Heimunterbringung vs. ambulante Pflege

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Pichilemu

Gast
Bei uns in Hannover drängen die Sozialämter darauf, dass die Pflegebedürftigen wenn irgend möglich zu Hause bleiben, weil sie inzwischen gemrkt haben, dass das billiger ist. Aber nicht jeder hat dafür das pasende sozial Umfeld, die passende Wohnung. Nicht jeder Angeörige ist für die Pflege geeignet. Das ist physisch und Psychisch nämlich sehr anstrengend.
Die Frage nach der Heimunterbringung wird sich bei mir bald auch stellen. Nicht Pflegeheim, sondern (in dem Fall) Behindertenwohnheim.

Gut, da sieht es mit freien Plätzen eher schwierig aus, denn während Altenheime und Pflegeheime wie Pilze aus dem Boden schießen, tut man sich mit Behindertenwohnheimen schwer. Wo ich mal wohnte, wurde ein riesiger Komplex gebaut - allerdings nur für Körperbehinderte.

Das Problem ist aber, dass ich vermutlich nicht in der Lage sein werde, selbständig einen Haushalt zu führen. Schon das Einkaufen bringt mich jedes Mal an den Rand der Verzweiflung, weil es einfach zu kompliziert ist, ich nie das finde, was ich suche, und dann noch der Druck, unter Menschen zu sein. Das ist grauenhaft.
Und dann noch das Kochen. Das hat man bei mir sehr lange versucht, aber ich bin dazu einfach rein kognitiv in der Lage. Ich weiß nicht, wie ein Herd bedient werden muss, wie man was kochen muss, hab keine Intuition für den richtigen Moment. Es ist einfach viel zu kompliziert und so weit kann ich dann schon längst nicht mehr denken. Bis jetzt endete jeder Versuch, mir das Kochen beizubringen, in einer Katastrophe, entweder brannte die Küche nieder oder das Essen war völlig ruiniert.

Ich habe irgendwo gehört, dass es in manchen Bundesländern Praxis ist, dass wenn die hauswirtschaftliche Versorgung mehr als 10 Stunden in der Woche dauert, die Personen vom Sozialamt einfach ins Heim abgeschoben werden. Weil es billiger ist. Und da sieht es dann bei mir ziemlich schlecht aus.

Mal abgesehen davon, dass ich noch gar keine Wohnung habe. Ich bin quasi obdachlos, schlafe nur notdürftig bei Verwandten. Wohnungssuche kann ich mir gar nicht vorstellen, wie soll ich denn mit dem Vermieter klarkommen, bei meiner Angst vor Menschen? Das wird einfach nicht klappen. Und dann brauche ich noch Möbel, keine Ahnung wo man so etwas herbekommt, und sie müssen noch zusammengebaut und -geschraubt werden, auch das würde mich völlig überfordern, ganz abgesehen davon dass ich auch körperlich unnatürlich schwach bin und deswegen schwere Dinge gar nicht heben kann. Ein soziales Umfeld existiert bei mir nicht, die Familie ist zerrüttet, viele sind im hohen Alter und bereits selbst krank und können sich nicht um mich kümmern.

Ich weiß ja auch nicht, wie es im Heim sein wird. Ob es da gut laufen wird oder ob es nur eine Aufbewahrungsstätte sein wird. Da kann ich mir kein Bild davon machen. Aber das sind Fragen, die mich täglich beschäftigen und mich zum Grübeln bringen. Ich weiß echt nicht, wie es mit mir weitergehen soll.
 

DeQuill

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Erkundige Dich mal wo es bei Dir betreutes Einzelwohnen gibt, kann später auch in wohnen in einer
Wohngemeinschaft münden.
Ich bin auch im betreuten Einzelwohnen, d.h. habe eigene Wohnung und treffe einmal die Woche (kann auch öfter sein je nach Fall schwere) eine Betreuerin. Mir wurde sehr gut geholfen,habe eine neue Wohnung gefunden und bin eigentlich wieder völlig selbständig.

Ich weiss aber, dass die auch in "härteren" Fällen helfen und Leute in geeignete Wohneime vermitteln.

