Hartz IV : Endstation Ein-Euro-Job (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

Jakob

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Habe ich gerade bei T-Online gelesen:

Gesetzesänderung bei Hartz IV geplant
Ein-Euro-Jobbern droht die Endlosschleife

Eine geplante Gesetzesänderung soll ermöglichen, dass Ein-Euro-Jobs für Dauerempfänger von Hartz IV verlängert werden können - sogar mehrfach. Damit wird die bisherige Befristung des Billigstlohn-Arbeitsverhältnisses aufgeweicht.

Dauerbezieher von Hartz IV sollen künftig länger Ein-Euro-Jobs verrichten können. Die Förderdauer soll für solche Langzeitarbeitslose verlängert werden, die innerhalb der letzten zehn Jahre insgesamt neun Jahre lang Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende bekommen haben.

Das sieht eine Formulierung des Bundessozialministeriums vor für eine Änderung des Gesetzes zu Rechtsvereinfachungen bei Hartz IV, über das derzeit der Bundestag berät.

Mehrfache Verlängerung um jeweils 12 Monate

Die Betroffenen sollen künftig nach Ablauf der Höchstdauer von 24 Monaten erneut und auch wiederholt bis zu zwölf Monate in Arbeitsgelegenheiten gewiesen werden können. Das sind meist Ein-Euro-Jobs. Denn den Betroffenen sei es "auch bei guter Konjunktur kaum möglich, vom Aufbau der Beschäftigung zu profitieren und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen", so der Formulierungsvorschlag.

Derzeit dürfen erwerbsfähige Leistungsberechtigte in einem Zeitraum von fünf Jahren nicht länger als insgesamt 24 Monate Ein-Euro-Jobs zugewiesen werden. Dadurch soll verhindert werden, dass die Chancen der Betroffenen auf dem normalen Arbeitsmarkt kleiner werden.
Förderung ging deutlich zurück

Die Zahl der geförderten Jobs für Langzeitarbeitslose ging in den vergangenen zwei Jahren um mehr als ein Drittel zurück. Sie sank von knapp 140.000 auf unter 90.000. Von den rund 84.000 Stellen im Dezember 2015 waren 76.000 Ein-Euro-Jobs. Die Zahl der registrierten Hartz-IV-Bezieher, die länger als ein Jahr ohne Job sind, ging im gleichen Zeitraum nur um 1,4 Prozent auf etwa 927.000 zurück.
 

Rotten

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AW: Langzeitarbeitslose sollen länger in Ein-Euro-Jobs -Planung

Dann sollte man auch bei der Dauerzwangsrekrutierung erst recht versuchen, den Laden durcheinanderzubringen, dass die Leute dort erkennen, dass es keinen Sinn macht, Elo gegen ihren Willen quasi in ein Zwangsarbeitsverhältnis, das hoffnungslos und zukunftslos ist, auf Dauer zu zwingen
 

Dingenskirschen

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AW: Langzeitarbeitslose sollen länger in Ein-Euro-Jobs -Planung

Die 10% schon vor Augen nochmal schön die letzten Wähler unter den SGBII Beziehern verprellen. Da bringt auch das neue Putzfrauen-Maskottchen nix mehr. Nur weiter so, SPD!
 

0zymandias

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AW: Langzeitarbeitslose sollen länger in Ein-Euro-Jobs -Planung

Bizarr-Pizza, dick belegt, aus Link #1 in Posting #1:
Das Arbeitsministerium begründet den Vorstoß mit der schwierigen Lage für Langzeiterwerbslose: Ihnen sei es schließlich "auch bei guter Konjunktur kaum möglich, vom Aufbau der Beschäftigung zu profitieren und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen", heißt es in dem Formulierungsvorschlag, wie die Deutsche Presseagentur berichtet.
Das Superministerium mit seinem Füllhorn an Wundertütenmaßnahmen, Profiling-Voodoo und höchstallerbesten Controlling-Kennziffern bekommt seine Kernaufgabe der Vermittlung nicht und nimmer geregelt.

Schuld hat nicht der Bossa Nova, auch nicht der eine oder andere Mangel, wie ihn Hannemann, Wallraff und Konsorten mehr als einmal über laaange Jahre beschrieben haben, sondern der Erwerbslose.

