Hat jemand aktuell eine Erfahrung, wie die „Begutachtung“ durch den medizinischen Dienst während der Corona-Situation läuft?

humble

Priv. Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
10 Februar 2014
Beiträge
1.389
Bewertungen
4.861
Habe endlich meinen erkrankten Vater überzeugen können, den Antrag auf Pflegeleistungen zu stellen. Seine Parkinsonerkrankung verschlimmert sich merklich jedes halbe Jahr.
Auf dem Antrag wurde explizit nach den Telefonnummern gefragt, mit der Anmerkung:

Bei den Telefonnummern handelt es sich aktuell um Pflichtangaben, die ausschließlich zur Bearbeitung Ihres Leistungsantrages genutzt werden. Da aufgrund der aktuellen Situation der Pandemie Covid-19 eine persönliche Kontaktaufnahme durch die xxxxxxxxx und den Medizinischen Dienst nicht möglich ist, benötigen wir verpflichtend die Telefonnummern zur schnellen und abschließenden Bearbeitung Ihres Antrages.

Hat da jemand aktuell eine Erfahrung, wie die „Begutachtung“ läuft, wenn da tatsächlich keiner zur Bewertung des Pflegegrades in die Wohnräume kommen darf? Wird da über die Bewertung der Ärzte und telefonische Rücksprachen gewertet?

An den entsprechenden Hotlines konnte man mir nichts spezifischen dazu sagen, weil sich bei denen das ganze Prozedere angeblich von Woche zu Woche ändert.
 

Kerstin_K

StarVIP Nutzer*in
Mitglied seit
11 Juni 2006
Beiträge
25.435
Bewertungen
28.169
Bei meiner Bekannten vor einigen Monaten lief alles telefonisch. Der Gutachter hat mit ihr, der Pflegeperson und dem Pflegedienst gesprochen.
 

Antik 63

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
13 November 2017
Beiträge
916
Bewertungen
4.463
Hallo @humble,
Habe endlich meinen erkrankten Vater überzeugen können, den Antrag auf Pflegeleistungen zu stellen. Seine Parkinsonerkrankung verschlimmert sich merklich jedes halbe Jahr.
Auf dem Antrag wurde explizit nach den Telefonnummern gefragt, mit der Anmerkung:
Ja,das kenne ich,das hat bei uns auch lange gedauert bis ich meinen Mann davon überzeugen konnte,das ich den Pflegegrad Antrag stellen konnte.

Hat da jemand aktuell eine Erfahrung, wie die „Begutachtung“ läuft, wenn da tatsächlich keiner zur Bewertung des Pflegegrades in die Wohnräume kommen darf? Wird da über die Bewertung der Ärzte und telefonische Rücksprachen gewertet?
Ja,aber bei uns ging es um den Höherstufungsantrag,das kannst du Hier in meinem Thema lesen.

Wir hatten sogar kurz hintereinander zwei telefonische Begutachtungen,weil ich nochmal einen Widerspruch gemacht habe(das habe ich aber noch nicht im Forum geschrieben).
 

ZynHH

StarVIP Nutzer*in
Mitglied seit
6 Juli 2011
Beiträge
19.067
Bewertungen
26.260
Ich hatte meine Begutachtung letzten Monat, das Telefonat hat ca 20 Minuten gedauert und war sehr angenehm.
Ich hatte passende Befunde vorab eingereicht und ein zweiseitiges Schreiben über die ausgeführte, notwendige Pflege beigelegt.
Meine Tochter als Pflegeperson war leider nicht zugegen, aber es ging auch ohne sie, es wurde nicht nach ihr gefragt.

Die Anruferin hat im Prinzip nochmal den bereits eingesandten Fragebogen und mein Schreiben mit mir abgearbeitet.
Es war ein sehr angenehmes, rücksichtsvolles Telefonat.
 

HermineL

Super-Moderation
Mitglied seit
4 September 2017
Beiträge
5.604
Bewertungen
17.657
Bei meiner Bekannten vor einigen Monaten lief alles telefonisch. Der Gutachter hat mit ihr, der Pflegeperson und dem Pflegedienst gesprochen.
Ich hatte meine Begutachtung letzten Monat, das Telefonat hat ca 20 Minuten gedauert und war sehr angenehm.
Das war so auch bis Ende September möglich aber seit dem 01.10.2020 macht der MDK wieder Hausbesuche bei einem Pflegegutachten.
Weitere Infos in der angehängten PDF.
 