Im betreuten Wohnen kann man auch solche Sachen wie kochen oder z.B. Ordnung und Sauberkeit (war bei mir ein großes Problem) erlernen und bei allen Behördensachen natürlich auch. Und es gibt ggf. eine Haushaltshilfe
Eventuell steht Dir auch eine Pflegestufe zu, was Deine Optionen bezüglich Hilfen erweitert.

Mir wurde das damals aus der Klinik heraus vermittelt, vom Sozialdienst.

Gehst du zu einer Ambulanz? Die haben auch Sozialarbeiter und können weiterhelfen.
Oder dein Pychiater müsste Ansprechpartner bei Dir kennen.
Oft bieten AWO und andere soziale Träger entsprechende Angebote an.
In Städten gibt es auch oft gemeinnützige Vereine für pychisch Kranke die ein breites
Spektrum von Wohnheimen, Tagesstätten, Werkstätten oder betreutem Wohnen bieten.
Kenne mich leider nur in Fankfurt aus.

Hol Dir auf jeden Fall Unterstüzung! Entsprechende Sozialarbeiter muss es in jeder Kommune geben.

Wenn Du ins Wohnheim gehst und Grundsicherung bekommst, solltest Du bedenken, dass Du nur noch
ein Taschengeld und Kleidergeld bekommst.

Nachtrag: Eventuell schonmal über einen Klinikaufenthalt nachgedacht oder Reha. Klinik hat mir sehr geholfen als ich auch total verzweifelt war, als ich rauskam hatte ich eine tolle Sozialarbeiterin vom betreuten Wohnen die mir bei allem geholfen hat und gute Therapeuten in der Ambulanz.

Alles gute !!
.
 

Buchfan

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Die Frage nach der Heimunterbringung wird sich bei mir bald auch stellen. Nicht Pflegeheim, sondern (in dem Fall) Behindertenwohnheim.
....
Ich weiß ja auch nicht, wie es im Heim sein wird. Ob es da gut laufen wird oder ob es nur eine Aufbewahrungsstätte sein wird. Da kann ich mir kein Bild davon machen. Aber das sind Fragen, die mich täglich beschäftigen und mich zum Grübeln bringen. Ich weiß echt nicht, wie es mit mir weitergehen soll.

Diese letzte Frage finde ich wichtig, und vielleicht kann ich Dir bei der Beantwortung behilflich sein, vielleicht. Nicht jetzt und gleich, aber im Laufe der nächsten Zeit. So Stück für Stück.

Wichtig finde ich auch die Frage, was Du Dir von solch einem Heim erhoffst. Wenn man sich diese Frage im Vorfeld ehrlich beantwortet (und dafür sich die nötige Zeit gönnt), kann man gezielter suchen und hat Wünsche und Bedürfnisse auf dem Schirm, wenn man sich wo vorstellt.

Dann kann man sich natürlich Gedanken über Alternativen zum Wohnheim machen, wie deQuill vorschlägt.

Ich kann keine langen Beiträge schreiben, denn ich habe verkrüppelte Finger, die schnell kalt und starr werden.
Heute nur so viel: Ich habe von 2011 - 2015 in zwei verschiedenen Wohnheimen für psychisch Kranke gelebt und kann Dir aus dem Alltag berichten. Und zwar sehr kritisch. Im Rückblick bin ich sogar entsetzt über mich, dass ich so lange mitgespielt habe. Aber ich weiss auch, dass ich in der Hinsicht eine Ausnahme bin. Später mehr.
Seit August 15 lebe ich selbständig in meinem kleinen Appartement und mir geht es gut.
 
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Pichilemu

Gast
DeQuill, ich hab ja mal in der Nähe von Frankfurt gelebt, und naja. Es ist kaum zu glauben, dass es in einem 400.000 Einwohner großen Landkreis kein einziges Angebot für psychisch kranke gibt. Anscheinend leben dort nur gesunde Menschen. Es wundert mich dann auch nicht, dass die örtliche Psychiatrie, in der ich mal zwangseingewiesen wurde, hoffnungslos überfüllt war, sodass ich auf einem Feldbett im Flur schlafen musste. Wahrscheinlich werden die bald wieder die Schlafsäle wieder öffnen, so wie in den 50ern und 60ern - ich bin nur froh, dass ich da weg bin..