Irgendwie.

Also lautet der Beschluss, dass er eben keine Arbeit bekommt und ganz doll fest, womöglich für immer, in Nicht-Arbeit gesteckt wird.
Was der Bundesrechnungshof dazu über Jahre hinweg mit sehr spitzem Stift festgehalten hat, ist auch komplett egal, merkt eh keiner, also auch noch mal 100.000 dieser Nicht-Jobs für Flüchtlinge obendrauf.

Wird schon gutgehen, denn das alte Motto lautet: Wird schon jemand auf mich schwören, wenn ihm 10 % gehören.
(Und Kommunen und Träger bekommen schon ihr Geld, keine Sorge; sonst würden sie das ja auch nicht machen. :biggrin:)
 
E

ExitUser

Gast
AW: Langzeitarbeitslose sollen länger in Ein-Euro-Jobs -Planung

Was der Bundesrechnungshof dazu über Jahre hinweg mit sehr spitzem Stift festgehalten hat, ist auch komplett egal
Das wirklich Absurde ist imho, dass sogar schon das BA-eigene Forschungsinstitut (IAB) wissenschaftlich evaluiert hat, dass das Gros all der Maßnahmen faktisch nix bringt. Ich zitiere diesbezüglich mal aus diesem aktuellen IAB-Bericht (S. 6), in dem es heißt:

"Teilnehmer an schulischen Trainingsmaßnahmen, deren letzte Erwerbstätigkeit ein bis drei Jahre zurück liegt, haben knapp zwei Jahre nach Förderbeginn eine um drei bis fünf Prozentpunkte höhere Beschäftigungschance als vergleichbare Nichtteilnehmer. Auch Teilnehmer, die länger als drei Jahre nicht oder noch nie in Beschäftigung standen, profitieren von schulischen Trainingsmaßnahmen; hier erhöht sich der Anteil der Beschäftigten um zwei bis drei Prozentpunkte. Auch der Inhalt der Trainingsmaßnahme ist von Bedeutung: Bewerbungstrainings weisen die geringsten Beschäftigungswirkungen auf, die Vermittlung von Kenntnissen die höchsten (Kopf/Wolff 2009)."

Bei einer Erfolgsquote von besagten 2-5% heißt das: Wenn wir 100 Personen in 2 Vergleichsgruppen betrachten, gehen in der Gruppe der 100, die eine Maßnahme absolviert haben, 2-5 Elos mehr in Arbeit als in der vergleichbaren Gruppe von Elos, die keine gemacht haben. Nicht nur ist das eine erschreckend geringe Zahl (Effekt nah bei null), auch sagt das allein noch nix über die Qualität (Dauer, Gehalt) der aufgenommenen Beschäftigung aus. Dass das aber nicht an die große Glocke gehängt wird, ist klar. :wink:
 
G

Gast1

Gast
AW: Langzeitarbeitslose sollen länger in Ein-Euro-Jobs -Planung

Es muss eine Partei her, die in ihrem Programm den Grundsatz zu stehen hat, dass es nicht für alle Erwerbsarbeit gibt, und dass jede(r) ein Anrecht auf ein Einkommen oberhalb des Existenzmimimums hat, das ggf. durch den Staat finanziert wird, ohne dass er oder sie als Arbeitsloser nach dem Prinzip des "Förderns und Forderns" durch die Arbeitsverwaltung behandelt wird, also auch den Schikanen der Arbeitsverwaltung ausgeliefert ist. Und dass deswegen die aktuelle Arbeitsmarktpolitik auf den Kopf gestellt werden muss, inkl. dem Einstampfen aller Sinnloßmaßnahmen und schonungsloser Berechnung und Bekanntgabe der tatsächlichen Arbeitslosenzahlen. Diese Partei muss dann Regierungsverantwortung übernehmen. Dafür muss sie aber erstmal gewählt werden. Und überhaupt erst einmal existieren.

Damit meine ich aber nicht die Kackpartei AfD (Alternative für Deppen). Die reaktionären bis rechtsextremen Mitglieder dieser Partei wären zu einer solchen Sichtweise gar nicht in der Lage.
 