Anhänge

  • Hygienekonzept_MDK-Gemeinschaft_20-09-01-abgenommen_20-09-10.pdf
    1,1 MB · Aufrufe: 6

Kerstin_K

StarVIP Nutzer*in
Mitglied seit
11 Juni 2006
Beiträge
25.435
Bewertungen
28.169
Das dachte ich auch, aber da @humble schrieb, dass sich das derzeit jede Woche aendert, hatte ich angesichts des Infektonsgeschehens vermutet, dass man das schon wider geändert hat. Sinnvoll wäre es allemal, da viele Pflegebedürftige Risikopatienten sein dürften.
 

humble

Priv. Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
10 Februar 2014
Beiträge
1.389
Bewertungen
4.861
Vielen Dank für Eure Antworten.

Gerade eben hat die Pflegekasse angerufen. Für HH gilt inzwischen wieder ausnahmslos die telefonische Bewertung.

Das beruhigt ungemein, denn eine persönliche Begutachtung käme bei ihm ohnehin nicht in Frage. Er hat bei Übergang in die Rente (und gleichzeitiger Diagnose Parkinson mit Depressionen) eine Art Phobie gegen „Sozialleistungen“ allgemein entwickelt und auch die Pflegeleistungen empfindet er eigentlich immer noch als solche. Nach 30 Jahre Selbständigkeit und immer unabhängig auf eigenen Beinen gestanden, kam die Inanspruchnahme jeglicher Zuwendungen nie in Frage. Erst jetzt merkt er, dass eine professionelle Hilfe von Außen einfach notwendig wird, in den nächsten Jahren sowieso.

Ich hoffe, dass die Bearbeitung jetzt zügig vorangeht.
 

humble

Priv. Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
10 Februar 2014
Beiträge
1.389
Bewertungen
4.861
Ich habe mir die Vorgaben des MDK trotzdem durchgelesen. Ernsthaft? Das alles (insbesondere das Risiko der Ansteckung) will man den Pflegebedürftigen und den Angehörigen zumuten? Da ist doch jeder Pflegebedürftige danach traumatisiert, gerade wenn er schon seit Monaten in seinen geschützen Räumen sich sicher fühlte.

Das alles mag in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern funktionieren, aber ich würde nie so jemanden zu meinen kranken Eltern reinlassen...

P.S. Noch die Frage: Wenn ich ihm Antrag angegeben bin, werde ich dann automatisch als Pflegeperson eingestuft? Oder wird das erst später festgelegt?
 

Ozymandias1

Elo-User*in
Mitglied seit
9 September 2015
Beiträge
264
Bewertungen
174
Zur Allergie gegen Sozialleistungen:
Falls er Pflegegrad 2 bekommt, muss alle 6 Monate ein Beratungsbesuch stattfinden. Dauert ca. 10-20 Minuten üblicherweise.
 

Kerstin_K

StarVIP Nutzer*in
Mitglied seit
11 Juni 2006
Beiträge
25.435
Bewertungen
28.169
Das steht in jedem Bescheid. Damit soll sichergestellt werden, dass der Pflegebedürftige die notwendige Pflege bekommt und nicht nur das Geld kassiert wird.
 

ZynHH

StarVIP Nutzer*in
Mitglied seit
6 Juli 2011
Beiträge
19.067
Bewertungen
26.260
Das steht in jedem Bescheid. Damit soll sichergestellt werden, dass der Pflegebedürftige die notwendige Pflege bekommt und nicht nur das Geld kassiert wird.
Stimmt, du hast Recht. Steht gleich auf der ersten Seite im Anschreiben, auch das man mitgeteilt bekommt, wann es gemacht werden soll und das es wegen Corona bis auf weiteres ausgesetzt wird. Danke @Ozymandias1 und @Kerstin_K
 

humble

Priv. Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
10 Februar 2014
Beiträge
1.389
Bewertungen
4.861
Ich habe den Pflegegradtest gemacht und komme locker auf 3-4, eher auf 4. Wird sich zeigen.
Ärgere mich aber die ganze Zeit, dass den Eltern seit mindestens 1-2 Jahren soviel Geld entgangen ist.
Tja, entmündigen werde ich meinen Vater ja nicht...
 