Jedenfalls hatte mir das Jugendamt damals, als ich 18 wurde, ein ambulant betreutes Wohnen genehmigt. Da es wie gesagt vor Ort kein Angebot gibt, mussten die Sozialbetreuer aus Offenbach andackeln, das war ein Fahrtweg jenseits von Gut und Böse.
Die haben es aber in vier Jahren nicht geschafft mir eine Wohnung zu besorgen damit dieses ambulant betreute Wohnen überhaupt anlaufen konnte. So wurden quasi vier Jahre lang Gelder vom Jugendamt einfach so in den Sand gesetzt. Das Jugendamt konnte/wollte keine Wohnung finanzieren (O-Ton: "Wir hatten das früher mal gemacht, aber dann haben die Vermieter uns vor dem Amtsgericht wegen jeder kleinen Mietstreitigkeit verklagt, seitdem machen wir das nicht mehr..."), das JC stellte sich ebenfalls quer mit den Gründen, die ich woanders bereits nannte ("Vergewaltigungen durch den Vater sind vom elterlichen Züchtigungsrecht gedeckt.") Jedenfalls war sowohl das Jugendamt als auch die Sozialbetreuer mit den Behörden und insgesamt mit der Situation völlig überfordert.

Das ist der Grund, wieso ich da vorsichtig bin - ich hab da einfach miserable Erfahrungen gemacht. Ob das woanders evtl. besser ist, weiß ich nicht.
 

DeQuill

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Hmn.....
Das hört sich nicht gut an. Ohne kompetente Hilfestellung ist das ganz schwer.
Es muss doch irgendjemand zuständig sein. Es gibt ja eine Grundversorgung.

Ich dachte das gibts überall. Wohnst Du noch in Hessen?
Vielleicht kann Dir dann der LWV weiterhelfen, die sind ja meistens Kostenträger.
Du schreibst Du hast kein soziales Umfeld, vielleicht kommt auch ein Umzug in Frage.
Hier in Frankfurt kann ich z.B. fwg-frankfurt empfehlen, frankfurter werkgemeinschaft e.V. - Die frankfurter werkgemeinschaft e. V. (fwg), arbeite da ehrenamtlich.

Wenn Du mir per PN sagst in welchem Landkreis Du wohnst, kann ich auch mal bei der Arbeit recherchieren
oder meine Betreuerin fragen, was man in einem solchen Fall macht.

Dein Therapeut müsste doch Anlaufstellen kennen.
Bei Obachlosigkeit ist auch das Sozialamt zuständig.

Ich nehme an Du warst auf Akutstation, das kann mitunter wirklich sehr schlecht und kontraproduktiv sein, ich hatte Glück.
Aber es gibt ja auch "normale" Stationen, da brauchst Du dann eine Krankenhauseinweisung vom Arzt und hast Wartezeit und aus der Klinik heraus kann man Dir sicher was vermitteln. Und meines Wissens ist man auch nicht an die örtlich zuständige Klinik gebunden. Reha-Antrag ist auch möglich dauert in Deinem Fall aber wohl zu lange.

Vielleicht schaust Du auch mal in Foren für psychisch Kranke, dort kann Dir sicher kompetenter und konkreter geholfen werden.
 
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Pichilemu

Gast
Ich bin jetzt dummerweise ganz weit weg gezogen. Ich wusste damals in dem Moment einfach nicht, wohin. Könnte natürlich bei Bedarf wieder zurückziehen, wenn es ein entsprechendes Angebot gibt, ich befürchte aber, dafür ist es nun zu spät.

Das Sozialamt wurde in dem Landkreis übrigens ebenfalls abgeschafft, wie ich neulich las. Da leben ja nur gesunde Menschen, also braucht man auch kein Sozialamt. Oder so.

Zu meinem Hausarzt hab ich so gut wie keinen Kontakt, der kennt mich eigentlich gar nicht.

Ich lebe auch im Internet sehr zurückgezogen, ich habe da (und mache heute noch) sehr schlechte Erfahrungen mit Menschen, deswegen weiß nicht, wie und wo ich hin soll.
 

DeQuill

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Hausarzt weiss das sicher auch nicht viel.
Aber du brauchst doch am besten einen Psychiater/Neurologen, den kann dir auch dein Hausarzt vermitteln.
Oder Psychologe auch OK, der kann dann bei Bedarf einen Psychiater hinzuziehen.
Keine Angst ich habe ich auch jahrelang gescheut Hilfe zu suchen, hat mir alles
sehr geholfen, als es nach Suizidversuch fast schon zu spät war.