E

ExitUser0090

Gast
AW: Ein-Euro-Jobbern droht die Endlosschleife

Das rauschte heute auch durch meine Timeline:
Hartz IV: Endstation Ein-Euro-Job


Wenn es nach Plänen des Arbeitsministeriums geht, sollen Langzeitarbeitslose noch länger als heute als Ein-Euro-Jobber arbeiten. Für die Betroffenen oft ein Nachteil.
Offiziell heißen Ein-Euro-Jobs "Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung". Bisher können Arbeitslose nicht länger als zwei Jahre, verteilt über einen Zeitraum von fünf Jahren, Ein-Euro-Jobs verrichten. Die Arbeitsmaßnahme hat einen Makel: Hat man als Bewerber eine Zeit als Ein-Euro-Jobber im Lebenslauf, sinken automatisch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Hartz IV: Endstation Ein-Euro-Job | ZEIT ONLINE
 

arbeitslos in holland

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AW: Ein-Euro-Jobbern droht die Endlosschleife

folgerrichtig, weil sich die betroffenen, gegen ihre ausbeutung nicht wehren.

wenn man eben selbst nichts für sich tut, machen es andere, erst recht nicht :icon_evil:

die schlagzeile widerspricht aber den niedrigsten arbeitslosenzahlen aller zeiten und dem umstand, dass DE auf dem weg in die vollbeschäftigung sei.

ich habe es schon immer gesagt: die DE sind die dümmsten erdlinge ! :icon_mrgreen:
 

arbeitslos in holland

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AW: Langzeitarbeitslose sollen länger in Ein-Euro-Jobs -Planung

Ich zitiere diesbezüglich mal aus diesem aktuellen IAB-Bericht (S. 6), in dem es heißt:
ja, das IAB hat seine existenzberechtigung nur wegen seines "dauernörgelns" über das IZA :icon_laber:. das IZA-konzept hat doch schon vor 20 jahren die "unterschicht als gratis arbeitsreserve" definiert. der film "bowling for columbine" streift die problematik und nennt eine auswirkung dieser entwicklung
der unterschied in den USA ist nur, dass dort ganz normale unternehmen, unterschichtler als gratisknechte ausbeuten dürfen.
in DE wird versucht, immer mehr bezahlte stellen, in gratis-knechtschaften umzuwandeln. das argument dabei ist: wer von steuergeldern lebt, hat an die gesellschaft zurückzuleisten.

in den NL sind gratis-knechtschaften GRUNDSÄTZLICH verboten
 

Anja

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Nach dem Mauerfall die Bananenrepublik

@BurnsTorn
Was sollen die vielen JC-Angestellten sonst tun, denn es gibt ja keine wirklichen Stellen für Elos und durch die jahrelange stigmatisierende Mobbingtour sind die Aussichten auch deshalb ziemlich schlecht, Stichpunkt Vorurteile.
Echt, ein wahnsinnig großer Verwaltungsapparat der so tut, als hätte er Jobs in die er Elos stecken kann und Elos, die so tun sollen, als würden sie sich über die Nicht-Jobs freuen, dazu eine Bevölkerung, die meint, es sei alles in Butter, da das JC so tut, als würde es Elos in Jobs vermitteln. Dazu erscheint der Elo auch noch schmarotzerhaft undankbar, wenn er verschimmeltes Tafelessen nicht essen möchte und sich über Eineurojobs ohne späteren Rentenanspruch aufregt!

Trägt das nicht auch die Handschrift der DDR? Motto: Wir tun so als hätten wir Arbeit und da alle ran müssen, besteht ein staatlicher Zwang mit der Androhung von Strafe!
 

