Hier ein kurzer Einblick in meine letzte Maßnahme - MAT-Praxiscenter

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Dominique

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Sehr geehrte Damen und Herren des Elo-Forums.



Hier ein kurzer Einblick (inspiriert von Großer Löwe) in meine letzte Maßnahme. Diese nannte sich MAT „Praxiscenter“ und dauerte etwa sechs Monate. Das ganze fing schon im Gespräch über „meine aktuelle berufliche Situation“ an. Viele Informationen gab es da nicht und die es gab, erwiesen sich bei weiterer Recherche als falsch (beispielsweise, dass es keine Befreiung für die Rundfunkgebühr gibt). Ebenso, dass ich mich aufgrund meiner damals vier Jahren Arbeitslosigkeit nur noch auf Hilfsarbeitertätigkeiten bewerben könne obwohl ich ein Teilzeitstudium absolviere. Da ich nur den Antrag auf die Bewerbungskosten bei mir hatte, nebst den Anschreiben durfte ich am folgenden Tag erneut auf der Matte stehen, um der Sachbearbeiterin meine Bewerbungsmappe zu zeigen. Letztendlich habe ich die Eingliederungsvereinbarung unterzeichnet und wurde mit einem eher hämischen Lächeln der Maßnahme zugewiesen (beziehungsweise zu dem Kollegen, der dies organisiert). Auch folgten Aussagen, dass mein Tagesablauf völlig aufgeweicht sei. Woran sie diese Behauptung festmachte, weiß ich nicht und vermute eine pauschalisierte Formulierung dahinter. Informationen bezüglich der Inhalte dieser konnte sie mir ebenfalls nicht geben. Selbstredend war ich von dem Gespräch sehr enttäuscht und fühlte mich schikaniert.
Ihr Kollege war jedenfalls etwas freundlicher. So bekam ich gleich eine neue Eingliederungsvereinbarung parallel zu der bisherig gültigen ohne diese zu Kündigen. Diese habe ich ebenfalls unterzeichnet. Danach wurde die Maßnahme von Ihm ein wenig umrissen. Unter anderem fiel dabei das Wort „basteln“ im Zusammenhang mit dem Metallbereich. Da gruselt es schon einem. Ferner hieß es auch, dass die Maßnahmeträger natürlich keinen Einblick auf die Internetseite vom Amt hätten, wo mein Lebenslauf inklusive aller Krankheitszeiträume festgehalten war.
Am Tag der Zuweisung fand ich mich überpünktlich am genannten Ort ein. Im Treppenhaus wurde ich von offenbar einem Maßnahmeteilnehmer angesprochen, ob ich „auch zu diesem Blödsinn hier“ müsse. Ob es solcher sei, konnte ich ihm nicht sagen, hoffte ich doch das Beste aber ja. Später entpuppte sich dieser als mein einziger Kollege in der Maßnahme. Die Informationsveranstaltung war in meinen Augen recht lustig. Da standen sie alle, der Kollege vom Amt, die Maßnahmeträger, die Subkoordinatoren und die Sozialpädagogen. Bei einigen fragte ich mich, ob sich diese durch den zu langen Bezug von Subventionsleistung nach dem zweiten Sozialgesetzbuch persönlich aufgegeben hätten, aber nein; das waren Sozialpädagogen. … Auf meine Frage nach der CNC-Technik wurde mir gesagt, dass es keine Gäbe. [Das SUFW (Koordinator) hatte welche, aber wie ich später erfahren habe, keinem vom Fach, der diese Bedienen kann und die ASG (wo ich war) hatte nur Spielzeug (gemessen an dem, was man an Maschinen so kennt).] Während des Gesprächs drängte sich mir so langsam der Gedanke auf, dass es eine Beschäftigungstherapie wird. Klar habe ich alles unterschrieben.
Am ersten Tag vor Ort ein „Wissenstest“ zu allgemeinen Dingen, nichts persönliches. Ebenso gab es dann noch Schriftstücke zur Unterzeichnung, welche Auskunft über die Gesundheit des Teilnehmers an zukünftige Arbeitgeber erteilten und ein weiterer, der dem Maßnahmeträger bei Vermittlung eine Summe ähnlich eines Vermittlungsgutscheins sicherte. Beide Unterschriften waren freiwillig. Weiterhin folgte ein Auszug aus dem zweiten Sozialgesetzbuch von 2005, indem es hieß, wenn man eine Eingliederungsvereinbarung nicht unterschreibt, wird man Sanktioniert. Das war das reinste Gruselkabinett. So sahen auch die gesamten Räumlichkeiten aus und ich erinnerte mich an das Computerspiel Max Payne II, als der Protagonist im Hauptquartier der Cleaner war (ja, dieses abbruchreife Bürogebäude). So ähnlich sah es da auch aus, denn die Räumlichkeiten befanden sich im Umzug. Wer eigentlich diesen machen durfte, könnt Ihr Euch sicherlich denken. Die anderen Maßnahmeteilnehmer war eine recht bunte Mischung, wo so ziemlich alles dabei war.
Wie es immer ist, wenn ich Stress bekomme, werde ich spätestens zwei Wochen nach dem Höchstpunktes (physisch) krank. So ging einige Zeit ins Land. Als ich wieder antrat durfte ich mir meine Arbeitskleidung holden. Also rüber in den Laden gefahren und dort angesehen, was für mich bereit lag. Auf meine Frage, ob ich dies verrechnen lassen könne, wenn ich mir hochwertigere Sachen kaufe (und wenn es nur zehn Euro sind) wurde mir eine Absage erteilt. Generell wurde ich da beäugt wie jemand mit Kleptomanie.