Sozialpsychiatrischer Dienst MUSS es in jedem Landkreis in D geben und die müssen Dir helfen!
Und können das sicher auch.

Oder wenn du jetzt umgezogen bist, mal googlen und den Ruf der örtlich zuständigen pychiatrischen Klinik googlen, die müssen dich auch behandeln wenn es akut wird.

Wenn du in ein Heim willst, wirst Du dich auch mit einigen Stellen auseinandersetzten müssen.
Aber ich denke es gibt sicher Alternativen für Dich.

Also Positiv Denken!!!
 

Buchfan

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Als ich 2011 in das erste Wohnheim zog, wußte ich auch nicht, wohin sonst. Meine Kleine 2-Raum-Wohnung war mir wegen Eigenbedarf gekündigt worden, eine neue wollte und wollte sich nicht finden, der Auszugstermin rückte näher und damit auch die Wahrscheinlichkeit der Obdachlosigkeit. Die Panik wuchs, denn mir war klar, dass mir der Boden unter den Füßen weggezogen wurde.

Es blieb nur die Möglichkeit ins Wohnheim zu ziehen, eine Möglichkeit, die schon während meines letzten Krankenhausaufenthalts 2010 erwogen wurde. Während dieses Krankenhausaufenthalts wurde auch eine gesetzliche Betreuerin beantragt und bewilligt. Leider stimmte die Chemie überhaupt nicht. Ich hatte kein Vertrauen zu ihr und ein Jahr später gab es eine neue, die bis vor kurzem blieb. Der Vertrag wurde mittlerweile in beiderseitigem Einverständnis gekündigt.

Die Betreuerin kümmerte sich um den Formkram bzgl. des Wohnheims, für das ich mich entschieden hatte. Ein kleines mit 18 Plätzen in 2 Gebäuden, Wirtschaftsgarten und Pferden in einem Pups-Dorf am Arx der Welt. Träger: eine Stiftung. Drumherum Heide, Wald und ab und zu ein Dörfchen.

Ich erinnere mich noch deutlich an das Vorstellungsgespräch: 2 leitende Mitarbeiter und ich in nicht mehr ganz neuen Sofas in einem mit viel Holz ausgestatteten Raum. Das Gespräch verlief schleppend; ich war nicht sehr mitteilsam. Aber es schien ok zu sein. Ich wurde genommen und konnte 3 Monate später einziehen. Mein Hab und Gut wurde eingelagert. Ein Zimmerchen zur Überbrückung fand sich auch.

Meine Erfahrung rückblickend: Ich hatte viel Freiraum, konnte täglich stundenlang mit meinem Hund (der durfte mit einziehen) durch Feld und Wald stromern, fahrradfahren, hatte regelmäßige Mahlzeiten, Putzdienst, Küchendienst, Gartenarbeit, Hausgespräche, ab und zu Einzelgespräche und weitgehend meine Ruhe. Die Struktur in dieser Einrichtung war noch weitgehend familiär und nicht so stark getaktet wie ich es in der zweiten Einrichtung später erlebt habe. Es lebten fast ausschließlich Menschen mit Langzeitoption dort. Man fühlte sich nicht allein, aber es gab auch kein Cliquengebändel. Und trotzdem bin ich nach einem Jahr gewechselt worden, d.h. ich wurde gekündigt, angeblich wegen Fremdgefährdung. Aber das führt hier zu weit.
Von der zweiten Einrichtung mit 70 Plätzen erzähle ich später.
 
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Pichilemu

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Während dieses Krankenhausaufenthalts wurde auch eine gesetzliche Betreuerin beantragt und bewilligt. Leider stimmte die Chemie überhaupt nicht.
Kann ich nachvollziehen, ist bei mir genauso. Ich hab zwar vor einem Monat einen Antrag auf Entlassung der Betreuerin wegen fehlender Eignung gestellt, aber das zieht sich wie Kaugummi... ich hab jetzt demnächst noch eine Anhörung vor Gericht und wann dann endlich mal entschieden wird weiß ich nicht.
 
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Kann ich nachvollziehen, ist bei mir genauso. Ich hab zwar vor einem Monat einen Antrag auf Entlassung der Betreuerin wegen fehlender Eignung gestellt, aber das zieht sich wie Kaugummi... ich hab jetzt demnächst noch eine Anhörung vor Gericht und wann dann endlich mal entschieden wird weiß ich nicht.

