zweifel ausgeräumt werden. Dies ist besonders dann notwenig, wenn betreute Menschen mit zu den Leuten gehören, die sich beschweren.

Wir können nun darüber spekulieren, ob das Sozialamt hier unzulässig diese Menschen für ihre Zwecke instumentalisiert hat. Spätestens wenn das zuständige Gericht die Nachweise einfordern würde, gäbe es kein Argument dagegen.
 
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gast_

Gast
Wenn ein Kranker es wünscht, daß kontrolliert wird, kann ich es ja verstehen....aber wieso darf das Sozialamt das fordern?

Gericht und Betreuter - ja -

Sozialamt nein!
 
E

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Eigentlich muss man den Gerichten so etwas regelmäßig vorlegen. Auch Behörden haben ein Anspruch darauf, wenn es sich um Menschen handelt, die über ihr täglichen Umgang mit Geld nicht alleine entscheiden können. Da ist es ihre fürsorgliche Pflicht. Wir sprechen hier nicht über Menschen, die selbstverantwortlich über ihr Geld verfügen können.
Das was ich meinte haben andere, die etwas länger munter bleiben, ja schon gesagt: hier scheint es ja nicht darum zu gehen, das der Betreuer Rechenschaft über sein Tun ablegen soll - es soll ja wohl kontrolliert werden, ob der Pflegedienst seine abgerechneten Leistungen erbringt.

Und das ein Betreuer eine "Buchführung" haben muss und sie auf Verlangen oder in regelmäßigen Abständen auch vorlegen muss - das ist unbestritten. Aber eine Betreuung wird vom Gericht eingerichtet und auch vom Gericht wird der Betreuer berufen - das ist doch dann die kontrollierende Stelle - und nicht das Sozialamt!

Grüße, Glück und Freiheit

Thomas
 
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