Später setzte sich der dortige Meister mit mir zusammen und fragte mich, ob ich helfen oder helfen wolle beim Umzug. Da muss ich jedoch hinzufügen, dass es mich sehr wunderte, dass dieser Mensch bei der Maßnahme arbeitete. Solche engagierten, fachlich sehr kompetenten und aufrechten Menschen findet man selten. (Ja, das meine ich ernst, völlig ohne Ironie). Wenn man etwas lernen wollte, konnte man das bei ihm und das habe ich ihm sehr hoch angerechnet. Der Mensch stand zu seinem Wort, was man von anderen nicht behaupten konnte.
Eine nette Überraschung war es, als ich mitbekam, dass die Sozialpädagogen nicht nur Einsicht in besagten Lebenslauf hatten, sondern auch aktiven Zugriff. Ebenfalls, so erging es meinem Kollegen, sollte man vorsichtig sein mit diesem. Es hieß von den Sozialpädagogen immer, dass im Gespräch alles unter vier Augen bliebe und wir mit Problemen zu diesen kommen sollten. Das Ende vom Lied war, dass mein Kollege all die Dinge, welche unter vier Augen besprochen wurden, in seiner Akte wiederfand. Jedoch hatte am Ende die Vertretung der Vertretung einsehen, dass das nicht in die Akte gehört.
Natürlich wollten die auch meinen Lebenslauf sehen, als Abgleich zu dem vom Amt, nur mit Erläuterungen. Diese bekamen sie von mir rein verbal, da ohnehin alles drin stand. Ebenso wurde ich dazu befragt, wie ich gedenke, wieder in Arbeit zu kommen, was anschließend bewertet wurde. (Bei mir stand letztendlich „durchaus realistisch“ drin.) Bewerbungskosten wurden keine Erstattet, da das Erstellen von Bewerbungsunterlagen einen Maßnahmeinhalt darstellt. Letztendlich habe ich daheim die Anschreiben fertig gestellt, Lebenslauf nebst Zeugnissen auf einem USB-Speicher gepackt und in den Räumen der Maßnahme ausgedruckt. Anfangs wollten diese auch eine Bewerbung von mir sehen, welche sie auch zu sehen bekamen. Da es daran nichts auszusetzen gab, hatte ich fortan dahingehend meine Ruhe. Allerdings selbständig immer wieder auf den sogenannten „Jobcoach“ zugegangen mit der Bitte, dass ich ein paar Bewerbungen ausdrucken möchte. Zum Ende der Maßnahme bin ich glücklicherweise noch mal mit dem weiter unten beschriebenen Sozialpädagogen meine Bewerbungsbemühungen durchgegangen. Obwohl ich jedes Mal um die Eintragung dieser gebeten hatte (allerdings bei verschiedenen Leuten), fehlten am Ende doch allerhand dieser.
Ja, was wurde vermittelt? Von der Stange fing es an mit Anreißübungen, anschließend ging es weiter mit feilen, bohren, senken, sägen. Qualifikationen, welche im ersten Lehrjahr einer Berufslehre vermittelt werden. Später ging es an die konventionellen Fräs- beziehungsweise Drehmaschinen. Am Ende wurde man in eine Hauseigene „Produktion“ eingegliedert. In der Zeit kam ich zwangsweise in Kontakt mit einem weiteren Meister. Dieser schien das blanke Gegenteil des weiter oben Beschriebenen zu sein. Glücklicherweise hatten wir diesen nur zwei Tage in der Woche. Länger hätte ich es wohl kaum ausgehalten. Zum einen hatte dieser immer recht, lebte noch im Zeitalter der TGL-Norm und hörte sich gerne selber reden. Zum anderen ließ er sich gerne dazu hinreißen, ungefragt Kommentare über die Empfänger des Arbeitslosengeldes zwei abzugeben. Beispielsweise dass er den Lebensstil dieser neidet (immer Ausschlafen können, Freizeit en gros) bis dahingehend, dass diese wohl zu viel Geld hätten.
Zum Glück gab es einen Sozialpädagogen (nein, nicht was Ihr jetzt denkt) welcher mit dem Aktivcenter regelmäßig Exkursionen betrieb. Für uns als Praxiscenter waren diese fakultativ. Diese gingen in die Parks, Museen, Schlösser der Gegend und fachlich hatte dieser so viel drauf, dass er diese selber geführt hat. Nicht in dem Sinne, „da ist der Weg, da geht es entlang“ sondern geschichtliches Wissen korrekt zu dem Objekt wiederzugeben. So stand die Frage für mich, ob an der ausgelutschten Drehmaschine stehen oder sich die Gegend anzusehen. Was macht man da? Richtig.
Zur Verabschiedung gab es im Hauseigenen „Restaurant“ zu trockenem Kuchen nebst Kaffee die Teilnahmebestätigungen, auf denen folgende geleisteten Tätigkeiten aufgeführt sind:
- Messen, Prüfen und Lesen von technologischen Unterlagen
- Teilnahme am Grundlehrgang Drehen
- Ausführen von Komplex- und Einzeldreharbeiten
- Unterweisungen zu Bewerbungen und zum Erstellen von Bewerbungsunterlagen
- Arbeits- und Gesundheitsschutz