Anja

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@arbeitslos in holland

Mir ist im Osten öfter aufgefallen, dass die Einstellung zur Arbeit wie unter Zwang erscheint. Sich mal in der Pause in Ruhe hinzusetzen und auszuruhen können viele AN nicht, stattdessen eher "es ist so viel zu tun, da habe ich keine Zeit für" selbst unsere Logopädin, die nur wenige Patienten hat und mit meinem Sohn eher trallafitti macht ("th" weg trainieren, englisch stört die Lehrerin) wirkt immer so, als würde sie sich als Wäscherin in einer Großwäscherei befinden und nur am jammern, so viel zu tun und so wenig Zeit, aber einen Lover in Spanien - naja, ich gönne ihn ihr ja.:wink:

Selbst Aerzte gehen hier mit ihren Angestellten so um "hier wird gearbeitet und nicht gefaulenzt" dementsprechend verkneifen sie sich sogar die Pausen!
 

arbeitslos in holland

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mir scheint es ein generationenproblem zu sein. die haltung zu pausen(keine zeit, gegessen wird während der arbeitszeit :eek:) begegnet mir immer wieder in den NL
das ist etwas, wogegen ich mich MASSIV wehre. pause ist: essen+trinken und den besch*ssenen laden nicht sehen müssen :icon_mrgreen:

der arbeitsmarkt widert mich immer mehr an :icon_kotz:
 

Anja

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Also ich habe gesehen, dass Arzthelferinnen in der Teeküche hastig ein Stück Stulle runterwürgten, einen Schluck Kaffee dazu und die Ärztin stand daneben. Das finde ich schon heftig.
Das kenne ich vom Westen her nicht so, da wurde immer auf die Pausen geachtet, aber wenn du schreibst, dass es in NL ähnlich läuft...

Eigentlich müssten sich die Industriestaaten besinnen und mindestens einen Gang zurück schalten, sonst wird unsere Erde bald unbewohnbar!
Das sehe ich auch als positiv bei der Erwerbslosigkeit an, man zerstört die Umwelt wesentlich weniger.
Ist es für uns auch schrecklich, aber wenn ich mir überlege, allein in Deutschland würden 10 Mio. Menschen mehr als Pendler unterwegs sein, mehr Autos brauchen, Schweine mästen usw...
 

Vidya

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Was schrieb die BA noch in 2013 - in BA 2020 ANTWORTEN AUF FRAGEN DER ZUKUNFT .sinngemäß:

Das der zweite Arbeitsmarkt und bisher erprobte Formen eines sozialen Arbeitsmarkts an ihre Grenzen gestoßen seien und wesentliche Schwächen offensichtlich würden:

Häufig seien Kunden ausgewählt, die nicht die Voraussetzungen der Marktferne erfüllten. sowohl zuweisende
Institutionen als auch Maßnahmeträger hätten hier nicht selten gleichgelagerte Interessen.

›» Teilnehmer an Maßnahmen des zweiten Arbeitsmarkts hätten es oftmals schwer, aus deren Strukturen
in den 1ten Arbeitsmarkt zu wechseln.

NA SOWAS - :icon_frown: - Und jetzt trotzdem noch mehr 1 Euro-Jobs?

Ich frage mich ernsthaft, ob die BA hier aufgrunddessen wirklich sehenden Auges handelt und sich noch daran erinnert, was sie in 2013 noch wusste - oder ob sie das vielleicht aktuell gar nicht mehr wissen will. :confused::

Denn eines ist klar: Erst durch die Teilnahme an diesen 1-Euro-Jobs ist der Elo für den 1. Arbeitsmarkt Geschichte und nicht schon vorher, wil AG immer automatisch denken, der sei ja faul oder mit dem stimme doch etwas nicht, denn sonst sei der doch nicht andauernd in einer solchen Maßnahme. Weder die BA noch die JC haben hier offensichtlich aktuell ein Interesse daran, dies verhindern zu wollen - wahrscheinlich, weil die Aussichten für deren Statisken offensichtlich zu verlockend sind.

Schlichtweg unglaublich, wie der Staat hier unverantwortlich in die Lebensplanung von von vielen Elos trotzdem eingreifen will. Da bin ich ja mal gespannt, wie dann die Aussagen der BA zu den Folgen dessen dazu in 5 Jahren aussehen und was dann wirklich noch von deren 1-Euro-Forever Plänen übrig ist.

