Hausarzt möchte nicht weiter krankschreiben, befürchtung auf Probleme seitens des Jobcenters und die Frage nach Anlaufstellen für eine Diagnose

Beebug

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Guten Abend liebes Forum!

In diesem Thread geht es um meinen Mitbewohner (MB), welcher zur Zeit ALG2 bekommt und seit ca. Sommer 2019 bis heute durchgehend AU geschrieben ist. Bisher gab es nie Probleme seitens seines Arztes, er schrieb im 4 Wochen-Rhytmus krank und versicherte ihm beim letzten Termin im Oktober, dass er weiter AU schreibt, da die Krankenkasse auch anscheinend damit adhoc geht.

Das Jobcenter lässt ihn auch in Ruhe, es kamen Termine aber eine AU reichte immer aus. Zuletzt wollte man telefonisch über seine Gesundheit reden, dann sollte er schriftlich Auskunft geben. Tat er nicht, kam keine Reaktion.

Sein Arzt teilte ihm heute mit, dass es jetzt seine letzte AU sein wird, die er ihm ausstellt. Es geht um Geld, er kann es nicht mehr weiterhin. Es seie denn, er gibt ihm einen Wisch mit einer Diagnose. Der Arzt war heute sehr durch den Wind meinte mein MB, meinte sogar, dass er dann eben ALG beantragen muss oder arbeiten gehen soll. Dabei weiss Doc eigentlich, dass mein MB ALG2 bezieht. Aber er wiederholte 3 Mal: ohne Diagnose keine AU.

Mein MB war bereits Anfang September bei einem Psychiater, dieser wies ihn nach ca. 10 Minuten und mehreren, negativen Aussagen aus der Praxis. Der Arzt schrieb nichts mit, unterbrach ihn ständig und wollte nur einen Bruchteil der Dinge hören. Eine Diagnose bekam er trotz Bitte auf der Überweisung seines Hausarztes nicht. Nur mündlich ein "Das ist eine Depression, ja."
Seitdem ist sein Vertrauen in die Ärzte noch mehr geknickt und er traut sich nicht, vor einem Arzt seelisch nackig zu machen. Den Termin bekam er von der Terminstelle zugewiesen, da seine (und auch meine, ich habe geholfen) Terminsuche nicht erfolgreich waren.

MUSS der Psychiater nicht bei Überweisung einen Bericht erstellen? Ich bekam sogar bei den kleinsten Dingen immer einen ausführlichen Bericht für den Hausarzt.

Gibt es weitere Möglichkeiten, an einen Termin für eine Diagnose und ggfs. folgende Psychotherapie zu kommen? Ihm ist wichtig, dass diese ambulant erfolgt und er in seinem gewohnten Umfeld bleiben kann. Was ich auch sehr gut nachvollziehen kann. Aber wie soll er es bitte schaffen, in 4 Wochen einen Termin inkl. Brief zu bekommen? Ich suche aktuell auch einen Neurologen und erlebe da schon, wie schwer es ist. Mit Glück bekam ich Anfang Januar einen Termin.
Ich vermute leider, dass das JC sich meldet, sobald keine neue AU eintrudelt und er direkt einer Maßnahme zugewiesen wird oder einen Termin bekommen wird inkl. Bewerbungsaufforderungen für ZAFs etc. Diese Gedanken verursachen -laut seiner Aussagen- bei ihm Panik und Angst. Er war froh, AU zu sein und sich in Eigenrecherche beruflich ein bisschen zu "entwickeln" und auch gesundheitlich auf sich aufzupassen ohne das JC im Nacken zu haben.
Das weiss sein Hausarzt auch. Aber der denkt wahrscheinlich, der Mann hat keine Lust auf Arbeit.

Vielleicht habt ihr ein paar Tips, auch gerne konkret für das Ruhrgebiet, an die er sich wenden kann.
Einen neuen Hausarzt zu finden ist auch nicht so einfach, ich habe hier auch schon welche durch (habe eine schwerste Depression als Diagnose) und dies nahmen bisher nur wenige Ärzte wirklich ernst, wenn es mir schlecht ging und ich Hilfe benötigte. Und sei die Hilfe nur eine AU, um ein paar Tage Ruhe zu bekommen und mich zu sammeln.

Liebe Grüße euch und bleibt gesund :)
 

ZynHH

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Dabei weiss Doc eigentlich, dass mein MB ALG2 bezieht
Das hört sich nicht so an. Und weil er kein Krankengeld bekommt, ist es der KK auch egal. Also mit Geld hat das nichts zu tun.

Das der Psychiater nicht nach 10 Minuten eine schriftliche Diagnose stellt, dürfte verständlich sein.

Versucht doch mal, ob ihr eine PIA ( Psychiatrische Institut Ambulanz) bei euch in der Nähe findet. Die können ihm vieleicht helfen, bis er einen Therapeuten hat.
 

isso

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Gibt es bei euch einen Sozialpsychiatrischen Dienst oder eine Klinik mit einer Institutsambulanz. Es gibt auch in der aktuellen Lage Kliniken die offene Sprechstunden in Ambulanzen anbieten (wenn diese welche haben). Bestehen da bei euch Möglichkeiten.

Eine Diagnose stellt sich nicht in 10 Minuten. Diagnostik geht darüber hinaus.
 

Beebug

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Über die PIA habe es bei mir auf Arbeit versucht, sollte mich in 6 Wochen wieder melden und dann hieß es wieder, in 6 Wochen usw. Wenn ich "Glück" habe, bin ich ab Januar selbst zeitweise in einer am Arbeiten und kann da schauen, wird aber zu spät sein.
Ich leite es ihm nochmal weiter, auch den Hinweis mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst.

