Hat mein Sohn Anspruch auf Grundsicherung? Ist das Jobcenter oder das Sozialamt zuständig? Wer kann einen Hinweis geben?

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Ines_S

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Hallo,

mein Sohn hat 2017 sein Abitur gemacht und hat im selben Jahr angefangen zu studieren.
Er zog im selben Jahr zu Hause aus und lebte seitdem in einer WG.

Jetzt kam der grosse Zusammenbruch.
Er musste im Juli diesen Jahres in die "Geschlossene" weil er einen kompletten Zusammenbruch hatte.
Nach Rücksprache mit dem Arzt sollte er für die kommende Zeit in einer sozialen sicheren Umgebung wohnen.
Also Zimmer gekündigt und er wohnt bei seinem Vater.
Mein Sohn ist weiter in ärztlicher Betreuung, Neurologe, Psychologe usw.

Nun wird er im September 23. Laut Krankenkasse fällt er aus der Familienversicherung raus, weil er weder studiert, eine
Ausbildung macht oder einer Arbeit nachgeht. Die KK teilte mit, das die Eltern den KK-Beitrag zahlen müssen.

Nun habe ich beim Sozialamt angerufen, die meinten ihm steht eine Grundsicherung zu. Jedoch konnten die mir nicht sagen wo
dieser zu beantragen ist. Jobcenter oder Sozialamt. Es sei auch zu prüfen ob er überhaupt Grundsicherung bekommt, da er bei seinem Vater wohnt.

Mein Sohn wird mindestens für kommende 8 Monate nicht arbeitsfähig sein, Krankenschein hat er.
Wo wende ich mich denn nun hin? Hat er eine Chance auf Grundsicherung? Ich bin jetzt ziemlich ratlos.
Nicht das man genug Sorgen hat, gibt es auch keine richtige Auskunft wo es lang geht.

Vielleicht kann mir jemand helfen und sagen an wen ich mich wenden kann.

Danke für hilfreiche Antworten..... Liebe Grüsse
 
E

ExUser 2606

Gast
Im Prinzip ist es egal, wo du den Antrag stellst. Das nichtzuständige Amt muss den Antrag weiterleiten.

Ich tippe erstmal aufs Jobcenter, denn seine Erwerbsfähigkeit ist derzeit nicht geklärt und dass Jobcenter müsste dann zumindest so lange zahlen, bis die DRV festgestellt hätte, dass er nicht erwerbsfähig ist.

Allerdings bildet er mit dem Vater eine BG und das bedeutet, dass auch der Vater seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse wird offenlegen müssen und nur wenn sich dann noch eine Bedarfslücke ergibt, gibt es Geld.

Die Krankenversicherubg kostet etwa 190 EUR im Monat. Wenn das Jobcenter oder ein anderer Sozialleistungsträger rückwirkend zahlt, bekommt ihr das Geld zurück.
 

Ines_S

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Ich habe definitiv kein Problem damit Unterhalt zu zahlen, wenn ich muss.

Prinzipiell hat einer Anspruch auf Grundsicherung auch wenn er erwerbsunfähig ist und das 18. LJ vollendet hat, und absehbar auch nicht erwerbsfähig sein wird. Unterhaltsansprüche gegenüber den Eltern richten sich nach dem Gesamteinkommen, wo liegt denn da die Grenze?
 
G

Gelöschtes Mitglied 28373

Gast
Die Krankenversicherung über die Eltern könnte weiter laufen, wenn ihr euren Kindergeldanspruch für den Sohn durchsetzt - vermutlich fließt gerade kein Kindergeld?

Für volljährige Kinder, die auf Grund einer mit U25 eingetretenen Behinderung außer Stande sind, sich selbst zu unterhalten, besteht Kindergeldanspruch ohne zeitliche Begrenzung.
Dafür muss keine festgestellte Schwerbehinderung vorliegen, das kann auch der behandelnde Arzt so attestieren.

Mit dem Kindergeldanspruch geht ein weiterer Anspruch auf Familienversicherung einher, außerdem kann der Kindergeldberechtigte dann die steuerliche Geltendmachung von behinderungsbedingten Aufwendungen, Pauschbetrag o.ä. auf sich übertragen.

Für den Antrag braucht ihr den Hauptantrag, Anlage Kind und die für euch relevanten Formulare unter KG4 (die sind durchbuchstabiert). Das wirkt erstmal viel, ist aber relativ harmlos.
Die Familienkassen sind bei einem solchen Antrag leider meist wenig kooperativ und erst recht nicht hilfreich, stellt euch auf jeden Fall drauf ein, erst im Widerspruch Recht zu bekommen.