Also doch gesetzliche Betreuung. Welche Aufgabenkreise?
 
E

ExUser 2606

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Aufenthaltsbestimmung, Behördenangelegenheiten, Gesundheitssorge, Vermögenssorge, Wohnungsangelegenheiten. Also so gut wie alle.

Dann solltest du die Betreuerin mal in Schwung bringen, dass sie was tut fuer das Geld, dass sie bekommt. Antraege stellen, Wohnung suchen... Das Problem mit dem Einwohnermeldeamt waere ihr Job gewesen.
 
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Pichilemu

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Ich hab lange versucht, auf sie einzureden. Die ist sowas von stur. Ich glaube, die lernt erst, wenn ich sie auf Schadensersatz wegen dem entgangenen ALG II verklage.

Die hat sogar versucht, mich zu bedrohen, damit ich eine Falschaussage vor Gericht mache damit sie die Betreuung behält. Also von daher...
 
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ExUser 2606

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Ich hab lange versucht, auf sie einzureden. Die ist sowas von stur. Ich glaube, die lernt erst, wenn ich sie auf Schadensersatz wegen dem entgangenen ALGII verklage.

Die hat sogar versucht, mich zu bedrohen, damit ich eine Falschaussage vor Gericht mache damit sie die Betreuung behält. Also von daher...

Dann stell den Antrag endlich selber.
 
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Pichilemu

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Dann stell den Antrag endlich selber.
Hab ich ja versucht, aber dann hieß es, ich müsse dort zwingend persönlich erscheinen nach § 61 SGB I und wenn ich das nicht tue könne die Leistung wegen fehlender Mitwirkung nach § 66 SGB I versagt werden. Das ich dort nicht alleine hingehe sollte selbstverständlich sein.
 

Buchfan

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Ich hab lange versucht, auf sie einzureden. Die ist sowas von stur. Ich glaube, die lernt erst, wenn ich sie auf Schadensersatz wegen dem entgangenen ALG II verklage.

Die hat sogar versucht, mich zu bedrohen, damit ich eine Falschaussage vor Gericht mache damit sie die Betreuung behält. Also von daher...

Das hört sich ja mehr als abenteuerlich an bei Dir. Und nach kämpfen müssen. Bei Gericht kannst Du dann ja mal ganz sachlich Einzelheiten schildern. Hoffentlich ist der Richter beim Betreuungsgericht wenigstens verständnisvoll.
Ich hatte mit meiner zweiten selbstständigen Betreuerin Glück. Sie saß nicht im AWO-Sessel wie die erste, die übermäßig professionelle Distanz praktizierte. :)icon_hihi:) Selbstständig sein fördert offensichtlich die Motivation.
 
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Hab ich ja versucht, aber dann hieß es, ich müsse dort zwingend persönlich erscheinen nach § 61 SGB I und wenn ich das nicht tue könne die Leistung wegen fehlender Mitwirkung nach § 66 SGB I versagt werden. Das ich dort nicht alleine hingehe sollte selbstverständlich sein.

Hast du den Antrag schriftlich gestellt und hast du die Antwort schriftlich?
 

Buchfan

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Also, ich mach dann mal weiter. Ohne Rücksicht auf Verluste :wink:

Nachdem ich die fristlose Kündigung erhalten hatte, fiel ich in meine Urängste zurück, nämlich ohne Bleibe auf der Straße zu stehen. Hochgekochte Emotionen durch die jüngsten Vorfälle in der Einrichtung ohne die Möglichkeit der Klärung, dazu besagte Ängste und starke Zweifel an meiner Wahrnehmung äußerten sich in emotionaler Erstarrung und erneuter Depression. Es blieb nur eine Lösung: 3 Schritte zurück - ab in die Klinik! Ich hatte wenig Hoffnung, dass das eine wirkliche Lösung darstellen konnte, aber vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung.

Ich blieb volle 3 Monate, die Depression wollte nicht weichen. Die Zukunft erschien mir düster. Ich fühlte mich orientierungslos.Ich wußte nicht, was ich vom Leben erwarten durfte und auch nur diffus, was ich wollte.