Letztendlich, bei aller Liebe; diese Maßnahme möchte ich kein zweites Mal durchlaufen müssen. Die vielumworbene Möglichkeit, dass man ein Praktikum machen könne, wo man wolle, die hat man auch ohne diese Maßnahme (was sich glaube ich Arbeitserprobung nennt).


Mit freundlichen Grüßen,
Dominique
 

ventirj

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so erging es vielen bevor sie dieses Forum gefunden haben, und selbst dann ist es nicht immer möglich da rauszukommen
was ich mich am Ende deines Textes gefragt habe, wie dir deine neuem tollen erlernten Fähigkeiten nun geholfen haben einen Job zu finden ?
ich nehme mal an gar nicht, 6 Monate deines Lebens futsch :icon_kotz2:
davon mal abgesehen das kaum noch einer konventionell Dreht, bringen dich Grundkenntnisse in so ein Gebiet auch nicht weiter
also warum vermittelt man solche Fähigkeiten ?
die Antworten von den Verantwortlichen kann ich mir allerding vorstellen :icon_twisted:
 

Dominique

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Guten Abend, ventirj.



Bisher kannte ich lediglich Weiterbildungsmaßnahmen, welche bisher immer Sinnvoll und Vorzeigbar (in den Bewerbungsunterlagen) waren. Manche von diesen brachten leider nicht den gewünschten Effekt, andere dafür schon. Jedoch ist man im Leben leider nicht von Rückschlägen gefreit. Unabhängig davon war mir eine solche, oben beschriebene Maßnahme, völliges Neuland. Da ich nicht wusste, was mich denn nun erwarten würde, ging ich auch nicht gegen diese vor. Im Gegenteil, ich versuchte für mich selber, in der verbliebenen Zeit, das Maximum an Wissen nebst Fertigkeiten herauszuholen. Sicherlich war ich damit nicht der einfachste Maßnahmeteilnehmer. Zu einer entsprechenden Anstellung hat diese Maßnahme letztendlich nicht geführt aber dazu war diese sicherlich auch nicht in der Lage. Mit der am Abschluss ausgehändigten Teilnahmebestätigung ist es mir allerdings auch nicht möglich, meine bisherigen Qualifikationen damit aufzuwerten. Es würde eher das Gegenteil bewirkten. Vielleicht, wenn man alle Augen zudrückt und hofft, dass kein Personalchef genauer nachfragt, könnte man die Maßnahme als Weiterbildung im Lebenslauf beiläufig erwähnen.