Damit könnt ihr die sonstigen Ämter vielleicht noch eine Weile außen vor lassen.
 

Doppeloma

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Hallo Ines_S, :welcome:


Prinzipiell hat einer Anspruch auf Grundsicherung auch wenn er erwerbsunfähig ist und das 18. LJ vollendet hat, und absehbar auch nicht erwerbsfähig sein wird. Unterhaltsansprüche gegenüber den Eltern richten sich nach dem Gesamteinkommen, wo liegt denn da die Grenze?

Grundsätzlich hat man U 25 noch auf NICHTS einen persönlichen Anspruch wenn man noch bei den Eltern (oder einem Elternteil) wohnt.
Das hat wenig damit zu tun, dass wir deine Angaben anzweifeln, es ist einfach gesetzlich so festgelegt.

Gerade wenn das wegen Betreuung und Unterstützung so geregelt wurde bei euch, darf er nun auch nicht einfach ausziehen, um sich dadurch einen Einzel-Anspruch (auf ALG II) erwirken zu wollen. :icon_evil:

"Grundsicherung" (Hartz 4) gibt es für Langzeit-Arbeitslose (beim zuständigen JobCenter) aus dem SGB II, aber unter den aktuellen Bedingungen eben NUR bei "Bedürftigkeit" der gesamten BG.
Ein persönlicher Alleinanspruch ist nicht vorgesehen wenn man U 25 noch bei den Eltern wohnt.

Vorrangig sind bisher noch beide Elternteile Unterhaltspflichtig (auch nach dem Familienrecht) und in der Regel gibt es dafür sehr enge Grenzen, ehe da überhaupt ein Amt was dazu zahlen würde, weil das Einkommen beider Elternteile dafür nachweislich nicht reicht.

Für die "Grundsicherung" des SGB XII (das wäre Kapitel 4 bei "Dauer-Rente wegen EM oder im Alter") gibt es sehr hohe Hürden, dort gibt es NUR dann Geld wenn volle Erwerbsminderung (auf Dauer) und die gesundheitlichen Gründe dafür umfangreich medizinisch belegt werden konnten und zusätzlich bereits durch Gutachter der Rentenkasse festgestellt und bestätigt sind.

Davor wäre das "reguläre" Sozial-" zuständig (nach Kapitel 3 SGB XII / Hilfe zum Lebensunterhalt) und die überprüfen auch vorher ob er wirklich nicht arbeiten KANN (und dann theoretisch zum JobCenter gehört) und / oder ob die Eltern zahlen können ... zumindest die Krankenversicherung.

Es genügt leider nicht ganz als junger Mensch krank zu sein und eine AU-Bescheinigung zu haben, damit steht noch lange nicht fest, dass man (auf längere Sicht oder überhaupt) nicht Erwerbsfähig ist ... das wird nur durch umfangreiche medizinische Untersuchungen / Behandlungen usw. zu beweisen sein und muss durch Begutachtungen von Ämtern (Med. Dienste) und letztlich durch die DRV erst mal (nachweislich / schriftlich) anerkannt und bestätigt sein.

Bis dahin sind insbesondere für U 25 ohne abgeschlossene Erstausbildung die Eltern vorrangig für den Lebensunterhalt ihrer Kinder verantwortlich.

MfG Doppeloma
 
G

Gelöschtes Mitglied 28373

Gast
Bei voller Erwerbsminderung auf Dauer gibt es wohl nen GruSi-Anspruch ab 18, auch wenn das Kind noch bei den Eltern wohnt und keine Ausbildung hat.
Aber die volle EM auf Dauer wird wohl auch eher nur bei schwer mehrfachbehinderten jungen Menschen festgestellt, wo wirklich nichts geht. Ansonsten wird das erstmal befristet festgestellt und da gibts nichts.

Von daher hier nicht wirklich relevant, nur der Vollständigkeit halber - es ist schon möglich, dass ein volljähriges Kind ohne Ausbildung und bei den Eltern lebend seinen eigenen Anspruch auf Grundsicherung hat.
 

Doppeloma

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Hallo Caye,

Von daher hier nicht wirklich relevant, nur der Vollständigkeit halber - es ist schon möglich, dass ein volljähriges Kind ohne Ausbildung und bei den Eltern lebend seinen eigenen Anspruch auf Grundsicherung hat.

Dafür fehlen aber viel zu viele Informationen (die ich ja bereits aufgezählt habe), in welcher Weise diese "Erwerbsunfähigkeit" bisher schon untersucht und und von welchen Ämtern bestätigt wurde ... noch klingt es nach einer rein privaten Einschätzung ... und die genügt nicht, um irgendwo finanzielle Ansprüche geltend zu machen.