Und -wie viele Elo sich das noch bis dahin gefallen lassen!!!
 

jockel

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AW: Nach dem Mauerfall die Bananenrepublik

@BurnsTorn
Was sollen die vielen JC-Angestellten sonst tun, denn es gibt ja keine wirklichen Stellen für Elos und durch die jahrelange stigmatisierende Mobbingtour sind die Aussichten auch deshalb ziemlich schlecht, Stichpunkt Vorurteile.
Echt, ein wahnsinnig großer Verwaltungsapparat der so tut, als hätte er Jobs in die er Elos stecken kann und Elos, die so tun sollen, als würden sie sich über die Nicht-Jobs freuen, dazu eine Bevölkerung, die meint, es sei alles in Butter, da das JC so tut, als würde es Elos in Jobs vermitteln. Dazu erscheint der Elo auch noch schmarotzerhaft undankbar, wenn er verschimmeltes Tafelessen nicht essen möchte und sich über Eineurojobs ohne späteren Rentenanspruch aufregt!

Trägt das nicht auch die Handschrift der DDR? Motto: Wir tun so als hätten wir Arbeit und da alle ran müssen, besteht ein staatlicher Zwang mit der Androhung von Strafe!
Die neuen Minijobregelungen fördern

  • die Steuer- und Beitragshinterziehungen der Unternehmer,
  • die Aushebelung geltender Tariflohn- und Tarifgehaltsregelungen, des Mindestlohns,
  • die Schwarzarbeit, Scheinselbstständigkeit, kostenlose Firmenpraktikas, kostenlose Ehrenämter.
Aber Diejenigen, die diese Minijobs auszuüben haben, können ihre Wohnungen nicht mietfrei nutzen und kostenlos in den Supermärkten und Discountern die Waren des täglichen Bedarfs aus den Regalen sich nehmen und an der Kasse ohne zu bezahlen vorbeimarschieren - mit dem Verweis, sie sind Minijobber.

Mit dieser Minijobberaktualisierung straft die Bundesregierung die Wirtschaftsverbände als Lügner, denn es werden dauerhaft keine Fachkräfte gebraucht - weder einheimische, noch Gastarbeiter, noch Flüchtlings-"Fachkräfte". Es geht einzig allein um dauerhaft unternehmerisch organisiertes Sozial- und Lohndumping.

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Nein, die DDR hate echte Arbeit und zwar tariflich bezahlt in allen Branchen. Jede Branche hatte ihren Rahmenkollektivvertrag (RKV), wo die Tariflöhne und -gehälter je Berufsart geregelt waren und die waren ab 75 DDR-Mark brutto lohnsteuer- und sv-beitragspflichtig. Davon träumen in der BRD die Arbeitskräfte. Die Arbeitskräfte wurden nicht in die Arbeitslosigkeit und nicht in Prekärjobs entsorgt. Es gab auch jederzeit echte, geförderte Aus- und Weiterbildung.

Die DDR hatte zuerst ein Gesetzbuch der Arbeit (GbA) und ab 1977 bis zur Wende die erheblich modernisierte Fassung - das Arbeitsgesetzbuch (AGB), galt durchgängig republikweit.

Die Rechtssprechung in der DDR war selbstkorrigierend von unten nach oben und war nicht auf die einzelnen kommunalen Bezirks- und Kreisgrenzen eingeschnürt. Ein Urteil von Rostock hatte genauao seine Gültigkeit, wie eins aus Suhl. Wenn am Ende ein Urteil des Obersten Gerichts rechtsgültig war, so war es gleichzeitig für jedermann allgemeinverbindlich zutreffend und nicht wie in der BRD jedesmall eine individualisierte Einzelfallentscheidung, wo der gleiche Fall eines anderen Klägers vom Urschleim an über alle Rechtsinstanzen nochmals wiedergekäut werden muß und zu einer gegensätzlichen Entscheidung führen kann.

In der DDR war so die Rechtsprechung keine privatwirtschaftlich organisierte, lukrative Endlos-ABM-Bereicherungsmaßnahme für die Justiz, wo die Kläger sich lebenslänglich verschulden mußten, um die Anwalts- und Gerichtskosten abzustottern.