Obwohl sich eine Bleibe abzeichnete. Zwei Einrichtungen kamen in die engere Wahl, zwei Vorstellungsgespräche folgten - meine Betreuerin fuhr etliche km mit mir.
Letztlich wurde es die Einrichtung, die mir binnen vier Wochen einen Platz anbieten konnte. Auch hier der Träger eine Stiftung. 70 Wohnheimplätze, verteilt auf 5 Häuser, 1 Haus für die sogenannte Tagesstruktur, Werkstätten für Behinderte in den Bereichen: Bio-Landwirtschaft + Holz, Kartoffel- und Gemüse- Schälbetrieb, Malerei, Bioladen, Bäckerei und Großküche. Das ganze im Fußwegbereich in einem städtischen Umfeld.

Auch hier erinnere ich mich noch genau an das Vorstellungsgespräch. 4 Mitarbeiter mir gegenüber, die Einrichtung und Atmosphäre eher steril, der Gesprächsstil betont sachlich, distanziert, von der Leitung her fast kühl, ich hatte wenig Raum, meine Fragen zu formulieren. Eindeutig: Ich fühlte mich unwohl. Hatte aber keine Wahl, zumindest schien es mir damals so. Ich wurde genommen.

4 Wochen später direkt nach Klinik und mal eben noch Beerdigung meiner Schwester Einzug, Anreise mit Zug und Taxi. "Guten Tag, ich zeige Ihnen Ihr Zimmer. Später haben Sie dann noch Ihr Aufnahmegespräch". Es war knalleheiß und ich völlig ausgedörrt. "Ähm, könnte ich bitte etwas zu trinken bekommen?" "Hier, bitte." Er reichte eine Flasche Wasser heraus. Wäre ich wach gewesen, hätte ich bereits aus diesen ersten Momenten im neuen Heim Rückschlüsse auf die Strukturen ziehen können, die mich erwarteten. War ich aber nicht.

Mein erstes Zimmer wurde mir als "vorübergehend" übergeben. Es handelte sich um das sogenannte Besuchszimmer der Einrichtung, war klein, hatte Bett, Kleiderschrank, Tisch, Stuhl und eine kleine Kommode. Und ein eigenes Duschbad. Aus vorübergehend wurden 6 Monate, während dieser Zeit gab es keine Meldung, wann sich etwas ändern würde. War mir aber schnuppe; ich wußte mein Separée zu schätzen.

Für eine Integration war meine Einsiedelei eher wenig förderlich. Ich hielt mich in meiner Freizeit wie gewohnt abseits. Von 9 - 14 Uhr hatte man die Tagesstruktur zu besuchen, dazwischen war Mittagessen. Tagesstruktur dort hieß an Angeboten teilnehmen: Spaziergänge, Lauftraining, Rätsel, Sudokus u.ä. lösen, Gruppenarbeit: Welche Gruppe baut den höchsten Turm aus Papier und Tesa oder Wie entknotet man sich, wenn man sich vorher als Gruppe verknotet hat, Kochen wenn man in der Gruppe aufgenommen wurde (Kriterien unklar) und dazwischen immer wieder lange Raucherpausen auf der Terrasse. Ich weiss nicht mehr genau, aber ich glaube, das erste halbe Jahr mußte man in die Tagesstruktur. Viele blieben dort aber jahraus, jahrein.
Die Alternative war WfbM - Werkstatt für behinderte Menschen. Dazu morgen mehr.
 

Buchfan

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Noch mal kurz zurück. Man bekam einen Bezugsbetreuer zugeteilt. Irgendwann, ich weiß noch nicht mal mehr, wann und wer. Eine Granate kann es nicht gewesen sein, sonst könnte ich mich erinnern.

Nach dem ersten halben Jahr bekam ich mein eigenes Zimmer. Riesengroß, ich konnte es gar nicht füllen. Später, als ich auszog, wurde wieder ein Doppelzimmer draus. Mit meinem Einzug wurde ich Mitglied einer WG, bekam häusliche Pflichten (WAschmachine benutzen Tag X, Bad putzen Woche X, Küche putzen, Frühstücks- bzw. Abendbrotdienst Woche X, Wochenend-Mittagsdienst 1x/ Monat) und mußte an den wöchentlichen WG-Sitzungen teilnehmen. Mega langweilig, es ging fast ausschließlich um die Diensteinteilung und irgendwelchen Kram wie Regeln und Vorschriften. Ich konnte mich da immer nur schwer konzentrieren.

