Henrico stolz und glücklich (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

Status
Für weitere Antworten geschlossen.

Paolo_Pinkel

Super-Moderation
Startbeitrag
Mitglied seit
2 Juli 2008
Beiträge
12.837
Bewertungen
6.313
Zwei Jahre sind vergangen, seit Henrico Frank als Hartz-IV-Opfer auf dem Wiesbadener Weihnachtsmarkt 2006 dem damaligen SPD-Vorsitzenden Kurt Beck entgegentrat und prompt in der Boulevardpresse zu »Deutschlands frechstem Arbeitslosen« ernannt wurde. Über die Wochen danach berichtet er uns: »Als die Stimmung gegen mich schlug und die Hetztiraden in der Presse zunahmen, fühlte ich mich beschissen. Ich wurde verfolgt von Interview zu Interview, vor der Haustür abgepaßt von der Presse und war dann regelrecht auf der Flucht vor den Verfolgern.« Diese öffentliche Aufmerksamkeit und diesen Medienrummel habe er nie gewollt, und er sei davon überrascht gewesen. Aber den SPD-Vorsitzenden wegen Hartz IV anzumachen, das sei durchaus seine Absicht gewesen, weil er einfach einen großen Zorn auf die Verantwortlichen gehabt habe. Er habe gemeint, nicht schweigen zu dürfen. Dafür habe er sich schon ein bißchen Mut antrinken müssen.
»Waschen und rasieren Sie sich …!« Das sei beleidigend gewesen, aber am härtesten getroffen und gekränkt hätten ihn Beck Worte: »So wie Sie aussehen, haben Sie noch nie viel gearbeitet.« Damit habe Beck allen Arbeitslosen generell unterstellt, daß sie zu faul zum Arbeiten seien. Das habe er nicht auf sich und seinen Leidensgenossen sitzen lassen wollen. Daraus sei bei ihm eine kämpferische Einstellung entstanden: »Denen zeig‘ ich’s, daß die Arbeitslosen keine Schmarotzer und faulen Schweine sind.«

Becks Angebote habe er weder annehmen wollen noch können – aus gesundheitlichen Gründen, die in den Hetz-Medien unerwähnt blieben. Nach seiner Anstellung im Februar 2007 bei dem Fernseh-Musiksender iMusic1 in Frankfurt seien öffentlich Wetten abgeschlossen worden, wie lange er diesen Job durchhalten werde. Ihm aber sei es darauf angekommen, auf die wirkliche Lage der Arbeitslosen aufmerksam zu machen: »Der Großteil will arbeiten.«
Wie er denn den politischen Sturz von Kurt Beck vom SPD-Vorsitz erlebt habe, fragen wir ihn. »Nach der eigenen öffentlichen Demütigung spüre ich schon eine gewisse Genugtuung. Jetzt hat er auch mal erlebt, wie das ist, öffentlich eingeseift und abgespeist zu werden. Vielleicht kann er das jetzt nachvollziehen, auch mit der Erfahrung eines Karriereknicks!«

Zu seiner eigenen Karriere aber sagt er: »Ich bin ganz stolz, daß ich es in meinem Job geschafft habe und daß ich jetzt anfangen kann, meine hohen Schulden abzuzahlen, ohne in eine Privatinsolvenz gehen zu müssen. Ich möchte es schaffen. Ich bin auch stolz und froh, jetzt den längsten Job seit der Wende zu haben. Dafür gekämpft zu haben, daß ich heute noch an diesem Arbeitsplatz bin!«...
Jürgen Malyssek/Klaus Störch  , Henrico stolz und glücklich

Gruss

Paolo
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Oben Unten