Wenn in den DDR-Betrieben mal Auftragsmangel herrschte, dann hatte auch der Raffke-Westen dafür die Verantwortung zu tragen, denn schon damals wirtschaftete der Westen so verlogen und vergaunert wie heute mit Billigqualität mit eingebauten Sollbruchstellen wie aus Ramschläden und mit Prekärarbeitern (= Gastarbeitern). Ich erinnere an Wallraffs "Ganz unten" - Kumpel Ali bei Thyssen. Deshalb hatte die DDR bei internationalen Wirtschaftsausschreibungen das Nachsehen im Erhalt von Aufträgen. Die DDR betrieb kein Sozial- und Lohndumping über Subunternehmen. Sie war über die RKV an die Tarife gebunden.

Warum konnten Westfirmen neben dem Sozial- und Lohndumping noch billiger sein?

Im Westen wird die Privatwirtschaft gehätschelt und vor der Abführung der Unternehmenssteuern, Beiträgen, Gebühren an die Kommunen und dem Staat weitestgehend verschont. Sie bekommen die Infrastrukturen der Gewerbegebiete über den Steuerzahler quasi geschenkt.

In der DDR waren die VEBs und Genossenschaften verpflichtet, aus ihrem Betriebsgewinn die Produktionsfondsabgabe, die produktgebundene Abgabe und die Nettogewinnabführung an den Staatshaushalt abzuführen. Sie waren verantwortlich, daß der Staat seine kommunalen und staatlichen Pflichtaufgaben für die Bürger erfüllte.

Ein bundesdeutsches Privatunternehmen hat diese Pflichten nicht und wenn es was an den Staat oder eine Kommune spendet, wird das von ihrer Steuer abgesetzt.

Andererseits hatte die DDR

  • Kriegsreparationen an die Siegermächte zu bezahlen und
  • keinen Marshallplan und
  • bis 1961 eine offene Grenze
    • Verlust an Fachkräften,
    • Devisenprobleme durch die westlichen Wechselstuben und
    • durch die Wirtschaftsembargopolitik des Westens.
Wer natürlich politisch provozierte, bekam die Knute zu kosten.

Aber was bekam derjenige Provokateur bei Abschiebung in den Westen? Dasselbe wie heute - falsche Versprechen, Langzeitarbeitslosigkeit, Prekärarbeit und Hungerrente.
 

jockel

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@arbeitslos in holland

Mir ist im Osten öfter aufgefallen, dass die Einstellung zur Arbeit wie unter Zwang erscheint.
Sich mal in der Pause in Ruhe hinzusetzen und auszuruhen können viele AN nicht, stattdessen eher "es ist so viel zu tun, da habe ich keine Zeit für" selbst unsere Logopädin, die nur wenige Patienten hat und mit meinem Sohn eher trallafitti macht ("th" weg trainieren, englisch stört die Lehrerin) wirkt immer so, als würde sie sich als Wäscherin in einer Großwäscherei befinden und nur am jammern, so viel zu tun und so wenig Zeit, aber einen Lover in Spanien - naja, ich gönne ihn ihr ja.:wink:

Selbst Aerzte gehen hier mit ihren Angestellten so um "hier wird gearbeitet und nicht gefaulenzt" dementsprechend verkneifen sie sich sogar die Pausen!
Du meinst den Nachwende-Osten und nicht die Arbeitsverhältnisse in der DDR.

Gestern las ich, daß es den Arbeitern an den Fließbändern in Nachwende-Schlachtbetrieben und bei BMW in Nachwendezeit durch die Geschäftsleitungen verboten wird, auf die Toiletten zu gehen.

Ist wie bei Charlie Chaplin im Film Modern Times.
 
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Jockel, du hast noch vergessen, dass es in der DDR keine Sanktionen im Sinne der heutigen SGB II Rechtssprechung gab.




Da bist du gleich in den Knast gewandert und deine Kinder kamen ins Heim.

Wer keinen Beruf lernte, galt in der DDR als asozial und wurde inhaftiert.