Antik 63

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
13 November 2017
Beiträge
916
Bewertungen
4.463
Stimmt, du hast Recht. Steht gleich auf der ersten Seite im Anschreiben, auch das man mitgeteilt bekommt, wann es gemacht werden soll und das es wegen Corona bis auf weiteres ausgesetzt wird. Danke
Aber um den Beratungsbesuch musst du dich dann kümmern und dir einen Pflegedienst für den Beratungseinsatz aussuchen.


Ich habe den Pflegegradtest gemacht und komme locker auf 3-4, eher auf 4.
Du solltest dich da gut drauf vorbereiten und auch das Gespräch mit dem Gutachter führen.

Wenn du fragen hast dann melde dich einfach.
 

Ozymandias1

Elo-User*in
Mitglied seit
9 September 2015
Beiträge
264
Bewertungen
174
Ich habe den Pflegegradtest gemacht und komme locker auf 3-4, eher auf 4. Wird sich zeigen.
Ärgere mich aber die ganze Zeit, dass den Eltern seit mindestens 1-2 Jahren soviel Geld entgangen ist.
Bei Pflegegrad 4 sind die Beratungsbesuche übrigens alle 3 Monate vorgeschrieben.

Es gibt auch Möglichkeiten das Pflegegeld rückwirkend zu bekommen. Das ist allerdings sehr schwierig.
Beim Normalfall der schleichenden altersbedingten Pflegebedürftigkeit kann man nicht sagen, ab diesem Tag bestand die Pflegebedürftigkeit.
Bei Unfällen und schweren Diagnosen kann das schon eher der Fall sein. Dazu muss man aber nachweisen, dass z.B. eine Klinik oder der Hausarzt "geschlampt" haben. War es offensichtlich, dass dein Vater pflegebedürftig war?

Auszüge aus einem Urteil dazu:

III. Die (verspätete) Antragstellung am 18.11.2014 steht einer Leistungsgewährung bereits ab Juli 2013 nicht entgegen.

Nach den gesetzlichen Vorgaben des § 33 Abs. 1 (S. 3) SGB XI kommt - wie das Sozialgericht zutreffend ausgeführt hat - eine Gewährung von Pflegegeld vor dem 01.11.2014 ausgehend von einer Antragstellung im November 2014 zwar nicht in Betracht. Der Kläger ist jedoch nach den Grundsätzen des sozialrechtlichen Herstellungsanspruches so zu behandeln, als hätte er den Antrag bereits entsprechend früher gestellt.

Der sozialrechtliche Herstellungsanspruch setzt voraus (vgl. dazu im Einzelnen etwa Seewald in Kasseler Kommentar Sozialversicherungsrecht, Stand: 100. EL Juni 2018, vor § 38 SGB I Rn. 141 ff.), dass einem Versicherten (hier dem Kläger) durch eine Pflichtverletzung eines Leistungsträgers oder eines Dritten (hier der Beklagten/Uni-Klinik L) (dazu 1.), ein Nachteil entstanden sein muss (dazu 2.).

1. Als Pflichtverletzungen werden insbesondere eine fehlerhafte Beratung oder Auskunft (§§ 14, 15 SGB I) sowie eine fehlerhafte Aufklärung (§ 13 SGB I) angesehen (vgl. dazu Seewald a.a.O. Rn. 143 ff., 151, 154), wobei es auch denkbar ist, dass sich der zuständige Leistungsträger unter bestimmten Voraussetzungen Pflichtverletzungen Dritter zurechnen lassen muss (Seewald a.a.O. Rn. 183 ff.)

Davon ausgehend steht für den Senat nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme fest, dass hier eine Pflichtverletzung der Uni-Klinik L vorliegt (dazu a)), die der Beklagten zuzurechnen ist (dazu b)).

2. Dem Kläger ist durch die beschriebene Pflichtverletzung auch ein Nachteil im Sinne eines sozialrechtlichen Schadens (dazu im Einzelnen Seewald a.a.O. Rn. 168 ff.) entstanden.