Mit dem Einzug bekam ich einen neuen Bezugsbetreuer, weil es ein anderes Haus war. Die mußte ich auch erstmal beschnuppern. In Abständen ich glaube 14-tägig hatte ich dann Einzelgespräche mit ihr, 30 Minuten. Viel hatte ich nicht zu vermelden, es lief ja alles immer gleich.

Irgendwann reichte es mir dann mit der Tagesstruktur, und ich begann, mich für die Landwirtschaft zu interessieren. Und konnte nach den Formalien (Kostenträger informieren, Rentenversicherung..) zügig anfangen. Jede Menge neue Gesichter. Etliche kamen von auswärts, wo sie mehr oder wenig selbständig wohnten und nur, weil sie auf dem 1. Arbeitsmarkt nichts bekamen zum arbeiten in die Einrichtung kamen. Und das meistens seit Jahren. So war das in den anderen WfbM auch.

Dienstbeginn war 8 Uhr, Feierabend 15 Uhr. Bis auf Frühstücks- und Mittagspause die ganze Zeit unter freiem Himmel oder im Gewächshaus. Aufgaben: Unkraut jäten mit Hacke und von Hand, wässern, Setzlinge pflanzen, Erdbeeren entranken und neu pflanzen, Gemüse ernten und säubern: Salate, Porree, Kohl, Kohlrabi, Rote Beete, Kräuter, Tomaten, Gurken. Kartoffelfeld war separat. Hierfür gab es Maschinen, wenn die nicht gerade kaputt waren. Bei jedem Wetter viel in gebückter Haltung gearbeitet.

Mir kam die Arbeit entgegen, weil ich gern draußen war, Bewegung hatte, in meinem Tempo arbeiten konnte, in Gesellschaft war, aber meist allein arbeiten konnte. Es war kein Stress, aber die Arbeit hörte nie auf. Im Jahreskreislauf war immer reichlich zu tun. Die Ernte wurde zum überwiegenden Teil in die Großküche geliefert. Die belieferte mit eigenem Lieferservice Mittagessen in diverse Schulen und Kindergärten incl. Essensausgabe (ebenfalls durch WfbM). Ich blieb ein Jahr in der Landwirtschaft.
Gespräche bot der Chef keine an, und ich fragte auch nicht nach.
 

Buchfan

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Weder in der Tagesstruktur, noch in der WG, noch auf dem Feld war jemand dabei, der mich ernsthaft interessierte. Klar, man quatschte hier und da, meist blödes Zeug, aber Freundschaften entstanden nicht. Natürlich habe ich mal wieder an mir gezweifelt.

Irgendwann kam meine Bezugsbetreuerin und sagte, ich müßte aus dem Zimmer raus. Man bräuchte den Platz als Doppelzimmer. Ich könnte in jenes Haus ziehen, in eine 5er-WG. Vorher waren es 10, aber mein Zimmer lag etwas abseits. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich hätte dankend ablehnen können, also willigte ich ein. Ein kleineres Zimmer mit direkter Nachbarin. Eine passable Küche, Männer- und Frauenbad, 2 Toiletten.

Jeder lebte so irgendwie sein Leben. Gemeinschaftsaktionen wie Kochen gab es nur in Ausnahmefällen, wenn die Betreuerin zu bestimmten Anlässen Druck machte. Eigentlich sollte es öfter stattfinden, tat es aber nicht. Wenn dann gemeinsam gekocht wurde, der Einkauf schon mal da war, waren es selten mehr als zwei, die tatsächlich in der Küche standen.

In der WG wurde dann auch das Selbstversorger-Modell an mich rangetragen. Ein wöchentlicher Barbetrag gegen eigenständiges einkaufen, kochen und andere Mahlzeiten. Kaufland (argh) als nächster Supermarkt war 25 Minuten Fußweg entfernt. Wirtschaften, Kochpläne erstellen und Einkaufslisten für Newbies wurde nicht angeboten. Ich zählte zwar nicht dazu, beschloß aber, meiner Lethargie zu frönen und in Generalstreik zu treten. Selbstversorger? No way! Das Mittagessen war zwar nur mittelmäßig, und ich vermißte meine eigene Küche, aber war nicht bereit, in einer Gemeinschaftsküche mit eher sparsamer Ausstattung Tag für Tag kochen zu dürfen. Auch die Lagerplätze für eigene Vorräte waren knapp. Es gab einen Kühlschrank mit 6 abschließbaren Fächern, in die jeweils auch nicht viel hineinpaßte. Kein TK. Nö.