Bei (frühzeitig) nachgewiesener EM / Behinderung / Schwerbehinderung kommen auch Kindergeld usw. in Frage ohne Ausbildungsbereitschaft / Vermittlungsbereitschaft zeigen zu müssen ... es mag dann auch andere Möglichkeiten für die Krankenversicherung geben aber im Moment scheint man ja nur etwas "überrascht" zu sein, dass der Sprössling ab 23. Lebensjahr nicht mehr (beitragsfrei) familienversichert sein kann.

MfG Doppeloma
 
G

Gelöschtes Mitglied 28373

Gast
Dafür fehlen aber viel zu viele Informationen (die ich ja bereits aufgezählt habe), in welcher Weise diese "Erwerbsunfähigkeit" bisher schon untersucht und und von welchen Ämtern bestätigt wurde ... noch klingt es nach einer rein privaten Einschätzung ... und die genügt nicht, um irgendwo finanzielle Ansprüche geltend zu machen.

Das wird auch in dem Alter nix mit dauerhafter Erwerbsminderung. Dafür muss schon eine schwere Mehrfachbehinderung vorliegen, bei der ganz klar ist, dass das Kind niemals für sich selbst wird sorgen können. Deswegen schrieb ich ja - für diesen Fall irrelevant, nur der Vollständigkeit halber. ;)

Bei (frühzeitig) nachgewiesener EM / Behinderung / Schwerbehinderung kommen auch Kindergeld usw. in Frage ohne Ausbildungsbereitschaft / Vermittlungsbereitschaft zeigen zu müssen ... es mag dann auch andere Möglichkeiten für die Krankenversicherung geben

Kindergeld für ein volljähriges "behindertes" Kind zu bekommen ist wesentlich einfacher, und mit dem Anspruch geht dann der Anspruch auf Familienversicherung einher.
Für den Kindergeldanspruch muss eine Behinderung vorliegen, die nicht über einen Grad der Behinderung nachgewiesen werden muss, sondern vom behandelnden Arzt bescheinigt werden kann.
Eine so schwere psychische Erkrankung wie sie hier geschildert wurde, geht nicht einfach so wieder weg, selbst wenn sie - was natürlich wünschenswert wäre - vielleicht zukünftig kaum noch Symptome verursacht, so dass der Sohn selbstständig und selbstfinanziert leben kann. Unabhängig davon besteht die Erkrankung aktuell auch schon lange genug, um eine Behinderung zu sein.
Die Behinderung muss unter 25 eingetreten sein, hier definitiv der Fall, der junge Mann ist ja noch nicht mal 25.
Und die Behinderung muss ursächlich dafür sein, dass der Sohn sich finanziell nicht selbst unterhalten kann - auch das ist hier der Fall. Auch hierfür füllt der behandelnde Arzt zum Nachweis ein Formular aus, der Nachweis ist also ziemlich einfach.

Da die Familienkassen wie gesagt meiner Erfahrung nach nicht sonderlich kooperativ sind, würde ich auf jeden Fall einen Widerspruch einplanen und daher damit rechnen, die Krankenkasse für ein paar Monate erstmal selbst bezahlen zu müssen. Aber das kann dann erstattet werden, wenn der Kindergeldantrag durch ist.

Und für die Zukunft macht es natürlich auch jetzt schon Sinn, mit der Familienkasse in Kontakt zu treten: Wenn der junge Mann weiter studiert, wird er vermutlich 25, bevor er fertig ist. Da eine Behinderung/Krankheit ihn daran gehindert hat, das Studium früher abzuschließen, kann für ihn auch dann weiter Kindergeld bezogen werden.
Ist sicher nicht verkehrt, das jetzt auch schon im Hinterkopf zu behalten.
 

Kibini

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Liebe Ines,
Wir haben 2003 Ähnliches erlebt. Unser Sohn, der nicht mehr bei uns gewohnt hat, ist mit 18 Jahren sehr schwer erkrankt.

Meine Empfehlung ist deshalb, unbedingt die Weiterzahlung des Kindergeldes zu beantragen. Mir ist seinerzeit von der Familienkasse ein Formular dafür zugeschickt worden. Falls das bei dir nicht geschehen ist, fordere das unbedingt an. Mit den entsprechenden ärztlichen Befunden sollte es keine Schwierigkeiten geben, die Weiterzahlung zu erreichen. Bei uns war es jedenfalls so.

Damit ist der Weg offen, dass euer Sohn familienversichert werden kann.

Ich wünsche dir viel Kraft und einen langen Atem für die nächste Zeit. Wir kämpfen bis heute.

Liebe Grüße
 
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