Der Psychiater bei dem er war hatte kein Interesse an weiteren Terminen zur Diagnostik, der drücke ihm lediglich einen Zettel mit Tageskliniken in die Hand. Und meinte dann, er kann im Oktober anrufen und Bescheid geben, ob er in einer ist und er ihn hier aus der Kartei nehmen kann. Die Praxis hat hier nicht den besten Ruf und ist als "Abfertigung" bekannt.
Hier zur Zeit die Wartezeit: 6-8 Monate. Ich habe 2018 ca. 4 Monate gewartet.

Sein Doc weiss es definitiv, er riet ihm damals schließlich selbst zu einer AU, als er in eine Maßnahme mit Potenzanalyse und psychiatrischen Gesprächen gesteckt werden sollte. Normale Eingangsmaßnahme bei Antragsstellung mit Folgemaßnahme von etwa 4 Monaten. Ich bin auch der Meinung, der KK ist es latte, sie zahlen nicht für ihn.
 

saurbier

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Der Arzt war heute sehr durch den Wind meinte mein MB, meinte sogar, dass er dann eben ALG beantragen muss oder arbeiten gehen soll. Dabei weiss Doc eigentlich, dass mein MB ALG2 bezieht. Aber er wiederholte 3 Mal: ohne Diagnose keine AU.

Wie hat denn der Arzt bisher seine AU gegenüber der KK begründet, da muß ja ein ICD-Schlüssel (Diagnose) vermerkt sein weswegen er behandelt wird.

Deshalb, was solls dann soll der Arzt doch eine Diagnose auf der AU eintragen. Der Diagnoseschlüssel steht eh nur auf dem 1. Blatt für die KK und auf dem Durchschlag bzw. 2. Blatt für Arbeitgeber hier eben JC ist da ja nicht enthalten. Was solls also. Im übrigen wäre deinem MB angeraten das er dem Arzt ruhig darlegt das er bereits nur noch ALG-2 erhält, selbst wenn er das öfters rüber bringen muß.

Die Krankenkasse dürfte die Diagnose recht wenig interessieren, denn sie muß ja für deinen MB kein KG mehr zahlen.

Sicherlich wäre es auch hilfreich wenn er dem Arzt erzählt das er beim Psychiater war (auch welche Praxis) und der ihm lediglich abgewimmelt hat und lapidar mitteilte er solle sich im Oktober 2021 mal melden, dann sieht der Arzt zumindest das er sich ja um einen Facharzt bemüht und es schlicht nicht klappt. Geld ist eher eine dumme Ausrede, denn für die fünf Minuten für eine AUB bekommt der Arzt schon sein Geld, es sei denn er hätte sein Budget für 2020 (letztes Quartal) bereits aufgebraucht.

Und ja, wenn man mit einer Überweisung zum Facharzt geht, sollte der eigentlich für den überweisenden Arzt einen Befundbericht zumindest einen Kurzbericht schreiben, damit dieser darüber informiert wird was der Facharzt festgestellt hat. Aber aber - ich bin auch von meiner Hausärztin (mache sogar beim Hausarztmodell mit) an einen Unfallchirurgen überwiesen worden und der bisher in jetzt bereits 3 Monaten noch keinen Bericht für meine Hausärztin verfaßt, trotz regelmäßiger Besuche. Hab ihn jetzt nochmals darauf angesprochen, mal schauen was passiert. Ist bei vielen schlicht Faulheit für diese Extraarbeit.
 

Beebug

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Erstmal, ein dickes Danke für eure Antworten!

Die AUs waren bisher auf den ICD für depressive Episode ausgestellt. Die AUs schickt der Arzt immer direkt an die AOK, das kenne ich auch von anderen AOK-Mitgliedern so, dass die Ärzte das direkt machen, daher weiss die AOK, dass er AU geschrieben ist.
Er hat seinem Arzt mitgeteilt, was bei diesem Psychiater passiert ist, dieser meinte, es ist bedauerlich aber er kann da nichts machen, wenn er im Dezember die Folge-AU will, soll er eine Diagnose von einem nervenarzt bringen. Er gab ihm eine Überweisung für einen Neurologen mit.....

Als mein MB den Psychiater fragte, ob er einen Bericht bekomme hieß es nur "Nicht unbedingt. Das entscheide ich selbst." Und damit bat er ihn aus dieser Praxis. Habe ihm geraten, nochmals dort aufgeschlagen und am Thresen etwas " unfreundlich"zu werden und zumindest um eine Bestätigung seines Daseins an diesem Tag zu erbitten. Ggfs. ist doch ein Brief hinterlegt im System.
Problematisch wird es, wenn sich in den nächsten vier Wochen nichts tut und das Jobcenter dann im neuen Jahr motiviert wieder anfängt, einzuladen etc.
 

Beebug

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Leider haben die PIAs in der Umgebung keinerlei Kapazitäten mehr oder sind eher für Suchterkrankungen spezialisiert. Da konnten wir keinerlei Ergebnis erreichen.
Ich habe ihm geraten, nochmal mit seinem Hausarzt ins Gespräch zu gehen oder zum Sohn des Hausarztes, welcher ebenfalls in dieser Praxis sitzt. Der eigentlichHausarzt ist schon über 80 und recht senil, da kam wohl schon häufiger was durcheinander. Ebenso riet ich ihm, trotz der negativen Erfahrungen die Praxis des Psychiaters, wo er für 10 Minuten war, nochmals aufzusuchen und sich wenigstens einen Kurzbefund geben zu lassen.

Ich denke nicht, dass er bis Mitte Dezember da weiteren Erfolg haben wird. Das sollte er seinem Hausarzt auch klar vermitteln. Eine durchgehende AU ist doch auch wichtig wenn es ggfs. zu einer Untersuchung seitens des JC kommt, oder?
 
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