Die Küche hauptsächlich, aber auch das Bad waren regelmäßig Stein des Anstoßes. Überhaupt Sauberkeit. Tauchte auf jeder Tagesordnung der wöchentlichen Gruppensitzungen auf. Da gab es die Fraktion der Supersauber-Alles-im-Griff-Habenden (2) gegen die mit ewig schlechtem Gewissen (3). Und das, obwohl es detaillierte Wochen- Pläne gab. Küchenboden: X, Oberflächen: X, Abendbrotkiste holen: X, Frühstück holen: X. Bad putzen: Spiegel, Heizung, Duschen, Fenster, Boden.....Alles mußte vom Diensthabenden mit Datum in den Listen abgehakt werden. Natürlich wurde auch die Sauberkeit in den Zimmern kontrolliert, aber gemäßigter als in den Gemeinschaftsräumen. Hab da aber auch Zimmer gesehen, da wurde es sogar mir zuviel.

Weiterer Streitpunkt war das fernsehen am Abend. Es kam oft genug vor, dass meine Nachbarin kurz nach der Tagesschau bei mir klopfte und darum bat, dass ich den TV leiser stellen möge. Sie wolle ins Bett. Ihr ginge es nicht so gut. Da half auch nicht, dass der TV bereits leise sei und außerdem die Nachtruhe um 22 Uhr begänne. Nach längerer Diskussion willigte ich schließlich ein. Sie ging und ich änderte nichts.

Frühstück und Abendessen wurden übrigens individuell eingenommen. Es gab keine verbindlichen Zeiten. Das war in der letzten WG anders gewesen. Mittagessen hatte ich wie gesagt in der Kantine, mit 50 anderen, und das blieb so bis ich auszog.
 
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Pichilemu

Gast
Erstmal danke für den ausführlichen Bericht.

Also eine WG hab ich von Anfang an konsequent ausgeschlossen, das funktioniert bei mir nicht. Da steht auch meine Angst vor Menschen entgegen, ich könnte gar nicht mit so vielen anderen Menschen auf engstem Raum zusammenleben. Mal ganz abgesehen davon dass ich mich ja gar nicht selbst versorgen kann, wenn man mich an den Herd lässt brennt am Ende die Küche nieder.

Daran ist auch (wohl) damals die Arbeit in der WfbM gescheitert - Großraumbüro geht bei mir einfach nicht. Ist dann halt die Frage ob ich für so etwas überhaupt geeignet bin, weil die das wohl überall so machen.

Landwirtschaft... tja. Schön, dass es dir gefallen hat. Ich glaube nicht, dass das etwas für mich wäre. Abgesehen von meiner fehlenden Kraft wird auch die Temperatur insbesondere im Sommer für mich ein großes Problem darstellen, denn Hitze vertrage ich überhaupt nicht, da kollabiere ich.

Ich hab mir schon gedacht dass Heim nicht gleich Heim ist, ist ja bei Alten- und Pflegeheimen genauso. Ich hab halt das Problem dass die Versorgung zuhause akut gefährdet ist, und ich habe wirklich Angst quasi zuhause zu verhungern weil mir niemand das Essen kocht, so verrückt es auch klingen mag.

Wie es letztendlich weitergeht werde ich sehen müssen, hängt auch von der Kooperationsbereitschaft des Sozialamtes ab. Wenn die weiterhin auf stur stellen gibt es keine Alternative zum Heim, denn alleine in einer Wohnung könnte ich gar nicht überleben.
 
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ExUser 2606

Gast
Lass mal die Kirche im Dorf, so schnell verhungert man nicht. Rein physiologisch ist es deinem Koerper egal, ob du warm oder kalt isst und notfalls gibt es auch noch essen auf Raedern. Und Spaghetti oder ein Spiegelei wirst du ja wohl hinkriegen. Uebrigens gibt es auch Wohnprojekte fuer Autisten.

Wann gehst du mit deiner Betreuerin zum JC?
 
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