Mit freundlichen Grüßen,
Dominique
 

pepps

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solche maßnahmen scheinen momentan recht groß in mode gekommen zu sein oder gabs die schon früher? aber scheinbar häufen die angebote sich.
 

Dominique

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Guten Abend, pepps.



Wenn ich die verschiedenen Themen aktuell hier im Forum lese muss ich Dir zustimmen. Ob es diese Form der Maßnahme schon früher gab, weiß ich nicht. Vielleicht als ABM, wobei ich mich frage, wem diese, aktuelle Form Arbeitsbeschaffung, wirklich nutzt. Womöglich ist es ja eine Arbeitsbeschaffung für Sozialpädagogen.


Mit freundlichen Grüßen,
Dominique
 

0zymandias

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Das Arbeitslose Arbeitslose in JCs verwalten oder in Maßnahmen mit ihrer eigenen Mißerfolgsstory belehren wollen, ist ein interessanter Nebeneffekt für manche. Der Haupteffekt nutzt natürlich dem Initiator, dem JC, und stellt sich als eine reine Statistikverschönerung dar.
Das ist das Hauptziel der Bundesagentur für Arbeit. Die Arbeitsvermittlung oder Generierung von Arbeitsplätzen ist nicht das Hauptziel.
 

Großer Löwe

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Hallo.
Ich habe letztens eine schöne Theorie von jemanden gehört,der derzeit 80 Klagen gegen das JC am laufen,und davon schon 60 gewonnen hat.

Er meinte,der einzige Grund,weshalb diese Maßnahmen existieren ist,die Elos dazu zu bringen,möglichst schlechtbezahlte Jobs anzunehmen,um diese auch als Aufstocker noch kontrollieren zu können.

Deshalb rücken die Umschulungen die was taugen auch nicht raus,halten die Bildung auf Sparflamme,und schreien nach ausländischen Fachkräften,weil diese ja noch billiger sind!

Und wozu das alles??
Die eine Hälfte bekommt viel Geld,und die andere Hälfte viel Macht und Kontrolle über eine(große) Volksmasse,die dank der Sanktionsdrohung erpressbar ist und leicht unterdrückt werden kann!

Die andere,arbeitende Volksmasse interessiert das nicht,aber auch die werden manipuliert.
Die hören halt die Nachrichten:Boa!Nur 3 Mill.Arbeitslose!Man,ist unser Land nicht toll??Und in Spanien sind sooo viele arbeitslos!!Da haben wir echt Glück!!

Ach,um mal auf Spanien und co.zu kommen...
Unsere liebe Merkel sprach letztens von `Maßnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Europa`:eek:
Da wird mir anders!!
Maßnahmen europaweit,jetzt für alle!Bitte in die Schlange stellen ihr lieben fremdsprachigen MT-Opfer! :icon_kotz2:

LG
GL
 

kljfoai

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Hallo.
Ich habe letztens eine schöne Theorie von jemanden gehört,der derzeit 80 Klagen gegen das JC am laufen,und davon schon 60 gewonnen hat.

Gibts hier eigentlich ne Top 10 Liste der meisten Klagen gegen das JC? (....Und zu Weihnachten: Und der diesjährige gewinner ^^)

Ach,um mal auf Spanien und co.zu kommen...
Unsere liebe Merkel sprach letztens von `Maßnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Europa`:eek:
Da wird mir anders!!
Maßnahmen europaweit,jetzt für alle!Bitte in die Schlange stellen ihr lieben fremdsprachigen MT-Opfer! :icon_kotz2:

LG
GL

Griechenland ist Pleite, weil sie ihre Statistiken damals etwas zu sehr gefälscht haben. Mal gucken, wohin das ganze führt, mit den Traum- Arbeitslosenquoten....
 
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