Als Michael Lehmann 16 wurde, zog er von zu Hause aus und hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich wegen reinen Nicht-Arbeitens in den Knast komme“, erzählt er im Rückblick. „Als ich volljährig wurde, haben sie mich zu Hause abgeholt, am selben Tag ohne Anwalt vor den Richter gestellt – und abends in Rummelsburg nach Paragraph 249 abgeurteilt.“

Politische Gefangene in der DDR: ?Arbeitsscheu? gleich illegal - taz.de
 

jockel

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Jockel, du hast noch vergessen, dass es in der DDR keine Sanktionen im Sinne der heutigen SGB II Rechtssprechung gab.

Da bist du gleich in den Knast gewandert und deine Kinder kamen ins Heim.

Politische Gefangene in der DDR: ?Arbeitsscheu? gleich illegal - taz.de
Ist das Leben auf Kosten der Gesellschaft - eben das Schmarotzen und Sich-aushalten-lassen die anzustrebende Lebensweise - egal in welchem Gesellschaftssystem?

Du hast eigenartige Moralansichten. Wie willst Du da Deinen Lebensstandard im Alter und bei Krankheit oder Pflege sichern?
 
E

ExitUser

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Es muss ja erst einmal jeder Irrweg gegangen worden sein. Um zu merken das auch dies keine Lösung sein kann.
Der Vorschlag zerschiesst bei Umsetzung das Rentensystem weiter.
Erhöht die Zuzahlung in die Krankenkassen für Arbeitnehmer.
Und nützen? Wie soll das gehen wenn ich immer mehr Menschen parke?
Hauptsache die Statistik bleibt gleich. Und die Arbeitnehmer die noch ihren Job haben, stehen unter noch höheren Druck. Und es lassen die Verbreiterung des Mindestlohn geschehen.
Und die Einnahmen von oben genannten sinken zusätzlich. Genial wie die "Berufsdiletanten (Zitat Gabriel). Uns auch noch vor machen das er das ernst meinte als er sagte was ein Politiker ist.
 

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AW: Langzeitarbeitslose sollen länger in Ein-Euro-Jobs -Planung

Damit meine ich aber nicht die Kackpartei AfD (Alternative für Deppen). Die reaktionären bis rechtsextremen Mitglieder dieser Partei wären zu einer solchen Sichtweise gar nicht in der Lage.
Die machen dann "Steinbruch" für Elo. In Ketten, statt 1 Euro-Job.
 

Anja

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Es muss eine Partei her, die in ihrem Programm den Grundsatz zu stehen hat, dass es nicht für alle Erwerbsarbeit gibt, und dass jede(r) ein Anrecht auf ein Einkommen oberhalb des Existenzmimimums hat, das ggf. durch den Staat finanziert wird, ohne dass er oder sie als Arbeitsloser nach dem Prinzip des "Förderns und Forderns" durch die Arbeitsverwaltung behandelt wird, also auch den Schikanen der Arbeitsverwaltung ausgeliefert ist. Und dass deswegen die aktuelle Arbeitsmarktpolitik auf den Kopf gestellt werden muss, inkl. dem Einstampfen aller Sinnloßmaßnahmen und schonungsloser Berechnung und Bekanntgabe der tatsächlichen Arbeitslosenzahlen. Diese Partei muss dann Regierungsverantwortung übernehmen. Dafür muss sie aber erstmal gewählt werden. Und überhaupt erst einmal existieren.

Damit meine ich aber nicht die Kackpartei AfD (Alternative für Deppen). Die reaktionären bis rechtsextremen Mitglieder dieser Partei wären zu einer solchen Sichtweise gar nicht in der Lage.

Also, ich will jetzt nicht die AfD in Schutz nehmen, aber die CSU labert doch ähnlich wie die.
Die gehen gar nicht, Rot geht nicht mehr, CDU genauso wenig... Bei den Grünen weiß ich nicht, die haben auch für den SGB II gestimmt, dennoch geht es um Mutter Erde und deshalb habe ich sie nicht ganz abgeschrieben.
Die Piraten fand ich ganz gut, schade, dass sie so still geworden sind. Naja, die Mobbingattacken waren auch ganz schön heftig, zum Glück lässt sich die Linke davon nicht unterkriegen.

Merkel und Nahles bereiten sich mE auf den Wahlkampf vor. Eine halbe Million Elos weniger in der Statistik und es wird in den Medien wieder als Erfolg ihrer Politik gefeiert.
 
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