Dieser besteht darin, dass der Kläger (jedenfalls) bereits ab Juli 2013 Leistungen in Form von Pflegegeld hätte erhalten können, wenn die Uni-Klinik L mit dem Einverständnis seiner Eltern die erforderlichen Informationen nach § 7 Abs. 2 S. 2 SGB XI an die Beklagte übermittelt hätte. Denn nach Eingang dieser Informationen wäre die Beklagte ihrerseits verpflichtet gewesen, den Kläger über die denkbaren Pflegeleistungen bzw. die hierfür erforderliche Antragstellung zu informieren (vgl. Wagner a.a.O.).

 

humble

Priv. Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
10 Februar 2014
Beiträge
1.389
Bewertungen
4.861
War es offensichtlich, dass dein Vater pflegebedürftig war?
Danke für Deinen Beitrag. Wie oben geschrieben, war es eine bewußte Entscheidung, den Pflegeantrag nicht früher zu stellen, die hier getroffen wurde. Erst jetzt, wo der Zustand meines Vaters sich in den letzten Monaten merklich verschlechter hat, merkt er selbst, dass meine Mutter und ich alleine den Anforderungen nicht gerecht werden.
Sie kamen übrigens mit ihren relativ kleinen Renten bis jetzt trotzdem aus. Allerdings muss jetzt der Wohnraumwechsel dringen angegangen werden und das dauert ja auch. Deswegen wird das Pflegegeld (egal wieviel es wird) zur Finanzierung der neuen Wohnräume schlicht notwendig gebraucht.

Das leuchtet ihm endlich ein, deswegen jetzt der Antrag. "Schuld" hat hier also keiner und trotzdem ärgere ich mich eben über das meinen Eltern eigentlich zustehende, aber aus eigener Entscheidung entgangene Geld.
 

humble

Priv. Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
10 Februar 2014
Beiträge
1.389
Bewertungen
4.861
Das ganze Prozedere läuft doch erstaunlich schnell ab. Gestern einen Brief direkt vom MDK an mich erhalten, da ich sowohl den Antrag im Namen meines Vaters unterschrieben habe, wie auch gleich die Vollmacht mitabgegeben habe, die notariell bestätigt und eingetragen ist.

Allerdings schreibt der MDK auch, dass ab dem 01.10 die Regelung mit den Besuchen im Prinzip gilt. Man will aber im Voraus diese Möglichkeit überhaupt erst abklären und schickt einen Fragebogen mit, in dem nach belastenden Erkrankungen gefragt wird, die dem Besuch entgegenstehen, wie halt vorgesehen. Dabei ist aber auch ein seitenlanger Fragebogen angefügt, der dem Begutachtungstest fast wortgleich entspricht.

Irgendwie wissen die alle selbst nicht wie es gehen soll, bei den sich ständig verschärfenden Zuständen. Ich werde jedenfalls alles möglich in Kopie mitschicken, damit sie dort ordentlich informiert werden und auf telefonische Begutachtung bestehen. Meinen Vater bringt jede Änderung des Tagesablaufes komplett durcheinander. Als vor 4 Wochen die Rauchwarnmelder überprüft werden sollten und sich Fremde (Techniker) in der Wohnung aufhielten, war er 3-4 Tage total durch den Wind.
 

humble

Priv. Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
10 Februar 2014
Beiträge
1.389
Bewertungen
4.861
Selbstverständlich. Bin schon recht gut vorbereitet und alle Abläufe und Einschränkungen genaustens notiert. Dies werde ich mit den Formularen mitschicken, damit die eine möglichst umfangreich Dokumentation bereits haben. Wird dem Gutachter sicherlich helfen beim Einlesen, oder es könnte sogar nach Aktenlage entschieden werden, denn jedem mit echter Facherfahrungen dürfte klar sein, wie der gesundheitlich Zustand 10 Jahre nach den ersten feststellbaren Symptomen bei Parkinson sein dürfte und das es nicht besser werden wird.

Habe den Pflegegradrechner nochmal laufen lassen, nachdem ich die ganzen Notizen mitbenutzt habe und komme auf über 75 Punkte. Das wäre ganz klar Grad 4.

Was mir aber gerade einfällt: Ich werde ja als Pflegeperson eingetragen sein, mit über 10 Stunden wöchentlich. Muss ich das eigentlich dem jc mitteilen, denn damit bin ich ja eigentlich gar nicht mehr vermittelbar (von meiner Dauer-AUB mal ganz abgesehen)? Muss ich dann „befürchten“, dass sie versuchen könnten, mich zum Sozialamt abzuschieben?
 
Oben Unten